Kategorie: Werbung

  • Warum ich vielleicht nicht wählen gehe

    Warum ich vielleicht nicht wählen gehe

    EDIT, 10.9., 13.00 Uhr: Bei Facebook kriege ich für den Beitrag ein bisschen auf den Deckel, aber auch Eisangebote. Ich versuche dort, so halbwegs auf alles einzugehen, auch auf meine Fehler im untenstehenden Post.

    Am Tag der letzten Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus vor ziemlich genau einem Jahr saß ich gegen 17 Uhr auf einer Wiese im Jahn-Sportpark als mich ein Passant (im Folgenden Arsch genannt), Mitte dreißig, Bart, Mens Bun, Oberarmtattoos, amerikanischer Akzent – ich beschreibe das nicht aus Hipster-Hass so genau,sondern weil man wegen dem, was er am Ende dieses Absatzes zu mir sagen wird, eher von einem schlecht integrierten Siemensstädter mit nahöstlichem Migrationshintergrund ausginge – als mich jedenfalls besagter Arsch ohne irgendwelche Präliminarien mit der Frage behelligte, ob ich schon gewählt habe (mehr …)

  • Alles wird besser mit Wurst

    Wusstet ihr (ha! fast hätt ich geschrieben: wurstet ihr!), dass es einen Wurstpapst gibt??? Es gibt einen Wurstpapst!!! Wir sind Wurst!

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    Wenn ihr euch jetzt fragt, was das Köstliche daran ist: Nun, das Köstliche daran ist, dass er den gleichen Wursthop Workwurst  Workshop nochmal gibt, das ist das Köstliche daran! Überhaupt:  Ich finde ja, dass alles, wirklich alles besser wird mit Wurst: Wurstpapst, Wurstfinger, Wurstpuppe, Wurstblume, Wurst-Pad, Smart Wurst, Wurst Case, Hirnwurst, Wurstsalat, Blogwurst und, lecker, lecker, die Kombination aus Wurst und Sparsamkeit, gleich zwei deutsche Tugenden zum Preis von einer:

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    Mein Favorit ist aber immer noch diese Creation, die ich vor einiger Zeit auf einem Frühstücksbuffet entdeckte:

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    Auf die Wurst bin ich schon recht früh gekommen. Das hier war das erste Video, das ich je gemacht habe:

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    (Das Thema Wurst und Erotik wäre sicher einen eigenen Beitrag wert.)

    Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis: Bei aller Liebe zur Wurst kommt es auf eine abwechslungsreiche Ernährung an. Wie in diesem Bild ersichtlich stellt Wurst (links oben) nur die Spitze der Ernährungspyramide dar.

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  • Bettel Star Galactica

    Mehrere Facebookfreunde haben das Video empfohlen, insgesamt wurde es fast 30.000 Mal bei Facebook geteilt und mehr als 15 Millionen mal auf youtube angeschaut. Na gut, ich guck’s mir auch an: Sentimentales Klaviergeklimper. Ein blinder Mann sitzt auf einer Treppe neben einem Fußweg. Eine Blechbüchse und ein Schild: „I’m blind. Please help me!“ Passanten eilen vorbei, einige werfen achtlos eine Münze hin. Nahaufnahmen des traurigen Mannes und einiger Leute, die von seinem Leid ungerührt ihren Geschäften und Vergnügungen nachgehen.

    Eine hübsche Frau (soweit man das trotz ihrer Puck-die-Stubenfliege-Brille beurteilen kann) stöckelt an ihm vorbei, hält inne, kehrt um und hockt sich vor ihn. Während er ihre Schuhe abtastet, schreibt sie wortlos etwas auf die freie Rückseite seines Pappschildes und stellt es wieder hin. Dann geht sie, und in der Folge kann sich der Bettler kaum noch vor Spenden retten, er kommt kaum mit dem Einsammeln der Münzen hinterher, die auf seine Sitzdecke herabregnen, niemand geht mehr vorbei, ohne sein Portemonnaie zu zücken, er sollte dringend über die Anschaffung eines Kartenlesegerätes nachdenken oder morgen zumindest eine Schubkarre mitbringen.

    Schließlich hockt sich die junge Frau erneut vor ihn, er erkennt sie an ihren Schuhen. „What did you do to my sign?“, fragt er.

    „I wrote the same“, antwortet sie lachend, etwa so, als würde sie einem kleinen Kind erklären, dass es doch nicht schlimm sei, dass es eingepullert habe, „but with different words!“

    Abgang der Frau, Schwenk auf das von ihr geschriebene Schild: „It’s a beautiful day and I can’t see it.“ Schwarzblende. 2 Schrifttafeln zu ausfadender Schnulzmusik. „Change your words. Change your world“, sagt die erste, die zweite stellt die Internetmarketingfirma vor, die mit diesem Rührstück für ihre Dienste wirbt.

    Ich lese ein paar Kommentare: „Wie schön, mir geht das Herz auf“, „Das ist so süüüüüüüüß“, „Wenn es doch mehr Menschen wie diese nette Frau gäbe“, „Teilt dieses Video, das sollten sich manche mal zu Herzen nehmen“, „Ich hätte fast geweint“. Statt zu weinen kotze ich in breitem Strahl auf die Tastatur (denkt einfach an die Restaurantszene aus „Der Sinn des Lebens“). Ich weiß vor Schreck gar nicht, was ich schlimmer finden soll: Das Video selbst, die angehängte Werbetafel oder die Kommentare. Mit einem Kotzkübel auf den Knien zwinge ich mich, mir das Video noch dreimal anzuschauen und noch ein paar Dutzend Kommentare zu lesen, in der Hoffnung, einen Hinweis darauf zu finden, dass das alles nur Satire ist – erfolglos.

    Was für Menschen machen sowas? Was für Menschen klicken bei sowas „Gefällt mir“? Warum dauert es noch fast drei Wochen, bis die Welt endlich untergeht?

    Armut – ein Problem schlechten Marketings.

    Da war diese vollkommen besoffene Frau gestern am Nollendorfplatz. Parka, strähniges Haar, eine Goldkroneflasche in der einen, einen halbzerfetzten, nach oben geklappten Regenschirm in der anderen Hand stand sie im Schneeregen und blaffte ab und zu „Fuffzich Zent, mal ’n Euro“. Statt Pianokitsch gab es „Lasst uns froh und munter sein“ von Nena aus dem Ghettoblaster eines anderen Betrunkenen, der zehn Meter weiter Stellung bezogen hatte. Welche Worte würden die Welt dieser Frau ändern und zu einem signifikanten Umsatzplus führen? Vielleicht: „Es ist ein beschissener Tag. Und ich muss ihn doppelt sehen.“

    Gar nicht schlecht, oder? Ich war ja mal Werbetexter, vielleicht sollte ich mich in den Dienst der guten Sache stellen und (gegen eine faire Umsatzbeteiligung) die Armut in Deutschland besiegen. „Bettel Star Galactica“ wäre ein ziemlich cooler Name für die Agentur. Statt dem langweiligen „Bitte 50 Cent für Hundefutter“-Schild, würde ich dem Punk vor dem McDonalds einen „Lassen Sie ein Hundeherz höher schlagen“-Aufsteller gestalten, komplett mit vielen Herzchen und einem Link zur Facebook-Fanseite des Hundes, die ich gegen entsprechenden Aufpreis ebenfalls einrichten und pflegen würde.

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    (Dieses Bild hat mit dem Artikel nichts zu tun. Ich möchte mir nur nicht nachsagen lassen, ich würde immer nur meckern und vollkommen ignorieren, dass eigentlich alles immer besser wird.)

    Ich weiß gar nicht, warum ich mich über dieses Filmchen (und vor allem über die erschreckend dummen positiven Kommentare darunter) so aufrege. Es ist doch eigentlich viel schlimmer, dass es überhaupt bettelnde Menschen gibt, als dass irgendjemand diesen Umstand für klebrigen, paternalistischen Eigenwerbescheiß ausbeutet und Tausende dumme Menschen sich davon rühren lassen. Aber man kann sich ja auch nicht immer aussuchen, worüber man sich besonders ärgert.

    Vielleicht bin ich ja ein kaltherziger Zyniker, der den Menschen nur die Märchen kaputtmachen will, die sie doch brauchen, um in einer Welt ohne Happy Ends klarzukommen (dabei hat mir doch „Slum Dog Millionär“ selber so gut gefallen und wenn ich mir endlich mal „Pretty Woman“ angucken würde, müsste ich bestimmt auch weinen). Und überhaupt: Wenn es in Dritte-Welt-Slums kein fließendes Wasser gibt, dann sollen die Leute halt Milchkaffee trinken.

    (Volker Strübing)

    Ach so: Wer den Film sehen will: http://www.youtube.com/watch?v=Hzgzim5m7oU. Ein paar Klicks mehr machen jetzt auch nichts mehr.

     

  • O! So phil Philosophie!

    Die lange totgeglaubte Philosophie boomt derzeit wie seit den Tagen der ollen Griechen nicht mehr. Gar nicht so sehr wegen der Beststeller von Precht und anderen populärwissenschaftlichen Philosophieerklärern , sondern wegen der starken Philosophienachfrage seitens der Wirtschaft. Jede popelige Schraubenbude braucht ja heutzutage eine „Philosophie“, wenn sie sich am Markt behaupten will, Produkte alleine reichen schon lange nicht mehr. Ein Glück für alle Studenten dieser edlen Geisteswissenschaft, die früher dazu verdammt waren, in Holzfässern, schimmligen Wohnungen oder Feuilletons vor sich hinzuvegetieren. Endlich werden sie gebraucht. Manche Unternehmen scheinen sich regelrechte Philophieabteilungen aufgebaut zu haben.

    Zum Beispiel der Fernsehhersteller Loewe, für den irgendein Manager in einem Interview auf Inforadio nicht eine, nicht zwei, sondern gleich drei Firmenphilophien präsentieren konnte. Ich stelle mir gern ein Großraumbüro voller sympathisch angetrottelter Philosophen vor, überall stehen Kaffeetassen, Teller mit Rühreiresten, halbleere  Schierlingsbecher (oder halbvolle? Ein ewiger Streit in der Abteilung!) herum, die Luft ist aufgeladen von kreativer Energie, die sich hin und wieder in Geistesblitzen entlädt: „Platon!“, brüllt da plötzlich einer  und Krümel des  Pflaumenstreuselkuchens, an dem er gerade gekaut hatte, als die Erleuchtung ihn ereilte, fliegen durch den Raum. „Höhlengleichnis!“, fügt er hinzu und plötzlich ist kein Halten mehr. Die Philosophen laufen wild gestikulierend durcheinander, Haare werden gerauft, Bärte gezupft, Kaffeetassen umgekippt. Natürlich! Das Höhlengleichnis, das ist es! Was könnte besser zu einem Fernsehhersteller passen!

    Sieben Monate später, nachdem sich meherere miteinander unversöhnlich streitende philosophische Schulen gebildet, wieder aufgelöst und neu gruppiert haben, die Hälfte der Belegschaft in den Selbstmord getrieben wurde und die Mitarbeiter in der Beschwerdeabteilung eine Etage tiefer wegen des Geschreis und Getrampels über ihnen kaum noch arbeiten konnten, ist es soweit: Die Philosophen legen der Geschäftsführung die von ihnen ausgearbeitete Unternehmensphilosophie vor, ein 4000 Seiten dickes Manifest in drei Bänden, ledergebunden, die ersten beiden Bände in Schweinsleder, der dritte in die Haut eines Neopositivisten, der bei der Kaffeekasse beschissen hatte.
    Die Geschäftsführung ist beeindruckt und gibt das Werk an die Marketingabteilung weiter mit der Bitte, es ein wenig zu kürzen, man habe morgen einen Interviewtermin auf der IFA und wolle der Öffentlichkeit gerne drei Unternehmensphilosophien vorstellen.

    Und so durfte ich mir schließlich folgendes anhören (Gedächtniszitat): „Unsere erste Philosophie ist Qualitätsarbeit. Unsere zweite Philosophie ist verantwortungsvolles Unternehmertum. Und unsere drittte Philophie ist ‚Made in Germany’“ Sich des Umstandes, dass nicht alle Zuhörer Philosophie studiert haben, voll bewusst fügte er noch einen besonders schönen Satz an: „Und diese Philosophie können wir in Deutschland am besten leben„. Yeah! Soviel „lebenswerte“ Philosophie war selten.

    (Zur Philosophie dieses Unternehmens liegen mir leider keine Informationen vor.)

    (Volker Strübing)

    PS: Bin noch etwas irritiert, weil die berühmte Schweizer Philosophin Hazel Brugger kürzlich darauf hinwies, das „Volker Struebing“ ein Anagramm zu „Kotversilberung“ darstellt. Klingt jedenfalls nach ner prima Geschäftsidee, man möchte fast sagen, nach einer Philosophie: Aus Scheiße Silber machen.

  • Schnipsel vom 18.1.2012

    • Jetzt ist es wirklich fast geschafft (zumindest, was mich betrifft): Gestern haben wir die Sprachaufnahmen für die Fernsehserie „Die Nonne und Herr Jilg“ gemacht, vorgestern haben wir die Untertitel gesetzt. Ostern wird sie auf ZDF Kultur gesendet (und kann im Internet geguckt werden), und vorher werde ich noch einige Male darüber schreiben. Für heute muss noch ein kleines Foto von der Reise reichen:

    (Ramallah)

    • Das heißt: Ich komme jetzt hoffentlich dazu, den neuen Kloß-und-Spinne-Film fertigzustellen. Also, eigentlich ist er ja schon fertig, aber ich brauche noch mindestens eine Woche für den Schluss. Der wird nämlich aus einem Musikvideo bestehen, bei dem ich mal eine (für mich) neue Grafik- und Animationstechnik ausprobiere.

    • Spontaner Brechreiz beim Sonntagsspaziergang, als ich die oben abgebildeten Plakate sah: Photogeshoppte Models, die mit einem Billigwitz dafür werben, die nicht mehr innen Jacken (sagt man das so? Ich schon!) der letzten  Saison zu spenden. Ey Mann, die hängen doch eh nur im Schrank rum, da ist gar kein Platz mehr für die Jacken, die ich mir demnächst kaufe, weißt Du, und ich meine, Solidarität wird ja laut Duden groß geschrieben und so, und ich geb denen auch gerne mal n Euro, das tut mir ja nicht weh …’Wohltätigkeit finde ich sowieso … problematisch. Also das Prinzip Wohltätigkeit, Charity, Spenden, die ganze Scheiße. Das Spenden selbst ist in den meisten Fällen sicher eine ehrenhafte Sache (bilde ich mir zumindest ein, wenn ich es selbst tue) und notwendig ist es leider auch oft. Ich will das gar nicht als modernen Sündenablass verunglimpfen. Viel schlimmer ist, dass Wohltätigkeit die Verhältnisse zementiert. Obdachlose brauchen eigentlich keine milden Jackengaben, sondern Wohnungen und die Kinder in der dritten Welt brauchen keine BILD-Spenden-Gala-Gelder, sondern grundsätzliche Veränderungen. (So sprach der Blog-Autor, kochte sich noch einen Kaffee und verschob das Einleiten besagter Veränderungen auf morgen.)

      Außerdem hat die Wohltätigkeit natürlich auch immer etwas Herablassendes, und genau das fiel mir bei den Plakaten dort oben wieder auf. Mein Lieblingsbeispiel dafür ist immernoch die Kampagne, mit der die PanChristoffel Blindenmission vor einigen Jahren die Straßen schmückte. Über irgendeinem Spruch von wegen soundsoviel Euro retten jemanden vor dem Erblinden prangten verschiedene Portraits von Afrikanern, bei denen die Augen durch Geldeinwurschlitze ersetzt waren(siehe hier).

    • Zum Schluss noch zwei Fotos. Nur so. Sonnenuntergang in Berlin und Schlangestehen in Hamburg, im Übel&Gefährlich bei den deutschsprachigen Slammeisterschaften 2011.

    (Volker Strübing)

  • Mal was anderes?

    Zum Beispiel einen kecken, modernen Hitlerjungenschnitt?

    Ich musste lange nachdenken, bis ich darauf kam, dass dieser Friseur eben gerade keine HJ-Tolle anpreist, sondern darauf aufmerksam machen möchte, dass er (seiner Meinung nach im Gegensatz zu allen anderen Friseuren) auch noch mehr zu bieten hat. Zum Beispiel kecke, moderne 80er-Jahre-Frisuren wie in der kleinen Grafik links angedeutet.

    Man muss schon höllisch aufpassen, was man schreibt, sonst kann das ganz schnell missverstanden werden. Die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft zum Beispiel macht Werbung fürs Schwarzfahren:

    (VS)

    PS: „Mister und MissisSippi“ haben eine wichtige Hürde genommen. Hier gibts einen kleinen Werkstattbericht.

  • Willkommen bei den Lumen

    Um die Profite zu steigern oder zumindest auf gleichem Niveau zu halten, sind ständig wachsende Absatzmengen notwendig. Nicht die Nachfragen und Wünsche der Kunden treiben also das System an, sondern die Marketingabteilungen.
    Gorz zitiert den Leiter einer US-Agentur: „Ich betrachte die Werbung als Erziehungs- und Aktivierungskraft, die in der Lage ist, die für uns notwendigen Nachfrageveränderungen einzuleiten.“
    Der Kunde steht im Dienst einer Produktion, die ein Maximum an Überflüssigem hervorbringt, das schnellstmöglich kaputtgehen muss, um Platz für neue Waren zu schaffen.

    Annette Jensen in der Taz vom 13./14.6.
    über das Buch „Auswege aus dem Kapitalismus“ von André Gorz

    Sehr schön zusammengefasst. Ein wirklich zufriedener Kunde ist das letzte, was sich irgendein Hersteller wünschen kann. Zufrieden darf er nur mit dem kurzen Kick des Neukaufs sein, damit er sich den auch in Zukunft mit Produkten desselben Herstellers holt. Und die erste und wichtigste Aufgabe der Werbung ist es, die Menschen unzufrieden zu machen.

    Lesetip: „Unheimliche Erscheinungsformen auf Omega XI“ von Johanna und Günther Braun.

    (VS)

  • Statt statt Inhalt

    Gerade habe ich ein Wahlplakat der Tierschutzpartei mit dem sprachlich etwas wackeligen Slogan „Alternativmethoden statt Schwächere zu missbrauchen“ gelesen. Diese Form der Werbung ist ja recht beliebt. In der Uckermark hingen Plakate der CDU, auf denen „Taten statt Bürokraten“ gefordert wurde. Eine sehr mutige Aussage, wenn man bedenkt, dass sie damit alle potentiellen Wähler, die lieber Bürokraten als Taten hätten, vergrätzen. Da sieht man doch gleich, dass sie es ehrlich meinen.
    Ich hatte nun die Idee, ins Wahlwerbegeschäft einzusteigen und den etablierten Werbeagenturen mit Dumpingpreisen die Kunden abzuknöpfen, indem ich individualisierbare Standard-Wahlwerbesets zum günstigen Preis anbiete. Einfach Plakate mit Slogans wie „Gute Politik statt schlechte Politik“ oder „Was sie sich wünschen statt was sie doof finden“ oder „Sonnenschein statt Zahnschmerzen“. Rechts unten in der Ecke könnten die Parteien einen Aufkleber mit ihrem Namen aufkleben. Kleine Parteien, die nicht genug Geld haben, könnten auch nachts heimlich den Aufkleber auf den Plakaten  der anderen durch ihren eigenen ersetzen, das würde dem Pluralismus guttun.
    In diesem Sinne:
    Buchstaben statt Kinderpornos. www.schnipselfriedhof.de

    (V.S.)

    PS: Eigentlich müsste ich mich ja freuen, dass sich die SPD mit ihrer Kampagne „(irgendetwas negatives) würde (gegnerische Partei) wählen“ etwas urst originelles hat einfallen lassen. Haha, ein Finanzhai, der FDP wählen würde, für die ganz dummen noch als grinsender Haifisch im Anzug visualisiert, man reiche mir den Holzhammer, ich muss den Wähler überzeugen … aber ich kann halt nur meckern, meckern, meckern und stelle mir dabei immer sofort ein leeres Plakat mit dem Slogan „Niemand würde SPD wählen“ vor.

  • Hoffentlich kriegt jetzt niemand Alpträume …

    Weihnachtseinkäufe sind einer der Schrecken der modernen Zivilisation. In Berlin hat es sich der Kaufhof am Alex ganz uneigennützig zum Ziel gesetzt, die Verbraucher zu warnen:

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    Ist diese Frau komplett am Computer gemacht oder ist das nur ein Photoshop-Overkill? Das Ergebnis ist jedenfalls mindestens so gruselig wie das Filmposter zu Saw IV, allerdings nur halb so schön wie mein Lieblingsreklameplakat der letzten Jahre:

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    Nein, der Bauzaun im Vordergrund stört nicht, ohne ihn wäre das Bild noch viel beunruhigender und ich hätte mich nicht so nah an diese … ja, was? Wer-erdbeere? … herangetraut. Ist Zörbiger eigentlich nach dieser Plakataktion Pleite gegangen? Bestümpt. Doch, doch ganz sicher, wenn danach noch jemand was von denen gekauft hätte, würde ich meinen Glauben an die Menschheit verlieren.

    (Volker Strübing)