Kategorie: Werbung

  • Unsterblich betrunken

    Aus Mensch+Gesundheit 4/2006, „Regelmäßige Beilage In Ihrer Tageszeitung“ (Man sagt salopp auch Scheißwerbescheißbeilagenscheiße zu so was), S. 4 unter der Überschrift „Ein Gläschen In Ehren“:
    „Moderater Alkoholkonsum schützt ältere Frauen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Durchblutungsstörungen. Dies ist das Ergebnis einer australischen Langzeitstudie, die 12.000 Frauen über 70 Jahre sechs Jahre lang begleitete. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine italienische Studie unabhängig vom Alter. Demnach senkt ein moderater Alkoholkonsum (zwei Gläser Wein oder Bier pro Tag) die Sterblichkeit um 18 Prozent.“
    Also wenn das so ist, dass die Sterblichkeit um 18% gesenkt wird, dann gehe ich jetzt noch mal zum Spätverkauf, wenn mich das der Unsterblichkeit näher bringt. Oder müsste ich dazu eine Frau sein?
    (Andreas Krenzke)

  • Noch dööfer als Fussball: Spam

    Heute ist das erste Mal Spam in der Top 500 der Dinge, die besser sind als Fussballgucken aufgetaucht. Finster: Ich krieg ihn nicht weg! Normalerweise logge ich mich als Administrator ein und dann steht hinter jedem Beitrag ein Feld „Löschen“ – da klick ich drauf und schon ist der unerwünschte Eintrag weg. Das müsste ich jetzt zwar hunderfünfzig mal machen, denn der Spambot war sehr fleißig, aber das würde ich gerne auf mich nehmen. Aber hinter den Spameinträgen (irgendwelche code-Zeilen, die auf Online-Casinos und Viagra-Shops verlinken sollen) erscheint das „Löschen“-Feld nicht! Gruslig. Tube will sich drum kümmern, wenn er Zeit hat. Daumen drücken.

    (Volker Strübing)

    PS: Ja, kann ja sein, dass es döfer geschrieben wird, aber das sieht noch dööfer aus, finde ich.

    Update, 18.00 Uhr: Ein Hoch auf Tube! Er hat die Spambeiträge gelöscht! Sein Trick: Statt wie ich den blöden, doofen, ollen Firefox zu benutzen, hat er die Adminseite mit dem guten alten, von allen gehassten IE 6 geöffnet und die Löschen-Felder wurden angezeigt!  Ein Hoch auf Tube und ein Hoch auf Bill! (Bitte entschuldigt diesen Überschwang, ich bin bloß froh, dass der Mist vorerst aus der Liste raus ist.)

  • Wettbewerbsvorteil

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    Diesem revolutionären Konzept gehört die Zukunft. Bäcker mit wöchentl. ofenfrischen Backwaren werden es in den nächsten Jahren immer schwerer haben.

    (Volker Strübing)

  • Lizenz zum Werben

    Gestern doch noch Casino Royale gesehen. Doofer Film. Glaubt den Lobeshymnen nicht! Auch nicht, wenn sie von eigentlich vertrauenswürdigen Leuten stammen! Glaubt mir! Doofer Film …

    Ich erspar mir eine Spoilerwarnung – das einzige, wovor ich warnen will, ist der Film.

    Ein wichtiger Rat zu Anfang: Falls ihr doch reingeht, kommt um Himmels Willen mindestens eine halbe Stunde zu spät. Im Colosseum haben sie uns genau 45 Minuten Werbung vorgesetzt – unerträglich. Und als ich dachte, jetzt geht der Film los, fand ich mich in einem 145 Minuten dauernden Werbespot für Sony, Sony-Ericson, Ford und den von mir hochverachteten Gunther von Hagens und seine Körperwelten („Body Worlds“) wieder. Ich übertreibe nur leicht. Es gibt deutlich mehr Szenen, in denen man auf das Display (und das Logo) eines Sony-Ericson-Handys starrt, als Action-Sequenzen.

    Der Film ist eine Art „Wie alles begann“, was natürlich etwas komisch ist, da er im Jahr 2006 spielt, aber damit habe ich kein Problem. Viele Rezensionen lassen sich begeistert darüber aus, dass hier gezeigt würde, wie James Bond zu James Bond wird. In einigen ist sogar von Charackterentwicklung die Rede. Versteh ich nicht.

    Ganz am Anfang begeht er die ersten beiden Morde seines Lebens, für die ihm die Doppelnull verliehen wird. Den ersten Mann ertränkt er im Waschbecken, dem zweiten sitzt er, nachdem er ihn entwaffnet hat, im Sessel gegenüber und unterhält sich ein bisschen mit ihm.

    (Gedächtniszitat:)

    Mordopfer: Verstehe. Das erste Mal ist immer das schwerste. Ich nehme an, das zweite Mal fällt es …

    JB: (erschießt ihn) Ja. Erheblich.

    Zu Anfang ist er also ein kaltblütiger Killer mit einem Hang zu coolen Sprüchen. Am Schluss ist er ein … na, ratet mal.

    Einziger Unterschied: Zu Beginn ist es ihm noch egal, ob gerührt oder geschüttelt wird, er muss erst lernen, dass es Dinerjacketts und Dinerjacketts gibt und er hat den Satz „Mein Name ist Bond, James Bond“ noch nicht im Repertoire. Um diese erstaunliche Entwicklung durchzumachen, bedarf es ein bisschen Action, ein bisschen Liebe (wirklich nur ein bisschen, ansonsten könnte er, kurz nachdem er ihre Leiche im Arm gewiegt hat, kaum sagen „Die Schlampe ist tot“, weil er denkt, sie hätte ihn verraten) und leider sehr viel langweiliges, weil im Endergebnis vorhersagbares Pokern am Casinotisch. Ach ja, und ein bisschen Genitalfolter – gut dass der Film erst ab 12 ist, denn unreifen Menschen sollte man so etwas vielleicht nicht unbedingt zeigen. Gibt es eigentlich ein Sarkasmus-Smiley?

    Ein paar gehirnausschaltende, spektakuläre Actionsequenzen hätten mich mit all dem versöhnt – das war es schließlich, was ich sehen wollte -, aber eigentlich gibt es im ganzen Film nur zwei, und die sind zwar ganz okay, aber mehr auch nicht.

    Vielleicht bin ich ein bisschen ungnädig. Weil ich diese Woche schon einen guten Film gesehen habe und sowieso nicht gut drauf bin.

    Nö. Quatsch. Was soll jetzt diese Relativierung?! Doofer Film!

    (Volker Strübing)

  • Stuttgart in Schnipseln

    1) Gut zu wissen
    Als ich am Sonnabend einem Bekannten erzählte, dass ich Sonntag nach Stuttgart fahren wolle, sagte er, dass er dort nicht tot über Zaun hängen möchte. Wenn ich ihn das nächstemal begegne, werde ich ihn beruhigen: Er würde dort auf keinen Fall lange hängen. Tot-übern-Zaun-hängen wird dort nicht geduldet. Ich habe in Stuttgart nicht einen Menschen tot übern Zaun hängen sehen. In Stuttgart achtet man noch auf gepflegte Zäune.

    2) Auch Stuttgart hat kleine Fehler

    In Stuttgart gibt es eine Mercedes-Konzern-Zentrale, Weinberge, kleine Biere für 3 Euro, einen wunderbaren Slam in der Rosenau, demnächst einen asynchronen Brauseboy, aber es gibt auf dem ganzen Hauptbahnhof kein Geschäft, in dem ein herumreisender Slammer einen Ersatz für seine in Berlin vergessene Zahnbürste erwerben kann. Das ist nicht schön.

    3) Goethe geschändet! Mercedes in Gefahr!

    Die oben erwähnte Mercedes-Konzern-Zentrale hätte ich heute morgen beinahe abgerissen, nur so, aus Jux und Dollerei – ich fühlte mich ausgeschlafen und nach einem Besuch bei dm („Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein“), auch wieder wie ein Mensch, was aber nicht an deren zutiefst verabscheuungswürdigen Werbeslogan, sondern schlicht an der dort gekauftenZahnbürste lag – kurz: Ich fühlte mich zum Konzernzentralenabreißen! Und weil ich auf der Fahrkarte Reisedatum (11.09) und Abfahrtszeit (11.32) verwechselt hatte, blieb auch noch genug Zeit. Aber dann ist mir eingefallen, dass ich erst am Sonnabend noch einem zweiten Mann von meiner bevorstehenden Stuttgartfahrt erzählt habe, und ihm versprechen musste, die Mercedes-Konzern-Zentrale stehen zu lassen, weil dessen Arbeitsplatz da dran hinge. Da hab ich eben Kaffee im Wiener Wald am Hauptbahnhof getrunken.

    4) Kofferbombenkoffer ächten!

    Statt dem ganzen Rail-Marshall– und Hartz-IV-Patrouillen-Blödsinn hätte man als Reaktion auf die fehlgeschlagenen Kofferbombenattentate die Mitnahme von Kofferbombenkoffern verbieten können. Damit wäre allen gedient, außer natürlich den Kofferbombenkofferbesitzern, aber die sind so sowieso doof (sorry Nils :-)). Wie ich das Geräusch der kleinen Plasteräder hasse, mit denen sie mühelos den Zugverkehr und alle Bahnhofsansagen übertönen, wie ich ihre aufgerissenen Augen und aufgepusteten Backen hasse, wenn sie diese Dinger in den Zug wuchten, ohne auf Kollateralschäden zu achten, wie es mich ankotzt, wenn sie vor und nach jedem Zughalt minutenlang den Gang blockieren, übereinander und über die Koffer der schon oder noch sitzenden Trolley-Trottel fallen oder wie sie mir beinahe die Knie zertrümmern, wenn sie ihre mobile Wackersteinsammlung unter den Tisch zu schieben versuchen, weil sie nicht auf die Gepäckablage passt … Also ich würde die alle auf dem Bahnhofsvorplatz prophylaktisch sprengen.

    5) Apropos Mobil

    An die Ansage „In Frankfurt ist unsere mobile Eisverkäuferin zugestiegen“ hat man sich ja gewöhnt, aber heute gab es einen hübschen Zusatz: „Ferner ist eine Minibar zugestiegen.“

    (geschrieben heute Nachmittag im Zug nach Berlin)

  • Das Milchmädchenorakel – Wer braucht da noch Deep Thought?

     

    milch.jpg

     

    Plakattext: „Milch imponiert mir, weil sie auf alles eine Antwort hat. Stress? – Magnesium! Abwehrkraft? – Zink! Konzentration? – Vitamin B12!“

    Liebe Barbara Schöneberger*,

    laut www.milch-ist-meine-staerke.de vertrittst Du den „Milch-Benefit ‚Intelligenz’“. Geschenkt. Irgendjemand muss es ja machen. Was nicht da ist, muss halt vertreten werden.

    Ich wollte Dich jedenfalls bitten, die folgenden Fragen Deiner Milch zwecks Beantwortung vorzulegen, da ich selbst gerade keine Milch im Haus habe:

    – Intelligenz (Definition)?

    – Nah-Ost-Konflikt (Lösung)?

    – 38+4?

    Falls auch komplexere Formulierungen möglich sind (ggf. ein ganzes Tetrapack befragen?), wüsste ich gern noch, ob der Milch mein Weblog gefällt, warum praktisch alle Polizistinnen blonde Zöpfe haben, und was der Sinn des Lebens ist. Ich hoffe, sie wird nicht sauer, wenn Du sie so mit Fragen bombardierst.

    Danke!

    ( * Weeß icke, ob die lieb ist!? Mein Kaffee verräts mir nicht. Ich trink ihn schwarz.)

  • Droht nach den unseligen Hitler-Vergleichen nun eine Welle von Schlecker-Vergleichen?

    Ich geb's zu, ich war ein bisschen hart in meinem letzten Posting. Bei allem berechtigten Groll kann man McPaper dennoch nicht mit Schlecker gleich setzen. Schlecker ist unvergleichlich … und das klingt jetzt viel positiver als ich es meine.

    Beck's … ja, Beck's könnte man vielleicht mit Schlecker vergleichen. Oder umgedreht. Schlecker ist das Becks's-Bier unter den Drogerien.

  • Ich bin nicht so doof, wie die Marketingleute glauben (oder wie sie es gerne hätten).

    Wenn ich in den letzten Monaten mal zu McPaper musste, habe ich schon vorher Pickel gekriegt, weil ich wusste, was mich an der Kasse erwartet:

    „Möchten Sie zu den Briefumschlägen vielleicht noch einen Schreibblock?“
    „Darf’s zu dem Bastelpapier noch eine Schere sein?“
    „Wollen Sie zu dem Notizblock vielleicht noch einen Kugelschreiber?“

    Sie nennen es Service, eigentlich geht es um Absatzsteigerung und letztlich ist es eine Beleidigung. Für wie blöd halten die mich? Welche Antwort erwarten die? „Oh, was für eine tolle Idee: ein Schreibblock zu den Briefumschlägen – da habe ich ja sogar was, was ich in den Briefumschlag reintun kann! Ham sie vielleicht auch Briefpapier mit vorgedrucktem Text? So doof wie ich bin, wäre das sehr, sehr hilfreich!“

    Gestern habe ich die Verkäuferin gefragt, ob sie das tun müsse und sie hat traurig genickt und als ich anfügte, dass ich das schrecklich fände, hat sie geseufzt und noch einmal genickt. Scheinbar war es ihr genauso unangenehm wie den Kunden. Und irgendein Marketingtrottel oder Werbemensch, jemand, der sich selbst womöglich als „Kreativen“ bezeichnet, ist stolz auf die geniale Service-Idee …

    Mein Vorlesekollege Jürgen Witte vom Frühschoppen und der Reformbühne Heim und Welt hat mal sinngemäß zu mir gesagt: Es gibt einfach keinen Respekt mehr untereinander. Wie soll man auch Respekt voreinander haben, wenn man weiß, was man selbst und die anderen alles für peinliche, dumme Dinge tun und tun müssen, um Geld zu verdienen … Mist, ich kriegs nicht mehr ganz hin, muss Jürgen nochmal danach befragen, er hatte das wunderbar auf den Punkt gebracht.

    Naja. McPaper ist eh doof – das Schlecker der Schreibwarenbranche – ein Grund mehr dort nicht hin zu gehen.

  • Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben?

    Jobs ablehnen, wenn sie die Welt nicht verbessern – Ein Artikel von johannes-boie auf jetzt.de über einen Vortrag von „Adbuster“ Kalle Lasn auf einer Designerkonferenz in Berlin:

    Und jetzt, gleich zu Beginn der Messe, steht Kalle Lasn auf der Bühne und fordert Ungehorsam. „Wie viele Designer sind hier?“, ruft er in den Vortragssaal. Nahezu alle Hände gehen nach oben. Später wird ein Veranstalter sagen, die „kreative Elite Westeuropas“ sei im Saal gewesen. „Ihr habt die Macht, die Welt zu verändern! Ihr seid die Coolsten“, ruft Lasn den Kreativen zu. Die grinsen nur, denn das denken sie sich schon. Der gebürtige Este senkt die Stimme: „Also tragt Ihr gesellschaftliche Verantwortung!“ Den „Coolsten“ klappen die Kinnladen runter. Aber sie haben richtig gehört. Und Lasn legt gleich noch mal nach. Er fordert: „Lehnt Jobs ab, wenn sie die Welt nicht verbessern!“

    Ich weeß nich, ich weeß nich. Lasn will gegen Werbepest, Markenwahn und dusslige Corporate Identitys mit deren eigenen Mitteln kämpfen und ist schon längst wieder selbst Teil der ganzen Scheiße:

    Lasns Adbusters-Magazin liegt längst in jedem Meetingraum seiner Erzfeinde: Die finanzstarken Werbeagenturen scheren zehn Dollar pro Ausgabe wenig.

    Und in den Kommentaren fragt ein mamoffel, wo man die Schuhe mit dem Anti-Logo kaufen kann …