Kategorie: Zumutungen

  • Ironie

    (Zürich, Internetcafé)

    Es ist aber auch verdammt schwer, es mir Recht zu machen! Der Sinn eines Weblogs, na, sagen wir der Sinn der meisten Weblogs ist es, gelesen zu werden. Eigentlich sollte ich mich also sehr darüber freuen, dass in den letzten Tagen die Leserzahlen des Schnipselfriedhofs einen Satz nach oben gemacht haben, nachdem eins meiner Postings vom Handelsblatt-Blog und von Spreeblick erwähnt und verlinkt wurde (vielen Dank dafür übrigens an dieser Stelle und herzliche Grüße!), nur … so ganz glücklich bin ich damit jetzt auch nicht. Wäre mir wahrscheinlich lieber gewesen, das wäre zum Beispiel diesem Beitrag so ergangen.

    Im besagten Posting ging es um ein unangenehmes Zusammentreffen mit einer Journalistin und seit die Besucherzahlen so hoch gingen (für Schnipselfriedhofverhältnisse), nehme ich an, dass die Frau es auch irgendwann lesen wird, zumal das Handelsblatt-Blog seiner Thematik wegen (es geht um Journalismus) sicher von vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen gelesen wird. Wenn sie selbst das liest, wird sie entweder wütend sein oder verletzt oder es ist ihr peinlich. Und da mein eigener Ärger inzwischen längst verraucht ist und ich die Sache für mich in die Schublade „Kann man mal erzählen, wenn am Kneipentisch lustige Anekdoten mit Journalisten zum Besten gegeben werden“ einsortiert habe, wäre es mir beinahe lieber, wenn sie wütend wäre.

    Vorhin – ich saß in einem Café in Schaffhausen, hatte eine dreiviertel Stunde Aufenthalt und freute mich gerade, dass ich mal wieder ohne Ausweis über die Grenze gekommen war – bekam ich einen Anruf von einer Frau vom WDR. Ich war sehr froh, ihn unter Hinweis auf mein ausländisches Netz schnell abwürgen zu können. Ich weiß es nicht (ich hab damals den Namen nicht mitbekommen), aber es kann natürlich sein, dass das sie war. Sie will mich Mittwoch noch mal anrufen. Jetzt grusele ich mich davor, dass sich heraustellt, dass sie eigentlich total nett ist, nur an dem Abend … naja, komisch drauf und wirklich von dem Wunsch erfüllt, etwas für mich zu tun (und natürlich hat sie auch vollkommen Recht: Beiträge im Radio oder Fernsehen SIND für jeden freischaffenden Künstler wichtig – und wenn ich Zeit gehabt hätte, hätte ich ihr auch sofort zugesagt).

    Jedenfalls hat dieses Zusammentreffen mit dem Umweg über mein Posting nun doch noch zu mehr „Reichweite“geführt, wenn auch nicht so, wie sie sich das gedacht hat und auf eine Art, die mich nicht unbedingt Luftsprünge vollführen lässt. Vielleicht hätte ich die Warnungen vor der Bloggerei nicht ignorieren und glauben sollen, ich könne damit umgehen …

    Na, mal sehen.

  • Warum ich keine Entertainmentgröße bin

    Donnerstag, Chaussee der Enthusiasten, 2. Pause: Gerade haben Micha und ich einen unserer Teamtexte für den SLAM2006 vorgelesen, ich bin auf dem Weg nach draußen, um eine Zigarette zu rauchen, sehe unterwegs Anika und will Hallo sagen, komme aber nicht dazu, weil mich eine kleine Frau um die 50 (vielleicht auch jünger … oder älter – ich kann sowas nicht schätzen) anspringt und hektisch auf mich einzureden beginnt: „Das war ja ganz toll, was sie da eben gemacht haben, ich bin vom WDR, ich bin nur durch Zufall hier, und wo Sie doch amtierender deutscher Poetry-Slam-Meister sind“ – (ich hatte unglücklicherweise selbst drauf hingewiesen, um noch ein letztes Mal damit anzugeben) -„können wir da bestimmt einen kleinen Beitrag über Sie und Ihren Text machen. Den fand ich ja ganz wunderbar. Das muss aber alles ganz schnell gehen, ich bin nur noch bis Sonnabend in Berlin und hab dichtes Programm. Wir machen das morgen Abend, zwischen 10 und 11 müsste ich Zeit haben. Wie? Da können Sie nicht? Ein anderer Auftritt? LSD-Buchrelease-Party? Na und? Dann komme ich einfach dorthin, sie werden ja wohl ein paar Minuten erübrigen können! Sie bauen das einfach mit ins Programm ein! Wie, das geht nicht, herrjeh, na dann lesen Sie das in irgendner Ecke und ich fange dann noch ein paar O-Töne von der Atmo ein. Wie, sie wollen das nicht? Wie, keine Zeit, zuviel Stress? Hören Sie mal, ich bin beim WDR, wissen Sie was für eine Reichweite wir haben? Das kann Ihnen eine Menge bringen, das sage ich Ihnen! Ach nun hören Sie doch auf mit dieser Party! Andere würden sich die Finger danach lecken, ins Radio zu kommen und ich biete Ihnen hier diese Chance und Sie lassen mich hier so auflaufen, wissen Sie, ich will Ihnen mal was sagen, ja?! Ich habe oft mit Entertainmentgrößen zu tun, und wenn ich da nach einem Interview frage, dann wird das eben einfach möglich gemacht, egal, was sonst noch ist! Das ist professionelles Arbeiten, da müssen Sie aber noch ne ganze Menge lernen, mit Verlaub! Also, ich bring die ganze Ausrüstung mit und Sie … Wie, das geht morgen nicht? Hören Sie mal, ich bin vom WDR, wissen Sie eigentlich, was Sie für ein Glück haben, dass ich zufällig hier im Publikum saß?“ Und so weiter und so weiter. Dies ist eine stark verkürzte Wiedergabe des sehr einseitigen Gespräches. Die Frau wurde immer lauter und entrüsteter und impertinenter; ich ließ sie schließlich einfach stehen und ging raus. Schade, dass ich sie nicht vorher noch beleidigt habe, das hätte mir gut getan. Für Personen wie sie wurde die Weblogrubrik „Zumutungen“ erfunden.

    Die WDR-Furie ist daraufhin zu Jochen gegangen, der gerade an der Kasse saß und hat sich bei ihm über mich beschwert. Was sich dieser „sogenannte“ deutsche Meister einbilde! Wir betrieben das hier doch schließlich „halbprofessionell“, da hätte sie gedacht, wir würden mit unserem Kram auch gerne mal an die Öffentlichkeit kommen … gut, dass sie die Telefonnummer meiner Mutter nicht hatte, sonst hätte sie dort auch noch angerufen.

    Und gut, dass beim WDR nicht alle Menschen so sind. Im Januar war ich zu Gast bei Jess Jochimsens „Die Vorleser“ im Pantheon in Bonn, einer Lesung, die vom WDR produziert, mitgeschnitten und ausgestrahlt wird. Das war sehr schön und niemand schien verrückt zu sein. Im November probiere ich dann mal das WDR-Fernsehen aus, aber dazu später mehr. (Oder auch nicht.)

    (Volker Strübing)

    Montag 13.11.06: Hier gibt’s einen Nachtrag.

  • Zeitumstellung (1)

    Seit gestern Abend gehöre ich zu dem sehr kleinen und exklusiven Kreis von Menschen, die wegen der Umstellung auf Winterzeit zu einem Termin zu spät gekommen sind. Das Zurückstellen der Uhr vergessen und dann eine Stunde zu früh da sein, das kann jeder. Doch um gegen den breiten Strom anzuschwimmen, um etwas radikal anderes zu tun, als alle von einem erwarten, um sich seine Individualität in einer Welt voller gesichtsloser Pünktlich- oder Zu-Früh-Kommer zu bewahren braucht es Mut und Kraft und Willen, grenzenlose Hingabe und ein brennendes Herz oder (anschwellende pathetische Orchestermusik, die plötzlich mit dem Geräusch einer über die Schallplatte schnurpsenden Nadel abbricht) Microsoft Windows!

    Ich weiß, dass Bill Gates es nur gut mit mir gemeint hat. Er wusste, dass ich allein nie daran denken würde, die Uhr umzustellen, darum hat er in sein Betriebssystem eine Funktion eingebaut, die dafür sorgt, dass es jeden Tag in den Kalender guckt und, wenn es soweit ist, denkt: „Oh, Winterzeit, ich werde mal die Systemuhr zurückstellen.“ Eine tolle Funktion, danke dafür.

    Diese Funktion ist sowohl in Windows 2000 als auch in Windows XP eingebaut. Ich habe beide Betriebssysteme auf meinem Rechner … vielleicht ahnt man jetzt schon, was passiert ist … Die eine Hälfte meiner Peripheriegeräte arbeitet nur mit Windows 2000 zusammen, die andere nur mit Windows XP. Die einzigen Dinge, die mit beiden funktionieren sind Maus, Tastatur, Monitor und (immerhin) meine Digitalkamera. Wenn ich mal kurz nach Emails kucken und einen Song auf meinen MP3-Player ziehen will, muss ich mindestens eine Viertelstunde einplanen, weil ich den Rechner dazu zweimal starten muss und beide Betriebssysteme inzwischen so zugerümpelt sind, dass der Startvorgang an guten Tagen 5 Minuten, oft auch etwas länger dauert.

    Ich nehme an, die beiden Brüder haben sich irgendwie zerstritten und alle Geräte gezwungen, sich zu entscheiden. Unbedingte Loyalität ist Pflicht. Ein Scanner, der schon mit XP rumgemacht hat, kriegt bei Windows 2000 kein Bein mehr in die Tür.

    Da ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die beiden bzgl. der Zeitumstellung nicht abgesprochen, sondern beide gedacht haben: „Oh, Winterzeit, ich werde mal die Systemuhr zurückstellen.“

    So saß ich gestern zuhause, musste noch Texte überarbeiten und ausdrucken, aber ich hatte ja noch soooo viel Zeit … komisch eigentlich, dass es schon kurz nach 3 anfängt dunkel zu werden … naja, es wird halt Winter …

    Nachtrag, 45 Minuten nach dem Abschicken dieses Beitrages: Gerade hat mir Tube eine Mail geschickt, in der nicht nur drin stand, dass ihm das auch schon passiert ist, sondern auch noch, dass er schon vor 5 Jahren eine Geschichte drüber geschrieben hat. Es ist doch immer dasselbe.

    (Volker Strübing)

  • Telefonterror – ein Gedächtnisprotokoll des Grauens

    1. Akt

    Volker: (wählt 0800 3301020)

    Roboterfrau: (euphorisch) Guten Tag und herzlich willkommen zum Privatkundendienst der T-Com. Ich möchte Ihnen ein paar kurze Fragen stellen, um den passenden Ansprechpartner für Ihr Anliegen zu finden. Haben Sie Fragen zu Ihrer Rechnung …

    Volker: (drückt die Taste 1, nicht wissend, dass die T-Com auf Sprachsteuerung umgestellt hat)

    Roboterfrau: … möchten Sie näheres über die Angebote der T-Com wissen oder …

    Volker: Häh?

    Roboterfrau: (bricht ab und schweigt)

    Volker : (drückt noch einmal die 1 und starrt auf sein Handydisplay)

    Roboterfrau: (geduldig) Ich habe Sie leider nicht verstanden. Haben Sie Fragen zu Ihrer Rechnung, möchten Sie näheres über die Angebote der T-Com wissen oder …

    Volker: Äh, ich …

    Roboterfrau: (bricht ab und schweigt, analysiert Volkers letzte Äußerung und kommt zu dem Schluss:) Ich habe Sie leider immer noch nicht verstanden. (begütigend:) Am besten ich verbinde Sie mit einem Servicemitarbeiter.

    Volker: (fragt sich, was sie getan hätte, wenn er ihre Fragen zufriedenstellend beantwortet hätte – ihn möglicherweise mit einem Servicemitarbeiter verbunden?)

    2. Roboterfrau: Um die Kundenzufriedenheit mit dem Serviceangebot der T-Com zu erhöhen, bitten wir sie, nach dem Gespräch in der Leitung zu bleiben und ein paar kurze Fragen zu beantworten.

    Telekom-Jingle: (erklingt)

    Verbindung: (bricht ab)

    Volker: (starrt sein Handy an, wählt dann erneut 0800 3301020)

    (mehr …)

  • Eine schlechte und eine gute Nachricht

    Die schlechte Nachricht zuerst: Wir erhöhen heute den Eintritt bei der Chaussee der Enthusiasten von 3 auf 4 Euro. Nun die gute Nachricht: Dadurch wird ALLES ANDERE im Verhältnis billiger! Wer bisher zum Beispiel das 100fache eines Chausseebesuches für die Miete berappen musste, braucht ab sofort nur noch das 75fache bezahlen. Was man dadurch spart!

    Es gibt viele Gründe, die zu unserem Entschluss geführt haben, und es gibt genauso viele gute Argumente dafür, dass wir den alten Preis hätten beibehalten sollen, aber unsere lange, interne Diskussion hat nun einmal diesen Ausgang genommen. Ich will das hier nicht ausbreiten.

    Mindestens bis Ende des Jahres werden wir 25% der Einnahmen dem RAW zur Verfügung stellen, um damit den Heizungs- und Toilettenausbau zu unterstützen. Wir werden also noch ein bisschen warten müssen, bis wir mit dem Porsche vorfahren können, da die Preiserhöhung für uns erst einmal weniger Geld bedeutet, wenn wegen des höheren Eintritts weniger Zuschauer kommen.

    Wir hoffen sehr, dass uns viele treu bleiben und dass 4 Euro für zweieinhalb Stunden Lesebühne nicht zuviel sind.

    PS: In der Behauptung, dass wir mit unserer Preiserhöhung alles andere billiger gemacht haben, steckt kein Fehler. Nur eine gehörige Portion Größenwahn 😉

    (Volker Strübing)

  • Alles geht kaputt

    – WordPress zeigt die Bilder nicht mehr an

    – Mein Computer erkennt den Mp3-Player nicht mehr, mit dem ich Daten hin- und hertrage

    – Mein kleiner Zeh gibt seit der Kollision mit einem großen Pfosten gestern Nachmittag kontinuierlich Warnsignale (sog. Schmerzen) von sich. Und man kann nicht einfach auf „Diese Warnung in Zukunft nicht mehr anzeigen“ drücken – im Vergleich zum menschlichen Körper ist Windows schon ziemlich komfortabel.

    Punkt 2 versuche ich jetzt erstmal durch aus- und wiedereinschalten zu beheben. Bzgl. Punkt 1 würde ich dieselbe Vorgehensweise dem Team von WordPress mit ihren Servern empfehlen (ich will nämlich nachher ein Bild malen und hier reinstellen) . Die Sache mit dem Zeh gehe ich erstmal mit Ignoranz an.

    (Volker Strübing)

    Nachtrag 10 Minuten später:

    Alles wird gut. Oder, um es etwas vorsichtiger zu formulieren: Nicht allem gelingt es, ein gleichbleibendes Level an Ungutheit zu halten. Nachdem ich feststellen musste, dass nicht nur der Schnipselfriedhof, sondern das halbe Internet plötzlich ohne Bilder war, habe ich es an meinem anderen Computer ausprobiert, und alles funktionierte. Jetzt habe ich einen Computer, der für mich entscheidet, was ich sehen darf und was nicht, und einen, der sich weigert, die auf dem MP3-Player gespeicherten aktuellen Daten anzunehmen, und bei dem ich das eine Betriebssystem zum Schreiben, das andere zum Drucken verwenden muss … ich distanziere mich hiermit von meiner weiter oben gemachten Aussage über die Komfortabilität von Computern und menschlichen Körpern.

  • Der Papst! Der Papst! Und mein Senf dazu!

    Aus Gesprächen weiß ich, dass ich nicht der einzige war, der nach dem Trara um die Papst-Rede dachte: „Meine Fresse, jetzt reicht’s aber mal!“ Für einen Moment ertappte ich mich bei dem Gedanken, dass man einfach eine Mauer hochziehen sollte zwischen uns und denen, so dass jeder auf seiner Seite vor sich hinwurschteln kann und man sich nicht in die Quere kommt. Sollen sie doch dort die Frauen verschleiern wie Würste im Schlafrock, während sie bei uns – das andere Extrem – bald ganz nackt rumrennen müssen, um nicht als spießige Zicken zu gelten …

    Schon die Kategorien „wir“ und „die“ sind natürlich völliger Quatsch. Wenn ich durch Berlin laufe und mir die vielen vernörgelten, selbstverliebten oder wutzerknirschten Hackfressen anschaue und mich dann an Indonesien erinnere, weiß ich schon gar nicht mehr, auf welcher Mauerseite ich eigentlich leben wollen würde …

    Und vor allem darf ich nicht vergessen (und auch da hilft die Erinnerung an Indonesien), dass die Papstpuppenverbrenner nicht die Mehrheit der Moslems sind. Während des Karikaturenstreits gab es in allen Nachrichtensendungen Bilder von einer Demonstration in Jakarta, dänische Fahnen brannten, die Ungläubigen sollten sterben etc. pp. Etwas später habe ich dann herausgefunden, dass diese Demonstration etwa 600 Teilnehmer hatte. Jakarta hat (je nach Zählung) zwischen 8,5 und 17,5 Millionen Einwohner. Wenn in Berlin eine S-Bahn ausfällt, ist der Volkszorn im Verhältnis gesehen größer.

    Die reißerische Berichterstattung über das Problem wird zum Teil des Problems, indem sie uns zu solchen Reaktionen wie oben beschrieben verleitet und bei den gemäßigten Muslimen wahrscheinlich den Druck erzeugt, sich klar auf die eine oder andere Seite zu stellen.

    Zum Schluss muss ich noch eine gewisse Häme dem Vatikan gegenüber eingestehen: Im Rahmen des Karikaturenstreits hatten sie sich noch bei den Beschwerdeführern eingeschleimt und versucht, selbst Kapital aus der ganzen Sache zu schlagen … da möchte man ihnen jetzt schon gerne eine Nase drehen.

    Vor drei Tagen hat übrigens ein Radio-Vatikan-Redakteur (oder so) in einem Interview rumgeheult sinngemäß gesagt, dass er diese Sache und das Missverständnis ganz schlimm fände, da man doch eigentlich den selben Feind habe: Die Gottlosigkeit des Westens.

    (Volker Strübing)

  • Stuttgart in Schnipseln

    1) Gut zu wissen
    Als ich am Sonnabend einem Bekannten erzählte, dass ich Sonntag nach Stuttgart fahren wolle, sagte er, dass er dort nicht tot über Zaun hängen möchte. Wenn ich ihn das nächstemal begegne, werde ich ihn beruhigen: Er würde dort auf keinen Fall lange hängen. Tot-übern-Zaun-hängen wird dort nicht geduldet. Ich habe in Stuttgart nicht einen Menschen tot übern Zaun hängen sehen. In Stuttgart achtet man noch auf gepflegte Zäune.

    2) Auch Stuttgart hat kleine Fehler

    In Stuttgart gibt es eine Mercedes-Konzern-Zentrale, Weinberge, kleine Biere für 3 Euro, einen wunderbaren Slam in der Rosenau, demnächst einen asynchronen Brauseboy, aber es gibt auf dem ganzen Hauptbahnhof kein Geschäft, in dem ein herumreisender Slammer einen Ersatz für seine in Berlin vergessene Zahnbürste erwerben kann. Das ist nicht schön.

    3) Goethe geschändet! Mercedes in Gefahr!

    Die oben erwähnte Mercedes-Konzern-Zentrale hätte ich heute morgen beinahe abgerissen, nur so, aus Jux und Dollerei – ich fühlte mich ausgeschlafen und nach einem Besuch bei dm („Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein“), auch wieder wie ein Mensch, was aber nicht an deren zutiefst verabscheuungswürdigen Werbeslogan, sondern schlicht an der dort gekauftenZahnbürste lag – kurz: Ich fühlte mich zum Konzernzentralenabreißen! Und weil ich auf der Fahrkarte Reisedatum (11.09) und Abfahrtszeit (11.32) verwechselt hatte, blieb auch noch genug Zeit. Aber dann ist mir eingefallen, dass ich erst am Sonnabend noch einem zweiten Mann von meiner bevorstehenden Stuttgartfahrt erzählt habe, und ihm versprechen musste, die Mercedes-Konzern-Zentrale stehen zu lassen, weil dessen Arbeitsplatz da dran hinge. Da hab ich eben Kaffee im Wiener Wald am Hauptbahnhof getrunken.

    4) Kofferbombenkoffer ächten!

    Statt dem ganzen Rail-Marshall– und Hartz-IV-Patrouillen-Blödsinn hätte man als Reaktion auf die fehlgeschlagenen Kofferbombenattentate die Mitnahme von Kofferbombenkoffern verbieten können. Damit wäre allen gedient, außer natürlich den Kofferbombenkofferbesitzern, aber die sind so sowieso doof (sorry Nils :-)). Wie ich das Geräusch der kleinen Plasteräder hasse, mit denen sie mühelos den Zugverkehr und alle Bahnhofsansagen übertönen, wie ich ihre aufgerissenen Augen und aufgepusteten Backen hasse, wenn sie diese Dinger in den Zug wuchten, ohne auf Kollateralschäden zu achten, wie es mich ankotzt, wenn sie vor und nach jedem Zughalt minutenlang den Gang blockieren, übereinander und über die Koffer der schon oder noch sitzenden Trolley-Trottel fallen oder wie sie mir beinahe die Knie zertrümmern, wenn sie ihre mobile Wackersteinsammlung unter den Tisch zu schieben versuchen, weil sie nicht auf die Gepäckablage passt … Also ich würde die alle auf dem Bahnhofsvorplatz prophylaktisch sprengen.

    5) Apropos Mobil

    An die Ansage „In Frankfurt ist unsere mobile Eisverkäuferin zugestiegen“ hat man sich ja gewöhnt, aber heute gab es einen hübschen Zusatz: „Ferner ist eine Minibar zugestiegen.“

    (geschrieben heute Nachmittag im Zug nach Berlin)