Gestern doch noch Casino Royale gesehen. Doofer Film. Glaubt den Lobeshymnen nicht! Auch nicht, wenn sie von eigentlich vertrauenswürdigen Leuten stammen! Glaubt mir! Doofer Film …
Ich erspar mir eine Spoilerwarnung – das einzige, wovor ich warnen will, ist der Film.
Ein wichtiger Rat zu Anfang: Falls ihr doch reingeht, kommt um Himmels Willen mindestens eine halbe Stunde zu spät. Im Colosseum haben sie uns genau 45 Minuten Werbung vorgesetzt – unerträglich. Und als ich dachte, jetzt geht der Film los, fand ich mich in einem 145 Minuten dauernden Werbespot für Sony, Sony-Ericson, Ford und den von mir hochverachteten Gunther von Hagens und seine Körperwelten („Body Worlds“) wieder. Ich übertreibe nur leicht. Es gibt deutlich mehr Szenen, in denen man auf das Display (und das Logo) eines Sony-Ericson-Handys starrt, als Action-Sequenzen.
Der Film ist eine Art „Wie alles begann“, was natürlich etwas komisch ist, da er im Jahr 2006 spielt, aber damit habe ich kein Problem. Viele Rezensionen lassen sich begeistert darüber aus, dass hier gezeigt würde, wie James Bond zu James Bond wird. In einigen ist sogar von Charackterentwicklung die Rede. Versteh ich nicht.
Ganz am Anfang begeht er die ersten beiden Morde seines Lebens, für die ihm die Doppelnull verliehen wird. Den ersten Mann ertränkt er im Waschbecken, dem zweiten sitzt er, nachdem er ihn entwaffnet hat, im Sessel gegenüber und unterhält sich ein bisschen mit ihm.
(Gedächtniszitat:)
Mordopfer: Verstehe. Das erste Mal ist immer das schwerste. Ich nehme an, das zweite Mal fällt es …
JB: (erschießt ihn) Ja. Erheblich.
Zu Anfang ist er also ein kaltblütiger Killer mit einem Hang zu coolen Sprüchen. Am Schluss ist er ein … na, ratet mal.
Einziger Unterschied: Zu Beginn ist es ihm noch egal, ob gerührt oder geschüttelt wird, er muss erst lernen, dass es Dinerjacketts und Dinerjacketts gibt und er hat den Satz „Mein Name ist Bond, James Bond“ noch nicht im Repertoire. Um diese erstaunliche Entwicklung durchzumachen, bedarf es ein bisschen Action, ein bisschen Liebe (wirklich nur ein bisschen, ansonsten könnte er, kurz nachdem er ihre Leiche im Arm gewiegt hat, kaum sagen „Die Schlampe ist tot“, weil er denkt, sie hätte ihn verraten) und leider sehr viel langweiliges, weil im Endergebnis vorhersagbares Pokern am Casinotisch. Ach ja, und ein bisschen Genitalfolter – gut dass der Film erst ab 12 ist, denn unreifen Menschen sollte man so etwas vielleicht nicht unbedingt zeigen. Gibt es eigentlich ein Sarkasmus-Smiley?
Ein paar gehirnausschaltende, spektakuläre Actionsequenzen hätten mich mit all dem versöhnt – das war es schließlich, was ich sehen wollte -, aber eigentlich gibt es im ganzen Film nur zwei, und die sind zwar ganz okay, aber mehr auch nicht.
Vielleicht bin ich ein bisschen ungnädig. Weil ich diese Woche schon einen guten Film gesehen habe und sowieso nicht gut drauf bin.
Nö. Quatsch. Was soll jetzt diese Relativierung?! Doofer Film!
(Volker Strübing)