Kategorie: Zumutungen

  • Böse Menschen, böse, böse Menschen …

    Am Freitag war ich wieder in Hamburg. Pauline Füg und ich waren als Featured Poets zum Pony-Slam im Haus 73 eingeladen. Es war sehr schön. Nachdem ich letzte Woche mit Micha beim Slam in den Zeise-Hallen war und nun diesen völlig anderen, aber ebenso großen und guten Slam erlebt habe, kann ich die Hamburger nur zu ihrer Slam-Szene beglückwünschen.

    Während der Show stand ich – wenn ich nicht gerade auf der Bühne war – meist an der Seite und lehnte mich an die Wand. Ich sitze nicht gerne mittendrin. Irgendwann kam ein Grüppchen verspäteter Zuschauer. Sie schauten sich ein bisschen um, dann kamen sie in meine Richtung und stellten sich direkt vor mich. Sie sahen mich nicht einmal kurz an, ich existierte nicht, zumindest nicht als Mensch, wahrscheinlich musste ich schon froh sein, dass sie zumindest akzeptiert haben, dass dort irgendein längliches Ding an die Wand gelehnt war, und sie mich nicht einfach beiseite geschoben haben. Ein Mädchen stand keine 30 Zentimeter vor mir. (mehr …)

  • Morgen! Endlich! Valentinstag!

    Dass heißt: Übermorgen ist die Valentinstagwerbescheiße überstanden!
    Vielleicht bin ich zu konservativ, aber ich mag importierte, von der Werbung aufgedrückte Feiertage nicht. Was kommt nach Halloween und Valentinstag? Der 4.Juli? Das chinesische Neujahrsfest? Kim Il Sungs Geburtstag?

    Überhaupt: Valentinstag! Sollte den Liebenden nicht ihre Liebe ein tägliches Fest sein? Wenn sie sich, um sich dieser Liebe zu versichern, am Jahrestag der Enthauptung irgendeines Bischofs Schokoherzen, Diddlmäuse und Kitschkarten schenken müssen, können sie sich eigentlich auch gleich trennen. Sinnvoll hingegen wäre ein Tag, an dem die Glücklichen in Demut der Einsamen, Verlassenen, Ungeliebten gedenken, sie besuchen, ihnen ein bisschen Trost spenden und einen leckeren Loser-Tee kochen … stattdessen werden die unfreiwilligen Singles durch großangelegte Promotionaktionen über Wochen noch zusätzlich gequält.

    Mein Lied zum Valentinstag: … wenn Du glücklich bist

  • Betroffenheits-Shopping?

    Ausstellungen in Shopping-Centern sind ja nichts Neues. Manchmal sind sie sogar recht interessant.
    In einem Center in Sachsen-Anhalt fand einmal eine Weltraumausstellung statt, die ich recht gelungen fand. Sie hatten sogar einen echten russischen Kosmonauten zum Begaffen eingeladen. Einer der Manager des Einkaufszentrum wohnte im selben Haus wie mein Vater, den ich gerade besuchte. Abends gab es jede Menge Getrappel im Hausflur. Wir erfuhren schließlich, dass der Manager den Kosmonauten noch zu sich nach Hause genommen und ein paar Freunde für eine private Kosmonautenbesichtigung eingeladen hatte … Irgendwie traurig. Dieser Mann war einmal ganz oben gewesen, hatte auf alles hinabschauen können, hatte die ganze irdische Schwere verloren … und war für die Untengebliebenen dadurch zu einer Art Freak geworden, den man herumzeigt.

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    Im Hauptbahnhof Leipzig – einer Shopping-Mall mit Fernbahn-Anbindung – werden gerade Fotos gezeigt, die für den World Press Photo Award 2006 nominiert waren. Viele der Fotos beschäftigen sich mit Not, Krieg und Katastrophen. So kann man sein „Einkaufserlebnis“ noch mit einem wohligen Grusel aufpeppen.

    Man hat sich Mühe gegeben, die Bilder passend aufzuhängen:

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    Kaffee hat ja auch irgendwie was mit Afrika zu tun.

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    Wo könnten Bilder von der Überführung und Bestattung im Irak gefallener Soldaten besser hängen, als vor dem „Forever 18“-Laden? Die Jungs werden schließlich nicht mehr älter.

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    Nanunana, mag diese Passantin denken …

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    … warum hat er die aufgedunsenen Leichen der Tsunami-Opfer denn nicht in Farbe fotografiert? Das hätte doch viel besser ins Ambiente gepasst!

    Tut mir leid, dass dieser Beitrag so zynisch ist, aber alles andere wäre doch unangemessen, oder?! Ich gehe davon aus, dass die Veranstaltungsmacher nur Gutes im Schilde geführt haben. Der Gedanke war sicher, dass man in einer Shopping Mall mehr Leute erreicht, als mit einer Austellung in irgendeiner Galerie. Aber erreicht man hier wirklich mehr Leute? Oder sehen es bloß mehr? Was bewirkt diese Ausstellung bei den Leuten, die sie sehen? Für die einen mag es die willkommene Gelegenheit sein, ihren Einkaufsbummel mit ein bisschen Gewissensarbeit ethisch aufzuwerten (man hat ja nicht nur Schnulli gekauft, sondern auch noch ein bisschen über die Schlimmheit der Welt den Kopf geschüttelt und geseufzt), für die anderen ist es einfach eine kleines Spektakel, dass man zwischendurch gerne mitnimmt, so wie im Monat davor die Modelleisenbahnausstellung und im nächsten Monat „Gartenzwerge – ein deutscher Mythos“ (oder was weiß ich).

    (Volker Strübing)

  • Alles nur geklaut?

    Ein Nachtrag zu meinem Bockwurstjoghurt-Beitrag: Jero hatte in einem Kommentar darauf hingewiesen, dass das alles nur geklaut sei – „Ich sag nur Bockwurstschorle“. Ich hatte behauptet, nicht zu wissen, was er meint. Das stimmte auch. Andererseits hatte Jero auch Recht. Hier liegt wohl ein Fall von unbewusstem, ungewollten Klauen vor. Gerade war Micha bei mir und hat mir erzählt, woher die Bockwurst-Schorle stammt: Aus einem Text meines Kollegen Falko Hennig, einem Text, den ich tatsächlich schon mehrfach gehört habe, und den ich sehr mag. Es ist ein Text aus der Reihe „Gastronomie inder Krise“, deren Held ein lispelnder Kellner ist. Ein kurzer Auszug:

    Kellner: Guten Abend der Herr, haben ßie ßon einen Wunß?

    3.Gast: Ja, ich frage mich, ob Sie mir wohl eine Dönerschorle machen könnten.

    Kellner: Eine Dönerßorle?

    3.Gast: Ja, genau.

    Kellner: Ich weiß nicht, Dönerßorle. Was genau ßoll denn daß …?

    3.Gast: Also bitte! Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass Sie nicht wissen, was Schorle ist.

    […]

    Kellner: Ja ßon, aber ßie werden doch nicht Dönerfleiß mit ßprudel wollen?

    3.Gast: Und warum bitte nicht? Bestimmen Sie das jetzt?

    Im weiteren Verlauf muss der Kellner zugeben, dass er mangels Döner keine Dönerschorle zubereiten kann und bietet als Ersatz eine Bockwurstschorle an, was der Gast entrüstet ablehnt („Bockwurstschorle! Das ist doch Unsinn! Das gibt’s doch gar nicht.“). Diese und andere schöne und absurde Geschichten gibt es zu lesen in Radio Hochsee, das ich sogar in meinem Bücherschrank zu stehen habe, und aus dem ich gerade den Auszug abgetippt habe.
    Mag sein, dass die gerade etwas verschüttete Erinnerung daran aus irgendwelchen dunklen Kellern meines Hirns heraus flüsterte: „Mach ein Bockwurstjoghurtvideo, mach ein Bockwurstjohurtvideo“ … ich weiß es nicht.

    Damit nicht genug: Micha erinnerte mich auch an eine seiner Geschichten, in welcher der Held sich mittels Mixer aus einer Bockwurst, Wodka und einigen weiteren Zutaten ein Frühstück zubereitet.

    Ich kann nur immer wieder auf dieses Posting verweisen und außerdem: Falko und Micha haben sich mit Fiktionen begnügt. Ich bin mutig den Weg der praktischen Umsetzung gegangen. Wer würde Juri Gagarin vorwerfen, er habe die Sache mit dem Weltraumflug nur bei Jules Verne geklaut?!

    (Volker Strübing)

  • Dummheit, Döner und Dan Brown

    Gestern Nacht bin ich mit der Straßenbahn nach Hause gefahren. Mir gegenüber saß ein dummes Pärchen. Dass sie dumm waren, habe ich daran erkannt, dass sie mich für dumm hielten. Nein, falsch: Daran, dass sie mich aus den falschen Gründen für dumm hielten.
    Die beiden waren die üblichen Prenzlauer-Berg-Standard-Individualisten und teilten sich einen Döner. Hinterher wurschtelte sich der Typ mit seinen Knoblauchsoßenfingern in den ohnehin schon fettigen Haaren herum, wobei er sich in der Fensterscheibe beobachtete und bizarrerweise mit dem Ergebnis zufrieden war, worin ihn seine geschmacksverwirrte Freundin auch noch bestärkte. Ich schätze, die beiden machen irgendwas unbedeutendes mit Medien oder was Kreatives. Seit jemand den Begriff „digitale Bohéme“ erfunden hat, wissen sie endlich, was sie sagen sollen, wenn ihre in Wuppertal verbliebenen alten Freunde fragen, was sie eigentlich so machen. Bestimmt benutzen sie Mac-Laptops. Wenn Leute Macs benutzen, vermute ich sofort, dass sie mangelnde Fähigkeiten oder Ideen durch die Verwendung dieses als Kreativen-Accessoire geltenden Rechners kompensieren wollen. Es gibt sicher auch wirklich kreative Menschen, vielleicht sogar einige Genies, die aus irgendwelchen Gründen Macs nutzen, aber schließlich gibt es auch Nazis, die gut kochen können. (Wenn ich mal sehr viel Zeit habe, denke ich darüber nach, ob das ein guter Vergleich ist. Und was ich eigentlich damit sagen will.)

    Vielleicht bin ich dem Pärchen gegenüber ungerecht. Aber das ist gerecht so. Die haben mich nämlich für dumm gehalten. Aus dem falschen Grund. Sogar aus einem doppelt falschen Grund.

    Ich habe in der Straßenbahn gelesen. Irgendwann, zum Glück kurz vor der Endhaltestelle, verdrehte die Frau den Kopf und den Körper, um zu sehen, was ich da lese, dann richtete sie sich wieder auf, sagte mit hochgezogenen Augenbrauen „Dan Brown“, und die beiden verzogen wissend die Gesichter …

    Nun kann man von Dan Brown halten was man will. Am besten nicht allzu viel. Ich habe 2 Bücher von ihm gelesen; das erste fand ich spannend, blödsinnig, amüsant und beeindruckend. Letzteres, weil ich noch nie etwas gelesen habe, dass so konsequent und skrupelos auf Spannung und Cliffhanger hin geschrieben war, noch nie so eine Sturzflut von überraschenden Wendungen am Schluss erlebt hatte, und weil mir die Furchtlosigkeit des Autors klischeehaften Figuren gegenüber einigen Respekt abnötigte. Nachdem ich das Konstruktionsprinzip halbwegs verstanden hatte, fand ich das zweite Buch ziemlich langweilig.

    Trotzdem ist es dumm, jemanden für dumm oder unterbelichtet zu halten, weil er Dan Brown liest. Für Schriftsteller sind seine Bücher tolles Anschauungsmaterial, für alle anderen prima Gehirnausschalter – und dass man das Gehirn ab und zu mal ausschalten will, setzt ja schon voraus, dass man es gelegentlich intensiv benutzt.

    Besonders peinlich ist es natürlich, dass die Frau ihre eigenen Wissenslücken nutzte, um mich wegen meiner Lektüre herablassend anschauen zu können. Ihr eigener Horizont ging nicht über Dan Brown hinaus. Von Dan Simmons oder Dan Richter hat die Frau noch nie gehört, sie schien nicht einmal die Existenz anderer Dans in Erwägung zu ziehen …

    Ich hatte kurz überlegt, ob ich „Das ist nicht von Dan Brown“ sage. Hab’s nicht gemacht. Erstens war ich zu schüchtern, zweitens fiel mir gerade noch rechtzeitig ein, dass es überhaupt keinen Grund gab, mich zu verteidigen. Wenn dumme Leute einen für dumm halten, ist das doch eigentlich ein gutes Zeichen …

    (Volker Strübing)

  • Noch dööfer als Fussball: Spam

    Heute ist das erste Mal Spam in der Top 500 der Dinge, die besser sind als Fussballgucken aufgetaucht. Finster: Ich krieg ihn nicht weg! Normalerweise logge ich mich als Administrator ein und dann steht hinter jedem Beitrag ein Feld „Löschen“ – da klick ich drauf und schon ist der unerwünschte Eintrag weg. Das müsste ich jetzt zwar hunderfünfzig mal machen, denn der Spambot war sehr fleißig, aber das würde ich gerne auf mich nehmen. Aber hinter den Spameinträgen (irgendwelche code-Zeilen, die auf Online-Casinos und Viagra-Shops verlinken sollen) erscheint das „Löschen“-Feld nicht! Gruslig. Tube will sich drum kümmern, wenn er Zeit hat. Daumen drücken.

    (Volker Strübing)

    PS: Ja, kann ja sein, dass es döfer geschrieben wird, aber das sieht noch dööfer aus, finde ich.

    Update, 18.00 Uhr: Ein Hoch auf Tube! Er hat die Spambeiträge gelöscht! Sein Trick: Statt wie ich den blöden, doofen, ollen Firefox zu benutzen, hat er die Adminseite mit dem guten alten, von allen gehassten IE 6 geöffnet und die Löschen-Felder wurden angezeigt!  Ein Hoch auf Tube und ein Hoch auf Bill! (Bitte entschuldigt diesen Überschwang, ich bin bloß froh, dass der Mist vorerst aus der Liste raus ist.)

  • 2006 enttäuscht auf der ganzen Linien

     

    Vor einem Jahr habe ich eine Liste mit Wünschen an das Jahr 2006 erstellt. Diese habe ich mir nun noch einmal vorgenommen, um den Erfüllungsstatus zu überprüfen. Das Ergebnis ist niederschmetternd: Gerade einmal hinter 3 von 30 Punkten konnte ich ein grünes „erfüllt“ setzen. Für nächstes Jahr werde ich eine Liste mit 1000 Wünschen anlegen, dann kann ich auch bei einer Wunscherfüllungsquote von 10% mit einem erfreulichen 2007 rechnen.

    • Ich wünsche mir für 2006, dass wir endlich Kontakt mit Außerirdischen aufnehmen.
    • … dass diese Außerirdischen sich nicht als Arschlöcher entpuppen.
    • … dass diese Außerirdischen nicht allzu traurig sind, wenn sie mitkriegen, dass sie soeben den Planeten der Arschlöcher entdeckt haben.
    • … ein riesiges Aquarium mit einer Seekuh drin.
    • … dass Westschokolade wieder so gut schmeckt wie zu Ostzeiten.

    Hier gibt es die komplette Liste und den aktuellen Erfüllungsstand

    (Volker Strübing)

  • Lizenz zum Werben

    Gestern doch noch Casino Royale gesehen. Doofer Film. Glaubt den Lobeshymnen nicht! Auch nicht, wenn sie von eigentlich vertrauenswürdigen Leuten stammen! Glaubt mir! Doofer Film …

    Ich erspar mir eine Spoilerwarnung – das einzige, wovor ich warnen will, ist der Film.

    Ein wichtiger Rat zu Anfang: Falls ihr doch reingeht, kommt um Himmels Willen mindestens eine halbe Stunde zu spät. Im Colosseum haben sie uns genau 45 Minuten Werbung vorgesetzt – unerträglich. Und als ich dachte, jetzt geht der Film los, fand ich mich in einem 145 Minuten dauernden Werbespot für Sony, Sony-Ericson, Ford und den von mir hochverachteten Gunther von Hagens und seine Körperwelten („Body Worlds“) wieder. Ich übertreibe nur leicht. Es gibt deutlich mehr Szenen, in denen man auf das Display (und das Logo) eines Sony-Ericson-Handys starrt, als Action-Sequenzen.

    Der Film ist eine Art „Wie alles begann“, was natürlich etwas komisch ist, da er im Jahr 2006 spielt, aber damit habe ich kein Problem. Viele Rezensionen lassen sich begeistert darüber aus, dass hier gezeigt würde, wie James Bond zu James Bond wird. In einigen ist sogar von Charackterentwicklung die Rede. Versteh ich nicht.

    Ganz am Anfang begeht er die ersten beiden Morde seines Lebens, für die ihm die Doppelnull verliehen wird. Den ersten Mann ertränkt er im Waschbecken, dem zweiten sitzt er, nachdem er ihn entwaffnet hat, im Sessel gegenüber und unterhält sich ein bisschen mit ihm.

    (Gedächtniszitat:)

    Mordopfer: Verstehe. Das erste Mal ist immer das schwerste. Ich nehme an, das zweite Mal fällt es …

    JB: (erschießt ihn) Ja. Erheblich.

    Zu Anfang ist er also ein kaltblütiger Killer mit einem Hang zu coolen Sprüchen. Am Schluss ist er ein … na, ratet mal.

    Einziger Unterschied: Zu Beginn ist es ihm noch egal, ob gerührt oder geschüttelt wird, er muss erst lernen, dass es Dinerjacketts und Dinerjacketts gibt und er hat den Satz „Mein Name ist Bond, James Bond“ noch nicht im Repertoire. Um diese erstaunliche Entwicklung durchzumachen, bedarf es ein bisschen Action, ein bisschen Liebe (wirklich nur ein bisschen, ansonsten könnte er, kurz nachdem er ihre Leiche im Arm gewiegt hat, kaum sagen „Die Schlampe ist tot“, weil er denkt, sie hätte ihn verraten) und leider sehr viel langweiliges, weil im Endergebnis vorhersagbares Pokern am Casinotisch. Ach ja, und ein bisschen Genitalfolter – gut dass der Film erst ab 12 ist, denn unreifen Menschen sollte man so etwas vielleicht nicht unbedingt zeigen. Gibt es eigentlich ein Sarkasmus-Smiley?

    Ein paar gehirnausschaltende, spektakuläre Actionsequenzen hätten mich mit all dem versöhnt – das war es schließlich, was ich sehen wollte -, aber eigentlich gibt es im ganzen Film nur zwei, und die sind zwar ganz okay, aber mehr auch nicht.

    Vielleicht bin ich ein bisschen ungnädig. Weil ich diese Woche schon einen guten Film gesehen habe und sowieso nicht gut drauf bin.

    Nö. Quatsch. Was soll jetzt diese Relativierung?! Doofer Film!

    (Volker Strübing)

  • Servicewüste Volker

    Nach der Lesung: Ein Typ quatscht (und speichelt) mich an. „Bin erst am Ende reingekommen, aber Du wurdest von 2 Leuten lobend erwähnt. Was hast’n gemacht? Aha, Geschichten vorgelesen. Und was für welche? Wie, das kannste nicht in 3 Sätzen zusammenfassen? Wieso denn nicht? Sollteste aber können. Wieso willste das nicht? Jaja, schon klar, aber wenn dich jemand fragt, musste das doch erklären. Jaja, willst in Ruhe dein Bier trinken – pah!“

    (Volker Strübing)

  • Tröstlich: Krieg überwiegend positiv

    In einem Telepolisartikel las ich ein aus der taz übernommenes Zitat von Generalleutnant a. D. Jürgen Schnell, Hochschullehrer für die Bundeswehr:

    Wenn der Krieg von Anfang an zur Geschichte der Menschheit gehört, dann ist anzunehmen, dass der Krieg überwiegend positive Funktionen erfüllt. Wäre es nicht so, dann hätte die Evolution sicherlich längst dafür gesorgt, dass der Krieg als Phänomen verschwunden wäre.

    Dieses Argument ist uralt, in seiner Dussligkeit aber immer wieder erstaunlich. Man braucht nur „Krieg“ durch „Popeln in der Öffentlichkeit“ ersetzen (oder durch „Kindesmissbrauch“, „Unfug reden“, „Schweißfüße“ etc.), um zu sehen, was das für ein Quark ist. Weiter:

    Die Natur ist offensichtlich von A bis Z auf Wettbewerb angelegt, und Kriege sind ihrem Wesen nach spezifische gewaltsam ausgetragene Formen des Wettbewerbs zwischen sozialen Großgruppen.

    Das ist nichts weiter als Sozialdarwinismus – für mich eine der inhumansten Gesellschaftstheorien überhaupt, weil sie letztlich das Menschsein an sich abstreitet, den Menschen zum Tier und das Töten oder Verhungernlassen dieser zweibeinigen Tiere zu einer aus Naturgesetzen resultierenden Notwendigkeit erklärt. Für Militärs (oder Neoliberale) muss es freilich schön sein, sich selbst als Vollstrecker des Willens der Natur betrachten zu können.

    (Volker Strübing)