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  • An den nächsten drei Abenden könnt Ihr das Internet mal aus lassen

    Volker hat in seinen letzten Schnipseln ein Problem angesprochen, dass ich nur zu gut von mir selber kenne. Auch ich habe so ein Problem mit dem Veröffentlichen. Ich veröffentliche nicht mal meine Auftrittstermine. Geschweige denn Schnipsel auf dem Schnipselfriedhof. Dabei hatte ich mir ganz fest vorgenommen, zu schnipseln. Sylvester habe ich mir das vorgenommen. Sylvester 2009! Letztes Sylvester nahm ich mir vor, wenigstens meine Auftrittstermine bekannt zu geben.

    Wer also den guten alten Andreas „Spider“ Krenzke mal pur und solo – ohne diese ganzen Spitzenkabarettisten, Comedians, Komiker und Akrobaten drum herum, ohne Big Band und BackgroundtänzerInnen, ohne die dressierten Elefanten, Delfine und weißen Tiger – nur mich und ein Mikrofon (SM 58) erleben will, der kommt am besten heute (10.3.), morgen (11.3.) und am Sonnabend (12.3.) in den Kookaburra Club, Schönhauser Allee Ecke Lottumstraße nach Berlin. Ich lese was vor und erzähle Schnurren. Vielleicht zeige ich auch Urlaubsfotos oder schwärme von früher. Eigentlich müsste es genug Material geben, dass ich mich drei Abende lang nicht wiederholen muss. Ach, und „Im Arbeitslosenpark“ ist wieder aufgelegt worden und erhältlich, ich bringe ein paar Exemplare mit.

    Und nächste Woche schnipsle ich was. Ganz fest vorgenommen!

    (Andreas Krenzke)

  • Ich schaffe es einfach nicht …

    … meine Terminseite aktuell zu halten. Darum hier eine schnelle Auflistung der nächsten Auftritte:

    Mittwoch, 9.3., Dresden, Kino Thalia, 20.30 Uhr

    Sololesung und Filmschnipsel

    Donnerstag, 10.3., Chemnitz, Stadtbibliothek, 20.00 Uhr
    Sololesung und Filmschnipsel

    15.3., Dienstag, Berlin, Schokoladen, 21.30 Uhr

    LSD – Liebe Statt Drogen

    16.3., Mittwoch, Berlin, Klub der Republik, 21.30 Uhr

    Die Surfpoeten

    18.3., Freitag, Zürich, Schiffbau

    Schiffbau-Jubiläums-Slam (Infos hier)

    19.3., Sonnabend, Darmstadt, Centralstation

    Team LSD (MichaEbeling und ich) – Sololesung

    (VS)

  • Schnipsel vom 8.3.2011

    Wird Zeit, dass ich mich hier mal wieder melde. Manchmal habe ich keine Lust zum Bloggen. Außerdem war ich viel unterwegs. In den nächsten 10 Tagen fahre ich noch nach Dresden, Chemnitz, Zürich und Darmstadt. Mit dem Zug – jetzt fragt mich mal, was ich vom Lokführerstreik halte!

    Nüscht halte ich davon. Egal, ob die Forderungen berechtigt sind oder nicht. Der Strek ist nämlich vollkommen sinnlos. Es wird so ablaufen wie die letzten Male: Ein paar Hunderttausend Leute werden irgendwo festsitzen, nicht in den Urlaub oder nicht auf Arbeit kommen und dann einigen sich Gewerkschaften und Arbeitgeber irgendwie, beide Seiten sind am Ende nicht ganz zufrieden, feiern aber ihren Sieg bzw. ihre Kompromissbereitschaft. Es ist doch so: Alle wissen, dass die Lokführer streiken können und welche Folgen das hat – warum kann man also nicht einfach davon ausgehen, dass sie es bereits getan haben und sich unter dieser, nur ein bisschen Fantasie und Kreativität erfordernden Prämisse zusammensetzen. Wozu muss man das nochmal durchziehen? Vielleicht können zur Vorbereitung die Vorstände der Bahngesellschaften und die Gewerkschaftschefs einen Tag auf einem zugigen Provinzbahnhof herumstehen und damit sozusagen symbolisch die Passion unzähliger Bahnreisender auf sich nehmen (die ja ohnehin am Ende die höheren Löhne über die Fahrkarten mitbezahlen, was als Zeichen unserer Solidarität schon ausreichen sollte).

    Die Verhandlungsführer mögen sich doch bitte einmal die ersten Kapitel von „Per Anhalter durch die Galaxis“ durchlesen und Ford Prefects sehr intelligente Argumentation bezüglich des Mann-im-Matsch-vor-Bulldozer-Problems zu Herzen nehmen.

    (Düsseldorf, Sparkassenforum)

    In der Zeit der Warnstreiks mussten Micha und ich von Düsseldorf nach St.Gallen fahren und hatten Glück. Inmitten des großen Chaos‘ kam ausgerechnet unser Zug nur mit 10 Minuten Verspätung an. Sowohl in Düsseldorf als auch in der Schweiz war es sehr schön – herzliche Grüße und vielen Dank an dieser Stelle nocheinmal an Christine, Markim, Lisa, Richi und Rainer!

    (Trogen)

    Herrlich war es im noch immer verschneiten Trogen (Endhaltestelle einer der Appenzeller Bahnen, gerne auch als „Endstation Trogen“ bezeichnet) mit der Jacke über der Schulter und hochgekrempelten Ärmeln bei strahlendem Sonnenschein durch den Schnee zu Stiefeln!

    (Trogen)

    Ebenfalls Gruß und Dank an Michl und Martina, denen ich die Frankentour und herzliche Aufnahme während der selben verdanke. 5 Tage habe ich bei ihnen in Nürnberg gewohnt – Zeit genug für ein paar Beobachtungen in der Stadt:

    Nürnberg eine wunderbare Stadt zum Bummeln und Shoppen. Direkt im Zentrum ist natürlich alles voll mit den üblichen Mode- und Parfümerieketten und mit ungemütlichen Bars, die sich nicht zu schade sind, sich „Bar Celona“ zu nennen, sowie mit langweiligen Brillengeschäften, deren Geschäftsführer sich fragte: „Was können wir tun, damit niemand merkt, dass unser Brillengeschäft total langweilig ist? Klar: Wir nennen es : ‚Das verrückte Brillenhaus‘ und ‚verrückt‘ schreiben wir mit so einem komischen verrutschen, hihi, sozusagen verrücktem ü!“. An einem chinesischen Schnellimbiss, dessen Schaufenster komplett mit Schnapsflaschen zugestellt ist, verspricht ein Schild: „Alle Asia Saft Döse 1 Euro!“

    Doch etwas abseits findet man Geschäfte mit heimeligen und klingenden Namen wie „Küchen Loesch“, „Pelz Böck“, „Blumen Stier“, „Koffer Kopf“, „Schirm Hahn“, „Uhren Christfeld“, „Gardinen Möser“ und „Samen Edler“ – über die letzten beiden sind sicher schon genug Witze gemacht worden, das kann ich mir also sparen. Zur Sicherheit möchte ich jedoch anfügen, dass es sich bei Samen Edler tatsächlich um ein Geschäft für Pflanzensamen handelt und nicht um einen türkischen Schnellimbiss – vor einigen Jahren geriet Nürnberg in die Schlagzeilen, als in einem Döner Sperma gefunden wurde.

    Nürnberg geriet freilich schon so einige Male in die Schlagzeilen, erinnert sei hier zum Beispiel an die Reichsparteitage im dritten Reich. Stilhäschen, deren Blog ich schon lange mag und die ich in Nürnberg bei einem Kaffee und einem Bier kennenlernen konnte und die ich benefalls ganz gerzlich grüßen möchte, wies mich auf das nette Detail hin, dass ausgerechnet in Nürnberg die erste vollautomatische und damit führerlose U-Bahn Deutschlands fährt, was ein schönes Zeichen gegen historische Kontinuitäten ist, wie ich finde. Apropos Hitler.

    In Nürnberg, wie in ganz Bayern gilt ein äußerst strenges Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden – nur in psychatrischen Kliniken und im Gefängnis gibt es noch die Möglichkeit drin zu rauchen. Wie sich die damit verbundene Steigerung der Attraktivität besagter Einrichtungen auf die geistige Gesundheit und die Kriminalitätsrate der Bayern auswirken wird, bleibt abzuwarten. Kneipen schicken einen jedenfalls ausnahmslos vor die Tür – ohne Bier, denn das muss zum Kompott auch noch drin bleiben. Sebastian Frankenberger, der Initiator dieser strengen Antirauchergesetze ist deshalb gelegentlich als Nazi beschimpft und mit Hitler verglichen worden. Das geht entschieden zu weit, finde ich, das hat Hitler nicht verdient. (Und da ich heute so in Grußlaune bin, grüße ich an dieser Stelle Frédéric. Er wird wissen, warum.)

    (Nürnberg)

    Eine Postkarte, die ich in einem Souvenirladen kaufe, erläutert, worauf man in Nürnberg besonders stolz ist:  „Die Hauptstadt Frankens hat viele Attribute, wie: Meistersingerstadt, Dürerstadt, Stadt der Lebkuchen und der Bratwürste, aber auch des Weihnachtsmarkts“. Ein wichtiges Attribut fehlt: Hauptstadt der hässlichen Teenager. Unglaublich, welche Mühe sich gerade hier viele Jugendliche dabei geben, möglichst beschissen auszusehen. Zwei von ihnen stehen im Hauptbahnhof auf der Rolltreppe hinter mir und reden mit schrillen Stimmen über irgendeinen „Spast“, der sich ihren Unwillen zugezogen hat. Ich drehe mich um und sehe zwei junge Migrationshintergründlerinnen, deren mangelnder Geschmack darauf hindeutet, dass sie zumindest in der Hässliche-Teenager-Szene erfolgreich integriert sind.

    „Ieeehh! Der hat mich angeguckt!“, keift die eine, als sie mich sieht. „Bähhhh, der is ja voll hässlich!“, keift die andere. Ich antworte: „Mensch Mädel, wenn du MICH hässlich nennst, welche Worte bleiben dir dann noch, um dich selbst zu beschreiben? Knautschzone? Bundeskanzleramt? Saft Döse?“

    Leider, oder besser gesagt: Zum Glück fällt mir diese pfiffige Antwort erst 5 Minuten später ein und der Fahrkartenautomat, dem ich sie mit gerechtem Zorn ins Angesicht schleudere, antwortet mit der Gegenfrage, ob ich Bahn-Comfort-Punkte sammle. Keine Ahnung, was passiert wäre, wenn ich etwas schlagfertiger gewesen wäre. Ich habe große Angst davor, einmal von ein paar pubertierenden Mädchen verkloppt zu werden, denn ich weiß nicht, welche Benimmregeln in einem solchen Fall für Männer gelten. Mit deeskalierenden Gesprächstaktiken hätte ich es gar nicht erst probieren brauchen, Worte des Friedens wären auf ähnlich fruchtbaren Boden gefallen wie ein Blumensamen auf dem Mond. Klar ist auch: Wegrennen, um Gnade flehen oder um Hilfe rufen fällt aus, da könnte man sich genauso gut öffentlich kastrieren und für alle Zeiten von seinem Posten als zumindest potentieller Teil des evolutionären Reigens zurücktreten. Zurücktreten bzw. Zurückschlagen geht aber irgendwie auch nicht – ein Mann der junge Mädchen schlägt, was ist das denn bitteschön für ein Arsch? Zumal der Ausgang eines Kampfes in diesem Falle ungewiss gewesen wäre – irgendwie hatte ich den Eindruck, dass die Streetfighting-Skills der beiden höher waren als die meinen.

    Für Verhaltenshinweise wäre ich dankbar.

    (Lisa, Richi, Maximilian auf dem Weg ins weiße Nichts …)


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    (VS)


  • Anwesenheitsnotiz


    (Stadtpark Nürnberg)

    Bald gibts hier wieder ein bisschen mehr zu lesen und zu sehen, versprochen!

  • Ich überlege gerade, ob ich mein Blog nicht einfach in mySenf umbenennen soll. Ich überlege aber nicht ernsthaft.

    Ich habe zwei so gut wie fertige und eine dreiviertelfertige Kloß-und-Spinne-Folge rumliegen. Bei den beiden „so gut wie“-Folgen fehlt eigentlich nur noch Vor- und Abspann. Aber ich habe gerade so was von absolut überhaupt keine Lust, das zu machen, das glaubt ihr gar nicht. Vielleicht liegt es daran, das es für mich keine wirklich neuen Folgen sind – ich habe dazu zwei alte Geschichten von mir umgearbeitet. Ohne sie als Zitat kenntlich zu machen, aber bei sich selber klauen ist okay, finde ich, ansonsten hätte ich schon längst zurücktreten müssen. Ob und wie und wann und warum es mit Kloß und Spinne weitergeht, wird man sehen, wenn es so weit ist bzw. eben nicht, aber wo ich gerade schon von Guttenberg sprach: Ich weiß gar nicht genau, was mir am unsympathischsten ist. Die Tatsache, dass er sich offenbar ohne jeden Gewissensbiss für eine Doktorarbeit mit „gravierenden handwerklichen Mängeln“ (wie er seine Plagiate bezeichnet) die Höchstnote hat geben lassen, seine barschelesken Lügen, als die ganze Sache aufflog, seine Lügen, als klar wurde, dass er mit den ersten Lügen nicht durchkommt, der Größenwahn mit dem er vor ein paar Tagen erklärte, das deutsche Volk erwarte jetzt von Seiner Majestät ihm, dass er sich mit ganzer Kraft um sein Amt kümmere oder die Kaltschnäuzigkeit mit der er die getöteten deutschen Soldaten benutzt, um die ihm arg zusetzenden Journalisten zu diffamieren.

  • Schnipsel vom 9.2.2011


    (Backstage Übel & Gefährlich / Hamburg)

    Ich bin zur Zeit ziemlich viel unterwegs, deshalb ist hier auch nicht so viel los. Vorletzte Woche war ich in Hamburg, wo ich unter anderem erleben konnte, wie Laurin Buser beim Bunkerslam im Uebel & Gefährlich von allen Jurymitgliedern 10 Punkte bekam. Die 10 ist – so erklären es zumindest einige Moderatoren der Jury und dem Publikum – für Texte vorbehalten, die einen kollektiven Orgasmus auslösen. Und man muss sagen: Laurin hat genau das geschafft. Habe noch nie erlebt, dass ein Publikum bei einem Slam so ausrastet. Hammer.

    Vorgestern war ich in Augsburg, war eingeladen zum Dead-Or-Alive-Slam im ausverkauften Parktheater. Ein sehr, sehr schöner Abend. Und tolles Wetter haben die da unten!

    (Soundcheck im Parktheater)

    Außerdem gibt es in Augsburg, wie ich erfreut feststellte, nicht nur einen Roy-Black-Weg, sondern auch eine Frohsinnstraße. Spinne würde das sicher sehr gefallen.

    (Kein Roy-Black-Weg, keine Frohsinnstraße: In Meiersberg (MV) kann man auf jeden Schnickschnack bei der Straßenbenennung verzichten. Ach, auf dem Land ist alles so herrlich unkompliziert …)

    Ab Sonntag steht dann eine kleine Frankentour an, danach bin ich mit Micha als Team in Düsseldorf und der Schweiz unterwegs. Die nächste Gelegenheit, mich in Berlin zu hören gibt es am Freitag in der JVA Hakenfelde. Ich weiß nicht, ob es noch Plätze gibt. Vom Ambiente wird es sicher das genaue Gegenteil des Parktheaters.

    Gerade jetzt, wo ich soviel unterwegs bin, wurde mir von Seiten der Deutschen Bahn die ultimative Demütigung für einen fahrenden Schriftsteller zu teil. Meine neue Bahncard ist da:

    Nie mehr Omas von den Bahn-Comfort-Plätzen vertreiben 🙁

    Was ganz anderes: Neulich beklagte sich Norbert über den mangelnden Integrationswillen der Muslime was den Alkoholkonsum angeht, jetzt ist ihm der bayerische Brauereibund beigesprungen. An der Argumentation ist ja auch absolut nichts auszusetzen! Umso peinlicher ist es anzusehen, wie der Brauereibund jetzt halbherzig und feige zurückrudert, von Missverständnissen spricht und behauptet, mit Migranten habe man vor allem Nichtbayern aus anderen Teilen Deutschlands gemeint. Jaja, tolle Sache, auf Ausländer schimpfen und dann glauben, man mache es besser, indem man sagt, man habe ja eigentlich die Ostler gemeint!

    (Hotelhinterhof, Reeperbahn, Hamburg)

    Sehr unangenehm ist es übrigens, sich die Haut über dem Kehlkopf im Reißverschluss der hochkragigen Jacke einzuklemmen. Ich möchte behaupten, dass es die zweitunangenehmste Möglichkeit ist, sich etwas in einem Reißverschluss einzuklemmen.

  • Ruhig mal wieder fernsehgucken

    Anfang Februar wiederholt 3sat Nicht der Süden und Mister & Missis.Sippi, die beiden Fernsehserien, an denen mitzuwirken ich das Vergnügen hatte.

    Am Mittwoch, dem 2. Februarr 2011 laufen von 13.15 Uhr bis 15.30 Uhr alle drei Folgen von Mister & Mississippi hintereinander.
    [youtube=http://www.youtube.com/watch?v=7vSbwj-Ailo]

    Nicht der Süden
    wird eine Woche später gesendet: Teil 1 und 2 am 9.2. ab 15.30 Uhr, Teil 3 und 4 am 10.2. ab 16.00 Uhr. Außerdem werden ale 4 Folgen nocheinmal hintereinander in der Nacht vom 9. zum 10.2 ab 3.15 Uhr ausgestrahlt.

    [youtube=http://www.youtube.com/watch?v=NM7qskpmAQM&feature=related]

    Grüße aus Hamburg!

  • Schnipselkino

    Morgen fahre ich für drei Tage nach Hamburg. Am Donnerstag bin ich beim Bunkerslam im Übel&Gefährlich und das wird ein irrer Abend, denn mit dabei sind Mischa-Sarim Verollet, Marlene Stamerjohann, Laurin Buser (der amtierende U20 Champion), Moritz Kienemann, Martin Sieper, Sabrina Schauer und Nico Semsrott und Rayl Patzak macht Musik.
    Am Freitag um 22.30 Uhr gibts zum dritten Mal Schnipselkino im Zeise: Ich zeige kurze Videos und lese zwischendurch ein paar Geschichten. Wenn alles gut geht (und im Moment sieht es so aus), werde ich gleich zwei ganz neue Kloß-und-Spinne-Videos das erste Mal zeigen!

    Am Sonnabend bin ich dann als Featured Poet beim Lola-Slam in Bergedorf.
    Kommt alle nach Hamburg!

  • Die Krise ist ein einsamer Arsch ohne Ohren

    Der Schnipselfriedhof wird noch nicht ausverkauft, macht aber Pause bis nächste Woche.

  • Bug in Facedetection-Software

    Eine meiner unangenehmsten Macken oder besser gesagt: Eins meiner peinlichsten Defizite ist es, dass ich oft Leute nicht wiedererkenne. Es ist vielleicht noch verständlich, wenn es sich um Leute handelt, die ich mal bei einem Auftritt getroffen habe, denn das sind sehr viele Leute. Aber selbst da wird es schon bedenklich, wenn man zumindest mal miteinander geredet oder sogar ein Bier getrunken hat. Leider beschränkt es sich aber nicht darauf. Mit der folgenden Geschichte gelang es mir sogar, Kathrin Passig zu beeindrucken, die aus eigener leidvoller Erfahrung ausgewiesene Expertin auf diesem Gebiet ist.

    Es muss jetzt ungefähr zehn Jahre her sein. Damals fand LSD noch im Keller des Zosch statt und ich war noch Mitglied und stand jede Woche auf der Bühne. Eines Abends, es war sehr voll und ich drängelte mich fünf Minuten vor Beginn der Show zur Bar durch, um irgendetwas mit dem Licht oder dem Ton zu klären, sprach mich eine Frau an. Sie kam mir vage bekannt vor, aber ich wusste einfach nicht, woher und wie gut ich sie kannte. Ich hatte damals gerade beschlossen, das Problem offensiv anzugehen und in solchen Fällen nachzufragen, statt es durch irgendwelches unverbindliches Rumhalloen und Undwiegehtsgeplapper zu überspielen.

    Ich sage also: „Ah hi, ähm … entschuldige … woher kennen wir uns gleich nochmal?“
    Die Frau schaut mich mit riesigen Augen an und sagt: „Ich bin deine Schwester!“

    Wir waren schon im Keller, im Boden versinken fiel also zu meinem großen Leidwesen aus. Wahrscheinlich werde ich die Geschichte bis an mein Lebensende gelegentlich um die Ohren gehauen bekommen – und zwar völlig zu Recht! Ich versuchte es ihr – und vor allem mir selbst – zu erklären. Es muss daran gelegen haben, dass ich gerade im Stress war. Bei Auftritten bin ich oft ziemlich von der Rolle und dann war da noch das Problem, das schnell gelöst werden musste und in wenigen Minuten würde ich am Mikro das Publikum begrüßen müssen und außerdem: Meine Schwester war seit Jahren nicht bei einer unserer Veranstaltungen gewesen, sie gehörte nicht zu den Leuten, die ich mit unserer Show in verbindung brachte, ihr Besuch war eine Riesenüberraschung. Eine schöne eigentlich, wenn ich nicht alles verdorben hätte. Mann, war das peinlich.

    Ein paar Jahre später kam sie überraschend zu einem Auftritt, den ich irgendwo in Süddeutschland hatte, da sie mit Familie in der Nähe Urlaub machte. Sie schickte vorsichtshalber ihren Mann vor, der zu mir kam und sagte: „Hallo Volker, ich bin dein Schwager und guck mal, das dort hinten ist deine Schwester … nur um euch die Peinlichkeit zu ersparen …“ Aber eins weiß ich ganz sicher. Mit ihr wird mir das nicht noch einmal passieren.

    Heute, auf dem Rückweg von ein paar Besorgungen, in Gedanken versunken, kam mir ein Mann entgegen. Er schaute mich an, ich schaute zurück, wendete dann aber den Blick ab, weil ich keine Lust auf eins dieser Blickduelle im Vorübergehen hatte und außerdem meinen Gedanken zu Ende denken wollte. Wozu ich dann aber doch nicht kam, weil mir ein paar Meter später siedendheiß die Erkenntnis kam, dass das ein Bekannter und Nachbar war. Ich bleib stehen, drehte mich um, konnte mich aber doch nicht dazu durchringen, hinterherzurufen oder zu -laufen.

    So etwas ist natürlich für beide Seiten unangenehm. Für den Nichterkannten, der sichentweder zu Recht beleidigt fühlt oder, wenn er eher der Kloß-Typ ist, die Schuld bei sich sucht. Und für den Nichterkennenden, der sich wie ein Arsch fühlt und zudem an seinem Verstand zweifelt.

    Interessant ist natürlich die Frage, woran es liegt. Ich bin in allen Dingen ziemlich vergesslich, aber in diesem Bereich ist es doch ausgeprochen schlimm (vielleicht fällt es mir in diesem Bereich auch nur besonders auf, weil es mich immer wieder in größere oder kleinere soziale Bredouillien bringt). Die unangenehmste Interpretation ist natürlich, dass es an einem generellen Desinteresse den Mitmenschen gegenüber liegt, aber ich glaube lieber an eine ganz normale und irgendwie ja auch sympathische Prosopagnosie. Bleibt nur die Frage, ob apperzitiv, amnestisch oder kongenital. Und wie ich den Typen wieder loswerde, der mir immer beim Zähneputzen gegenübersteht und mich nachäfft.

    Vielleicht hat aber auch einfach Frau Passig Recht.

    Lesetip: Ira Strübel über die größte Gefahr im Internet. Mit Prosopagnosie-Bezug!


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