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  • Schnipsel vom 17.1.2011


    (Bei Bad Freienwalde)

    Es ist ein sicheres Anzeichen für Dummheit, wenn man denselben Fehler immer wieder wiederholt. Sich zum Beispiel ständig aufs Neue von Früchteteeverpackungen, die aufregende und exotische Genüsse versprechen, zum Kauf animieren lässt. Zur Zeit stapeln sich bei mir Ananas, Sauerkirsche, Sanddorn, Erdbeer-Rhabarber, Apfel-Feige und Himbeere – und alle schmecken nach Hagebutten.  Früchtetees schmecken immer nach Hagebutten, bestenfalls nach Hagebutten, denen jemand eingeredt hat, sie wären Äpfel oder Sauerkirschen, das müsste ich doch langsam mal begriffen haben!

    Zum Glück mag ich Hagebuttentee.

    Die Qualität von Brötchen verhält sich umgekehrt proportional zu ihrem Preis. Die zu 26 Cent von Kamps (dem Becks unter den Bäckereiketten) taugen zum Beispiel nur zum Entenfüttern oder dazu, sich das Wochenendfrühstück zu verderben. Sollte es jemals eine allgemeine Theorie von überhaupt allem geben, wird sie sich daran messen lassen müssen, ob sie auch diesen Zusammenhang vorraussagen kann.

  • Was der Sirene der Gesang, ist dem toten Huhn der Duft

    Ich habe es geschafft. Wieder einmal. Ich habe die Hände in den Jackentaschen vergraben, die Zähne zusammengebissen und mich darauf konzentriert, mit jedem dritten Schritt mit der Mitte des Fußes auf die Spalte zwischen zwei Gehwegplatten zu treten und so bin ich an ihr vorbeigekommen: Der Imbissbude „Gaumenschmaus – Die Frischgrillhähnchen“. Seit Sommer letzten Jahres mache ich Kieser-Training und immer auf dem Heimweg muss ich an ihr vorbei. Die ersten Wochen habe ich sicher eher zugenommen als meinem Körper mit dem Training etwas Gutes zu tun, denn ich hatte noch keine Abwehrmechanismen. Und geschafft und hungrig (ich gehe immer am frühen Nachmittag und habe bis dahin nur gefrühstückt), hatte ich den verführerischen Düften nichts entgegenzusetzen.

    Ich liebe Broilergeruch; wenn es Wunderbäume mit Broilergeruch gäbe, würde ich doch noch die Fahrerlaubnis machen, denn dann hätte ich endlich einen Grund, mir ein Auto zu kaufen. Andererseits: Was wäre der Geruch, ohne dass man in die knusprige Haut beißt? Nur eine Qual, so wie für mich zweimal die Woche auf dem Weg nach Hause …

    Das Problem am Broiler ist die große Enttäuschung, die er mit sich bringt – und hauptsächlioch aus diesem Grund lasse ich mich nur noch sehr selten verführen. Der Moment des größten Glücks ist der Einkauf, wenn man an der Theke steht, umnebelt und des Atems beraubt vom Duft verkokelnder Hühnerhaut, den Blick auf den sich langsam drehenden Reihen geköpfter, entfederter, ausgeweideter und schließlich gepfählter Hähnchen, all diese unglücklichen Tiere, deren schönster Tag der der Schlachtung und damit der Erlösung von einem schrecklichen Leben war und die nun darauf warten, einen Menschen, mich! glücklich zu machen – welches wird der freundliche Mann mit der Gaumenschmaus-Schürze für mich aussuchen?

    Dann der restliche Weg nach Hause, der gut verpackte Broiler im Gepäckkorb des Fahrrades, die Vorfreude …

    … und schließlich die Enttäuschung, wenn Haut, Schenkel und Flügel abgeknabbert sind, man nur noch einen Haufen langweiliges, trockenes, weißes Fleisch übrig hat, durch den man sich widerwillig hindurchkaut. Und dann läuft auch noch just in diesem Moment ein schrecklicher Bericht über Masssentierhaltung im Fernsehen und man kann nicht umschalten wegen der fettigen Finger. Hinterher ist man voll aber nicht satt und wünscht sich, man hätte an der Bude einfach den Gurkensalat gekauft, den sie als Beilage anbieten. Wenn Broiler eine Fernsehserie wäre dann „24“ – man weiß, es ist nichts Gutes, aber man will sie trotzdem unbedingt sehen, die ersten Folgen jeder Staffel sind auch sehr spannend aber spätestestens ab Stunde 5 beginnt die Langeweile …

    Ich gestehe, ich schreibe das nur, um mir selbst den Salat schmackhaft zu machen, den ich heute gekauft habe.

  • Metageschnipseltes

    Ich habe zwar dieses Weblog und bin bei Facebook, aber eigentlich bin ich sowas von Web 1.0, das gibts gar nicht. Der Schnipselfriedhof ist vor allem eine bequeme Möglichkeit Texte zu veröffentlichen, viel bequemer als das früher auf meiner Website ging, wo ich mit HTML und FTP rumfuhrwerken musste, wozu ich in der Regel zu faul war.

    Aber zur Idee von Blogs gehört ja auch die „Blogosphäre“, die Vernetzung untereinander, die Bezugnahme aufeinander, der gegenseitige Austausch. Und genau damit habe ich meine Probleme. Ich fange nur an zu schreiben, wenn ich irgendwas erzählen oder zeigen oder einen blöden Witz machen will. Ich möchte mein Zeug veröffentlichen und damit basta. Wenn ich einen schönen Artikel in einem anderen Blog lese oder ein tolles Video auf Youtube, dann freue ich mich darüber, aber ich komme nicht die Idee, einen Link beim Schnipselfriedhof zu posten – es ist dieses alte Verständnis: Wenn ich was veröffentliche, dann muss es doch was Eigenes sein.

    Dabei weiß ich doch, wie ich mich freue, wenn jemand einen Artikel oder ein Video von mir verlinkt; der Schnipselfriedhof und Kloß und Spinne wären schon längst eingeschlafen, wenn sie nicht durch solche Empfehlungen Leser und Zuschauer gefunden hätten, die mich motivieren, damit weiterzumachen. Das allein sollte doch Grund genug sein, mich selbst ein bisschen mehr in dieser Hinsicht zu betätigen, statt eine „soziale Sackgasse“ zu betreiben.

    Es gibt zwar eine Blogroll, aber die ist seit Ewigkeiten nicht aktualisiert worden. Seit bestimmt zwei Jahren nehme ich mir vor, diese mal zu pflegen, um ein paar schöne Blogs zu erweitern und dafür Sachen rauszuschmeißen, die gar nicht mehr aktuell sind, aber dann ist gleich der nächste Gedanke: „Och neeee, heute nicht …“ Ich glaube auch nicht, dass ich mich innerhalb der nächsten Wochen dazu durchringen kann.
    Oft schaffe ich nichteinmal, die Kommentare unter meinen Beiträgen zu kommentieren, obwohl ich sie immer lese und mich – vor allem natürlich über die positiven – sehr darüber freue.

    Ich fühle mich einfach mit der „Content-Produktion“ ausgelastet und fürchte die Zeit, die eine stärkere Beschäftigung mit den sozialen Aspekten des Internets mich kosten würde. Vielleicht sollte man für Leute wie mich unsoziale Netzwerke entwickeln. Facebook ohne Freunde, das wäre vielleicht ne Marktlücke.

    Aber ich habe mir jetzt etwas vorgenommen: Ab und zu einen Lese- oder Gucktipp unter meine Beiträge zu setzen. Irgendetwas, was mir an dem Tag aufgefallen ist und gefallen hat, ganz egal, ob es auch nur den geringsten Bezug zu dem von mir Geschriebenen gibt.

    Ich fang gleich mal an:

    Vorschläge zur Überwindung der durch den Dioxinskandal ausgelösten Probleme in der Landwirtschaft von Jakob Hein.

     

  • Schnipsel vom 8.1.2011

    Anlage -Tip:

    In der Taz stand, dass die Eierpreise gerade im Keller sind. Jetzt kaufen!!!

    Wartezeit ist Werbezeit …

    … habe ich heute auf einem Plakat am U-/S-Bahnhof Alexanderplatz gelesen. Auf dem Plakat wurde dafür geworben, auf den Bahnhöfen zu werben. Ich habe jetzt so eine Theorie, was wirklich hinter den längeren Taktzeiten bei der S-Bahn steckt …

     

  • DBpedia

    Bahncard50, die: Plastikkärtchen im Scheckkartenformat, das den besitzer zum Erwerb von Fahrkarten zum regulären Preis berechtigt. Nichtbesitzer zahlen das Doppelte. Sympathisch ist die augenzwinkernde Selbstironie, mit der die Deutsche Bahn darauf beharrt, den doppelten Fahrpreis als normalen und den BC50-Tarif als „halben“ Fahrpreis zu bezeichnen.

    Umweltbewusstsein, das: Wird Bahnfahrern gerne nachgesagt und von diesen mit Stolz als Beweggrund angeführt. Eine eitle Lüge. Niemand fährt wegen der Umwelt mit dem Zug. Nach meiner Recherche gibt es genau drei Gründe, längere Strecken mit dem ICE statt zum Beispiel mit dem Flugzeug zurückzulegen:

    1.) Man will zeigen, dass man es sich leisten kann.
    2.) Man hat Flugangst. Oder das Provinzstädtchen, in das man reisen will verfügt zwar über einen ICE-Bahnhof, an dem jeder Schnellzug halten muss, um maximal 2 Personen abzusetzen oder aufzusammeln, aber über keinen Flughafen.
    3.) Es haben sich mehrere Dutzend zu erledigende Telefongespräche angesammelt und im Büro oder zuhause würde man möglicherweise mit der Telefoniererei andere Menschen stören.

    Dass Bahnfahrer in Wirklichkeit Umweltschweine sind, zeigt sich, wenn mal wieder ein Zug nur mit der halben Anzahl Waggons fährt, wenn ein vorhergehender Zug ausgefallen ist oder wenn aus irgendeinem anderen Grund auf der Fahrt Zustände wie in der Tokioter U-Bahn im Berufsverkehr herrschen. Umweltbewusste Reisende würden jubeln, da mit jedem zusätzlichen Passagier, der sich in den Wagen zwängt der CO2-Ausstoß pro Reisendem und Kilometer weiter sinkt und die Öko-Bilanz besser wird. Stattdessen hört man nichts als Gemurre. Umgekehrt habe ich noch nie erlebt, dass sich jemand in einem herrlich leeren Wagen beschwert oder gar um eine Verkürzung des Zuges gebeten hätte.

    Wagenstandsanzeiger, der: Beweis für die Kundenorientierung des Unternehmens und Ausdruck des Bemühens, den Reisenden mehr zu bieten als den simplen Transport ihrer Körper von A nach B. Die traditionell kurz vor Einfahrt eines ICEs erfolgende Ansage: „Achtung: Der Zug verkehrt heute in umgekehrter Wagenreihung“ ist der Startschuss für ein kostenloses Fitnessprogramm, ein aufregendes Rollkoffer-Crash-Car-Rennen und verschafft den Bahnkunden einen angenehmen Adrenalinkick. Um größtmöglichen Nutzen aus diesem Angebot ziehen zu können, empfiehlt es sich, sich in dem Bahnsteigabschnitt zu positionieren, in dem der erste bzw. der letzte Waggon halten soll. 1.-Klasse-Reisende sind klar im Vorteil: Sie müssen bei umgekehrter Wagenreihung die ganze lange Reihe der Pöbel-Waggons ablaufen oder sich, wenn sie das nicht schaffen, nach Abfahrt des Zuges durch diese hindurchkämpfen. (Auf der Strecke Berlin – Frankfurt/Main kommen auch Zweitklassige in den Genuss eines veritablen Marathons, da sich hier 1.- und 2.-Klasse-Wagen die … äh … Waage halten.


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  • Spiekeroog

    Ein paar Neujahrsfotos von der Nordsee …

    (Auf der Fähre. Klick auf die Bilder macht sie groß und scharf und schön – der Vorschaualgorithmus von WordPress produziert ziemliche Mansche.) (mehr …)

  • 2010 R.I.P.

    So. 2010 ist geschafft und da es für mich kein besonders gutes Jahr war, bin ich ganz froh darüber. 2011 wird das Jahr, in dem sich völlig überraschend alle Hoffnungen erfüllen werden – ich freu mich schon! Gleichzeitig wird es natürlich das Jahr des „Großen Schlamassels“, aber wer meinen Roman „Das Paradies am Rande der Stadt“ gelesen hat, weiß das natürlich und hat sich sicher entsprechend vorbereitet. Alle anderen sollten ihn schnell noch bestellen!

    (2.1.2011, Bahnhof Sande, zwei Stunden Aufenthalt wegen „Personenschaden“. Klick aufs Bild zum Vergrößern – dann wird es auch scharf!)

    Ich habe im letzten Jahr eigentlich eine ganze Menge geschafft, habe die Arbeit an einer Fernsehserie abgeschlossen, die inzwischen dreimal auf 3sat und ZDF lief und von ein paar hunderttausend Menschen gesehen wurde, habe in Rekordzeit ein Buch zur Fernsehserie geschrieben, habe ein gutes Dutzend Kloß-und- Spinne-Folgen verfasst und 9 davon vertrickfilmt, all meine Videos auf YouTube wurden 880.000 mal angesehen, ich habe außerdem alle Folgen für die DVD überarbeitet diese zusammen mit Voland & Quist mit anderthalb Jahren Verspätung gerade so noch vor dem Jahreswechsel vom Stapel gelassen, habe an einigen Fernsehserien- und Romanideen gearbeitet, 106 Einträge auf dem Schnipselfriedhof gepostet, der 2010 230.000 mal aufgerufen wurde, habe zwölf Vorlesetexte geschrieben und bin 60 mal aufgetreten. Außerdem bin ich pleite.

    (Neu, Neu, Neu!)

    Nach zehn Jahren, die ich mich freischaffend irgendwie durchgeschlagen habe, ist das sehr deprimierend. Ich bin sehr optimistisch, dass das bald überwunden sein wird, aber überhaupt an diesen Punkt gekommen zu sein … ironischerweise wähnen mich immer noch einige Bekannte aufgrund der Arbeit für’s Fernsehen in den Mittelstand aufgestiegen.

    (Klick auf das Bild zum Vergrößern)

    Erschwerend kam dazu, dass ich 2010 39 Jahre alt geworden bin, das wahrscheinlich dööfste Alter, das man haben kann. Im April werde  ich zum Glück 40! 40 ist ein schönes und würdevolles Alter. Ich hoffe, ich werde bis dahin  auch die nötige Weisheit und Lebenserfahrung akkumuliert haben, um nicht wieder Monate mit extrem stressigen, finanziell und künstlerisch unsinnigen Projekten (wie etwa dem Mississippi-Buch oder der Kloß-und-Spinne-DVD) zu verschwenden; um mich überhaupt auf einige wenige Sachen zu konzentrieren, statt Ideen für Projekte anzuhäufen, die ich nie realisiere, nicht einmal richtig ausformuliere, weil ich stattdessen schon dabei bin, zu überlegen, was ich sonst noch machen könnte; um mich besser verkaufen und besser verkaufbare Sachen zu machen … ähm … ohne mich zu verkaufen natürlich.

    So, da schwang jetzt ordentlich Selbstmitleid mit, aber das ist ja auch mal ganz schön. Ich habe überlegt, den Artikel „Lamorjanz oder jar nich“ zu nennen, was ein schöner Titel gewesen wäre, aber in Wirklichkeit ist diese Phase schon längst überwunden. Es gibt genug Ideen und auch die eine oder andere gute Aussicht fürs neue Jahr.

    PS: Gerade habe ich nocheinmal nachgeguckt und festgestellt, dass im Roman nirgends das Jahr 2011 als Termin für das Große Schlamassel genannt wird. Sehr geschickt, sich als Autor da nicht festzulegen. Die Jahreszahl findet sich nur in einer alten Fassung …

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  • iSmoke

    Zu Weihnachten habe ich mir selbst eine elektrische Zigarette geschenkt (Häh? Issn das?). Jetzt habe ich endlich eine Zigarette mit USB-Anschluss – es musste ja soweit kommen. Der USB-Anschluss ist aber nur zum Laden des Akkus da, noch kann man keine neue Firmware installieren. (mehr …)

  • Die Dosen-Omi

    Es ist ein sehr trauriger Anblick, ganz besonders einen Tag vor Weihnachten, wenn sich eine Omi in der Kaufhalle eine Dose „Omis Eintopf“ („Schmeckt wie bei Großmuttern!“) und dazu ein kleines Fläschchen Eierlikör kauft. Omis sollten keine Doseneintöpfe kaufen, sie sollten selber Suppe kochen und Frikasse und Rouladen und Pudding für die Enkel. Wahrscheinlich wird die alte Frau morgen alleine zuhause sitzen und sich immer wieder die Weihnachtskarte von der Volkssolidarität durchlesen …

    PS: Hat jemand meine Brille gesehen? Hab vorhin geduscht und finde sie nicht wieder. Ich bin plötzlich gefühlte zehn Zentimeter größer und mir ist ein bisschen schwindlig. Aber die Welt ist schön unscharf, das steht ihr gut.