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  • Edel-Shooter

    Dafür, dass es finanziell grad nicht so rosig, sondern eher sumpfdotterblumig aussieht, lebe ich auf ganz großem Fuß. Im Februar habe ich mir zum Beispiel das teuerste Computerspiel aller Zeiten gekauft. Es heißt Unreal Tournament III und hat 10 Euro gekostet. Die habe ich online bezahlt und dann habe ich es heruntergeladen, was ziemlich lange dauerte mit meinem 1000er DSL. Außerdem brach der Download mehrmals ab, was ziemlich ärgerlich war, wenn der Rechner schon mühselig 5 GB geladen hatte und dann von vorne beginnen musste … aus den ursprünglichen 7 GB wurden so über 20. Was ich vergessen hatte, weil es in den letzten Jahren nie relevant gewesen war: Ich habe einen 4-GB-Volumentarif und zahle für jedes zusätzliche Megabyte einen Cent. Die Gesamtrechnung belief sich dann auf 217,12 Euro, was doch etwas über den 6,95 liegt, die ich sonst zahle. Das Spiel hat mich also insgesamt 220 Euro gekostet. Schade eigentlich, dass es so enttäuschend ist und gar keinen Spaß macht …

    Es ist das eine, wenn man sich ab und zu mal sagt: „Man bin ich blöd!“, aber es ist was ganz anderes, wenn das Leben dann mit lauter Stimme antwortet: „Aber hallo!“

    (VS)

  • Quedlinburg / Ansbach

    Das waren zwei Auftritte! Solo in Quedlinburg (sage „Quättlinburg“, wenn Du rasch mit Einheimischen ins Gespräch kommen willst), der schönsten Stadt der ganzen Welt, dem Venedig des Harz, dem Paris von Sachsen-Anhalt, der harzvorländischen Schweiz, dem Bode-Athen. Vielen Dank nochmal ganz besonders an Manuela und Christian von der Büchercouch für die Einladung, den freundlichen Empfang, das Frühstück und den Stadtbummel!

    (Quedlinburger Spezialitäten …)


    Am Montag war ich dann ziemlich überraschend beim Highlander-Slam in Ansbach dabei. (Bei einem Highlander-Slam treten alle, die in der letzten Saison bei diesem Slam gewonnen haben, gegeneinander an.) Eigentlich war ich gar nicht qualifiziert, weil ich bei meinem Slamauftritt im letzten jahr dort nur zweiter wurde – aber dann hat Philipp Scharri abgesagt und ich bin nachgerutscht.

    Auf der Zugfahrt habe ich einen neuen Text (fast)  fertiggeschrieben – und dann das Heft liegenlassen 🙁 18.00 Uhr war ich in Ansbach, 20.00 Uhr begann der Slam. Die beiden Stunden dazwischen waren dann ziemlich hektisch, aber ich habe es geschafft, ihn aus dem Gedächtnis nochmal zu schreiben und mir den noch fehlenden Schluss auszudenken und habe schließlich mit zwei neuen Texten gewonnen. Das heißt: ich werde Ansbach beim SLAM2011 in Hamburg vertreten. Von dieser freudigen Nachricht (für mich zumindest … tut mir leid, Paddi …) abgesehen war es ein super Slam – Dank und gruß an alle, die da waren und besonders an Michl und Martina!

    Ich werde den Text wahrscheinlich demnächst hier reinstellen. Andererseits baue ich ihn auch gerade zu einer Kloß-und-Spinne-Folge um …

    (Senfei habe ich auf meiner Chinareise auch immer gegessen. Dort aber mit Reis statt mit Salzkartoffeln. Ich entschuldige mich für diesen blöden Witz.)


    (VS)

  • Ohne Menschen

    Toller Typ, toller Song, tolles Video:

    [youtube=http://www.youtube.com/watch?v=qRRiROYazJw]

    Ich war auch zum Videodreh eingeladen, konnte dann aber doch nicht hingehen … jetzt kann ich mir wenigstens allerlei Bekannte, angucken, die offensichtlich viel Spaß dabei gehabt haben …

    (Volker)

  • Bekanntmachung

    Ich bewundere Kollegen, die es schaffen, auf ihrer Homepage die Auftrittstermine immer aktuell zu halten. Wahrscheinlich beschäftigen sie einen Stab hochbezahlter und -qualifizierter Mitarbeiter, die sich darum kümmern.

    Aus gegebenem Anlass weise ich darum jetzt im Blog auf einen ganz besonderen Auftritt hin: Am Sonnabend trete ich zusammen mit Marius Jung und Till Kersting im kabaretttheater „Die Wühlmäuse“ am Theodor-Heuß-Platz auf.  Es ist eine der ganz, ganz wenigen Gelegenheiten, wo man mehr als 30 Euro für eine Karte bezahlen kann, um mich auf der Bühne zu sehen – das sollte man sich nicht entgehen lassen! Es gibt aber auch billigere Karten. Außerdem kann ich zwei Freikarten vergeben. Wer die beiden Karten haben will, muss nur als erster oder erste einen Kommentar zu diesem Artikel schreiben, aus dem dieser Wunsch hervorgeht. Wichtig wäre noch, dass man am Sonnabend auch wirklich Zeit hat und in Berlin ist und die Karten nicht nur nimmt, weil sie kostenlos sind …

    Ach so: Es sieht bezüglich eines neuen Kloß und Spinne Films ganz gut aus … nächste Woche vielleicht, aber nagelt mich nicht drauf fest …

    (Volker)

  • Sommer, Sonne, Mathespaß

    Heute mal eine Mathe-Anwendungsaufgabe: Herr M.  und Frau W. sitzen in einem Gartenrestaurant. Sie möchten Weißweinschorle trinken. Eine Weißweinschorle kostet 3 Euro, genausoviel wie ein Glas Wein. Frau W. und Herrn M. fällt auf, dass sie einen Euro sparen können, wenn sie statt zwei Weißweinschorlen einen Weißwein und 0,3L Mineralwasser bestellen, das nur 2 Euro kostet. Gesagt, getan. 0,1 L Wasser werden schnell weggeschüttet, dann wird ein halber Wein zum restlichen Mineralwasser gekippt und das Ganze umgerührt. Dann kippen sie 0,1L der Mischung zurück ins Weinglas und so weiter. Wie oft müssen sie umschütten, um zwei Weißweinschorlen im Mischungsverhältnis 50:50 zu erhalten (ab 48:52 können wir ein Auge zudrücken)?

    Der oder die erste mit der richtigen Antwort wird von mir zu einem Praxistest der Methode eingeladen. Falls wir uns mal über den Weg laufen.

    Lesetipp: Fast erster April von Uli Hannemann

    (VS)

  • Frühling





    Dieses Bild trägt den Titel „Die physalisäugige Ananas hält sich erschrocken die Kürbisfinger vor den Mund“.



    (VS)

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  • Heute: Auf zum Kantinenlesen-Spezial!

    Ich war in ausgedehntem Urlaub, habe die ganze Geschichte gar nicht mitbekommen. Falko Hennig hat jede Menge Ärger am Hals. Eine kurze Zusammenfassung der Gründe steht im Blog von Heiko Werning & Jakob Hein. Sicher die beste Gelegenheit, um heute zum Kantinenlesen zu gehen, denn das Eintrittsgeld wird Falko gespendet. Und was für ein Line-up: Christoph Hein, Moritz Rinke, David Wagner, Jakob Hein, Manfred Maurenbrecher, Daniela Böhle, Doc Schoko, Jan Böttcher, Jochen Schmidt, Ivo Lotion, Heiko Werning, Volker Strübing, Jochen Schmidt, Ahne, Moderation: Dan Richter. Um 20 Uhr in der Alten Kantine der Kulturbrauerei in Berlin Prenzlauer Berg.

    (Andreas Krenzke)

  • Was haben eine Wasserrutsche und ein Rind gemeinsam?



    Wohl jeden hat diese uralte Menschheitsfrage schon so manche Nacht um den Schlaf gebracht. Henri und ich haben auf einem Ausflug mit dem RE 5 in den Fläming die Antwort gefunden: Beide machen glücklich. Und – das sei mit aller Deutlichkeit gesagt – Letzeres eben nicht nur, wenn es in Scheiben geschnitten und medium gebraten ist.
    Wir haben uns auf eine Recherchefahrradtour (lange Geschichte …) von Jüterbog nach Luckenwalde begeben, sind irgendwo zwischen Jüterbog und Zinna auf diese Weide gestoßen und – als Großstädter von Tieren übermäßig beeindruckt – abgestiegen, um uns die Rinder anzugucken. Die Faszination war beidseitig. Kaum standen wir am Zaun, setzten sie sich allesamt in Bewegung, reihten sich vor uns auf und guckten zurück.





    Ganz ruhig und geduldig standen sie da, manche sabberten und pinkelten ein bisschen vor sich hin; schön war das und beglückend (also wie sie uns angeguckt haben; das Sabbern und Pinkeln fand ich eher so lala). Da dachte ich mir mal wieder, dass diese Viecher doch eigentlich was Besseres verdient haben, als von uns aufgegessen zu werden, und dass ich keins von ihnen irgendwann auf dem Teller wiedersehen will.
    Man könnte natürlich darauf verweisen, dass sie selbst Schuld sind am Aufgegessenwerden – was schmecken sie auch so gut? – oder wie dereinst Spinne argumentieren, dass es diese Rinder dort auf der Weide nicht gebe, wenn wir sie nicht aufessen wollen würden – unser Appetit ist ihre Lebensgrundlage, denn nur zum Angucken und Fahrradfahrerglücklichmachen werden die wenigsten Rinder gezüchtet. Leider.

    (So muss ne Espressomachine aussehen! – Kräuterschnapsmuseum im Kloster Zinna – Home of the Zinnaer Klosterbruder)

    Am Kloster Zinna kann man neben dem Schnapsmuseum (samt Verkostung) auch ein Halseisen an der Klostermauer besichtigen. Als zwei ältere Damen und ein älterer Herr daran vorbeigingen, entspann sich folgendes hübsche Gespräch:
    Herr: Halseisen! Da müsste man die ganzen Graffitischmierer ranketten!
    Dame: Aber die kriegen se ja nie …
    Herr: Und wennse se kriegen, lässt der Richter se frei, weil er sagt, dass das „Kunst“ ist!
    Dame: (schnaubt)

    (Alle ans Halseisen! – Beschmiertes Trafohäuschen in Zinna.)


    (Die Bibel – Hochspannung garantiert!)


    (Vorrausschauendes Handeln ist entscheidend für geschäftlichen Erfolg. Auf diesem Schild in Luckenwalde wurde ausreichend Platz für zukünftige Erweiterungen des Angebotes gelassen Obwohl schon jetzt eigentlich kaum Wünsche offen bleiben.)

     
    Letzte Station war die Therme in Luckenwalde. Erst waren wir etwas enttäuscht vom „Erlebnisbereich“, der aus zwei Whirlpools und zwei Planschbecken zu bestehen schien. Die Whirlpools hatten immerhin einen gewissen Unterhaltungswert. Sie lagen etwa 5 Meter über einem der Planschbecken und man konnte, auf dem Bauch im blubbernden warmen Wasser liegend, die Ellbogen auf den Beckenrand gelegt auf eine Gruppe Rentner hinabblicken, die Wassergymnastik machten. Sie hatte alle solche langen, dünnen, bunten Schwimmwürste zwischen den Beinen, deren Enden vor und hinter ihrem Kopf aus dem Wasser standen – die alten Leutchen erinnerten verblüffend an Quietscheentchen, wie sie da im Kreis durchs Wasser latschten. Am Beckenrand ging eine unglaublich dünne Frau auf und ab, ruderte dabei mit den Armen und zählte immer von 10 bis 1, bevor sie die nächste Übung erklärte, die ein etwas anderes Armkreisen erforderte. Ihre Stimme erinnerte mich ein bisschen an die Sirenenprobe, die wir um 15.00 Uhr in Zinna erlebt hatten. Sie sprach die Zahlen in ein Headset, das aber offensichtlich mit nichts verbunden war. Nach ein paar Minuten trieb uns schließlich die Schlagermusik, mit der die Quietscheentchenbeschallt wurden aus dem Whirlpool. Wenn ich in dem Alter für Wassergymnastik bin, werden uns die Vorturnerinnen wahrscheinlich schlechte 80er-Jahre-Musik vorspielen …

    Und dann entdeckten wir die Wasserrutsche. So ein langes, hübsch gewundenes Plasterohr, durch das man mit einem Gummireifen durchsausen kann. Wahrscheinlich winken die meisten jetzt ab, weil sie sowas schon lange kennen, aber ich bin doch aus dem Osten, wir hatten doch nüscht! Für mich war es jedenfalls das erste Mal – und es war fast so schön wie die  guckenden Kühe. Oder genauso schön, nur auf andere Art. Hatten mir die Kühe das Herz gewärmt, sorgte die Rutsche für minutenlange Kicherflashs.

    So genug geschnipselt für heute. Eigentlich sollte hier ein ellenlanger Artikel über  Lybien stehen, den ich vorgestern Abend geschrieben habe. Zum Glück hatte ich ihn ersteinmal per Hand geschrieben und war dann zu faul, ihn abzutippen und zu posten und habe daher noch eine Nacht drüber geschlafen und gestern gemerkt, dass er ziemlich dusslig war …

    (VS)


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  • Über so was kann ich mich aufregen

    Frank Nordhausen schreibt auf Seite 3 der BILD Berliner Zeitung vom 11.3.2011 über den Prozess gegen einen üblen Familientyrannen (sog. Patri-Arsch, oder ist das pietätlos?), der unter anderem Kinder missbrauchte, und der seit 2004 arbeitslos ist:  „Obwohl Hartz IV plus zigmal Kindergeld ihm ein gutes Leben garantierten, hat er die Mädchen regelmäßig für 20 bis 40 Euro wie Prostituierte drei türkischen Kumpanen ausgeliefert.“ Weiß der Autor nicht, dass Empfängern von Hartz IV das Kindergeld angerechtet und somit abgezogen wird? Ob ALG II ein gutes Leben garantiert, das wurde und wird ja nun wirklich ausgiebig diskutiert, aber egal welcher Meinung Nordhausen ist: „plus zigmal Kindergeld“ ist Quatsch. In dem Artikel geht es auch um Vorwürfe an Jugendamt und Verwaltung, die sich nicht um Hinweise auf die Verbrechen des Angeklagten geschert hätten. „Es ging auch niemand der Frage nach, wieso Detlef S. als Hartz-IV-Empfänger ein 190000-Euro-Haus besitzen und abzahlen konnte.“ Wieso sollte jemand, der bis vor wenigen Jahren gearbeitet hat, kein Haus haben dürfen? Wohngeld Bestandteil des ALG II. Ich könnte noch was zu den „türkischen Kumpanen“ schreiben, will ich aber nicht. Ich wollte nur mal den Ekel ablassen. Den Ekel davor, dass ganz offensichtlich Schicksale von Missbrauchsopfern missbraucht werden, um Stimmung gegen Arbeitslose (und Türken) zu machen.

    (Andreas Krenzke)

  • Der innere Emmerich

    Mein Rekord sind 90 Minuten. Na gut: 88 Minuten. Gestern Nachmittag habe ich ihn aufgestellt. Ich saß an meinem Schreibtisch, vor mir die Tastatur, dahinter ein großer Pott Tee und ein aufgeschlagenes Heft mit handschriftlichem Text, den ich abtippen wollte, und es gelang mir tatsächlich volle 88 Minuten hindurch konzentriert an meinem Computer zu arbeiten, ohne auch nur einmal den Browser zu starten und die neuesten Nachrichten aus Japan zu lesen!

    Nach fast anderthalb Stunden wurde es aber wirklich Zeit, die Arbeit zu unterbrechen und mich katastrophenmäßig auf den aktuellen Stand zu bringen. Spiegel Online hatte wenig Neues zu berichten, obwohl doch soviel Zeit vergangen war. Auch auf sueddeutsche.de war nichts Spektakuläres zu finden. Enttäuscht drehte ich mich mit meinem Stuhl in Richtung Fernseher, nun alle Hoffnung auf ARD und ZDF richtend, doch auch die hatten keine neue Schreckensnachrichten zu bieten. Nur ein Upgrade der Opferzahlen und die Meldung, dass jetzt auch in Block sowieso eine Kernschmelze drohe – ich wusste schon nicht einmal mehr, ob es noch der selbe war wie 90 Minuten zuvor oder ob ein neuer dazugekommen war. Und waren wir nicht am Sonnabend schon mal einen ganzen Schritt weiter gewesen, hieß es da nicht schon, dass die Kernschmelze in Gang sei?

    Die Nachrichtenlage war also alles andere als befriedigend. Dafür hatte ich nun meine Arbeit unterbrochen! Wenn es wenigstens noch eine weitere Wasserstoffexplosion gegeben hätte, aber nein, auf die musste ich bis heute Morgen beim Frühstück warten. Missmutig griff ich nach dem letzten Strohhalm und zappte weiter, tief hinein in die Niederungen des Journalismus, zu zwei sogenannten Nachrichtensendern. Auf einem der beiden blubberte eine unfassbar unsympathische Frau, die man offenbar direkt von QVC wegengagiert hatte, irgendwas vom „Super Gau“ während am unteren Bildschirmrand die Schlagzeilen prangten: „Atomkatastrophe in Japan. Schon 6000 Tote.“ – als hätte ein Strahlentsunami die Küstenorte hinweggespült. Auf dem anderen Sender sagte ein Sprecher: „Immer wieder erreichen uns neue Amateuraufnahmen von der Katastrophe, die wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten.“ Ich setzte mich auf, der Sender fuhr die MAZ ab: Eine schwarze Flutwelle strömt in ein Hafenbecken, spült Autos vom Kai, zerknorkelt Schiffe unter einer Brücke, schwemmt ganze Häuser davon …

    Ungläubig, schockiert, ensetzt, fassungslos, die Hände um die Lehnen meines Drehstuhls geklammert starrte ich auf den Fernsehschirm: Das war dreister Betrug! Diese angeblich neuen Bilder hatte ich schon mindestens ein Dutzendmal gesehen! Die glaubten wohl, sie könnten mich verarschen! Ich schaltete auf den ersten Kanal zurück, doch auch dort zeigten sie jetzt dieselben alten Aufnahmen, nur dass sie sie mit trauriger Pianomusik untermalt hatten und gelegentlich einen Teddy im Matsch und eine explodierende Reaktorhülle dazwischen schnitten. Herrjeh, aus dem technikverliebten Japan musste es doch genug atemberaubendes Handyvideomaterial geben, warum speisten die uns mit den immer selben Bildern ab?!

    Räusper.

    Vielleicht habe ich oben ein bisschen übertrieben, aber ich muss wohl zugeben, dass ich ein Katastrophenjunkie bin. Ein Teil von mir ist nicht betroffen, sondern angefixt, ein Teil hat kein Mitleid, sondern will mehr sehen. Ein Teil wird enttäuscht sein, wenn die ganz große Katastrophe ausbleibt und die piefige deutsche Innenpolitik wieder die Nachrichten bestimmt.

    Klar, einem anderen teil von mir ist das zuwider, einem Teil der hervorkommt, wenn sie statt der coolen Action-Bilder vom Tsunami Menschen zeigen, die weinend in einer Trümmerlandschaft stehen und nicht wissen, wo ihre Angehörigen sind und ob sie noch leben. Als 2008 das schwere Erdbeben in China mehrere Städte verwüstete, war ich gerade in Tsingdao (also weit weg vom Erdbebengebiet) und auch damals hat sich mein innerer Emmerich über die spannenden News, die spektakulären Aufnahmen zerstörter Städte … ich will nicht sagen: gefreut, aber angesprochen fühlte er sich schon. Dennoch waren die Bilder von Müttern, die vor zusammengebrochenen Schulen nach ihren Kindern schrieen, unerträglich. Und als ich am nächsten Morgen auf dem Bahnhof von Tsingdao einen Mann telefonieren und dann heulend zusammenbrechen sah, hätte ich ihn am liebsten in den Arm genommen und mit ihm geheult.

    Was will uns dieser Text sagen? Dass ich ein kaltschnäuziger abgestumpfter Zyniker bin viellleicht, aber immerhin ein kaltschnäuziger, abgestumpfter Zyniker mit Herz. Keine Ahnung. Und mir fehlt leider die Zeit, jetzt nach einer „Moral von der Geschicht“ zu suchen – ich habe jetzt 113 Minutren an diesem Text geschrieben – neuer Rekord! – es wird wirklich höchste Eisenbahn, den Katastrophen-Live-Ticker auf Spiegel Online zu checken …

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