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  • Ist Zivilisationskritik eigentlich eine Zivilisationskrankheit?

    (Spoilerwarnung: Teile dieser Geschichte werden wohl in den nächsten Kloß-und-Spinne-Film Eingang finden!)

    Nach einer Lesung in Olten tranken Micha, einige liebe Menschen und ich noch ein Bier in der Bar des Veranstaltungsortes. Ich staunte über ein altes Telefon, das an einem Pfeiler der Bar hing. Mit Wählscheibe, Münzeinwurfschlitz, grauem Hörer und allem drum und dran. Dazu wurde uns folgende Geschichte erzählt:

    Einige Tage zuvor hatte ein sehr junger Mann die Barfrau gefragt, ob er mal telefonieren könne, sein Handyakku sei alle. Die Barfrau wies stumm auf das altertümliche Gerät, der Mann nickte und stand dann unschlüssig vor dem Telefon, bis die Barfrau sich erbarmte und ihm erklärte, dass er seinen Zeigefinger in das Loch mit der zu wählenden Ziffer zu stecken und dann die Scheibe im Uhrzeigersinn bis zum Anschlag zu drehen habe. Begreifen und wohl auch eine vage Erinnnerung zeichneten sich auf dem Gesicht des Mannes ab; er machte sich umgehend ans Werk, wählte sichtlich aufgeregt Ziffer um Ziffer – und hob anschließend den Hörer ab.

    So siehts aus. Schon tauchen die ersten Leute auf, die nichteinmal mehr mit einem Slider-Handy mit Tasten klarkommen, sondern verzweifelt über das Display wischen, wenn man es ihnen in die Hände drückt.

    Das iphone wird uns alle zu Idioten machen. Ich weiß: Das ist auch schon vom Fernsehen und tausend anderen Dingen behauptet worden, aber diesmal stimmt es!

    Zu glücklichen Idioten immerhin, die niedliche Spiele mit witziger Cartoongrafik spielen, in sozialen Netzwerken vor sich hinschnattern und sich in Kneipen gegenseitig ihre tollsten Apps zeigen. Als H. G. Wells „Die Zeitmaschine“ schrieb, da schrieb er über uns, die selig über ihre Displays wischenden Eloi und die Morlocks von Apple und Co.

    Liebe im Jahr 2015, wie muss man sich das vorstellen? „Hallo Mädchen, bitte streiche mir mit den Fingern über den Hosenstall, um meine Penis-App zu starten.“ – „Ja, Junge. Und dann ziehe ich den BH aus, damit du meine beiden Gefällt-mir-Buttons drücken kannst.“ – „Sehr gerne. Anschließend werde ich ein paar Megabyte genetischer Daten in deinen Uterus hochladen.“

    Hör mir auf! Niemand braucht ein iphone und trotzdem brauchen alle ein iphone. Als sei menschliches Leben vor dem iphone praktisch gar nicht möglich gewesen. Die Urmenschen, die sind noch ohne sowas ausgekommen. Die hatten eine Höhle, ein Fell und genau zwei Apps: Einen faustkeil und einen angespitzten Stock, der über die beiden Funktionen „Feuermachen“ und „Mammut erlegen“ verfügte. Wer wollte, hat sich noch eine Keule gesucht und „Angry Cavemen“ gespielt.

    Mark Twain schrieb: „Zivilisation ist die unablässige Vermehrung unnötiger Notwendigkeiten“ und wenn das nicht hellsichtig war, weiß ich ja auch nicht. Wer so doof ist, sich ein iphone zu kaufen, wird schnell feststellen, dass es ein Zivilisationsbooster ist, denn mit seiner Anschaffung potenziert sich die Anzahl der unnötigen Notwendigkeiten auf der Stelle. Selber schuld, wer sich so einen Scheiß ins Haus holt, kann ich da nur sagen, und ich weiß wovon ich rede!

    Hab mir vor ein paar Tagen nämlich endlich selbst ein iphone gekauft. Von Samsung. Wenn Zewa Softies auch Tempotaschentücher sind, ist mein Samsung auch ein iphone. Nur viel besser. Weil es Android als Betriebssystem hat und man dafür zum Beispiel auch animierte Erotik-Bildschirmschoner runterladen kann, die es nie in Apples puritanischen Appstore schaffen würden. Nicht dass ich mir einen animierten Erotik-Bildschirmhintergrund installieren möchte, aber ich will die Möglichkeit dazu haben!

    Innerhalb der ersten Stunde nach dem Einrichten lud ich vier Spiele, einen Taskmanager, einen Businesskalender, einen Traffic-Monitor und einen C64-Emulator herunter, außerdem mehrere Musik- und Videoplayer, Apps für GMX, Facebook, Wikipedia, Flickr, WordPress und Twitter, dazu diverse Wetter-, Kalender-, Batteriestatus-, Taschenlampen- und To-Do-Listen-Widgets, i-beer für Android, einen Furztongenerator, diverse Musikvideos und eine isländische Kochsendung ohne Untertitel, einen animierten Erotik-Bildschirmhintergrund (einfach nur um ein Zeichen gegen die Zensurpolitik von Big Brother Steve Jobs zu setzen), einen Schlipsknotenassistent, einen interaktiven Makramee-Kurs, ein Kirgisisch-Wörterbuch, ein finnisches Reimlexikon und natürlich die allernötigste unnötige Notwendigkeit: So ein Programm, mit dem man Fotos machen kann, die dann wie alte Polaroids oder so aussehen.

    Und mit dem fotografierte ich in der folgenden Stunde eine Blume und eine Wolke und eine Wand, deren Putz bröckelte und ein „Fickt das System“-Grafitto, einen weggeworfenen Regenschirm, eine nackte Schaufensterpuppe,eine Oma, einen Mann, der ins Gebüsch pinkelte, diverse vorbeilaufende Frauenbeine, noch eine Wand mit bröckelndem Putz, meine Füße, einen Fahrkartenautomaten, einen Hund, einen Hundehaufen, ein umgekipptes Fahrrad, einen vollen Aschenbecker, eine Bratwurstbude, einen Zaun, eine überfahrene Taube, die ich mit der Bildunterschrift „Warum?“ versah und noch einiges mehr, und alles sah automatisch aus wie ganz große Kunst, und dann habe ich den ganzen Quatsch bei Facebook, Flickr, WordPress und jeder anderen Datenmüllkippe, die ich finden konnte hochgeladen, aber da war schon alles voll mit solchem Mist, und es hat niemanden interessiert. Und daraufhin habe ich mir hinter einer Hecke die Hose runtergezogen und meinen Hintern fotografiert mit so einem Tilt-Effekt, wo alles aussieht wie eine Modellbahnanlage, und dafür gab es dann immerhin zwei oder drei „Gefällt mir“-Klicks.

    Dann habe ich noch ein halbes Stündchen mit dem Furztongenerator gespielt, der wirklich sehr, sehr gut ist und über diverse Einstellmöglichkeiten verfügt. Anschließend habe ich verzweifelt versucht, die Onlinebezahlfunktion einzurichten, weil ich mir die Vollversion des  animierten Erotik-Bildschirmhintergrundes kaufen wollte, da die Gratisversion nur drei Damen enthält, scheiterte aber. Frustriert steckte ich das iphone weg, holte mein Schreibheft und meinen Füllfederhalter aus der Tasche, schrieb diese Geschichte und kam genau bis zu dieser Stelle …

    Aber mir wollte und wollte kein Ende einfallen. Wie gut, dass ich ein iphone hatte! Ich startete Facebook und schrieb: „Hat mal rasch jemand ein gutes Geschichten-Ende für mich?“

    Und schon trudelten die Vorschläge ein. „.“ von Tim, „Ich danke meiner Mutter“ von Frau Schnickschnack, „… woraufhin er explodierte“ (Marvin), „Rumsdibums. Und Ende.“ (Andreas), Sids „Er ließ den Motor laufen und stieg aus“ oder „Keine Hände, keine Kekse“ von Dan und das hochdramatische „Bleich wie ein ausgetrockneter Knochen starrte er auf sein Spiegelbild und erschrak – so konnte es doch nicht enden!“ von Daniela.

    Aber irgendwie schienen sie mir alle nicht so recht zu passen. Nachdenklich schaltete ich mein iphone aus, der Bildschirm wurde schwarz. Bleich wie ein ausgetrockneter Knochen starrte ich auf mein Spiegelbild im Display und erschrak – so konnte es doch nicht enden!

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    (VS)

  • Edel-Shooter

    Dafür, dass es finanziell grad nicht so rosig, sondern eher sumpfdotterblumig aussieht, lebe ich auf ganz großem Fuß. Im Februar habe ich mir zum Beispiel das teuerste Computerspiel aller Zeiten gekauft. Es heißt Unreal Tournament III und hat 10 Euro gekostet. Die habe ich online bezahlt und dann habe ich es heruntergeladen, was ziemlich lange dauerte mit meinem 1000er DSL. Außerdem brach der Download mehrmals ab, was ziemlich ärgerlich war, wenn der Rechner schon mühselig 5 GB geladen hatte und dann von vorne beginnen musste … aus den ursprünglichen 7 GB wurden so über 20. Was ich vergessen hatte, weil es in den letzten Jahren nie relevant gewesen war: Ich habe einen 4-GB-Volumentarif und zahle für jedes zusätzliche Megabyte einen Cent. Die Gesamtrechnung belief sich dann auf 217,12 Euro, was doch etwas über den 6,95 liegt, die ich sonst zahle. Das Spiel hat mich also insgesamt 220 Euro gekostet. Schade eigentlich, dass es so enttäuschend ist und gar keinen Spaß macht …

    Es ist das eine, wenn man sich ab und zu mal sagt: „Man bin ich blöd!“, aber es ist was ganz anderes, wenn das Leben dann mit lauter Stimme antwortet: „Aber hallo!“

    (VS)

  • Quedlinburg / Ansbach

    Das waren zwei Auftritte! Solo in Quedlinburg (sage „Quättlinburg“, wenn Du rasch mit Einheimischen ins Gespräch kommen willst), der schönsten Stadt der ganzen Welt, dem Venedig des Harz, dem Paris von Sachsen-Anhalt, der harzvorländischen Schweiz, dem Bode-Athen. Vielen Dank nochmal ganz besonders an Manuela und Christian von der Büchercouch für die Einladung, den freundlichen Empfang, das Frühstück und den Stadtbummel!

    (Quedlinburger Spezialitäten …)


    Am Montag war ich dann ziemlich überraschend beim Highlander-Slam in Ansbach dabei. (Bei einem Highlander-Slam treten alle, die in der letzten Saison bei diesem Slam gewonnen haben, gegeneinander an.) Eigentlich war ich gar nicht qualifiziert, weil ich bei meinem Slamauftritt im letzten jahr dort nur zweiter wurde – aber dann hat Philipp Scharri abgesagt und ich bin nachgerutscht.

    Auf der Zugfahrt habe ich einen neuen Text (fast)  fertiggeschrieben – und dann das Heft liegenlassen 🙁 18.00 Uhr war ich in Ansbach, 20.00 Uhr begann der Slam. Die beiden Stunden dazwischen waren dann ziemlich hektisch, aber ich habe es geschafft, ihn aus dem Gedächtnis nochmal zu schreiben und mir den noch fehlenden Schluss auszudenken und habe schließlich mit zwei neuen Texten gewonnen. Das heißt: ich werde Ansbach beim SLAM2011 in Hamburg vertreten. Von dieser freudigen Nachricht (für mich zumindest … tut mir leid, Paddi …) abgesehen war es ein super Slam – Dank und gruß an alle, die da waren und besonders an Michl und Martina!

    Ich werde den Text wahrscheinlich demnächst hier reinstellen. Andererseits baue ich ihn auch gerade zu einer Kloß-und-Spinne-Folge um …

    (Senfei habe ich auf meiner Chinareise auch immer gegessen. Dort aber mit Reis statt mit Salzkartoffeln. Ich entschuldige mich für diesen blöden Witz.)


    (VS)

  • Ohne Menschen

    Toller Typ, toller Song, tolles Video:

    [youtube=http://www.youtube.com/watch?v=qRRiROYazJw]

    Ich war auch zum Videodreh eingeladen, konnte dann aber doch nicht hingehen … jetzt kann ich mir wenigstens allerlei Bekannte, angucken, die offensichtlich viel Spaß dabei gehabt haben …

    (Volker)

  • Bekanntmachung

    Ich bewundere Kollegen, die es schaffen, auf ihrer Homepage die Auftrittstermine immer aktuell zu halten. Wahrscheinlich beschäftigen sie einen Stab hochbezahlter und -qualifizierter Mitarbeiter, die sich darum kümmern.

    Aus gegebenem Anlass weise ich darum jetzt im Blog auf einen ganz besonderen Auftritt hin: Am Sonnabend trete ich zusammen mit Marius Jung und Till Kersting im kabaretttheater „Die Wühlmäuse“ am Theodor-Heuß-Platz auf.  Es ist eine der ganz, ganz wenigen Gelegenheiten, wo man mehr als 30 Euro für eine Karte bezahlen kann, um mich auf der Bühne zu sehen – das sollte man sich nicht entgehen lassen! Es gibt aber auch billigere Karten. Außerdem kann ich zwei Freikarten vergeben. Wer die beiden Karten haben will, muss nur als erster oder erste einen Kommentar zu diesem Artikel schreiben, aus dem dieser Wunsch hervorgeht. Wichtig wäre noch, dass man am Sonnabend auch wirklich Zeit hat und in Berlin ist und die Karten nicht nur nimmt, weil sie kostenlos sind …

    Ach so: Es sieht bezüglich eines neuen Kloß und Spinne Films ganz gut aus … nächste Woche vielleicht, aber nagelt mich nicht drauf fest …

    (Volker)

  • Sommer, Sonne, Mathespaß

    Heute mal eine Mathe-Anwendungsaufgabe: Herr M.  und Frau W. sitzen in einem Gartenrestaurant. Sie möchten Weißweinschorle trinken. Eine Weißweinschorle kostet 3 Euro, genausoviel wie ein Glas Wein. Frau W. und Herrn M. fällt auf, dass sie einen Euro sparen können, wenn sie statt zwei Weißweinschorlen einen Weißwein und 0,3L Mineralwasser bestellen, das nur 2 Euro kostet. Gesagt, getan. 0,1 L Wasser werden schnell weggeschüttet, dann wird ein halber Wein zum restlichen Mineralwasser gekippt und das Ganze umgerührt. Dann kippen sie 0,1L der Mischung zurück ins Weinglas und so weiter. Wie oft müssen sie umschütten, um zwei Weißweinschorlen im Mischungsverhältnis 50:50 zu erhalten (ab 48:52 können wir ein Auge zudrücken)?

    Der oder die erste mit der richtigen Antwort wird von mir zu einem Praxistest der Methode eingeladen. Falls wir uns mal über den Weg laufen.

    Lesetipp: Fast erster April von Uli Hannemann

    (VS)

  • Frühling





    Dieses Bild trägt den Titel „Die physalisäugige Ananas hält sich erschrocken die Kürbisfinger vor den Mund“.



    (VS)

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  • Heute: Auf zum Kantinenlesen-Spezial!

    Ich war in ausgedehntem Urlaub, habe die ganze Geschichte gar nicht mitbekommen. Falko Hennig hat jede Menge Ärger am Hals. Eine kurze Zusammenfassung der Gründe steht im Blog von Heiko Werning & Jakob Hein. Sicher die beste Gelegenheit, um heute zum Kantinenlesen zu gehen, denn das Eintrittsgeld wird Falko gespendet. Und was für ein Line-up: Christoph Hein, Moritz Rinke, David Wagner, Jakob Hein, Manfred Maurenbrecher, Daniela Böhle, Doc Schoko, Jan Böttcher, Jochen Schmidt, Ivo Lotion, Heiko Werning, Volker Strübing, Jochen Schmidt, Ahne, Moderation: Dan Richter. Um 20 Uhr in der Alten Kantine der Kulturbrauerei in Berlin Prenzlauer Berg.

    (Andreas Krenzke)

  • Was haben eine Wasserrutsche und ein Rind gemeinsam?



    Wohl jeden hat diese uralte Menschheitsfrage schon so manche Nacht um den Schlaf gebracht. Henri und ich haben auf einem Ausflug mit dem RE 5 in den Fläming die Antwort gefunden: Beide machen glücklich. Und – das sei mit aller Deutlichkeit gesagt – Letzeres eben nicht nur, wenn es in Scheiben geschnitten und medium gebraten ist.
    Wir haben uns auf eine Recherchefahrradtour (lange Geschichte …) von Jüterbog nach Luckenwalde begeben, sind irgendwo zwischen Jüterbog und Zinna auf diese Weide gestoßen und – als Großstädter von Tieren übermäßig beeindruckt – abgestiegen, um uns die Rinder anzugucken. Die Faszination war beidseitig. Kaum standen wir am Zaun, setzten sie sich allesamt in Bewegung, reihten sich vor uns auf und guckten zurück.





    Ganz ruhig und geduldig standen sie da, manche sabberten und pinkelten ein bisschen vor sich hin; schön war das und beglückend (also wie sie uns angeguckt haben; das Sabbern und Pinkeln fand ich eher so lala). Da dachte ich mir mal wieder, dass diese Viecher doch eigentlich was Besseres verdient haben, als von uns aufgegessen zu werden, und dass ich keins von ihnen irgendwann auf dem Teller wiedersehen will.
    Man könnte natürlich darauf verweisen, dass sie selbst Schuld sind am Aufgegessenwerden – was schmecken sie auch so gut? – oder wie dereinst Spinne argumentieren, dass es diese Rinder dort auf der Weide nicht gebe, wenn wir sie nicht aufessen wollen würden – unser Appetit ist ihre Lebensgrundlage, denn nur zum Angucken und Fahrradfahrerglücklichmachen werden die wenigsten Rinder gezüchtet. Leider.

    (So muss ne Espressomachine aussehen! – Kräuterschnapsmuseum im Kloster Zinna – Home of the Zinnaer Klosterbruder)

    Am Kloster Zinna kann man neben dem Schnapsmuseum (samt Verkostung) auch ein Halseisen an der Klostermauer besichtigen. Als zwei ältere Damen und ein älterer Herr daran vorbeigingen, entspann sich folgendes hübsche Gespräch:
    Herr: Halseisen! Da müsste man die ganzen Graffitischmierer ranketten!
    Dame: Aber die kriegen se ja nie …
    Herr: Und wennse se kriegen, lässt der Richter se frei, weil er sagt, dass das „Kunst“ ist!
    Dame: (schnaubt)

    (Alle ans Halseisen! – Beschmiertes Trafohäuschen in Zinna.)


    (Die Bibel – Hochspannung garantiert!)


    (Vorrausschauendes Handeln ist entscheidend für geschäftlichen Erfolg. Auf diesem Schild in Luckenwalde wurde ausreichend Platz für zukünftige Erweiterungen des Angebotes gelassen Obwohl schon jetzt eigentlich kaum Wünsche offen bleiben.)

     
    Letzte Station war die Therme in Luckenwalde. Erst waren wir etwas enttäuscht vom „Erlebnisbereich“, der aus zwei Whirlpools und zwei Planschbecken zu bestehen schien. Die Whirlpools hatten immerhin einen gewissen Unterhaltungswert. Sie lagen etwa 5 Meter über einem der Planschbecken und man konnte, auf dem Bauch im blubbernden warmen Wasser liegend, die Ellbogen auf den Beckenrand gelegt auf eine Gruppe Rentner hinabblicken, die Wassergymnastik machten. Sie hatte alle solche langen, dünnen, bunten Schwimmwürste zwischen den Beinen, deren Enden vor und hinter ihrem Kopf aus dem Wasser standen – die alten Leutchen erinnerten verblüffend an Quietscheentchen, wie sie da im Kreis durchs Wasser latschten. Am Beckenrand ging eine unglaublich dünne Frau auf und ab, ruderte dabei mit den Armen und zählte immer von 10 bis 1, bevor sie die nächste Übung erklärte, die ein etwas anderes Armkreisen erforderte. Ihre Stimme erinnerte mich ein bisschen an die Sirenenprobe, die wir um 15.00 Uhr in Zinna erlebt hatten. Sie sprach die Zahlen in ein Headset, das aber offensichtlich mit nichts verbunden war. Nach ein paar Minuten trieb uns schließlich die Schlagermusik, mit der die Quietscheentchenbeschallt wurden aus dem Whirlpool. Wenn ich in dem Alter für Wassergymnastik bin, werden uns die Vorturnerinnen wahrscheinlich schlechte 80er-Jahre-Musik vorspielen …

    Und dann entdeckten wir die Wasserrutsche. So ein langes, hübsch gewundenes Plasterohr, durch das man mit einem Gummireifen durchsausen kann. Wahrscheinlich winken die meisten jetzt ab, weil sie sowas schon lange kennen, aber ich bin doch aus dem Osten, wir hatten doch nüscht! Für mich war es jedenfalls das erste Mal – und es war fast so schön wie die  guckenden Kühe. Oder genauso schön, nur auf andere Art. Hatten mir die Kühe das Herz gewärmt, sorgte die Rutsche für minutenlange Kicherflashs.

    So genug geschnipselt für heute. Eigentlich sollte hier ein ellenlanger Artikel über  Lybien stehen, den ich vorgestern Abend geschrieben habe. Zum Glück hatte ich ihn ersteinmal per Hand geschrieben und war dann zu faul, ihn abzutippen und zu posten und habe daher noch eine Nacht drüber geschlafen und gestern gemerkt, dass er ziemlich dusslig war …

    (VS)


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  • Über so was kann ich mich aufregen

    Frank Nordhausen schreibt auf Seite 3 der BILD Berliner Zeitung vom 11.3.2011 über den Prozess gegen einen üblen Familientyrannen (sog. Patri-Arsch, oder ist das pietätlos?), der unter anderem Kinder missbrauchte, und der seit 2004 arbeitslos ist:  „Obwohl Hartz IV plus zigmal Kindergeld ihm ein gutes Leben garantierten, hat er die Mädchen regelmäßig für 20 bis 40 Euro wie Prostituierte drei türkischen Kumpanen ausgeliefert.“ Weiß der Autor nicht, dass Empfängern von Hartz IV das Kindergeld angerechtet und somit abgezogen wird? Ob ALG II ein gutes Leben garantiert, das wurde und wird ja nun wirklich ausgiebig diskutiert, aber egal welcher Meinung Nordhausen ist: „plus zigmal Kindergeld“ ist Quatsch. In dem Artikel geht es auch um Vorwürfe an Jugendamt und Verwaltung, die sich nicht um Hinweise auf die Verbrechen des Angeklagten geschert hätten. „Es ging auch niemand der Frage nach, wieso Detlef S. als Hartz-IV-Empfänger ein 190000-Euro-Haus besitzen und abzahlen konnte.“ Wieso sollte jemand, der bis vor wenigen Jahren gearbeitet hat, kein Haus haben dürfen? Wohngeld Bestandteil des ALG II. Ich könnte noch was zu den „türkischen Kumpanen“ schreiben, will ich aber nicht. Ich wollte nur mal den Ekel ablassen. Den Ekel davor, dass ganz offensichtlich Schicksale von Missbrauchsopfern missbraucht werden, um Stimmung gegen Arbeitslose (und Türken) zu machen.

    (Andreas Krenzke)