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  • Alt im Alltag

    Gestern stand ich mit einer Rolle Fußbodenbelag an der Baumarktkasse und hatte die Geheimzahl für meine EC-Karte vergessen. Ich werde alt. Ich werde langsam alt – die letzten beiden Ziffern wusste ich noch. Die ersten beiden Ziffern waren mir entfallen. Das fing ja gut an. Womit ich nicht gerechnet hatte: die Menschen in der Schlange hinter mir reagierten sehr nachsichtig. „Das passiert mir auch dauernd.“ – „Es ist mir wahnsinnig peinlich.“ – „Das muss es nicht; ich geh´ mal an die andere Kasse.“ Auch die Kassiererin war außerordentlich geduldig. Es half nicht. Mir half dann jemand mit Bargeld aus, der Kumpel am anderen Ende der Rolle nämlich, der, der mir mit seinem Auto und seinen Muskeln aushalf – und nun auch mit Geld. Im Alter sind Freunde noch wichtiger, als in der Jugend.

    (Andreas Krenzke)

  • Hoffentlich kriegt jetzt niemand Alpträume …

    Weihnachtseinkäufe sind einer der Schrecken der modernen Zivilisation. In Berlin hat es sich der Kaufhof am Alex ganz uneigennützig zum Ziel gesetzt, die Verbraucher zu warnen:

    horror-01

    Ist diese Frau komplett am Computer gemacht oder ist das nur ein Photoshop-Overkill? Das Ergebnis ist jedenfalls mindestens so gruselig wie das Filmposter zu Saw IV, allerdings nur halb so schön wie mein Lieblingsreklameplakat der letzten Jahre:

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    Nein, der Bauzaun im Vordergrund stört nicht, ohne ihn wäre das Bild noch viel beunruhigender und ich hätte mich nicht so nah an diese … ja, was? Wer-erdbeere? … herangetraut. Ist Zörbiger eigentlich nach dieser Plakataktion Pleite gegangen? Bestümpt. Doch, doch ganz sicher, wenn danach noch jemand was von denen gekauft hätte, würde ich meinen Glauben an die Menschheit verlieren.

    (Volker Strübing)

  • Überzogene Erwartungen

    Jetzt ist es schon eine Woche her, dass Barack Obama gewählt wurde, und das Waschbecken im Badezimmer ist immer noch verstopft.

    Vielleicht haben wir uns zuviel versprochen. Oder wird erst am Tag seiner Vereidigung alles gut?!

    (Volker Strübing)

  • Dis kann ja jeder

    Die BZ hat sich des „unfassbar aggressiven Liedes“ von Marc-Uwe Kling über Joseph Ackermann angenommen: „Ist ein Mord-Aufruf Kunst, wenn er gesungen wird?„, nachdem der Stern darüber berichtet und es mit Drohbriefen gegen Ackermann in Zusammenhang gebracht hatte und sich diverse Politiker ebenso vorraussehbar wie routiniert entrüstet hatten:

    Der Vize-Fraktionschef Fritz Felgentreu (SPD) sagte: „Es gibt eine Freiheit der Kunst. Aber das geht zu weit. Das ist eine bewusste Grenzverletzung.“

    (Quelle: Morgenpost)

    Bewusste Grenzverletzungen sind natürlich eine ganz, ganz schlimme Sache, ein Fall für den Bundesgrenzschutz möchte man meinen. Vor 20 Jahren wurde man dafür im Ostteil Deutschlands noch erschossen oder eingesperrt.

    Die BZ hat einen „Star-Anwalt“ auf die Sache angesetzt. Der findet das auch ganz schlimm und meint, dass Ackermann Kling auf jeden Fall verklagen könnte und Recht bekäme. Aber:

    Dieser Text ist so ein saudummes Gewäsch, dass man vielleicht besser sagt, ich kümmere mich nicht darum. Denn man gibt diesem Idioten dadurch eine Publizität, die er nicht verdient hat.

    Da hätte er natürlich auch drüber nachdenken können, bevor er selbst „diesem Idioten“ durch das Interview Publizität verschafft …
    Der Anwalt Professsor Peter Raue gehört laut BZ übrigens „international zu den profiliertesten Juristen“ und sollte wissen, dass es sich bei der Bezeichnung „Idiot“ um eine Beleidigung handelt, für die er mit guter Aussicht auf Erfolg angezeigt werden könnte. Wahrscheinlich handelt es sich hier seinerseits um eine „bewusste Grenzverletzung“, schlimm, schlimm, das alles …

    Professor Rauhe ist übrigens auch „Kunstkenner“ und als solcher sagt er: „diese Form des Gedichts beherrscht jeder Depp.“ Hat eigentlich jemals irgendjemand, der so etwas behauptet hat, bewiesen, dass das jeder Deppoder wenigstens er selbst kann? Nein, natürlich nicht, da redet man sich damit heraus, dass das unter dem eigenen Niveau wäre. Ich habe zum Beispiel gelegentlich zu hören bekommen, dass das, was wir bei den Lesebühnen machen, doch jeder könne, aber natürlich hat der, der das behauptet hat, nie eine Demonstration folgen lassen. Als ich als Jugendlicher miene ersten Musiken am C-64 geschrieben habe, sagte mein Stiefvater im Verlaufe irgendeines Streites um irgendwas: „Und dein Gepiepe da, das kann ich auch, mach lieber was vernümpftiges!“ (Gedächtniszitat) Dabei hätte er den Computer wahrscheinlich nicht einmal angekriegt – geschweige denn das Musikprogramm laden können …

    Ich will gar nicht viel zum Ackermann-Song schreiben. Ehrlich gesagt ist es nicht grad mein Lieblingslied von Marc-Uwe, obwohl einem die gepfiffene Melodie nicht aus dem Kopf geht. Finde es tatsächlich etwas zu krass. „Unfassbar aggressiv“ und verhetzend finde ich aber eher die Berichterstattung der BZ – nicht über Marc-Uwe, sondern generell.

    (Volker Strübing)

  • Sarah Palin versteht wenigstens Spaß …

    Elis hatte ja vermutet, dass McCain die Wahl gewinnt, vor Freude an einem Herzinfarkt stirbt und Sarah Palin die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten wird. Na, das hätte ein Hallo gegeben!

    Bei allem , was man gegen sie vorbringen kann, muss man ihr doch eines zugestehen: Nicht nur, dass sie ein prima Ziel für Spott abgibt – sie wehrt sich auch nicht dagegen, sondern patscht mit einem etwas verkrampft wirkenden Grinsen in jedes Fettnäpfchen, das man ihr hinstellt. Und hinterher lässt sie ihre Sprecherin erklären, wie froh sie sei, nun auch endlich zu den Verarschten zu gehören.

    Palins Sprecherin Tracey Schmitt bestätigte das Telefongespräch. Palin sei «ein bisschen belustigt» gewesen, zu wissen, dass auch sie nun zur langen Liste von Staatsmännern gehöre, die bei ähnlichen Gelegenheiten reingelegt wurden. Auch Sarkozy habe es schon erwischt. «C’est la vie» (so ist das Leben), sagte ihre Sprecherin weltgewandt.

    (Quelle: Netzzeitung.de)

    In Wirklichkeit hat sie wahrscheinlich in ihrem Büro getobt und ein paar Robben geschlachtet, um ihre Wut loszuwerden, aber immerhin hat sie nicht die Anwälte losgeschickt wie Andrea „Wer hat uns verraten“ Ypsilanti oder oben erwähnter Sarkozy, der Stoff-Voodoopuppen von sich verbieten lassen wollte.

    Bedenklich auch, dass man in Großbrittanien mit dem berühmten schwarzen britischen Humor nicht mehr klarkommt:

    Jeremy Clarkson co-moderiert das beliebte Automagazin „Top Gear“ für die BBC. Am vergangenen Sonntag ließ sich Clarkson darin zu folgendem Wortbeitrag hinreißen: „Lkw-Fahrer müssen sich jeden Arbeitstag verdammt anstrengen: Schalten, schalten, schalten, in den Rückspiel gucken, eine Prostituierte ermorden. Schalten, schalten, morden. Echt anstrengend.“

    Am Tag der Ausstrahlung gingen laut Tageszeitung „Times“ 517 Beschwerden bei der BBC ein, auch die Aufsichtsbehörde Ofcom gab an, dass sich wütende Zuschauer gemeldet hätten.

    (Quelle: Spiegel Online)

    Wenn es eine nationale Eigenheit gibt, an der man „auf den Inseln“ arbeiten sollte, dann ist das doch wohl das Essen und nicht der Humor. Aber vielleicht sind die Briten auch bis auf ein paar Ausnahmekomiker genauso humorlos, wie sie es von den Deutschen glauben?!

    Naja, ich habe gut reden. Wenns mal Volkervoodoopuppen gibt oder ein Lesebühnenautor zum LKW-Fahrer-Mörder wird und ich mir dauernd anhören muss, dass das Lesebühnenautorenleben sicher anstrengend ist (schreiben, schreiben, vorlesen, einen LKW-Fahrer ermorden, schreiben …) wird sich zeigen, wieviel Spaß ich wirklich verstehe.

    Auf Spaßanrufe falle ich jedenfalls nicht mehr rein. Neulich erst wollte mich wieder jemand verulken:

    – Guten Tag, ich bin Frau Sowieso von der Deutschen Telekom. Ich habe mir mal ihre Rechnung angeschaut, und wollte wissen, ob sie vielleicht …

    – Nein, will ich nicht.

    – Sie wollen also nichts sparen?

    – Nein, will ich nicht. Wiederhören … äh … Quatsch! Tschüß, meine ich!

    (Volker Strübing)

  • Kann mal bitte jemand Bescheid sagen …

    … dass es jetzt wirklich langsam reicht mit Bossa-Nova und Easy-Listening-Versionen von New Wave Songs und 80er-Jahre-Hits? Nouvelle Vague waren ja ganz nett, als sie neu waren, auch wenn ihr Schema F schon damals nicht neu war (ich glaube, Prozac For Lovers haben damit angefangen).
    Da hatte jemand ne hübsche Idee – genau EINE hübsche Idee – und jetzt läuft diese Masche und läuft und läuft und nervt gewaltig. Oder wird man nur in Berliner Kneipen und Cafés damit dauerberieselt?

    (Volker Strübing)

  • Das Spinne-Prinzip – Lektionen für ein glücklicheres Leben

    Lektion 1:

    Sich freuen, weil man aufgrund des Rauchverbots in Restaurants mit der Verdauungszigarette nicht mehr warten muss, bis alle aufgegessen haben, sondern einfach auf die Straße gehen kann.

    Lektion 2:

    Innerlich jubilieren, weil der Einzug einer Kita im Erdgeschoss den Leidensdruck bezüglich der doofen Wohnung so weit erhöht, dass man sich demnächst vielleicht endlich auf die Suche nach einer anderen begibt.

    (Volker Strübing)

  • In jenen finsteren Tagen, als die Kommunisten vor den Kneipen rauchten …

    Gerstern Abend: Neukölln wie man es kennt und liebt. Auf dem U-Bahnhof Alexanderplatz (ja gut, das ist Berlin Mitte, aber nicht zu Unrecht wird  Mitte ja das „Neukölln Venedigs“ genannt oder auch „Neuköllsche Schweiz“ bzw. „Neukölln der Herzen“), auf dem U-Bahnhof Alex, am Bahnsteig der U8 jedenfalls brabbelt und schimpft ein Betrunkener die Leute an: „Wohßn Heinrich Heine? Muss nach Heinrich-Heine-Straße, ey, scheiße, Wohßndis?“ Eine junge Frau auf der Wartebank erklärt ihm, dass er zwei Stationen Richtung Hermannstraße fahren müsse und zeigt ihm das Gleis. „Watt? Will nach Heinrich-Heine-Straße, Alter. Weeßicke wo dis is!“ Sie erklärt es ihm noch einmal. „Watt? Da? Die een saren so, die andern so, ehmt sacht noch jemand, musste da fahrn, jetze kommt die und sagt, musste da fahren. ACH LECKT MICH DOCH ALLE AM ARSCH! Wo mussick jetzt lang?“ Sie erklärt es ihm nochmal, wird wieder nur angeblafft und erklärt es ihm nochmal, steht auf, geht zu ihm und zeigt es ihm, als die Bahn einfährt, damit er auch wirklich die richtige nimmt, wird dafür von ihm angemault. Bewundernswert. Also nicht, dass der Typ sie anmault, sondern die Geduld und Freundlichkeit, die sie diesem Mann schenkt, ein Geschenk, dass so offensichtlich verschwendet ist.

    Ich hätte ihm einmal gesagt, wo er lang muss, er hätte mich vollgenörgelt und ich hätte ihn daraufhin achselzuckend sich selbst überlassen. Soll er doch sehen wie er hinkommt, wo er hin will oder besser noch dahin wo der Pfeffer wächst. Ich gebs nur ungern zu, aber ich habe für sowas nicht mehr viel Geduld und Nerven. Ist das Abstumpfung? Habe ich einfach zuviel davon gesehen? Macht das Leben einen hart? Ich weiß noch, dass mich die ersten Bettler nach der Wende ziemlich schockiert haben – obwohl ich ja durch das Fernsehen darauf vorbereitet war. Heute werfe ich etwas in den Hut und das war’s dann, schnell weiter und bitte, bitte, jetzt keine Musiker oder Obdachlosenzeitungsverkäufer in der Bahn, ich will einfach nur meine Ruhe.

    Dank der Frau nimmt der Betrunkene die richtige Bahn, was freilich kein Anlass für ein „Dankeschön“ ist. Mit uns steigen zwei Wachschutzleute ein, offenbar vom Fahrer oder Fahrgästen alarmiert, um einen Obdachlosen, der mit vollgekackter Hose bewusslos im Gang der U-Bahn liegt, herauszuschleifen. Ich verziehe mich ganz nach hinten, soweit es geht weg vom Gestank und dem die ganze Zeit weiterschimpfenden und brabbelnden Mann. Stelle schaudernd fest, dass mein Ekel mindestens so groß ist wie mein Mitleid und ich unglaublich erleichtert bin, dass sich andere um den Mann mit der vollen Hose kümmern.

    Später, vor der Lesung, vor der Kneipe, rauchen wir eine Zigarette (hallo Peter!), als uns ein Hund mit Mann, naja, mit Männchen entgegenkommt. Der Mann trägt schlabberige Stonewashedjeansklamotten und schlabberige Haare – 10 Euro, dass er einen Kamm in der Gesäßtasche hat! – , er hat den tapsigen Gang eines Alkoholikers im Endstadium; alter deutscher Trinkeradel. Er bleibt bei uns stehen, sieht unsere Zigaretten, seine Augen schlackern zwischen uns umher, dann sagt er: „Ja, ja, dis könnter! Hier in der Kälte stehen und rauchen! Aber mal ’n Schild an die Tür machen mit der Aufschrift Raucherkneipe, dis könnter nich! Nee, nee, nee, was is nur aus der deutschen Jugend geworden?“ Und, an seinen Hund gewandt: „Komm Adolf! Lass die doch stehen. Sieg heil!“ Dann tappert das Herrenrassenanschauungsexemplar weiter, dreht sich nach 10 Metern noch einmal um und ruft: „Ihr seid doch Kommunisten! Euch muss man verfolgen! Sieg heil!“

    Die Lesung war übrigens sehr schön und hinterher haben wir noch das seltsamste indische Restaurant der ganzen Welt kennengelernt, aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte. Vielleicht schreibt sie ja Uli Hannemann in sein Blök, der hat uns schließlich dorthin hingelotst!

    (Volker Strübing)

  • Kommen – Sehen – Lösen

    Scheinbar geht es nicht nur mir so … Eigentlich dachte ich, dass jetzt wieder Zeit für Blogeinträge wäre, aber hier herrscht immer noch Schnipselfriedhofsruhe. Habe immer noch den Kopf voll mit anderen Dingen und wenn ich ihn zwischendurch mal leerkriege, habe ich keine Lust, ihn mit dem Nachdenken über Blogeinträge zu füllen, nee, nee, zumal ich dann normalerweise entweder schlafe, Dr. House gucke, Schmidt liest Proust lese oder mit jemandem bei Bier oder Kaffee zusammensitze. Nicht einmal zu dem schon wegen des Titels unbedingt zu schreibenden Blogeintrag „Strübing liest Schmidt liest Proust“ konnte ich mich durchringen.  Vielleicht brauche ich ja einfach nur eine Verstopfungsbeseitigung. Mal bei Rohr-Royal anrufen?  Und gleich noch um eine prophylaktische Versitzgrubenreinigung bitten, was immer das ist …

    (Volker Strübing)

  • Wenn Mami ihre Tage hat …

    … hilft nur noch ein Besuch im Paradies:

    Viele Grüße aus München.

    (Volker Strübing)