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  • Spiders Trick- und Tip-Kiste: Guter Rat – nicht teuer! (1)

    Reisen Sie werte Leserin, werter Leser manchmal mit der Eisenbahn? Wenn ja, sind ihnen während der Fahrt eventuell diese waagerechten Flächen aufgefallen, die sich häufig über den Sitzplätzen befinden? In oder über Kopfhöhe? Aus Gitterwerk oder Glas? Ähnlich wie Regale? Nein? Achten Sie bei der nächsten Zugreise ruhig einmal darauf! Ahnen sie, wozu diese Flächen von ihren Erfindern gedacht gewesen sein mögen? Nun, vielleicht entdecken sie ja im Wagen das eine oder andere Gepäckstück, das ein Reisender keck darauf abgelegt hat. Und genau das ist der Zweck, dieser Vorrichtungen: es sind Gepäckablagen. Koffer, Rucksäcke, Taschen und so manche Zeitung lassen sich dort raumsparend verstauen. Ihre Bagage muss nämlich gar keine Sitzflächen belegen und auch nicht im Gang geparkt werden. So bleibt auch kein fremder Rollkoffer an dem ihrem hängen, kein mobiler Kaffeeverkäufer bleibt im Gang stecken, und der Schriftsteller mit den langen Beinen freut sich, diese ausstrecken zu können. Noch vor wenigen Jahren war diese Praxis durchaus üblich. Ich meine: die Gepäckablage verdient eine Renaissance! Zugegeben, es erfordert einige Mühe, die Stücke dorthin in die Höhe zu heben und am Ende der Fahrt wieder herunter, aber bitten sie ruhig Mitreisende um Unterstützung. Zumindest der Schriftsteller mit den langen Beinen hilft ihnen gern.

    (Andreas Krenzke)

  • Theodizee

    Volker hat neulich in was schlimmes reinge“zappt“ (Unwortpremiere!) und daran die Theodizeefrage neu gestellt. Aber das hier, das ist so obszön, das könnte nicht nur nicht ein Gott, das könnte nicht mal der Teufel je gewollt haben.

    (Andreas Krenzke)

  • Alt im Alltag (3)

    Glas klirrt gegen Glas, Brille gegen Fleischtheke, ganz tief hat sich die kleine, alte Frau über das Kotelettstück in der Auslage gebeugt, ganz nahe ran. Ach ja, meine Augen sind auch nicht die besten. – „Det is allet ein eine Scheiße, diese alten Knochen?“ – Oha, weiß diese Greisin noch mehr über diese Fleischerei? Die Qualität der Waren? Sollte ich hier lieber nichts…? – „Meen Rücken bringt mir noch ma um!“ – Sie dreht sich von der Scheibe weg, immer noch gebückt. Ich verstehe: die alten Knochen, sie meint die eigenen. Am liebsten würde ich sie adoptieren. Statt dessen nehme ich das Kotelett.

    (Andreas Krenzke)

  • Prost Neujahr!

    Soso, also wieder mal vorbei so ein Jahr, war ja leicht zu erkennen, an den Girlanden und den vielen Pfannkuchen und so. War eigentlich ein ganz gutes Jahr, ich denke: ich nehme noch eins. Einiges war 2008 besonders schön: LSD – Liebe Statt Drogen hat mit dem Lokal ein neues Lokal und mit Elis ein neues Mitglied bekommen. Ich habe in der Bar jeder Vernunft fünf Shows gestaltet, die letzte davon, am Montag war sogar richtig voll. Der 2. Mai 2008 hat ein größeres Medienecho ausgelöst, als alle 2. Mais zuvor (Straßenfeger, Das Magazin… naja). Ich bin an einigen für meine Verhältnisse recht exotischen Orten aufgetreten: der größten Kirchenbaustelle Deutschlands, einem Mausoleum, und in einem Gefängnis. Außerdem ist mir aufgefallen, was für ein schnuckelig kleines, geradezu bescheidenes Event Weihnachten darstellt. Okay, sie holen lange Anlauf, aber wenn es nach drei Tagen vorbei ist, dann ist es auch vorbei und wird nicht ständig rückblickend beschworen. Viel sympathischer als diese WM-, EM-, Olympia-Geschichten, oder der Rummel, der gemacht wird, wenn der Papst stirbt oder ein neuer Präsident der Welt USA gewählt wird oder wenn ein Literaturkritiker das Fernsehen kritisiert. Ich bin außergewöhnlich häufig zum lesen gekommen. Die Lieben Kleinen haben sich nicht von den Viren unterkriegen lassen und die Liebe Große nicht von mir. Ich habe mir in der Shoppingmetropole meines Herzens Saarbrücken ein paar Hausschuhe gekauft. Mein zweites Buch ist erschienen. Weiter so!

    Für´s Neue wünsche ich mir, mehr zum Musik hören zu kommen. Und zum Schreiben, auch hier im fabelhaften Schnipselfriedhof, den der liebe Volker ja leider fast im Alleingang befüllen muss. Außerdem wünsche ich Berlin, dass dieser Pro-Reli-Quatsch scheitert. Sympathisch am neuen Jahr ist auch, dass es, wenn ich recht informiert bin, weitgehend ohne Fußballgroßveranstaltungen auskommt.

    Allen geneigten Leserinnen und Lesern des Schnipselfriedhof wünsche ich ein frohes 2009!

    (Andreas Krenzke)

  • Endlich bewiesen: Nichtexistenz Gottes und Existenz des Weihnachtsmannes

    Und es begab sich aber um die Weihnachtszeit des Jahres 2008, das Volker sich durch das Fernsehprogramm zappte. Und mit fassunglosem Gesicht bei NTV hängenblieb. „Ben Becker liest die Bibel“. Sicher – ich hatte schon davon gehört und mir gedacht, dass es Mist ist, aber das war doch noch ein ganzes Stück schlimmer als erwartet. Mit tiefer, voll bedeutungsscheinschwangerer Stimme trug Ben Becker vor, wer wen gezeugt hatte und was dieser oder jener Prophet oder Gott „aber“ gesagt habe.* Dazu lief schlimme Musik. Und am unteren Bildschirmrand informierten ununterbrochen zwei Scrollbalken über die aktuellen Börsenkurse und die neuesten schlechten Nachrichten aus aller Welt.
    War das ernstgemeint oder ironisch? Hm. Auf alle Fälle Blasphemie. Und wenn es einen Gott gäbe, so mag er zwar bei Kriegen und Hungersnöten desinteressiert wegschauen, hier aber hätte er zürnen und einschreiten müssen, also ich hätte das gemacht, wenn ich Gott wäre!

    Apropos Gott: In der Sueddeutschen Zeitung hat der Erzbischof von Freiburg auf die Frage, was wäre, wenn es keinen Gott gäbe, so geantwortet:

    Die menschliche Existenz würde sich einem in höchstem Maß unwahrscheinlichen Zufall verdanken. Es gäbe keine Gerechtigkeit nach dem Tod für die ungezählten Geschundenen der Geschichte. Der Mörder triumphierte endgültig über sein Opfer. Die Liebe wäre nicht ewig, sondern vergänglich, der verweste Leichnam wäre, nach dem Verlöschen der Erinnerung, alles, was vom Menschen bliebe.

    (www.sueddeutsche.de)

    Er schließt jedoch, dass es ja zum Glück nicht so sei. Ein Glaubensbekenntnis nach dem Motto „Weil nicht sein kann, was nicht sein darf“.

    Und Dr. Manfred Lütz haut in dieselbe Kerbe:

    Wenn es Gott nicht gäbe, gäbe es zwar auch weiterhin Menschen, die sich bemühen würden, moralisch zu handeln. Doch Moralität wäre dann mit dem Stigma der Unvernünftigkeit belastet.

    Ganz davon abgesehen, dass ich es ziemlich unmoralisch finde, dem Menschen jegliche eigene und „vernünftige“ Moral abzusprechen, könnte man genauso natürlich auch für die Existenz des Weihnachtsmannes argumentieren. Wenn es den Weihnachtsmann nicht gäbe, würde es zwar immer Kinder geben, die sich bemühen, brav zu sein, aber da sie ja wissen, dass die Eltern die Geschenke sowieso selbst kaufen und ihnen geben, wäre das dann mit dem Stigma der Unvernünftigkeit behaftet. Weihnachten wäre nur noch leeres Ritual und Konsumwahnsinn. Weil dies aber nicht sein kann, darf es auch nicht sein, der Weihnachtsmann MUSS folglich existieren. Wie schön.

    (Volker Strübing)

    * Neulich aber tauchte die Frage auf, was dieses dauernde rumgeabere in Bibeltexten soll. War es vor ein paar Jahrhunderten modern überflüssige Abers in Texte einzubauen, um ihnen mehr Dramatik zu verleihen? Oder hatte es damals noch eine weitere, heute verlorengegangene Bedeutung?

  • Handarbeit

    Ich liebe es, per Hand zu schreiben. Ich habe meinen Roman per Hand geschrieben, und jetzt, da ich meinen Teil des Buches zu Nicht der Süden schreiben muss, kann ich wieder Heft um Heft füllen. Keine „Neue Datei“ und erst recht kein Seitenumbruch können es mit dem Öffnen eines neuen Buches mit wunderbaren leeren Seiten aufnehmen, mit dem umblättern, kein Tastaturgeklapper kann das Gleiten eines guten Füllfederhalters über glattes Papier ersetzen … ach, schade, dass ich nicht schnurren kann!

    Natürlich nur, wenn es voran geht. Wenn der Kopf grad doof ist und das Papier leer bleibt, nutzt auch der teure Füller und das schön gebundene Buch nichts. Aber – und damit komme ich zum nächsten Vorteil des Schreibens per Hand – wenn man feststeckt, tippt man den Ertrag besserer Stunden ab. Klingt nach doppelter Arbeit, das ist es aber nicht. Weil das Abtippen gleichzeitig der erste Korrekturdurchgang ist und man viele kleine und größere Fehlerchen beseitigt. Rechtschreibfehler, Inhaltsfehler, Ausdrucksfehler, all solches Zeugs.

    Inzwischen gebe ich ziemlich viel Geld aus, wenn ich mir ein neues Schreibgerät oder ein neues Heft kaufe. Ich muss damit ja auch eine ziemlich enge Bindung eingehen, wir werden einiges zusammen erleben. Vorbei sind die Zeiten als ich mit Lotto-Kulis in Hefte aus Connys Container geschrieben habe. Geht auch, klar, wenns sein muss mach ich das auch wieder, aber schöner ist es mit gutem Arbeitsgerät.

    Ich arbeite und schreibe viel, es gibt Zeitdruck, aber keinen Stress. Ich habe den schönsten Beruf der Welt. Zumindest, wenn es so gut läuft, wie im Moment. Morgens (wenn ich es morgens schon aus dem Bett schaffe), wird abgetippt, Mittags gehe ich für zwei Stunden in ein Café schreiben, dann wird wieder daheim getippt und Krempel erledigt, abends gehe ich noch einmal für zwei oder drei Stunden schreiben, dann eher in die Kneipe als ins Café. So schön kann Arbeit sein. (Wobei das Glas Wein darauf hindeutet, dass ich zum Zeitpunkt des Fotos schon Feierabend gemacht habe.)

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    Das sind die Bücher und Hefte, die ich für Nicht der Süden bisher vollgeschrieben habe. Die bunten sind eher für Notizen, die mit dem Film zu tun haben, das große Buch „Notes“ habe ich während der Reise mit (gerne selbstmitleidigen) Tagebucheinträgen gefüllt, die anderen enthalten das, was einmal ein hoffentlich netter Teil des Buches von Kirsten und mir wird.

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    Der Schnipselfriedhof macht jetzt, zumindest was mich betrifft Weihnachtsurlaub bis Sonnabend oder so. Kein Bloggen mehr, bis ich die Rohfassung fertig habe!

    Frohe Weihnachten!

    (Volker Strübing)

    PS: Einen lieben Gruß (unbekannterweise?)

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  • Prenzlauer Allee, 18.12.2008

    Ist das nun der berüchtigte Klimawandel oder mangelnder Integrationswille von Pflanzen mit Migrationshintergrund? Man weeß es nich, man weeß es nich. Aber Hauptsache, es wird endlich Frühling.

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    Danke an Inken für den Hinweis!

    (Volker Strübing)

  • Rückblick 2008 (Teil 3)

    Schönster just in diesem Moment entdeckter Suchbegriff, mit dem dieses Blog gefunden wurde: „Lars Christmas wer singt dieses Lied“ (Hm, vielleicht Lars?)

    Lieblingsblog: Ahne seins

    Lieblingssonnenuntergangsfoto I: China (Quingdao)

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    Lieblingssonnenuntergangsfoto II: Island

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    Verpasstes Lieblingssonnenuntergangsfoto: Tolle rotglühende Wolken hinter dem Mauerpark mit gleißendem Kunstlicht von den Flutlichtmasten des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks im Vordergrund, gesehen vom einem 4.Stock in der Schönhauser aus. Irre.

    Lieblingsweltuntergangsfoto: Spitzbergen (Pyramiden)

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    (Volker Strübing)

  • Rückblick 2008 (Teil 2) – Diese gewisse, schwer zu beschreibende Melancholie

    Lieblingsbuch: Schmidt liest Proust von Jochen Schmidt.

    Lieblingsromanzitat I: [Der Ich-Erzähler betrachtet im Ozeanarium das ausgestellte „Geschlechtsorgan eines Wals, männl.“ und sinniert:] „Er unterschied sich von meinem und auch von allen anderen Penissen, die ich bis dahin gesehen hatte. Außerdem umgab ihn diese gewisse, schwer zu beschreibende Melancholie, die abgeschnittenen Penissen eigen ist.“ (Haruki Murakami: Wilde Schafsjagd)

    Lieblingsromanzitat II: „Morgens weckt sie [die kleine Tochter, Anm. d. Vlkr.] mich, indem sie mir glucksend ihren Finger vor die Nase hält, den sie dem Geruch nach gerade im Po hatte. Aber im Grunde mache ich ja beim Schreiben auch nichts anderes mit dem Leser.“ (Jochen Schmidt: Schmidt liest Proust)

    Lieblingslied: „Es ist vorbei“ von Elis

    Lieblings-CD: „Tiki Traveling“ von Kahuna Kawentzmann. (Hier kann man reinhören und sie bei Gefallen online kaufen.)

    Lieblingsband: Robert and the Roboters

    Insgesamt habe ich dieses Jahr leider viel zu wenig Musik gehört. Von den Roboters und Kahuna Kawentzmann dafür aber um so mehr und das umso öfter und eigentlich unter doofen Umständen: Uff Arbeit. Sie haben viel Musik für Nicht der Süden beigesteuert. Und obwohl ich jetzt soooo froh bin, das wir mit dem Film durch sind, höre ich die Musik immer noch und liebe sie. Das ist doch was!

    Knappster Sprung von des argen Schnitters schwarzer Schaufel: Ein Gummibärchen eingeatmet und fast daran erstickt.

    Sich aus dem letzten Punkt ergebende Fragen: Kann ich Haribo verklagen, weil sie keinen „Achtung! Nicht inhalieren!“-Hinweis auf die Tüten drucken? Und benutzt der Tod nun eigentlich eine Sense oder eine Schippe? (Schippe würde ich sagen. Von ner Sense hätte ich nicht nochmal runterspringen können.)

    Peinlichstes Klamottenanprobefoto:

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    Bevölkerungsreichstes von mir besuchtes Land der Welt: China

    Wird fortgesetzt. Oder auch nicht!

    (Volker Strübing)

  • Rückblick 2008 (Teil 1)

    Lieblingswort: Drehschluss

    Unwort des Jahres: Befindlichkeiten

    Absurdestes Wort: Drehplan

    Überraschendste Frage: Haste Lust, in die Arktis zu fahren und einen Film zu machen?

    Schlimmstes Frühstück: Siehe hier. Und dann noch das Frühstück in jenem isländischen Hotel, bei dem ich mir einen halben Backenzahn abgebrochen habe. An einem Toastbrot. Einem ungetoasteten …

    Schönstes zufällig geschossenenes Portraitfoto:

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    2 Uhr morgens vor Spitzbergen. Eigentlich wollte ich bloß die Spiegelungen der Mitternachtssonne  fotografieren, da tauchte plötzlich Pawl, unser Skipper, in der Tür zur Brücke auf …

    Größtes von mir nicht gesehenes Landraubtier: Eisbär.

    Wird fortgesetzt, fürchte ich.

    (Volker Strübing)