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  • Auf der Suche nach Gilgamesch – Uli Hannemann über den Bachmann-Wettbewerb

    (Ich war gestern zu Gast bei der Reformbühne Heim und Welt, wo Uli Hannemann folgenden Text vorlas. Da Uli leider – und völlig unverständlicherweise – weder ein Weblog noch eine Homepage hat, bat ich ihn, diese wunderbare Zusammenfassung als Gastbeitrag auf dem Schnipselfriedhof veröffentlichen zu dürfen.)

    Auf der Suche nach Gilgamesch von Uli Hannemann

    1. Der Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt.

    Jedes Jahr präsentiert das Domina-Studio Radisch im Zusammenarbeit mit ORF und 3Sat zu Ehren einer Kollegin, die sich im Bett zu Tode geraucht hat, einen Edelslam für Ernstschreiber in Klagenfurt. (mehr …)

  • Subbotnik

    Gibt es einen Grund, warum ich hier drei Beiträge hintereinander bringe? Vielleicht kann ich ja nicht mit dem Schreiben aufhören? Ich bin so euphorisiert, weil ich heute (also am Sonntag) schon die beiden Texte geschrieben habe, die ich am Dienstag brauchen werde. Sowas gelingt mir zum ersten mal. Wenn das mit der Selbstdisziplin so weiter geht, wird es ja vielleicht doch noch mal was, mit einem Roman. Apropos, gute Idee eigentlich, die Nacht ist noch jung, ich werde mal ein neues Dokument öffnen…

    (Andreas Krenzke)

  • Warum ich nicht Arzt sein könnte

    Mit dem Söhnchen im Krankenhaus gewesen zu einer Untersuchung. Alles in Ordnung. Die Hälfte der Zeit verging mit Bürokratie: Überweisungen hin und her faxen, Telefonate mit der Krankenkasse, Kostenübernahmebescheinigungen und Anträge auf Kostenübernahmebescheinigungen. Ich weiß nicht, ich weiß nicht, sollten Ärztinnen und Schwestern nicht ihren Arbeitstag mit Untersuchungen und Behandlungen füllen und meinetwegen auch mal mit einem Pausenkaffee? Statt dessen kümmern sie sich einen guten Teil ihrer Zeit um Scheiße Verwaltung. Also ich könnte das nicht, ich könnte nicht als Arzt arbeiten. Gut, dass ich Schriftsteller geworden bin.

    (Andreas Krenzke)

  • Heiliger Bimbam!

    Ich weiß ja auch nicht, ist es ein unbewusster Masochismus, irgend was bringt mich immer wieder dazu, mich in dem Schund und Schmutz zu suhlen, für den die Wälder abgeholzt werden. Ich „lese“ beim Bäcker die BZ, auf´m Klo meiner Mutter die Super-Illu und einen Focus habe ich sogar schon mal gekauft. Auch das Internet bietet – wen wundert´s – so einiges. Ein gewisser Holmes schreibt anlässlich eines evangelischen Kirchentages im letzten Juni in Köln, wo es wohl auch um Klimawandel gegangen sein muss:

    „Mehr und wichtiger noch als die Schöpfung selbst, sollen wir die Krone der Schöpfung lieben, achten und ehren. Vor einer grausamen ‘Mutter Erde’, die uns angeblich mitleidlos abschlachten wird, sollten wir nicht schleunigst unser Konsumverhalten ändern, auf die Knie zu sinken, das, liebe Glaubensbrüder und -schwestern, ist Götzendienst.“

    Und schon weiß ich wieder, warum ich Atheist bin, und gegen Religionsunterricht an den Schulen und und und… Vielleicht lese ich deswegen manchmal sowas.

    (Andreas Krenzke)

  • Geburtstag

    Neulich traf ich mich mit A. in der Kneipe. Ich behelligte ihn mit Zeugs aus meinem Leben, er erzählte von seinen Reisen. Irgendwann kam B. dazu, rief: „Alles Gute zum Geburtstag!“ und umarmte A.
    Ich schaltete blitzschnell und sagte geistesgegenwärtig: „Arrrgh … ähm … ups, also, tja, alles, äh, Gute und so, wusstick ja nich, na Mensch, das ist ja ’n Ding“ oder so. Mein Nichtgratulieren war leicht zu verzeihen – ich wusste wirklich nicht, wann A. Geburtstag hat. Ein bisschen unangenehm war die Situation trotzdem.

    Allerdings war das nichts gegen einen dunklen Februarmorgen im Jahre 1990, als mir das selbe mit meiner Mutter passierte …

    Und nun hat’s auch noch dieses Weblog erwischt …

    Am 4.Juni 2006 habe ich es gestartet mit einem Beitrag, der nicht wesentlich aussagekräftiger war, als das von WordPress automatisch generierte „Hello World“:

    Nun also auch noch ein Weblog …

    … ich muss auch alles mitmachen! Bezeichnenderweise immer mit ein paar Jahren Verspätung. So gings mir auch mit Kapuzenpullovern, Handys und Freundinnen.

    Immerhin gab es schon am nächsten Tag einen investigativen Artikel über schludrige Recherche bei Spiegel Online (Schlampiger Journalismus im Dienst der guten Sache).

    Inzwischen gibt es 329 Beiträge und aus dem geplanten „Da kann ich ab und zu mal nicht anders verwertbare Schnipsel aus dem Notizbuch öffentlich beerdigen“ ist eine echte Passion geworden, die viel Zeit verschlingt, aber auch verdammt viel Spaß macht. Das liegt vor allem an euch, liebe Gelegenheits- und Stammleser. Vielen, vielen Dank. Insbesondere für jeden Kommentar, für jeden Trackback oder gar die Aufnahme in die Blogroll!

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    Apropos Blogroll: Die wird demnächst endlich aktualisiert. Und überhaupt wird alles neu. Neues Design, bessere Navigation, haufenweise Werbung (aber nur für selbstgemachte Sachen) und ein neues Titelbild. Also bitte nicht erschrecken, wenn demnächst statt der Notizbücher das hier zu sehen sein wird:

    So. Und jetzt fahre ich nach Grünheide. Zu einer Geburtstagsfeier.

    (Volker Strübing)

  • Woanders hungern die Kinder und Volker Strübing rettet die Wale

    (Dies ist eine ältere Geschichte, die ich schon längst mal hier reinstellen wollte.)
    „Woanders hungern die Kinder und du willst nicht aufessen.“ Wer hat diesen Satz als Kind nicht hören müssen? Von Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen, Ferienlager-Aufsehern oder einer ungeliebten Tante.
    Ein blöder Satz. Inhaltlich natürlich völlig korrekt. „Ich habe eine Nase und 1 plus 1 ist gleich zwei.“ Wer würde das bestreiten? Das Schlimme ist der konstruierte Scheinzusammenhang, der mitschwingende Vorwurf, der Versuch, den Kindern die Ungerechtigkeit einer Welt anzulasten, für die doch die Erwachsenen verantwortlich sind. Komisch eigentlich, dass mir meine Unterstufenlehrerin nie an den Kopf geworfen hat: „Du schwatzt im Unterricht und die Amerikaner bauen Atombomben“ oder: „Du hast deinen Turnbeutel vergessen und mein Mann geht fremd“. Vielleicht hatte ich einfach Glück und ihr Mann ist nicht fremdgegangen – obwohl es ihm zu wünschen gewesen wäre. (mehr …)

  • Jochen Schmidt in Klagenfurth (II)

    Huch, gerade im Voland & Quist Verlagsblog gelesen:

    Um 11 Uhr, in 3 Minuten also beginnt Jochen Schmidts Lesung beim Bachmannwettbewerb.

    Hier steht die Reihenfolge der Auftretenden

    und hier kann man live zugucken.

    (Volker Strübing)

  • Slamfinale im Hamburger Schauspielhaus

    Klar, eigentlich gehören Poetry Slams und Lesebühnen in Clubs. Aber Ausnahmen sind eine feine Sache. Letzten Sonntag fand in Hamburg das große Finale des Zeise-Slams „Kampf der Künste“ statt. Dieser Slam ist an sich schon recht ungewöhnlich, denn er findet in einem großen Kino statt – die Atmosphäre dort ist schon durch die Kinosessel und die trockene Akustik vollkommen anders, als man es von Slams kennt. Das Finale aber fand an einem noch besondereren Ort statt – im großen Saal des Hamburger SchauspielhausesMarc-Uwe Kling, MichaEbeling und ich waren als Featured Poets dabei. Hier kommen ein paar Fotos:

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    Ich weiß nicht, welcher oder welche Glückliche den Schminkraum Herrenseite bekommen hat..

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    Tasse Kaffee und Damen“gaderobe“-Schlüssel. Den tollen Streifeneffekt kriegt man folgendermaßen hin: Man legt seine frisch erworbene Lumix-Kamera ausgeschaltet und mit dem Objektiv nach oben auf einen Tisch. Dann gießt man Bier darüber. So hab ich das zumindest gemacht, damals vor einem Jahr. Seitdem öffnet sich der Verschluss nicht immer richtig, man muss mit dem Finger nachhelfen oder sich an den dekorativen schwarzen Streifen erfreuen.

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    Im Kleiderschrank der Schauspielerin war noch ein Liebhaber versteckt.

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    Ein Schild, das ich noch nie und eines, das ich viel zu selten gesehen habe.

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    Gewonnen (und mich sehr beeindruckt) hat übrigens Casjen Ohnesorge. Er wird den Hamburger Zeise-Slam bei den Meisterschaften der deutschsprachigen Poetry Slams im Oktober 2007 in Berlin vertreten.

    (Volker Strübing)

  • (krea)tief gesunken

    Tut mir leid wegen des Titels, aber man darf die Wortspielereien nicht den Dingens von der BZ überlassen. (Mir fiel außer „Dingens“ grad nichts ein. Verbrecher darf ich sie nicht und Journalisten will ich sie nicht nennen.)

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    Zwei Zeitungen weiter lag die Zeit im Regal, deren aktuelles Titelthema die wachsende Homophobie ist.
    Okay, man kann darüber streiten, ob solche Rollenspiele in den Unterricht gehören, und ja, die BZ hat das Thema gar nicht aufgebracht, sondern die FDP (die „Liberalen“, haha!), und ja, männliche Homosexuelle nennen sich selber schwul – aber niemand kann mir erzählen, dass die BZ-Redaktion nicht wüsste, dass „schwul“ für einen Großteil ihrer Leser weiterhin ein Schimpfwort ist, und wie diese Schlagzeile auf diese Klientel wirkt. Dass damit kein Beitrag für gegenseitiges Verständnis geleistet, sondern der Graben vertieft wird. Dass man sich heute abend an diversen Stammtischen darüber ereifern wird, was diese Scheißlehrer unseren Kindern beibringen, nämlich immer nur: „Deutschland ist schlecht und Juden und Schwule sind gut, wat vernümpftjes lern‘ die doh nich mehr, so siehts doch aus Alter, ich sag ja nüscht, aber früher hätt’s das nicht gegeben, mehr sag ich ja gar nicht, Alter, und demnächst führen sie noch die Schwulpflicht ein, haha!“

    Wenn man ihn fragt, wird der verantwortliche Redakteur wahrscheinlich von der kreativen, witzigen Wortspielerei schwärmen.

    Ich habe mir für die Zugfahrt die SZ gekauft, die ich recht angenehm finde. Leider ist mir trotzdem beim Durchblättern alles hochgekommen, als ich auf eine Werbeanzeige von Sixt stieß:

    „Damit Sie noch günstiger Autos mieten können, haben wir unsere Werbeleute im Preis gedrückt.“ Dazu posieren Holger Jung und Jean-Remy van Matt – Deutschlands bekannteste und mit erfolgreichste Werbedingens (465Millionen Jahresumsatz laut Wikipedia) – als Penner. Da passt „(krea)tief gesunken“ wie die Faust auf’s Auge.

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    Wie lustig, wie originell, wie herrlich selbstironisch (wegen dem „Geiz ist doch nicht geil“-Schild, haha!), wie frech, wie widerwärtig zynisch und absolut zum Kotzen!

    Viele Grüße aus Bamberg

    (Volker Strübing)

  • Jochen Schmidt in Klagenfurth

    Die Nominierung von Jochen Schmidt für den Bachmann-Preis wirft Fragen auf. Zum Beispiel: Wieso eigentlich erst jetzt? Andere Fragen fallen mir gerade nicht ein.

    So jetzt mal im Ernst: Jochen ist ganz gewiss einer der preisüberschüttungswürdigsten Autoren der Welt. Unter denen, die ich persönlich kenne, und bei denen ich auf ein wenig Abglanz ihres strahlenden Triumphes hoffen kann, sowieso. Ich habe hunderte Geschichten von ihm gehört, seine Bücher gelesen, habe 100 Tage lang sein temporäres Weblog verfolgt – eigentlich müsste er mir zu den Ohren rauskommen. Zumal er, soweit ich das einschätzen kann, immer nur ein Thema hat – aber was ist das auch für ein großes Thema! Jochen Schmidt ist keiner von denen, die sich an Kleinkram abrackern. Jochen Schmidt schreibt über den Planet das Universum Jochen Schmidt. Und was er in diesem Universum alles entdeckt, verblüfft und unterhält und inspiriert mich immer wieder.

    Irgendwann zwischen Donnerstag und Sonnabend liest Jochen also in Klagenfurth und auf 3sat. Die Lesereihenfolge wird erst am Mittwoch Abend ausgelost. Am Sonnabend zwischen 13.30 Uhr und 20 Uhr können dann alle Menschen der Welt im Internet den Publikumspreisträger bestimmen.

    Ich drücke Jochen die Daumen und ganz bestümpt am Sonnabend zwischen 13.30 Uhr und 20 Uhr mit dem Mauszeiger auf obigen Link (hey, Jochen, gib Dir Mühe, vielleicht gucke ich mir die andern auch an 😉

    Wermutstropfen: Wegen diesem blöden Preis kann Jochen am Donnerstag nicht bei der Chaussee sein – allerdings wird stattdessen Dan eine Überraschung mitbringen … ach ja, und ich trete meinen Lesebühnenurlaub erst eine Woche später an und zeige amDonnerstag nochmal den bisher nur bei LSD gezeigten 4. Teil von Kloß und Spinne (hab es immer noch nicht geschafft, ihn webtauglich zu machen – aber hier ist schonmal der Trailer)

    (Volker Strübing)

     

    Offenlegung: Ich kenne Jochen seit vielen Jahren, trete jede Woche mit ihm zusammen bei der Chaussee der Enthusiasten auf und würde daher von seiner Berühmtwerdung profitieren. Vielleicht lädt er mich zum Dank für dieses Posting auch Donnerstags im RAW mal auf ein Getränk ein. Aber da müssen wir sowieso nichts bezahlen.