Autor: vstr@gmx.de

  • Bilder der Woche 25/2014 – Flaschensammler auf Sinnsuche und eine Welt in Angst und Feierlaune

    IMG_0132

    (Vor dem Bahnhof Hamm/Westfalen – Ja, ich bin dort tatsächlich ausgestiegen und habe den „wird in Hamm geteilt“-Zug verlassen. Aber nur für eine Stunde, weil mein Zug mit irgendwelchen Sportschülern, die zur Spartakiade oder so fuhren vollgestopft war und ich genug Zeit hatte, auf den nächsten zu warten.)

    Ehrlich, ich weiß nicht, was ich von diesen Pfandkisten halten soll. Den Flaschensammlern das Leben erleichtern, indem man ihnen das Pfandflaschensammeln erleichtert? Befürworter sagen, das würde den Sammlern die Entwürdigung des Wühlens in Abfallbehältern ersparen und regen an, dort wo es keine derartigen Vorrichtungen gäbe, könne man die Flaschen auch einfach neben die Mülleimer stellen. Das ist alles richtig und sehr freundlich gedacht, aber für mich hat das doch so einen Beigeschmack von Konsolidierung des Elends, von paternalistischer Barmherzigkeit und Gewissensberuhigung. Klar, damit kann man jede Hilfe für andere, die nicht die sofortige Einführung des Himmels auf Erden für jeden einzelnen Menschen und die Durchsetzung vollkommener Gerechtiigkjkeit zum Ziel hat, diffarmieren. Ich gebe Bettlern (manchmal) Geld und tatsächlich stelle ich schon seit langem Pfandflaschen, die ich nicht nach Hause tragen will oder kann neben die Papierkörbe statt sie reinzuschmeißen.
    Aber extra Behältnisse? Ich weiß nicht, dass ist, als würde man an Bettler, die den ganzen tag in der Fußgängerzone knien – Knieschoner ausgeben. Klar, auch das wäre eine gute Tat und irgendwie hilfreich, aber irgendwas daran ist fürchterlich schief.

    In einer Sache wenigstens bin ich mir sicher: Alles schlechte der Welt wünsche ich den Ärschen, die die Pfandkisten wieder in Müllbehältnisse verwandelt haben.

    Zwischendurch ein schönes Blumenbild, dann nochmal was zu den Pfandsammlern.

    IMG_0136

    In letzter Zeit war viel von einer Studie über Pfandsammler zu hören (zum Beispiel hier oder hier). Die Berichte über die Studie und Interviews mit dem Verfasser legten den Schluss nahe, dass es sich hierbei nicht um ein Armutsproblem handle. Die Leute würden nicht deshalb Flaschen sammeln, weil es ihnen auf Grund ihrer Arbeitslosigkeit an Geld mangele, sondern an Sinn und Sozialleben. Um das bisschen Kohle ginge es gar nicht. Ich kenne nur einen Flaschensammler persönlich, und von dem weiß ich, dass er auch das bisschen zusätzliche Kohle dringend brauchte (und vom Sozialamt Ärger bekam – was wohlbedeutet, dass irgendjemand ihn angeschwärzt hat … aber ich will jetzt gar nicht über Arschlöcher schreiben). Dieses eine Beispiel entkräftet natürlich keine Studie, bei der 20 oder 30 Leute zu Wort kamen, aber anmerken möchte ich es trotzdem. Ich find bloß bemerkenswert, dass ich immer den Eindruck hatte, dass die Berichte  fast erleichtert klang. Ach soooo, alles halb so schlimm, denen gehts gut, und die machen brav den Dreck weg und wer sich traut kann ihnen auch mal über den Kopf streicheln, die beißen nicht. (Aber hinterher Händewaschen!)

    Ganz davon abgesehen finde ich es auch ziemlich gruselig, wenn Leute, nach denen man ihnen ihr Leben lang eingetrichtert hat, sie seien nur soviel wert wie ihre Arbeit, nachdem sie vor die Tür gesetzt wurden, keine andere Möglichkeit sehen, ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben, als (angeblich ohne materielle Not) in Mülleimern zu kramen.

    IMG_0133

    Das Bild stammt noch aus der Anfangszeit der WM (ich bin mit dem Rückblick drei Wochen im Verzug …). Falls hier Fußballmenschen mitlesen: Welche der beiden Zeitungen hat denn recht? Einig ist man sich ja nur in dem Punkt, dass Müller „die Welt“ (darunter machen wir’s nicht!) in Atem hält. Aber zittert sie nun oder feiert sie?

    Auf dem folgenden Bild sieht man eine sehr schöne Lok, eine sehr starke Lok auch, denn sie hat mich bis nach Stuttgart gezogen. Die Lok zog Scharen fotobegeisterter Fahrgäste an, doch es waren nicht ihre urtümliche Schönheit oder wuchtige Eleganz, die die Menschen interessierten, sondern ein grausiges Detail … arme Taube …

    IMG_0140

     

     

     

  • Bilder der Woche 24/2014 – Slammer im Wald und kaum Klappradfotos

    P1140442

    Toll, toll, toll! Lauenbrück: Slam im Wald, neben einer Pferdekoppel auf einer Bühne, die um eine Eiche gebaut war. Mit Pferden und Feuer und 200 Zuschauern und voll superen Kolleginnen (auf dem Foto am Mikro: die wunderbare Mona Harry) und Kollegen und Bratwurst, toll, toll, toll!  (mehr …)

  • Bilder der Woche 23/2014 – Die Stadt der Unterleiber

    P1130329

    (Fortschritt. Hauptbahnhof Stuttgart. Das lässt hoffen für Stutttgart 21)

    P1130398

    Ich war drei Tage in Dortmund und fuhr von dort aus zu Slams in Oberhausen, Duisburg und … naja: Dortmund. Neben wunderbaren Slams mit tollen Kollegen, Kumpels, Freunden und Renato (das ist eine Extrakategorie), blieben mir vor allem die Dortmundschen Unterleibspuppen inn Erinnerung. Die folgenden Fotos enstanden alle in einem Umkreis von hundert Metern. Was sagt das über Dortmund? Hat jemand Informationen? Gibt es eine Stadt in der nur obere Hälften rumstehen? (mehr …)

  • Bilder der Woche 22/2014 – Mein Beitrag zur Weltrettung

    P1130040

    Jetzt habe ich endgültig den Anschluss verloren. Wir haben bereits das Ende der 24. Kalenderwoche. Was wie Lazyness erscheint, ist in Wirklichkeit Kalkül: In dem ich den Anschluss an die Gegenwart Schritt für Schritt verliere, kämpfe ich auch meine Art gegen den Aktualitätswahn, gegen den Imperativ der Akzeleration, gegen die Livetickerisierung der Welt!  (mehr …)

  • Bilder der Woche 21/2014 – Die Zahl des Tieres

    P1120968

    (Cool, ein halbes Jahr geschafft! Aber was heißt geschafft: Es war überhaupt nicht schwer, nachdem einmal der Entschluss gefasst und ein Datum festgelegt war. Schade nur, dass der Counter einfach nicht auf 66 Cent umspringen wollte, sondern von irgendwas in den 40ern auf irgendwas in den 70ern umsprang.  Aber deshalb nochmal mit Rauchen anfangen, wieder aufhören und die Angaben in der Appp so wählen, dass nach genau einem halben Jahr 666,66 angezeigt werden … ach nö.)

    P1120907

    (Ich dachte, er bewundert mein Fahrrad, aber dann stellte sich schnell heraus, dass er nur etwas von meinem Sandwich abhaben wollte.)
    P1120992

    (In Berlin nennen sich die Imbissbuden „Istanbul“, wenn sie exotisch klingen wollen. In Halle reicht „Berlin“.)

    P1130003

  • Bilder der Woche 20/2014 – Info-Bambergeddon, das Bontempimännchen und der traurigste Dienstfernsprecher der Welt

    P1120781

    P1120755

    (Ein Overkill an seltsamen Worten, die Bizarrokalypse, das Info-Bambergeddon in der Bamberger Altstadt: Elektro Bauer im Sand – Dirndl Lirium by Kaufhaus Schrill – wtf? (Und ich schreibe nicht oft „wtf“!)) (mehr …)

  • Bilder der Woche 19/2014 – Die zukünftigen Herrscher der Erde

    (1) Das Bild der Woche
    Okay, diesmal habe ich es nicht geschafft. Die „Bilder der Woche“ kommen zu spät, es sind die Bilder der vorletzten Woche. Das Internet ist in Aufruhr, die Menschen fragen sich (zu Recht): „Wieso zahl ich einen Haufen Kohle für Highspeed-Internet, wenn die Bilder der Woche dann doch Verspätung haben?“ Unmut macht sich breit, die Bevölkerung murrt, liest in ihrer Verzweiflung stattdessen Bücher von verrücktgewordenen Katzenkrimiautoren oder guckt Fußballspiele. All das tut mir sehr leid, aber nun ist wieder gut, hier sind sie ja endlich.
    Wenn ich mich für ein Bild der Woche entscheiden müsste, dann für dieses:

    20140510_092053_QS

    Ich habe mir ein Klappfahrrad gekauft und war damit vorletzte Woche auf Slamtour in Regensburg, Konstanz und Wien. 35 Stunden im Zug, insgesamt 45 Minuten auf der Bühne, aber auch ein ganzer Tag auf dem Fahrrad quer durch Wien. Und zum Abschluss der Tour die Traumzugfahrt Wien – Berlin über Prag und durch das Elbsandsteingebirge. 10 Stunden, und ich fand es großartig!
    Aber vor allem macht mich das Fahrrad gerade super glücklich. Nachdem ich solange nicht Fahrrad fahren konnte, bin ich jetzt gerade zu süchtig danach und fand es blöd, soviel auf Tour und dabei fahrradlos zu sein. Es ist so toll, nach einer langen Zugfahrt aus dem Zug zu steigen, das Rad aufzuklappen und durch die Stadt zu fahren.

    (2) Wien (mehr …)

  • Neulich in der SPD-Zentrale

    P1110814_1st_QS

    Geheimes Protokoll der Sitzung des SPD-Wahlkampfteams zur Europawahl 2014 bestehend aus Martin Schulz, Schwacko Lindt, Sulzbart Mahnfried, Eusebian Hollerbusch und Molke Bratschwan. Außerdem anwesend: Ein Tschaiwallah (mehr …)

  • Bilder der Woche 18/2014 – Sperm-Race, Poop-A-Bike und die Pankower Tardis

    P1110791_1st_QS
    Postkartenständer, vor allem die mit den vermeintlich witzigen oder süßen Karten sind Säulen des Schreckens für Menschen mit Verstand, Humor und Geschmack. (mehr …)