Autor: vstr@gmx.de

  • Bilder der Woche 16/2014 – Ostersteuer statt Osterfeuer und die Matroschkas der Erinnerung

    Dienstag

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    (Gesundbrunnen)

    Mittwoch

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    (Alexanderplatz)

    Donnerstag

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    (Songslam im Heiamthafen Neukölln mit Sternenhimmel und featured Poet Julius Fischer)

    Karfreitag

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    Nichts ist entspannender als eine kleine Belegsortierorgie während auf Arte die Matthäuspassion geträllert wird. Naja. Doch. Ein paar entspannendere Sachen fielen mir schon ein, Belege verbrennen zum Beispiel, aber trotzdem ist es eigentlich eine ganz angenehme Arbeit. Die Steuererklärung selbst natürlich nicht, aber das Vorsortieren. Ein Jahr zieht in Form von Fahrkarten, Rechnungen und Belegen noch einmal vor dem inneren Auge an Dir vorbei, das ist doch schön.
    Ein Problem ist allerdings folgendes: Das Sortieren nimmt von Jahr zu Jahr einen größeren Teil des Jahres selbst ein – das Foto oben zum Beispiel dokumentiert den Stand am zweiten Sortiertag, heute, 8 Tage später, sieht es ein ganzes Stück wilder aus und ich bin gerade einmal beim Mai angekommen – so dass jeder Jahresrückblick auch zu einem Rückblick auf den letzten Sortier-Jahresrückblick und damit ein Rückblick zweiter Ordnung wird, eine echte Erinnerungsmatroschka!
    Das passende Foto wäre jetzt ein Bild, das mich beim Posten des Rückblicks der Vorwoche, also der Vorvorwoche zeigt. Es ist alles sehr verwirrend.

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    Abends dann Sonnenuuntergangs und „20 Jahre Poetry Slam“ in der Volksbühne

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    (Bas Böttcher auf der Volksbühne)

    Ostersonnabend:

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    Also, da war diese Omi. Ich weiß nicht, ob sie eine Omi war, eigentlich war sie einfach eine Frau, aber sie sah so aus, dass man sofort wusste, dass iregndwo in der Welt Kinder herumspringen, die diese Frau Omi nennen. So eine alte Frau war das.
    Die Omi stand in einem Eckchen an den Schönhauser Allee Arcaden, hatte einen Bauchladen und schaute abwechselnd hoffnungsfroh und enttäuscht auf die im Ostersamstagsstress vorbeihastenden Passanten. Ich blieb stehen und schaute, was sie anzubieten hatte, war kurz darauf 17 Euro ärmer, dafür aber Besitzer der folgenden Schätze:

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    Eigentlich wollte ich nur so ein Ei mit einem Küken drin kaufen, weil ich an Omis nie vorbeikomme, wenn sie irgendwas niedliches verkaufen, zum Beispiel halb welke Blumensträußlein aus ihrem Garten. Aber dann fing sie auch noch an zu erzählen, dass das übrig sei vom Seniorenbasar, „wissen Sie, wir basteln doch jedes Jahr zu Ostern, schauen Sie hier, das ist alles handgemacht und dann machen wir einen Basar, aber das ist übriggeblieben, darum versuch ich die hier zu verkaufen, das wre doch schade, wenn die ein Jahr rumliegen würden jetzt, obwohhl das nichts machen würde, denn die kann man immer wieder benutzen, da hat man ein Leben lang Freude dran, Jahr für Jahr, nur ein bisschen Staub wischen, dann sind die wie neu, wissen Sie wirr sammeln doch immer ein bisschen Geld, damit wir einmal im Jahr eine große Fahrt in den Spreewald machen können …“
    Zu diesem Zeitpunkt war ich längst verloren und kaufte, was sie noch da hatte … „Ach wirklich, ach, das ist aber freundlich von Ihnen, ich dachte schon, ich muss hier noch ganz lange stehen, die Leute rennen ja alle vorbei …“

    Und hier als Service ein heißer Tip für alle Osterküken-Fans: Der Verküktheiten-Blog und die dazugehörige Facebookseite.

    Ostersonntag

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  • Bilder der Woche 15/2014 – Selfie-Special – Eine Woche in Selbstportraits

    Diese Woche – also letzte Woche – habe ich eigentlich nur mich selbst fotografiert, was praktisch war, da ich das Motiv eigentlich immer dabei hatte. Es war eine schreckliche Woche, da ich dauernd ausgelacht oder für bekloppt gehalten wurde, wenn ich mich zum beispiel wie bei diesem ersten Foto in der Garderobe zwischen zwei gegenüberstehenden Spiegeln merkwürdig hin und her bog, bis ich ein schönes Unendlichkeitsfoto machen konnte …

    Montag:

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    Das Bild entstand in der Garderobe der Wühlmäuse. Am Montag war ich eingeladen bei Arnulf Ratings Stadtrevue, dem „Blauen Montag“ mitzumachen, den es  nach einer mehrjährigen Pause endlich wieder in Berlin gibt. Eine tolle Show mit Artisten, Comedians, Musikern (letztes Mal unter anderem mit dem Glas Blas Sing Quintett), Kabarettisten und Vorlesern. Karl Dall war aber nicht da. (mehr …)

  • Bilder der Woche 14/2014 – Hennen, Höllen, Heavy Metal! (Und ein Nachruf auf einen Koffer.)

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    Ein Abschied in entsättigten Farben auf einem leeren Bahnsteig im Schatten der Paläste der großen Banken in Frankfurt/Main … Schnief … 3 Jahre waren wir ein zusammen haben unzählige Innenstädte in Deutschland, der Schweiz und Österreich mit dem Geklapper Deiner Plasteräder aus dem Dornröschenschlaf gerissen und uns noch in den vollsten Zügen und Backstageräumen dank Deines nicht sehr schönen aber ungewöhnlichen Musters gefunden. Nicht immer habe ich Dich gut behandelt. Besonders schlecht fühle ich mich, wenn ich daran denke, wie ich Dich damals, als ich noch dachte, nichts könnte uns jemals trennen, die Zufahrtsstraße zur Wartburg bei Eisenach runterrollen ließ und mich freute wie ein (böses) Kind, wenn Du nach 20 Metern volle Kafotsche in die Leitplanke rasseltes. Doch all das machte Dir nichts aus. Und jetzt das: Der Griff ist abgerissen …

    Ein letztes Bild von Dir und meinem Umzug in einen stillosen, aber wenigstens knallroten Kaufhof-Koffer (mit dem ich nur den halben Spaß habe, weil die Räder viel leiser sind und weil er so schlecht ausbalanciert ist, dass er bei der Wartburg-Nummer nach 3 Metern umgekippt wäre).

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    („Schockschwerenot!“, rief das Bochumer Stopschild, als ich ihm die traurige GEschichte vom kaputten Rollkoffer erzählte.)

    Letzte Woche verschlug es mich unter anderem nach Marburg. Bei Marburg handelt es sich um eine schöne Stadt: (mehr …)

  • Bilder der Woche 13/14

    Ich gestehe, ich habe den Aufwand unterschätzt, jede Woche einen Fotorückblick zu machen. Keine Ahnung, wie zum Beispiel André das immer hinkriegt. Vielleicht ist er so schlau einfach weniger als 700 Fotos pro Woche zu machen, die dann sortiert bearbeitet und schließlich doch gelöscht werden?!

    So spät dran wie diesmal war ich noch nie und damit ich überhaupt noch diese Woche zu Potte komme, müssen die Bilder auf lange Erklärungen verzichten …

    Montag – Berlin

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    („Cuteness-Overload“)

    Dienstag – Berlin  (mehr …)

  • Trekkingnutten oder: Die Angst vor dem Dümmsten Anzunehmenden Leser

    Das ist ärgerlich. Goliath hat gegen David gewonnen. Der Droemer Knaur Verlag hat mit seiner Klage gegen Voland & Quist Erfolg gehabt. Julius Fischers Buch „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“ darf nicht mehr verkauft werden (oder bald nicht mehr verkauft werden), weil nicht auszuschließen sei, dass Käufer Julius‘ Buch für einen echten Ableger der Wanderhurenreihe halten. Das Ausmaß an Dummheit das dafür nötig wäre, wage ich mir gar nicht auszumalen. Immerhin ist davon auszugehen, dass einige Leute tatsächlich so dumm sind, aber wenn die Gerichte künftig vom dümmsten anzunehmenden Konsumenten ausgehen, dann werden bald auch Merkelparodien verboten und Tiefkühldorsche, da nicht auszuschließen ist, dass man sich verletzt, wenn man sie in nicht dafür vorgesehene Körperöffnungen … aber lassen wir das.
    Ich weiß nicht, was das genau für den Verlag und natürlich Julius bedeutet, aber ich wünsche ihnen alles Gute und drücke die Daumen für eine mögliche Berufung. (Weiterführende Links und die ganze Geschichte müsst ihr euch selbst zusammensuchen, sorry.)
    Themenwechsel mit geschickter Überleitung: Julius Buch war übrigens auch auf der Shortlist zum „Ungewöhnlichsten Buchtitel 2013“ und landete auf dem dritten Platz. Mein Buch gewann den Preis und in den darauffolgenden Tagen bekam ich von einer ganzen Reihe Kollegen zu hören: „Hey, Mann, herzlichen Glückwunsch …. aber, ähm, also ehrlich gesagt, ‚Die schönsten Wanderwege der Wanderhure‘ (wahlweise auch: ‚Du kannst alles schaffen was du dir vornimmst, es sei denn es ist zu schwierig‘) fand ich viel besser.“ Ich habe mir die Namen der betreffenden Personen auf einer tiefschwarzen Liste notiert (mit silbernem Gelstift, damit ich sie lesen kann; ich bin ja nicht so doof, wie Droemer Knaur seine Leser gern hätte!) und freue mich schon darauf, wenn diese Leute mir eines Tages ihre Kinder, Freundinnen, Mütter etc. vorführen und ich ihnen ein „Toll, aber ehrlich gesagt das Kind/die Freundin/die Mutter von XY fand ich viel besser“ an den Kopf werfen kann 🙂

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    (Making of „Dieser Artikel“)

    Gruss vom Bayreuther Stadtparkett!

     

  • Bilder der Woche 12/14 – Grübel-Dübel und der Star-Wars-ICE

    Die Woche im Überblick: Krimkrise, Flugzeug immer noch weg, irgendwas mit Hoeneß und die Nasa hat bewiesen, dass unsere Zivilisation untergeht. Irgendwie fand ich die Nasa besser, als sie noch zum Mond geflogen ist oder wenigstens Space Shuttles gebaut hat. Ich habe bei 6 Auftritten in 5 Städten 34 Texte vorgelesen und 30 Stunden im Zug gesessen. 7 Stunden davon im City Night Liner. Zum ersten Mal überhaupt. Mittwoch Nacht bin ich von Mannheim nach Berlin gefahren.

    Auf den City Nightliner (CNL) trifft die Bezeichnung „schön“ sicher nicht zu. Aber „hat was“ passt ziemlich gut, eine Eigenschaft, die er durch einen geradezu astromisch unwahrscheinlichen Zufall mit diesem Plattenbau-Ensemble in Mannheim teilt:

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    Der Sitzwagen im Stadt-Nachtlinier ist offensichtlich von einem Star-Wars-Fan designt wurden, zumindest war das meine erste Assoziation:  (mehr …)

  • Die Mensikus-Chroniken Band IV: Die AI-Verschwörung

    (Was bisher geschah: Ich habe einen super dramatischen Unfall, bin nicht schwanger und kriege keinen Einlauf, sondern eine OP verschrieben.)

    Am Tag der Operation ging es mir ironischerweise sehr gut, ich humpelte kaum, als ich mich in Joggginghosen und meinen ausgelatschtesten und daher bequemsten Schuhen auf den Weg zur Klinik irgendwo in Marzahn machte. Es war ein sehr seltsames Gefühl, dabei die Krücken, die ich erst nachher brauchen würde, in der Hand zu tragen. So muss sich ein unartiger Schüler gefühlt haben, den anno Tobak Zeiten ein Lehrer nach draußen schickte, um von dort die Gerte mitzubringen, mit der er ihn verprügeln würde. Oder Jesus, als er sein Kreuz durch Jerusalem schleppte.

    „Bist du der Neue?“, fragte mich ein zerlumpt aussehender Mann, als ich vor dem Eingang meiner U-Bahn-Station noch eine Zigarette rauchte.

    „Der Neue?“

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    (Aus der Reihe „Nicht zum Text passende Fotos“ heute ein paar Bilder von einem Markt in Amsterdam vom Dezember 2012)

    „Na, ich seh’s dir doch an. (mehr …)

  • Bilder der Woche 11/14 – Richard Claydermann für Hipster (Entschuldigung!)

    Am Montag, 10 Tage ist das jetzt schon wieder her, war ich bei einem Konzert von Nils Frahm, weil ich den erstens sehr gut finde und zweitens eingeladen war.Es war für uns beide Philharmonie-Premiere: Für mich war es überhaupt das erste Mal dort, für Nils Frahm das erste Konzert, das er dort gab. Auch für die Philharmonie war es eine Premiere: Es dürfte das erste Konzert gewesen sein, das wegen eines abgestürzten Computers unterbrochen werden musste. (mehr …)

  • Bilder der Woche 10/14 – Die Borg sind gelandet und haben ein Fitnesstudio eröffnet!

    Das schlimmste gleich zu Beginn. Diese Werbung präsentierte mir Facebook letzte Woche Montag: (mehr …)

  • Nach Halt ich sehnt mich in der Welt

    Ein Schnipseltext zum Thema Nachhaltigkeit.

    1.

    Dieser Text ist nicht nachhaltig. Für seine Herstellung wurden 130 Gramm Papier aus 217 Gramm finnischer Lärche, deren Wachstum 4 Monate dauerte, wobei 21 Gramm Kohlendioxid gebunden wurden, denen 467 Gramm Kohlendioxid und 2,98 Liter Wasser, die während ihrer Verarbeitung freigesetzt bzw. verschmutzt wurden, gegenüberstehen, verwendet. 57 Kaffeebohnen mussten angepflanzt, mit 7 Gramm chemischem Dünger aus 16 Gramm hochgiftigen Ausgangsmaterialien gedüngt, mit 24 Litern Wasser gegossen, schließlich geerntet, getrocknet, geröstet, gemahlen, vakuumverpackt, nach Deutschland verschifft, und per LKW zum Supermarkt gefahren, verkauft, mit 6 Litern Wasser, das unter Einsatz von 0,9 Kilowattstunden Energie aus gemischten Quellen auf 100 Grad Celsius erhitzt wurde, aufgebrüht und getrunken werden, um den kreativen Prozess in Gang zu setzen, in dessen Verlauf das Gehirn des Autors insgesamt 2400 Kilokalorien verbrannte, die er durch den Verzehr eines großen XXL-Schnitzels vom Schwein, dessen Aufzucht und Zubereitung 12.000 Kilowattstunden Atomstrom verbrauchte, 72 Kilogramm CO2 freisetzte, 1256 Liter Wasser verschmutzte und das am Ende nicht einmal schmeckte, zu sich genommen hatte. Die Recherche der eben genannten Fakten verschlang 0,0007 Sekunden Rechenzeit und 0,02 Kilowattstunden Strom auf den Serverfarmen von Google, sowie 1 Stund Rechenzeit und 0,8 Kilowattstunden Strom auf meinem heimischen Rechner, bevor ich beschloss, dass Recherchieren bleiben zu lassen und mir sämtliche Zahlen einfach selbst auszudenken in der berechtigten Annahme, dass Sie, werte Leser, das alles ohnehin sofort wieder vergessen werden – oder könnten sie noch ohne nachzuschauen sagen, wieviel Gramm welchen Baums angeblich in diesem Text stecken?)

    2.

    Ob ein Text nachhaltig ist, verrät nicht seine Energiebilanz, sondern ob etwas von ihm in den Zuhörern nachhallt.

    3.

    Vergessen Sie alles, was sie eben gelesen haben. Ein Text, der sich um das Siegel für nachhaltiges Schreiben bewirbt, sollte zu einem möglichst großen Anteil aus Altideen, Second-hand- und second-brain-Gedanken, recycleten Pointen und gebrauchten Argumenten bestehen. Daher bin ich froh, in Punkt 6 einen Vorschalg zu präsentieren, den ich hier an dieser Stelle bereits vor 2 Jahren machte, was einer Recyclingquote von Prozent (auf die Wortanzahl bezogen sogar 40 Prozent) entspricht.

    4.

    Sanfter und nachhaltiger Tourismus gilt als besserer Tourismus als Massentourismus. Besser für die Umwelt, besser für die Reisenden, besser für die einheimischen Arbeiter in der Tourismusindustrie. Doch diese Aussage ist ungefähr so sinnvoll wie die Aussage, ein Regentropfen sei besser als eine vierzigtägige biblische Sinflut, denn die Sinflut bestand auch nur aus harmlosen Regentropfen und ein sanfter Tourismus, der zum Massentourismus wird, hört auf auf sanft zu sein, selbst wenn es nur um einen Ausflug an den Liebnitzsee geht. Sanfter Tourismus ist in aller erster Linie weniger Tourismus. Und eine Abkehr vom Massentourismus heißt vor allem: Dass die Masse nicht mehr Tourist sein kann. Aber die Masse hat sich sowieso immer nur mit Sangria besoffen und sich nicht für Land und Leute interessiert, die Masse soll mal schön zuhause bleiben und Doku-Soaps über Familien im Brennpunkt gucken!

    5.

    Die Zerstörung der letzten schönen, unberührten Flecken der Erde schreitet in atemberaubenden Tempo voran. Urwälder werden zu Palmölplantagen, Dünen zu Betonburgen, Wiesen zu Parkplätzen, Bauern zu Hotelangestellten, Gletscher zu Wasser, die letzten Exemplare mancher Fischart zu Fischstäbchen. Was kann der Einzelne in dieser Situation tun? Es verhindern? Unmöglich, das ist zuviel verlangt von einem Einzelnen. Die Antwort lautet: Verreisen! Ab in den Urlaub, solange es noch geht! Verreisen sie billig, dann könne Sie öfter verreisen! Machen Sie dass letzte Foto von den letzten ihrer Art und drehen sie das letzte Video vom letzten Fleckchen Regenwald, damit sie ihren Enkeln einst die Bilder zeigen können! Verwenden Sie dafür nur bestes Equipment. Wenn alle Wunder der Natur in ausreichendem Maße in HD und 3D abgefilmt sind, dann brauchen wir sie im Grunde genommen nicht mehr! Seien sie doch einmal ehrlich: Was nutzt Ihnen persönlich irgendein Korallenriff in der Südsee? Würden Sie freilebende Gorillas wirklich vermissen? Haben Sie nicht viel mehr von all den schönen Palmölprodukten als vom Urwald auf Sumatra? Und was haben die Eisbären und Wale eigentlich jemals für uns getan?

    6.

    Was den Wal angeht, muss ich mich revidieren und entschuldigen. Im Februar 2012 strandete vor der belgischen Küste der Wal Teofiel, dessen Kadaver zu 50 Prozent von einem kleinen innovativen Unternehmen zu Biodiesel verarbeitet wurde. Hier drängt sich natürlich sofort der Gedanke auf, dass Wale zukünftig einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten könnten. Allein der aus diesem Tier gewonnene Brennstoff liefert 50.000 Kilowattstunden Strom, genug Strom, um 14 Haushalte ein Jahr damit zu versorgen oder eine halbe Million Liter Kaffee aufzubrühen. Beim Wal handelt es sich also um einen nachwachsenden Rohstoff von großem ökonomischen und ökologischen Potential.

    Die Umwandlung von Walen, diesen ebenso liebenswerten wie energiereichen Meeressäugern in Biodiesel stellt daher eine zeitgemäße Art dar, unseren flossenbewährten Freunden einen angemessenen Platz im nachhaltigen Energiemix der Zukunft zuzuweisen. Für ein Land wie Deutschland würde schon die vergleichsweise kleine Zahl von 1,2 Millionen Pott- oder 0,7 Millionen Blauwalen ausreicht, um sage und schreibe 6,3 Prozent des Gesamtenergiebearfs zu decken.

    Alternativ ließe sich dieselbe Menge auch durch Verdieselung des dicksten Viertels der US-amerikanischen Bevölkerung erzielen, allerdings gilt diese Bevölkerungsgruppe in Amerika als strategische Energiereserve für den Fall eines arabischen Ölembargos. Die Ausfuhr stark übergewichtiger Amerikaner, auch ins befreundete Ausland unterliegt daher strengen Beschränkungen.

    Darüberhinaus könnte die Walzucht in küstennahen Walfarmen dem Tourismus neue Impulse geben. Insbesondere Massenschlachtungen in kleinen Buchten wären ein Besuchermagnet, der viel Geld in chronisch unterentwickelte Regionen bringen würde.

    Selbstverständlich sind vorher noch einige Vorbehalte seitens von falsch verstandener Tierliebe geleiteter sogenannter „Walschützer“ auszuräumen.

    Der Wal selbst steht vor einer historischen Entscheidung: Will er wie bisher fröhlich und gedankenlos in den Tag hineinleben, seine ulkigen Lieder pfeifen und auf das Aussterben warten? Oder ist er endlich bereit, Verantwortung für sich und den ganzen Planeten zu übernehmen und sich Seite an Seite mit seinem besten Freund, dem Menschen, dem Klimawandel und der Abhängigkeit von arabischem Öl und russischem Gas entgegenzustellen?

    Eine bessere Welt ist möglich. Wir haben die Wahl. Denn wir haben den Wal!

    7. Nachhaltiges Liebesgedicht

    Nach Halt ich sehnt mich in der Welt
    nach Antworten und Trost für mich
    Ich fand sie nicht in Ruhm und Geld
    hab lang die Frage falsch gestellt
    doch dann trat aus dem dunklen Wald ich
    und fand auf der Such nach Halt – Dich