Kategorie: Nachrichten aus der Scheinwelt

  • Tröstlich: Krieg überwiegend positiv

    In einem Telepolisartikel las ich ein aus der taz übernommenes Zitat von Generalleutnant a. D. Jürgen Schnell, Hochschullehrer für die Bundeswehr:

    Wenn der Krieg von Anfang an zur Geschichte der Menschheit gehört, dann ist anzunehmen, dass der Krieg überwiegend positive Funktionen erfüllt. Wäre es nicht so, dann hätte die Evolution sicherlich längst dafür gesorgt, dass der Krieg als Phänomen verschwunden wäre.

    Dieses Argument ist uralt, in seiner Dussligkeit aber immer wieder erstaunlich. Man braucht nur „Krieg“ durch „Popeln in der Öffentlichkeit“ ersetzen (oder durch „Kindesmissbrauch“, „Unfug reden“, „Schweißfüße“ etc.), um zu sehen, was das für ein Quark ist. Weiter:

    Die Natur ist offensichtlich von A bis Z auf Wettbewerb angelegt, und Kriege sind ihrem Wesen nach spezifische gewaltsam ausgetragene Formen des Wettbewerbs zwischen sozialen Großgruppen.

    Das ist nichts weiter als Sozialdarwinismus – für mich eine der inhumansten Gesellschaftstheorien überhaupt, weil sie letztlich das Menschsein an sich abstreitet, den Menschen zum Tier und das Töten oder Verhungernlassen dieser zweibeinigen Tiere zu einer aus Naturgesetzen resultierenden Notwendigkeit erklärt. Für Militärs (oder Neoliberale) muss es freilich schön sein, sich selbst als Vollstrecker des Willens der Natur betrachten zu können.

    (Volker Strübing)

  • Lieber ein dicker Gogo-Dancer als Kassel-Wilhelmshöhe

    (Geschrieben am Freitag, dem 27.10.06)

     

    Neulich habe ich das erste Mal für Geld in einer Bar getanzt. Man darf ja keine zumutbare Arbeit ablehnen. Die Bezahlung war beschissen – knapp 0,03 € pro Stunde, aber dafür war es auch kein Problem, beim Tanzen Pizza zu essen, Emails zu schreiben und ein Paket abzuholen, weil mein Second-Life-Avatar das Rumgehüpfe für mich übernommen hat.

    Second Life (SL) ist, kurzgesagt, eine Mischung aus Chatroom und 3D-Simulation; der Avatar ist die Spielfigur, die man darin steuert, und deren Aussehen man selbst bestimmen kann. Eine schöne Einführung gibt es hier, eine Selbstbejubelung des Entwicklers Linden Labs hier.

    In dieser virtuellen Welt gibt es auch eine virtuelle Währung. Einerseits ist es irgendwie schade, dass das „zweite Leben“ nach den selben ökonomischen Regeln wie das erste funktionieren soll, andererseits ist eine virtuelle Welt mit virtuellem Geld natürlich sinnvoller, als eine reale Welt mit virtuellem Geld. (Gegen die Wahnvorstellung, das Geld im echten Leben sei real, hilft zum Beispiel „Das Wesen des Geldes“ von Egon W. Kreutzer)

    Das Geld in Second Life heißt Lindendollars. Die bekommt man, in dem man Geld von seinem Konto im ersten Leben an sein Second-Life-Konto überweist, indem man Dinge innerhalb von Second Life an andere Spieler verkauft (z.Bsp. virtuelle T-Shirts für die Spielfiguren) oder indem man dort … arbeitet. Letzteres ist der denkbar schechteste Weg, um es zu einem zweiten Leben in Reichtum zu bringen, zumindest, wenn man wie ich keine besonderen Qualifikationen vorweisen kann (noch so eine Analogie zur echten Welt, auch wenn der Edeka-Chef das anderes sieht). Aber wie gesagt, die Arbeit war nicht besonders anstrengend, da ich sie an meinen Avatar deligieren konnte, der auch viel besser tanzen kann als ich. (Dafür sehe ich im echten Leben besser als im zweiten aus. Bei all den Idealkörpern, die in SL rumlaufen, dürfte das nicht auf alle Mitspieler zutreffen.)

    dancing.jpg

    In irgendwelchen Clubs stehen Tanzplattformen, da klickt man drauf, und schon fängt der Avatar an zu tanzen. Nach 10 Minuten bekommt er dafür 2 Lindendollars gutgeschrieben. Die Besitzer dieser Clubs haben diese Plattformen wahrscheinlich installiert, um Leute in ihren Club zu locken, die dann auch Lindendollars dort ausgeben für … was weiß ich.

    Interessant ist, dass man das Second-Life-Geld zu ständig schwankenden Kursen in First-Life-Geld umwandeln kann – spätestens jetzt wird klar, dass wir es auch im Alltag nur mit Spielgeld zu tun haben. Leider ist der Wechselkurs bisher so ungünstig, dass man das Problem der Armut in der realen Welt noch nicht durch die Tanzplattformen in SL lösen kann.

    Einer der wichtigsten Aspekte bei SL ist der Chat mit den anderen Mitspielern. Aber damit habe ich noch so meine Probleme: Meinen ersten Second-Life-Chat (den zweiten Chat meines Lebens überhaupt) hatte ich kurz nach dem Einstieg in die Spielewelt mit zwei Avataren, deren menschliche Besitzer/Steuerleute/Entpsrechungen (ich nenn sie der Einfachheit halber mal Real-Life-Avatare 😉 auch aus Deutschland kamen. Nach wenigen Minuten fand ich mich in ein Gespräch über den Braunschweiger Hauptbahnhof verwickelt. Also, wenn das mein zweites Leben sein soll … Ich musste an ein Lied von (ich glaube) Goethes Erben DEine Lakaien (danke an Tube, für den Hinweis) denken: „Reincarnation / the torture never ends / Reincarnation / our bloody faith“. Naja. Wenigstens ging es nicht um den Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe, den allerallerhässlichsten Bahnhof Deutschlands.

    Im echten Leben bin ich vorhin durch den Braunschweiger Hauptbahnhof gefahren und später (leider) in Kassel-Wilhelmshöhe umgestiegen. Bin gerade unterwegs nach Marburg zum Dead or Alive Poetry Slam. (Nachtrag, Dienstag, 31.10.: Bin längst zurück. War toll! Hab gewonnen!) Jetzt sitze ich in einem Regionalexpress und der Akku ist gleich alle, darum: Genug für heute. Warum ich mich überhaupt mit Second Life beschäftigt habe, schreibe ich ein andermal. Oder auch nicht.

    (Volker Strübing)

  • Feminismus immer merkwürdiger

    Weil sich Zeitschriften für Frauen ständig mit Diäten beschäftigen ist es nur folgerichtig, dass sich das politische Magazin von Frauen EMMA mit Diätwahn beschäftigt. Ein Interview mit einem Ernährungswissenschaftler namens Pollmer. Der ist gegen Ernährungsberaterinnen, weil seine Ernährungs-Philosophie besagt, dass man schlicht und einfach essen soll, was und soviel man will, denn der Körper weiß selbst, was gut für ihn ist und was nicht. Wenn Pollmer sagt Ernährungsberaterinnen, dann meint er auch die weiblichen Vertreter der Zunft, und sei es als die gute Fee von der Ernährungsberatung mit ihrem langen, dürren Finger. Ich dachte ja immer, bei der EMMA seien das kapitale Binnen-I oder eine weibliche Form für den Plural Standard oder Norm (immerhin spricht die Interviewerin von zuständigen Ministerinnen), aber das ist wahrscheinlich nur so ein Klischee, außerdem ist es ja Pollmer, der so redet: Opfer der Ernährungsberatung sind nämlich Patienten und jeder dritte Deutsche. Dem Pollmer lässt die EMMA schon einiges durchgehen, die Feministin in mir (ja auch ich habe eine weibliche Seite meiner Persönlichkeit, irgendwer muss ja ab und zu mal saubermachen – Entschuldigung, is´n Witz) murrt nun doch etwas. Erst Recht bei dem schönen Satz: In einen Kindergarten gehört keine dürre Ernährungstussi, sondern eine gestandene Köchin! Aber wer Essen propagiert, wie in der Nachkriegszeit, der hat wahrscheinlich auch ein dazu passendes Bild von den Geschlechterrollen. Oder? Doch stimmt, gleich am Anfang des Interviews steht es:

    EMMA: Herr Pollmer, darf Ihre fünfjährige Tochter essen, was sie will?

    Pollmer: Natürlich. Sie liebt Pommes. Meine Frau müht sich redlich, den Speiseplan zu verbreitern, aber sie bekommt ihre Pommes trotzdem in vergleichsweise hoher Dosis.

    Das ist nun wirklich süß. Schönen Gruß an dieser Stelle an Frau Pollmer. Wahrscheinlich kann sie einfach wirklich besser kochen als ihr ernährungswissenschaftlicher Gatte. Möglicherweise ist das ja genetisch bedingt? So wie auch diese vielbeschworene Geschlechtersolidarität unter Frauen, die hier mal zu einem wirklich hübschen und wohl unbewussten Brückenschlag geführt hat, von der EMMA zu Eva Herman, die ja verbreitet, Frauen seien viel eher in der Lage, Apfelkuchen zu backen. (Die Texte zu E.H. sind von H. Werning, deren Geschlecht noch strittig ist.)

    (Andreas Krenzke)

  • Wie kann ich nur über so etwas schmunzeln?

    Schilt man mich darob auch einen Zyniker, ich schmunzelte heute beim Anblick der BZ-Schlagzeile: „Wie können deutsche Soldaten so etwas perverses tun?“ Es ging um die „Schädel-Schande.“ Also wirklich! Deutsche und Soldaten sind doch von jeher als Hüter höchster ethischer Standards bekannt, ich sag mal zumindest europaweit.

    (Andreas Krenzke)

  • Ficken … ach nee: Pillen schlucken für den Frieden

    Bizarre Werbung im Spiegel: Der ratiopharm-Chef Dr. Merckle hat eine Initiative namens WORLD IN BALANCE gegründet. Laut Website gehts wohl um Weltverbesserung, ein Anliegen, das ich lobenswert finde, obwohl man natürlich noch rausfinden müsste, wie er sie zu verbessern gedenkt. Auch Hitler war ja aus seiner eigenen Sicht heraus in Sachen Weltverbesserung unterwegs – aber keine Sorge, Dr. Merckle hat einen ganz anderen und deutlich sympathischer klingenden Ansatz. Irgendwas mit Äthiopien und Zukunft für Menschen und so (ich bin jetzt zu faul, die Website durchzuarbeiten).

    Aus der Anzeige ging das Anliegen des Projektes jedenfalls nicht hervor. Da wurde nur rumposaunt, das ganze klang sehr unverbindlich und ein bisschen größenwahnsinnig – ich habe mich gefragt, warum er nicht gleich UNIVERSUM IN BALANCE gegründet hat. Wenn man schon große Brötchen bäckt, dann richtig!

    Es wurde ein bisschen palavert über einen ersten Partner, den WIB jetzt schon habe, und dann kam folgendes:

    (blablabla) … verschiedene Projekte … (blabla) … erstfinanziert von Dr. Merckle (ratiopharm) …, an denen sich die Bevölkerung durch den Kauf von ratiopharm-Produkten beteiligen kann.

    (Hervorhebung und blabla von mir)

    Super Idee! Bevölkerungsbeteiligung durch Konsum! Könnte man so nicht die ganze Demokratie organisieren? (Ist sie vielleicht schon so organisiert?) Gilt übermäßiger Alkoholkonsum ab sofort als humanitäre Hilfe, wenn man den Kater mit ratiopharm-Produkten behandelt?

    Ich gründe hiermit die Initiative WELT OHNE WERBUNG, an der man sich durch den Kauf dieser hervorragenden Produkte (besser als herkömmliche Bücher!) beteiligen kann.

    Die Anzeige ging noch weiter:

    …, an denen sich die Bevölkerung durch den Kauf von ratiopharm-Produkten beteiligen kann. Die Menschen können sich auch in anderer Art einbringen.

    Puh. Na dann. Partizipation ist zur Not auch ohne Kaufen möglich. Für WELT OHNE WERBUNG gestatte ich hiermit auch die Selbsteinbringung in Form von Werbung im Freundes-/Bekannten-/Passanten-/Weltbevölkerungskreis für die oben verlinkten Produkte.

  • Mein erster Leserbrief

    Ich bin ja, wie wahrscheinlich alle von der Liga für Kampf und Freizeit, ein Anhänger der Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen (BGE), Bürgergeld, Existenzgeld oder wie immer man das nennen mag. In der noch aktuellen Konkret (10/2006) ist ein gewisser Felix Klopotek 3 Seiten lang mit fragwürdigen Argumenten dagegen (Hartz IV für alle, S.15ff). Das hat mich zu meinem allerersten Leserbrief inspiriert. Hier ist er:

    Leserbrief zu 10/2006: Felix Klopotek, Hartz IV für alle.

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Klopotek kritisiert die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen mit ihrerseits kritikwürdigen Argumenten. Hier nur ein Hinweis: Wenn er vorschlägt, die „gigantische Kraftanstrengung aller Ausgebeuteten“, der es bedürfe, ein BGE einzuführen, „gleich für eine Neuordnung der gesamten Ökonomie“ einzusetzen, so sollte er doch bitte gleich umreißen, wie eine solche neu geordnete Ökonomie aussehen sollte. Sie sollte nämlich auf alle Fälle, ein BGE beinhalten. Eine andere Gesellschaftsordnung ist nur dann eine bessere, wenn sie den Zwang zur Lohnarbeit beseitigt.

    Andreas Krenzke
    Berlin

    Ich habe mich extra kurz gefasst, vielleicht wird er ja abgedruckt. Andererseits habe ich im Original natürlich Harz IV geschrieben. Wie Peinlich! Besonders wo man bei der Konkret doch immer den Eindruck hat, sie werde von Lehrern geschrieben und gelesen. Andere Linke, in anderen Ländern, wünschen sich eine Maschinenpistole, der deutsche Linke wünscht sich einen Rohrstock. Zumindest kommt mir das beim lesen solcher Zeitschriften oft so vor. Na ja, wenn sich jemand in der Redaktion ärgert, und sei es nur über meine Orthographie, ist ja zumindest schon mal was erreicht. Ich habe mich über den Artikel ja auch geärgert.

    (Andreas Krenzke)


  • Die Unterschicht hat´s gut: Ohne Geld ist auch das kein Problem

    Nächstes Jahr sollen Läden rund um die Uhr geöffnet sein dürfen, außer Sonntags. Ich kann mein Glück kaum fassen. Jetzt kann ich bald zu ganz anderen Tages- oder Nachtzeiten feststellen, dass es nie das gibt, was ich gerade brauche, sondern immer nur irgendwelche sinnlosen Produkte. Na gut: fast immer. (Siehe hier.) Trotzdem!

    (Andreas Krenzke)

  • Neulich im Steinbruch

    Beim Warten auf die Pizza beim Italiener um die Ecke habe ich den Stern 42/06 durchgeblättert und bin auf ein Interview mit Alfons Frenk, Chef von Edeka und 200.000 Mitarbeitern gestoßen, bei dem mir der Appetit gleich wieder vergangen ist.

    Neidisch muss keiner sein oder mir gar Missgunst entgegenbringen. Mein Berufsweg war harte Arbeit, Engagement, Leistung (haut auf den Tisch) und Leistungsdruck (haut auf den Tisch) und psychische Belastung (haut auf den Tisch). Vielleicht gepaart mit ein wenig Denkvermögen.

    Leisten die 200.000 Angestellten, die für ihn mehr als 30 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften, nichts? Ist es keine harte Arbeit, jeden Tag hinter einer Kasse zu sitzen oder Paletten einzusortieren und nebenbei vielleicht noch allein ein Kind großzuziehen? Ist das keine psychische Belastung, und stehen diese Leute nicht unter Leistungsdruck? Der Rest des Interviews deutet darauf hin, dass Herr Frenk seinen Angestellten durchaus alles abzuverlangen gewillt ist …
    Wenn aber die Verkäuferin genauso hart und engagiert und unter Druck arbeitet, wie er – wieso sollte sie dann nicht neidisch sein, dass er seine Kinder auf Eliteschulen schicken kann, ein schönes Haus hat und sich auch im Falle plötzlicher Arbeitslosigkeit bestimmt keine Sorgen um sein Auskommen machen muss? Weil ihnen das „Denkvermögen“ abgeht, dass er für sich reklamiert?

    In dem Film „We feed the World“ begründet Nestlé-Chef Brabeck die Geschäftspolitik des Konzerns unter anderem so: Wir tragen Verantwortung! 2 Millionen Angestellte und ihre Angehörigen sind von uns abhängig! (Gedächtniszitat)

    Ist das so? Waren die Sklaven eigentlich von ihrem Sklavenhalter abhängig? Könnte man es nicht auch umgedreht betrachten und fragen, ob nicht er und vor allem sein Wohlstand von der Arbeit der Angestellten abhängig sind?

    neulich_im_steinbruchgif.gif

    PS: Alfons Frenks Kinder haben übrigens zum 18. Geburtstag keine Autos geschenkt bekommen, und wenn er auf Geschäftsreise geht, nimmt er von seiner Frau geschmierte Stullen mit. Sagt er im Interview. Das soll der Neiddebatte wahrscheinlich endgültig den Boden entziehen und ihn irgendwie sympathischer machen. Bei mir erreicht er damit das Gegenteil: Wenn jemand viel Geld hat und es angeblich garnicht verwenden kann, werde ich erst recht missgünstig und finde, er sollte es jemandem geben, der es sinnvoll einsetzt. Mir. Ich würde viele tolle, sinnlose Sachen kaufen, nie mehr geschmierte Stullen essen, mir Angestellte leisten, die meine Notizbücher abtippen und überhaupt viel Freude daran haben.

  • Telefonterror – ein Gedächtnisprotokoll des Grauens

    1. Akt

    Volker: (wählt 0800 3301020)

    Roboterfrau: (euphorisch) Guten Tag und herzlich willkommen zum Privatkundendienst der T-Com. Ich möchte Ihnen ein paar kurze Fragen stellen, um den passenden Ansprechpartner für Ihr Anliegen zu finden. Haben Sie Fragen zu Ihrer Rechnung …

    Volker: (drückt die Taste 1, nicht wissend, dass die T-Com auf Sprachsteuerung umgestellt hat)

    Roboterfrau: … möchten Sie näheres über die Angebote der T-Com wissen oder …

    Volker: Häh?

    Roboterfrau: (bricht ab und schweigt)

    Volker : (drückt noch einmal die 1 und starrt auf sein Handydisplay)

    Roboterfrau: (geduldig) Ich habe Sie leider nicht verstanden. Haben Sie Fragen zu Ihrer Rechnung, möchten Sie näheres über die Angebote der T-Com wissen oder …

    Volker: Äh, ich …

    Roboterfrau: (bricht ab und schweigt, analysiert Volkers letzte Äußerung und kommt zu dem Schluss:) Ich habe Sie leider immer noch nicht verstanden. (begütigend:) Am besten ich verbinde Sie mit einem Servicemitarbeiter.

    Volker: (fragt sich, was sie getan hätte, wenn er ihre Fragen zufriedenstellend beantwortet hätte – ihn möglicherweise mit einem Servicemitarbeiter verbunden?)

    2. Roboterfrau: Um die Kundenzufriedenheit mit dem Serviceangebot der T-Com zu erhöhen, bitten wir sie, nach dem Gespräch in der Leitung zu bleiben und ein paar kurze Fragen zu beantworten.

    Telekom-Jingle: (erklingt)

    Verbindung: (bricht ab)

    Volker: (starrt sein Handy an, wählt dann erneut 0800 3301020)

    (mehr …)

  • Wissenswertes (2) – Die Opernabsetzung

    Die Opernabsetzung ist eine innovative und wirkungsvolle Methode der Terrorprävention, bei der man den Terroristen die Grundlage ihres Handelns zu entziehen versucht. Weitere Maßnahmen sind ernsthaft zu diskutieren.

    Gleichzeitig muss der Kampf gegen Neonazis intensiviert werden, indem sich die großen Volksparteien verstärkt deren Thematik zu eigen machen, um der NPD Wählerstimmen zu entziehen.

    clever1.gif

    PS: Ich weiß, dass das ungerecht ist. Ich möchte nicht in der Haut der Opernintendantin stecken. Und hätte sicher genauso wie sie gehandelt. Wenn einem das Landeskriminalamt schreibt, dass die Aufführung «eine Gefährdungslage mit schwer abzuschätzenden Folgen für die öffentliche Sicherheit und Ordnung» bedeutet, ist man plötzlich nicht nur für ein Kunstwerk, sondern für Menschenleben verantwortlich. Die Gefährdung für die Freiheit der Kunst geht nicht von Frau Harms aus. Auch möchte ich ihre Entscheidung nicht in irgendeine ideologische Nähe zum Stimmenfang im rechten Lager rücken. Es sind nur beides Symptome für eine gruselige Hilflosigkeit im Umgang mit existentiellen Gefahren für die Demokratie (wozu ich auch die freie, ungehemmte Marktwirtschaft zählen würde Edit: Sorry, anderes Thema).