Kategorie: Nachrichten aus der Scheinwelt

  • SpiegelBild

    Keine Zeit! Muss was für heute Abend machen. Darum statt nem eigenen Text nur ein Link zu einem Artikel In Heiko Wernings Reptilien-Blog. Eine schön geschriebene und absolut berechtigte Abrechnung mit der Spiegel-Titel-Story „Die große Klima-Hysterie“

    Die SPIEGEL-Titelgeschichte verbreitet keineswegs falsche Fakten – sie ist nur ein Meisterstück infamer Demagogie. Denn sie zupft sich Dutzende von komplett aus dem Zusammenhang gerissene Einzelinformationen, garniert sie mit ein paar Außenseitermeinungen, wählt von mehreren denkbaren Szenarien immer das Günstigste und macht die Stoßrichtung dann sprachlich klar: So werden aus Wissenschaftlern mit Thesen jenseits der fachlichen Mehrheitsmeinung eben plötzlich jene „kühlen Köpfe“ oder „Besonnene“, während alle, die nicht so recht glauben mögen, dass eine Klimaerwärmung so glimpflich oder gar positiv ausgeht, eben mit abwertenden Hysterie-Vokabeln überzogen werden. Dazu ein kräftiger Schuss Zynismus: „Zweifellos wird es Verlierer des Wandels geben – aber eben auch Gewinner“, und fertig ist das rebellische Anti-Mainstream-Meinungsstück.

    Gibts eigentlich sowas wie Bildblog für den Spiegel?

    Übrigens – Zufall? Synchronizität? Verschwörung? – sitze ich gerade am zweiten Teil von Kloß und Spinne, in welchem die beiden über die Erderwärmung diskutieren … mal gucken, ob ich bis heut Abend eine Rohfassung hinkriege.

    (Volker Strübing)

  • Dann lieber Depressionen

    weltlachtag.jpg

    Ist das nicht unfassbar grauenvoll? Humor- und Spaß-Experten an Infoständen! Klinik-Clowns! Duftige WC-Jonglierkunst!?!?! Bis einer heult!

    (Volker Strübing) 

  • 2.Mai – Kampftag der Arbeitslosen?!

    Natürlich habe ich mir die von den Surfpoeten (aka „Liga für Kampf und Freizeit“) initiierte Demo zum 2.Mai, dem internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen angeschaut. Dabei habe ich mir gleich das von ihnen geforderte Recht auf Faulheit herausgenommen und bei einem Kaffee vor den Schönhauser Allee Arcaden darauf gewartet, dass die Demo bei mir vorbeikommt …

    Tja, was soll ich sagen. Ahne hat eine sehr schöne Rede gehalten, die etwa 50 Demonstranten hatten gute Laune und die Welt wurde wieder einmal nicht verändert. Klar,das war abzusehen, und das ist auch noch lange kein Grund, es nicht zu versuchen, aber, naja, mal ehrlich, mehr als ein Spaß ist das Ganze eben doch nicht. Und das obwohl einige es durchaus ernst meinen und nicht nur schöne Parolen („Mein Freund ist Roboter!“), sondern auch Konzepte haben. Dennoch bleibt es – zumindest in der Außenwahrnehmung – wohl immer ein Spaßveranstaltung von Künstlern, Lebenskünstlern und Studenten für ihresgleichen. Das heißt ja nicht, dass es deshalb schlecht wäre.

    Während der Zwischenkundgebung mit Reden und dem Gebet gegen die Arbeit vor den Allee Arcaden habe ich eine Gruppe von drei jungen – ich nehme an türkischen – Mädchen beobachtet, die die stehengeblieben waren, und sich das Spektakel – na gut, bleiben wir ehrlich: Das Spektäkelchen 😉 – angeguckt haben. Sie knatschten lautstark und mit einseitig hochgezogenen Oberlippen Kaugummi (Hm, kann man sich das bildlich vorstellen? Denkt einfach an die Billy-Idol-Flappe), die Arme verschränkt oder in die Hüften gestützt, die nackten Kinderbäuche nach vorn geschoben. Als sich die Demo wieder in Bewegung setzte, riefen sie „Faules Pack!“ und „Die sollen sich mal bloß verpissen!“ und verpissten sich ihrerseits in Richtung H&M. Ich selbst hatte mich abseits gehalten. Ehrlich gesagt, wäre ich mir komisch vorgekommen, da mit rumzustehen und das Gebet gegen die Arbeit entweder mitzuskandieren.
    Neben mir standen zwei Männer Mitte zwanzig, entweder Studenten oder „Ich mach da grad so ein Projekt“-Menschen, die den Sinn der Demo genauso missverstanden hatten wie die migrationshintergründlichen Proll-Mädchen: „Böh, ich kanns nicht mehr hören, dieses ‚Arbeit ist Scheiße’“. Diese Interpretation der Forderungen hört man recht häufig und man muss natürlich sagen, dass die Surfpoeten diesem Missverständnis schon allein durch das Gebet großen Vorschub leisten. Ich tue mich deshalb auch schwer damit, mich in ihre 2.Mai-Demo einzureihen (bzw. lasse es einfach bleiben), obwohl ich eigentlich ganz ihrer Meinung bin.

    So. Jetzt wäre der richtige Moment, um zu erklären, um welche Meinung es sich handelt, aber ich bin gerade zu faul. Vielleicht treibt dieser Bericht ja meinen geliebten Mitblogger zu einer Gegendarstellung und weiteren Ausführungen.

    (Volker Strübing)

    PS: Bin ich jetzt wenigstens der erste, der darüber berichtet?

  • Geld = Einwickelpapier für Wohlstand

    Ein ärgerlicher Kommentar bei Spiegel Online über das bedingungslose Grundeinkommen. Ärgerlich, weil der Autor Carsten Schneider, haushaltspolitischer Sprecher der SPD- Fraktion im Bundestag, scheinbar nicht verstanden hat, worum es beim Grundeinkommen geht, und weil er in erster Linie Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) angreift. Nun hat dieser zwar ein wirklich inakzeptabel niedriges Grundeinkommen unter Harz-IV-Niveau vorgeschlagen, aber auch alle anderen Konzepte werden von Schneider pauschal abgelehnt als: unfinanzierbar, kaum umsetzbar – und zutiefst unsozial.

    Mit unsozial meint er: „Die Verfechter des Grundeinkommens hingegen wollen die Säulen der Sozialversicherung (Rente, Arbeitslosigkeit, Pflege, Unfall) einfach niederreißen, die Fürsorgesysteme und Maßnahmen zur Arbeitsförderung einstellen.“ Natürlich, denn wer braucht Rente, Arbeitslosengeld und so weiter, wenn er ein Grundeinkommen hat? Und das auch Studierende, Hausfrauen und -männer sowie Kinder ein Grundeinkommen bekommen sollen, ignoriert Schneider. Weiterhin stört ihn, dass: „auch diejenigen Bürger zu Transferempfängern (würden), die das Geld überhaupt nicht benötigen.“ Ja, das hat man bei der letzten Regierungskoalition und ihren Sozialreformen schon beobachten können, dass die Genossen Sozialdemokraten sich gern darüber die Köpfchen zerbrechen, wer überhaupt wie viel Geld benötigt. Damals mussten sich viele ärmere diese Frage gefallen lassen – und zwar in der Praxis. Jetzt sind eben die reicheren dran – allerdings nur in der Theorie. Um ehrlich zu sein: ich gönne es der SPD nicht, die Frage, wer wie viel Geld benötigt, zu beantworten, egal um wen es dabei geht. Auch darum finde ich ein Grundeinkommen so chic.

    Kaum umsetzbar ist ja nun nicht so richtig ein Argument. Genau so wenig wie die Behauptung: „Die Befürworter des Grundeinkommens unterstellen, dass Vollbeschäftigung ein Wunschtraum ist. Das ist nachweislich falsch: Die Erwerbsquote in anderen europäischen Ländern ist viel höher als bei uns.“ Nachweislich falsch, bei einer Arbeitslosenquote von 7,6 % in der Eurozone?

    Und unfinanzierbar? Das berührt den interessantesten Punkt. Es geht nie um die Produkte, die mit dem Grundeinkommen gekauft werden würden. Die Warenhäuser sind voll und die Parkplätze, die Wohnungen sind gebaut. Es gibt alles, und von allem genug. Das einzige Problem ist die Finanzierbarkeit: Wo soll das Geld dafür her kommen? Es fehlt nicht der Wohlstand, nur das Geld, ihn zu bezahlen. Wir haben genug Wurst, bloß nicht genug Papier zum einwickeln. Na wenn das das ganze Problem ist!

    (Andreas Krenzke)

  • Deutsche Linke immer schrulliger!

    Vor der finalen Entsorgung des Altpapiers im Blauen Container noch mal in den Karton mit den alten Zeitungen geguckt und in der noch aktuellen Konkret folgenden schönen Satz in einem Leserbrief gefunden: „Sozialismus ist, wenn alle laufruhige, sparsame, sichere, rückenkomfortable, ja auch ästhetische Autos fahren – und nicht, wenn alle Trabi oder Toyota fahren!“ Sozialismus mit menschlichem Antlitz für den westdeutschen Mittelstand? Jetzt noch eine griffige Definition für Frieden, und ich kaufe meinen Kindern vielleicht doch noch mal blaue Halstücher. Seid bereit!

    (Andreas Krenzke)

  • Haben Sie Ufo`s?

    Es wird alles immer merkwürdiger. Eigentlich sollte ich jetzt im Zebrano-Theater bei Sebastian Krämers „Förderverein Genie & Wahnsinn“ auftreten (er hat mir aber nicht verraten, in welcher der beiden förderungswürdigen Kategorien), aber die Veranstaltung ist wegen einer Erkrankung ausgefallen – hoffentlich nichts schlimmes. Ansonsten wäre sie wahrscheinlich wegen wetterbedingtem Zuschauermangel ausgefallen. Mir ist das gar nicht so unrecht, ich muss sowieso noch ein bisschen über dieses, in Hamburg gesehene Schild nachdenken, bevor ich mich wieder unter Menschen begeben kann:

    quilten.jpg

    Inzwischen habe ich wenigstens in Erfahrung gebracht, was ein Quilt ist, aber als ich das Schild (ha! Schild, reimt sich auf Quilt, habt ihr das bemerkt?! Schild – Quilt – Zufall???), ähm, gestern sah, war es für mich absolut unverständlich und wahnsinnig. Jetzt ist es … naja, eigentlich immer noch unverständlich und wahnsinnig. „Haben Sie Ufo’s?“ – Ja wie jetze, gebrauchte, oder was? Wenn ich eins hätte, würde ich es nutzen, um schnellstens diesen Planeten zu verlassen, auf dem ich mit Leuten zusammengesperrt bin, die mir „Wir quilten gern für Sie auf der Langarm-Quiltmaschine“ zuraunen !

    Dem Wort Quilt bin ich übrigens doch schon einmal begegnet, ohne mir über seine Bedeutung Gedanken zu machen. Dachte, das ist halt irgend so eine Wortschöpfung. Auf dem Cartoonblog beetlebum.de bin ich auf das wunderbare (echt jetze!) Projekt Zoomquilt gestoßen. Was das ist, beschreibt Johannes Kretzschmar von beetlebum, in diesem Artikel. Oder ihr guckt es euch einfach an und staunt.

    (Volker Strübing)

  • Wie man sich über alle Sex-Autorinnen hinaushebt

    Vorhin beim frühstücklichen Blog-Surfen bei wirres.net über Ariadne von Schirach gestolpert, die ein Buch über Sex in der Großstadt oder so geschrieben hat, und über deren Buchpremierenparty Bild.de schreibt:

    Ariadne von Schirach (28) aus Berlin, studierte Philosophin – die schöne Enkelin von Hitlers Reichsjugendführer Baldur von Schirach (1907–1974). Sie hat ein Skandalbuch* geschrieben, über das Kultur-Deutschland erregt diskutiert.
    Es erzählt von Gier – und ihrer ewigen Suche nach Sex.
    […]
    Was hätte der Opa der Autorin wohl dazu gesagt? Baldur von Schirach war einer der schlimmsten Nazi-Verbrecher, als Reichsstatthalter in Wien verantwortlich für die Deportation von 185 000 Juden.
    Junge arische Mädchen ließ er brav in weißer Bluse und schwarzem Rock aufmarschieren („Bund Deutscher Mädel“). Die Enkelin „distanziert“ sich von dem furchtbaren Verwandten und weiß doch, dass diese düstere Familiengeschichte sie über alle Sex-Autorinnen hinaushebt.

    Muss man sich das so vorstellen, dass sie jedesmal mit den Fingern kleine Anführungsstrichelchen andeutet und mit den Augen zwinkert, wenn sie sich von Opi „distanziert“? Nee, sicher nicht. Entweder der Autor ist wirklich so doof, dass er das versehentlich falsch gemacht hat, oder er dachte, dass die Leser das so gewohnt sind, weil sie ständig an irgendwelchen Imbissbuden Schilder sehen mit Aufschriften wie:

    „Leckere“ Würstchen

    Aber „dass diese düstere Familiengeschichte sie über alle Sex-Autorinnen hinaushebt“ ist doch wirklich eine bizarre Aussage, oder? Das klingt wie: „Jetzt neu: Ariadne von Schirach! 185.000 mehr von einem Familienmitglied deportierte Juden als herkömmliche Sexautorinnen!“

    Naja. Bild eben. Da kann man schließlich ein ganzes Blog drüber schreiben.

    (Volker)

  • Hitler? Was hat der gleich nochmal angestellt?

    Es war ein kleines Skandälchen, eher skurril als wirklich empörend, was Spiegel Online am Dienstag berichtete: Bad Doberan, in dessen Ortsteil Heiligendamm bald der G8-Gipfel stattfinden soll, führt Adolf Hitler noch immer als Ehrenbürger. Selbstverständlich nicht, weil man dort der Meinung wäre, dass er das verdient hätte (na gut, irgendwann war man anscheinend einmal dieser Meinung gewesen, und ich fürchte, dass es dort wieder Leute gibt, die dieser Meinung sind), sondern aufgrund bürokratischer Schlamperei.

    Wie gesagt, ich habe eher über die Provinzposse geschmunzelt, als mich in irgendeiner Form darüber aufzuregen. Aufgeregt habe ich mich dann aber doch (mehr …)

  • Unsterblich betrunken

    Aus Mensch+Gesundheit 4/2006, „Regelmäßige Beilage In Ihrer Tageszeitung“ (Man sagt salopp auch Scheißwerbescheißbeilagenscheiße zu so was), S. 4 unter der Überschrift „Ein Gläschen In Ehren“:
    „Moderater Alkoholkonsum schützt ältere Frauen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Durchblutungsstörungen. Dies ist das Ergebnis einer australischen Langzeitstudie, die 12.000 Frauen über 70 Jahre sechs Jahre lang begleitete. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine italienische Studie unabhängig vom Alter. Demnach senkt ein moderater Alkoholkonsum (zwei Gläser Wein oder Bier pro Tag) die Sterblichkeit um 18 Prozent.“
    Also wenn das so ist, dass die Sterblichkeit um 18% gesenkt wird, dann gehe ich jetzt noch mal zum Spätverkauf, wenn mich das der Unsterblichkeit näher bringt. Oder müsste ich dazu eine Frau sein?
    (Andreas Krenzke)

  • Gibt’s sowas auch für Weblogs?

    (gefunden via telepolis)

    Welcome to FakeYourSpace.com! You have found a new and exciting service which offers help to all the men and women out there who don’t feel like they are popular enough on social networking sites

    Soviele einsame Menschen auf der Welt. Zum Glück gibt es das Internet und die sozialen Netzwerke, wo man trotz starkem Körpergeruch, ätzender Stimme und genereller Unerträglichkeit Freunde finden kann … wenn es dann allerdings selbst dort nicht klappt, dann ist guter Rat teuer die Lösung ebenso einfach wie preiswert: Die Seite Fakeyourspace.com bietet virtuelle Freunde für das myspace-Profil an. Das Basispaket kostet nur 99 Cent im Monat und beinhaltet einen Freund oder eine Freundin, die man sich aus einem Bildkatalog aussuchen kann. Im Preis inbegriffen sind pro Woche zwei Kommentare dieses Freundes. Ein größerer Freundeskreis wird dementsprechend teurer, aber wer wird schon auf’s Geld gucken, wenn es um Feundschaft geht.

    Laut Telepolis-Artikel ist dieser Service für „Angehörige des visuellen Prekariats“ gedacht, was eine sehr hübsche Formulierung ist.

    Die virtuellen Freundinnen und Freunde gehören nicht zum visuellen Prekariat – eher zum amerikanischen Porno-Proletariat: Silionbrüste oder -muskeln sind Pflicht (na gut, letztere stammen vielleicht auch aus der Muckibude):

    If you are tired of seeing everyone else with the hottest friends and want some hotties of your own, then this is the place for you.

    Mal gucken, ob das ganze zu einer Art Wettrüsten führt: Wer hat die heißesten Freunde? Da können die echten Freunde irgendwann wahrscheinlich nicht mehr mithalten und müssen zugunsten der riesenbrüstigen oder muskelbepackten FakeFriends abgeschafft werden. Aber das fällt dann unter Dachschaden Kollateralschaden.