Kategorie: Nachrichten aus der Scheinwelt

  • Kann mir bitte jemand erklären, was ich mit diesem Posting sagen will?

    Gestern Nacht beim Zähneputzen vor dem Schlafengehen haben meine Gedanken noch einen Purzelbaum geschlagen und eine ebenso falsche wie schöne Theorie aufgstellt, die ich unbedingt der Weltöffentlichkeit mitteilen muss!

    Ich muss ein bisschen ausholen. Nachdem ich die letzten Tage vor allem damit zugebracht habe, im Wettstreit mit meinem Nachbarn vor dem Computer zu glucken oder bis an den Rand mit Büchern gefüllte Rollkoffer durch zugige Alsterstädte zu tragen, passierte gestern, was passieren musste: Beim morgendlichen Duschen rammte mir jemand einen rostigen Schraubenzieher oder etwas ähnliches zwischen die Schulterblätter. (mehr …)

  • Schnipsel vom 2.10.2007

    • Die Buchpremiere war – soweit ich das trotz meinern Aufregung mitbekommen habe – sehr schön. Vielen Dank noch einmal an Dan, Jochen, Micha, Spider und Yvonne, an das Team vom Sonntagsclub und an alle, die da waren! Und natürlich an den Verlag Voland und Quist für das wirklich schöne Buch. Lieber Leif, lieber Sebastian, schön, dass wir in Leipzig nochmal zusammen feiern!
    • Hm. Jetzt wo das Buch draußen ist, fällt mir ein, was wir hätten besser machen können: Wir hätten auf die Tielseite unter den Namen des Buches das Wort „Roman“ setzen können. Es handelt sich zwar um eine Sammlung von (teilweise zusammengehörenden) Kurzgeschichten, aber das ist ja noch lange kein Grund, nicht „Roman“ drauf zu schreiben. Bastei Lübbe hatte auch keine Hemmungen, der Kurzgeschichtensammlung „Andere Himmel“ von China Miéville dieses Etikett zu verpassen. Das mag ein versehentlicher Fehler sein, aber daran habe ich doch leise Zweifel. Alle Kurzgeschichtenautoren kennen das Mantra von Verlegern und Literaturagenten: „Schreib doch mal einen Roman, Kurzgeschichten verkaufen sich nicht.“ Dem Absatz des Buches hat der Fehler sicher nicht geschadet.
    • Sehr hilfreich sind natürlich auch tolle Zitate auf der Rückseite. Auf allen Büchern von Dan Simmons zum Beispile steht folgender Satz von Stephen King: „Dan Simmons schreibt wie ein Gott. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich ihn beneide.“ Klingt erstmal gut, allerdings komme ich doch ins Grübeln, wenn ich dieses Zitat auch auf den Büchern „Illium“ und „Olympos“ finde, in denen Götter als ziemlich grobschlächtige Analphabeten dargestellt werden .
    • Ich glaub’s einfach nicht … scheiße … ich glaub’s doch …


    (Volker Strübing)

  • Schnipsel vom 17.9.2007

    • Da ich viel mit der Bahn fahre, ärgere ich mich oft über nervige Mitreisende. Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Rentner. Männer, Frauen. Mitreisende in allen Farben und Formen. Oft sind sie eine Belastung. Laut. Dumm. Doof eben.
      So wie ich 🙁
      Auch wenn dies die Betroffenen wahrscheinlich nicht erreicht: Ich möchte mich bei allen Fahrgästen des Wagens 5 im ICE nach Frankfurt/Main am Freitag, 12.33 Uhr ab Hauptbahnhof entschuldigen. Ich war mit Spider und Ahne und michaEbeling unterwegs und eingentlich sind wir recht nette, umgängliche Menschen, aber das haben wir uns nicht anmerken lassen. Zu viert hat man Mobgröße erreicht und der dünne Lack der Zivilisation blättert ab … Tut mir leid.
    • Neulich habe ich mich hier mal wieder über die Telekom ausgelassen. Ich hatte einen Anschluss gekündigt und die Telekom hatte die Kündigung verschlampt. Jetzt ist es nur fair zu erwähnen, dass meine Beschwerde problemlos akzeptiert und das zuviel gezahlte Geld zurücküberwiesen wurde. Und die grauen Haare, die ich an der Kundenhotline und im T-Punkt bekommen habe, darf ich trotzdem behalten!
    • Gestern hatte ja nun diese neue Polittalkshow in der ARD Premiere und ich habe sie nicht geguckt. Heute früh las ich eine Kritik darüber bei Spiegel Online, die von Reinhard Mohr stammte, den ich eigentlich gar nicht so schlecht finde. Aber dann sowas:

      „Die Wahl des Themas zur Premiere von „Anne Will“ im Ersten, formerly known as „Sabine Christiansen“, war auf jeden Fall apart. Der Bundesinnenminister warnt vor Terroranschlägen mit Atomwaffen; der Verteidigungsminister kündigt den Abschuss von Passagierflugzeugen an, die Terroristen als fliegende Bombe missbrauchen wollen; die islamistische Anschlagsgefahr in Deutschland insgesamt steigt spürbar an – doch die Gesprächsrunde im neuen Studio in Berlin-Adlershof beschäftigte sich mit Hartz IV. „Rendite statt Respekt – wenn Arbeit ihren Wert verliert“.
      Nicht wirklich brandaktuell, aber ein klassisches Thema für den Sonntagabend“

      Ich glaube, für Aussagen wie diese wurde der Begriff „süffisant“ erfunden. Mal gucken, ob ich das auch kann: Für einen gutverdienenden, sicher viel herumreisenden Spiegel-Redakteur ist es natürlich wahrscheinlicher, von Verteidigungsminister Jung zum Abschuss freigegeben zu werden oder wegen einer Terrorwarnung Verspätungen in Kauf nehmen zu müssen, als dass Hartz IV für ihn jemals „brandaktuell“ wird. (Obwohl ich geneigt bin, ihm letzteres wenigstens für einen Monat mal zu wünschen)

    (Volker Strübing)

  • Sternstunden der Menschheit: Pizza Backbord

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    Endlich! Die Sensation ist perfekt! Die erste Pizza mit Fischstäbchen! Mit echten Fischstäbchen – nicht diesen gefälschten chinesischen Fischstäbchen aus Hundefleisch, die ja in letzter Zeit vermehrt auf Pizzen aufgetaucht sind.

    Das ist mal ein guter Grund Enkel zu bekommen: Damit man ihnen dereinst erzählen kann: „Ich war dabei als die erste Pizza mit echten Fischstäbchen bei Call a Pizza angeboten wurde.“ Und wenn die Enkel dann fragen: „Omi, Opi, was habt ihr gemacht, als die Revolution kam?“, dann schmunzelt man altersweise und antwortet: „Sicher spielt ihr auf die Geschmacksrevolution von 2007 an … nun, ich erinnere mich noch, als sei es gestern gewesen …“

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    Von 1998 bis 2000 habe ich als Werbetexter gearbeitet und mir selbst sowas ausgedacht. Und Geld dafür bekommen. Bizarr.

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    Aber ausprobieren muss ich die Fischstäbchen-Pizza wohl trotzdem mal …

    (Volker Strübing)

  • Ärgernis: Fahriger Journalismus

    Ein guter Rat an alle Schreibenden besagt, man solle nicht öffentlich auf Kritik reagieren, da man sonst schnell als eingeschnappte Leberwurst dasteht und den Eindruck vermittelt, von der eigenen Unfehlbarkeit überzeugt zu sein. (Leider ist guter Rat an mich meist verschwendet. )
    Auch las ich erst neulich, dass es ganz unnütz, ja sogar schädlich sei, Dinge, die man widerlegen wolle, zu wiederholen und der Wahrheit – bzw. der eigenen Meinung – gegenüberzustellen, da man damit nur zur Verbreitung dessen beitrage, was man doch am liebsten aus der Welt hätte.
    Und schließlich sagte schon Lichtenberg:

    Unempfindlichkeit gegen den Neid und die Bösartigkeit von anderen ist eines der sichersten Anzeichen für einen bedeutenden Geist, und weil sie so gut gerechtfertigt werden kann, ist sie auch einer der massivsten Racheakte, die sich denken lassen.

    (zitiert nach Marcus Hammerschmitt: „Bewunderer, Besserwisser und Feinde“)

    Andrerseits möchte ich mich in Bescheidenheit üben und deshalb durch Missachtung dieses Aphorismus den Eindruck vermitteln, kein bedeutender Geist zu sein. Um mal einen alten Schnipselfriedhofsschnipsel zu zitieren:

    Wie sagte doch der Kellner, als er mir gestern in der Kneipe eine neue Kerze brachte? “Hier hast du noch ein kleines Licht.” Hab ich mir “das kleine Licht” angeguckt und gedacht: Na super. Gleich und gleich gesellt sich gern …

    Jedenfalls: Jemand hat was Doofes über mich und LSD geschrieben und ich werde mich jetzt ein bisschen darüber aufregen. (mehr …)

  • Drei Fragen, auf die ich gar keine Antworten will

    Wenn man die NPD nicht verbieten will, da man sie sonst nicht mehr so gut beobachten könne, wäre es dann nicht konsequent, al-Quaida und die „militante Gruppe“ zu legalisieren, um besser V-Männer einschleusen zu können?

    Falls es wirklich zu einer strafbaren Handlung wird, im Internet Bombenbaupläne aufzurufen, wird es dann auch strafbar, derartiges in Büchern oder Zeitschriften zu lesen? Erst kürzlich stolperte ich über eine Beschreibung für einfach duchzuführende Brandanschläge auf Fahrzeuge. Wie man Düngemittel- oder Gasflaschenbomben baut, ist auch immer mal wieder zu lesen.

    Wer von all den naserümpfenden Journalisten, Politikern und Kommentatoren hätte sich wohl 50 grölenden, besoffenen, um sich schlagenden Männern in den Weg gestellt? Aus der gutbürgerlichen Stube in einem gutbürgerlichen Wohnviertel heraus ist es leicht, sich über „mangelnde Zivilcourage“ zu mokieren.

    Bin nur ein einfacher, unwissender Autor, der sich so seine Gedanken macht 😉

    (Volker Strübing)

  • So schreibt kein Terrorist! (Hoffe ich.)

    Am liebsten würde ich über meinen Mixer schreiben. Ja, über den aus den Filmen Bockwurstjoghurt und 7-Kräuterquark bekannten Mixer. Bei dem habe ich nämlich den Messereinsatz falsch in das Mixbehältnis eingesetzt und jetzt kriege ich ihn nicht mehr raus und ich konnte meinen Morgenmurx nicht zubereiten und das ist doof. Über meinen neuen Computer würde ich auch gerne schreiben. Der funktioniert nämlich und fetzt urst und ich kann Half Life 2 jetzt mit vollen Details und hoher Auflösung spielen und vielleicht auch mal neuere Spiele ausprobieren und das Musikprogramm kommt nicht mehr ins Stottern und überhaupt. Kaputte Mixer und funktionierende Computer sind tolle Sachen, um sich von dem abzulenken, was da draußen an Gruseligem vor sich geht. Ich will jetzt weder an Terroristen noch den War on Democracy Terror denken; nicht an Nazis oder russiche Fahnen auf dem Meeresgrund unter dem Nordpol; nicht an „Freiheit“, die nur noch die Freiheit zum Geschäftemachen meint; nicht an Kampfroboter mit praktischer Point-And-Kill-Funktion oder „weniger tödliche“ Waffen, die „Vernichtungsschmerzen“ auslösen, ohne Spuren zu hinterlassen; nicht an Afrika oder China oder den traurigen Mann in meinem Haus oder oder oder eins von den tausend anderen Dingen, die auf einen niederpurzeln, wenn man einmal anfängt, über die Welt nachzudenken.

    Und ich würde gerne dieses schlechte Gewissen loswerden, dass mich manchmal beschleicht, wenn ich meine oder eure Zeit mit vermeintlichen Banalitäten vertrödele, wo es doch soviele vermeintlich wichtige Themen gäbe.

    Außerdem finde ich,  dass die Bundesregierung alle verfügbaren  Manifeste aller Terrorgruppen veröffentlichen sollte, damit man nicht versehentlich die selben Formulierungen verwendet und am Ende gezielt getötet wird. Aber das ist natürlich auch schon wieder so ein gruseliges Thema.

    Inzwischen wurde wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung Haftbefehl erlassen. Zur Begründung heißt es, eine von H. „veröffentlichte wissenschaftliche Abhandlung enthält Schlagwörter und Phrasen, die in Texten der ‚militanten gruppe‘ ebenfalls verwendet werden. Die Häufigkeit der Übereinstimmung ist auffallend und nicht durch thematische Überschneidungen erklärlich.“

    (taz, via Stralau)

    (Volker Strübing) 

  • Kein Blut für Butter!

    Es begann als bitterer Witz an einer ALDI-Kasse in Berlin-Weissensee. „Ich kann ja mal meinen Chef fragen, ob er mir einen Buttergroschen auf den Lohn drauf packt“, sagte Frankie Metzler und lachte höhnisch auf, als er die Butter und die Milch vom Band nahm und in den Nylonbeutel fallen ließ. Die Schlange hinter ihm nickte und murmelte beipflichtend. „Aber dann kann er ja seiner Frau zu Weihnachten keinen neuen BMW schenken!“, fügte er hinzu. Und: „Is wie mit die Stromkonzerne! Die machen Milliardengewinne und tanzen uns auf der Nase rum. Die machen, was sie wollen!“ Noch mehr beipflichtendes Gemurmel. „Naja. In Zukunft nur noch Margarine. Ging ja früher och. Damals zu Ostzeit, die gute Kama Cama, das war doch gutes Zeug, was?!“

    Schon am nächsten Tag schloss sich die Boulevardpresse dem Aufruf zu einem Butterboykott an. Auch die Forderung nach einem Buttergroschen verbreitete sich rasant. Deutschlands meistgehasster Molkereimogul forderte Hilfe vom Staat in Form von Subventionen, mit denen er den Preis für Milch niedrig halten könnte, ohne selbst Geld zu verlieren. Finanziert werden solle dies über eine Senkung der Sozialausgaben – das sei sowieso nötig, denn die Menschen müssten Eigenverantwortung lernen, anstatt immerzu Hilfe vom Staat zu fordern. Auf ntv rieten Wirtschaftsexperten dazu, Geld in Molkereiprodukte anzulegen. Die Konten der Bürger leerten sich, während sich ihre Tiefkühltruhen und Keller mit Quark und Joghurt füllten. Der Milchpreis stieg und stieg.

    Der Buttergroschen wurde Wirklichkeit. Allerdings nicht so, wie es sich die meisten erhofft hatten. Statt der Löhne stiegen die Preise. Den Anfang machten die Berliner Lesebühnen, deren Autoren den Gedanken nicht ertrugen, ihren Kaviar in Zukunft auf Margarineschrippen zu schmieren. Schnell stellte sich heraus, dass die Erhöhung der Preise für Milchprodukte der erste Stein in einer langen verschlungenen und verzweigten Rehe von Dominosteinen gewesen war, die nun einer nach dem anderen stürzten und den nächsten mit sich rissen. Am Ende musste der Preis für Luxusyachten erhöht werden, weil die Frau des Besitzers der Yachtwerft nicht auf ihr tägliches Schönheitsbad in Crème fraîche verzichten wollte. Pech für den Molkereimogul, der sich zu Weihnachten eigentlich mit einer neuen Yacht für die sprudelnden Gewinne belohnen wollte.

    Unterdessen hatte sich die Situation auf dem Milchmarkt fundamental gewandelt. Immer mehr Anbieter wollten beim Geschäft mit dem „weißen Gold“, wie Milch bald genannt wurde, mitmischen. Brot und Biodiesel wurden knapp, weil immer mehr Anbaufläche für Milchkuhfutter gebraucht wurde. Massendemonstrationen unter dem Motto „Kein Blut für Butter“ konnten die Milchkriege (eigentlich die „Futtergetreideanbaugebietekriege“) von 2008 nicht verhindern. Südkoreanische Forscher konnten durch Gentransfer elefantengroße Kühe herstellen, die fast nur aus Euter bestanden. Der Klimawandel beschleunigte sich wegen der furzenden Rinder dramatisch.
    Schweinefleisch wurde zuerst extrem billig, als alle europäischen Züchter ihre Bestände schlachteten, um Platz für Milchkühe zu schaffen, und dann sehr, sehr teuer … und ein Strom aus Milch ergoss sich über die Erde und riss die Wirtschaft in eine Talfahrt, einen Malström der Inflation. Milchmanager sprangen aus Wolkenkratzern; Millionen einfacher Bürger, die ihr gesamtes Erspartes in Milchprodukten angelegt hatten, verloren alles – und die wenigen verbliebenen Schweinehalter lebten wie die Scheichs.

    Endlich wurde die Notbremse gezogen. Milliarden Hektoliter Milch wurden in die Ozeane verklappt, um die Preise hochzuhalten. Ungünstige Winde und Strömungen trieben einen Teil davon auf die Küsten zu und verursachten die großen Milchpesten (-peste? -pests? pesto?) von 2008 und 2009. Und dann entdeckte jemand eine Möglichkeit, aus Milch Biobenzin herzustellen. Bald warb Esso mit dem Slogan: „Die Kuh im Tank“. Der Milchpreis begann zu steigen. In einem Nettomarkt in Dresden machte jemand einen bitteren Witz: „Ich kann ja meinen Chef mal nach einem Buttergroschen fragen.“

    (Volker Strübing)

  • Autorenschlussverkauf?

    Letzten Freitag erschien im Feuilleton der Berliner Zeitung ein Beitrag von Jörg Sundermeier über Schriftsteller, die zu Selbstvermarktern würden und mit ihren Ideen meist zu spät kämen. (mehr …)

  • Moment bitte, Sie haben da ein Ding an der Waffel!

     

    Dass Werbeagenturen auch mal was Gutes tun wollen, ist ja eigentlich löblich.Es gäbe auch viele Möglichkeiten, segensreich zu wirken. Sie könnten zum Beispiel einen Subbotnik einlegen und die ganzen kacken Werbeplakate, die sie haben aufhängen lassen, mit Blumen übermalen oder was weiß ich – die Agenturen stecken doch voller kreativer Köpfe, denen sollte schon irgendwas einfallen.

    Von wegen! Am Ende gestalten sie kostenlos eine Plakatkampagne für irgendeine wohltätige Organisation, und dann gehen sie wieder an ihre eigentliche Arbeit, die darin besteht, Menschen unzufrieden zu machen. Und den kostenlosen Plakatentwurf, den delegieren sie an irgendeinen kostenlosen oder zumindest kostengünstigen Praktikanten, der das in einer Überstunde erledigen muss. Heraus kommt dann sowas wie: „Moment bitte, Ihnen hängt da ein Brunnen am Ohr!“ oder „Moment bitte, Sie haben sich gerade mit Schulbüchern eingecremt!“ – haha! Voll witzig und irgendwie frech, aber auch provozierend, blabla, das Spendenaufkommen wird sicher gewaltig gestiegen sein, da ist sicher eitel Freude bei dieser Organisation für die das wirbt, für welche hab ich vergessen, steht aber glaub ich auch irgendwo auf den Plakaten. Brot für die Welt war’s nicht, die haben gerade irgendwas mit „fairgeben“ und „fairsorgen“ und „Gottes Spielregeln“.

    Das mit Abstand schlimmste Machwerk dieser Art war vor einiger Zeit ein Plakat für die Christoffel Blindenmission, bei dem ein offenbar enthirnter Werber im Portrait eines Afrikaners die Augen durch Geldeinwurfschlitze ersetzt hatte – was bei mir sofort die Frage aufwarf, ob Blindheit bei allen Schrecken nicht auch den kleinen Vorteil hat, dass man soetwas nicht sehen muss …

    (Volker Strübing)

    PS: Habe gerade erst bei der Bildrecherche gesehen, dass das Blindeplakat wegen öffentlichen Protestes zurückgezogen werden musste (siehe Link oben). War ich also zum Glück nicht der einzige, dem das Kotzen gekommen ist.