Kategorie: Nachrichten aus der Scheinwelt

  • Dazu hab ick Senf

    „Be Berlin.“ Volker und Ivo haben dazu ja schon geblogt.

    Ich gehöre nicht zu jenen Sprachchauvinisten, die bei jedem Anglizismus Zeter und Mordio schreien, aber hier habe ich den Eindruck, dass der Slogan deshalb englisch sein musste, weil das die einzige Fremdsprache ist, die seine Erfinder kennen. Jedenfalls erscheint mit die Wahl des Englischen völlig willkürlich und nicht mal durch so etwas wie Wohlklang gerechtfertigt: bi börlin.

    Andererseits ist mir aufgefallen, dass dieses Prinzip, einen Städtenamen anzustottern, durchaus Charme haben kann. Zum Beispiel als frankophil-elegantes „le Leipzig“ oder bürgerlich-seriöses „Dr. Dresden.“ Auch das comedyhafte „Du Duisburg“ ginge noch irgendwie. Aber „Be Berlin“, also wirklich!

    (Andreas Krenzke)

  • Schnipsel vom 22.3.2008

    • Farbspiele

      Die ungünstige Kombination aus großer Eile, glitschigem Beton und schlechtem Sohlenprofil führte Donnerstag Nacht dazu, dass ich die Stufen, die von der Revaler Straße aufs RAW-Gelände führen, einzeln mit dem Hintern durchzählte. Dieser präsentiert sich seither in atemberaubenden psychedelischen Farben (wenn auch etwas blaustichig). Vielleicht sollte ich mir für das Kantinenlesen heute Abend noch so eine Lederschwulenhose besorgen, die die Arschbacken frei lässt. Das würde prima von der Herpes an der Lippe ablenken …

    • Besser Krümel kacken als Verstopfung oder Durchfall

      Mich interessiert alles, was mit Stereoskopie zusammenhängt. Vor Jahren hatte ich eine LCD-Shutter-Brille, mit der 3D-Computerspiele wirklich räumlich wurden. Ganz ausgereift war das noch nicht. Wenn man den dafür nötigen Treiber so einstellte, dass der Raumeffekt richtig gut war, wirkten alle Objekte sehr klein und schienen sich im Inneren des Monitors zu befinden. Aus einem Ego-Shooter wurde da schnell ein Massaker im Puppenstübchen. Ich fand’s toll. Der Traum wäre ein 3D-Beamer mit zwei Linsen, vor denen Polarisationsfilter angebracht sind. Dann noch die entsprechende Brille und schon machen Flugsimulatoren zehnmal soviel Spaß.
      In der Rubrik „einestages“ auf Spiegel Online, gab es jetzt einen Artikel zum Thema. Und in diesem werden Polarisationsfilterbrillen irritierenderweise mehrfach als „Polaroidbrillen“ bezeichnet.

      „Na und? Hat der Strübing keinen Friseur, dem er das erzählen kann?“, wird sich der eine oder andere jetzt völlig zu recht fragen, was mir die Gelegenheit zu einer eleganten Überleitung gibt:

    • Apropos Friseur Ich frage mich schon lange, warum ausgerechnet Friseure derart penetrant zu schlechten Wortspielen neigen. All diese pseudoriginellen Namen und Sprüche: „Haareszeiten“, „Hairzlich Willkommen“, „Haar & Soul“, „Haarmonie“ (was als „Haar-Moni“ noch ganz lustig wäre, wenn die Friseuse Monika hieße) und ganz schlimm, gerade neulich entdeckt: „Sie haben nichts zu verlieren – außer ihr Haar“. Wie traurig muss das Leben eines Menschen sein, der das liest und denkt: „Stimmt. Da gehe ich jetzt mal rein.“
      Ich warte übrigens noch auf „Hairytale – ihr märchenhafter Friseur“, „Haarakiri“ und, in Anspielung auf den berühmten Massenmörder, „Haarmann – the final cut“. Ach, wahrscheinlich gibt’s die auch alle schon. Falls nicht und falls jemand von euch demnächst einen Friseursalon eröffnen möchte, stelle ich diese haarausragenden Kreationen gerne zur Verfügung.

    (Volker Strübing)

  • He’s lost control

    „Hey ho! Hier findest du alles, was du für ein lässiges Outfit brauchst!“, labert einen ein Typ auf der flashverseuchten Website von Converse an. Unter anderem gibt es für das lässige Outfit jetzt einen Joy-Division-Gedenkschuh, weil Joy Division so lässig ist. Und in der ganzen Stadt guckt einen Ian Curtis von Werbe-Plakaten an. Ist ja tot, der Gute, kann sich nicht mehr dagegen wehren. Wahrscheinlich sollte man schon froh sein, dass er nur für Turnschuhe Werbung machen muss und nicht für das Phantasialand. Widerlich. Wer kann noch guten Gewissens sterben, wenn er befürchten muss, als Werbeträger für irgendeinen Scheiß missbraucht zu werden?

    (Volker Strübing)

  • „Dafür ham se Geld!“

    Obiges Zitat verwende ich gerne und normalerweise in satirischer Absicht. Angesichts der „Hauptstadtkampagne“ „be Berlin“ ist es mir aber dann doch ernsthaft rausgerutscht.

    Dass die ganze Sache eine Steilvorlage für Satiriker ist, hat Ivo schon geschrieben und auch gleich in Videoform bewiesen; die Frage, wie so ein Murks eigentlich entstehen kann, beantwortet Johnny Haeusler auf Spreeblick.com umfassend und überzeugend.

    Ich möchte konstruktiv zum Thema beitragen. Wenn „die da oben“ meinen, Berlin bräuchte einen Claim, damit man die Stadt „als Marke“ aufbauen und promoten kann, dann haben sie sich sicher was dabei gedacht. (Haben sie doch, oder? Bitte schreibt mir nicht, dass die sich nichts denken bei dem, was sie tun!) Warum aber werden irgendwelche PR-Menschen damit beauftragt, sich irgendeinen Quatsch auszudenken? Man muss nur mit offenen Augen durch die Straßen gehen – Berlin und die Berliner machen selbst ganz wunderbare Vorschläge. Das fiel mir gestern ein, als ich am Senefelder Platz vobeikam und ein großes Leuchtschild mit der Aufschrift „Schmerzzentrum Berlin“ sah. Wäre zumindest ein Ansatz …

    (Volker Strübing)

  • Was würde Orwell dazu sagen?

    Harald Schmidt kenne ich eigentlich gar nicht. Ich weiß nur, das ist ein Fernseh-Mensch, irgendwas mit Kabarett vielleicht, gilt manchen als intellektuelle Unterhaltungs-Ikone. Blabla. Die Zeit interviewt ihn im Ressort Politik. Da sagt er: „Eine Zeit lang hielt ich Politiker für Schwätzer, aber das ist Quatsch. Dass es jetzt schon 60 Jahre lang keinen Krieg mehr gegeben hat, verdanken wir langen Verhandlungen, Kompromissen und Pressekonferenzen um vier Uhr morgens.“

    60 Jahre keinen Krieg? Was hat der Mann am  24. März 1999 gemacht?

    (Andreas Krenzke)

  • Schnipsel vom 25.1.2008

    • Schön ist es im Zug Richtung Konstanz am Freitag Nachmittag – zumindest, wenn man seine Bahn-Bonus-Punkte gegen ein 1. Klasse Upgrade eingetauscht hat und sich nicht in den hinteren Abteilen mit dem Pöbel, zu dem man ja eigentlich auch gehört, um die Plätze balgen muss. Hier ist es bequem, man hat Platz, das Selbstwertgefühl steigt und ich bin sicher, dass der Mann schräg gegenüber bei seinen ununterbrochenen Nasengrabungen sehr wohlschmeckende und ebenmäßige Popel zutage fördert. First Class Popel eben. Schön, dass ich einmal in diese Welt hineinschnuppern darf. Außerdem bekommt man Pralinen geschenkt und Zeitungen und Letzeres erlaubt es mir, mal wieder ein Blatt zu lesen, für das ich auf keinen Fall Geld ausgeben möchte: Die BILD-Zeitung. Ich fand einen Artikel über einen Intensivtäter, der schon 140 Straftaten begangen hat, Diebstahl zumeist. Dann kommt ein denkwürdiges Zitat:

      In seiner Akte steht: „Seine Lebenseinstellung ist: ‚Arbeiten ist scheiße, ich komm auch so durch.`“ Trotzdem läuft er frei herum.

      Da hätt‘ ich mich fast an der leckeren Praline verschluckt.

    • Bei Kaiser’s in den Schönhauser Allee Arcaden haben sie jetzt über den Kassen große Bildschirme aufgehängt, auf denen Werbung läuft. Sicher haben sie dabei nur an das Wohl der Kunden gedacht, die sich in den häufig sehr langen Warteschlangen langweilen. Danke dafür. Ist bestimmt auch viel blliger, als noch ne Kasse zu öffnen.
    • Seit langem frage ich mich – und andere – ob mein Eindruck, dass des Abend immer mehr junge und jungtuende Leute mit offenen Bieren (manche auch mit Beck’s) durch die Gegend laufen oder fahren. Einige Bekannte haben diesen Eindruck bestätigt, andere haben den Kopf geschüttelt und darauf hingewiesen, dass es das auch früher schon gab. Klar gab’s das auch schon früher. Herrjeh, ich hab das auch gemacht. Jugend muss Scheiße sein und die Alten ärgern. Aber das isses ja grade: Ich habe nicht den Eindruck, dass die das machen, um Scheiße zu sein oder die Alten zu ärgern, sondern weil’s für sie einfach die normalste Sache der Welt ist. Sodom und Gomorrha!

    (Volker Strübing)

     

     

  • Auwacka! Muslime reagieren nicht mit Demut auf Bedrohung!

    (Sorry an alle, die das eben schonmal per Feedreader gekriegt haben)

    Laut einer vor kurzem veröffentlichten Studie und ihrer populären Auslegung durch Boulevardblätter und Boulevardpolitiker sind fast 40% der in Deutschland lebenden Ausländer fundamental orientiert und/oder gewaltbereit. In der Studie steht freilich etwas ganz anderes drin:

    Eine kleine Gruppe von sechs Prozent werde als „gewaltaffin“ eingestuft. Immerhin 14 Prozent der Befragten, von denen knapp 40 Prozent einen deutschen Pass hatten, stünden mit der Rechtsstaatlichkeit auf Kriegsfuß und zeigten eine problematische Distanz zur Demokratie, schreibt die [Frankfurter Rundschau].

    Die Welt, 20.12.2007

    Dies hindert die Welt nicht, den Artikel unter die Überschrift „Große Gewaltbereitschaft unter jungen Muslime“ zu stellen.

    Aber was stimmt denn nun? Sind nur 6% Prozent gewaltaffin oder sind tatsächlich 40% zur Gewalt gegen Andersdenkende bereit? Es stimmt wahrscheinlich beides. Die 6% sind wohl die, vor denen man wirklich Angst haben muss. Die 40% haben auf die Frage ob bei einer Bedrohung des Islam durch den Westen die Anwendung von Gewalt gerechtfertigt sei, mit „Ja“ beantwortet. Es ging mithin (hach, dass ich dieses Wort mal irgendwo einbauen kann!) um die Frage nach der Rechtmäßigkeit von Selbstverteidigung. Wieviele Deutsche würden die umgedrehte Frage mit „Ja“ beantworten? 80 Prozent?

    Ach egal, eigentlich wollte ich gar nicht darüber schreiben, sondern über diesen putzigen Lausbub, diesen Schelm von der CSU, olle Herrmann, seines Zeichens bayrischer Innenminister. Der hat sich (sicher betrunken oder in satirischer Absicht) dafür ausgesprochen, von Muslimen eine amtliche Gewaltsverzichtserklärung einzufordern. Nee, ernst hat der das nicht gemeint, keine Sorge, das kann ich mir nicht vorstellen. Das wäre so beleidigend und disriminierend, dass ich es höchstens einem NPD-Abgeordneten zutrauen würde. Außerdem glaube ich nicht, dass man in Deutschland Minister werden kann, wenn man so dumm ist zu glauben, eine „Gewaltverzichtserklärung“ würde irgendeinen Schläger oder Terroristen von seinem Tun abhalten.

    Aber tuen wir doch mal so, als hätte er es ernst gemeint. Sollte man dann nicht auch uns Ostdeutschen so eine Erklärung und obendrauf noch einen Eid auf das Grundgesetz abverlangen? Auf 14% mit „problematischer Distanz zur Demokratie“ kommen wir locker auch. Und laut einer anderen vieldiskutierten Studie finden zahlreiche Jugendliche im Osten ja sogar die DDR ganz okay oder richtig toll. (Angeblich ist das die Schuld der Lehrer, aber ich schätze eher, dass sie das zuhause von ihren arbeitslosen Eltern erzählt bekommen – egal, Abschweifung Ende, ich hab mir ja für 2008 vorgenommen, nicht mehr soviel abzuschweifen und früher aufzustehen und … aber ich schweife ab … wo war ich stehengeblieben?)

    Jedenfalls: Muslime und Ostler sollten unbedingt aufs Grundgesetz schwören. Vielleicht können wir ehemaligen DDR-Bürger unseren muslimischen Mitmenschen die Hand reichen, ihnen Mut machen und ihnen zurufen: „Keine Sorge, alles halb so schlimm!“, denn schließlich haben die meisten von uns Erfahrung mit Schwüren und Eiden und Gelöbnissen. 90% von uns dürften mindestens einmal auf die Verfassung und den Staat und den Sozialismus und überhaupt geschworen haben.

    Ich zum Beispiel 1985 anlässlich meiner Jugendweihe:

    Seid ihr bereit, als junge Bürger unserer Deutschen Demokratischen Republik mit uns gemeinsam, getreu der Verfassung, für die große und edle Sache des Sozialismus zu arbeiten und zu kämpfen und das revolutionäre Erbe des Volkes in Ehren zu halten, so antwortet:

    Ja, das geloben wir!

    5 Jahre später war’s Essig mit der „edlen Sache des Sozialismus“ und die BRD fing sich ein paar Millionen Eidbrecher ein …

    Egal.

    Ich hatte auch eine lustige Idee: Vielleicht sollte man Minister und Abgeordnete auf das Grundgesetz schwören lassen! Das wär doch mal was … oder tun die das etwa schon? Nein, nein, das kann nicht sein, das glaub ich nicht …

    (Volker Strübing)

  • Die mit den Gehältern

    Eine Premiere auf dem Schnipselfriedhof: Ein Gastbeitrag von Tube. Die folgende Geschichte hat er gestern bei LSD vorgelesen. Tube ist festes Mitglied  von LSD, den Surfpoeten und der Lokalrunde.

    Die mit den Gehältern

    Ich verstehe die Manager nicht. Die mit den Gehältern. Die, die 5 Millionen Euro oder mehr im Jahr verdienen. Die, die in jedem Folgejahr auch noch Gehaltserhöhungen von 20% oder so bekommen. Die, von denen 70% der Bevölkerung wollen, daß die weniger verdienen.

    Warum verdienen die so viel? Dürfen die das?

    Ein gewisser Herr Oswald, Arbeitnehmervertreter, verteidigte in einem Artikel auf Spiegel-Online die hohen Vergütungen für die Manager so: „Ein Weltkonzern kann keine niedrigen Gehälter zahlen, sonst bekommt er nicht die besten Leute.“ Und er sagte auch: die Vergütung müsse nicht nur die Verantwortung berücksichtigen, sondern auch das Risiko, die Stellung zu verlieren.

    Jau. Das hat gesessen. (mehr …)

  • Dialog der Organe (2)

    Sozialforscher Wilhelm Heitmeyer hat die Gemütslage der Gesellschaft untersucht. Er spricht von einer Menschenfeindlichkeit im Land. Sie trifft nicht nur Ausländer, sondern vor allem Arbeitslose, lese ich in der Berliner Zeitung vom letzten Freitag. Arbeitslose und Arme sind in Deutschland demnach eine der Minderheiten, die am meisten von Diskriminierung und Abwertung betroffen sind, stand da, und: In den vergangenen Jahren sahen sich vor allem Ausländer, Homosexuelle und Muslime Diskriminierung oder gar gewaltbereitem Hass ausgesetzt. Jetzt ist mit den Dauerarbeitslosen eine weitere stigmatisierte Gruppe hinzugekommen. Der Studie zufolge haben 56 Prozent der Deutschen eine abwertende oder gar feindselige Einstellung gegenüber Hartz-IV-Empfängern. … Es gibt einen Zusammenhang zwischen ökonomistischem Denken und Gewaltbereitschaft. … In der Gesellschaft des neuen ökonomischen Denkens ist für sozial Schwache kein Platz. So stimmt mehr als ein Drittel der Befragten den Aussagen zu, „die Gesellschaft könne sich wenig nützliche Menschen (33,3 Prozent) und menschliche Fehler nicht (mehr) leisten“ (34,8 Prozent). Etwa 40 Prozent sind der Ansicht, in der Gesellschaft werde „zu viel Rücksicht auf Versager genommen“. Knapp 26 Prozent gaben an, moralisches Verhalten sei „ein Luxus“.

    „Na ist doch kein Wunder“, sagt mein resignierendes Herz, „ist ja auch ganze propagandistische Arbeit geleistet worden, im Kampf gegen die Florida-Rolfs und Viagra-Kalles, gegen die ungewaschenen und die, deren Lebenssinn es sei, Kohlenhydrate und Alkohol in sich hineinzustopfen.“„Hey, da ist der 2. Mai, der internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen, doch wichtiger denn je!“ meldet sich mein kämpferisches Hirn. „Alles wird immer schlimmer“, klagt sein zagend Herz. „Nicht alles“, wendet meine versöhnlerische Milz ein, „hier zum Beispiel steht: Antisemitismus, Rassismus und die Ablehnung von Behinderten sind auf ihrem jeweiligen Niveau stabil oder haben sich nur unauffällig verändert.“ „Na toll“, sagen alle meine Organe im Chor, nur die zynische Leber sagt natürlich: „Ey, stell dir mal vor, du bist arbeitsloser Jude – denn haste vielleicht ein Problem, Alter!“

    (Andreas Krenzke)

  • Demnächst im Kino: Schnipselfriedhof – Der Film

    Kaum ein Bericht über die Verfilmung von „Der goldene Kompass“ kommt ohne das Wort „unverfilmbar“ aus:

    „…galt lange als unverfilmbar.“

    (Spiegel Online)

    „… gilt als hoch komplexes Werk, wird von Fans gar als unverfilmbar erachtet. “

    (www.gamona.de)

    „In der als unverfilmbar geltenden, jetzt mit Riesenaufwand verfilmten Trilogie …“

    (www.telepolis.de)

    „Martin Gypkens hat den als unverfilmbar geltenden Erzählband von Judith Hermann …“ Huch! Nee, das war was anderes …

    (www.radiookerwelle. de)

    „Zunächst galten die Romane als unverfilmbar …“

    (www.closeup.de)

    „… ermöglichte die filmische Umsetzung der bis dahin als „unverfilmbar“ geltenden Literaturgattung „Fantasy“ “
    (www.erziehungstrends.de)

    … um nur mal ein paar zu zitieren. Bemerkenswerterweise gibt es  bis auf das etwas schwammige „von Fans gar als unverfilmbar erachtet“ keinerlei Belege oder Quellenangaben. Googelt man nur nach „unverfilmbar“ kommt man auf 15500 Treffer – so ziemlich jede Literaturverfilmung scheint die Verfilmung eines als unverfilmbar geltenden Buches zu sein.

    Ich lese den „Goldenen Kompass“ gerade und frage mich, was an einer einfachen, komplett linearen Fantasygeschichte unverfilmbar sein soll. Gut, vor 30  Jahren hätte man eine derartige Geschichte mit einfacheren und schlechteren Tricks verfilmen müssen, aber  das hat ja damals auch niemanden davon abgehalten, Fantasy und SF-Filme zu drehen.
    Ich glaube, die Kritiker schreiben einfach bloß voneinander ab. Und der Ursprung der Unverfilmbar-Legende ist wahrscheinlich immer der Schriftsteller selbst, der auf diese Weise den Ehrgeiz der Verfilmer anstacheln will. Wirklich unverfilmbar sind wahrscheinlich nur  „als verfilmbar geltende“ Bücher, weil kein Regisseur Lust hat die zu verfilmen, da ihn dann kein Journalist fragen kann, wie er es nur geschafft hat, dieses doch als unverfilmbar geltende Werk zu verfilmen …

    Dieses Weblog gilt übrigens als unverfilmbar. Hoffentlich haben die in Hollywood meine Telefonnummer.

    (Volker Strübing)