Kategorie: Nachrichten aus der Scheinwelt

  • Zahl 10 Trink 12

    Schön wars in Hannover. (Sorry Christine, es ist wirklich eine Schande, wie ich meine Terminliste vernachlässige.) Ahne hat schon einen Text darüber geschrieben, darum brauche ich nur noch zwei Bilder hier reinstellen:

    Der Eingang sah ziemlich deprimierend aus. Ich hätte auch das Festivalzelt fotografieren können oder ein paar schöne Bilder von den Auftritten machen können, aber … nö, das Bild fand ich doch interessanter.

    Um die Ecke gab es eine nette Bierstube. Ich weiß nicht, ob dieses Schild ein Anzeichen von Verzweiflung ist (es waren kaum Gäste da) oder ob die Betreiber einfach nur dachten: „Das macht man heutzutage so“.

    (Volker Strübing)

  • Zerstörte Illusion

    Da sitzt man mit einem Kaffee auf seinem Hinterhofbalkon, lauscht dem fröhlichen Gestöhne, das irgendwo aus einem offenen Fenster dringt, freut sich, dass die Menschen nicht einsam sind und dann fällt einem die süßliche Musik auf, die darunter liegt …

    Was ganz anderes: Irgendeine Boulevardzeitung, BZ oder Bild, hatte heute die Schlagzeile „Der Sexklops hat mich vergewaltigt“. Sosehr ich das Verschwinden dieser Blätter auch begrüßen würde, sosehr würde ich auch solche Wortschöpfungen vermissen. Die Aufsteller vor den Zeitungsläden haben mich schon oft schmunzeln lassen. Freilich: Wenn einem ein Schmunzeln im Hals steckenbleiben könnte und wenn diese Formulierung nicht so abgedroschen wäre, dass sie selbst einem im Hals stecken bleiben muss, würde es genau das tun, weil man weiß, dass hinter den lustigen Wörtern traurige Schicksale stecken, die gnadenlos ausgeschlachtet, für Propaganda missbraucht und oft genug lächerlich gemacht werden. Trotzdem werde ich mich immer gerne an den wüsten Erlebnisbericht einer scheinbar etwas verwirtten Oma unter dem Titel „Ich war Geisel der Fruchtbarkeitssekte“ erinnern.

    Ein Boulevardblatt mit ausgedachten Geschichten wäre keine Lösung des Dilemmas. Kurz nach der Wende gab es mal so eine Zeitschrift, aber da man wusste, dass alles darin nur Nonsens ohne jede realistische Grundlage war, wurde es schnell langweilig.

    Vor Jahren gab es in der Titanic mal ein Gewinnspiel, bei dem man aus Dutzenden absurden BILD-Überschriften („Oma streichelte Kaktus, da explodierte der kleine Kerl!“) die eine gefälschte herausfinden musste. Ich glaube es war die Überschrift des Gewinnspieles: „Fies! Titanic fälscht BILD-Zeitung!

    (Volker Strübing)

  • Wir haben Alkoholverbot

    Ich bin ein bisschen blogfaul gewesen in den letzten Tagen. Wobei es mit Faulheit eigentlich garnichts zu tun hat. Es drehen sich nur alle Gedanken um Nicht der Süden, ich komme zu nichts anderem. Vanessa, die Cutterin von monstamovies, und ich bauen jetzt den eigentlichen Film, bzw. die Filme zusammen. Das macht sehr, sehr viel Spaß, ist aber auch sehr viel Arbeit. Ich bin zur Zeit vor allem damit beschäftigt, alle Interviess und Gespräche, die wir geführt haben, durchzugucken und aus ewigem Gerede und Gestammel etwas sinnvolles und interessantes und unterhaltsames zu puzzeln. In einigen Fällen ist es einfach, manchmal aber auch eine echte Herausforderung. Wenn wir mit unserem Englisch, das eigentlich nur für einfache Gespräche reicht, bei denen sich niemand um solche Feinheiten wie Grammatik oder das richtige Wort kümmert, auf einen Technokraten trafen, der uns mit langweiligen Zahlen und Worthülsen wie aus einer Imagebroschüre abspeiste zum Beispiel. Aber es wird alles gut, glaube ich. Man kann eine Menge machen und basteln – ohne den eigentlichen Inhalt zu verfälschen. Zudem wird es ohnehin eine Art bebilderte Reiseerzählung, Kirsten und ich können alles mit drübergesprochenen Kommentaren … äh … kommentieren.

    Ich weiß noch, wieviele Gedanken ich mir vor allem in den ersten Wochen der Reise und des Drehs über Anschlussfehler gemacht habe. Ständig dachte ich: „Verdammt, eben hatte ich doch die Jacke zu und in der nächsten Einstellung war sie offen“ oder „Oh nein, das passt doch nicht, vorhin war doch viel mehr Kaffee in der Tasse und sie stand ein Stückchen weiter links!“ Die Standardantwort war: „Das merkt kein Mensch!“ – und was soll ich sagen: Es stimmt! Ich gucke mir jetzt das ganze Material an und zwar ziemlich genau und ich erinnere mich, wann und wo ich mir wegen soetwas schlimme Sorgen gemacht habe, und trotzdem fällt mir sogut wie nichts auf. Verblüffend. Und ich bin den anderen so auf den Sack gegangen damit!

    Als unsere Biervorräte im Hafen weggeschlossen waren, haben wir ein Quatschlied geschrieben – „Wir haben Alkoholverbot“ – , in dem jedem aus der Filmcrew und von der Schiffsmannschaft eine Strophe gewidmet war. Meine ging so:

    Der Volker ist ein Erbsenzähler
    Er schreit ständig „Anschlussfehler“
    Das passt doch alles nicht zusamm‘
    am Anfang warn wir ständig stramm

    Wir haben Alkoholverbot, wir haben Alkoholverbot!

    (Nein, wir waren nicht ständig stramm. Das war ein Quatschlied!)

    Jedenfalls, was ich eigentlich schreiben wollte: Ich mache sozusagen gerade zum zweitenmal die ganze Reise und habe wenig Zeit und Gedanken für anderes übrig, weswegen ich auch nichts sinnvolles hierzu schreiben kann, obwohl ich das eigentlich gerne getan hätte. Aber vielleicht ist es auch ganz normal, dass einem  nichts mehr einfällt, wenn Wirtschaftswissenschaftler 1 Euro im Monat für Kultur und Freizeitaktivitäten als ausreichend für ein menschenwürdiges Leben  erachten.

    (Volker Strübing)

    PS: Die oben verlinkte Studie ist ein bisschen dröge. Lest lieber den Artikel von Florian Rötzer bei telepolis.

  • Schlimmer als der Müll in den Parks ist der Müll in den Köpfen

    Ein Leserbriefschreiber hat in der Berliner Zeitung vorgeschlagen: „Sozialhilfeempfänger und Hartz-IV-Empfänger“ sollten „Parks reinigen. Diese Mitbürger erhalten vom Steuerzahler ihren Lebensunterhalt und sollten auf diese Art auch etwas an die Allgemeinheit zurückgeben.“

    Da kann man mal sehen, welche Verheerungen die derzeitige Arbeitsethik in den Gehirnen hinterlässt. Lebensunterhalt gestehe man Mitbürgern doch bitte vorbehaltlos zu, alles andere wäre Raub oder Nötigung und jedenfalls faschistoid (wenn du nicht dies und das tust, dann darfst du dein Leben nicht unterhalten, also kurz gesagt, nicht leben).

    Niemand käme auf die Idee, zu fordern, Menschen, die Prozesse anstrengen, sollten Parks reinigen, schließlich finanziere der Steuerzahler die Justiz. Jeder fände es absurd, schlüge man vor, Vergewaltigungsopfer, die eine Anzeige machen, oder von der Polizei aus verwahrlosten Wohnungen befreite Kinder sollten anderer Leute Dreck wegräumen, denn die Allgemeinheit finanziere ja die Polizei.

    Warum eigentlich nicht? Wenn der Sozialstaat in Frage gestellt werden kann, warum dann nicht auch den Rechtsstaat?

    Ach ja, eins noch: „Sozialhilfeempfänger und Hartz-IV-Empfänger“ werden, wenn sie Parks reinigen, zu Straßenkehrern. Und dann soll man sie gefälligst auch so bezahlen.

    (Andreas Krenzke)

  • Das größte aller Verderbnisse

    Schon lange wollte ich etwas über mein Unbehagen gegenüber dem Backpackertourismus schreiben. Es gab mal einen Versuch und ein paar kleine Seitenhiebe, aber der große, alles erklärende Text zum Thema stand noch aus. Zum Glück hat das jetzt jemand anders für mich übernommen und viel besser, als ich es hingekriegt hätte. „Die Backpacker an der Buddhabar“ heißt ein sehr guter, treffender Artikel von Ilja Trojanow in der Taz vom Wochenende.

    Bewegung kommt erst wieder auf, als das Schiff die Hauptstadt erreicht und sich auf einmal zwei entschlossene Kohorten gegenüberstehen. Die Rikschafahrer, Hotelagenten und Tourführer auf der einen Seite […] Gegenüber die leicht bekleideten Backpacker, braun gebrannt und schnorchelfit, die mit lässiger Gebärde ihre Sonnenbrille zurechtrücken und ihren Rucksack schultern. […] Sie springen auf die Mole und wischen die vordersten Angreifer zur Seite wie lästige Moskitos. Man vernimmt erste Ausrufe des Protests: „Two dollar? You must be crazy. Half a dollar, not more!“
    In ihren Stimmen schwingt eine gerechte Wut mit, denn sie kämpfen nicht nur zum Wohle ihres Geldbeutels, sie retten die Welt vor der größten aller Verderbnisse, dem Hochtreiben der Preise.

    (taz vom 8.6.2008, Ilja Trojanow: Die Backpacker in der Buddhabar)

    (Volker „selber Backpacker!“ Strübing)

  • Seltsame Verkaufsgespräche – Heute: Bei Kaiser’s

    Neulich wollte ich ein Brot kaufen. Aus Faulheit bei Kaiser’s, obwohl der weltbeste Bäcker der Welt gleich bei mir um die Ecke ist. Doch ich brauchte auch noch was für zum aufs Brot raufmachen tun und wollte nicht zweimal vom Fahrrad absteigen.
    Richtiges Brot gab es nicht mehr, nur irgendwelche Dinger mit Phantasienamen, die mir alle nicht brotig genug aussahen. Die genauen Gegenstücke zum Ruppelschen Traumbrot. Mit sowas braucht man den Kaiser’s Backstandstanten gar nicht kommen.
    Ich entschied mich für ein halbes Biomehrkornbrot. Als die Frau es mir einpacken wollte, zeigte ich auf den Bio-Aufkleber, der an der Rinde klebte. Ich erinnerte mich daran, dass ich mich über so ein Ding schonmal sehr geärgert hatte.

    Ich: „Äh, der Aufkleber da, geht der ab?“

    Sie: „Klar.“

    Ich: „Ich hab hier nämlich schonmal so ein Brot gekauft und da ging der nicht ab. Ich musste ihn dann rausschneiden.“

    Sie: (Polkt eine halbe Minute immer unwirscher werdend mit ihren Fingernägeln an meinem Brot rum, sagt dann:) „Na, den müssen Sie rausschneiden.“

    Ich: „Hm, das ist doch doof. Wieso pappen sie denn Aufkleber auf die Brote, die man dann aus der Rinde raussschneiden muss?“

    Sie: „Na, damit Sie als Kunde sehen, dass das ein Biobrot ist“

    Ich: „Häh??? Ähm, Sie haben das doch aus dem Fach mit der Aufschrift Biobrot gezogen.“

    Sie: „Naja, Aber da kann ja sonstewas stehen. Sie müssen doch sehen, dass das ein Biobrot ist!“

    Völlig verdattert nahm ich das Gebilde aus der Familie der Brotartigen, aus dem sie inzwischen ein großes Stück Rinde samt Aufkleber herausgeschnitten hatte, entgegen und fuhr nach Hause. Der Kopf schwirrte mir von all den unbeantworteten und ungestellten Fragen:

    • Wenn auf den Regalen sonstewas draufstehen kann, kann dann nicht auch auf den Broten sonstewas draufkleben?
    • Wenn ein teures Biobrot nur mithilfe eines Aufklebers von einem herkömmlichen Chemobrot unterscheidbar ist, was war dann gleich nochmal das Verkaufsargument für Biobrote?
    • Warum benutzen sie ausgerechnet den stärksten Kleber, den die chemische Industrie bereitstellt, um ihre Biobrote mit Aufklebern zu verschandeln?
    • Warum sind sie nicht so clever, statt der Biobrote die Chemobrote mit einem „Kein Biobrot“-Aufkleber zu versehen? Dann müssten die, die das billige Brot kaufen, die Rinde kaputtschneiden und würden beim nächstenmal vielleicht mehr Geld für ein aufkleberfreies Brot ausgeben und so den Kaiser’s-Umsatz steigern.
    • Wird dieser Trend eines Tages auch die Klamottenläden erfassen und werden wir dann aus neuen Hosen und Hemden ersteinmal die „100% Baumwolle“-Aufkleber rausschneiden müssen? Dann kauf ich nur noch Synthetik!

    Die Welt wid immer ulkiger. Aber das war ja eigentlich auch schon immer so.

    (Volker Strübing)

  • Schnipsel vom 14.4.2008 / Nichts zu verbergen: BILD deckt die Karten auf

    Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten

    Nu gucke mal:

    Was eigentlich zur Bekämpfung des Terrorismus geplant war, greift immer weiter in die Rechte der Bürger ein. Die Möglichkeit der automatisierten Kontoabfrage erreicht nach der Erweiterung auf Steuerhinterziehung und Sozialleistungsmissbrauch nun auch Temposünder.
    Auf Anfrage des FDP-Abgeordneten Otto Fricke teilte das Bundesjustizministerium nun mit, grundsätzlich ist es auch möglich eine Kontoabfrage zu initiieren, um die Höhe von Geldstrafen bei Strafbefehlen zu bestimmen.
    Mehrere Staatsanwälte haben diese Möglichkeit schon genutzt, um Temposünder härter zu bestrafen. Verkehrsrechtsexperten halten diese Maßnahmen für unverhältnismäßig.

    Quelle: Shortnews.de

    Aber die Vorratsdatenspeicherung, die setzen sie betümpt wirklich bloß gegen Terror und Kinderpornografie ein, jaja; ganz, ganz bestümpt und wer nüscht zu verbergen hat, muss sich auch …


    BILD im Himmel

    Werbung finde ich doof. Die BILD-Zeitung finde ich auch doof. Man kann sich denken, wie ich Werbung für die BILD-Zeitung finde …

    Die aktuelle Kampagne steht unter dem Motto „BILD informiert. Leider erst seit 1952.“ Dazu sieht man zum Beispiel ein Bild der Titanic, die auf einen Eisberg zu fährt und die Schlagzeile „Vorsicht, Eisberg!“. Oder die Trojaner ziehen unter der Überschrift „Vorsicht Falle!“ ein Holzpferd in ihre Stadt. Ein Saurier sieht den heranrasenden Kometen nicht, weil es vor ein paar Millionen Jahren noch keine BILD-Zeitung gab, die „Achtung Meteor!“ titeln konnte. (Dieses Motiv ist übrigens ein feiner selbstironischer Hinweis darauf, welches Entwicklungsniveau das Gehirn eines BILD-Lesers haben sollte.)

    Das ganze soll wahrscheinlich lustig sein, ist aber sowohl größenwahnsinnig als auch eine schlichte Lüge: Die BILD hätte natürlich erst am Tag danach über das trojanische Pferd und die Titanic-Katastrophe berichtet – schließlich hat sie ja auch nicht am Morgen des 11.9.2001 mit einem Foto der Twin-Towers und der Headline „Einsturzgefahr“ aufgemacht. Egal. Leider wurde auch die Chance vertan, mit der rückwärtsgewandten Kampagne eine aktuelle Aussage zu verbinden. Man hätte zum Beispiel ein Hitlerbild mit der Schlagzeile „Achtung Verbrecher!“ verbinden können, aber das hielt man wohl für nicht so lustig wie die Sauriergrütze. Vielleicht hatte man auch Angst, mit so etwas Leser zu verschrecken …

    Mein Lieblingsmotiv ist das, auf dem Eva Adam im Paradies einen Apfel hinhält – unter der Schlagzeile „Nicht essen!“ Dass die BILD-Zeitung gern verhindert hätte, dass der Mensch vom Baume der Erkenntnis isst, finde ich eine mutige und für dieses Blatt bemerkenswert ehrliche Selbstauskunft.

    (Volker Strübing)

  • Was nicht passt …

    Als es mir neulich jemand erzählte, hielt ich es für eine Ente. Isses aber nicht, wie ich nach kurzem Googeln feststellen musste. Es ist ein alter Hut, nur ich habe im Februar 2007, als es durch die Medien ging, nichts davon mitbekommen:

    Es ist kein Scherz: In Löbau macht die Woba kurzerhand Zimmer dicht, um Wohnungen zu verkleinern. Denn ist das Domizil eines ALG-II-Empfängers unangemessen groß, wird ein Raum einfach abgesperrt. 95 Fälle gibt es schon.

    Quelle: SZ-Online.de

    Da es in Löbau nicht genug kleine, billige Wohnungen für Hartz-IV-Empfänger gibt und das Amt zudem den lobenswerten Vorsatz hatte, möglichst vielen Betroffenen einen Umzug zu ersparen, kam man auf diese naheliegende Idee. Aber ich kann mir nicht helfen: Für mich klingt das wie ein Schildbürgerstreich. Nüscht gegen die Leute vom Amt – die haben eben gesetzliche Vorgaben, die sie erfüllen müssen, und immerhin haben sie eine ziemlich kreative Lösung gefunden … aber absurd ist es trotzdem.

    Auszug aus einem Zimmer. Betty Kahlert muss diesen Raum in ihrer Wohnung bald geräumt haben – nicht ganz freiwillig. Ein paar persönliche Sachen sichert die arbeitslose Lehrerin vorsorglich. Doch wohin mit den sperrigen Möbeln? Da hofft sie noch auf eine Lösung. Schließlich muss der Raum völlig ausgeräumt werden.

    […]

    Ihr Vermieter begnügt sich ab sofort mit der geringeren Miete und schließt dafür ein Zimmer zu. Ob dieser Raum dann auch wirklich nicht genutzt wird, das kontrolliert Ulrike Wendler von der Wohnungsverwaltung Löbau.

    O-Ton: Ulrike Wendler und Betty Kahlert

    „Frau Kahlert, die Frau Wendler. Schön Guten Tag Frau Kahlert.“
    „Guten Tag Frau Wendler.“
    „Ich hatte mit Ihnen schon telefonisch gesprochen, ich möchte mir gerne das Zimmer ankucken.“
    „Aber gerne, sie wissen ja, geradeaus.“
    „Ja, gut.“
    „Also wir haben es soweit zusammengeräumt.“
    „So wie wir das abgesprochen hatten.“
    „In den nächsten Wochen wird mein Sohn…“

    Ein bisschen Glück im Unglück. Sie bekommt eine kleine Übergangsfrist, um die Möbel nicht wegwerfen zu müssen. Den Raum betreten darf sie schon jetzt nicht mehr und der Zimmerschlüssel bleibt in der Hand von Ulrike Wendler. Eine neue Situation – jetzt heißt es zusammenrücken.

    Quelle: mdr.de

    Da wird also etwas künstlich entwertet, damit es die Armen weiterbenutzen dürfen. Vielleicht sollte man ihnen auch noch Löcher in die Kleider schneiden und all ihre Bücher mit einem „Mängelexemplar“-Stempel versehen?

    Keine Ahnung, wie das finanziell läuft. Das Geld, dass daduch gespart wird, dass den Btroffenen nur die Mite für eine kleinere, „angemessene“ Wohnung überwiesen wird, fehlt ja der Wohnungsbaugesellschaft an Mieteinnahmen, es ist also überhaupt nichts gewonnen, außer dass dem Buchstaben des Gesetzes Folge geleistet wurde und ein paar Löbauer endlich nur noch das haben, „was ihnen zusteht“. Ulkige Welt.

    (Volker Strübing)

  • Henryk und ich

    Anfang 2000 habe ich Henryk M. Broder kennengelernt. Zusammen mit Reinhard Mohr besuchte er damals die Berliner Lesebühnen, um für den Spiegel einen Artikel darüber zu verfassen. Viele von uns (auch ich) waren ziemlich aufgeregt wegen dieser Sache. Seit Jahren lasen wir Woche für Woche unsere Geschichten vor, das Publikum wuchs langsam aber stetig und die Berliner Tageszeitungen, Stadtmagazine und Radiosender, die sonst jedem kleinen Pups hinterherrannten und ihn zum großen neuen Ding aufbliesen (Kann man Pupse aufblasen? Egal.) ignorierten uns konsequent. Und dann kündigte sich auf einmal einer der bekanntesten Publizisten von Deutschlands größtem Nachrichtenmagazin an und wollte über uns schreiben. Aber hallo war das aufregend!

    Die Chaussee der Enthusiasten fand damal noch im Cube Club statt, einem winzigen Keller mit schimmligen Wänden, der alle paar Monate unter Wasser stand. Weder der Platz noch der Sauerstoff reichten wirklich für alle. Vor allem, wenn noch geraucht wurde, weshalb wir damals – viele von uns waren noch Raucher – die Parole „Wer raucht, liest vor“ ausgaben, um sowohl die Befriedigung unserer eigenen Sucht, als auch ein Mindestmaß an atembarer Luft zu gewährleisten. Der Nachteil war, dass die Zigaretten der Vorlesenden nicht ausreichten, um den moderigen Gestank zu überdecken. Ach ja, schön war’s. (Aber um nichts in der Welt wollten wir dorrthin zurück, nachdem wir einmal ausgezogen waren.)

    Als der hohe Besuch eintraf, war Tube bei uns zu Gast und saß gerade an der Kasse. Er war nicht informiert worden, hatte wohl auch noch nie von Broder gehört, was zu folgendem Dialog führte: (mehr …)

  • Intelligent Design widerlege ich doch mit der linken Arschbacke!

    Und das meine ich wörtlich. Wie berichtet habe ich mich letzte Woche etwas unsanft auf eine Treppe gesetzt, wobei der Aufprall hauptsächlich von der linken Gesäßhälfte aufgefangen wurde. Diese ist bis heute nicht nur komplett verfärbt, sondern auch eine einzige große, deutlich über ihr rechtes Gegenstück hinausragende Beule. Jedesmal wenn ich mich setze oder in einer überfüllten Bahn gegen die Tür gedrückt werde, ist es also wiederum sie, die den Druck auffangen muss. Welcher intelligente Designer käme auf die Idee, einen geprellten und daher besonders empfindlichen Körperteil noch zusätzlich zu exponieren? Das einzig intelligente wäre doch, ihn ganz klein zu machen und zu verstecken! Hör mir uff!

    (Volker Strübing)