Kategorie: Nachrichten aus der Scheinwelt

  • Über so was kann ich mich aufregen

    Frank Nordhausen schreibt auf Seite 3 der BILD Berliner Zeitung vom 11.3.2011 über den Prozess gegen einen üblen Familientyrannen (sog. Patri-Arsch, oder ist das pietätlos?), der unter anderem Kinder missbrauchte, und der seit 2004 arbeitslos ist:  „Obwohl Hartz IV plus zigmal Kindergeld ihm ein gutes Leben garantierten, hat er die Mädchen regelmäßig für 20 bis 40 Euro wie Prostituierte drei türkischen Kumpanen ausgeliefert.“ Weiß der Autor nicht, dass Empfängern von Hartz IV das Kindergeld angerechtet und somit abgezogen wird? Ob ALG II ein gutes Leben garantiert, das wurde und wird ja nun wirklich ausgiebig diskutiert, aber egal welcher Meinung Nordhausen ist: „plus zigmal Kindergeld“ ist Quatsch. In dem Artikel geht es auch um Vorwürfe an Jugendamt und Verwaltung, die sich nicht um Hinweise auf die Verbrechen des Angeklagten geschert hätten. „Es ging auch niemand der Frage nach, wieso Detlef S. als Hartz-IV-Empfänger ein 190000-Euro-Haus besitzen und abzahlen konnte.“ Wieso sollte jemand, der bis vor wenigen Jahren gearbeitet hat, kein Haus haben dürfen? Wohngeld Bestandteil des ALG II. Ich könnte noch was zu den „türkischen Kumpanen“ schreiben, will ich aber nicht. Ich wollte nur mal den Ekel ablassen. Den Ekel davor, dass ganz offensichtlich Schicksale von Missbrauchsopfern missbraucht werden, um Stimmung gegen Arbeitslose (und Türken) zu machen.

    (Andreas Krenzke)

  • Toleranz? Nicht ganz.

    Koranverbrennung abgesagt, Bibelverbrennung verboten. Ich halte von beiden Büchern nicht viel – außer als zeitgeschichtliche Dokumente und kulturstiftende Werke, die in dieser Hinsicht allerdings schon längst ihre Schuldigkeit getan haben – egal, darum gehts mir jetzt gar nicht. Ich bin sehr froh, dass die Verbrennungen nicht stattfanden, Bücherverbrennungen sind eine üble Sache, übrigens auch unter ökologischen Gesichtspunkten (ab ins Altpapier!). Vor allem aber ist mir der hinter der Aktion deutlich erkennbare Wille, Spannungen anzuheizen, vielleicht sogar Gewalt zu provozieren, sehr unsympathisch.

    Daher fand ich es im ersten Moment auch sehr schön, zu lesen, dass ausgerechnet Islam-Gelehrte in Südafrika den Antrag gestellt hatten, die Bibelverbrennung zu verbieten. Das Ganze wurde denn auch als „Signal für Toleranz“ gewertet. Ich freute mich darüber – bis ich weiterlas: „Der Anwalt der Islam-Gelehrten, Zehir Omar, betonte gegenüber der Zeitung, das Gericht sei in allen Punkten seiner Argumentation gefolgt. Dazu zähle auch die Auffassung, dass die Meinungsfreiheit ihre Grenzen dann finde, wenn durch sie Mitglieder einer Religionsgemeinschaft verletzt würden.“ (Spiegel Online)
    Erinnert sich noch jemand an den Streit über die Mohammedkarikaturen? Einige Vertreter des abendländischen Christentums hielten die Gelegenheit für günstig, mit ihren „religiösen Gefühlen“ rumzufuchteln, die man ebenfalls nicht verletzen, über die man sich nicht lustig machen dürfe. Mit der Begründung des südafrikanischen Gerichtes ließen sich nicht nur die Bücherverbrennungen, sondern auch Mohammed-Karikaturen und Titanic-Kruzifix-Titelbilder verbieten.

    (VS)

  • Mixa-Westerwelle-Mash-up

    Die sexuelle Revolution ist mitschuldig an der spätrömisch-katholischen Dekadenz.

    (VS)

    PS: Was oft übersehen wird: Mixa hat nicht nur die sexuelle Revolution für das pfaffenseitige Begrabbeln kleiner Kinder mitverantwortlich gemacht. Auch das jahrzehntelange (wahrscheinlich eher jahrhundertelange) Verschweigen des Problems und die gelinde gesagt behutsame Behandlung der Täter ist sind letzlich Schuld der 68er und wahrscheinlich auch der Aufklärung: „Da sind kirchliche Verantwortungsträger möglicherweise auch einem Zeitgeist aufgesessen, der selbst im Bereich des staatlichen Strafrechts Resozialisierung statt Strafe propagierte“ (Spiegel online)

  • Solange ein Arbeitsloser mehr Geld bekommt als ein Kind in einem indischen Steinbruch, wird er sich nie um Arbeit bemühen

    Westerwelle kann sich freuen: Zwar hacken alle auf seinem Vergleich des Wohlfahrtsstaates mit spätrömischer Dekadenz herum, doch gleich danach ist meist von einer wichtigen Diskussion die Rede, die er angestoßen habe. Nun ist es zweifellos richtig, dass man über Hartz-IV etc. diskutieren muss, und es ist vollkommen idiotisch, wenn eine alleinerziehende Verkäuferin in vielen Fällen weniger oder nur wenig mehr Geld hat, als jemand der sein Geld vom Amt bekommt. Aber – vielleicht bin ich blöd und verstehe es nur nicht – der Skandal sind doch nicht die Säcke voll Geld, die die Arbeitslosen jeden Monat nach Hause tragen, sondern dass die Verkäuferin so wenig verdient, oder? Wenn man den Abstand zwischen Sozialleistungen und Löhnen erhöhen will, sollte es dann nicht zumindest das ganz allgemeine Ziel sein, dass jemand, der sich den ganzen Tag abrackert von seinem Lohn auch leben kann? Das Ziel scheint mittlerweile beinahe utopisch, aber vielleicht auch nur, weil es schon so lange aufgegeben wurde. Ganz davon abgesehen: Natürlich kann man den Arbeitsanreiz dadurch erhöhen, dass man die Leistungen auf Wasser und Brot runterkürzt, aber zu was soll das führen außer zu immer größer werdender Armut? Die Kassen in den Kaufhallen sind besetzt, Friseure gibt es auch genug, wo sollen die Millionen Arbeitssuchenden etwas dazuverdienen? Ich sehe nur eine Möglichkeit: Weiter runter mit den Löhnen, bis es sich Kaiser’s und ALDI leisten können jede Kasse den ganzen Tag offen zu halten (was für den Kunden sicher sehr angenehm wäre), aber damit würde sich natürlich wieder das Gefälle zwischen Hartz-IV und Gehalt verringern, weshalb man die Regelsätze erneut überprüfen müsste … aber klar, in den USA funktioniert es ja auch und eigentlich hat ja auch der Manchester-Kapitalismus ganz gut funktioniert und warum sollte man überhaupt an den alten Ideen festhalten, dass allen ein menschenwürdiges Leben und eine Teilhabe an der Gesellschaft möglich sein soll, das ist doch sowas von 20. Jahrhundert!

    (VS)

    PS: War schön, mal wieder was von Mixa zu hören, er hat sich doch arg rar gemacht. Und dann auch noch zur Karnevalszeit, dieser Jeck!

  • Wäre das Poleis eher geschmolzen, wäre die Titanic nicht untergegangen

    Was ich an den Klimaskeptikern (doofes Wort; die Existenz von Klima geben sie ja zu) nicht verstehe, ist folgendes: Sie zweifeln also daran, dass es einen Klimawandel gibt und, falls es tatsächlich einen geben sollte, dass dieser von Menschen gemacht ist – na und? Soll’n sie doch. Aber eigentlich müssten sie trotz dieser Zweifel den Umstieg auf regenerative Energien und eine Senkung des CO2-Ausstoßes befürworten. Selbst die klitzekleinste Möglichkeit, dass wir am Klimawandel schuld sind, sollte Anlass genug sein, etwas zu unternehmen. Ob sich die Welt wirklich dauerhaft erwärmt und ob das tatsächlich an uns liegt, wird man ganz zweifelsfrei erst wissen, wenn es zu spät ist, noch etwas dagegen zu unternehmen. Ein Schwimmring ist auch dann sinnvoll, wenn sich nach der Seereise herausstellt, dass das Schiff nicht untergegangen ist. Wahrscheinlich waren es die Vorgänger der Klimaskeptiker, die bei der Konstruktion der Titanic den Rotstift bei den Rettungsbooten angesetzt haben.

    Davon abgesehen: Selbst wenn das Klima stabil wäre, gäbe es absolut nichts, was gegen eine „Energiewende“ spräche: Niemand bestreitet ernsthaft, dass die fossilen Brennstoffe irgendwann nicht mehr ausreichen und viel zu teuer werden. Nur über den Zeitpunkt für den Oil-Peak ist man sich uneins, aber je eher man sich darauf vorbereitet, desto besser. Für die Wirtschaft (von den Ölmultis mal abgesehen) kann es nur von Vorteil sein, wenn man sich möglichst schnell möglichst unabhängig von Importen aus potentiellen Krisenregionen und dem extremen Schwankungen unterworfenen Ölpreis macht. Und schließlich bringt jede neue Technologie neuen Schwung in die Bude. Auf dem Energiesektor kann noch Pionierarbeit geleistet werden. Klar, das kostet jetzt erstmal Geld, aber dieses Geld ist ja nicht aus dem Fenster geworfen, sondern sinnvoll investiert.

    Was wollen die also? Einfach nur Recht haben? Das alles beim alten bleibt, weil früher alles besser war und eigentlich schon der Übergang von der Dampfmaschine zu Verbrennungsmotoren und Elektrizität zu weit ging? Oder werden die alle von der Ölindustrie bezahlt?

    (VS)

    PS: Seit heute schmelzen übrigens die Gletscher auf den Bürgersteigen …

  • Die unsichtbare Hand am Strand

    Durch eine Diskussion in einer Mailingliste bin ich auf Hotellings Gesetz und das „Eisverkäufer am Strand“-Problem gestoßen: Stellt euch einen hundert Meter langen Strand vor, der an beiden Seiten von Felsen begrenzt ist. Der Strand ist gut besucht und überall gleich schön, so dass Menschen ziemlich gleichmäßig über den gesamten Strand verteilt rumlümmeln. Alle freuen sich, die Sonne scheint, das Baden macht Spaß, das Sandburgenbauen macht Spaß – herrjeh, und das Sandburgenkaputtmachen erst! Um das Glück am Strand komplett zu machen, vergibt der Bürgermeister des Kurörtchens zwei Lizenzen an Eisverkäufer. „Teilt den Strand unter euch auf, ihr werdet euch schon einig!“, sagt er, dann schmeißt er sie aus seinem Büro, legt den Schlips ab und alles andere bis auf die Badehose und geht hinunter zum Strand, denn für heute hat er wirklich genug gearbeitet.
    Die beiden Eisverkäufer werden sich bei einem Kräuterschnäppschen in der Currywurstbude am Bahnhof tatsächlich schnell einig: Jeder soll seinen Stand 25 Meter von den Felsen entfernt aufbauen – der eine rechts, der andere links. So hätte jeder genau 50 Meter Einzugsgebiet, für die Hälfte der Strandbesucher wäre es näher zum linken, für die andere Hälfte näher zum rechten Stand. Da sowieso beide dasselbe Eis zum selben Preis anbieten (sie sind Cousins, das Rezept haben sie von Oma und die Milch von Omas Kuh), sollten beide ihr Auskommen haben; für Neid und Zwist bestünde kein Anlass. (mehr …)

  • Die CDU überrascht mich mal wieder

    Hui, dass die CDU am Laternenpfahl vor meinem Fenster mal mit „frischen Ideen“ wirbt, zumindest in Pankow, also ich weiß ja nicht… Sollte eine konservative Partei nicht „bewährte Rezepte“ oder sowas versprechen? Egal!

    Und hier noch ein allerreizendstes Taz-Interview des Berliner CDU-Politikers Trapp, Zitat: „Ich wäre dafür, dass man in S- und U-Bahn besondere Waggons einführt. Die Fahrkarte kostet dann etwas mehr, dafür sind dort Sicherheitskräfte. Wer sich sicher fühlen will, geht dorthin. Dann brauchen wir auch keine Videoüberwachung mehr. Leider ist das nie richtig diskutiert worden.“

    (Andreas Krenzke)

  • Demokratie light

    Tralala-Demokratie. Ein Wahlkampfplakat der Grünen wirbt mit „Bio Baby“, die Linke mit „Reichtum für alle“, die CDU mit Lengsfelds Dekolleté. Der Bundeswahlausschuss hat die Teilnahme der NPD APPD an der Bundestagswahl 2009 abgelehnt. Skandal! Die APPD ist immerhin die einzige Partei, die den Kampf gegen den Zwang zur Lohnarbeit Politisch vertritt. Immerhin schickt die OSZE jetzt Wahlbeobachter nach Deutschland. Beobachten ist immer gut. Ich empfehle auch allen Wahlberechtigten Deutschen, die Wahl 27.9. zu beobachten, und zwar von weitem – bloß nicht zu nah rangehen! Dafür, dass irgend welche Ausschüsse Parteien von Wahlen ausschließen, dafür bin ick ´89 nich auf die Straße gegangen. Wer ist überhaupt dieser Bundeswahlausschuss? Ich denke, da sollten Köpfe rollen. Wer jetzt denkt: So ein Quatsch, der Krenzke nörgelt immer bloß, wo bleibt die konstruktive Kritik, Wahlboykott macht auch nichts besser – dem sage ich: Du hast ja Recht, man muss anerkennen, dass sich eigentlich alle Kandidaten und Parteien sehr viel Mühe geben, also wähl sie gefälligst alle!

    (Andreas Krenzke)

    Nachtrag vom 7.9.: Heute macht mich Tube (s.a. Surfpoeten-Wahlhilfe) darauf aufmerksam: „die APPD ist zwar sehr offen und aggressiv gegen den Zwang zur Lohnarbeit, zumindest darf man das aber auch den Parteien unterstellen, die ein BGE fordern. Da gibt es immerhin die Violetten, die das BGE so ziemlich als einen Hauptpunkt im Programm haben. Und ebenfalls im Programm hat es die PSG.“

  • I survived Berlin Marzahn

    Ich suche ja immer Sachen, die ich gegebenenfalls hinten auf ein Buch drucken lassen kann. Das mal was von einem Sportreporter dabei sein würde, hätte ich nie gedacht, aber jetzt hat ein Wolf-Dieter Poschmann gesagt:

    „Wenn man in Marzahn aufgewachsen ist und das unbeschadet überlebt hat, ist man zu allem fähig.“

    Fetzt doch. Ist zwar Quark aber lustig. Vor ellem in Westdeutschland mache ich gerne ein gewisses Gewese um die Tatsache, dass ich aus Marzahn komme, weil es Spaß macht die Reaktionen der Leute zu beobachten. Man kann auch an Klischees, die einen selbst betreffen, viel Freude haben.

    Das einzige, was mich stört, ja fast anekelt, ist die Empörung von Politikern von der Linken bis hin zur CDU. Mann ey, was kümmern die sich um irgendwelche flapsigen Sprüche von Sportreportern?! Was ist das, wenn nicht widerliche Anschleimerei bei Leuten, die das vielleicht gar nicht brauchen, die vielleicht gar keine Politiker in ihrem Hintern wollen?!

    Aber vielleicht schätze ich das ja auch ganz falsch ein, weil ich das Aufwachsen in Marzahn doch nicht so unbeschadet überlebt habe …

    (VS)

    PS: Wenn man heute nach News zum Thema Marzahn googelt, findet man an oberster Position einen Artikel mit dem Titel „Politiker sind empört: Wirbel um Poschmanns Marzahn-Spruch“, dann noch einen über die Leichtathletin, die ihn zu diesem Spruch inspiriert hat und dann drei Artikel mit den Überschriften: „Jugendliche nach Einbruch in Getränkelager erwischt“, „Tram in Berlin-Marzahn beschossen“ und „Taxifahrer in Marzahn überfallen“ …

  • Lebensmotto

    Gestern hat ausgerechnet der Berliner Kurier die Geschichte meines Lebens in einer einzigen Schlagzeile zusammengefasst:

    P1100840

    Ich verrate aber nicht, welche Schlagzeile ich meine.

    [polldaddy poll=1683548]

    (V.S.)