Kategorie: Nachrichten aus der Scheinwelt

  • Schrecken des Schulhofs

    „Auf dem Schulhof war eine weiße Linie, wenn man die überschritt, dann haute einem der Aufsichtslehrer eine runter, aber so richtig mit Schwung. Können Sie sich dass heute überhaupt noch vorstellen?“ – Nein, konnte ich nicht. Das war lange her, die äußert liebenswerte Dame, die mir das auf einer Zugfahrt von Köln nach Hannover, wo wir ins Gespräch kamen, weil wir nebeneinander saßen, erzählte, war damals 13 Jahre alt gewesen. Der Strich auf dem Schulhof, hatte damals katholische von evangelischen Kindern getrennt. Wenn eines ihn überschritt, den Strich, dann kam der Aufsichtslehrer und haute ihm, dem Kind eine runter, aber so richtig mit Schwung. Der Schulhof hatte sich aber nicht in Belfast befunden, sondern im Rheinland, wohin das Mädchen mit seiner Familie aus Schlesien geflohen war, vor den Russen. Alle Berlinerinnen und Berliner unter den Schnipselfriedhofsbesuchern bitte ich, morgen bei der Abstimmung über „Pro Reli“ mit NEIN zu stimmen!

    (Andreas Krenzke)

  • So ein Mixa!

    „Der katholische Bischof Walter Mixa hat über einen zunehmend aggressiven Atheismus in Deutschland geklagt.“

    Eine schöne Erwiderung gibt es hier.

    Eigentlich fast komisch, wie Mixa alles schlechte in der Welt der Gottlosigkeit zuschreibt, darunter auch den Hunger und die Tatsache, dass vielen Menschen ein gerechter Lohn vorenthalten wird. Müssen himmlische Zeiten gewesen sein, damals, als die Kirche die Gottlosigkeit noch bekämpfen durfte, als Krieg und Prostitution unbekannt waren und alle gerecht entlohnt mit vollen Bäuchen zu Bett gingen und ein Dankgebet sprachen.

    (V.S.)

  • Eine Abkackprämie wäre auch mal ne tolle Idee

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    000-leer Hm. Ist damit das Gegenteil von Intelligent Design gemeint, mithin das, was man Gott vorwerfen müsste, wenn es ihn gäbe? Oder ist das einfach nur „bad Denglish“?

    Worüber ich mich übrigens auch aufregen könnte, das ist die Abwrackprämie. Das ist doch Scheiße. Ganz davon abgesehen, dass ein eventuell positiver Konjunktureffekt schnell verpuffen dürfte, find ichs Kacke, dass nur Autofahrer was davon haben, das ist doch gemein, Alter! Ich will ne Abwrackprämie für meinen ollen Computer, meinen ollen Laptop, meinen ollen Fotoapparat (bis auf den Laptop alles schon über ein Jahr alt!), für meine doofe Wohnung (Abfackelprämie wäre auch okay), für alle ollen Klamotten, den Kühlschrank, die Waschmaschine, den Herd (der Backofen ist kaputt) und rückwirkend für den Palast der Republik. Nur für mein Fahrrad nicht, das habe ich schon 10 Jahre, das wird nicht abgewrackt, da steckt mittlerweile schon mindestens das dreifache des Anschaffungspreises an Reparaturkosten drin.
    Abwrackprämie, hör mir uff. Erinnert mich an die Lumen aus „Unheimliche Erscheinungsformen aus Omega XI“. Weltrettung durch beschleunigten Konsum, klingt super, ich könnt mich aufregen, könnt ich mich.
    Aber ich bin ja zum Glück im Urlaub und gaaanz ruhig … ach, ist das schön hier …
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    (Volker Strübing)

  • Theodizee

    Volker hat neulich in was schlimmes reinge“zappt“ (Unwortpremiere!) und daran die Theodizeefrage neu gestellt. Aber das hier, das ist so obszön, das könnte nicht nur nicht ein Gott, das könnte nicht mal der Teufel je gewollt haben.

    (Andreas Krenzke)

  • Hoffentlich kriegt jetzt niemand Alpträume …

    Weihnachtseinkäufe sind einer der Schrecken der modernen Zivilisation. In Berlin hat es sich der Kaufhof am Alex ganz uneigennützig zum Ziel gesetzt, die Verbraucher zu warnen:

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    Ist diese Frau komplett am Computer gemacht oder ist das nur ein Photoshop-Overkill? Das Ergebnis ist jedenfalls mindestens so gruselig wie das Filmposter zu Saw IV, allerdings nur halb so schön wie mein Lieblingsreklameplakat der letzten Jahre:

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    Nein, der Bauzaun im Vordergrund stört nicht, ohne ihn wäre das Bild noch viel beunruhigender und ich hätte mich nicht so nah an diese … ja, was? Wer-erdbeere? … herangetraut. Ist Zörbiger eigentlich nach dieser Plakataktion Pleite gegangen? Bestümpt. Doch, doch ganz sicher, wenn danach noch jemand was von denen gekauft hätte, würde ich meinen Glauben an die Menschheit verlieren.

    (Volker Strübing)

  • Dis kann ja jeder

    Die BZ hat sich des „unfassbar aggressiven Liedes“ von Marc-Uwe Kling über Joseph Ackermann angenommen: „Ist ein Mord-Aufruf Kunst, wenn er gesungen wird?„, nachdem der Stern darüber berichtet und es mit Drohbriefen gegen Ackermann in Zusammenhang gebracht hatte und sich diverse Politiker ebenso vorraussehbar wie routiniert entrüstet hatten:

    Der Vize-Fraktionschef Fritz Felgentreu (SPD) sagte: „Es gibt eine Freiheit der Kunst. Aber das geht zu weit. Das ist eine bewusste Grenzverletzung.“

    (Quelle: Morgenpost)

    Bewusste Grenzverletzungen sind natürlich eine ganz, ganz schlimme Sache, ein Fall für den Bundesgrenzschutz möchte man meinen. Vor 20 Jahren wurde man dafür im Ostteil Deutschlands noch erschossen oder eingesperrt.

    Die BZ hat einen „Star-Anwalt“ auf die Sache angesetzt. Der findet das auch ganz schlimm und meint, dass Ackermann Kling auf jeden Fall verklagen könnte und Recht bekäme. Aber:

    Dieser Text ist so ein saudummes Gewäsch, dass man vielleicht besser sagt, ich kümmere mich nicht darum. Denn man gibt diesem Idioten dadurch eine Publizität, die er nicht verdient hat.

    Da hätte er natürlich auch drüber nachdenken können, bevor er selbst „diesem Idioten“ durch das Interview Publizität verschafft …
    Der Anwalt Professsor Peter Raue gehört laut BZ übrigens „international zu den profiliertesten Juristen“ und sollte wissen, dass es sich bei der Bezeichnung „Idiot“ um eine Beleidigung handelt, für die er mit guter Aussicht auf Erfolg angezeigt werden könnte. Wahrscheinlich handelt es sich hier seinerseits um eine „bewusste Grenzverletzung“, schlimm, schlimm, das alles …

    Professor Rauhe ist übrigens auch „Kunstkenner“ und als solcher sagt er: „diese Form des Gedichts beherrscht jeder Depp.“ Hat eigentlich jemals irgendjemand, der so etwas behauptet hat, bewiesen, dass das jeder Deppoder wenigstens er selbst kann? Nein, natürlich nicht, da redet man sich damit heraus, dass das unter dem eigenen Niveau wäre. Ich habe zum Beispiel gelegentlich zu hören bekommen, dass das, was wir bei den Lesebühnen machen, doch jeder könne, aber natürlich hat der, der das behauptet hat, nie eine Demonstration folgen lassen. Als ich als Jugendlicher miene ersten Musiken am C-64 geschrieben habe, sagte mein Stiefvater im Verlaufe irgendeines Streites um irgendwas: „Und dein Gepiepe da, das kann ich auch, mach lieber was vernümpftiges!“ (Gedächtniszitat) Dabei hätte er den Computer wahrscheinlich nicht einmal angekriegt – geschweige denn das Musikprogramm laden können …

    Ich will gar nicht viel zum Ackermann-Song schreiben. Ehrlich gesagt ist es nicht grad mein Lieblingslied von Marc-Uwe, obwohl einem die gepfiffene Melodie nicht aus dem Kopf geht. Finde es tatsächlich etwas zu krass. „Unfassbar aggressiv“ und verhetzend finde ich aber eher die Berichterstattung der BZ – nicht über Marc-Uwe, sondern generell.

    (Volker Strübing)

  • Sarah Palin versteht wenigstens Spaß …

    Elis hatte ja vermutet, dass McCain die Wahl gewinnt, vor Freude an einem Herzinfarkt stirbt und Sarah Palin die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten wird. Na, das hätte ein Hallo gegeben!

    Bei allem , was man gegen sie vorbringen kann, muss man ihr doch eines zugestehen: Nicht nur, dass sie ein prima Ziel für Spott abgibt – sie wehrt sich auch nicht dagegen, sondern patscht mit einem etwas verkrampft wirkenden Grinsen in jedes Fettnäpfchen, das man ihr hinstellt. Und hinterher lässt sie ihre Sprecherin erklären, wie froh sie sei, nun auch endlich zu den Verarschten zu gehören.

    Palins Sprecherin Tracey Schmitt bestätigte das Telefongespräch. Palin sei «ein bisschen belustigt» gewesen, zu wissen, dass auch sie nun zur langen Liste von Staatsmännern gehöre, die bei ähnlichen Gelegenheiten reingelegt wurden. Auch Sarkozy habe es schon erwischt. «C’est la vie» (so ist das Leben), sagte ihre Sprecherin weltgewandt.

    (Quelle: Netzzeitung.de)

    In Wirklichkeit hat sie wahrscheinlich in ihrem Büro getobt und ein paar Robben geschlachtet, um ihre Wut loszuwerden, aber immerhin hat sie nicht die Anwälte losgeschickt wie Andrea „Wer hat uns verraten“ Ypsilanti oder oben erwähnter Sarkozy, der Stoff-Voodoopuppen von sich verbieten lassen wollte.

    Bedenklich auch, dass man in Großbrittanien mit dem berühmten schwarzen britischen Humor nicht mehr klarkommt:

    Jeremy Clarkson co-moderiert das beliebte Automagazin „Top Gear“ für die BBC. Am vergangenen Sonntag ließ sich Clarkson darin zu folgendem Wortbeitrag hinreißen: „Lkw-Fahrer müssen sich jeden Arbeitstag verdammt anstrengen: Schalten, schalten, schalten, in den Rückspiel gucken, eine Prostituierte ermorden. Schalten, schalten, morden. Echt anstrengend.“

    Am Tag der Ausstrahlung gingen laut Tageszeitung „Times“ 517 Beschwerden bei der BBC ein, auch die Aufsichtsbehörde Ofcom gab an, dass sich wütende Zuschauer gemeldet hätten.

    (Quelle: Spiegel Online)

    Wenn es eine nationale Eigenheit gibt, an der man „auf den Inseln“ arbeiten sollte, dann ist das doch wohl das Essen und nicht der Humor. Aber vielleicht sind die Briten auch bis auf ein paar Ausnahmekomiker genauso humorlos, wie sie es von den Deutschen glauben?!

    Naja, ich habe gut reden. Wenns mal Volkervoodoopuppen gibt oder ein Lesebühnenautor zum LKW-Fahrer-Mörder wird und ich mir dauernd anhören muss, dass das Lesebühnenautorenleben sicher anstrengend ist (schreiben, schreiben, vorlesen, einen LKW-Fahrer ermorden, schreiben …) wird sich zeigen, wieviel Spaß ich wirklich verstehe.

    Auf Spaßanrufe falle ich jedenfalls nicht mehr rein. Neulich erst wollte mich wieder jemand verulken:

    – Guten Tag, ich bin Frau Sowieso von der Deutschen Telekom. Ich habe mir mal ihre Rechnung angeschaut, und wollte wissen, ob sie vielleicht …

    – Nein, will ich nicht.

    – Sie wollen also nichts sparen?

    – Nein, will ich nicht. Wiederhören … äh … Quatsch! Tschüß, meine ich!

    (Volker Strübing)

  • Wenn Mami ihre Tage hat …

    … hilft nur noch ein Besuch im Paradies:

    Viele Grüße aus München.

    (Volker Strübing)

  • In diesem Artikel geht es um Kacke

    18.45 Pause gemacht. Pizza gegessen. Ferngeguckt. Eine Sendung, in der das Leben eines Menschen in Zahlen zusammengefasst wurde und entsprechend bebildert wurde. Klang interessant, ich steh ja so auf abstruse Statistiken und Vergleiche. Wenn die Sonne so groß wär wie ein Gummiball, wär ein Gummiball so groß wie ein noch viel kleinerer Gummiball. Wieviele Gletscher kann man aus einem Eiswürfel schnitzen. So Zeugs.

    Die Sendung war erstaunlich langweilig und uninformativ. Manches war hübsch anzusehen. Zum Beispiel als sie auf einem Teich, dessen Inhalt der von einem Menschen benutzten Wassermenge entsprach, für jedes Vollbad, dass er im Durchschnitt im Leben nimmt, eine Plasteente schwimmen ließen. Oder als sie ein Klo mit 3,9 t braunem Zeugs (war es Kacke?) bekippten, was der Menge entspricht, die Ottonormalscheißer im Leben kackt. Wichtige Fragen blieben unbeantwortet: Der Mensch isst im Leben ungefähr die 10fache Menge. Was passiert mit dem Rest? So träge wie ich mich manchmal fühle, glaube ich nicht, dass ich 90 Prozent der Nahrungsmaterie in Energie überführe. Gut, man pinkelt und schwitzt auch, aber bei den 40 Tonnen Essen waren ja die Getränke auch nicht mitgezählt und im Kot ist auch Wasser enthalten. Soviele Schuppen und Popel habe ich auch nicht, dass sie die Differenz erklären. Oder habe ich mich bloß verhört? Nee, glaube nicht. Immerhin war von 7 Kühen, 45 Schweinen, mehr als 1000 Hühnern und Tausenden Broten die Rede, die jeder von uns zum Frühstück im Laufe seines Lebens isst.Verliert man 6,3 Kühe, 40 Schweine und einen ganzen LKW voll Hühnern und Broten durch Abrieb?

    Sehr ärgerlich: Die immer wieder zu hörende, auch in dieser Doku häufig verwendete, schlechtes Gewissen erzeugen sollende und vollkommen hirnrissige Behauptung, man würde soundsoviel Wasser „verbrauchen“. Wenn ich mich dusche oder das Klo spüle oder aus Protest gegen diese unsinnige Formulierung daheim den Wasserhahn laufen lasse, wenn ich in den Urlaub fahre, dann verbrauche ich kein Wasser. Dann verschmutze oder benutze ich es. Vorhanden ist es hinterher immer noch. Das Wasser mit dem wir heute die Kacke wegspülen, benutzen wir morgen wieder zum Zähneputzen, herrjeh!

    (Volker Strübing)

  • Shopping

    Grad bei LIDL gewesen. Ja, ich weiß, soll man nich, soll man nich, aber die haben das ffieserweise genau bei mir umme Ecke gebaut. Es gibt mal wieder Aktenvernichter im Angebot. Kann irgendjemand erklären, warum es in Discountmärkten dauernd Aktenvernichter zu kaufen gibt? Was für Akten werden mit LIDL- und ALDI- und Netto-Aktenvernichter vernichtet? Und: Will ich das wirklich wissen?

    Auch interessant: Das „Mega-Kreativ-Set“ ist von 99,90 auf 79,90 herabgesetzt worden. Wer jetzt nicht megakreativ wird, ist selber Schuld! Der Kurier fragt auf der Titelseite mit großen Buchstaben „Bald alles Geld weg?“ – führt uns die Bankenkrise am Ende ins kommunistische, geldlose Arbeiterparadies? Und wohin geht das Geld, wenn es weg ist? Hat das etwas mit dem Aktenvernichterboom zu tun?

    (Volker Strübing)