Kategorie: Schnappschüsse

  • Erpel sind Schweine

    Ich war gerade auf Verwandtenbesuch in Dessau. Mein jüngster Neffe hatte sich ebenfalls angekündigt. Er lebt derzeit in den USA, wurde aber zur Feier seines zweites Geburtstages mit dem Flufßeug (wie ich es in diesem Alter genannt habe; er sagt Airplane) ins alte Europa gekarrt, damit er sieht, dass die diversen Großeltern, Tanten und Onkel auch lippensynchron sprechen können und nicht nur so komisch verzögert wie bei Skype.

    Wir machten einen Spaziergang durch den Dessauer Tierpark, der zwar sehr schön ist, aber nicht komplett jugendfrei, es sei denn, es ist wahr, dass die Kleinen heutzutage schon in der Krabbelgruppe über ihre liebsten Gangbang-Videos reden, aber ich will das ja nicht so recht glauben.

    (Liebe scheint mir da nicht im Spiel gewesen zu sein.)

    Zu Beginn unseres Rundganges gab es einen Moment der Panik, als wir feststellten, dass nicht jeder von uns fünf Erwachsenen einen Fotoapparat dabei hatte. Lohnte es sich überhaupt, mit nur einer Spiegelreflex- und einer Videokamera bewaffnet loszuziehen? Die Furcht erwies sich als unbegründet: Ich alleine schaffte in den 90 Minuten, die wir durch den Park liefen, an die 300 Kinderfotos (der Fratz ist aber auch süß!) plus die paar von und vom Vögeln.

    300 Kinderfotos. Soviele gibts von mir wahrscheinlich insgesamt, von meinem Vater vielleicht 3… heutige Kindheiten werden gut dokumentiert. Doof nur, dass es noch keine Geruchsfotografie gibt. Vielleicht ist es eine gute Idee bis zu deren Erfindung die eine oder andere volle Windel aufzuheben, die man dann zum 18. Geburtstag oder wenn der Sohn/ die Tochter das erste Mal Freundin oder Freund mit nach Hause bringt hervorholen kann …

    Kinder sind schon ne schöne Sache, zumindest die, die man kennt und solange sie nicht allzu zahlreich, sagen wir maximal alleine auftreten. Im Café im Tierpark saß eine Familie mit zwei Mädchen, das eine war vielleicht drei, das andere so fünf oder was weiß ich und das größere Mädchen sang dem kleineren ein Lied vor:

    Wozu ist der Kopf denn da, Kopf denn da, Kopf denn da?
    Der Kopf der ist zum Denken da, zum Denken da.
    Wozu sind die Ohren da, Ohren da, Ohren da?
    Die Ohren sind zum Hören da, zum Hören da.

    Die folgenden Strophen behandelten die Augen (zum Gucken), die Beine (zum Laufen), die Hände (zum Greifen) und den Mund – und das war die Stelle, wo ich das erste Mal gerne laut mitgesungen hätte und zwar: „Der Mund der ist zum Halten da, zum Halten da!“, denn längst war klar, dass ich dieses blöde Lied die nächsten fünf Tage als Ohrwurm haben würde. Aber man benimmt sich ja dann doch immer und lässt es bleiben. Ich habe sogar darauf verzichtet, dem Mädchen eine spontan von mir gedichtete Strophe vorzusingen (das Lied dauerte zwar ewig, schien mir aber nicht ganz vollständig): „Wozu ist der Hintern da, Hintern da, Hintern da? Der Hintern ist …“ – aber wie gesagt, ich habe es sein lassen.

    (VS)


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  • Quedlinburg / Ansbach

    Das waren zwei Auftritte! Solo in Quedlinburg (sage „Quättlinburg“, wenn Du rasch mit Einheimischen ins Gespräch kommen willst), der schönsten Stadt der ganzen Welt, dem Venedig des Harz, dem Paris von Sachsen-Anhalt, der harzvorländischen Schweiz, dem Bode-Athen. Vielen Dank nochmal ganz besonders an Manuela und Christian von der Büchercouch für die Einladung, den freundlichen Empfang, das Frühstück und den Stadtbummel!

    (Quedlinburger Spezialitäten …)


    Am Montag war ich dann ziemlich überraschend beim Highlander-Slam in Ansbach dabei. (Bei einem Highlander-Slam treten alle, die in der letzten Saison bei diesem Slam gewonnen haben, gegeneinander an.) Eigentlich war ich gar nicht qualifiziert, weil ich bei meinem Slamauftritt im letzten jahr dort nur zweiter wurde – aber dann hat Philipp Scharri abgesagt und ich bin nachgerutscht.

    Auf der Zugfahrt habe ich einen neuen Text (fast)  fertiggeschrieben – und dann das Heft liegenlassen 🙁 18.00 Uhr war ich in Ansbach, 20.00 Uhr begann der Slam. Die beiden Stunden dazwischen waren dann ziemlich hektisch, aber ich habe es geschafft, ihn aus dem Gedächtnis nochmal zu schreiben und mir den noch fehlenden Schluss auszudenken und habe schließlich mit zwei neuen Texten gewonnen. Das heißt: ich werde Ansbach beim SLAM2011 in Hamburg vertreten. Von dieser freudigen Nachricht (für mich zumindest … tut mir leid, Paddi …) abgesehen war es ein super Slam – Dank und gruß an alle, die da waren und besonders an Michl und Martina!

    Ich werde den Text wahrscheinlich demnächst hier reinstellen. Andererseits baue ich ihn auch gerade zu einer Kloß-und-Spinne-Folge um …

    (Senfei habe ich auf meiner Chinareise auch immer gegessen. Dort aber mit Reis statt mit Salzkartoffeln. Ich entschuldige mich für diesen blöden Witz.)


    (VS)

  • Frühling





    Dieses Bild trägt den Titel „Die physalisäugige Ananas hält sich erschrocken die Kürbisfinger vor den Mund“.



    (VS)

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  • Was haben eine Wasserrutsche und ein Rind gemeinsam?



    Wohl jeden hat diese uralte Menschheitsfrage schon so manche Nacht um den Schlaf gebracht. Henri und ich haben auf einem Ausflug mit dem RE 5 in den Fläming die Antwort gefunden: Beide machen glücklich. Und – das sei mit aller Deutlichkeit gesagt – Letzeres eben nicht nur, wenn es in Scheiben geschnitten und medium gebraten ist.
    Wir haben uns auf eine Recherchefahrradtour (lange Geschichte …) von Jüterbog nach Luckenwalde begeben, sind irgendwo zwischen Jüterbog und Zinna auf diese Weide gestoßen und – als Großstädter von Tieren übermäßig beeindruckt – abgestiegen, um uns die Rinder anzugucken. Die Faszination war beidseitig. Kaum standen wir am Zaun, setzten sie sich allesamt in Bewegung, reihten sich vor uns auf und guckten zurück.





    Ganz ruhig und geduldig standen sie da, manche sabberten und pinkelten ein bisschen vor sich hin; schön war das und beglückend (also wie sie uns angeguckt haben; das Sabbern und Pinkeln fand ich eher so lala). Da dachte ich mir mal wieder, dass diese Viecher doch eigentlich was Besseres verdient haben, als von uns aufgegessen zu werden, und dass ich keins von ihnen irgendwann auf dem Teller wiedersehen will.
    Man könnte natürlich darauf verweisen, dass sie selbst Schuld sind am Aufgegessenwerden – was schmecken sie auch so gut? – oder wie dereinst Spinne argumentieren, dass es diese Rinder dort auf der Weide nicht gebe, wenn wir sie nicht aufessen wollen würden – unser Appetit ist ihre Lebensgrundlage, denn nur zum Angucken und Fahrradfahrerglücklichmachen werden die wenigsten Rinder gezüchtet. Leider.

    (So muss ne Espressomachine aussehen! – Kräuterschnapsmuseum im Kloster Zinna – Home of the Zinnaer Klosterbruder)

    Am Kloster Zinna kann man neben dem Schnapsmuseum (samt Verkostung) auch ein Halseisen an der Klostermauer besichtigen. Als zwei ältere Damen und ein älterer Herr daran vorbeigingen, entspann sich folgendes hübsche Gespräch:
    Herr: Halseisen! Da müsste man die ganzen Graffitischmierer ranketten!
    Dame: Aber die kriegen se ja nie …
    Herr: Und wennse se kriegen, lässt der Richter se frei, weil er sagt, dass das „Kunst“ ist!
    Dame: (schnaubt)

    (Alle ans Halseisen! – Beschmiertes Trafohäuschen in Zinna.)


    (Die Bibel – Hochspannung garantiert!)


    (Vorrausschauendes Handeln ist entscheidend für geschäftlichen Erfolg. Auf diesem Schild in Luckenwalde wurde ausreichend Platz für zukünftige Erweiterungen des Angebotes gelassen Obwohl schon jetzt eigentlich kaum Wünsche offen bleiben.)

     
    Letzte Station war die Therme in Luckenwalde. Erst waren wir etwas enttäuscht vom „Erlebnisbereich“, der aus zwei Whirlpools und zwei Planschbecken zu bestehen schien. Die Whirlpools hatten immerhin einen gewissen Unterhaltungswert. Sie lagen etwa 5 Meter über einem der Planschbecken und man konnte, auf dem Bauch im blubbernden warmen Wasser liegend, die Ellbogen auf den Beckenrand gelegt auf eine Gruppe Rentner hinabblicken, die Wassergymnastik machten. Sie hatte alle solche langen, dünnen, bunten Schwimmwürste zwischen den Beinen, deren Enden vor und hinter ihrem Kopf aus dem Wasser standen – die alten Leutchen erinnerten verblüffend an Quietscheentchen, wie sie da im Kreis durchs Wasser latschten. Am Beckenrand ging eine unglaublich dünne Frau auf und ab, ruderte dabei mit den Armen und zählte immer von 10 bis 1, bevor sie die nächste Übung erklärte, die ein etwas anderes Armkreisen erforderte. Ihre Stimme erinnerte mich ein bisschen an die Sirenenprobe, die wir um 15.00 Uhr in Zinna erlebt hatten. Sie sprach die Zahlen in ein Headset, das aber offensichtlich mit nichts verbunden war. Nach ein paar Minuten trieb uns schließlich die Schlagermusik, mit der die Quietscheentchenbeschallt wurden aus dem Whirlpool. Wenn ich in dem Alter für Wassergymnastik bin, werden uns die Vorturnerinnen wahrscheinlich schlechte 80er-Jahre-Musik vorspielen …

    Und dann entdeckten wir die Wasserrutsche. So ein langes, hübsch gewundenes Plasterohr, durch das man mit einem Gummireifen durchsausen kann. Wahrscheinlich winken die meisten jetzt ab, weil sie sowas schon lange kennen, aber ich bin doch aus dem Osten, wir hatten doch nüscht! Für mich war es jedenfalls das erste Mal – und es war fast so schön wie die  guckenden Kühe. Oder genauso schön, nur auf andere Art. Hatten mir die Kühe das Herz gewärmt, sorgte die Rutsche für minutenlange Kicherflashs.

    So genug geschnipselt für heute. Eigentlich sollte hier ein ellenlanger Artikel über  Lybien stehen, den ich vorgestern Abend geschrieben habe. Zum Glück hatte ich ihn ersteinmal per Hand geschrieben und war dann zu faul, ihn abzutippen und zu posten und habe daher noch eine Nacht drüber geschlafen und gestern gemerkt, dass er ziemlich dusslig war …

    (VS)


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  • Schnipsel vom 8.3.2011

    Wird Zeit, dass ich mich hier mal wieder melde. Manchmal habe ich keine Lust zum Bloggen. Außerdem war ich viel unterwegs. In den nächsten 10 Tagen fahre ich noch nach Dresden, Chemnitz, Zürich und Darmstadt. Mit dem Zug – jetzt fragt mich mal, was ich vom Lokführerstreik halte!

    Nüscht halte ich davon. Egal, ob die Forderungen berechtigt sind oder nicht. Der Strek ist nämlich vollkommen sinnlos. Es wird so ablaufen wie die letzten Male: Ein paar Hunderttausend Leute werden irgendwo festsitzen, nicht in den Urlaub oder nicht auf Arbeit kommen und dann einigen sich Gewerkschaften und Arbeitgeber irgendwie, beide Seiten sind am Ende nicht ganz zufrieden, feiern aber ihren Sieg bzw. ihre Kompromissbereitschaft. Es ist doch so: Alle wissen, dass die Lokführer streiken können und welche Folgen das hat – warum kann man also nicht einfach davon ausgehen, dass sie es bereits getan haben und sich unter dieser, nur ein bisschen Fantasie und Kreativität erfordernden Prämisse zusammensetzen. Wozu muss man das nochmal durchziehen? Vielleicht können zur Vorbereitung die Vorstände der Bahngesellschaften und die Gewerkschaftschefs einen Tag auf einem zugigen Provinzbahnhof herumstehen und damit sozusagen symbolisch die Passion unzähliger Bahnreisender auf sich nehmen (die ja ohnehin am Ende die höheren Löhne über die Fahrkarten mitbezahlen, was als Zeichen unserer Solidarität schon ausreichen sollte).

    Die Verhandlungsführer mögen sich doch bitte einmal die ersten Kapitel von „Per Anhalter durch die Galaxis“ durchlesen und Ford Prefects sehr intelligente Argumentation bezüglich des Mann-im-Matsch-vor-Bulldozer-Problems zu Herzen nehmen.

    (Düsseldorf, Sparkassenforum)

    In der Zeit der Warnstreiks mussten Micha und ich von Düsseldorf nach St.Gallen fahren und hatten Glück. Inmitten des großen Chaos‘ kam ausgerechnet unser Zug nur mit 10 Minuten Verspätung an. Sowohl in Düsseldorf als auch in der Schweiz war es sehr schön – herzliche Grüße und vielen Dank an dieser Stelle nocheinmal an Christine, Markim, Lisa, Richi und Rainer!

    (Trogen)

    Herrlich war es im noch immer verschneiten Trogen (Endhaltestelle einer der Appenzeller Bahnen, gerne auch als „Endstation Trogen“ bezeichnet) mit der Jacke über der Schulter und hochgekrempelten Ärmeln bei strahlendem Sonnenschein durch den Schnee zu Stiefeln!

    (Trogen)

    Ebenfalls Gruß und Dank an Michl und Martina, denen ich die Frankentour und herzliche Aufnahme während der selben verdanke. 5 Tage habe ich bei ihnen in Nürnberg gewohnt – Zeit genug für ein paar Beobachtungen in der Stadt:

    Nürnberg eine wunderbare Stadt zum Bummeln und Shoppen. Direkt im Zentrum ist natürlich alles voll mit den üblichen Mode- und Parfümerieketten und mit ungemütlichen Bars, die sich nicht zu schade sind, sich „Bar Celona“ zu nennen, sowie mit langweiligen Brillengeschäften, deren Geschäftsführer sich fragte: „Was können wir tun, damit niemand merkt, dass unser Brillengeschäft total langweilig ist? Klar: Wir nennen es : ‚Das verrückte Brillenhaus‘ und ‚verrückt‘ schreiben wir mit so einem komischen verrutschen, hihi, sozusagen verrücktem ü!“. An einem chinesischen Schnellimbiss, dessen Schaufenster komplett mit Schnapsflaschen zugestellt ist, verspricht ein Schild: „Alle Asia Saft Döse 1 Euro!“

    Doch etwas abseits findet man Geschäfte mit heimeligen und klingenden Namen wie „Küchen Loesch“, „Pelz Böck“, „Blumen Stier“, „Koffer Kopf“, „Schirm Hahn“, „Uhren Christfeld“, „Gardinen Möser“ und „Samen Edler“ – über die letzten beiden sind sicher schon genug Witze gemacht worden, das kann ich mir also sparen. Zur Sicherheit möchte ich jedoch anfügen, dass es sich bei Samen Edler tatsächlich um ein Geschäft für Pflanzensamen handelt und nicht um einen türkischen Schnellimbiss – vor einigen Jahren geriet Nürnberg in die Schlagzeilen, als in einem Döner Sperma gefunden wurde.

    Nürnberg geriet freilich schon so einige Male in die Schlagzeilen, erinnert sei hier zum Beispiel an die Reichsparteitage im dritten Reich. Stilhäschen, deren Blog ich schon lange mag und die ich in Nürnberg bei einem Kaffee und einem Bier kennenlernen konnte und die ich benefalls ganz gerzlich grüßen möchte, wies mich auf das nette Detail hin, dass ausgerechnet in Nürnberg die erste vollautomatische und damit führerlose U-Bahn Deutschlands fährt, was ein schönes Zeichen gegen historische Kontinuitäten ist, wie ich finde. Apropos Hitler.

    In Nürnberg, wie in ganz Bayern gilt ein äußerst strenges Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden – nur in psychatrischen Kliniken und im Gefängnis gibt es noch die Möglichkeit drin zu rauchen. Wie sich die damit verbundene Steigerung der Attraktivität besagter Einrichtungen auf die geistige Gesundheit und die Kriminalitätsrate der Bayern auswirken wird, bleibt abzuwarten. Kneipen schicken einen jedenfalls ausnahmslos vor die Tür – ohne Bier, denn das muss zum Kompott auch noch drin bleiben. Sebastian Frankenberger, der Initiator dieser strengen Antirauchergesetze ist deshalb gelegentlich als Nazi beschimpft und mit Hitler verglichen worden. Das geht entschieden zu weit, finde ich, das hat Hitler nicht verdient. (Und da ich heute so in Grußlaune bin, grüße ich an dieser Stelle Frédéric. Er wird wissen, warum.)

    (Nürnberg)

    Eine Postkarte, die ich in einem Souvenirladen kaufe, erläutert, worauf man in Nürnberg besonders stolz ist:  „Die Hauptstadt Frankens hat viele Attribute, wie: Meistersingerstadt, Dürerstadt, Stadt der Lebkuchen und der Bratwürste, aber auch des Weihnachtsmarkts“. Ein wichtiges Attribut fehlt: Hauptstadt der hässlichen Teenager. Unglaublich, welche Mühe sich gerade hier viele Jugendliche dabei geben, möglichst beschissen auszusehen. Zwei von ihnen stehen im Hauptbahnhof auf der Rolltreppe hinter mir und reden mit schrillen Stimmen über irgendeinen „Spast“, der sich ihren Unwillen zugezogen hat. Ich drehe mich um und sehe zwei junge Migrationshintergründlerinnen, deren mangelnder Geschmack darauf hindeutet, dass sie zumindest in der Hässliche-Teenager-Szene erfolgreich integriert sind.

    „Ieeehh! Der hat mich angeguckt!“, keift die eine, als sie mich sieht. „Bähhhh, der is ja voll hässlich!“, keift die andere. Ich antworte: „Mensch Mädel, wenn du MICH hässlich nennst, welche Worte bleiben dir dann noch, um dich selbst zu beschreiben? Knautschzone? Bundeskanzleramt? Saft Döse?“

    Leider, oder besser gesagt: Zum Glück fällt mir diese pfiffige Antwort erst 5 Minuten später ein und der Fahrkartenautomat, dem ich sie mit gerechtem Zorn ins Angesicht schleudere, antwortet mit der Gegenfrage, ob ich Bahn-Comfort-Punkte sammle. Keine Ahnung, was passiert wäre, wenn ich etwas schlagfertiger gewesen wäre. Ich habe große Angst davor, einmal von ein paar pubertierenden Mädchen verkloppt zu werden, denn ich weiß nicht, welche Benimmregeln in einem solchen Fall für Männer gelten. Mit deeskalierenden Gesprächstaktiken hätte ich es gar nicht erst probieren brauchen, Worte des Friedens wären auf ähnlich fruchtbaren Boden gefallen wie ein Blumensamen auf dem Mond. Klar ist auch: Wegrennen, um Gnade flehen oder um Hilfe rufen fällt aus, da könnte man sich genauso gut öffentlich kastrieren und für alle Zeiten von seinem Posten als zumindest potentieller Teil des evolutionären Reigens zurücktreten. Zurücktreten bzw. Zurückschlagen geht aber irgendwie auch nicht – ein Mann der junge Mädchen schlägt, was ist das denn bitteschön für ein Arsch? Zumal der Ausgang eines Kampfes in diesem Falle ungewiss gewesen wäre – irgendwie hatte ich den Eindruck, dass die Streetfighting-Skills der beiden höher waren als die meinen.

    Für Verhaltenshinweise wäre ich dankbar.

    (Lisa, Richi, Maximilian auf dem Weg ins weiße Nichts …)


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    (VS)


  • Schnipsel vom 9.2.2011


    (Backstage Übel & Gefährlich / Hamburg)

    Ich bin zur Zeit ziemlich viel unterwegs, deshalb ist hier auch nicht so viel los. Vorletzte Woche war ich in Hamburg, wo ich unter anderem erleben konnte, wie Laurin Buser beim Bunkerslam im Uebel & Gefährlich von allen Jurymitgliedern 10 Punkte bekam. Die 10 ist – so erklären es zumindest einige Moderatoren der Jury und dem Publikum – für Texte vorbehalten, die einen kollektiven Orgasmus auslösen. Und man muss sagen: Laurin hat genau das geschafft. Habe noch nie erlebt, dass ein Publikum bei einem Slam so ausrastet. Hammer.

    Vorgestern war ich in Augsburg, war eingeladen zum Dead-Or-Alive-Slam im ausverkauften Parktheater. Ein sehr, sehr schöner Abend. Und tolles Wetter haben die da unten!

    (Soundcheck im Parktheater)

    Außerdem gibt es in Augsburg, wie ich erfreut feststellte, nicht nur einen Roy-Black-Weg, sondern auch eine Frohsinnstraße. Spinne würde das sicher sehr gefallen.

    (Kein Roy-Black-Weg, keine Frohsinnstraße: In Meiersberg (MV) kann man auf jeden Schnickschnack bei der Straßenbenennung verzichten. Ach, auf dem Land ist alles so herrlich unkompliziert …)

    Ab Sonntag steht dann eine kleine Frankentour an, danach bin ich mit Micha als Team in Düsseldorf und der Schweiz unterwegs. Die nächste Gelegenheit, mich in Berlin zu hören gibt es am Freitag in der JVA Hakenfelde. Ich weiß nicht, ob es noch Plätze gibt. Vom Ambiente wird es sicher das genaue Gegenteil des Parktheaters.

    Gerade jetzt, wo ich soviel unterwegs bin, wurde mir von Seiten der Deutschen Bahn die ultimative Demütigung für einen fahrenden Schriftsteller zu teil. Meine neue Bahncard ist da:

    Nie mehr Omas von den Bahn-Comfort-Plätzen vertreiben 🙁

    Was ganz anderes: Neulich beklagte sich Norbert über den mangelnden Integrationswillen der Muslime was den Alkoholkonsum angeht, jetzt ist ihm der bayerische Brauereibund beigesprungen. An der Argumentation ist ja auch absolut nichts auszusetzen! Umso peinlicher ist es anzusehen, wie der Brauereibund jetzt halbherzig und feige zurückrudert, von Missverständnissen spricht und behauptet, mit Migranten habe man vor allem Nichtbayern aus anderen Teilen Deutschlands gemeint. Jaja, tolle Sache, auf Ausländer schimpfen und dann glauben, man mache es besser, indem man sagt, man habe ja eigentlich die Ostler gemeint!

    (Hotelhinterhof, Reeperbahn, Hamburg)

    Sehr unangenehm ist es übrigens, sich die Haut über dem Kehlkopf im Reißverschluss der hochkragigen Jacke einzuklemmen. Ich möchte behaupten, dass es die zweitunangenehmste Möglichkeit ist, sich etwas in einem Reißverschluss einzuklemmen.

  • Die Krise ist ein einsamer Arsch ohne Ohren

    Der Schnipselfriedhof wird noch nicht ausverkauft, macht aber Pause bis nächste Woche.

  • Schnipsel vom 17.1.2011


    (Bei Bad Freienwalde)

    Es ist ein sicheres Anzeichen für Dummheit, wenn man denselben Fehler immer wieder wiederholt. Sich zum Beispiel ständig aufs Neue von Früchteteeverpackungen, die aufregende und exotische Genüsse versprechen, zum Kauf animieren lässt. Zur Zeit stapeln sich bei mir Ananas, Sauerkirsche, Sanddorn, Erdbeer-Rhabarber, Apfel-Feige und Himbeere – und alle schmecken nach Hagebutten.  Früchtetees schmecken immer nach Hagebutten, bestenfalls nach Hagebutten, denen jemand eingeredt hat, sie wären Äpfel oder Sauerkirschen, das müsste ich doch langsam mal begriffen haben!

    Zum Glück mag ich Hagebuttentee.

    Die Qualität von Brötchen verhält sich umgekehrt proportional zu ihrem Preis. Die zu 26 Cent von Kamps (dem Becks unter den Bäckereiketten) taugen zum Beispiel nur zum Entenfüttern oder dazu, sich das Wochenendfrühstück zu verderben. Sollte es jemals eine allgemeine Theorie von überhaupt allem geben, wird sie sich daran messen lassen müssen, ob sie auch diesen Zusammenhang vorraussagen kann.

  • Spiekeroog

    Ein paar Neujahrsfotos von der Nordsee …

    (Auf der Fähre. Klick auf die Bilder macht sie groß und scharf und schön – der Vorschaualgorithmus von WordPress produziert ziemliche Mansche.) (mehr …)

  • 2010 R.I.P.

    So. 2010 ist geschafft und da es für mich kein besonders gutes Jahr war, bin ich ganz froh darüber. 2011 wird das Jahr, in dem sich völlig überraschend alle Hoffnungen erfüllen werden – ich freu mich schon! Gleichzeitig wird es natürlich das Jahr des „Großen Schlamassels“, aber wer meinen Roman „Das Paradies am Rande der Stadt“ gelesen hat, weiß das natürlich und hat sich sicher entsprechend vorbereitet. Alle anderen sollten ihn schnell noch bestellen!

    (2.1.2011, Bahnhof Sande, zwei Stunden Aufenthalt wegen „Personenschaden“. Klick aufs Bild zum Vergrößern – dann wird es auch scharf!)

    Ich habe im letzten Jahr eigentlich eine ganze Menge geschafft, habe die Arbeit an einer Fernsehserie abgeschlossen, die inzwischen dreimal auf 3sat und ZDF lief und von ein paar hunderttausend Menschen gesehen wurde, habe in Rekordzeit ein Buch zur Fernsehserie geschrieben, habe ein gutes Dutzend Kloß-und- Spinne-Folgen verfasst und 9 davon vertrickfilmt, all meine Videos auf YouTube wurden 880.000 mal angesehen, ich habe außerdem alle Folgen für die DVD überarbeitet diese zusammen mit Voland & Quist mit anderthalb Jahren Verspätung gerade so noch vor dem Jahreswechsel vom Stapel gelassen, habe an einigen Fernsehserien- und Romanideen gearbeitet, 106 Einträge auf dem Schnipselfriedhof gepostet, der 2010 230.000 mal aufgerufen wurde, habe zwölf Vorlesetexte geschrieben und bin 60 mal aufgetreten. Außerdem bin ich pleite.

    (Neu, Neu, Neu!)

    Nach zehn Jahren, die ich mich freischaffend irgendwie durchgeschlagen habe, ist das sehr deprimierend. Ich bin sehr optimistisch, dass das bald überwunden sein wird, aber überhaupt an diesen Punkt gekommen zu sein … ironischerweise wähnen mich immer noch einige Bekannte aufgrund der Arbeit für’s Fernsehen in den Mittelstand aufgestiegen.

    (Klick auf das Bild zum Vergrößern)

    Erschwerend kam dazu, dass ich 2010 39 Jahre alt geworden bin, das wahrscheinlich dööfste Alter, das man haben kann. Im April werde  ich zum Glück 40! 40 ist ein schönes und würdevolles Alter. Ich hoffe, ich werde bis dahin  auch die nötige Weisheit und Lebenserfahrung akkumuliert haben, um nicht wieder Monate mit extrem stressigen, finanziell und künstlerisch unsinnigen Projekten (wie etwa dem Mississippi-Buch oder der Kloß-und-Spinne-DVD) zu verschwenden; um mich überhaupt auf einige wenige Sachen zu konzentrieren, statt Ideen für Projekte anzuhäufen, die ich nie realisiere, nicht einmal richtig ausformuliere, weil ich stattdessen schon dabei bin, zu überlegen, was ich sonst noch machen könnte; um mich besser verkaufen und besser verkaufbare Sachen zu machen … ähm … ohne mich zu verkaufen natürlich.

    So, da schwang jetzt ordentlich Selbstmitleid mit, aber das ist ja auch mal ganz schön. Ich habe überlegt, den Artikel „Lamorjanz oder jar nich“ zu nennen, was ein schöner Titel gewesen wäre, aber in Wirklichkeit ist diese Phase schon längst überwunden. Es gibt genug Ideen und auch die eine oder andere gute Aussicht fürs neue Jahr.

    PS: Gerade habe ich nocheinmal nachgeguckt und festgestellt, dass im Roman nirgends das Jahr 2011 als Termin für das Große Schlamassel genannt wird. Sehr geschickt, sich als Autor da nicht festzulegen. Die Jahreszahl findet sich nur in einer alten Fassung …

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