Kategorie: Unterwegs

  • Abschied von der Chaussee (2)

    So. Das war’s nun also. Der letzte Auftritt als Mitglied der Chaussee der Enthusiasten ist vorbei. Und einen schöneren Ausstieg hätte ich mir nicht wünschen können. Es war wohl noch nie so voll; am Ende konnten wir einige Leute nicht mehr hereinlassen (falls ihr das lest: Entschuldigt bitte!). Es waren ja auch Ferien und außerdem gab es neben Kirstens Aufnahme und meinem Abschied auch die neue Ausgabe unseres Heftchens „Brillenschlange“ zu feiern. Jochen und Robert haben die Redaktion und das Layout übernommen und einen heldenhaften Kampf gegen bemackte Software geführt, sind zwischendurch verzweifelt und dann über sich hinausgewachsen und haben eine der schönsten Brillenschlangen aller Zeiten produziert. Und ganz sicher die Brillenschlange mit dem schönsten Coverbild, denn das hat der wunderbare Mawil für uns gemalt (Achtung, große Bilddateien): (mehr …)

  • Eigentlich will ich ja nur mal mit dem Transrapid fahren …

    In einem Monat fliegen Dan, Jochen und ich auf Einladung des Auswärtigen Amtes und des Goethe-Institutes nach Shanghai. Wir werden einige Lesungen haben – auf Deutsch und mit eingeblendeten oder vorgetragenen Übersetzungen; wenn alles gut geht, gibt es auch zwei Kloß-und-Spinne-Filme mit chinesischen Untertiteln – und ich werde danach noch etwas länger bleiben und mir mal das Land und die Leute angucken. Zumindest ein klitzeklitzekleines Fitzelchen und den einen oder anderen Leut, denn China ist riesengroß und es leben recht viele Menschen dort, auch wenn man Tibet und Taiwan nicht mitzählt …

    Ich freue mich seit Monaten auf diese Reise. China stand immer sehr weit oben auf der Liste der Länder, die ich gerne besuchen würde. Die Einladung war für mich ein … hm, „Gottesgeschenk“ hätte ich fast geschrieben, aber das wäre doch ein bisschen zu dick aufgetragen … jedenfalls habe ich mich wie blöde gefreut.

    Trotzdem gibt es natürlich einen kleinen Störenfried, einen Gedanken, der in meinem Kopf hin- und herhüpft, ab und zu ein bisschen rumkrakeelt, sich aber meist versteckt hält, damit ich ihn nicht erwische und aus meinem Hirn ausweise. Er heißt: „Willst Du wirklich in ein Land fahren, in dem Blogger ins Gefängnis gesteckt werden, in dem Millionen Bürger zwangsumgesiedelt und Tausende jedes Jahr hingerichtet werden?“

    Um es kurz zu machen: Ja, ich will. Ich kann nicht anders.

    Ich könnte jetzt auf Größenwahn schalten und irgendwas davon faseln, wie wichtig der kulturelle Austausch für die Demokratisierung Chinas sei und dass ich meinen Beitrag dazu leisten wolle, aber damit würde ich mich nur lächerlich machen. Ich könnte sagen, dass ich mir vor Ort ein Bild machen will, um dann im Schnipselfriedhof die Menschheit darüber in Kenntnis zu setzen, was wirklich Sache ist. Auch Schwachsinn. Tatsache ist: Ich bin einfach verdammt neugierig. Und genausowenig wie mein Besuch die Lage der chinesischen (oder gar tibetischen) Bevölkerung verbessern wird, wird er sie verschlechtern – es ist schlicht egal, ob ich da bin oder nicht. Klar … wenn alle das Land boykottieren würden, dann würde sich schon etwas ändern (wahrscheinlich würde das Regime wieder richtig verhärten), aber wer auch nur ein Produkt „Made in China“ besitzt, der soll mich bloß in Ruhe lassen.

    Ich weiß nicht, wie man mit China umgehen soll. Oft denke ich, dass man China darin unterstützen muss, sich mit kleinen, klitzekleinen Schritten zu verändern („kritischer Dialog“ und so), dass dieser langsame Weg besser ist für China und den Rest der Welt als ein radikaler Bruch wie in der Sowjetunion, dass man die Fortschritte sehen müsse (Zwischenruf des herumhüpfenden Gedankens: „Welche Fortschritte? Dass sie jetzt mit Giftspritze hinrichten?“). Angesichts der Menschen, die jetzt in China wegen kritischer Äßerungen im Gefängnis sitzen oder die in diesem Augenblick nach einem hanebüchenen Verfahren zum Hinrichtungsfahrzeug geführt werden, erscheint das zynisch und kaltherzig, aber was wäre die Alternative?

    Keine Ahnung. Vielleicht ist es ja auch garnicht meine Aufgabe. Ich freue mich auf die Reise.

    (Volker Strübing)

  • Schnappschüsse vom 15.3.2008 / Buchmesse Leipzig

    Och, es gäbe so viel zu schreiben über die Buchmesse, aber ich bin zu faul. Schön war’s. Am Freitag beim Buchmesseslam, den ich dann auch noch gewonnen habe und am Sonnabend auf der Messe. Wobei ein Tag dort auch reicht. Soviele Bücher, soviele Lesungen, soviele Menschen, so eklige Bratwürste …

    Hier ein paar Fotos:

    000-leer.jpg

    buchmesse01.jpg

    000-leer.jpg

    • Halle 2 war am schönsten, da waren die Comics und dort trafen sich die ganzen verkleideten Mangamädchen und Rollenspieljungs, für die am Sonnabend der Eintritt frei war. (mehr …)
  • Want to be a VIP

    00koeln.jpg

    Dieses schöne Schild sah ich gestern in der Kölner Innenstadt. Ich war zwei Tage für Fernsehaufzeichnungen dort, Mittwoch und Donnerstag Abend, deshalb konnte ich leider nicht zur VIP-Party gehen. (Hinter diesen Satz sollte ich vielleicht ein Grinsezeichen setzen, damit er nicht ganz so überheblich rüberkommt … ach, egal.)

    Schön war’s mal wieder beim WDR Poetry Slam. Die 3. Staffel wird noch bis Sonnabend gedreht und am Mittwoch gab es ein 75-Minuten-Special zur Lit Cologne mit den Siegern der 2. Staffel, das schon am nächsten Sonnabend, dem 15.3. ausgestrahlt wird. Wie immer beim WDR Poetry Slam moderiert Jörg Thadeusz, an dem ich doof finde, dass man jedesmal nachgucken muss, wie jetzt sein Name gleich nochmal geschrieben wird, den man davon abgesehen aber einfach mögen muss, wenn man kein böser Mensch ist. So kann man übrigens ganz leicht rausfinden, ob man ein böser Mensch ist. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, das Jörg-Thadeusz-Mögen zwar eine notwendige aber keine hinreichende Bedingung ist, um ein guter Mensch zu sein.

    Auf der Rückfahrt saß dann Harald Schmidt in der Mitropa im Bordrestaurant. Am Tisch schräg gegenüber. Die Chance, hinzugehen, ihm mein Buch in die Hand zu drücken und die Schnipselfriedhofsadresse auf die Serviette zu kritzeln und zu fragen, ob er mich nichtmal in seine Sendung einladen kann, ich würde auch im Gegenzug einen Lesebühnenauftritt für ihn klar machen, und ihm von den Trickfilmen zu erzählen – ob die nicht was für seine Sendung wären; ich würde auch nicht darauf bestehen, dass diese in „Schmidt und Pocher und Kloß und Spinne“ umbenannt wird.

    Aber ich habe dann bloß „einen Kaffee bitte“ zum Kellner gesagt. Ich mag ja den Bahnkaffee. Meistens trinke ich ihn an meinem Sitzplatz, weil er da 20 Cent billiger ist und bloß lumpige 2,70 kostet, aber diese Variante fiel aus, als sich zwischen Bielefeld und Hannover eine Männerhorde mit Dönern an den Tisch auf der anderen Gangseite niederließ. Ich nehme an, dass sie den Böse-Leute-Test nicht bestehen würden – dann lieber Harald Schmidt und die ganze Zeit angestrengt nicht hingucken … ach, wäre ich mal doch zur VIP-Party gegangen, dann hätte ich ganz entspannt und auf einer Augenhöhe mit ihm reden können!

    (Volker Strübing)

  • Alles fühlt sich klamm an, seit ich in Anklam ankam

    Um nach Ueckermünde zu kommen, muss man in Pasewalk umsteigen. Pasewalk ist kein schöner Ort. Nein, das ist er nicht. Niemand käme auf die Idee, Pasewalk die Perle der Uckermark zu nennen oder das Paris des Nordens oder das Wien MeckPomms. Hitler wurde 1918 nach einer Gasverletzung mit kurzzeitiger Erblindung ins Lazarett Pasewalk verlegt, erlangte dort das Augenlicht wieder und wurde prompt verrückt. Ich will nicht Pasewalk die Schuld an Hitlers Verbrechen in die Schuhe schieben, nein, nein, nein. Aber ein schöner Ort ist es nicht.

    In Pasewalk steigt man Richtung Ueckermünde in einen ganz in den Farben eines lokalen Getränkeabholmarktes gehaltenen Zug einer privaten Eisenbahngesellschaft. Von Berlin bis Pasewalk aber fährt man mit dem Euro-City. Und dieser hat den Startbahnhof Wien Süd. Ist das nicht großartig? Man kann von Wien ohne umzusteigen nach Pasewalk fahren!

    Irgendwann werde ich ein Lied schreiben. Über einen Mann, der in Wien in den Zug steigt, in der verkrampften Hand eine Fahrkarte nach Pasewalk. Einfache Fahrt. Keine Rückfahrkarte. Es wird ein Lied in Moll, soviel ist schonmal sicher …

    (Volker Strübing)

    PS: Anklam ist auch kein schöner Ort.

  • Von wegen krankgeschrieben …

    kunds-makingof.gif

    Gestern habe ich den neuen „Kloß und Spinne“-Film das erste mal in einer noch nicht ganz fertigen Version im Bassy Cowboy Club bei LSD gezeigt. Oben im Bild ist ein Screenshot des Films in Anime Studio Pro, dem Programm, mit dem ich die in Corel Draw gemalten Einzelbilder animiere. Wie man sieht, ist es Kloß gelungen, Spinne einen ganz neuen Gesichtsausdruck abzunötigen 😉

    Am Sonntag oder Montag stelle ich ihn ins Netz, vorher kann man ihn nochmal dreimal voll exklusiv und auf der großen Leinwand erleben und zwar am Donnerstag bei der Chaussee der Enthusiasten, am Freitag bei einem Soloauftritt in Potsdam auf dem Theaterschiff und am Sonnabend bei einem Soloauftritt in der Straßenbahnkneipe in Berlin Friedenau. Nächste Woche nehme ich vier ganz neue Episoden (Folge 19-22) für’s Radio auf, von denen ich vielleicht eine am Sonntag bei der Lesebühne des Westens mit Puppen vorspielelese.

    Werbeansage Ende. Ganz schön volle Woche dafür, dass ich immer noch wie blöde rumhuste

    (Volker Strübing)

    PS: Ich bin schon deshalb gegen die Assimilierung der hier lebenden Türken, weil die dann auch noch am Herrentag besoffen durch die Gegend torkeln würden.
    Fiel mir nur grad so ein.

  • Leider keine Kamera zur Hand gehabt

    Gerne hätte ich in Tübingen diesen rätselhaften Slogan fotografiert: Nazis Gegen Rechts!

    (Andreas Krenzke)

  • Fremdgegangen

    Gestern habe ich LSD geschwänzt, um endlich mal beim Kreuzbergslam im Kato mitzumachen. Normalerweise hätte ich das auf die Zeit nach meinem Ausstieg bei LSD verschoben, aber gestern wurde der Slam fürs Fernsehen aufgezeichnet und da habe ich aus Kamerageilheit eine Ausnahme gemacht. Für den Bezahlfernsehsender Sat1Comedy entsteht zur Zeit die Serie Slam Tour mit Kuttner. Sarah Kuttner und ein Fernsehteam besuchen Slams in verschiedenen Städten, filmen diese, führen ein paar Interviews und machen daraus eine Sendung, die hoffentlich toll wird (und ich bin da eigentlich guter Dinge und in vorfreudiger Erwartung). Am Vormittag hatte ich mich bereits mit Sarah und dem Team im Hauptbahnhof getroffen – die wollten an einem Ort mit mir sprechen, der irgendwie auch was mit mir zu tun hat und in mein Bett hätten sie nicht alle reingepasst, na, und weil ich doch soviel unterwegs war im letzten Jahr …

    Wir haben ein Interview und ein bisschen Quatsch und ich mich hoffentlich nicht vollkommen zum Horst gemacht. Und selbst wenn … ich glaube, niemand kann Sat1Comedy überhaupt gucken, oder?

    Ich habe dort auch ein Foto gemacht von Sarah, aber eher unabsichtlich, weil ich eigentlich nur die Küchenuhr der Austernbar im Hauptbahnhof fotografieren wollte, um Stefanie von Textilvergehen.de ganz lieb zu grüßen – wo sie doch selbst gerade fremdgegangen ist: (mehr …)

  • Die Züge nach Hogwarts fahren heute von den Gleisen 3, 6 und 7!

    Gerade war ich zum dritten Mal in Marburg und bis jetzt gibt es nur eines, was ich an diesem Städtchen ernsthaft auszusetzen habe: Dass man in Kassel-Wilhelmshölle umsteigen muss, um von Berlin aus dorthin zu gelangen. Gibt es eigentlich Untersuchungen darüber, um wie stark die Selbstmordrate in Deutschland nach der Eröffnung dieses Betonmonstrums gestiegen ist? Ein Bahnhof wie eine Wurzelbehandlung. Und bei Wind und Regen wie eine ohne Betäubung.

    Das Marburger Bahnhöfchen ist auch nicht gerade schön und versucht die daraus resultierenden Minderwertigkeitskomplexe durch einen geradezu rührenden Größenwahn wettzumachen, weshalb es sich stolz „Marburg Hauptbahnhof“ nennt. Da zu einem Hauptbahnhof auch viele Gleise gehören, Marburg aber nur fünf besitzt, musste man bei der Nummerierung kreativ vorgehen:

     

     

    marburg.jpg

     

    Noch doller treibt es in dieser Hinsicht Ulm (wenn ich mich recht erinnere), wo die Gleisnummern in die Hunderte gehen und wahrscheinlich mit der Einwohnerzahl korrelieren.

     

    (Volker Strübing)

  • Schnipsel vom 25.1.2008

    • Schön ist es im Zug Richtung Konstanz am Freitag Nachmittag – zumindest, wenn man seine Bahn-Bonus-Punkte gegen ein 1. Klasse Upgrade eingetauscht hat und sich nicht in den hinteren Abteilen mit dem Pöbel, zu dem man ja eigentlich auch gehört, um die Plätze balgen muss. Hier ist es bequem, man hat Platz, das Selbstwertgefühl steigt und ich bin sicher, dass der Mann schräg gegenüber bei seinen ununterbrochenen Nasengrabungen sehr wohlschmeckende und ebenmäßige Popel zutage fördert. First Class Popel eben. Schön, dass ich einmal in diese Welt hineinschnuppern darf. Außerdem bekommt man Pralinen geschenkt und Zeitungen und Letzeres erlaubt es mir, mal wieder ein Blatt zu lesen, für das ich auf keinen Fall Geld ausgeben möchte: Die BILD-Zeitung. Ich fand einen Artikel über einen Intensivtäter, der schon 140 Straftaten begangen hat, Diebstahl zumeist. Dann kommt ein denkwürdiges Zitat:

      In seiner Akte steht: „Seine Lebenseinstellung ist: ‚Arbeiten ist scheiße, ich komm auch so durch.`“ Trotzdem läuft er frei herum.

      Da hätt‘ ich mich fast an der leckeren Praline verschluckt.

    • Bei Kaiser’s in den Schönhauser Allee Arcaden haben sie jetzt über den Kassen große Bildschirme aufgehängt, auf denen Werbung läuft. Sicher haben sie dabei nur an das Wohl der Kunden gedacht, die sich in den häufig sehr langen Warteschlangen langweilen. Danke dafür. Ist bestimmt auch viel blliger, als noch ne Kasse zu öffnen.
    • Seit langem frage ich mich – und andere – ob mein Eindruck, dass des Abend immer mehr junge und jungtuende Leute mit offenen Bieren (manche auch mit Beck’s) durch die Gegend laufen oder fahren. Einige Bekannte haben diesen Eindruck bestätigt, andere haben den Kopf geschüttelt und darauf hingewiesen, dass es das auch früher schon gab. Klar gab’s das auch schon früher. Herrjeh, ich hab das auch gemacht. Jugend muss Scheiße sein und die Alten ärgern. Aber das isses ja grade: Ich habe nicht den Eindruck, dass die das machen, um Scheiße zu sein oder die Alten zu ärgern, sondern weil’s für sie einfach die normalste Sache der Welt ist. Sodom und Gomorrha!

    (Volker Strübing)