Kategorie: Unterwegs

  • Oh heiliger Schell, der Du bist …

    im Himmel im Wirtshaus Deines Heimatdorfes oder einem Verhandlungssaal. Mein Zug komme, wie auch aller anderen Züge kommen …

    Ohne Streik, Personen im Gleis und Signalstörungen habe ich diese Woche 20 Stunden Zugfahrt vor mir. 20 Stunden reichen eigentlich auch. Da muss ich nicht unbedingt noch stundenlang auf diese Züge warten …

    (Volker Strübing)

  • Schnipselkino!

    Am Sonnabend ist es soweit: Da darf ich im Zeise Kino in Hamburg meine Filme auf der großen Leinwand zeigen: Schnipselkino! Unglaublich, oder? Ich bin so gespannt auf Norberts Stimme, wenn sie aus einem Kinosoundsystem kracht 🙂 Neben einigen Filmen – darunter auch Sachen, die es nicht oder noch nicht im Netz gibt (den neuesten „Kloß und Spinne“ zum Beispiel) – werde ich auch die eine oder andere Geschichte vorlesen. Alle müssen kommen. Der Zug braucht nicht lange bis Hamburg. Naja. Hängt ein bisschen davon ab, wo man her kommt.

    Bereits am Freitag findet ebenfalls im Zeise der monatliche „Kampf der Künste“ Poetry Slam statt, an dem ich auch teilnehme. Wir hatten die Idee, hinterher einen kleinen Film zu Werbezwecken zu zeigen, und so habe ich heute einen Trailer zusammengebastelt. Wollte eigentlich bloß rasch was zusammenschnippeln, aber dann bin ich ins Spielen und Basteln gekommen und habe jetzt gute 11 Stunden am Computer hinter mir. Und hier ist das Ergebnis:

    [youtube=http://www.youtube.com/watch?v=kyuOns0XFo8]

    (Nicht wundern, falls ihr den Anfang kennt: Der stammt aus dem Trailer zu Kloß und Spinne Teil 4.)

    (Volker Strübing)

  • Schnipsel vom 1.11.2007

    • Letzten Freitag war ich zu Gast bei der Darmstädter Dichterschlacht – dem größten regelmäßig stattfindenden Poetry Slam Deutschlands (und einem sehr schönen noch dazu). Ebenfalls dabei war Björn Högsdal, den ich vorher nur vom Hörensagen und mal kurz sehen kannte und der zwei wirklich sehr, sehr tolle Texte vorgetragen hat. Und hinterher sagte er etwas sehr Schönes über das Rauchen: „Wenn Zigaretten gesund und kostenlos und lecker wären, würde ich Kette rauchen.“
    • Am Dienstag gab es dann so eine Art privaten Kochslam in Ueckermünde. Ich trat an mit Eierschecke mit Fraktalgemüse, wurde aber im zweiten Gang von Axel mit einem metaphysischen Wunderakt im nietzscheschen Sinne vom Minderheitenblech ausgestochen (unter anderem waren Schafskäse und Honig im Spiel).
    • In meinen Schnipseln vom 19.10.2007 berichtete ich über peinliche Werbeplakate in Köln, die ich leider nicht mehr zu fotografieren geschafft hatte. Jetzt wurden mir Beweisfotos zugespielt.
      Das folgende hatte mich besonders beschäftigt und dazu geführt, dass ich mich in Köln unter der Dusche sehr, sehr unwohl fühlte:

      imgp7678.jpg

      Und das hier ist auch nicht schlecht gut:

      imgp7679.jpg

      Sowas passiert, wenn Werbetexter „frech“ sein wollen …

      Vielen Dank an Lukas für die Fotos!

    • Märchenbücher sind ja das neue große Ding, wenn man reich und berühmt werden will. Darum habe ich jetzt auch eins geschrieben und lese es heute bei der Chaussee der Enthusiasten vor. Es ist das Märchen vom lieben König und dem bösen Monster.

      maerchenbuch.jpg

    • Auch ’ne neue Erfahrung: Im Regionalexpress an der Steuererklärung arbeiten …
  • Frische Luft! Teufelszeug!

    Urlaub! Drei Tage auf dem platten Land! Und wegen Zeitumstellung und frischer Luft dreht die innere völlig durch. Um 7 bin ich aufgestanden und habe einen Sonnenaufgangsspaziergang gemacht:

    uecker02.jpg

    uecker01.jpg

    Und dann, zurück im Ort und frühstückend, stellte ich wohlwollend fest, dass der Nordkurier über mich berichtet:

    presse.jpg

    Keine Ahnung, was das bedeutet. Ist wahrscheinlich so ein regionaler Code und heißt: „Volker Strübings neues Buch fetzt urst.“

    Gestern habe ich einen echten Esel gesehen (das Tier unscharf im Hintergrund; das Tier vorne ist eine sogenannte Katze):

    esel01.jpg

    Enten auf der Flucht:

    esel02.jpg

    Außerdem habe ich meinen ersten abendfüllenden Spielfilm gedreht. Ein revolutuionäres Meisterwerk, sowas hat’s noch nicht gegeben:

    video.jpg

  • Schnipsel vom 19.10.07 – Köln

    • Ach, das ist ärgerlich. In ganz Köln hängen Plakate, die ich sehr gerne fotografiert hätte. Aber da sie in ganz Köln hingen, dachte ich mir: Och, nö, jetze bin ich zu faul den Fotoapparat rauszukramen, dis kann ich och später noch machen. Und dann bin ich vor der Abfahrt meines Rückfahrzuges zwanzig Minuten lang mit meinem schönen neuen Rollkoffer um den Kölner Hauptbahnhof gewetzt und habe natürlich keins gefunden. Blöd.
      Das Plakat stammte von der Firma Rheinenergie, welche gerade ihr 150jähriges Bestehen oder so feiert, und die in Köln für die Versorgung mit Strom und Warmwasser und dussligen Plakaten zuständig ist. Es zeigte einen Kindernachttopf. Darunter stand (Gedächtniszitat): „Wir sind nicht die einzigen die Warmwasser herstellen. Aber die Ältesten.“
      Wahrscheinlich hat sich der Werbetexter etwas dabei gedacht. Ich habe aber keine Idee, was. War er von der Konkurrenz eingeschleust? Mir war beim Duschen jedenfalls überhaupt nicht wohl zumute.
    • Apropos „Was hat der sich dabei gedacht“: Das frage ich mich auch beim Architekten dieser komischen schwarzen Kirche:

      koeln-dom01.jpg

      Die passt doch so überhaupt nicht zu den umliegenden Gebäuden und stört den harmonischen Gesamteindruck der Bahnhofsgegend.

    • Beim Frühstück im Hotel schaute ich aus den verglasten Türen und dachte für einen Moment, ich sei am Strand der Ostsee. Dabei war ich mitten in der Kölner Innenstadt! Was so ein paar Dekoelemente doch an Atmosphäre zaubern können!

      koeln-hotel.jpg

    • Am Hotelfahrstuhl war folgendes Schild angebracht:

      koeln-fahstuhl01.jpg

      Ist das korrektes Englisch? Normalerweise steht da doch „In case of fire …“ Event klingt in diesem Zusammenhang doch etwas … ulkig. Oder handelt es sich um eine subtile Kritik an der modernen Mediengesellschaft, die Katastrophen, Attentate und Kriege beim Abendbrot vor dem Fernseher zur Unterhaltung komsumiert? Soll damit darauf hingewiesen werden, wie schnell man selbst zum Komparsen in einem unterhaltsamen Event werden kann, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort (bzw. zur richtigen Zeit am richtigen Ort) ist?Vor vielen Jahren haben Uwe Beneke und ich mal einen Gedichtzyklus mit dem Titel „Das Opfer“ geschrieben. Darin ging es um ein Opfer und drei Steuerberater („… der eine klein, der andre klein, der dritte würd‘ gern größer sein …“) die von der U-Bahn überfahren werden. Lange Geschichte. Egal. Ein Gedicht des Zyklus beschäftigt sich mit dem Ansturm der Reporter, die von dem Unglück berichten wollen. Einer von ihnen schnappt sich einen zeugen und fragt ihn aus, doch dieser hat nur Langweiliges zu berichten, keine blutigen Details. Schließlich beginnt er, dem Reporter von seiner Frau und allerlei privaten Problemen zu berichten. Der Reporter ist sehr erleichtert, als sein Handy klingelt und sagt zu dem Mann:

      Jaja, vielen Dank, das war’s auch schon
      Grad klingelt mein Taschentelefon
      Wir müssen weiter zum nächsten Event
      wo, wie ich grad höre, das Waisenhaus brennt …

     

    • Gestern Abend war ich dann schon wieder im RAW bei der Chaussee der Enthusiasten und habe auch dem Herrenklo folgendes Symbol entdeckt. Keine Ahnung, was es bedeuten soll, aber irgendwie fand ich’s niedlich:

      raw01.jpg

     

     

    (Volker Strübing)

  • Kann mir bitte jemand erklären, was ich mit diesem Posting sagen will?

    Gestern Nacht beim Zähneputzen vor dem Schlafengehen haben meine Gedanken noch einen Purzelbaum geschlagen und eine ebenso falsche wie schöne Theorie aufgstellt, die ich unbedingt der Weltöffentlichkeit mitteilen muss!

    Ich muss ein bisschen ausholen. Nachdem ich die letzten Tage vor allem damit zugebracht habe, im Wettstreit mit meinem Nachbarn vor dem Computer zu glucken oder bis an den Rand mit Büchern gefüllte Rollkoffer durch zugige Alsterstädte zu tragen, passierte gestern, was passieren musste: Beim morgendlichen Duschen rammte mir jemand einen rostigen Schraubenzieher oder etwas ähnliches zwischen die Schulterblätter. (mehr …)

  • Mein erster Tag als Trolley-Trottel

    Gesagt, getan.
    In gewisser Weise habe ich mich recht wacker geschlagen und mir nicht allzu viele Feinde gemacht. Bin nicht über Füße gerollt und habe keine Kniescheiben zertrümmert. Sogar den Lieblingsspaß der Rollkofferidioten (Koffer die Treppen hochschleppen und oben abrupt stehenbleiben, um den Griff herauszuziehen) habe ich mir verkniffen. Stattdessen habe ich gestern Abend Bücher und Laptop in den Rollkoffer umgeladen und dann habe ich nachts den Rollkoffer eine Viertelstunde durch eine ruhige Hamburger Vorstadt getragen, weil ich es nicht über mich gebracht habe, mit dem klappernden Ding über holprige Fußwege vorbei an Häusern voller schlafender Menschen zu rumpeln …
    Das war nicht nur nicht bequemer, als sie im Rucksack zu schleppen, nein, das war ein ganzes Stück schlimmer. So geht das nicht! Ich muss skrupelloser werden! (Wobei ich in einer ruhigen Stunde mal auseinanderfriemeln muss, zu wiewiel Prozent mein Verhalten auf Rücksichtnahme und zu wieviel aus schlichter Schamhaftigkeit resultierte.) In den nächsten Wochen werde ich zur Desensibiliesierung jede Nacht mit dem Rollkoffer um die Häuser ziehen. Immer ein Stückchen weiter und in immer ruhigeren Gegenden.

  • Entschluss steht fest: Ich werde auch ein öffentliches Ärgernis!

    Schön ist es, Bücher zu haben, die man bei Lesungen verkaufen kann. Schlecht ist, dass diese Bücher, obwohl ihr Inhalt doch immateriell ist, über ein gewisses Eigengewicht verfügen. Ein „Ziegelstein für Dörte“ wiegt etwa 210 g. 10 wiegen 2,1 Kilo. Zur Zeit bin ich immer mit 4 verschiedenen Büchern unterwegs. Insgesamt mit 20 bis 25 Exemplaren, denn es gibt nichts Ärgerlicheres, als wenn man nach einer superen Lesung in einer fremden Stadt buchkaufwillige Leute wieder wegschicken muss. Das führt dazu, dass ich auf dem Hinweg arg zu schleppen habe (und leider oft auch auf dem Rückweg). Mir wird übel vor Mitleid, wenn ich an J.K.Rowling oder Stephen King oder Dan Simmons denke, die so unglaublich dicke Bücher schreiben und sich deshalb sicher schon längst Rücken und Bandscheibe ruiniert haben.
    Bei mir ist das auch nicht mehr lange hin. Deshalb habe ich heute einen Entschluss gefasst: Ich … ich … boh, ist das peinlich … ich kaufe mir einen Rollkoffer. Ja, genau so ein Drecksding, dass ich, wie es sich gehört, anderen Fahrgästen gegen die Kniee rammeln und über die Füße rollen werde, mit dem ich nächtens nach der Show auf dem Weg ins Hotel ganze Innenstädte um ihren Schlaf bringen werde; eins dieser Dinger, von denen ich nach den missglückten Kofferbombenattentaten gehofft hatte, dass sie als Trägersysteme für Terrorwaffen verboten werden, einen von diesen SUVs für Nichtautofahrer, die man in Neukölln dazu verwendet, Jugendliche auf’s grausligste umzubringen …
    Und ich lösche mit dem dicken, schwarzen Gehirnedding die Rufnummer dieses einen Taxiunternehmens aus meinem Gedächtnis … wie hieß das gleich nochmal? Oh, das mit dem Vergessen klappt ja gut! Kugelfunk? Quaderradio? Irgendwie so. Und die Rufnummer war sowas wie 0800-taxiruf … Nachdem ich gestern meinen Rucksack angehoben und einen sehr unangenehmen Stich in der Wirbelsäule verspürt hatte, habe ich ihn draußen vor der Tür wieder abgestellt und ein Taxi gerufen. In 5 oder 6 Minuten sollte es kommen. Nach 12 Minuten rief ich nochmal an und fragte, wo es denn bliebe.
    „Der Kollege war schon dort.“
    „Nein.“
    „Doch.“
    „Nein.“
    „Doch.“
    „Hören Sie, ich habe von dem Ort aus angerufen, zu dem ich das Taxi bestellt habe.“
    „Hm. Naja, dann schicke ich ihnen noch eins.“
    „Tun Sie das.“
    „Ist dann so in 5 oder 6 Minuten da.“
    „Das hoffe ich.“
    Nach 7 Minuten habe ich mich auf den Weg gemacht, habe den Rucksack fast einen Kilometer zur Taxihaltestelle geschleppt, weil keine Zeit mehr für die U-Bahn war und bin Taxi gefahren, ohne den geringsten Bequemlichkeits- oder Zeitvorteil. Irgendwann anderthalb Stunden später erreichte mich eine SMS, dass gerade kein Taxi für mich verfügbar sei …
    Diese SMS war zwar nur 3 Minuten nach meinem Anruf abgeschickt worden, aber so was dauert manchmal eben länger. Das mindeste wäre es doch wohl gewesen anzurufen und sicherzugehen, dass mich diese Information erreicht. Denselben Spaß haben die mit Spider und mir vor zwei Wochen schonmal durchgezogen.
    Sicher waren das bloß einmalige Fehler, wie sie auch bei anderen Taxiunternehmen vorkommen können, aber außer einem Boykott und einem genervten Blogeintrag hat man ja wenige Möglichkeiten, Psychohygiene zu betreiben und den unvermeidlichen Amoklauf noch ein bisschen hinauszuzögern.

    (Volker Strübing)

  • Zwiegespräche mit Schwangerschaftsstreifen

    Der Taucher blickt traurig zu Boden und sagt: „Schlüpper zählen nicht.“ Die Rehapatientin stellt einen Teller mit einer ulkigen Wurst in einer Grabkammer voller Gold und Lapislazuli ab.

    Das klingt jetzt natürlich erst mal merkwürdig, aber das soll so. Aufklärung gibt es – tut mir leid, wenn ich schon wieder davon anfange – am Sonntag bei meiner Buchpremierenfeier.

    Ich hoffe sehr, dass es dann auch das Buch zu Bestaunen gibt, denn bis jetzt ist das große Paket nicht ankommen und ich bin etwas ängstlich. Gestern konnte ich in Leipzig schon mal ein Exemplar in den Händen halten. Die Freude war kurz, weil es gleich darauf verkauft wurde 😉 MichaEbeling, Julius Fischer, Ahne und ich waren zu einer Lesung anlässlich der Jugend Medien Tage ins wunderschöne UT Connewitz eingeladen und Sebastian vom Verlag Voland und Quist hatte den Büchertisch betreut die ersten druckfrischen Belegexemplare mitgebracht. Apropos: Ich ärgere mich ein bisschen über mein gestriges Posting, weil ich den Abdruck meiner Geschichten in der Jungle World im selben Aufwasch wie die merkwürdigen Einladungspraktiken einiger Veranstalter kommentiert habe. Ich hab das zwar voneinander getrennt, aber vorsichtshalber möchte ich doch noch mal schreiben, dass ich mich über das Dossier in der Jungle World sehr gefreut habe.

    (Volker Strübing)