Kategorie: Unterwegs

  • Bericht zur Lage der Nation

    Ganz offensichtlich ist hier gerade tote Hose. Das liegt nicht so sehr daran, dass ich nicht wüsste, worüber und was ich schreiben sollte, sondern daran, dass ich mich nicht dazu aufraffen kann, es zu tun. Aber das ist kein grund zur Besorgnis, das kenne ich schon, das geht vorbei.

    Deshalb jetzt auch bloß zwei Veranstaltungshinweise:

    Morgen bin ich in Winterthur und nehme am Casino-Slam teil. Für Berliner ist das natürlich ein bisschen abgelegen, aber die 9 Stunden Zugfahrt lohnen sich bestimmt, zumal wir, wie gemunkelt wird, hinterher noch in eine Karaokebar gehen. Außerdem kann man vor der Rückfahrt noch für die Lieben daheim Schoki kaufen (ich hoffe, ich finde nocheinmal diese unglaubliche mit Krokantsplittern und Salzbrocken … aber zur Not tuts auch die Malzschokolade).

    Am Sonntag trete ich dann das erste mal in Weißensee auf, dem bezirk, in dem ich meine erste Wohnung hatte. Zu diesem Slam muss ich Folgendes erzählen: Am Sonnabend startet der neue Sender ZDF Kultur, ein Sender, der sehr interessant zu werden verspricht und schon deshalb meine vollen Sympathien hat, weil er gleich am zweiten Sendetag, nächstem Sonntag also, einen Poetry Slam ausstrahlt. Es ist außerdem meines Wissens nach der erste wirklich live ausgestrahlte Slam im deutschen Fernsehen. Mit dabei sind: Mit dabei sind: Franziska Holzheimer (München), Yasmine Hafedh (Wien), Pierre Jarawan (Kirchheim), Moritz Kienemann (München), Sebastian23 (Bochum), ich (Berlin) und als Special Guest das wunderbare Team Totale Zerstörung (Leipzig). Moderieren werden Nina „Fiva“ Sonnenberg und Jo Schück.

    Der Eintritt ist, glaub ich zumindest, frei, aber begrenzt. Wer hinkommen möchte, schreibt bitte eine Mail an poetry-slam@studio-tv-film.de. Beginn ist halb 10, Einlass ist ab 20.30 uhr im Studio Weißensee, Langhansstraße 86, 13086 Berlin. (Ich hätte das Studio gern verlinkt, aber Googeln nach „Studio Weißensee“ bringt mir so Sachen eine Muckibude und „Ellen’s Nagel Studio in Weißensee“. Es ist aber ganz leicht zu finden: auf halbem Weg zwischen Sonnenapotheke und Reseda-Apotheke, wenn man Google-Maps vertrauen darf.)

    Ein schönes Wochenende!

    (VS)

  • Quedlinburg / Ansbach

    Das waren zwei Auftritte! Solo in Quedlinburg (sage „Quättlinburg“, wenn Du rasch mit Einheimischen ins Gespräch kommen willst), der schönsten Stadt der ganzen Welt, dem Venedig des Harz, dem Paris von Sachsen-Anhalt, der harzvorländischen Schweiz, dem Bode-Athen. Vielen Dank nochmal ganz besonders an Manuela und Christian von der Büchercouch für die Einladung, den freundlichen Empfang, das Frühstück und den Stadtbummel!

    (Quedlinburger Spezialitäten …)


    Am Montag war ich dann ziemlich überraschend beim Highlander-Slam in Ansbach dabei. (Bei einem Highlander-Slam treten alle, die in der letzten Saison bei diesem Slam gewonnen haben, gegeneinander an.) Eigentlich war ich gar nicht qualifiziert, weil ich bei meinem Slamauftritt im letzten jahr dort nur zweiter wurde – aber dann hat Philipp Scharri abgesagt und ich bin nachgerutscht.

    Auf der Zugfahrt habe ich einen neuen Text (fast)  fertiggeschrieben – und dann das Heft liegenlassen 🙁 18.00 Uhr war ich in Ansbach, 20.00 Uhr begann der Slam. Die beiden Stunden dazwischen waren dann ziemlich hektisch, aber ich habe es geschafft, ihn aus dem Gedächtnis nochmal zu schreiben und mir den noch fehlenden Schluss auszudenken und habe schließlich mit zwei neuen Texten gewonnen. Das heißt: ich werde Ansbach beim SLAM2011 in Hamburg vertreten. Von dieser freudigen Nachricht (für mich zumindest … tut mir leid, Paddi …) abgesehen war es ein super Slam – Dank und gruß an alle, die da waren und besonders an Michl und Martina!

    Ich werde den Text wahrscheinlich demnächst hier reinstellen. Andererseits baue ich ihn auch gerade zu einer Kloß-und-Spinne-Folge um …

    (Senfei habe ich auf meiner Chinareise auch immer gegessen. Dort aber mit Reis statt mit Salzkartoffeln. Ich entschuldige mich für diesen blöden Witz.)


    (VS)

  • Was haben eine Wasserrutsche und ein Rind gemeinsam?



    Wohl jeden hat diese uralte Menschheitsfrage schon so manche Nacht um den Schlaf gebracht. Henri und ich haben auf einem Ausflug mit dem RE 5 in den Fläming die Antwort gefunden: Beide machen glücklich. Und – das sei mit aller Deutlichkeit gesagt – Letzeres eben nicht nur, wenn es in Scheiben geschnitten und medium gebraten ist.
    Wir haben uns auf eine Recherchefahrradtour (lange Geschichte …) von Jüterbog nach Luckenwalde begeben, sind irgendwo zwischen Jüterbog und Zinna auf diese Weide gestoßen und – als Großstädter von Tieren übermäßig beeindruckt – abgestiegen, um uns die Rinder anzugucken. Die Faszination war beidseitig. Kaum standen wir am Zaun, setzten sie sich allesamt in Bewegung, reihten sich vor uns auf und guckten zurück.





    Ganz ruhig und geduldig standen sie da, manche sabberten und pinkelten ein bisschen vor sich hin; schön war das und beglückend (also wie sie uns angeguckt haben; das Sabbern und Pinkeln fand ich eher so lala). Da dachte ich mir mal wieder, dass diese Viecher doch eigentlich was Besseres verdient haben, als von uns aufgegessen zu werden, und dass ich keins von ihnen irgendwann auf dem Teller wiedersehen will.
    Man könnte natürlich darauf verweisen, dass sie selbst Schuld sind am Aufgegessenwerden – was schmecken sie auch so gut? – oder wie dereinst Spinne argumentieren, dass es diese Rinder dort auf der Weide nicht gebe, wenn wir sie nicht aufessen wollen würden – unser Appetit ist ihre Lebensgrundlage, denn nur zum Angucken und Fahrradfahrerglücklichmachen werden die wenigsten Rinder gezüchtet. Leider.

    (So muss ne Espressomachine aussehen! – Kräuterschnapsmuseum im Kloster Zinna – Home of the Zinnaer Klosterbruder)

    Am Kloster Zinna kann man neben dem Schnapsmuseum (samt Verkostung) auch ein Halseisen an der Klostermauer besichtigen. Als zwei ältere Damen und ein älterer Herr daran vorbeigingen, entspann sich folgendes hübsche Gespräch:
    Herr: Halseisen! Da müsste man die ganzen Graffitischmierer ranketten!
    Dame: Aber die kriegen se ja nie …
    Herr: Und wennse se kriegen, lässt der Richter se frei, weil er sagt, dass das „Kunst“ ist!
    Dame: (schnaubt)

    (Alle ans Halseisen! – Beschmiertes Trafohäuschen in Zinna.)


    (Die Bibel – Hochspannung garantiert!)


    (Vorrausschauendes Handeln ist entscheidend für geschäftlichen Erfolg. Auf diesem Schild in Luckenwalde wurde ausreichend Platz für zukünftige Erweiterungen des Angebotes gelassen Obwohl schon jetzt eigentlich kaum Wünsche offen bleiben.)

     
    Letzte Station war die Therme in Luckenwalde. Erst waren wir etwas enttäuscht vom „Erlebnisbereich“, der aus zwei Whirlpools und zwei Planschbecken zu bestehen schien. Die Whirlpools hatten immerhin einen gewissen Unterhaltungswert. Sie lagen etwa 5 Meter über einem der Planschbecken und man konnte, auf dem Bauch im blubbernden warmen Wasser liegend, die Ellbogen auf den Beckenrand gelegt auf eine Gruppe Rentner hinabblicken, die Wassergymnastik machten. Sie hatte alle solche langen, dünnen, bunten Schwimmwürste zwischen den Beinen, deren Enden vor und hinter ihrem Kopf aus dem Wasser standen – die alten Leutchen erinnerten verblüffend an Quietscheentchen, wie sie da im Kreis durchs Wasser latschten. Am Beckenrand ging eine unglaublich dünne Frau auf und ab, ruderte dabei mit den Armen und zählte immer von 10 bis 1, bevor sie die nächste Übung erklärte, die ein etwas anderes Armkreisen erforderte. Ihre Stimme erinnerte mich ein bisschen an die Sirenenprobe, die wir um 15.00 Uhr in Zinna erlebt hatten. Sie sprach die Zahlen in ein Headset, das aber offensichtlich mit nichts verbunden war. Nach ein paar Minuten trieb uns schließlich die Schlagermusik, mit der die Quietscheentchenbeschallt wurden aus dem Whirlpool. Wenn ich in dem Alter für Wassergymnastik bin, werden uns die Vorturnerinnen wahrscheinlich schlechte 80er-Jahre-Musik vorspielen …

    Und dann entdeckten wir die Wasserrutsche. So ein langes, hübsch gewundenes Plasterohr, durch das man mit einem Gummireifen durchsausen kann. Wahrscheinlich winken die meisten jetzt ab, weil sie sowas schon lange kennen, aber ich bin doch aus dem Osten, wir hatten doch nüscht! Für mich war es jedenfalls das erste Mal – und es war fast so schön wie die  guckenden Kühe. Oder genauso schön, nur auf andere Art. Hatten mir die Kühe das Herz gewärmt, sorgte die Rutsche für minutenlange Kicherflashs.

    So genug geschnipselt für heute. Eigentlich sollte hier ein ellenlanger Artikel über  Lybien stehen, den ich vorgestern Abend geschrieben habe. Zum Glück hatte ich ihn ersteinmal per Hand geschrieben und war dann zu faul, ihn abzutippen und zu posten und habe daher noch eine Nacht drüber geschlafen und gestern gemerkt, dass er ziemlich dusslig war …

    (VS)


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  • Ich schaffe es einfach nicht …

    … meine Terminseite aktuell zu halten. Darum hier eine schnelle Auflistung der nächsten Auftritte:

    Mittwoch, 9.3., Dresden, Kino Thalia, 20.30 Uhr

    Sololesung und Filmschnipsel

    Donnerstag, 10.3., Chemnitz, Stadtbibliothek, 20.00 Uhr
    Sololesung und Filmschnipsel

    15.3., Dienstag, Berlin, Schokoladen, 21.30 Uhr

    LSD – Liebe Statt Drogen

    16.3., Mittwoch, Berlin, Klub der Republik, 21.30 Uhr

    Die Surfpoeten

    18.3., Freitag, Zürich, Schiffbau

    Schiffbau-Jubiläums-Slam (Infos hier)

    19.3., Sonnabend, Darmstadt, Centralstation

    Team LSD (MichaEbeling und ich) – Sololesung

    (VS)

  • Schnipsel vom 8.3.2011

    Wird Zeit, dass ich mich hier mal wieder melde. Manchmal habe ich keine Lust zum Bloggen. Außerdem war ich viel unterwegs. In den nächsten 10 Tagen fahre ich noch nach Dresden, Chemnitz, Zürich und Darmstadt. Mit dem Zug – jetzt fragt mich mal, was ich vom Lokführerstreik halte!

    Nüscht halte ich davon. Egal, ob die Forderungen berechtigt sind oder nicht. Der Strek ist nämlich vollkommen sinnlos. Es wird so ablaufen wie die letzten Male: Ein paar Hunderttausend Leute werden irgendwo festsitzen, nicht in den Urlaub oder nicht auf Arbeit kommen und dann einigen sich Gewerkschaften und Arbeitgeber irgendwie, beide Seiten sind am Ende nicht ganz zufrieden, feiern aber ihren Sieg bzw. ihre Kompromissbereitschaft. Es ist doch so: Alle wissen, dass die Lokführer streiken können und welche Folgen das hat – warum kann man also nicht einfach davon ausgehen, dass sie es bereits getan haben und sich unter dieser, nur ein bisschen Fantasie und Kreativität erfordernden Prämisse zusammensetzen. Wozu muss man das nochmal durchziehen? Vielleicht können zur Vorbereitung die Vorstände der Bahngesellschaften und die Gewerkschaftschefs einen Tag auf einem zugigen Provinzbahnhof herumstehen und damit sozusagen symbolisch die Passion unzähliger Bahnreisender auf sich nehmen (die ja ohnehin am Ende die höheren Löhne über die Fahrkarten mitbezahlen, was als Zeichen unserer Solidarität schon ausreichen sollte).

    Die Verhandlungsführer mögen sich doch bitte einmal die ersten Kapitel von „Per Anhalter durch die Galaxis“ durchlesen und Ford Prefects sehr intelligente Argumentation bezüglich des Mann-im-Matsch-vor-Bulldozer-Problems zu Herzen nehmen.

    (Düsseldorf, Sparkassenforum)

    In der Zeit der Warnstreiks mussten Micha und ich von Düsseldorf nach St.Gallen fahren und hatten Glück. Inmitten des großen Chaos‘ kam ausgerechnet unser Zug nur mit 10 Minuten Verspätung an. Sowohl in Düsseldorf als auch in der Schweiz war es sehr schön – herzliche Grüße und vielen Dank an dieser Stelle nocheinmal an Christine, Markim, Lisa, Richi und Rainer!

    (Trogen)

    Herrlich war es im noch immer verschneiten Trogen (Endhaltestelle einer der Appenzeller Bahnen, gerne auch als „Endstation Trogen“ bezeichnet) mit der Jacke über der Schulter und hochgekrempelten Ärmeln bei strahlendem Sonnenschein durch den Schnee zu Stiefeln!

    (Trogen)

    Ebenfalls Gruß und Dank an Michl und Martina, denen ich die Frankentour und herzliche Aufnahme während der selben verdanke. 5 Tage habe ich bei ihnen in Nürnberg gewohnt – Zeit genug für ein paar Beobachtungen in der Stadt:

    Nürnberg eine wunderbare Stadt zum Bummeln und Shoppen. Direkt im Zentrum ist natürlich alles voll mit den üblichen Mode- und Parfümerieketten und mit ungemütlichen Bars, die sich nicht zu schade sind, sich „Bar Celona“ zu nennen, sowie mit langweiligen Brillengeschäften, deren Geschäftsführer sich fragte: „Was können wir tun, damit niemand merkt, dass unser Brillengeschäft total langweilig ist? Klar: Wir nennen es : ‚Das verrückte Brillenhaus‘ und ‚verrückt‘ schreiben wir mit so einem komischen verrutschen, hihi, sozusagen verrücktem ü!“. An einem chinesischen Schnellimbiss, dessen Schaufenster komplett mit Schnapsflaschen zugestellt ist, verspricht ein Schild: „Alle Asia Saft Döse 1 Euro!“

    Doch etwas abseits findet man Geschäfte mit heimeligen und klingenden Namen wie „Küchen Loesch“, „Pelz Böck“, „Blumen Stier“, „Koffer Kopf“, „Schirm Hahn“, „Uhren Christfeld“, „Gardinen Möser“ und „Samen Edler“ – über die letzten beiden sind sicher schon genug Witze gemacht worden, das kann ich mir also sparen. Zur Sicherheit möchte ich jedoch anfügen, dass es sich bei Samen Edler tatsächlich um ein Geschäft für Pflanzensamen handelt und nicht um einen türkischen Schnellimbiss – vor einigen Jahren geriet Nürnberg in die Schlagzeilen, als in einem Döner Sperma gefunden wurde.

    Nürnberg geriet freilich schon so einige Male in die Schlagzeilen, erinnert sei hier zum Beispiel an die Reichsparteitage im dritten Reich. Stilhäschen, deren Blog ich schon lange mag und die ich in Nürnberg bei einem Kaffee und einem Bier kennenlernen konnte und die ich benefalls ganz gerzlich grüßen möchte, wies mich auf das nette Detail hin, dass ausgerechnet in Nürnberg die erste vollautomatische und damit führerlose U-Bahn Deutschlands fährt, was ein schönes Zeichen gegen historische Kontinuitäten ist, wie ich finde. Apropos Hitler.

    In Nürnberg, wie in ganz Bayern gilt ein äußerst strenges Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden – nur in psychatrischen Kliniken und im Gefängnis gibt es noch die Möglichkeit drin zu rauchen. Wie sich die damit verbundene Steigerung der Attraktivität besagter Einrichtungen auf die geistige Gesundheit und die Kriminalitätsrate der Bayern auswirken wird, bleibt abzuwarten. Kneipen schicken einen jedenfalls ausnahmslos vor die Tür – ohne Bier, denn das muss zum Kompott auch noch drin bleiben. Sebastian Frankenberger, der Initiator dieser strengen Antirauchergesetze ist deshalb gelegentlich als Nazi beschimpft und mit Hitler verglichen worden. Das geht entschieden zu weit, finde ich, das hat Hitler nicht verdient. (Und da ich heute so in Grußlaune bin, grüße ich an dieser Stelle Frédéric. Er wird wissen, warum.)

    (Nürnberg)

    Eine Postkarte, die ich in einem Souvenirladen kaufe, erläutert, worauf man in Nürnberg besonders stolz ist:  „Die Hauptstadt Frankens hat viele Attribute, wie: Meistersingerstadt, Dürerstadt, Stadt der Lebkuchen und der Bratwürste, aber auch des Weihnachtsmarkts“. Ein wichtiges Attribut fehlt: Hauptstadt der hässlichen Teenager. Unglaublich, welche Mühe sich gerade hier viele Jugendliche dabei geben, möglichst beschissen auszusehen. Zwei von ihnen stehen im Hauptbahnhof auf der Rolltreppe hinter mir und reden mit schrillen Stimmen über irgendeinen „Spast“, der sich ihren Unwillen zugezogen hat. Ich drehe mich um und sehe zwei junge Migrationshintergründlerinnen, deren mangelnder Geschmack darauf hindeutet, dass sie zumindest in der Hässliche-Teenager-Szene erfolgreich integriert sind.

    „Ieeehh! Der hat mich angeguckt!“, keift die eine, als sie mich sieht. „Bähhhh, der is ja voll hässlich!“, keift die andere. Ich antworte: „Mensch Mädel, wenn du MICH hässlich nennst, welche Worte bleiben dir dann noch, um dich selbst zu beschreiben? Knautschzone? Bundeskanzleramt? Saft Döse?“

    Leider, oder besser gesagt: Zum Glück fällt mir diese pfiffige Antwort erst 5 Minuten später ein und der Fahrkartenautomat, dem ich sie mit gerechtem Zorn ins Angesicht schleudere, antwortet mit der Gegenfrage, ob ich Bahn-Comfort-Punkte sammle. Keine Ahnung, was passiert wäre, wenn ich etwas schlagfertiger gewesen wäre. Ich habe große Angst davor, einmal von ein paar pubertierenden Mädchen verkloppt zu werden, denn ich weiß nicht, welche Benimmregeln in einem solchen Fall für Männer gelten. Mit deeskalierenden Gesprächstaktiken hätte ich es gar nicht erst probieren brauchen, Worte des Friedens wären auf ähnlich fruchtbaren Boden gefallen wie ein Blumensamen auf dem Mond. Klar ist auch: Wegrennen, um Gnade flehen oder um Hilfe rufen fällt aus, da könnte man sich genauso gut öffentlich kastrieren und für alle Zeiten von seinem Posten als zumindest potentieller Teil des evolutionären Reigens zurücktreten. Zurücktreten bzw. Zurückschlagen geht aber irgendwie auch nicht – ein Mann der junge Mädchen schlägt, was ist das denn bitteschön für ein Arsch? Zumal der Ausgang eines Kampfes in diesem Falle ungewiss gewesen wäre – irgendwie hatte ich den Eindruck, dass die Streetfighting-Skills der beiden höher waren als die meinen.

    Für Verhaltenshinweise wäre ich dankbar.

    (Lisa, Richi, Maximilian auf dem Weg ins weiße Nichts …)


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    (VS)


  • Schnipsel vom 9.2.2011


    (Backstage Übel & Gefährlich / Hamburg)

    Ich bin zur Zeit ziemlich viel unterwegs, deshalb ist hier auch nicht so viel los. Vorletzte Woche war ich in Hamburg, wo ich unter anderem erleben konnte, wie Laurin Buser beim Bunkerslam im Uebel & Gefährlich von allen Jurymitgliedern 10 Punkte bekam. Die 10 ist – so erklären es zumindest einige Moderatoren der Jury und dem Publikum – für Texte vorbehalten, die einen kollektiven Orgasmus auslösen. Und man muss sagen: Laurin hat genau das geschafft. Habe noch nie erlebt, dass ein Publikum bei einem Slam so ausrastet. Hammer.

    Vorgestern war ich in Augsburg, war eingeladen zum Dead-Or-Alive-Slam im ausverkauften Parktheater. Ein sehr, sehr schöner Abend. Und tolles Wetter haben die da unten!

    (Soundcheck im Parktheater)

    Außerdem gibt es in Augsburg, wie ich erfreut feststellte, nicht nur einen Roy-Black-Weg, sondern auch eine Frohsinnstraße. Spinne würde das sicher sehr gefallen.

    (Kein Roy-Black-Weg, keine Frohsinnstraße: In Meiersberg (MV) kann man auf jeden Schnickschnack bei der Straßenbenennung verzichten. Ach, auf dem Land ist alles so herrlich unkompliziert …)

    Ab Sonntag steht dann eine kleine Frankentour an, danach bin ich mit Micha als Team in Düsseldorf und der Schweiz unterwegs. Die nächste Gelegenheit, mich in Berlin zu hören gibt es am Freitag in der JVA Hakenfelde. Ich weiß nicht, ob es noch Plätze gibt. Vom Ambiente wird es sicher das genaue Gegenteil des Parktheaters.

    Gerade jetzt, wo ich soviel unterwegs bin, wurde mir von Seiten der Deutschen Bahn die ultimative Demütigung für einen fahrenden Schriftsteller zu teil. Meine neue Bahncard ist da:

    Nie mehr Omas von den Bahn-Comfort-Plätzen vertreiben 🙁

    Was ganz anderes: Neulich beklagte sich Norbert über den mangelnden Integrationswillen der Muslime was den Alkoholkonsum angeht, jetzt ist ihm der bayerische Brauereibund beigesprungen. An der Argumentation ist ja auch absolut nichts auszusetzen! Umso peinlicher ist es anzusehen, wie der Brauereibund jetzt halbherzig und feige zurückrudert, von Missverständnissen spricht und behauptet, mit Migranten habe man vor allem Nichtbayern aus anderen Teilen Deutschlands gemeint. Jaja, tolle Sache, auf Ausländer schimpfen und dann glauben, man mache es besser, indem man sagt, man habe ja eigentlich die Ostler gemeint!

    (Hotelhinterhof, Reeperbahn, Hamburg)

    Sehr unangenehm ist es übrigens, sich die Haut über dem Kehlkopf im Reißverschluss der hochkragigen Jacke einzuklemmen. Ich möchte behaupten, dass es die zweitunangenehmste Möglichkeit ist, sich etwas in einem Reißverschluss einzuklemmen.

  • Schnipselkino

    Morgen fahre ich für drei Tage nach Hamburg. Am Donnerstag bin ich beim Bunkerslam im Übel&Gefährlich und das wird ein irrer Abend, denn mit dabei sind Mischa-Sarim Verollet, Marlene Stamerjohann, Laurin Buser (der amtierende U20 Champion), Moritz Kienemann, Martin Sieper, Sabrina Schauer und Nico Semsrott und Rayl Patzak macht Musik.
    Am Freitag um 22.30 Uhr gibts zum dritten Mal Schnipselkino im Zeise: Ich zeige kurze Videos und lese zwischendurch ein paar Geschichten. Wenn alles gut geht (und im Moment sieht es so aus), werde ich gleich zwei ganz neue Kloß-und-Spinne-Videos das erste Mal zeigen!

    Am Sonnabend bin ich dann als Featured Poet beim Lola-Slam in Bergedorf.
    Kommt alle nach Hamburg!

  • DBpedia

    Bahncard50, die: Plastikkärtchen im Scheckkartenformat, das den besitzer zum Erwerb von Fahrkarten zum regulären Preis berechtigt. Nichtbesitzer zahlen das Doppelte. Sympathisch ist die augenzwinkernde Selbstironie, mit der die Deutsche Bahn darauf beharrt, den doppelten Fahrpreis als normalen und den BC50-Tarif als „halben“ Fahrpreis zu bezeichnen.

    Umweltbewusstsein, das: Wird Bahnfahrern gerne nachgesagt und von diesen mit Stolz als Beweggrund angeführt. Eine eitle Lüge. Niemand fährt wegen der Umwelt mit dem Zug. Nach meiner Recherche gibt es genau drei Gründe, längere Strecken mit dem ICE statt zum Beispiel mit dem Flugzeug zurückzulegen:

    1.) Man will zeigen, dass man es sich leisten kann.
    2.) Man hat Flugangst. Oder das Provinzstädtchen, in das man reisen will verfügt zwar über einen ICE-Bahnhof, an dem jeder Schnellzug halten muss, um maximal 2 Personen abzusetzen oder aufzusammeln, aber über keinen Flughafen.
    3.) Es haben sich mehrere Dutzend zu erledigende Telefongespräche angesammelt und im Büro oder zuhause würde man möglicherweise mit der Telefoniererei andere Menschen stören.

    Dass Bahnfahrer in Wirklichkeit Umweltschweine sind, zeigt sich, wenn mal wieder ein Zug nur mit der halben Anzahl Waggons fährt, wenn ein vorhergehender Zug ausgefallen ist oder wenn aus irgendeinem anderen Grund auf der Fahrt Zustände wie in der Tokioter U-Bahn im Berufsverkehr herrschen. Umweltbewusste Reisende würden jubeln, da mit jedem zusätzlichen Passagier, der sich in den Wagen zwängt der CO2-Ausstoß pro Reisendem und Kilometer weiter sinkt und die Öko-Bilanz besser wird. Stattdessen hört man nichts als Gemurre. Umgekehrt habe ich noch nie erlebt, dass sich jemand in einem herrlich leeren Wagen beschwert oder gar um eine Verkürzung des Zuges gebeten hätte.

    Wagenstandsanzeiger, der: Beweis für die Kundenorientierung des Unternehmens und Ausdruck des Bemühens, den Reisenden mehr zu bieten als den simplen Transport ihrer Körper von A nach B. Die traditionell kurz vor Einfahrt eines ICEs erfolgende Ansage: „Achtung: Der Zug verkehrt heute in umgekehrter Wagenreihung“ ist der Startschuss für ein kostenloses Fitnessprogramm, ein aufregendes Rollkoffer-Crash-Car-Rennen und verschafft den Bahnkunden einen angenehmen Adrenalinkick. Um größtmöglichen Nutzen aus diesem Angebot ziehen zu können, empfiehlt es sich, sich in dem Bahnsteigabschnitt zu positionieren, in dem der erste bzw. der letzte Waggon halten soll. 1.-Klasse-Reisende sind klar im Vorteil: Sie müssen bei umgekehrter Wagenreihung die ganze lange Reihe der Pöbel-Waggons ablaufen oder sich, wenn sie das nicht schaffen, nach Abfahrt des Zuges durch diese hindurchkämpfen. (Auf der Strecke Berlin – Frankfurt/Main kommen auch Zweitklassige in den Genuss eines veritablen Marathons, da sich hier 1.- und 2.-Klasse-Wagen die … äh … Waage halten.


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  • Spiekeroog

    Ein paar Neujahrsfotos von der Nordsee …

    (Auf der Fähre. Klick auf die Bilder macht sie groß und scharf und schön – der Vorschaualgorithmus von WordPress produziert ziemliche Mansche.) (mehr …)

  • Cyrano 2.0

    Das Schlimmste an der 80minütigen Verspätung auf der Fahrt nach Mainz waren eigentlich die Leute, die diese Zeit nutzten, um ununterbrochen „Kann ja wohl nich wahr sein“, „Also, das gibt’s ja wohl nicht“, „Und sowas nennt sich nun ICE“, „Typisch Deutsche Bahn“ oder – Ironie für Doofe – „Ich sag nur: Hochtechnologieland Deutschland“ brabbelten. Einer produzierte sich die ganze Zeit vor seinen Kumpels und kündigte an, wie er den Schaffner zur Sau machen würde. Als der schließlich kam, erwies sich der Idiot zum Glück als Maulheld, blubberte den Zugbegleiter ein bisschen voll („Kannjawohlnichwahrsein50EurofürneFahrkarteundsowasnenntsichnunICE“) und drohte dann damit nächstes Mal den Regionalzug zunehmen, was ich höchst erfreulich fand und für sinnvoll halte, da sein Verhalten ohnehin sehr provinziell wirkte.

    Der Mann von Welt macht es wie ich: Ich habe mich auf zwei Stunden Verspätung eingestellt und die Bahn hat es in anderthalb Stunden Verspätung geschafft. Da habe ich mich gefreut. (Von Spinne lernen, heißt Freuen lernen 🙂

    Wo ich gerade bei peinlichen Leuten bin: Gestern Abend war ich mit Freunden in einer Kneipe … naja, eher einem schicken Prenzlauer-Berg-Restaurant, das so tut, als sei es eine Kneipe … und an der Bar saßen ein Mann und eine Frau und sie redeten miteinander und irgendwann fingen sie an sich zu küssen, was an sich nicht weiter bemerkenswert ist, aber der Fönfrisurmann hatte die ganze Zeit über ein blau blinkendes Headset am Ohr. Wir haben vermutet, dass er sich vielleicht von einem Kumpel Baggertips und Anmachsprüche ins Ohr flüstern lässt – so eine moderne Fassung der Cyrano-de-Bergerac-Geschichte, aber dann hätte er es doch ablegen können, als die Küsserei begann. Oder brauchte er da auch Beratung? Als die Küsse etwas stürmischer wurden, krabbelte der Mund der Frau einmal seine Wangen hinauf in Richtung Ohrläppchen – eine Aktion die sie schließlich abbrechen und auf der anderen Seite fortsetzen musste, während der Typ das Headset wieder geraderückte. Also ich weiß nicht, ich weiß nicht.

    Was ich auch nicht weiß, ist, ob der Gebrannte-Mandel-Mann in Frankfurt/Main wirklich „Kleine Kotzprobe gefällig?“ gerufen hat, oder ob ich nur gehört habe, was ich hören wollte …


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    (VS)