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  • Der gute Mensch vom Schnipselfriedhof

    Wenn ich mir anschaue, was ich in diesem Weblog schon so geschrieben habe, bin ich manchmal ganz ergriffen von mir. Da sind soviele Beiträge, die von hohen moralischen Standards zeugen, Beiträge, die die Ungerechtigkeit der Welt oder die Bosheit bestimmter Leute geißeln, soviele Beiträge, die jeder Mensch, der ein Mensch ist und kein Arsch, gut finden muss, soviele Beiträge, die den Eindruck erwecken müssen, ich sei ein furchtbar guter Mensch.
    Alles Quatsch. Ich bin bestimmt kein schlechterer Mensch als mancher andere, aber wenn jemand in mich reingucken könnte – und ich kann das leider – dann … naja, was bin ich froh, dass ihr das nicht könnt!
    Hm.
    Indem ich das schreibe, arbeite ich auch schon wieder am Bild von mir als gutem Menschen.

    Manchmal fallen mir Episoden aus meiner Kindheit oder Jugend ein, für die ich mich unglaublich schäme. Das passiert nicht allzu häufig und ich kann mir verzeihen, das ist lange her, der Volker von vor 20 Jahren ist nicht der Volker von heute. Die alten Fehler tun mir leid, aber sie sind verjährt – teilweise habe ich sogar schon Kapital aus ihnen geschlagen und lustige Geschichten darüber geschrieben (zum Beispiel diese hier – 10 Jahre alt, der zweite Vorlesetext, den ich überhaupt je geschrieben habe).
    In 20 Jahren hat mich längst die Raucherei hinweggerafft werde ich lustige Geschichten über die Scheiße, die ich jetzt baue oder denke schreiben. Versprochen.

    Einen sehr schönen und gar nicht lustigen Text über Jugendsünden gab es neulich im Spitblog: Weil’s ging

    (Volker Strübing)

  • Lizenz zum Werben

    Gestern doch noch Casino Royale gesehen. Doofer Film. Glaubt den Lobeshymnen nicht! Auch nicht, wenn sie von eigentlich vertrauenswürdigen Leuten stammen! Glaubt mir! Doofer Film …

    Ich erspar mir eine Spoilerwarnung – das einzige, wovor ich warnen will, ist der Film.

    Ein wichtiger Rat zu Anfang: Falls ihr doch reingeht, kommt um Himmels Willen mindestens eine halbe Stunde zu spät. Im Colosseum haben sie uns genau 45 Minuten Werbung vorgesetzt – unerträglich. Und als ich dachte, jetzt geht der Film los, fand ich mich in einem 145 Minuten dauernden Werbespot für Sony, Sony-Ericson, Ford und den von mir hochverachteten Gunther von Hagens und seine Körperwelten („Body Worlds“) wieder. Ich übertreibe nur leicht. Es gibt deutlich mehr Szenen, in denen man auf das Display (und das Logo) eines Sony-Ericson-Handys starrt, als Action-Sequenzen.

    Der Film ist eine Art „Wie alles begann“, was natürlich etwas komisch ist, da er im Jahr 2006 spielt, aber damit habe ich kein Problem. Viele Rezensionen lassen sich begeistert darüber aus, dass hier gezeigt würde, wie James Bond zu James Bond wird. In einigen ist sogar von Charackterentwicklung die Rede. Versteh ich nicht.

    Ganz am Anfang begeht er die ersten beiden Morde seines Lebens, für die ihm die Doppelnull verliehen wird. Den ersten Mann ertränkt er im Waschbecken, dem zweiten sitzt er, nachdem er ihn entwaffnet hat, im Sessel gegenüber und unterhält sich ein bisschen mit ihm.

    (Gedächtniszitat:)

    Mordopfer: Verstehe. Das erste Mal ist immer das schwerste. Ich nehme an, das zweite Mal fällt es …

    JB: (erschießt ihn) Ja. Erheblich.

    Zu Anfang ist er also ein kaltblütiger Killer mit einem Hang zu coolen Sprüchen. Am Schluss ist er ein … na, ratet mal.

    Einziger Unterschied: Zu Beginn ist es ihm noch egal, ob gerührt oder geschüttelt wird, er muss erst lernen, dass es Dinerjacketts und Dinerjacketts gibt und er hat den Satz „Mein Name ist Bond, James Bond“ noch nicht im Repertoire. Um diese erstaunliche Entwicklung durchzumachen, bedarf es ein bisschen Action, ein bisschen Liebe (wirklich nur ein bisschen, ansonsten könnte er, kurz nachdem er ihre Leiche im Arm gewiegt hat, kaum sagen „Die Schlampe ist tot“, weil er denkt, sie hätte ihn verraten) und leider sehr viel langweiliges, weil im Endergebnis vorhersagbares Pokern am Casinotisch. Ach ja, und ein bisschen Genitalfolter – gut dass der Film erst ab 12 ist, denn unreifen Menschen sollte man so etwas vielleicht nicht unbedingt zeigen. Gibt es eigentlich ein Sarkasmus-Smiley?

    Ein paar gehirnausschaltende, spektakuläre Actionsequenzen hätten mich mit all dem versöhnt – das war es schließlich, was ich sehen wollte -, aber eigentlich gibt es im ganzen Film nur zwei, und die sind zwar ganz okay, aber mehr auch nicht.

    Vielleicht bin ich ein bisschen ungnädig. Weil ich diese Woche schon einen guten Film gesehen habe und sowieso nicht gut drauf bin.

    Nö. Quatsch. Was soll jetzt diese Relativierung?! Doofer Film!

    (Volker Strübing)

  • Antworten, die ich nie mehr bekommen möchte

    – Das habe ich dir doch schon vor 12 Wochen in einer Mail geschrieben!

    – Kannste das nicht erstmal googeln, bevor Du mich fragst?

    – Nein, ich werde Ihnen keine 4 Millionen Euro überweisen.

    (Gut, ich geb’s zu, die ersten beiden habe ich so oder so ähnlich auch schon gebracht – ich will’s nie wieder tun!)

    (Volker Strübing)

  • WDR Poetry Slam

    In dieser Woche werden in Köln 9 Folgen des WDR-Poetry-Slams aufgezeichnet. Zum ersten Mal wird es in Europa einen Poetry Slam im Fernsehen geben. Am Mittwoch war ich mit dabei. Ich fuhr gespannt, aber auch skeptisch nach Köln. Skeptisch vor allem, weil ich mich 1. wegen schlimmer Erfahrungen vor der Aufzeichnung fürchtete (ach, das ist ein schönes Thema für einen anderen Blog-Eintrag …), weil ich 2. nicht weiß, ob irgendwer im Fernsehen miterleben möchte, wie zum Beispiel ein bebrillter Mann – ich – von einem Zettel abliest, und 3. wegen des selten doofen Namens der Halle, in der die Sendung aufgezeichnet wurde (nee, den verrat ich nicht, der ist zu doof, nee, nee, na gut: Halle-Lu-Ja …. argh).

    Der letzte Punkt war zum Glück schnell vergessen. War ne ziemlich coole (leider auch kühle) ehemalige Lagerhalle, und als ich sie betrat, wurde ich von Musik der Mariachis empfangen, die gerade probten, und fühlte mich schon halb wie zuhause. Die Mariachis werden alle Sendungen als Showband begleiten und mit ihrer Musik verschönern.

    Es ist dem WDR gelungen, dort eine Veranstaltung hinzulegen, die sich wie ein echter Poetry Slam anfühlte – und tatsächlich auch einer war. Jörg Thadeusz hat sehr schön moderiert (und meinen Roman als den besten Science Fiction Roman der letzten 10 Jahre angekündigt … vielleicht rechtfertige ich das in mich gesetzte Vertrauen ja doch noch, wenn nach der Ausstrahlung die Massen in die Buchläden strömen ;-). Alle waren sehr nett, das Catering gut, das Hotel schön.

    Auch die Kameraleute haben sich sehr bemüht, nicht zu stören. Ein Moment war allerdings gräßlich: In jeder Sendung treten 5 Poeten/Slammer/was auch immer gegeneinander an. Nachdem jeder oder jede 3 Minuten am Mikro stand, wurden alle noch einmal kurz vorgestellt und dann entschied das Publikum per Applaus über den Sieger des Abends. Das ist mir schon bei normalen Slams unangenehm – egal, ob ich stürmischen Applaus oder nur Höflichkeitsklatscher kriege – aber diesmal stand, als für mich geklatscht werden sollte, ein Kameramann neben mir und zielte auf mein Gesicht. Und ich weiß doch so schon nicht, wie und wohin ich in so einer Situation gucken soll! Und dazu dann noch die Vorstellung, dass das dümmliche Grinsen, das sich dann letztlich einstellt, ganz groß im Fernsehen zu sehen sein wird … grauenvoll. Und dann fing mein Mund an zu zucken und ich dachte, oh Gott, mein Mund muss aufhören zu zucken, und mein Mund dachte: Was? Aufhören? Ich hab noch gar nicht richtig angefangen, pass mal auf du!

    Hinterher habe ich mich ein bisschen über mich selbst geärgert, weil ich (Achtung Spoiler 😉 meinen Text mit den Klonen vorgelesen habe, auf den ich eigentlich gar keine richtige Lust hatte, der aber immer ganz gut funktioniert. Aber es geht ja nicht nur ums funktionieren und außerdem kommt ein Text, den ich gerade sehr liebe, sowieso meist besser rüber, als eine vermeintlich sichere Nummer.

    Ich bin sehr gespannt, wie das im Fernsehen wirkt. Ab 25.2. werden die Sendungen ausgestrahlt, und ich werde mir alle angucken – bis auf die, in der ich mit dabei bin!

    Berichte vom Dreh aus Sicht von Ivo und den Mariachis gibts im LokBlog, dem Weblog der Lokalrunde. (Mensch Ivo, hättst ruhig mal Bescheid sagen können, dass Du auch unter die Blogger gegangen bist)

    (Volker Strübing)

  • Wenn Vertrauen zur Last wird …

    Ich kriege zur Zeit aber auch gar nichts auf die Reihe. Heute hätte ich meine Steuererklärung und die Einkommensschätzung 2007 für die Künstlersozialkasse (KSK) abgeben müssen. Diese Schätzung wird nun die KSK selbst übernehmen, und da mir das schon einmal passiert ist, weiß ich, dass sie großes Vertrauen in mich und meine Karriere setzen und mir eine rosige finanzielle Zukunft vorraussagen wird. Letztes mal habe ich dieses Vertrauen leider nicht gerechtfertigt, musste aber trotzdem 3 Monate lang die hohen Beiträge bezahlen. Mist. War gestern in Köln, wollte bei der KSK anrufen, hatte aber eine falsche Nummer mit. Ein Bekannter hat mir eine andere Nummer gegeben, die war aber auch falsch. Ich hätte natürlich die Auskunft anrufen können, aber manchmal kriege ich einfach gar nichts auf die Reihe …

    Naja. Hauptsache, das Bloggen klappt wieder 😉

    (Volker Strübing)

  • Children Of Men

    Man hat ja manchmal den Eindruck, es gäbe im Kino nur noch Action, Klamauk, romantische Komödien und computeranimierte Trickfilme für die ganze Familie. Insbesondere die computeranimierten Trickfilme für die ganze Familie gehen mir fürchterlich auf den Zünder, auch wenn ich nur die Trailer und die Werbung dafür mitbekomme. Nach Shrek 2 hätte man das Genre als abgeschlossen betrachten sollen, aber nein, stattdessen ging es danach erst richtig los.

    Geht nicht in computeranimierte Trickfilme für die ganze Familie! Wer computeranimierte Trickfilme für die ganze Familie guckt, frisst auch kleine Katzen! Roh! (Dieses Argument ist unhaltbar und entbehrt jeder Grundlage. Totzdem ist es – auf einer höheren Ebene und unter einem bestimmten Blickwinkel – wahr und schön. Behaupte ich jetzt einfach mal.) Tut etwas sinnvolles mit der Zeit, die ihr bei computeranimierten Trickfilmen für die ganze Familie verschwenden würdet! Helft Omas über die Straße, ob sie wollen oder nicht! Backt Kuchen! Spielt Killerspiele! Wenn euch nichts einfällt, dann holt euch Anregungen in der Liste der Dinge, die besser sind als computeranimierte Trickfilme für die ganze FamilieFußballgucken!

    So, das musste mal raus.

    Jedenfalls war ich im Kino und stand vor der Wahl, mir entweder den neuen James Bond oder Children of Men anzusehen. Ich mag Actionfilme sehr gern, genauso wie ich Fast Food mag, aber beide haben leider den Effekt, dass man nicht richtig satt wird, sondern höchstens ein Völlegefühl bekommt. Casino Royale hat sicher tolle Explosionen, und ich liebe Explosionen (im Kino),  aber am Ende würde ich doch mit dem Gedanken rausgehen, dass es eigentlich ruhig noch mehr und noch tollere Explosionen hätten sein können.

    Außerdem war mir sowieso nach eher düsteren Sachen zumute, ich entschied mich also für Children Of Men – „ein Fest für Pessimisten und Untergangs-Theoretiker“ (Kritik bei spiegel.de).

    Der Film ist großartig. Schön. Bedrückend. Ergreifend. Explosionen gibt es auch, aber man möchte nicht noch mehr davon sehen, denn die Kriegs- und Gewaltszenen tuen hier eher weh, als dass sie unterhalten. Ich habe keine Lust, den Inhalt wiederzugeben, es gibt viele gute Kritiken im Internet, zum Beispiel hier oder hier.

    Zwei Punkte möchte ich aber noch hinzufügen: Der Film enthält eine der skurillsten Autoverfolgungsjagden der Filmgeschichte – das Fluchtauto springt nicht an -, und es ist empfehlenswert, sich statt Chips Schokolade mit ins Kino zu nehmen, da der Film trotz aller Action sehr viele ruhige Momente hat, in denen man sich nicht traut, laut zu knabbern. Zumal es sehr leer war im Kino, weil alle nur James Bond oder computeranimierte Trickfilme für die ganze Familie sehen wollen. Ein guter Grund, schnell ins Kino zu gehen, da er bestimmt bald abgesetzt wird.

    (Volker Strübing)

  • Servicewüste Volker

    Nach der Lesung: Ein Typ quatscht (und speichelt) mich an. „Bin erst am Ende reingekommen, aber Du wurdest von 2 Leuten lobend erwähnt. Was hast’n gemacht? Aha, Geschichten vorgelesen. Und was für welche? Wie, das kannste nicht in 3 Sätzen zusammenfassen? Wieso denn nicht? Sollteste aber können. Wieso willste das nicht? Jaja, schon klar, aber wenn dich jemand fragt, musste das doch erklären. Jaja, willst in Ruhe dein Bier trinken – pah!“

    (Volker Strübing)

  • Tröstlich: Krieg überwiegend positiv

    In einem Telepolisartikel las ich ein aus der taz übernommenes Zitat von Generalleutnant a. D. Jürgen Schnell, Hochschullehrer für die Bundeswehr:

    Wenn der Krieg von Anfang an zur Geschichte der Menschheit gehört, dann ist anzunehmen, dass der Krieg überwiegend positive Funktionen erfüllt. Wäre es nicht so, dann hätte die Evolution sicherlich längst dafür gesorgt, dass der Krieg als Phänomen verschwunden wäre.

    Dieses Argument ist uralt, in seiner Dussligkeit aber immer wieder erstaunlich. Man braucht nur „Krieg“ durch „Popeln in der Öffentlichkeit“ ersetzen (oder durch „Kindesmissbrauch“, „Unfug reden“, „Schweißfüße“ etc.), um zu sehen, was das für ein Quark ist. Weiter:

    Die Natur ist offensichtlich von A bis Z auf Wettbewerb angelegt, und Kriege sind ihrem Wesen nach spezifische gewaltsam ausgetragene Formen des Wettbewerbs zwischen sozialen Großgruppen.

    Das ist nichts weiter als Sozialdarwinismus – für mich eine der inhumansten Gesellschaftstheorien überhaupt, weil sie letztlich das Menschsein an sich abstreitet, den Menschen zum Tier und das Töten oder Verhungernlassen dieser zweibeinigen Tiere zu einer aus Naturgesetzen resultierenden Notwendigkeit erklärt. Für Militärs (oder Neoliberale) muss es freilich schön sein, sich selbst als Vollstrecker des Willens der Natur betrachten zu können.

    (Volker Strübing)

  • Urlaub

    Nach über 150 Postings brauche ich ein paar Tage Urlaub vom Bloggen. Bin zu sehr mit Dingen beschäftigt, die hier nicht reingehören. Vielleicht kriegt Spider ja einen Schreibanfall, ansonsten geht es vielleicht am Wochenende oder nächste Woche hier weiter. Bei LSD setze ich etwas länger aus – bis Ende des Jahres.

    (Volker Strübing)

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  • Nicht wettbewerbsfähig

    Heute wurden auf Telepolis die 10 zur Abstimmung für den Publikumspreis ausgewählten Kurzgeschichten des Wettbewerbs „Visionen der Informationsgesellschaft“ veröffentlicht. Obwohl ich schon damit gerechnet habe, war ich doch enttäuscht, meine Geschichte nicht darunter zu finden. Ich hätte sie doch schon einen Monat früher fertig haben sollen, statt 2 Stunden vor Abgabeschluss, dann wäre mir rechtzeitig aufgefallen, dass sie völlig überladen ist, viel zu viel will für diesen Umfang und einen Schluss hat, dem man deutlich anmerkt, dass er nur so rangeklatscht ist.

    So überwiegt eigentlich fast die Erleichterung, sie nicht veröffentlicht zu sehen – denn für das Preisgeld hätte es dann ganz bestimmt nicht gereicht (wobei ich mir die anderen Beiträge erst einmal durchlesen muss ;-),  sie wäre aber … naja, eben draußen gewesen. Jetzt kann ich im Stillen daran weiterarbeiten, und das habe ich auch vor. Was dann daraus wird … mal sehen.

    (Volker Strübing)