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  • Partykater

    Das war eine Nacht! 10 Jahre LSD und die Veröffentlichung unseres Buches mussten einfach gefeiert werden. Leider frage ich mich im Nachhinein, ob wir das nicht bei Kaffee und Kuchen mit unseren Eltern oder so hätten machen sollen.

    Aber das Gute zuerst: Wir waren sehr, sehr glücklich über die vielen Menschen, die ins Roadrunners Paradise gekommen sind, um die Show zu sehen und mit uns zu feiern. Gerade eben erst habe ich erfahren, dass einige an der Kasse abgewiesen wurden, weil es zu voll war – das tut uns sehr leid und war vom Clubbetreiber nicht mit uns abgesprochen. Man hätte noch ein paar Stühle wegräumen können oder so, dann wäre das eigentlich kein Poblem gewesen. Okay, es war weiß Gott voll genug, aber es ist uns sehr unangenehm, dass Leute weggeschickt wurden.

    (Fotos vom Voland & Quist Verlagsblog. Klick auf die Bilder führt dort hin!)

    Eine andere Frage ist, ob sie wirklich viel verpasst haben. Unsere Show war … na, ich sag mal: Die normalen Dienstagabendveranstaltungen sind oft besser. Die Mariachis, DJ Ras Meyer, der schöne Raum und, natürlich, die Brötchen, die Micha und Uli geschmiert haben, haben das aber hoffentlich wieder wettgemacht. Es besteht also kein Grund, dieses Posting in die Kategorie Weltuntergang einzuordnen 😉

    Ich hoffe, niemand war allzu enttäuscht. Für mich war es keine Feier, sondern Stress. Da waren soviele Leute, die ich viel zu selten sehe, und mit denen ich gern ein Gläschen getrunken hätte, aber entweder, es war keine Zeit oder ich musste mich gerade von irgendeinem Ärger erholen. Immerhin sind die Kosten ziemlich genau wieder reingekommen – nach einer verkorksten Party der Chaussee der Enthusiasten im Sommer sind wir auf 1000 Euro Schulden sitzengeblieben 🙁

    Wenn man eine schöne wöchentliche Lesung auf die Beine gestellt hat, heißt das wohl noch lange nicht, dass man auch „Die Große Samstag Abend Show“ gut über die Bühne bringen kann.

    PS: Gerade via Spitblog gefunden: Sucht mal bei Youtube nach „Beaker sings Feelings“ und guckt Euch das Video an.

    Eine der schönsten Fernseherinnerungen aus meiner Kindheit. Und zwar zu recht, wie sich beim Wiedersehen herausgestellt hat. Mensch, die Muppets wussten, wie man ’ne gute Show macht … auch wenn dafür jemand weinen muss …

    (Volker Strübing)

     

  • Warum ich keine Entertainmentgröße bin

    Donnerstag, Chaussee der Enthusiasten, 2. Pause: Gerade haben Micha und ich einen unserer Teamtexte für den SLAM2006 vorgelesen, ich bin auf dem Weg nach draußen, um eine Zigarette zu rauchen, sehe unterwegs Anika und will Hallo sagen, komme aber nicht dazu, weil mich eine kleine Frau um die 50 (vielleicht auch jünger … oder älter – ich kann sowas nicht schätzen) anspringt und hektisch auf mich einzureden beginnt: „Das war ja ganz toll, was sie da eben gemacht haben, ich bin vom WDR, ich bin nur durch Zufall hier, und wo Sie doch amtierender deutscher Poetry-Slam-Meister sind“ – (ich hatte unglücklicherweise selbst drauf hingewiesen, um noch ein letztes Mal damit anzugeben) -„können wir da bestimmt einen kleinen Beitrag über Sie und Ihren Text machen. Den fand ich ja ganz wunderbar. Das muss aber alles ganz schnell gehen, ich bin nur noch bis Sonnabend in Berlin und hab dichtes Programm. Wir machen das morgen Abend, zwischen 10 und 11 müsste ich Zeit haben. Wie? Da können Sie nicht? Ein anderer Auftritt? LSD-Buchrelease-Party? Na und? Dann komme ich einfach dorthin, sie werden ja wohl ein paar Minuten erübrigen können! Sie bauen das einfach mit ins Programm ein! Wie, das geht nicht, herrjeh, na dann lesen Sie das in irgendner Ecke und ich fange dann noch ein paar O-Töne von der Atmo ein. Wie, sie wollen das nicht? Wie, keine Zeit, zuviel Stress? Hören Sie mal, ich bin beim WDR, wissen Sie was für eine Reichweite wir haben? Das kann Ihnen eine Menge bringen, das sage ich Ihnen! Ach nun hören Sie doch auf mit dieser Party! Andere würden sich die Finger danach lecken, ins Radio zu kommen und ich biete Ihnen hier diese Chance und Sie lassen mich hier so auflaufen, wissen Sie, ich will Ihnen mal was sagen, ja?! Ich habe oft mit Entertainmentgrößen zu tun, und wenn ich da nach einem Interview frage, dann wird das eben einfach möglich gemacht, egal, was sonst noch ist! Das ist professionelles Arbeiten, da müssen Sie aber noch ne ganze Menge lernen, mit Verlaub! Also, ich bring die ganze Ausrüstung mit und Sie … Wie, das geht morgen nicht? Hören Sie mal, ich bin vom WDR, wissen Sie eigentlich, was Sie für ein Glück haben, dass ich zufällig hier im Publikum saß?“ Und so weiter und so weiter. Dies ist eine stark verkürzte Wiedergabe des sehr einseitigen Gespräches. Die Frau wurde immer lauter und entrüsteter und impertinenter; ich ließ sie schließlich einfach stehen und ging raus. Schade, dass ich sie nicht vorher noch beleidigt habe, das hätte mir gut getan. Für Personen wie sie wurde die Weblogrubrik „Zumutungen“ erfunden.

    Die WDR-Furie ist daraufhin zu Jochen gegangen, der gerade an der Kasse saß und hat sich bei ihm über mich beschwert. Was sich dieser „sogenannte“ deutsche Meister einbilde! Wir betrieben das hier doch schließlich „halbprofessionell“, da hätte sie gedacht, wir würden mit unserem Kram auch gerne mal an die Öffentlichkeit kommen … gut, dass sie die Telefonnummer meiner Mutter nicht hatte, sonst hätte sie dort auch noch angerufen.

    Und gut, dass beim WDR nicht alle Menschen so sind. Im Januar war ich zu Gast bei Jess Jochimsens „Die Vorleser“ im Pantheon in Bonn, einer Lesung, die vom WDR produziert, mitgeschnitten und ausgestrahlt wird. Das war sehr schön und niemand schien verrückt zu sein. Im November probiere ich dann mal das WDR-Fernsehen aus, aber dazu später mehr. (Oder auch nicht.)

    (Volker Strübing)

    Montag 13.11.06: Hier gibt’s einen Nachtrag.

  • Zeitumstellung (2) – Ein Verbesserungsvorschlag

    Es ist doch so: Alle Menschen mögen die Umstellung auf Winterzeit, freuen sich über die eine Stunde, die sie längerschlafen, feiern oder (als Nachtbusfahrer zum Beispiel) länger arbeiten können. Und alle Menschen hassen es, wenn ihnen diese Stunde wieder geraubt und die Sommerzeit eingeführt wird. Zuckerbrot und Peitsche. Da die Sommer-/Winterzeit von Menschen erdacht und eingeführt wurde (nein, sie ist nichts naturgesetzliches!), muss man davon ausgehen, dass hier planvoller Sadismus am Werke war.

    Es ginge nämlich auch anders: Man könnte auch im Frühjahr die Uhr um eine Stunde zurückstellen und schon wären alle Menschen zweimal im Jahr glücklich über eine geschenkte Stunde! Klar, Uhrzeit und Sonnenstand würden ihre bisherige enge Bindung aneinander verlieren und irgendwann würde es im Sommer schneien und zu Weihnachten würden alle an den Baggersee fahren, aber das klingt doch auch ganz gut, oder?

    Alle 12 Jahre kommt man wieder bei der „ursprünglichen“ Zeit an, das wäre eine prima Gelegenheit für ein großes weltweites Fest. Nett fände ich, wenn dieses Fest zu meinen Ehren abgehalten würde, schließlich ist diese Idee von mir.

    Obwohl … bestimmt hat da auch schon jemand eine Geschichte drüber geschrieben.

    (Volker Strübing)

  • Zeitumstellung (1)

    Seit gestern Abend gehöre ich zu dem sehr kleinen und exklusiven Kreis von Menschen, die wegen der Umstellung auf Winterzeit zu einem Termin zu spät gekommen sind. Das Zurückstellen der Uhr vergessen und dann eine Stunde zu früh da sein, das kann jeder. Doch um gegen den breiten Strom anzuschwimmen, um etwas radikal anderes zu tun, als alle von einem erwarten, um sich seine Individualität in einer Welt voller gesichtsloser Pünktlich- oder Zu-Früh-Kommer zu bewahren braucht es Mut und Kraft und Willen, grenzenlose Hingabe und ein brennendes Herz oder (anschwellende pathetische Orchestermusik, die plötzlich mit dem Geräusch einer über die Schallplatte schnurpsenden Nadel abbricht) Microsoft Windows!

    Ich weiß, dass Bill Gates es nur gut mit mir gemeint hat. Er wusste, dass ich allein nie daran denken würde, die Uhr umzustellen, darum hat er in sein Betriebssystem eine Funktion eingebaut, die dafür sorgt, dass es jeden Tag in den Kalender guckt und, wenn es soweit ist, denkt: „Oh, Winterzeit, ich werde mal die Systemuhr zurückstellen.“ Eine tolle Funktion, danke dafür.

    Diese Funktion ist sowohl in Windows 2000 als auch in Windows XP eingebaut. Ich habe beide Betriebssysteme auf meinem Rechner … vielleicht ahnt man jetzt schon, was passiert ist … Die eine Hälfte meiner Peripheriegeräte arbeitet nur mit Windows 2000 zusammen, die andere nur mit Windows XP. Die einzigen Dinge, die mit beiden funktionieren sind Maus, Tastatur, Monitor und (immerhin) meine Digitalkamera. Wenn ich mal kurz nach Emails kucken und einen Song auf meinen MP3-Player ziehen will, muss ich mindestens eine Viertelstunde einplanen, weil ich den Rechner dazu zweimal starten muss und beide Betriebssysteme inzwischen so zugerümpelt sind, dass der Startvorgang an guten Tagen 5 Minuten, oft auch etwas länger dauert.

    Ich nehme an, die beiden Brüder haben sich irgendwie zerstritten und alle Geräte gezwungen, sich zu entscheiden. Unbedingte Loyalität ist Pflicht. Ein Scanner, der schon mit XP rumgemacht hat, kriegt bei Windows 2000 kein Bein mehr in die Tür.

    Da ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die beiden bzgl. der Zeitumstellung nicht abgesprochen, sondern beide gedacht haben: „Oh, Winterzeit, ich werde mal die Systemuhr zurückstellen.“

    So saß ich gestern zuhause, musste noch Texte überarbeiten und ausdrucken, aber ich hatte ja noch soooo viel Zeit … komisch eigentlich, dass es schon kurz nach 3 anfängt dunkel zu werden … naja, es wird halt Winter …

    Nachtrag, 45 Minuten nach dem Abschicken dieses Beitrages: Gerade hat mir Tube eine Mail geschickt, in der nicht nur drin stand, dass ihm das auch schon passiert ist, sondern auch noch, dass er schon vor 5 Jahren eine Geschichte drüber geschrieben hat. Es ist doch immer dasselbe.

    (Volker Strübing)

  • Lieber ein dicker Gogo-Dancer als Kassel-Wilhelmshöhe

    (Geschrieben am Freitag, dem 27.10.06)

     

    Neulich habe ich das erste Mal für Geld in einer Bar getanzt. Man darf ja keine zumutbare Arbeit ablehnen. Die Bezahlung war beschissen – knapp 0,03 € pro Stunde, aber dafür war es auch kein Problem, beim Tanzen Pizza zu essen, Emails zu schreiben und ein Paket abzuholen, weil mein Second-Life-Avatar das Rumgehüpfe für mich übernommen hat.

    Second Life (SL) ist, kurzgesagt, eine Mischung aus Chatroom und 3D-Simulation; der Avatar ist die Spielfigur, die man darin steuert, und deren Aussehen man selbst bestimmen kann. Eine schöne Einführung gibt es hier, eine Selbstbejubelung des Entwicklers Linden Labs hier.

    In dieser virtuellen Welt gibt es auch eine virtuelle Währung. Einerseits ist es irgendwie schade, dass das „zweite Leben“ nach den selben ökonomischen Regeln wie das erste funktionieren soll, andererseits ist eine virtuelle Welt mit virtuellem Geld natürlich sinnvoller, als eine reale Welt mit virtuellem Geld. (Gegen die Wahnvorstellung, das Geld im echten Leben sei real, hilft zum Beispiel „Das Wesen des Geldes“ von Egon W. Kreutzer)

    Das Geld in Second Life heißt Lindendollars. Die bekommt man, in dem man Geld von seinem Konto im ersten Leben an sein Second-Life-Konto überweist, indem man Dinge innerhalb von Second Life an andere Spieler verkauft (z.Bsp. virtuelle T-Shirts für die Spielfiguren) oder indem man dort … arbeitet. Letzteres ist der denkbar schechteste Weg, um es zu einem zweiten Leben in Reichtum zu bringen, zumindest, wenn man wie ich keine besonderen Qualifikationen vorweisen kann (noch so eine Analogie zur echten Welt, auch wenn der Edeka-Chef das anderes sieht). Aber wie gesagt, die Arbeit war nicht besonders anstrengend, da ich sie an meinen Avatar deligieren konnte, der auch viel besser tanzen kann als ich. (Dafür sehe ich im echten Leben besser als im zweiten aus. Bei all den Idealkörpern, die in SL rumlaufen, dürfte das nicht auf alle Mitspieler zutreffen.)

    dancing.jpg

    In irgendwelchen Clubs stehen Tanzplattformen, da klickt man drauf, und schon fängt der Avatar an zu tanzen. Nach 10 Minuten bekommt er dafür 2 Lindendollars gutgeschrieben. Die Besitzer dieser Clubs haben diese Plattformen wahrscheinlich installiert, um Leute in ihren Club zu locken, die dann auch Lindendollars dort ausgeben für … was weiß ich.

    Interessant ist, dass man das Second-Life-Geld zu ständig schwankenden Kursen in First-Life-Geld umwandeln kann – spätestens jetzt wird klar, dass wir es auch im Alltag nur mit Spielgeld zu tun haben. Leider ist der Wechselkurs bisher so ungünstig, dass man das Problem der Armut in der realen Welt noch nicht durch die Tanzplattformen in SL lösen kann.

    Einer der wichtigsten Aspekte bei SL ist der Chat mit den anderen Mitspielern. Aber damit habe ich noch so meine Probleme: Meinen ersten Second-Life-Chat (den zweiten Chat meines Lebens überhaupt) hatte ich kurz nach dem Einstieg in die Spielewelt mit zwei Avataren, deren menschliche Besitzer/Steuerleute/Entpsrechungen (ich nenn sie der Einfachheit halber mal Real-Life-Avatare 😉 auch aus Deutschland kamen. Nach wenigen Minuten fand ich mich in ein Gespräch über den Braunschweiger Hauptbahnhof verwickelt. Also, wenn das mein zweites Leben sein soll … Ich musste an ein Lied von (ich glaube) Goethes Erben DEine Lakaien (danke an Tube, für den Hinweis) denken: „Reincarnation / the torture never ends / Reincarnation / our bloody faith“. Naja. Wenigstens ging es nicht um den Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe, den allerallerhässlichsten Bahnhof Deutschlands.

    Im echten Leben bin ich vorhin durch den Braunschweiger Hauptbahnhof gefahren und später (leider) in Kassel-Wilhelmshöhe umgestiegen. Bin gerade unterwegs nach Marburg zum Dead or Alive Poetry Slam. (Nachtrag, Dienstag, 31.10.: Bin längst zurück. War toll! Hab gewonnen!) Jetzt sitze ich in einem Regionalexpress und der Akku ist gleich alle, darum: Genug für heute. Warum ich mich überhaupt mit Second Life beschäftigt habe, schreibe ich ein andermal. Oder auch nicht.

    (Volker Strübing)

  • Feminismus immer merkwürdiger

    Weil sich Zeitschriften für Frauen ständig mit Diäten beschäftigen ist es nur folgerichtig, dass sich das politische Magazin von Frauen EMMA mit Diätwahn beschäftigt. Ein Interview mit einem Ernährungswissenschaftler namens Pollmer. Der ist gegen Ernährungsberaterinnen, weil seine Ernährungs-Philosophie besagt, dass man schlicht und einfach essen soll, was und soviel man will, denn der Körper weiß selbst, was gut für ihn ist und was nicht. Wenn Pollmer sagt Ernährungsberaterinnen, dann meint er auch die weiblichen Vertreter der Zunft, und sei es als die gute Fee von der Ernährungsberatung mit ihrem langen, dürren Finger. Ich dachte ja immer, bei der EMMA seien das kapitale Binnen-I oder eine weibliche Form für den Plural Standard oder Norm (immerhin spricht die Interviewerin von zuständigen Ministerinnen), aber das ist wahrscheinlich nur so ein Klischee, außerdem ist es ja Pollmer, der so redet: Opfer der Ernährungsberatung sind nämlich Patienten und jeder dritte Deutsche. Dem Pollmer lässt die EMMA schon einiges durchgehen, die Feministin in mir (ja auch ich habe eine weibliche Seite meiner Persönlichkeit, irgendwer muss ja ab und zu mal saubermachen – Entschuldigung, is´n Witz) murrt nun doch etwas. Erst Recht bei dem schönen Satz: In einen Kindergarten gehört keine dürre Ernährungstussi, sondern eine gestandene Köchin! Aber wer Essen propagiert, wie in der Nachkriegszeit, der hat wahrscheinlich auch ein dazu passendes Bild von den Geschlechterrollen. Oder? Doch stimmt, gleich am Anfang des Interviews steht es:

    EMMA: Herr Pollmer, darf Ihre fünfjährige Tochter essen, was sie will?

    Pollmer: Natürlich. Sie liebt Pommes. Meine Frau müht sich redlich, den Speiseplan zu verbreitern, aber sie bekommt ihre Pommes trotzdem in vergleichsweise hoher Dosis.

    Das ist nun wirklich süß. Schönen Gruß an dieser Stelle an Frau Pollmer. Wahrscheinlich kann sie einfach wirklich besser kochen als ihr ernährungswissenschaftlicher Gatte. Möglicherweise ist das ja genetisch bedingt? So wie auch diese vielbeschworene Geschlechtersolidarität unter Frauen, die hier mal zu einem wirklich hübschen und wohl unbewussten Brückenschlag geführt hat, von der EMMA zu Eva Herman, die ja verbreitet, Frauen seien viel eher in der Lage, Apfelkuchen zu backen. (Die Texte zu E.H. sind von H. Werning, deren Geschlecht noch strittig ist.)

    (Andreas Krenzke)

  • So formuliert versteht´s jeder

    Der großartige Udo Tiffert hat am Dienstag bei LSD in einem großartigen Text beiläufig in einem großartigen Satz die Tätigkeit eines Kellners zusammengefasst, ungefähr so: „Dann bezahlste mit Kreditkarte. Dann schaufelt der Kellner Geld von Deiner Karte auf das Konto seines Chefs, der Idiot.“

    Ich liebe solche lakonischen Definitionen. Ich erinnere mich noch an die von Micha Ebeling für´s Taxifahren: „Ich fuhr mit einem Auto, das mir nicht gehörte, Leute, die ich nicht kannte, an Orte, wo ich nicht hinwollte.“

    (Andreas Krenzke)

  • Wie kann ich nur über so etwas schmunzeln?

    Schilt man mich darob auch einen Zyniker, ich schmunzelte heute beim Anblick der BZ-Schlagzeile: „Wie können deutsche Soldaten so etwas perverses tun?“ Es ging um die „Schädel-Schande.“ Also wirklich! Deutsche und Soldaten sind doch von jeher als Hüter höchster ethischer Standards bekannt, ich sag mal zumindest europaweit.

    (Andreas Krenzke)

  • Ficken … ach nee: Pillen schlucken für den Frieden

    Bizarre Werbung im Spiegel: Der ratiopharm-Chef Dr. Merckle hat eine Initiative namens WORLD IN BALANCE gegründet. Laut Website gehts wohl um Weltverbesserung, ein Anliegen, das ich lobenswert finde, obwohl man natürlich noch rausfinden müsste, wie er sie zu verbessern gedenkt. Auch Hitler war ja aus seiner eigenen Sicht heraus in Sachen Weltverbesserung unterwegs – aber keine Sorge, Dr. Merckle hat einen ganz anderen und deutlich sympathischer klingenden Ansatz. Irgendwas mit Äthiopien und Zukunft für Menschen und so (ich bin jetzt zu faul, die Website durchzuarbeiten).

    Aus der Anzeige ging das Anliegen des Projektes jedenfalls nicht hervor. Da wurde nur rumposaunt, das ganze klang sehr unverbindlich und ein bisschen größenwahnsinnig – ich habe mich gefragt, warum er nicht gleich UNIVERSUM IN BALANCE gegründet hat. Wenn man schon große Brötchen bäckt, dann richtig!

    Es wurde ein bisschen palavert über einen ersten Partner, den WIB jetzt schon habe, und dann kam folgendes:

    (blablabla) … verschiedene Projekte … (blabla) … erstfinanziert von Dr. Merckle (ratiopharm) …, an denen sich die Bevölkerung durch den Kauf von ratiopharm-Produkten beteiligen kann.

    (Hervorhebung und blabla von mir)

    Super Idee! Bevölkerungsbeteiligung durch Konsum! Könnte man so nicht die ganze Demokratie organisieren? (Ist sie vielleicht schon so organisiert?) Gilt übermäßiger Alkoholkonsum ab sofort als humanitäre Hilfe, wenn man den Kater mit ratiopharm-Produkten behandelt?

    Ich gründe hiermit die Initiative WELT OHNE WERBUNG, an der man sich durch den Kauf dieser hervorragenden Produkte (besser als herkömmliche Bücher!) beteiligen kann.

    Die Anzeige ging noch weiter:

    …, an denen sich die Bevölkerung durch den Kauf von ratiopharm-Produkten beteiligen kann. Die Menschen können sich auch in anderer Art einbringen.

    Puh. Na dann. Partizipation ist zur Not auch ohne Kaufen möglich. Für WELT OHNE WERBUNG gestatte ich hiermit auch die Selbsteinbringung in Form von Werbung im Freundes-/Bekannten-/Passanten-/Weltbevölkerungskreis für die oben verlinkten Produkte.

  • Mein erster Leserbrief

    Ich bin ja, wie wahrscheinlich alle von der Liga für Kampf und Freizeit, ein Anhänger der Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen (BGE), Bürgergeld, Existenzgeld oder wie immer man das nennen mag. In der noch aktuellen Konkret (10/2006) ist ein gewisser Felix Klopotek 3 Seiten lang mit fragwürdigen Argumenten dagegen (Hartz IV für alle, S.15ff). Das hat mich zu meinem allerersten Leserbrief inspiriert. Hier ist er:

    Leserbrief zu 10/2006: Felix Klopotek, Hartz IV für alle.

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Klopotek kritisiert die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen mit ihrerseits kritikwürdigen Argumenten. Hier nur ein Hinweis: Wenn er vorschlägt, die „gigantische Kraftanstrengung aller Ausgebeuteten“, der es bedürfe, ein BGE einzuführen, „gleich für eine Neuordnung der gesamten Ökonomie“ einzusetzen, so sollte er doch bitte gleich umreißen, wie eine solche neu geordnete Ökonomie aussehen sollte. Sie sollte nämlich auf alle Fälle, ein BGE beinhalten. Eine andere Gesellschaftsordnung ist nur dann eine bessere, wenn sie den Zwang zur Lohnarbeit beseitigt.

    Andreas Krenzke
    Berlin

    Ich habe mich extra kurz gefasst, vielleicht wird er ja abgedruckt. Andererseits habe ich im Original natürlich Harz IV geschrieben. Wie Peinlich! Besonders wo man bei der Konkret doch immer den Eindruck hat, sie werde von Lehrern geschrieben und gelesen. Andere Linke, in anderen Ländern, wünschen sich eine Maschinenpistole, der deutsche Linke wünscht sich einen Rohrstock. Zumindest kommt mir das beim lesen solcher Zeitschriften oft so vor. Na ja, wenn sich jemand in der Redaktion ärgert, und sei es nur über meine Orthographie, ist ja zumindest schon mal was erreicht. Ich habe mich über den Artikel ja auch geärgert.

    (Andreas Krenzke)