Das war knapp: 3 Stunden vor Einsendeschluss zum SF-Story- und Hörspiel-Wettbewerb „What if … Visionen der Informationsgesellschaft“ hatte ich meinen Beitrag auf 49.982 Zeichen zusammengekürzt – 50.000 war das Maximum. Gerade eben kam die beruhigende Nachricht, dass meine Mail mit der Geschichte angekommen ist und den Wettbewerbsbedingungen entspricht.
Ohne Tina, die in den letzten Tage parallel nach Logik- und Rechtschreibfehlern, nach Stilblüten und streichbaren Abschnitten gesucht hatte (und fündig geworden war), hätte ich das nie geschafft – vielen, vielen Dank!
Seit 3 Monaten war ich mit Vorüberlegungen beschäftigt, habe mir Ideen notiert und die Welt ausgedacht, in der die Geschichte spielt, sowie den groben Handlungsfaden. Das eigentliche Schreiben hat dann die letzten vier Wochen in Anspruch genommen. Und nebenbei bin ich in dieser Zeit noch 21 mal in 8 Städten in 3 Ländern aufgetreten, habe 4 Texte für die Chaussee und LSD geschrieben (darunter ein Lied inkl. Gitarren- und Synthiebegleitung), 17 Weblogeinträge gepostet und bin zweieinhalb bis drei Tage Zug gefahren. Tut mir leid, wenn ich hier so angebe, aber ich bin sehr stolz, das alles auf die Reihe gekriegt zu haben. Ich werfe mir so oft vor, nichts zu schaffen, ein fauler Hund zu sein, da darf ich mich jetzt auch mal feiern.
Am Sonnabend ist es mir erstmals gelungen, in einem übervollen ICE zu schreiben, ich musste einfach vorankommen. Neben mir saß ein nettes, leider aber auch sehr neugieriges und lebhaftes Kind, der Gang war voll mit stehenden Leuten, überall zischelten Kopfhörer und Leute plapperten in ihre Handys oder die Ohren ihrer Mitreisenden – und ich konnte alles ignorieren und mich in einen Schreibrausch reinsteigern – das war schön …
Für die Geschichte habe ich 160 A5-Seiten mit Füller geschrieben und dann abgetippt. Ich mag diese Arbeitsweise. Auch meinen Roman habe ich komplett per Hand vorgeschrieben. Das bedeutet natürlich einen zusätzlichen Arbeitsschritt, aber da das Abtippen mit einer ersten Überarbeitung einher geht, lohnt sich das. Außerdem schreibe ich gerne per Hand und es ist schön, ein vollgeschriebenes Heft in der Hand zu halten. Viel … sinnlicher, als sich von der Textverarbeitung die Zeichen anzeigen zu lassen.
Ich glaube nicht, dass ich eine große Chance habe, den Wettbewerb zu gewinnen. Er ist international ausgeschrieben, es konnten auch englischsprachige Texte eingereicht werden. Und die insgesamt 10.000 Euro Preisgeld (!) werden sicher einige große Namen anlocken. Vielleicht schaffe ich es ja in die Endrunde, das wäre toll und dann könnte, wer will, die Geschichte im Internet lesen. Aber eigentlich ist das auch egal: Der Wettbewerb war eine gute Gelegenheit, mir selbst ein festes Ziel zu setzen. So ein Abgabetermin hilft sehr. Und mit dem Material, dass ich jetzt habe, vor allem mit all den Hintergrundsachen, die in der Geschichte nur ganz kurz auftauchen, kann ich mich eigentlich endlich wieder an einen Roman setzen. Ich glaube, die Grundannahmen geben das her. Vieles konnte ich wegen der Zeichenbegrenzung nur andeuten oder musste es sogar ganz rauslassen. Na, mal sehen … Interessant ist auch die Frage, ob ich die Geschichte noch mag, wenn ich sie mir in zwei Monaten noch mal angucke ..
Jetzt bin ich erstmal sehr neugierig auf die 10 Geschichten, die in die Endrunde kommen – und hoffe, dass ich eine davon schon kennen werde 😉
(Volker Strübing)