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  • Die Unterschicht hat´s gut: Ohne Geld ist auch das kein Problem

    Nächstes Jahr sollen Läden rund um die Uhr geöffnet sein dürfen, außer Sonntags. Ich kann mein Glück kaum fassen. Jetzt kann ich bald zu ganz anderen Tages- oder Nachtzeiten feststellen, dass es nie das gibt, was ich gerade brauche, sondern immer nur irgendwelche sinnlosen Produkte. Na gut: fast immer. (Siehe hier.) Trotzdem!

    (Andreas Krenzke)

  • 15 Jahre später

    Am letzten Dienstag eine schönes Wiedersehen. Ein Zuschauer bei LSD entpuppte sich, trotz meines katastrophalen Gesichtergedächtnisses, als mein ehemaliger Englischlehrer von der Volkshochschule. Dafyd. 15 Jahre ist das her. Du meine Güte Er sprach gar kein deutsch, damals. Jetzt schon. Ich habe nicht viel dazu gelernt, jedenfalls nicht in Englisch. Aber er ist ja auch gar kein richtiger ausgebildeter Lehrer, sondern ein australischer Spaßvogel, der sich auf gut Glück als Sprachlehrer beworben hatte. Damals waren wir immer noch in irgendeiner Kneipe, oder auf irgendeiner Party, nach der Abendschule. Ich wollte immer Drehbücher schreiben (Ich war damals dauernd im Kino, keine Ahnung warum, war ich damals unkritischer? Heute würde ich mich an meinen wenigen freien Abenden gar nicht ins Kino trauen. Wenn man alleine schon die Ankündigungen liest…) Ich spielte mit dem Gedanken, irgend so ein sauteures Wochenendseminar zu belegen. Zum Glück redete Dafyd es mir aus. „Du kannst doch einfach so ein Drehbuch schreiben. Ich bin doch auch einfach so Lehrer geworden.“ Er hatte ja so recht. Ein Drehbuch habe ich zwar nie geschrieben, aber gut 300 Kurzgeschichten und – hey – ich habe nie Geld dafür bezahlt, im Gegenteil, ich verdiene sogar welches damit. Ich trete jede Woche mit meinen Texten auf. Und manchmal entdecke ich alte Bekannte im Publikum.

    (Andreas Krenzke)

  • Ach dafür ist sowas gut

    In der Raumer Straße gibt es in einem Geschäft Namens „Second Bäck“ altbackenes Brot und Kuchen von gestern. Ich habe das immer – nun ja – kurios gefunden. Aber soeben bemerke ich, dass man für fast jedes Rezept mit Hackfleisch in meinem Kochbuch „2 Brötchen vom Vortag“ benötigt. Jetzt sehe ich diesen Laden mit ganz anderen Augen.

    (Andreas Krenzke)

  • Neulich im Steinbruch

    Beim Warten auf die Pizza beim Italiener um die Ecke habe ich den Stern 42/06 durchgeblättert und bin auf ein Interview mit Alfons Frenk, Chef von Edeka und 200.000 Mitarbeitern gestoßen, bei dem mir der Appetit gleich wieder vergangen ist.

    Neidisch muss keiner sein oder mir gar Missgunst entgegenbringen. Mein Berufsweg war harte Arbeit, Engagement, Leistung (haut auf den Tisch) und Leistungsdruck (haut auf den Tisch) und psychische Belastung (haut auf den Tisch). Vielleicht gepaart mit ein wenig Denkvermögen.

    Leisten die 200.000 Angestellten, die für ihn mehr als 30 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften, nichts? Ist es keine harte Arbeit, jeden Tag hinter einer Kasse zu sitzen oder Paletten einzusortieren und nebenbei vielleicht noch allein ein Kind großzuziehen? Ist das keine psychische Belastung, und stehen diese Leute nicht unter Leistungsdruck? Der Rest des Interviews deutet darauf hin, dass Herr Frenk seinen Angestellten durchaus alles abzuverlangen gewillt ist …
    Wenn aber die Verkäuferin genauso hart und engagiert und unter Druck arbeitet, wie er – wieso sollte sie dann nicht neidisch sein, dass er seine Kinder auf Eliteschulen schicken kann, ein schönes Haus hat und sich auch im Falle plötzlicher Arbeitslosigkeit bestimmt keine Sorgen um sein Auskommen machen muss? Weil ihnen das „Denkvermögen“ abgeht, dass er für sich reklamiert?

    In dem Film „We feed the World“ begründet Nestlé-Chef Brabeck die Geschäftspolitik des Konzerns unter anderem so: Wir tragen Verantwortung! 2 Millionen Angestellte und ihre Angehörigen sind von uns abhängig! (Gedächtniszitat)

    Ist das so? Waren die Sklaven eigentlich von ihrem Sklavenhalter abhängig? Könnte man es nicht auch umgedreht betrachten und fragen, ob nicht er und vor allem sein Wohlstand von der Arbeit der Angestellten abhängig sind?

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    PS: Alfons Frenks Kinder haben übrigens zum 18. Geburtstag keine Autos geschenkt bekommen, und wenn er auf Geschäftsreise geht, nimmt er von seiner Frau geschmierte Stullen mit. Sagt er im Interview. Das soll der Neiddebatte wahrscheinlich endgültig den Boden entziehen und ihn irgendwie sympathischer machen. Bei mir erreicht er damit das Gegenteil: Wenn jemand viel Geld hat und es angeblich garnicht verwenden kann, werde ich erst recht missgünstig und finde, er sollte es jemandem geben, der es sinnvoll einsetzt. Mir. Ich würde viele tolle, sinnlose Sachen kaufen, nie mehr geschmierte Stullen essen, mir Angestellte leisten, die meine Notizbücher abtippen und überhaupt viel Freude daran haben.

  • Das perfekte Notizbuch

    Wie hier per Kommentar versprochen, poste ich nun die Bastelanleitung für die perfekte Kombination aus Notizbuch, Telefonbuch und Kalender:

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    • Man benötigt einen billigen, kleinen, hochformatigen Jahreskalender mit separatem Telefonbuchteil mit Kunststoffumschlag (gibts überall) und Moleskine-Cahiers Notizbücher. Die haben einen schwarzen oder braunen Pappumschlag, normalerweise 64 Seiten, ein Einsteckfach und die letzten 16 Seiten sind perforiert, so dass man sie leicht herausnehmen kann, um zum Beispiel jemandem seine Telefonnummer oder ein unmoralisches Angebot zuzustecken. Ein 3er-Pack kostet 5,50 Euro bei Thalia in den Schönhauser Allee Arcaden – ich kenne kein anderes Geschäft in Berlin, das sie im Angebot hat. Ganz wichtig: Nicht die linierten kaufen! Liniertes Papier eignet sich für Schönschreibübungen in der ersten bis dritten Klasse, ansonsten für gar nichts! (Es ist mir ein bisschen peinlich, mich als Moleskine-Nutzer zu outen. Als Autor ein Moleskine zu benutzen ist in etwa so originell, wie arbeitslos sein in Mecklenburg-Vorpommern. Aber die Dinger sind einfach gut, und dieses Cahiers-Format habe ich noch bei keinem anderen Hersteller gefunden.)
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    • Man zieht das Telefonbuch aus der rechten Umschlagseite heraus und schiebt dessen vorderen Umschlag unter dem Kalender in die linke Umschlagseite des … ähm, tja … Umschlags … Kunstoffschutzumschlags – mir fehlt das Vokabular, um diese Arbeiten zu beschreiben, daher die Fotos.
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    • Nun schiebt man die hintere Umschlagseite des Moleskine-Heftchens in die rechte Tasche des Schutzumschlages.
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    • Jetzt noch einen guten Kuli rangesteckt (ich nehme immer Parker Jotter – die schreiben hervorragende Texte 😉 und fertig. Ideal lässt sich das in der Seitentasche der Hose transportieren, merkwürdigerweise passt es aber auch in praktisch jede Hosentasche und stört nicht einmal beim Fahrradfahren.

    Das kleine Notizbuch hält natürlich (bzw. hoffentlich) kein Jahr, aber es ist in 20 Sekunden gegen ein neues ausgetauscht. Auf das alte klebt man sich einen Zettel, auf dem steht, von wann bis wann man es benutzt hat. (Das Titelbild des Schnipselfriedhofs zeigt ein paar benutzte Hefte.)
    Zeitungsausschnitte, Einkaufszettel, Flyer, Eintrittskarten etc. kann man prima hinten einstecken und beim Notizbuchwechsel in der Einstecktasche des alten Heftes lassen.

    Soweit so gut. Seit fast zwei Jahren bin ich mit diesem System sehr zufrieden. Wenn jetzt noch jemand eine Idee hat, wie ich die 30 – 35 Notizbücher, die sich seitdem gefüllt haben, verwalten kann, würde mein Glück keine Grenzen kennen. Abtippen kommt nicht in Frage, da ist mir Jochen ein warnendes Beispiel.

  • Geschichte geschafft, Volker geschafft

    Das war knapp: 3 Stunden vor Einsendeschluss zum SF-Story- und Hörspiel-Wettbewerb „What if … Visionen der Informationsgesellschaft“ hatte ich meinen Beitrag auf 49.982 Zeichen zusammengekürzt – 50.000 war das Maximum. Gerade eben kam die beruhigende Nachricht, dass meine Mail mit der Geschichte angekommen ist und den Wettbewerbsbedingungen entspricht.

    Ohne Tina, die in den letzten Tage parallel nach Logik- und Rechtschreibfehlern, nach Stilblüten und streichbaren Abschnitten gesucht hatte (und fündig geworden war), hätte ich das nie geschafft – vielen, vielen Dank!

    Seit 3 Monaten war ich mit Vorüberlegungen beschäftigt, habe mir Ideen notiert und die Welt ausgedacht, in der die Geschichte spielt, sowie den groben Handlungsfaden. Das eigentliche Schreiben hat dann die letzten vier Wochen in Anspruch genommen. Und nebenbei bin ich in dieser Zeit noch 21 mal in 8 Städten in 3 Ländern aufgetreten, habe 4 Texte für die Chaussee und LSD geschrieben (darunter ein Lied inkl. Gitarren- und Synthiebegleitung), 17 Weblogeinträge gepostet und bin zweieinhalb bis drei Tage Zug gefahren. Tut mir leid, wenn ich hier so angebe, aber ich bin sehr stolz, das alles auf die Reihe gekriegt zu haben. Ich werfe mir so oft vor, nichts zu schaffen, ein fauler Hund zu sein, da darf ich mich jetzt auch mal feiern.

    Am Sonnabend ist es mir erstmals gelungen, in einem übervollen ICE zu schreiben, ich musste einfach vorankommen. Neben mir saß ein nettes, leider aber auch sehr neugieriges und lebhaftes Kind, der Gang war voll mit stehenden Leuten, überall zischelten Kopfhörer und Leute plapperten in ihre Handys oder die Ohren ihrer Mitreisenden – und ich konnte alles ignorieren und mich in einen Schreibrausch reinsteigern – das war schön …

    Für die Geschichte habe ich 160 A5-Seiten mit Füller geschrieben und dann abgetippt. Ich mag diese Arbeitsweise. Auch meinen Roman habe ich komplett per Hand vorgeschrieben. Das bedeutet natürlich einen zusätzlichen Arbeitsschritt, aber da das Abtippen mit einer ersten Überarbeitung einher geht, lohnt sich das. Außerdem schreibe ich gerne per Hand und es ist schön, ein vollgeschriebenes Heft in der Hand zu halten. Viel … sinnlicher, als sich von der Textverarbeitung die Zeichen anzeigen zu lassen.

    Ich glaube nicht, dass ich eine große Chance habe, den Wettbewerb zu gewinnen. Er ist international ausgeschrieben, es konnten auch englischsprachige Texte eingereicht werden. Und die insgesamt 10.000 Euro Preisgeld (!) werden sicher einige große Namen anlocken. Vielleicht schaffe ich es ja in die Endrunde, das wäre toll und dann könnte, wer will, die Geschichte im Internet lesen. Aber eigentlich ist das auch egal: Der Wettbewerb war eine gute Gelegenheit, mir selbst ein festes Ziel zu setzen. So ein Abgabetermin hilft sehr. Und mit dem Material, dass ich jetzt habe, vor allem mit all den Hintergrundsachen, die in der Geschichte nur ganz kurz auftauchen, kann ich mich eigentlich endlich wieder an einen Roman setzen. Ich glaube, die Grundannahmen geben das her. Vieles konnte ich wegen der Zeichenbegrenzung nur andeuten oder musste es sogar ganz rauslassen. Na, mal sehen … Interessant ist auch die Frage, ob ich die Geschichte noch mag, wenn ich sie mir in zwei Monaten noch mal angucke ..
    Jetzt bin ich erstmal sehr neugierig auf die 10 Geschichten, die in die Endrunde kommen – und hoffe, dass ich eine davon schon kennen werde 😉

    (Volker Strübing)

  • Wissenwertes (3) – Der Amerikaner, schnell erklärt

    A: May I have the lighter?

    B: Yes.

    A: (geht an seinen Tisch zurück) 

    B: (grantig) Die Amis! Zum Moand fliegn könnens, oaber Feuerzeug hams koans!

  • Edding auf fremden Hosen besser als eigene Enkel auf dem Mars

    In einer Regionalbahn ganz, ganz tief im Süden hing ein Schild: „Ohne gültigen Fahrschein doppelter Fahrpreis!“ Jemand hatte „preis“ durchgestrichen und durch „spaß“ ersetzt. Da musste ich ein bisschen schmunzeln. Die Bahn ist selbst Schuld, wenn sie so schöne Vorlagen liefert. Allerdings entspricht die Sache mit dem Spaß nicht unbedingt den Tatsachen. Ich weiß das, ich war nämlich selbst gerade ohne gültigen Fahrschein unterwegs. (mehr …)

  • Telefonterror – ein Gedächtnisprotokoll des Grauens

    1. Akt

    Volker: (wählt 0800 3301020)

    Roboterfrau: (euphorisch) Guten Tag und herzlich willkommen zum Privatkundendienst der T-Com. Ich möchte Ihnen ein paar kurze Fragen stellen, um den passenden Ansprechpartner für Ihr Anliegen zu finden. Haben Sie Fragen zu Ihrer Rechnung …

    Volker: (drückt die Taste 1, nicht wissend, dass die T-Com auf Sprachsteuerung umgestellt hat)

    Roboterfrau: … möchten Sie näheres über die Angebote der T-Com wissen oder …

    Volker: Häh?

    Roboterfrau: (bricht ab und schweigt)

    Volker : (drückt noch einmal die 1 und starrt auf sein Handydisplay)

    Roboterfrau: (geduldig) Ich habe Sie leider nicht verstanden. Haben Sie Fragen zu Ihrer Rechnung, möchten Sie näheres über die Angebote der T-Com wissen oder …

    Volker: Äh, ich …

    Roboterfrau: (bricht ab und schweigt, analysiert Volkers letzte Äußerung und kommt zu dem Schluss:) Ich habe Sie leider immer noch nicht verstanden. (begütigend:) Am besten ich verbinde Sie mit einem Servicemitarbeiter.

    Volker: (fragt sich, was sie getan hätte, wenn er ihre Fragen zufriedenstellend beantwortet hätte – ihn möglicherweise mit einem Servicemitarbeiter verbunden?)

    2. Roboterfrau: Um die Kundenzufriedenheit mit dem Serviceangebot der T-Com zu erhöhen, bitten wir sie, nach dem Gespräch in der Leitung zu bleiben und ein paar kurze Fragen zu beantworten.

    Telekom-Jingle: (erklingt)

    Verbindung: (bricht ab)

    Volker: (starrt sein Handy an, wählt dann erneut 0800 3301020)

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