|
|
Eine Wanderung durch den Harz ist ein bisschen wie ein live Jump’n-Run-Spiel mit nur einem Leben. Einen Moment nicht auf der Hut und es ist aus. Ich bin durchgekommen. Es gab keine Highscore-Liste zum Eintragen, aber dafür habe ich ein schönes neues Wort kennengelernt: „Totholzanteil“. Unterhalten sich zwei Waldräuber nach gelungenem Waldraub: Waldräuber 1: „Ich mach mich aus dem Staub. Gib mir meinen Totholzanteil!“ Waldräuber 2: „Da hast du!“ (Haut Waldräuber 1 einen morschen Ast über die Rübe) |
|
|
Was kümmern mich Schilder, die offensichtlich nicht für mich aufgestellt wurden? |
|
|
Links oder rechts? Die Entscheidung fiel leicht. |
|
|
Irgendwie … befremdlich. Kann man auch die ganze Oma abgeben? Und sie (ohne den Umweg über das Bargeld) direkt gegen den Sonderangebots-Schnickschnack tauschen? Ich musste jedenfalls an Monthy Pythons „Ritter der Kokosnuss“ denken: „Bringt mir Eure Toten!“ „Aber ich bin doch noch gar nicht tot! Ich möchte Spazierengehen!“ „Jaja, je oller, je doller“ |
Blog
-
Braunlage (VII) – Natur-Nintendo im Harzer Schilderwald
-
Vertane Chance
Kennt Ihr das? Auf der Rückreise aus dem Urlaub ist man gespannt, was wohl inzwischen in der Heimat passiert ist, was es zu berichten gibt, wie sich die Stadt verändert hat. Jedesmal geht es einem so, obwohl man jedesmal auf’s Neue enttäuscht wird. Egal, ob man 3 Tage wegfährt oder 6 Wochen.
Gut, wer heute vor 45 Jahren oder am 11.11.89 aus einem fünftägigen Urlaub zurückgekommen wäre, der hätte sich gewundert, wo die Mauer plötzlich herkommt, bzw. wo sie plötzlich hin ist.So etwas Großes erwarte ich ja gar nicht. Aber die Hiergebliebenen hätten die Woche doch wenigstens nutzen können, um die M1-Trasse fertig zu bauen und den rosanen Aussatz von der Kugel des Fernsehturms zu kratzen.
-
Braunlage (VI) – Mögliche Spätfolgen
Im Juni, nach einer Woche in Rotterdam, während der ich fast nur Englisch gesprochen hatte, war es schwer, wieder auf Deutsch umzuschalten und nicht ständig „It’s awesome!“ oder „Man, that was hilarious!“ oder „You guys are amazing!“ zu rufen, wie es die Amerikaner praktisch den ganzen Tag lang tun.
In der letzten Woche habe ich nur so Sachen gesagt wie: „Ich nehme das Holzfällersteak!“, „Einen Schierker Feuerstein bitte!“ oder: „Ja, Sie können das Zimmer jetzt sauber machen.“
Dies nur zur Erklärung und als vorauseilende Entschuldigung, falls ich in den nächsten Tagen zu jemandem komische Sachen sagen sollte. -
Braunlage (V) – 1100 Ostschrippen
Rast in der Rodelbaude. Ich trinke einTässchen Kaffee. Der Kellner bringt mir eine Rechnung über 2,80 Euro. Als ich das lese, bin ich plötzlich sehr, sehr froh, dass der Kaffee so widerlich war. Ansonsten hätte ich womöglich mit noch einer Tasse meine Urlaubskasse ruiniert.
Dankbar gebe ich 3 Euro.PS: Ja, ich weiß. In der Bahn ist der Kaffee fast genauso teuer (siehe: Verrückte Welt: Kaffee teurer als LSD). Aber dort kriegt man 0,2 l, der Kaffee ist erträglich und man wird nicht mit: „Die Gefühle haben Schweigepflicht“ beschallt, einem grässlichen Schlager, den ich in den 20 Minuten, die ich dort mit meinem Flüssiggold zubrachte, 3 mal hören musste.
-
Braunlage (IV) – Problembeeren
Die Waldblaubeeren sind schon ganz okay. Allerdings – und auch Mutter Natur muss sich ab und zu Kritik gefallen lassen – könnten sie ruhig etwas … naja … blaubeeriger schmecken. Ich finde sie ein bisschen fad. Blaubeerjoghurt zum Beispiel schmeckt viel doller nach Blaubeeren als Blaubeeren. Dazu kommt, dass skoliosegeplagte Menschen wie ich es zu schätzen wissen, dass er ohne langes Bücken mit einem Griff aus dem Kühlregal entnommen werden kann.
-
Braunlage (III) – Das muss wohl Urlaub sein
Gute Nachrichten: Es gibt nichts zu erzählen. Ich könnte berichten, dass der Kaffee in Königsbrück lecker, aber sehr teuer ist, dass das riesengroße Holzfällersteak im „Alten Forsthaus“ sehr gut schmeckt, dass (wenig überraschend) der Wald noch immer an Ort und Stelle und seit Montag kein bisschen hässlicher geworden ist, dass die neue Regenjacke hervorragende Arbeit als Anti-Regenzauber leistet und dergleichen mehr. Aber trotz der in der Blogosphäre üblichen Publikationshemmschwelle muss das ja nicht sein.
Es ist so, wie ich es geplant habe: Schön und ziemlich ereignislos. Was hier des Sehens würdig ist, entscheide ich und nicht irgendein Faltblatt der Tourismusinformation oder der „Lonely Planet Harz“. Sehr sehenswert sind zum Beispiel: Mein Balkon, meine Zimmerdecke, die Kneipe am Markt und der Wald hinter dem Hotel.
-
Was nicht verboten ist, kann kein Unrecht sein – oder?
Schlechte Nachrichten: Vom Zeitungslesen und Nachrichtengucken kann ich auch im Urlaub nicht ablassen.
Heute las ich beim Frühstück in der FAZ (was anderes gibt’s im Hotel leider nicht), dass die amerikanische Regierung das Gesetz zur Verfolgung von Kriegsverbrechen (War Crime Act) ändern will – um Soldaten etc. besser vor Verfolgung zu schützen.
Bisher hatte es die Genfer Konventionen zur Grundlage, aber das sei zu vage gewesen. Nun würde ein konkreter Katalog zu verfolgender Kriegsverbrechen erarbeitet. Nicht mit dabei: „Die Beeinträchtigung der persönlichen Würde, namentlich erniedrigende und entwürdigende Behandlung“, wie sie laut der Genfer Konventionen verboten ist.Damit soll […] die strafrechtliche Verfolgung demütigender Behandlung ausgeschlossen werden, wie sie im Gefängnis von Abu Ghraib passierte, etwa das Anleinen von Gefangenen oder das erzwungene Tragen von Damenunterwäsche. Man müsse verhindern, daß Ausländer versuchten, die Macht der Vereinigten Staaten einzuschränken, indem sie Amerikanern ungesetzliches Verhalten vorwürfen, zitiert die „Washington Post“ einen Regierungsvertreter.
(Quelle: FAZ, 10.8.06)
Das kann doch eigentlich nur eine Zeitungsente sein, oder? Oder nicht? Oh Mann. Das können die doch nicht machen, noch dazu mit so einer Begründung!
Immerhin bleiben Mord, Folter und Vergewaltigung verboten, wobei man wohl davon ausgehen kann, dass dafür angeklagte Soldaten von der Militärjustiz eher dafür bestraft werden, dass sie sich von Menschenrechtlern oder Journalisten haben erwischen lassen.
-
Braunlage (II) – Wandern
Montag:
Sonnenschein.
Frühstück in „Omas Kaffeestube“, einem Cafe, dem ich trotz des leicht angebrannten Butterkuchens wegen der Instrumentalversionen von James-Last-Klassikern und dem Widerstand gegen das Genitiv-Apostroph die Treue halten werde.
Direkt hinter meinem Hotel beginnt der Wald. Ich wandere an der Bode entlang, vorbei an Heidelbeersträuchern und Glockenblumen, auf denen Schmetterlinge sitzen. Die Bäume rauschen, der Bach gurgelt. Die Natur hat hier ganz tief in die Heimatkitschkiste gegriffen. Es ist wunderschön.
Rast auf einem umgestürzten Baumstamm über der Bode. Schade, dass niemand da ist, um mich zu fotografieren: Mit gefurchter Denkerstirn über dem plätschernden Bächlein, in der einen Hand das Buch mit den Naturgedichten, in der anderen den Harzer Käse …
Beim Versuch, das Foto mithilfe des Selbstauslösers hinzukriegen, rutsche ich beim Zurückeilen ab, platsche mit einem Fuß in Wasser, ratsche mit der linken Hand über die Borke des Baumes, und nur ein großer flacher Stein im Wasser bewahrt mich vor einem unfreiwilligen Bad. Vielleicht auch besser so. Wahrscheinlich hätte ich auf dem Foto doof geguckt und die gnadenlose Abbildung der Realität hätte das eitle, aber ach so schöne Bild in meinem Kopf widerlegt.Abends im Hotel. Stille, nur die Bäume rauschen (und die Mutter im Nachbarzimmer brüllt ihr Kind an – aber nur kurz! Dann wieder Stille …)
Ich habe mir den Sessel auf den geräumigen Balkon gestellt. Ich mache es mir gemütlich, trinke eine Flasche Harzer Schlehenwein und lese Heine … oder war es „Der Eiserne Rat“ von China Mieville? -
Braunlage (I) – 40 Euro Sonnenscheinaufschlag
Mein klitzekleines Urlaubstagebuch
Sonntag:
Ankunft in Braunlage im Harz. Regen. Ortsbesichtigung mit zwei übereinandergezogenen, rasch durchgeweichten Pullovern. Es gibt „Omas Kaffeestube“, ein „Altes Forsthaus“, aber auch ein „Bierbarbistro“. Auf dem Bürgersteig muss man wegen der zahlreichen Restaurant-Werbeschilder, die „Seniorenteller“ anpreisen, Slalom laufen. Es gibt einen O2-Laden, aber im ganzen Ort keinen Empfang für mein O2-Handy. Am Donnerstag spielen Kretschkes Oberkrainer („Die Sterne am Oberkrainer Musikhimmel“). Vielleicht gehe ich aber stattdessen in die Flippothek („Ihr Entertainment Paradies“).
Auf dem Rückweg zum Hotel eine teure Regenjacke gekauft, weil es 1. keine billigen gibt und ich 2. sicher stellen will, dass den Rest des Urlaubs die Sonne scheint.
-
Wenn du nicht paranoid bist, bist du ein Fall für den Psychiater
Wenn du paranoid bist, auch. Und wenn du Psychiater bist, sowieso. (Hm. Muss hinter „bist“ ein Komma? EDIT: Ja, muss)
Gestern habe ich mir Loose Change 2 angesehen, einen Film über den 11.September 2001; einen Film, der die These vertritt, dass das alles von der US-Regierung eingefädelt wurde – eine Art amerikanischer Reichstagsbrand um die Bürgerrechte einschränken, in den Krieg ziehen und nebenbei noch einige Milliarden Dollar durch Versicherungsbetrug und den Verkauf von Airline-Aktien verdienen zu können. Ich hatte bereits einiges darüber gelesen und mich gewundert, dass zum Beispiel der Spiegel eine positive Rezension des Films von der FAS übernommen hatte – bisher hatte der Spiegel derartige Theorien stets in Grund und Boden geschrieben. War also doch etwas dran?
„Loose Change 2“ ist eindringlich, gut gemacht, gruselig … und, so glaube ich, Quatsch. Wobei ich zugeben muss, dass er mich fast dazu gebracht hätte, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass da etwas dran sein könnte. Wenn ich etwas lese oder sehe, ist meine Kritikfähigkeit sehr heruntergesetzt und ich brauche eine Weile, bis ich mir eine eigene Meinung bilden kann.
Zwei Websites haben mir sehr geholfen: http://www.werboom.de/vt/html/loose_change2.html
und http://www.ccdominoes.com/lc/LooseChangeGuide.html (englisch)Dort wird „Loose Change 2“ Punkt für Punkt auseinandergenommen und von den „Merkwürdigkeiten“ bleibt nicht viel übrig. (Ja: Auch beim Lesen dieser Websites war meine Kritikfähigkeit herabgesetzt – aber inzwischen habe ich eine Nacht darüber geschlafen)
Eine Sache fand ich schon beim Betrachten des Films wenig überzeugend: Ständig werden (sich teilweise widersprechende) Augenzeugen herangezogen, die alles mögliche gehört und gesehen haben, das angeblich die These von Bomben im WTC und einer Cruise Missile im Pentagon stützt – aber, hey: Es ist bekannt, dass sich zwei Augenzeugen nicht einmal auf eine gemeinsame Version eines popligen Auffahrunfalls einigen können, und dann sollen Leute die dieses Grauen miterlebt haben, zuverlässige Zeugen sein?
Ein Beispiel:
„Loose Change 2“ stellt die Frage, ob wirklich ein Flugzeug ins Pentagon geflogen ist (und suggeriert, dass es stattdessen eine Cruise Missile oder eine unbemannte Drohne war). Als ein Indiz werden drei Augenzeugenberichte aus den Nachrichten herangezogen. Ein Mann sagt, es sei ein großes Flugzeug von American Airlines gewesen (er stützt also die offizielle Version), ein Mann hat ein kleines Flugzeug ohne Markierungen gesehen (das könnte zur Missile- oder Drohnentheorie passen), einer schließlich hat gesehen, wie EIN HUBSCHRAUBER im Pentagon landete und die Explosion auslöste (was weder zur offiziellen noch zur „Loose Change“-Version passt). Wenn diese Aussagen überhaupt etwas belegen, dann, dass man ihnen nicht vertrauen kann!
Dass überdies eine erdrückende Mehrheit der Augenzeugen ein großes Flugzeug gesehen hat und nur (laut http://www.werboom.de/vt/html/loose_change2.html) genau zwei von einem kleinen Flugzeug sprachen, bleibt unerwähnt.
Wisst ihr, was ich glaube? Dass der CIA hinter „Loose Change 2“ steckt! Ein Ablenkungsmanöver, damit wir keine Nachforschungen über den Hurricane-Generator anstellen, mit dem sie im Auftrag der Immobilienmafia New Orleans plattgemacht haben! Oder über die Bilder von einer angeblichen Mondlandung, die in Wirklichkeit auf dem Mars gedreht wurden!
Wie auch immer: Um die Bush-Regierung zu verabscheuen und mich vor dem amerikanischen „Krieg gegen den Terror“ und seinen Auswüchsen zu fürchten, muss ich nicht glauben, dass sie das WTC selbst gesprengt haben. Da reicht ein Blick in die Zeitung.
Alle, die „Loose Change 2“ schon gesehen haben, sollten sich den wirklich sehr, sehr lustigen Cartoon auf dieser Website nicht entgehen lassen:
http://www.thebestpageintheuniverse.net/c.cgi?u=911_morons
🙂 Vielleicht der lustigste überhaupt seit Gary Larsons „Mutter aller Pizzen“ im Kommandobunker von Saddam Hussein.
NACHTRAG (15.9.06): Wer WIRKLICH hinter 9/11 steckt …



