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  • Wichtige Mitteilung an alle Berliner

    Liebe Berliner,

    es ist soweit: Nach 35 Jahren ziehe ich doch noch aus Berlin weg. Nein, nicht wegen der vielen Schwaben hier. Ich hab nichts gegen Schwaben und finde es schön, dass all die ranzigen Currywurst und Dönerbuden mittlerweile Spätzlerestaurants gewichen sind. Und außerdem, wie mein Kollege Volker Surmann einmal scharfsinnig feststellte: Es ist doch besser in Berlin unter Schwaben zu leben, als in Schwaben unter Schwaben zu leben.

    In Leipzig sah ich neulich ein Graffitto (ich berichtete), das mir Angst vor einer Ausweitung des von B.Z. oder Kurier ausgerufenen „Schwabenkriegs“ machte: „Schwaben zurück nach Berlin!“ Da frage ich mich doch: Woher kommt dieser Hass? Was haben die Schwaben den Leipzigern getan? Und vor allem: Was haben wir Berlinern den Leipzigern getan?

    Nein, ich ziehe nicht wegen der Schwaben aus Berlin weg, sondern wegen der Franken. Weil sie mich eingeladen haben. Die Oberfranken, um genau zu sein. Die Bayreuther, um noch genauer zu sein. Das Bayreuther Kulturamt, um ganz genau zu sein. Ich ziehe nach Bayreuth, um dort als Stadtschreiber zu leben und zu arbeiten. Pech für Berlin. Oder für Bayreuth, das müssen andere entscheiden.
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    (Vor dem Umzug: Ein letzter Besuch in der alten Heimat Berlin Marzahn. Hach, Berlin ist schon ein schönes Städtchen, ich werde es vermissen …)

    Es wird von mir also bald viel über Bayreuth zu lesen geben. Wahrscheinlich wird es nicht reichen, einfach in alten Texten per Autokorrekturfunktion „Berlin“ durch „Bayreuth“ zu ersetzen, denn die Städte unterscheiden sich in einigen wichtigen Punkten. Als Beispiel sei hier nur aufgeführt, dass man sich dort mit „Grüß Gott“ grüßt, anstelle des herzlichen Berliner „Glotz neh so, du Arsch“.

    Ich ziehe nach Bayreuth, und auch wenn mir der Abschied von Berlin schwer fällt, so bin ich doch guter Dinge und verlasse mich ganz auf die Worte eines berühmten Bayreuthers: „… daß Du gewiß in Baireuth selig sein wirst, so sehr sind dessen Berge und Häuser zu loben“, schrieb Jean Paul vor zwei Jahrhunderten. Bei anderer Gelegenheit ließ er einen seiner Romanhelden in einem Brief schwärmen: „Danken Sie Gott, Freund, im Namen Ihrer Nachkommenschaft, daß Sie in Bayreuth und dem besten Biere am nächsten wohnen.“

    Überhaupt: Jean Paul. 2013 ist das Jean-Paul-Jahr und ich werde mich mit seinem Werk auseinandersetzen. Ohne jegliche literaturwissenschaftliche Ausbildung, ohne besonders tiefe Kenntnisse seiner Zeit und ohne wirkliche Systematik – einfach nur als schreibender Leser. Ich kann nur hoffen, dass das Ergebnis den Dichter nicht veranlassen wird, die Erde des Bayreuther Stadtfriedhofs durch Rotation aufzulockern.

    Wenn ich – wie es sich in den letzten Wochen oft ergab – in Gesprächen Jean Paul erwähnte, war die häufigste Reaktion die Frage: „Welcher Jean Paul? Sartre? Oder Gaultier? Oder meinst du Sean Paul, den Dancehall-Musiker?“

    Wenn ich dann erklärte, dass Jean Paul Richter gemeint sei, der Schriftsteller, der Zeitgenosse Goethes und Schillers, fiel einigen immerhin ein, dass sie schon einmal etwas von ihm gelesen haben – in der Regel auf der Innenseite von Muscote-Zigarettenpapierverpackungen, diesen Glückskeksen für Raucher, die einem nach dem Öffnen mit einem kleinen Aphorismus von unerwünschten Gedanken über die Schädlichkeit des Rauchens abhalten.

    Man muss es leider sagen: Vor zwei Jahrhunderten ein Star und Beststeller-Autor wird er heute nur noch von wenigen gelesen. Das mag zum Teil daran liegen, dass Sätze wie folgender nicht unbedingt heutigen Lesegewohnheiten entsprechen:

    „Denn da unser Enzyklopädist nie das innere Afrika oder nur einen spanischen Maulesel-Stall betreten, oder die Einwohner von beiden gesprochen hatte: so hatt‘ er desto mehr Zeit und Fähigkeit, von beiden und allen Ländern reichhaltige Reisebeschreibungen zu liefern – ich meine solche, worauf der Statistiker, der Menschheit-Geschichtschreiber und ich selber fußen können – erstlich deswegen, weil auch andre Reisejournalisten häufig ihre Beschreibungen ohne die Reise machen – zweitens auch, weil Reisebeschreibungen überhaupt unmöglich auf eine andre Art zu machen sind, angesehen noch kein Reisebeschreiber wirklich vor oder in dem Lande stand, das er silhouettierte: denn so viel hat auch der Dümmste noch aus Leibnizens vorherbestimmten Harmonie im Kopfe, daß die Seele, z.B. die Seelen eines Forsters, Brydone, Björnstähls – insgesamt seßhaft auf dem Isolierschemel der versteinerten Zirbeldrüse – ja nichts anders von Südindien oder Europa beschreiben können, als was jede sich davon selber erdenkt und was sie, beim gänzlichen Mangel äußerer Eindrücke, aus ihren fünf Kanker-Spinnwarzen vorspinnt und abzwirnt.“

    (Jean Paul, Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wutz im Auenthal)

    Was er sagen will, ist natürlich klar: dass ich, um über Bayreuth zu schreiben, eigentlich in Berlin bleiben müsste. (Hoffentlich liest das Kulturamt nicht mit!) Es ist nur schwer vorstellbar, dass er mit Wortgebirgen wie diesem heute viele Follower bei Twitter finden würde, zumal er diesen einen Satz auf acht einzelne Tweets hätte aufteilen müssen. Jean Paul zu lesen, nachdem man vorher zum Beispiel eine Stunde bei Facebook unterwegs war, gibt einem ein gutes Gefühl davon, wie es ist beim Joggen mit den Mallorca-Fetenhits vom iPod im Ohr gegen eine urplötzlich im Weg stehende alte deutsche Eiche zu rennen – und wer würde bestreiten, dass das hin und wieder ganz gut tut?!

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    Die deutsche Sprache hat sich seit Jean Paul weiterentwickelt; manche würden sagen: zurückgebildet, und Jean Paul selbst wusste, dass es so kommen würde:

    „Irgend einmal wird Sein und mein Deutsch, Freund, sich zu dem künftigen verhalten, wie das in Enikels Chronik zum jetzigen; wir werden also gerade so oft auf den Toiletten aufgeschlagen liegen, als jetzt Otfrieds Evangelium, nämlich blos um die einfältige Schreibart und die Reinheit der Sitten zu studieren an Ihm und mir.“

    (Jean Paul, Die wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht)

    Wer sich auf ihn einlässt, wird feststellen, dass es dann doch noch viel mehr an ihm zu entdecken gibt. Viel Humor und Schönheit zum Beispiel sowie einen unerschöpflichen Vorrat an Wörtern, mit denen man Scrabble-Partner in den Wahnsinn treiben kann.

    Genug Jean Paul für den Moment. Wenden wir uns wieder einem Schriftsteller zu, der ihm zwar nicht das Wasser reichen, dafür aber bald die Blumen auf seinem Grab gießen kann, da er über den für ihn alles in allem recht erfreulichen Vorzug verfügt, noch am Leben zu sein: mir selbst.

    In drei Tagen ziehe ich nach Bayreuth. Aber Achtung: Ich werde zurückkommen. Darum geht bitte pfleglich mit Berlin um. Macht nichts kaputt, vor allem aber: nicht allzuviel ganz. Lasst am besten alles so wie es ist, nicht dass ich, wenn ich Anfang Juli zurückkehre, die Stadt nicht mehr wiedererkenne, weil es plötzlich einen neuen Flughafen gibt, die liebgewordene Baustelle in meiner Straße auf einmal verschwunden ist und man beim Bäcker zu den Wecken plötzlich „Schrippen“ sagen muss. Wenn überhaupt, dann räumt den Wintermatsch weg und hängt ein paar grüne Blätter an die Bäume.

    (Volker Strübing)

  • My 24 oder: Schneewittchen im Trabbisarg

    Notfalleinsatz beim Comedyslam in der Dresdner Schauburg. Beginn 20.45 Uhr, mein Zug soll 20.52 Uhr in Dresden sein.

    Der Zug ist pünktlich … bis Berlin Südkreuz. Dann die Ansage „Blablabla Personenschaden blablaba“. Allgemeines Geseufze und „Kann der sich nicht wie anständige Bürger in der Küche aufhängen“-Gemurmel.

    Zugumleitung. Verlassen Berlin nach einer Stadtrundfahrt über Lichtenberg. Die freundliche Frau mit dem Esoterikratgeber fragt arglos: „Nu, des verstehsch neh. Die müssen des doch nur alles wegmachen, was dauort denn daran so lange?“

    Habe zum Glück ein gutes Buch dabei: „Das Paradies am Rande der Stadt“ von mir selber. 2006 erstmals im yedermann-Verlag erschienen und seit einiger Zeit nicht mehr lieferbar, wird es im März bei Voland & Quist neu aufgelegt. Ich lese es also noch einmal und kritzele ein bisschen mit dem Kuli darin herum. Das habe ich zuletzt in Schulbüchern gemacht. Dort war es zugegebenermaßen ein bisschen lustiger, weil es oft Fotos von Menschen gab, denen man Brillen oder Hitlerbärtchen anmalen konnte.

    Ankunft mit 50 Minuten Verspätung. Taxi. Direkt und in letzter Sekunde (gerade soll die Pause angesagt werden) auf die Bühne. Während mir Thomas Jurisch aus dem Mantel hilft und ich irgendwas ins Mikrofon blubbere, macht Kontantin Turra meinen Rucksack auf. Reingreifen, Text rausziehen, merken, dass ich im Zug noch mal hätte auf Klo gehen sollen, egal – vorlesen.

    Pause. Große Freude meinerseits, als ich sehe, dass dort noch immer der Ordner„Versandscheine Kümmeritz“ steht, den ich vor gut einem Jahr mit einem kleinen Strich in „Versandscheiße Kümmeritz“ umgetauft habe.

    Lese als Letzter im Finale. Um genau 23.58 Uhr. Macht ja nüscht, muss ja erst um 7 im Zug nach Berlin sitzen.

    Kurz vor eins ist alles erledigt, ich habe noch fünf Stunden zu schlafen, doch statt ins Bett geht es noch in eine Bar – ich kann das nicht: Nach dem Auftritt sofort nach Hause oder ins Hotel.

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    (Ich hasse es, wenn die Dinger mich so  traurig angucken und „Bitte nicht!“ zu rufen scheinen.)

    Der Laden ist sehr klein; ich bewundere das Geschick, mit dem die Inhaber es dennoch geschafft haben, das gesamte Angebot an Flachbildschirmen eines mittelgroßen Elektronikmarktes an den Wänden zu verteilen. Sichere mir den einzigen Platz, auf dem man nicht MTV gucken muss, weil sie das Fenster gegenüber mit einem Fernseher zuzuhängen vergessen haben. Schaue nun in die MTV-guckenden Gesichter der Kollegen.

    Ein Getränk, dann ab ins Bett, das habe ich mir geschworen, und tatsächlich schaffe ich es, mich nach zwei Getränken auf den Weg zu machen

    3 Uhr. Ankunft im Hostel. Endlich ins Bett. Beziehungsweise in den Trabbi. Die haben eine Matratze längs in einen ollen Trabant Kombi eingebaut. Dieses Etablissement ist eindeutig nicht für Gäste meines Alters konzipiert. Und erst recht nicht für Gäste meines Alters mit DDR-Vergangenheit, die schon beim Anblick eines solchen Autos und der Erinnerung an Familienfahrten an die Ostsee mit so einem Ding Platzangst bekommen.
    Alternativ könnte ich auch das Hochbett benutzen, an dem ich mir innerhalb von zwei Minuten drei mal den Kopf stoße, aber schließlich krabbele ich doch auf allen Vieren durch die Heckklappe in den Trabbi, dann wieder mühselig heraus, weil man die Scheinwerfer nur mit mit dem Schalter an der Zimmertür ausmachen kann. Mache das Licht aus, taste mich durch absolute Finsternis, stoße mir zur Guten Nacht ein letztes Mal den Kopf am Hochbett, krabbele in den Trabbi zurück und schlafe wie ein Stein.
    Also gar nicht. Steine schlafen nicht, wie ja leider nur die wenigsten wissen. Steine können gar nicht schlafen, und ich tue es ihnen gleich.

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    Wie sollte ich auch schlafen? Dadrin fühle ich mich wie Schneewittchen im Glassarg; hoffentlich kommt jetzt nicht auch noch ein nekrophiler Märchenprinz vorbei! Das schlimmste aber ist diese bohrende Frage: Wie haben die den Trabbi in das Hostelzimmer gekriegt? Irgendwann fallen mir wohl doch die Augen zu. Mein Handywecker scheitert an der Aufgabe, mich zu wecken, doch mein innerer Wecker funktioniert perfekt: Fast auf die Minute genau zur Abfahrtszeit meines Zuges wache ich auf.

    Bahnhof Dresden Neustadt: Zehn Minuten vor Abfahrt des nächsten Zuges bin ich dort. Genug Zeit. Ich hole mir eine Fahrkarte und einen Kaffee und stelle dann fest, dass man sich noch einen kleinen Spaß hat einfallen lassen: Zum Bahnsteig 7 muss ich über Bahnsteig 3, den man erstmal finden muss. Treppe rauf, den ganzen, langen Bahnsteig 3 entlanghetzen, während man auf Gleis 7 schon den Zug einfahren sieht, Treppe runter, Treppe rauf, Zug geschafft, uff. Ein kleines Fitnessprogramm, das von den Reisenden in der Regel sicher mit Begeisterung aufgenommen wird, nur ich muss mal wieder Nörgeln! Bloß, weil ich immer noch Knie hab, nicht rennen und nur schlecht und langsam Treppensteigen kann und am Montag wahrscheinlich eine Kniespiegelung verpasst bekomme, vor der ich mich schon sehr fürchte, weil man da bestimmt einen Schlauch schlucken muss, der so lang ist, dass er bis dort unten reicht, bäh.

    In Leipzig verschafft mir ein ausfallender Zug noch eine Kaffeepause und die Gelegenheit, die nächste Stufe der Eskalation des Schwabenkrieges zu dokumentieren:

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    (Woher kommt nur dieser Hass? Was haben die Schwaben den Leipzigern denn getan? Und vor allem: Was haben wir Berliner den Leipzigern getan?)

    Jetzt wird alles gut. Sitze im Zug nach Berlin, schreibe diesen Weblogeintrag (auch wenn ich erst Sonnabend dazu kommen werde, ihn abzuschicken) und bin gleich wieder am Hauptbahnhof. Muss jetzt bloß noch rasch ins Studio Audiofenster in Kreuzberg, um die komplette Hörbuch-CD zu meinem neuen Geschichtensammelband „Das Mädchen mit dem Rohr im Ohr und der Junge mit dem Löffel im Hals“, der im März (ebenfalls bei Voland&Quist) erscheint, einzulesen, dann die Wohnung in bewohnbaren Zustand versetzen, weil ich heute Abend Besuch bekomme, noch ein paar Seiten Druckfahnen für das neue Buch korrigieren und um neun bei der Lokalrunde auftreten. Duschen und so Zeugs dann morgen…

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    Nachtrag Sonnabend: Habe mich daheim dann doch für die Dusche und gegen das Druckfahnengeschmöker entschieden, aber ansonsten hat alles geklappt. Bin jetzt sehr gespannt, ob man den Aufnahmen die zwei Stunden Schlaf und die vielen Zigaretten anhören wird …

    (Volker Strübing)

  • Neues von Niki

    Neues von Niki

    Danke! Allen Helferinnen, Helfern, Unterstützern und Spendern! Danke!

    WICHTIG: Bitte, liebe Spender, legt eine Spende-Pause ein! Zum ersten haben wir vorläufig genug Geld zur Verfügung, zum anderen löst sich der Verein „Artist Met Autist“ e.V. auf. Aber keine Sorge, das Spielraumprogramm läuft weiter. Für künftige Spenden wird demnächst ein anderes Konto zur Verfügung stehen. Wir geben Bescheid!

  • Kosmoarschlit

    Jaja, keine Geschichten über Zugfahrten und mitreisende Idioten mehr – aber sonst erlebe ich doch nichts! Ganz im Gegensatz zu dem Typen eine Sitzreihe hinter mir, der die unschuldig in seine Fänge gerate Frau neben sich ohne Unterbrechung vollschwallt:

    „Ich verreise ja jedes Jahr mindestens fünf mal und wenns nur zwei, drei Tage sind, als nächstes Kongo, Brazzaville und so, nee, da braucht man keine Angst haben, ich sag Ihnen: Vergessen sie die Reisewarnungsseite vom Auswärtigen Amt, das ist alles Quatsch, und wir sind ja auch bloß 4 Tage da, Freitags hin, Dienstag schon zurück, was soll ich da länger, da gibt’s eh kaum Stadien, ich guck mir ja immer überall Fußballspiele an, einmal war ich in Argentinien, 31 Spiele in 17 Tagen, eigentlich wollten wir auch Patagonien angucken, aber dafür war dann natürlich keine Zeit mehr. Und in Nepal war ich auch, das war schön, also kein Fußball zwar, aber trotzdem, soooo schön. Na gut, wir haben kein Trecking gemacht, aber uns die wichtigsten Städte angeguckt und nen Himalaya-Rundflug gemacht, naja und in Nordkorea war ich auch, die ham ja immerhin auch an der Fußball WM teilgenommen, dass war schon spannend – nee, nee, Angst hatte ich da keine, wir hatten doch die ganze Zeit Aufpasser bei und wenn du dich an die Regeln hältst, ist das das sicherste Land der Welt, obwohl das mit der ganzen Unterdrückung natürlich schon schlimm ist, aber wenigstens ist alles schön sauber, nicht so dreckig wie Indien, nee, also Indien hat mir gar nicht gefallen, soviel Dreck und statt Fußball dieses blöde Kricket, ein Glück, dass ich nur drei Tage da war, ich fahr aber schon auch mal nur in die Türkei, es muss ja nicht immer gleich Australien sein, wobei, Australien, als ich das letzte Mal da war …“

    Arrrgh! Wenn gleich dein Telefon klingelt, bin wahrscheinlich ich dran, und gebe ein paar Zahlen durch,

  • Ich lese was vor

    Ich trete ja hin und wieder auf, in den nächsten Wochen zum Beispiel hier:

    17.1., Donnerstag, 21 Uhr: Lesebühnenpremiere: Löwenherz und Schnauze! im „Alter Roter Löwe Rein“, Richardstraße 33, Berlin Neukölln. Mit Jacinta Nandi, Udo Tiffert, Markim Pause, Caroline Clifford, Till Reiners und mir.

    18.1., Freitag: Dichterschlacht. Poetry Slam in der Centralstation Darmstadt

    22.1., Dienstag: LSD – Liebe Statt Drogen, Lesebühne im Schokoladen, Berlin Mitte. Mit Ivo Lotion, Tube, Micha Ebeling, Spider, Uli Hannemann und mir.

    25.1., Freitag: Lokalrunde (die Show mit Weltniveau) im Café Burger, Berlin Mitte

    26.1., Sonnabend: Kantinenlesen in der alten Kantine in der Kulturbrauerei, Berlin Prenzlauer Berg.

    29.1., Dienstag: LSD – Liebe Statt Drogen, Lesebühne im Schokoladen, Berlin Mitte. Mit Ivo Lotion, Tube, Micha Ebeling, Spider, Uli Hannemann und mir.

    31.1., Donnerstag: Wort Frei! Ich lese ganz alleine einen ganzen Abend lang vor. In Potsdam. In der Hauptbibliothek, Friedrich-Ebert-Str. 4

    6.2., Mittwoch: Sololesung im Polittbüro in Hamburg.

    Ab Februar ziehe ich für fünf Monate nach Bayreuth. Als Stadtschreiber. Ich werde viel über fränkisches Bier und Jean Paul schreiben, wahrscheinlich in einem Extra-Blog. Aber dazu später mehr.

    (Volker Strübing)

  • Die Schweine

    Die Schweine haben im Supermarkt schon wieder alles umgeräumt. Gerade noch rechtzeitig habe ich gemerkt, dass statt Teebeuteln, Margarine und Orangensaft auf einmal Tampons, Gesichtscreme und Mampe Halb & Halb im Einkaufswagen liegen. Solange habe ich am perfekten Weg durch die Regalreihen gearbeitet; endlich war ich an dem Punkt angelangt, wo ich blind in die Auslagen greifen und hervorziehen konnte, was ich brauchte, während mein Geist in anderen Sphären unterwegs war, im Reich der Fantasie, unbehelligt von den profanen Dingen des Lebens. Während mein Körper den Einkaufswagen schob schwang sich meine Seele in den Himmel hinauf oder döste friedlich vor sich hin, und jetzt haben die Schweine schon wieder alles umgeräumt, und ich starre fassungslos auf vierzig Sorten Zahnpasta, dort, wo eigentlich die Schokolade stehen sollte.

    Das macht mich alles so müde.

    Warum tun die das? (mehr …)

  • Komplementärfarben. Heute: Rot und Grün.

    „Aus heutiger Sicht gibt es mindestens zwei Punkte, die eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei auf Bundesebene unmöglich machen. Der eine ist die national-chauvinistische Haltung, die gerade bei der Europapolitik immer wieder durchkommt. Und der andere ist die Unberechenbarkeit, wenn es um außenpolitische Fragen geht.“ sagt die Bundestags-Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen Göring-Eckardt in einem Interview auf berliner-zeitung.de. Eine von der Partei, die Deutschland in den ersten Krieg seit 1945 verwickelte, ich meine den Nato-Angriff auf Jugoslawien 1999. Wenn ich Wähler der Linkspartei wäre, würde ich genau anders herum darauf bestehen, dass diese nicht mit Bündnis 90/Die Grünen zusammenarbeitet. Aber so kann es mir eigentlich auch…

    (Andreas Krenzke)

  • Frohe Weihnacht…

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    …  im Kreis der Liebsten!

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    Plus 12 Grad morgen? Nicht auf Usedom.

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    (VS)

     

  • GZSZ mit Drachen – Eine Beschwerde

    Gibt es eigentlich Menschen, die noch wirklich gespannt auf die Fortsetzung von „Game Of Thrones“ / „Das Lied von Eis und Feuer“ warten? Ich war von der Fantasy-Saga nach anfänglicher Skepsis sehr begeistert, habe die ersten Bände verschlungen, mich in die Charaktere verliebt und über die Fähigkeit von R.R. Martin gestaunt, jede Szene mit einer Fülle von liebevollen Details zum Leben zu erwecken, habe die Dialoge genossen, die Weltschöpfung bewundert. Bis es ab dem fünften Band (in der deutschen Fassung, also dem dritten im Original) immer deutlicher wurde, dass das alles wohl nirgends hinführen wird.

    Die Handlung labbert aus, es geht nicht voran, Hauptpersonen sterben, Bataillone von Nebenfiguren werden eingeführt und aufgebaut, um dann meist sang- und klanglos wieder zu verschwinden, die Haupthandlungsstränge finden nicht zusammen, gefühlt alle 200 Seiten wird Tyrion Lannister entweder entführt oder fällt ins Wasser, und das entsprechende Kapitel endet mit der Frage, ob er ertrinken wird oder nicht (wird er nicht, wie wir ein paar Kapitel später völlig überraschend erfahren), nach mehreren tausend Seiten reitet Daenerys endlich mal auf einem ihrer Drachen – und zwar bis auf Weiteres heraus aus der Handlung des Romans; wahrscheinlich weil ihr das ganze ziellose hin und her öde geworden ist. Wobei sie mit dem hin und her nicht allzuviel zu tun hatte, da sie ganze 6 Bände lang nur in ihrer eroberten Stadt rumhockt. Die Schneezombies warten seit dem Prolog darauf, endlich mal eine wichtige Rolle zu spielen, und der Winter naht noch immer.

    Das Ganze ist wie eine Endlos-Fernsehserie angelegt. Ich mag Serien, aber wenn es sich nicht um eine Sit-Com, sondern ein Drama handelt, dann freue ich mich doch sehr über einen Abschluss. Bei Romanen umso mehr.

    Klar: Es ist viel realistischer, dass alles immer irgendwie weitergeht, dass es keine Katharsis gibt, sondern nur eine endlose Wiederholung der immerselben Motive in neuer Kulisse und mit anderen Protagonisten, so ist das Leben nun einmal, das Schicksal ist ein schlechter Dramaturg. Aber ich lese doch keine Fantasy-Saga, weil ich an einer Geschichte, wie sie das Leben schreiben würde interessiert bin. Gebt mir ein Ende, nachdem ich ein Buch zuklappen kann – traurig, dass es vorbei ist, aber doch zufrieden und erlöst.

    Wird das die Zukunft sein: Auf der einen Seite 100seitige Erzählungen oder notdürftig zusammengehaltene Episoden, auf die der Verlag ganz frech das Wort „Roman“ drucken lässt, auf der anderen endlose „Sagas“, die bald ähnlich wie Fernsehserien von Autorenkollektiven geschrieben werden? Bin ich zu kulturpessimistisch? Sehne ich mich insgeheim nach dem Weltuntergang und hoffe nach dem erneuten Ausbleiben desselben nun wenigstens auf eine Literaturapokalypse? Du weißt gar nichts, Volker Strübing.

    Vielleicht kriegt es Martin ja noch hin und führt sein Werk zu einem Ende, dass diesen Namen verdient. Das wäre eine nobelpreiswürdige Leistung, aber hallo. Ich werde die nächsten Bände trotzdem oder gerade deswegen lesen (kein Wunder, dass Verlagen das Serienkonzept so gut gefällt). Die Hoffnung stirbt zuletzt bzw. zusammen George R.R. Martin.

    (Volker Strübing)

    PS: Ja, okay, der GZSZ-Vergleich in der Überschrift ist fies, Entschuldigung, Aufmerksamkeitsöknomie und so. Apropos GZSZ and now for something completely different: Bei Hörspielen kann man so deutlich wie sonst nur bei Tatort-Folgen feststellen, dass die wichtigste Qualifikation deutscher Schauspieler die Fähigkeit zu sein scheint, keinen einzigen noch so banalen Dialogsatz wie ein normaler Mensch auszusprechen.

  • Hammerwerfer und Bogenschützen

    Es ist allgemein akzeptiert, dass Musiker Musikstücke schreiben, die dann auf Konzerten gespielt und als mp3 zum Download angeboten werden, dass Maler Bilder malen, die dann in einer Ausstellung gezeigt werden, dass Bäcker Brötchen und Kuchen backen, die dann in der Bäckerei verkauft werden. Niemand würde einen Musiker fragen, ob er ein Konzert und mp3-Musik schreibt, einen Maler, ob er eine Ausstellung malt, einen Bäcker, ob er eine Bäckerei bäckt.

    Autoren werden allerdings manchmal gefragt, ob sie ein Buch schreiben, und wenn sie dann mit „Ja“ antworten, reicht diese Antwort vielen Leuten aus, als sei alles, was zwischen zwei Buchdeckeln steckt, dasselbe. Beim Poetry Slam begegnet man dieser Gleichsetzung von Botschaft und Kanal besonders häufig. Das ist nicht weiter schlimm. Es ist nun einmal eine relativ neue Sache, die noch dazu eigentlich nicht zusammengehörende Sachen wie Lesung und Show bzw. Literatur und Sport zusammenbringt, das kann schon verwirren. „Nein, ich schreibe keine Slams, auch keine Slam Poetry, ich schreibe Texte und trage sie unter anderem auf Slams vor“, erkläre ich dann und hoffe, verstanden zu werden

    Poetry Slam ist keine Literaturgattung, keine Literaturströmung, sondern eine Veranstaltungsform, in der Platz für jede Art von Text ist, solange er selbstgeschrieben und nicht länger als 5 Minuten ist. Es ist wie eine Sportveranstaltung, bei der Hammerwerfer, Sprinter, Schachspieler, Bogenschützen, Stabhochspringer, Zauberwürfler, Ruderer, Gewichtheber, Dice Stacker, Kunstturner, Turmspringer gegeneinander antreten, dazu gelegentlich jemand mit einer ganz neuen, selbst erfundenen Sportart wie Gummibärchenweitkotzen oder Selbstzerstörung oder Bärenkatapultieren. Kein Mensch kann das ernsthaft miteinander vergleichen wollen, und trotzdem wird ein Sieger ermittelt – um dem Chaos eine Dramaturgie zu geben.

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    (Symbolbild Gummibärchenweitkotzen)

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