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  • Grulm!

    Grulm ist die Abkürzung für „Grüße aus Ulm“. Ich war gerade zu faul, „Grüße aus Ulm“ auszuschreiben, darum habe ich sie mir ausgedacht. Ich bin für 4 Tage hier, als Teilnehmer beim Donau-Riß-Poetry-Slam-Cup. Es ist mein zweiter Besuch hier; das letzte Mal war ich 2010 in Ulm, und es ist schön wieder hier zu sein, denn Ulm ist ein sehr inspirierender Ort – vor 2 Jahren habe ich hier meinen Text über hässliche Städte geschrieben.

    Nicht dass Ulm hässlich wäre. Oder hässlicher als andere Städte. Ulm hat alles, was der Mensch zum Glücklichsein braucht: Hübsche Kanälchen, eine erfreulich hohe Dichte an kleinen Buchhandlungen, Maultaschen, ICE-Anschluss, einen Poetry Slam, eine Bar, in der man rauchen kann und in der einem unvermittelt fremde Frauen freundlich durch die Haare wuscheln (sie kam aus Richtung der Toiletten, und vielleicht waren einfach bloß die Papierhandtücher auf dem Damenklo alle, aber ich gehe meines sonnigen Gemüts wegen davon aus, dass das ein netter Ulmer Brauch gegenüber Gästen der Stadt ist), es gibt die „gigantische Sparolympiade“ eines Möbelhauses und einen Arschbomben-Contest. Vor allem aber gibt es: Oma-Kuchen!


    Ich musste sofort an die alte Oma Eierschecke aus meinem Lieblingskinderbuch „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“ denken. Oma-Kuchen finde ich gut. Und Oma-Cafés sowieso. Vielleicht ist ja die kleine Bäckerei in Ulm Vorreiter einer neuen Oma-Kuchen-Café-Welle und wenn die Bubble-Tea-Läden pleite gehen werden sie durch Oma-Cafés ersetzt, das wäre doch schön.

    Ich hab den Oma-Kuchen übrigens nicht probiert, im Schaufenster sah er aber gut aus. Nur die etwas zu große Auswahl hat mich etwas stutzig gemacht. Es gab ein Dutzend verschiedene Oma-Kuchen, die beschriftet waren mit „Oma Erdbeer“, „Oma Mandarine“, „Oma Kirsch“ und so weiter. Das klingt noch ziemlich nett, aber die Sorten „Oma Quark“, „Oma Pflaume“ und vor allem „Oma Käse“ sind etwas unglücklich betitelt, finde ich. Man hätte ja auch einfach „Käsekuchen“ hinschreiben können, aber nein, sie hauen einem die Oma um die Ohren wie die Jungs von der „gigantischen Sparolympiade“ ihren „Aktions Rabatt“ – „einen Begriff penetrieren“ nannten wir das, als ich als Texter in einer Werbeagentur arbeitete. Hier wird also sozusagen die Oma penetriert, und darüber möchte ich lieber nicht nachdenken, nein, nein, nein. Vielleicht sollte ich doch nicht auf einen Oma-Kuchen-Café-Trend hoffen, vielleicht ist es besser, der Oma-Kuchen stirbt aus und bleibt eine schöne Erinnerung, als dass er auch noch auf dem Markt verheizt wird.

    (Lobenswerte Versuche, Ulm ein modernes Antlitz  zu geben, scheitern immer wieder an atavistischen Bausünden, wie diesem düsteren Ding im Bildhintergrund. Wenn man es wenigstens anstreichen würde, in freundlichen Pastellfarben zum Beispiel! Oder mit Dämmplatten bekleben, das Monstrum hat doch sicher eine grauenhafte Energiebilanz!)

    Heute Abend ist der letzte Slam im Rahmen des Donau-Riß-Cups und den Nachmittag habe ich mit Theresa Hahl und Sebastian 23 im Kino verbracht. Wirklich den ganzen Nachmittag, denn wir haben Batman geguckt und das hat 3 Stunden gedauert. Ich will nicht zuviel über den Film verraten, aber ich hoffe, es ist kein Spoiler, wenn ich schreibe, dass er totale Grütze ist und ich bei der „gigantischen Sparolympiade“ oder dem Arschbomben-Contest sicher mehr Spaß gehabt hätte. Mäßige Actionszenen, ewiges Gesülze (zum Kompott auch noch mit runtergepitchten Stimmen), Plot-Twists von der Stange, Hans-Zimmer-Überwältigungs-Musik, Hirnriss und Pathos und der reichlich vorhandene unfreiwillige Humor trägt leider auch nicht über die gähnenden Abgründe der Langeweile.

    Grulm!

    (Volker Strübing)

  • Modschekiebchen sind der neue Cat-Content

    „Jau, und da drüben, das Haus da drüben, das hat ja nun auch einer von der NPD gekauft. Na, da kannste nix machen, ne?! Aber ich sag auch: Ich hab kein Problem mit dem. Ich hab dem nix getan, der hat mir nix getan, wieso soll ich was gegen den haben? Der grüßt immer freundlich und seine Frau grüßt auch immer freundlich. Und wenn man dann immer hört, dass die irgendwelche Leute zusammenschlagen, das kann ich mir nicht vorstellen. Da wird schon vorher was gewesen sein …“

    Hab gerade 2 Wochen Landurlaub hinter mir. Das Wetter war schön (außer wenn die Sonne dolle schien), die Heidelbeeren waren lecker, die Gespräche über den Gartenzaun interessant (siehe oben). Und wenn ich jetzt nicht gerade was anderes vorhätte, würde ich einen langen Artikel über den Satz „Die werden schon irgendwas gemacht haben“ schreiben, den ich für einen der schlimmsten überhaupt halte. So belasse ich es bei ein paar Kitschbildern und dem Hinweis, dass heute Abend im Ritter Butzke ein Poetry Slam stattfindet mit Dalibor, Lars Ruppel, Jan Koch, Broca Areal, Sebastian Lehmann, Maik Martschinkowsky und mir. Und die sind alle mindestens super. (Ja, ich auch, scheiß auf falsche Bescheidenheit 😉

    (Ganz ohne Katzen geht’s natürlich auch nicht.)

    (Arbeitsurlaubsplatz)

     

    (VS) 


  • Krise als Chance: Raus aus dem Euro! Umverteilung neu denken! Vollbeschäftigung jetzt!

    Ich hoffe, die folgenden Vorschläge werden nicht wieder als Satire missverstanden, nur weil ich sie mit Katzenfotos verziert habe. Die Katzenbilder dienen einzig der Auflockerung und Popularisierung meiner staubtrockenen theoretischen Ausführungen.

    Raus aus dem Euro!

    Das wird doch nichts mehr. Wir müssen zurück zur guten, alten, stabilen Mark. Also zur Ostmark, meine ich selbstverständlich. Die D-Mark war nie wirklich stabil, in der BRD herrschte Inflation, alles wurde immer teurer, bis auf die Sachen, die niemand wirklich brauchte. Von der DDR-Mark konnte man sich zwar praktisch nichts kaufen, das aber zu stabilen Preisen! Als Umrechnungskurs schlage ich 4:1 vor, also 4 Euro gegen eine Mark, ausgehend von den ungefähren Preisen für Brötchen, die haben im Osten immer 5 Pfennige gekostet. Sicher wäre es generell sinnvoll, analog zum früheren und zur Zeit wieder häufig geforderten Goldstandard den Brötchenstandard einzuführen. Die Bundesbank (bzw. Bundesbäckerei) würde sich also bereit erklären jederzeit beliebige Geldmengen gegen eine festgesetzte Anzahl (nämlich 20 pro Mark) frische Brötchen einzutauschen.

    (Brötchen? Wer braucht denn Brötchen? Zurück zum Mäusestandard!)

    Allerdings wäre auch der umgedrehte Umrechnungskurs und eine nicht an das Brötchen gebundene Ostmark denkbar. Sollt mal sehen, wie gut das der Exportindustrie tut, wie schnell die Chinesen beginnen,
    Arbeitsplätze nach Deutschland auszulagern und wie rasch wir wieder für die Herstellung von IKEA-Möbeln bezahlt werden, statt absurderweise dafür bezahlen zu müssen, dass wir sie zusammenbauen dürfen!

    Umverteilung neu denken!

    Die Welt muss gerechter werden. Und dazu muss selbstverständlich umverteilt werden. Und zwar von oben nach unten – auf den Globus bezogen, das heißt, grob gesagt, von Nord nach Süd, von der ersten in die dritte Welt. Soweit ein alter Hut. Doch ich spreche nicht von einer Umverteilung von Geld und Vermögenswerten, sondern von Schulden! Die Pro-Kopf-Verschuldung in Deutschland beträgt mehr als 20.000 Euro (5.000 Mark). Demgegenüber stehen nicht einmal 500 Euro (125 Mark) im Sudan und lumpige 155 Euro, weniger als ein Hunderstel der Schulden in Deutschland, im Niger! Nach allem, was wir für sie getan haben, ist es ein Gebot der Fairness und der Solidarität in schwierigen Zeiten, dass die Länder der dritten Welt ihre Meckerecke verlassen, sich aktiv an der Lösung der bestehenden Probleme beteiligen und einer sofortigen gleichmäßigen Verteilung der Schuldenlast auf alle Nationen dieser Erde zustimmen!

    (Teilen ist das Gebot der Stunde. Es sind genug Schulden für alle da!)

    Die Industrieländer, Hauptträger des Fortschritts und der stetigen Verbesserung der Lebensumstände weltweit, wären durch die damit einhergehende Entlastung in der Lage, massiv neue Schulden aufzunehmen und mit diesen finanziellen Mitteln 1. die Energiewende zu schaffen (die Finanzierung von Walfarmen etwa wäre kein Problem mehr), 2. im Winter ihre Gehwege zu beheizen und 3. Geflügelfarmen stärker zu subventionieren, damit arme Afrikaner noch billiger an Hühnchen (abzüglich Brustfleisch) kommen. Klassische Win-Win-Situation. Und ein bisschen mehr spenden würden wir bestimmt auch.

    Vollbeschäftigung jetzt!

    Was klingt wie eine Forderung ist in Wirklichkeit schon jetzt Realität: Wir haben Vollbeschäftigung in Deutschland! Man muss sich nur von der alten Arbeiterbewegungsdefinition des Begriffes lösen, die als „Beschäftigung“ nur das verstehen wollte, was ein abhängig Beschäftigter an seinem Arbeitsplatz trieb. Es ist Zeit für ein umfassenderes, wissenschaftlicheres, wirtschaftsnäheres aber auch menschlicheres Verständnis dieses Begriffes: Beschäftigung soll künftig jede Tätigkeit genannt werden, die direkt der Wirtschaft und dem Wachstum zugute kommt. Und dazu zählt selbstverständlich auch der Konsum. Und in diesem essenziellen Bereich unserer Wirtschaft bemühen sich auch sogenannte Arbeitslose, Kinder, Rentner und andere Menschen, die allzugerne als „Schmarotzer“ beschimpft werden, nach Kräften darum, ihren Anteil zu leisten. Und das muss endlich gewürdigt werden; sowohl Produktion als auch Konsum sind als Arbeit im Dienste der Wirtschaftsmaschine anzuerkennen.

    (Auch scheinbar nutzlose Mitglieder der Gesellschaft leisten ihren Beitrag und halten das Rad am Laufen. Wenn man ihnen nur die Möglichkeit gibt.)

    Dann ließe sich auch Schluss machen, mit zwei fundamentalen Ungerechtigkeiten: Zum einen der Doppelbelastung der klassisch arbeitenden Bevölkerung, die sowohl Werte schaffen, als auch verbrauchen muss. Zum anderen dem Unvermögen der sogenannten Arbeitslosen im von ihnen gewünschten und wirtschaftlich wünschenswerten Maße zu konsumieren. Produzenten und Dienstleister zahlen einfach ihren gesamten Lohn (bis auf einen Grundbetrag für lebenserhaltende Ausgaben) an die Konsumenten, die sie dafür der Aufgabe des Konsumierens entheben. Hier muss endlich eine strikte Trennung der Tätigkeitsbereiche her, um die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft und die allgemeine Lebenszufriedenheit zu erhöhen! Ich würde mich sogar freiwillig für eine Konsumententätigkeit melden.

    (Volker Strübing)

  • Sie werden begeistert sein!

    Ich halte Klos ja für eine tolle Erfindung, ich benutze sie gerne und oft, aber „reinschauen, testen und begeistert sein“? Nee. Das letzte Mal, dass mich ein Urinal begeistert hat war vor ein paar Wochen in Halle, in der Moritzburg – die haben da Monitore mit einem Aquariumsvideo in der Wand der Pissrinne! Man kann die Fische anpinkeln! (Was ich mich aber erst nach drei Bieren getraut habe, weil ich als Kind noch so erzogen worden bin, dass man nicht in Aquarien pullert. So war das halt damals im Osten.)

    (Nee, das bin nicht ich auf dem Bild!)

    Interessant wäre nun natürlich gewesen, statt eines normalen Bildschirms einen Touch-Screen einzubauen (die Bezeichnung „Platsch-Screen“ böte sich dafür an) und das ganze mit einem Computerspiel zu kombinieren. Lange wird es wohl nicht mehr dauern, bis so etwas irgendwo auftaucht. Denkbar wäre auch ein Facebook-Klo, wo man … aber, nein, das wird jetzt plump und unappetitlich … ich würde jedenfalls jeden „entfreunden“, von dem ich erfahre, dass er einen Beitrag von mir auf diese Weise geliked hat.

    Das Hallenser Videoklo entdeckte ich übrigens, als gerade ein Sturm im Wasserglas wegen des „Aufbaus Ost“ tobte und diverse westdeutsche Kommunen sich beschwerten, dass im Osten Landschaften und Städte blühen, während bei ihnen die Straßen kaputt gingen und die Schwimhallen geschlossen wurden. Wenn die von dem Klo in Halle wüssten … Ich kann dazu ich nur sagen: Der Aufbau Ost ist erst abgeschlossen, wenn ich sowas auch in meiner Wohnung habe!

    (VS)

  • War on Happiness

    Sommer 2012. Die Glückssucht in Deutschland ist zu einer gesellschafts- und freiheitsbedrohenden Epidemie geworden. Die Süchtigen taumeln durch die Straßen; gedankenlos, gleichgültig, hedonistisch; erbärmliche Würstchen, an nichts anderem als dem nächsten Schuss Glück interessiert; sie wollen nicht wissen; sie halten die Freiheit für etwas, das vom Jobcenter an Bedürftige ausgegeben wird; die Glückssucht hat ihren Verstand vernebelt und ihre Seelen zerfressen, alles außer der nächsten Dosis Glück ist ihnen eine Last, sogar, dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist ihnen nur schwer erträglich. Die Glücksdealer reiben sich die Hände, ihre Geschäfte laufen bestens, während die Glücksbeschaffungskriminalität immer schrecklichere Ausmaße annimmt und Glückssüchtige auf Turkey wie die Zombies in Dawn of the Dead die Einkaufszentren stürmen …
    Höchste  Zeit, den „War on Drugs“ auf das Glück auszudehnen!   (mehr …)

  • Schnipsel vom 15.6.2012

    Man kann ja über vieles schimpfen – und sollte dies auch unbedingt tun! „Schimpfen, meckern, nörgeln aber sind die edelsten menschlichen Tätigkeiten, denn die Gabe des Schimpfens erst ist es, die den Menschen zum Menschen macht, ihn über das Tierreich und selbst noch über Gott erhebt, denn nur ihm ist sie gegeben – machen wir davon Gebrauch!“ (Volker Strübing, Der Mensch. Eine Annäherung., Band IV, S. 673). Gründe sind schnell gefunden: Finanzkrise, S-Bahn, Bubble Tea, Jugend von heute, Jugend von gestern, „die da oben“ (und die da unten erst!), Benzinpreis, Wetter, die Unregelmäßigkeit der Aktualisierung dieses Blogs, das dauernde Gemecker anderer Leute etc., etc., man muss und kann ja über alles schimpfen.

    Die einzige mir bekannte Ausnahme ist Innsbruck. Gegen Innsbruck lässt sich nun wirklich überhaupt nichts sagen. Innsbruck ist toll und hat alles, was eine Stadt braucht: Eine Lesebühne, einen Poetry Slam, urste Berge, einen Fluss mit ulkiger Farbe, eine Zahnradbahn und eine direkte ICE-Verbindung nach Berlin. An Innsbruck gibt’s absolut nichts zu meckern und ich möchte es ganz ausdrücklich nicht als Nörgelei, sondern als konstruktive Kritik verstanden wissen, wenn ich darauf hinweise, dass der ICE von Innsbruck statt in Berlin Südkreuz lieber in Berlin Gesundbrunnen halten sollte, und dass die Stadt sogar (obwohl das unmöglich erscheinen mag) noch ein bisschen schöner wäre, wenn sie am Meer läge.

    (Neue Trends und Entwicklungen erreichen Innsbruck vielleicht nicht unbedingt als erstes, aber was macht das schon?)

    Gestern abend war Innsbruck insgesamt nicht so schön wie sonst, da ich mich in der Stadt herumtrieb und sehr hässlich war. Also, eigentlich war ich gar nicht hässlich, nur meine Hose war hässlich, die dafür aber so richtig. Das heißt, vielleicht war die Hose eigentlich auch gar nicht sooo hässlich und sah nur an mir dran bzw. mit mir drin hässlich aus. So hässlich nun freilich auch wieder nicht, aber … ulkig. Glaub ich wenigstens, ich hab mich auf alle Fälle ulkig gefühlt. Es war nämlich eine Röhrenhose und ich schwöre, sowas wollte ich nie anziehen!

    Das kam nämlich so: Die Zugfahrt nach Innsbruck dauerte 9 Stunden. Und was macht man auf einer neunstündigen Zugfahrt? Na klar: Man kippt sich einen Deutsche-Bahn-Kaffee über die Hose – wann kommt man sonst schonmal dazu?

    In Innsbruck angekommen rammelte ich also in den nächstbesten H&M, weil ich bei der Text Ohne Reiter Jubiläumsveranstaltung nicht im Kaffeefleckencamouflage auftreten wollte (ich bildete mir ein, das würde ulkig aussehen – heilige Einfalt!), ramschte einen Batzen Hosen von einem Sonderangebotsständer, probierte sie in der Kabine durch, entschied mich für die am wenigsten hässliche Alternative, hängte diese dann zusammen mit einigen anderen zurück an den Ständer und rannte mit der am meisten hässlichen Alternative zur Kasse … scheiße.

    Hätte ich meine schwarze Fettrahmen-Brille nicht letztes Jahr in einem Taxi in Jordanien liegengelassen, hätte ich ausgesehen wie ein Hipster oder wenigstens Mipster (Möchtgern-Hipster).

    Jetzt weiß ich nicht, was ich mit der Hose machen soll. Heute kommt wahrscheinlich Magdeburg nochmal in den zweifelhaften Genuss, mich in ihr zu sehen, aber danach? Vielleicht hebe ich sie auf und wenn mal wieder ein Langstreckenflug ansteht, ziehe ich sie als Trombosestrumpfhose unter die normalen Jeans …

    (Von diesem Trend hingegen kann man sich nur wünschen, dass er von Innsbruck aus die Welt erobert: Klare Kommunikation, Produktpräsentation ohne störenden Schnickschnack, Konzentration auf eine Kernkompetenz statt einer erschlagenden Vielfalt an sinnlosen Produkten, die mit falschen Glücks- oder Individualitätsversprechen beworben werden.)

    (Volker Strübing)

  • 1000 Schnipsel!

    (Und alle so: Hui! )

    1000 Beiträge auf dem Schnipselfriedhof! Ach, was sag ich! 1018 mit diesem hier! Eigentlich wollte ich den tausendsten groß feiern – mit Fotos von Champagnerflaschen und Konfettivorlagen zum Ausdrucken und Ausschneiden, aber ich hab’s verpasst. Allerdings ist dieser Beitrag genau mein 900. – die anderen 118 sind von Spider. Wenn ich selbst die Tausend voll habe, dann aber, aber dann, aber hallo! Was auch immer. Hey, Spider, ich komm nachher bei LSD vorbei, dann gratulieren wir uns gegenseitig und trinken einen Schnaps!

    (Volker Strübing)

  • Was weiß der Hering von der Schönheit seines Schwarms?

    ACHTUNG: Enthält sinnlosen Cat-Content und unausgegorenes Zeugs! Und überhaupt: Wer sagt denn, dass eine Fortsetzung denselben doofen Titel wie der erste Teil haben muss?

    (Was die Eigenschaft angeht, einen von den wirklich wichtigen Dingen im Leben  –  rumliegen und Fantasy-Romane lesen etc. – abzulenken, können Katzen durchaus als eine Art Vorläufer des Internets gelten.)

    Ab und zu stößt man im Netz auf die Idee, die Kultur der Zukunft brauche keine Urheber im klassischen Sinne mehr. Die „schwache“ Variante dieser Idee meint damit nur, sie brauche keine bezahlten Urheber mehr. Die „starke“ Variante meint: Sie braucht keine Individuen mehr, das Netz, das Kollektiv, der Schwarm würde das übernehmen, die Kreativität der Vielen würde die beschränkten Möglichkeiten des Einzelnen weit hinter sich lassen. In Reinform bin ich dieser Variante noch nicht begegnet, aber es geht mir hier ja auch um Spekulation und Gedankenspiele und nicht um aktuellpolitische Erörterungen – weshalb ich auch auf die sich bei diesem Thema anbietenden Bezüge zur Diskussion um Urheberrecht und geistiges Eigentum verzichten will.

    Soweit es geht, denn ganz komme ich nicht herum.

    Beide Variante gehen im Prinzip von einem Ende individuellen Ausdrucks aus. Kunst könne nicht mehr als Werk eines Einzelnen gelten, da sie auf der Gesamtheit des kulturellen Schaffens der Vorgänger beruhe und daraus schöpfe – sie sei letztlich nur ein Mash-Up des Zuvordagewesenen, könne keine Eigenständigkeit beanspruchen. Denkt man das konsequent, weiter ist auch jeder Mensch nur ein Mash-Up der Gene seiner Eltern.

    Außerdem kann man argumentieren (und man tut es), die Vielen würden freiwillig und kostenlos Kultur produzieren, der Urheber als Spezialist würde nicht mehr benötigt.

    Bevor mich jemand falsch versteht: Natürlich wird freiwillig und kostenlos Kultur geschaffen. Niemand greift ja erst zur Gitarre, wenn er einen Arbeitsplatz als Musiker gefunden hat! Und was professionelle Künstler schaffen, ist weiß Gott nicht zwangsläufig besser, als die Leistungen guter Amateure. Aber auch die guten Amateure sind Spezialisten und Individuen/Individualisten.

    Aber jetzt ist ersteinmal an der Zeit für ein weiteres Katzenbild: (mehr …)

  • Du, Internet, ich hab da mal ne Frage … (1)

    Das folgende soll Auftakt einer kleinen Reihe sein. Mal sehen, wie lange ich sie durchhalte. Ich denke gerne über die Zukunft nach, in letzter Zeit wieder besonders viel und vor allem über die Zukunft des „des Netzes“ und die Auswirkungen auf uns kleine Fische, die sich darin verfangen haben. Das liegt zum Teil an der Urheberrechtsdiskussion, zum anderen, weil ich an einem Weltentwurf für einen möglichen SF-Roman bastle. (Bitte keine Nachfragen – falls ich den tatsächlich schreiben sollte, dann nicht in nächster Zeit!) Das Problem ist, dass beim Nachdenken mehr Fragen als Antworten rauskommen. Und ein paar davon wollte ich jetzt mal in dieses Internetdingens reinschreiben.

    Weisheit der Massen oder Dummheit des Mobs?

    Es gibt dieses Experiment: Wenn man 100 Leute das Gewicht eines Ochsen schätzen lässt und den Durchschnittswert bildet, erhält man ein Ergebnis, das ziemlich nahe am tatsächlichen Gewicht des Ochsen liegt. Die Wahrscheinlichkeit für ein annähernd korrektes Ergebnis ist auf jeden Fall viel höher, als wenn man irgendeine einzelne Person befragt. Mit diesem Experiment wird gerne die „Weisheit der Vielen“ oder die „Schwarmintelligenz“ illustriert.

    Ich habe allerdings keine Ahnung, was das mit Weisheit zu tun haben soll. Und vielleicht ist ja unter den 100 Leuten einer, der sich sehr gut mit Ochsen auskennt und eine viel zuverlässigere Schätzung abgeben kann – seine Erfahrung wird im Gesamtergebnis kaum ins Gewicht fallen. Vielleicht ist sogar ein „Weiser“ unter den 100, der auf den Abstimmungszettel schreibt: „Hey, lasst uns doch eine Waage holen, dann wissen wir’s genau“, aber diese Antwort wird natürlich als ungültig gewertet.

    Welche Schlussfolgerungen für die Zukunft der Politik bringt die Theorie von der Weisheit der Vielen mit sich? Ihre Umsetzung in der Wirtschaft ist ein radikal freier Markt; wäre das politische Gegenstück die direkte Demokratie?

    Darf man der Masse politische Entscheidungen überlassen? Hat sie nicht ein Recht, die Entscheidungen, die ihr Leben und ihre Zukunft betreffen, selbst zu fällen, wenn dies möglich ist? Und mit welcher Rechtfertigung kann man noch die alte, langsame, korruptions- und erstarrungsanfällige Vertreterdemokratie verteidigen, wenn das Netz in Zukunft eine direkte Demokratie technisch möglich macht?

    Aber können „die Vielen“ Entscheidungen treffen, die nicht einfach nur den momentanen Interessen des durchschnittlichen Individuums innerhalb dieser Masse entsprechen? Ich glaube, man braucht Brems- und Korrekturmöglichkeiten und einen Rahmen, der die Entscheidungsfreiheit des Kollektivs eingrenzt, Mechanismen, die uns vor unserer eigenen Dummheit schützen und verhindern, dass aus der Demokratie ihr böser Bruder, die Ochlokratie, die „Tyrannei des Pöbels“ wird – oder die Herrschaft von Peter und Erika Mustermann.

    100 Leute stehen um einen Ochsen herum und beglückwünschen sich dazu, wie toll sie sein Gewicht geschätzt haben. Dem Ochsen wird das irgendwann zu dumm, er schnaubt und scharrt mit den Hufen. Der Ochsenexperte will erklären, dass kein Grund zur Beunruhigung bestehe, man müsse sich nur langsam und leise zurückziehen, aber leider ist er einer der ersten, die in der ausbrechenden Panik zu Tode getrampelt werden.

    Ist übrigens Wikipedia ein Beispiel für die Weisheit der Massen? Nö. Nur für ihren Fleiß. Hier wird Wissen zusammengetragen und auf bequeme Art zugänglich gemacht – aber es wird kein Wissen geschaffen. Und funktionieren kann es nur, weil die Mitwirkenden weitgehend auf alles verzichten, was sie zu Individuen macht: eigene Meinung, eigenen Geschmack, eigene Moral.

    Wie steht es eigentlich um Schwarmempathie, die Moral der Vielen oder die Kreativität der Massen? Auch dazu habe ich keine Antwort, sondern nur eine Meinung und viele weitere Fragen – was mich nicht davon abhalten wird, demnächst darüber zu schreiben.

     (Volker Strübing)

  • Weltuntergang 2012 – Was Sie jetzt beachten müssen

    Vielleicht glauben Sie ja gar nicht , dass im Dezember die Welt untergeht. Vielleicht halten Sie das alles für kompletten Blödsinn und sich selbst für besonders schlau, wenn Sie mit wichtigtuerischem Gehabe erzählen, dass einfach nur ein neuer Zyklus im Maya-Kalender anfange und überhaupt: Erst neulich sei ein noch viel älterer Maya-Kalender gefunden worden, der weit über das Jahr 2012 hinausginge.

    Glauben Sie, was Sie wollen, aber denken Sie mal darüber nach, dass Sie diese Informationen wahrscheinlich aus dem internet haben – genau wie ich mein Wissen um das bevorstehende Ende der Welt.

    Und ist es nicht besser, sich vorzubereiten, als dann eines Morgens womöglich doch dazustehen, „Ups“ zu sagen und angesichts der auf einmal doch eintretenden Apokalypse nicht ein, noch aus zu wissen?

    Hier kommen sie, die 10 ultimativen Weltuntergangstips und unser exklusives Angebot für die Rundum-Sorglos-Weltuntergangsversicherung. Für Skeptiker und Überzeugte. Und keine Sorge: Ich betreibe ganz gewiss keine Panikmache, denn der wichtigste Tip lautet:  (mehr …)