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  • Die mit den Gehältern

    Eine Premiere auf dem Schnipselfriedhof: Ein Gastbeitrag von Tube. Die folgende Geschichte hat er gestern bei LSD vorgelesen. Tube ist festes Mitglied  von LSD, den Surfpoeten und der Lokalrunde.

    Die mit den Gehältern

    Ich verstehe die Manager nicht. Die mit den Gehältern. Die, die 5 Millionen Euro oder mehr im Jahr verdienen. Die, die in jedem Folgejahr auch noch Gehaltserhöhungen von 20% oder so bekommen. Die, von denen 70% der Bevölkerung wollen, daß die weniger verdienen.

    Warum verdienen die so viel? Dürfen die das?

    Ein gewisser Herr Oswald, Arbeitnehmervertreter, verteidigte in einem Artikel auf Spiegel-Online die hohen Vergütungen für die Manager so: „Ein Weltkonzern kann keine niedrigen Gehälter zahlen, sonst bekommt er nicht die besten Leute.“ Und er sagte auch: die Vergütung müsse nicht nur die Verantwortung berücksichtigen, sondern auch das Risiko, die Stellung zu verlieren.

    Jau. Das hat gesessen. (mehr …)

  • Schnipsel vom 18.12.2007

    • Während man auf der Post Schlange steht, hat man viel Zeit, über das Schild über dem Kopf der Schlange nachzudenken:
    • Service Wartepunkt

      Der nächste freie Mitarbeiter ist gleich für sie da.

      Ein Punkt ist ja nun eigentlich eindimensional, während eine Schlange aus mindestens zwei Dimensionen besteht. Wenn die Schlange eine exakte Linie bildet, die im rechten Winkel zum Posttresen ausgerichtet ist, kann es freilich sein, dass sie vom Standpunkt der Mitarbeiter nur wie eine Person wirkt, insbesondere, wenn vorne gerade ein großer, dicker Mann steht. Für den würde dann natürlich ein Wartepunkt oder besser: -fleck reichen. Aber in der Filiale ist leider nicht genug Platz, damit sich die vielen Wartenden exakt rechtwinklig ausrichten können. Eigentlich müssten die Postmenschen (oh, oh, das klingt fast nach Posthumanen … aber das ist ein Thema für einen anderen Weblogeintrag) also erkennen, dass ein Wartefleck nicht ausreicht.

      Halt! Ich erkenne meinen Denkfehler! Die Aussage gilt nur für den, der genau unter dem Schild steht! Klar, so muss es sein! Für alle anderen ist ja auch nicht gleich der nächste freie Mitarbeiter da, sondern erst später, nachdem sie selbst unter dem Schild angekommen sind …

      Nebenbei: Ich würde ja statt einem freien auch einen festangestellten Mitarbeiter nehmen …

    • Man muss dazu sagen, dass die Post nichts für die Wartezeiten kann. Schuld sind natürlich, die ganzen Menschen, die die Dienste der Post in Anspruch zu nehmen wünschen. Und man muss zugeben, dass sich die Mitarbeiter wirklich sehr bemühen und trotz Stress in der Regel sehr freundlich sind. Das ist jetzt nicht ironisch gemeint, sondern ganz ehrlich. (Gibt’s eigentlich auch einen „Keine Ironie“-Smiley?)
      Ich mag es sogar, wenn sie mir, nachdem ich Briefmarken gekauft habe, ein Postbankkonto anzudrehen versuchen, weil es in seiner Absurdität rührend ist: Bevor man in den Schönhauser Allee Arcaden die Schlange am Postschalter erreicht hat, muss man sich an der Schlange vor dem Postbankautomaten vorbeikämpfen und diese reicht schon bei mäßigem Betrieb bis draußen an die Rolltreppe. Wenn sie wirklich Dumme für ihre komischen Postbankkonten suchen, sollten sie den Automaten in den Keller verbannen, damit die zukünftigen Kunden nicht sehen, was sie erwartet. Oder dorthin, wo der Pfeffer wächst – man bekommt zur Zeit glaub ich ein Navigationssystem zur Kontoeröffnung billig dazu, da findet man den Weg schon.
    • Eine Sache, die das Deutsche so einzigartig macht, ist die Möglichkeit, Substantive zu Wörtern zusammenzusetzen, die so lang wie eine Postbankautomatenwarteschlange sind. Man kann auf diese Weise zum Beispiel das Wort „Postbankautomatenwarteschlange“ erzeugen. Mein derzeitiger Favorit ist etwas kürzer und stammt vom Schaufenster einer Kneipe in Leipzig: „Fassbierdauertiefpreise“

    (Volker Strübing)

  • Der goldene Kompost

    Eigentlich wollte ich den gestrigen Abend mit einem guten Freund und gutem rotem Wein in Mecklenburg-Vorpommern vor einem anheilmend knackenden Kamin verbringen, aber aus Zeitgründen wurde nichts daraus. Die Idee, den Abend stattdessen mit einer Flasche LIDL-Bier, einem Kaminfeuervideo und einem Football, auf den ich mit Blut ein Gesicht gemalt habe, zuhause zu verbringen (den Trick mit dem Football habe ich aus Lost, also dem Film jetze, nicht der Serie Cast Away), diese Idee habe ich schnell wieder verworfen. Ins Kino bin ich gegangen. (mehr …)

  • Dialog der Organe (2)

    Sozialforscher Wilhelm Heitmeyer hat die Gemütslage der Gesellschaft untersucht. Er spricht von einer Menschenfeindlichkeit im Land. Sie trifft nicht nur Ausländer, sondern vor allem Arbeitslose, lese ich in der Berliner Zeitung vom letzten Freitag. Arbeitslose und Arme sind in Deutschland demnach eine der Minderheiten, die am meisten von Diskriminierung und Abwertung betroffen sind, stand da, und: In den vergangenen Jahren sahen sich vor allem Ausländer, Homosexuelle und Muslime Diskriminierung oder gar gewaltbereitem Hass ausgesetzt. Jetzt ist mit den Dauerarbeitslosen eine weitere stigmatisierte Gruppe hinzugekommen. Der Studie zufolge haben 56 Prozent der Deutschen eine abwertende oder gar feindselige Einstellung gegenüber Hartz-IV-Empfängern. … Es gibt einen Zusammenhang zwischen ökonomistischem Denken und Gewaltbereitschaft. … In der Gesellschaft des neuen ökonomischen Denkens ist für sozial Schwache kein Platz. So stimmt mehr als ein Drittel der Befragten den Aussagen zu, „die Gesellschaft könne sich wenig nützliche Menschen (33,3 Prozent) und menschliche Fehler nicht (mehr) leisten“ (34,8 Prozent). Etwa 40 Prozent sind der Ansicht, in der Gesellschaft werde „zu viel Rücksicht auf Versager genommen“. Knapp 26 Prozent gaben an, moralisches Verhalten sei „ein Luxus“.

    „Na ist doch kein Wunder“, sagt mein resignierendes Herz, „ist ja auch ganze propagandistische Arbeit geleistet worden, im Kampf gegen die Florida-Rolfs und Viagra-Kalles, gegen die ungewaschenen und die, deren Lebenssinn es sei, Kohlenhydrate und Alkohol in sich hineinzustopfen.“„Hey, da ist der 2. Mai, der internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen, doch wichtiger denn je!“ meldet sich mein kämpferisches Hirn. „Alles wird immer schlimmer“, klagt sein zagend Herz. „Nicht alles“, wendet meine versöhnlerische Milz ein, „hier zum Beispiel steht: Antisemitismus, Rassismus und die Ablehnung von Behinderten sind auf ihrem jeweiligen Niveau stabil oder haben sich nur unauffällig verändert.“ „Na toll“, sagen alle meine Organe im Chor, nur die zynische Leber sagt natürlich: „Ey, stell dir mal vor, du bist arbeitsloser Jude – denn haste vielleicht ein Problem, Alter!“

    (Andreas Krenzke)

  • Demnächst im Kino: Schnipselfriedhof – Der Film

    Kaum ein Bericht über die Verfilmung von „Der goldene Kompass“ kommt ohne das Wort „unverfilmbar“ aus:

    „…galt lange als unverfilmbar.“

    (Spiegel Online)

    „… gilt als hoch komplexes Werk, wird von Fans gar als unverfilmbar erachtet. “

    (www.gamona.de)

    „In der als unverfilmbar geltenden, jetzt mit Riesenaufwand verfilmten Trilogie …“

    (www.telepolis.de)

    „Martin Gypkens hat den als unverfilmbar geltenden Erzählband von Judith Hermann …“ Huch! Nee, das war was anderes …

    (www.radiookerwelle. de)

    „Zunächst galten die Romane als unverfilmbar …“

    (www.closeup.de)

    „… ermöglichte die filmische Umsetzung der bis dahin als „unverfilmbar“ geltenden Literaturgattung „Fantasy“ “
    (www.erziehungstrends.de)

    … um nur mal ein paar zu zitieren. Bemerkenswerterweise gibt es  bis auf das etwas schwammige „von Fans gar als unverfilmbar erachtet“ keinerlei Belege oder Quellenangaben. Googelt man nur nach „unverfilmbar“ kommt man auf 15500 Treffer – so ziemlich jede Literaturverfilmung scheint die Verfilmung eines als unverfilmbar geltenden Buches zu sein.

    Ich lese den „Goldenen Kompass“ gerade und frage mich, was an einer einfachen, komplett linearen Fantasygeschichte unverfilmbar sein soll. Gut, vor 30  Jahren hätte man eine derartige Geschichte mit einfacheren und schlechteren Tricks verfilmen müssen, aber  das hat ja damals auch niemanden davon abgehalten, Fantasy und SF-Filme zu drehen.
    Ich glaube, die Kritiker schreiben einfach bloß voneinander ab. Und der Ursprung der Unverfilmbar-Legende ist wahrscheinlich immer der Schriftsteller selbst, der auf diese Weise den Ehrgeiz der Verfilmer anstacheln will. Wirklich unverfilmbar sind wahrscheinlich nur  „als verfilmbar geltende“ Bücher, weil kein Regisseur Lust hat die zu verfilmen, da ihn dann kein Journalist fragen kann, wie er es nur geschafft hat, dieses doch als unverfilmbar geltende Werk zu verfilmen …

    Dieses Weblog gilt übrigens als unverfilmbar. Hoffentlich haben die in Hollywood meine Telefonnummer.

    (Volker Strübing)

  • Neulich in Neukölln

    Eigentlich müsste der Artikel „Gestern in Mitte“ heißen, aber „Neulich in Neukölln“ klingt reißererischer. Außerdem ist es der Titel von Uli Hannemanns neuem Buch, zu dessen Premiere ich gestern eben nach Mitte reiste.

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    Das Titelbild ist etwas klischeehaft, um es vorsichtig auszudrücken. Macht aber nüscht, weil Uli selbst ordentlich auf den Klischees herumreitet – und er ist ein ganz wunderbarer Reiter. Die Geschichten sind großartig. Wenn jemand über Neukölln schreiben kann, dann Uli. Nicht, weil er dort wohnt (obwohl er das tut), nee, nee, das wäre ein banaler Grund. Uli kann auch über das Saarland schreiben, obwohl er nie dort war. Ich würde sogar soweit gehen, ihn als den größten lebenden Heimatdichter des Saarlandes zu bezeichnen. Ulis Neuköllngeschichten sind deshalb die besten Neuköllngeschichten, weil sie von ihm sind. Ich kann nur froh sein, dass er noch nie über meine Kindheit geschrieben hat, sonst wären meine eigenen Geschichten darüber nur noch die zweitbesten.
    Ich zitiere mal Jakob Heins Klappentext, weil ich das auch nicht besser sagen kann:

    Uli Hannemann schreibt so gut, dass man ihn nachts überfallen und ein paar seiner besten Sätze rauben möchte. In der Gegend, wo er wohnt, ist so ein Verhalten zwar üblich, aber das mit den Sätzen hat noch niemand hinbekommen.

    Oder, mit Ulis eigenen Worten: „Sin se n Berg runtergefahren, sin se gegen n Baum gefahren, sin se alle tot gewesen.“

    Uli hatte Elis und Konrad und mich als musikalische Gäste eingeladen, damit er zwischen seinen Geschichten immer mal in Ruhe Bier trinken kann. Das Café Burger war voll, der Buchhändler stand am Ende mit leeren Büchertaschen und vollem Portemonnaie da, und ich denke, es war ein sehr schöner Abend.

    Elis singt „Es ist vorbei“ – ein wunderschönes, trauriges Lied über Singles, ihre Einsamkeit, ihren Sebstbetrug:

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    Konrad singt „Hässlichster Junge der Stadt„, ein Lied, dass ich hier schon mal verlinkt habe, vor dem ich jetzt aber ausdrücklich warnen möchte. Das Lied ist ein echter Gassenhauer. Unmöglich, sich ihm zu entziehen. Und dann habe ich mich dabei erwischt, wie ich es beim Fahrradfahren gehört und laut mitgesungen habe, was mir fürchterlich unangenehm war. Es gehört schon einiges an Selbstbewusstsein dazu, „Ich bin der hässlichste Junge der Stadt“ grölend durch die Gegend zu fahren.

     

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    Hier kann man Uli beim Vorlesen sehen:

     

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    Von mir gibt’s mal wieder kein Foto. Das ewige Schicksal des Mannes, der den Fotoapparat mitbringt.

    Obwohl das Burger schon zu Ulis Buchpremiere aus allen Nähtn platzte, wurde es hinterher noch voller, und es war äußerst schwierig, mit Gitarre und Krempel die Traube von Teenies zu durchbrechen, die den Eingang belagerte. Das Burger hatte zwei Veranstaltungen auf den Abend gelegt und nach uns gab es ein Konzert von so einem Mann, der wohl mal bei „Stephan Raab sucht den Superstar“ oder so mitgemacht hat. Der Mann konnte sehr gute singen und Gitarre spielen, viel besser als Uli, dafür muss man bei Uli keine Angst haben, dass man an Texte vom Kaliber „You are the superstar of my live“ gerät. Wir sind jedenfalls umgezogen, über die Torstraße ins Restaurant Prassnick (Pratznick?) in den wilden Prenzlauer Berg, wo C. prompt von Taschendieben beklaut wurde. Schlimme Sache das. Und dann gibt’s doch tatsächlich Menschen, die gegen die Todesstrafe sind …

    Ulis Sätze haben sie zum Glück nicht mitgenommen.

    (Volker Strübing)

  • Gute Vorsätze für den Schnipselfriedhof

    • Die Blogroll endlich aktualisieren und erweitern
    • Mehr Einträge von Spider drin haben
    • Weniger Smileys verwenden 😉

    (Volker Strübing) 

  • Zwei Hälften sind ein Ganzes – sind sie doch, oder?

    Ich bin jetzt 36 Jahre alt. Gestern musste ich daran denken, dass ich jetzt mein halbes Leben lang Kind bzw. Jugendlicher war und das andere halbe Leben lang erwachsen (naja, sagen wir: volljährig). Oder auch: Je ein halbes Leben lang DDR- und Bundesbürger.

    Und dann fiel mir ein, dass ja zwei halbe Leben insgesamt ein ganzes sind. Das hat mich natürlich ein bisschen verunsichert, weil ich mich fragte, was da denn noch kommen soll, wenn man schon sein ganzes Leben gelebt hat. Die Antwort, die ich schließlich gefunden habe, fand ich sehr tröstlich: Jetzt kommt die Zugabe! Das ist doch toll! Erstens brauch ich mir keine Sorgen mehr machen, irgendwas zu verpassen oder falsch zu machen, weil ja die Show mein Leben schon gelaufen ist. Zweitens ist die Zugabe ja oft das beste. Jetzt muss sie nur noch ganz ganz lange dauern.

    (Volker Strübing) 

    PS:  Oder ist ein Menschenleben wie eine Lesebühnenlesung und besteht aus 3 Hälften?

  • Wenn es schon keine guten Nachrichten gibt, kann man sie ja wenigstens lustig präsentieren

    Bei der Arte-Nachrichtenredaktion arbeiten aber auch ein paar Schelme:

    Schachmatt für Gary Kasparow. Der ehemalige Schachweltmeister wird nächstes Jahr nicht Präsidentschaftskandidat sein. Keine gute Nachricht für die zersplitterte russische Opposition. Kasparow verzweifelt an den Verhältnissen. In ganz Moskau, sagt er, haben wir keinen Raum gefunden, in dem wir uns versammeln können.
    Nach so viel ausführlicher Information jetzt in aller Kürze unser Überblick.

    (Arte Info, 12.12.07, 19.45 Uhr)

     

    🙂

     

    Okay, ich will fair sein. Davor gab es für eine Nachrichtensendung wirklich ausführliche Berichte über den LKW-Streik in Italien, die Blocher-Pleite in der Schweiz und anderes. Aber lustig fand ich das schon.

     

    (Volker Strübing)

  • 🙁

    Wenn man als Kassierer Zeit hat, nebenbei einen Eintrag ins Weblog zu schreiben, dann wird es wohl eher eine schlecht besuchte Veranstaltung.

    Viele Grüße von der Kasse im Bassy Cowboy Club!

    (Volker Strübing, Dienstag, 21.03 Uhr)