Und wieder ist eine deutschsprachige Poetry-Slam-Meisterschaft vorbei, die sechste, die ich miterlebt habe, und wie immer war es toll. Obwohl sie in Düsseldorf stattfand, einer unglaublich hässlichen Stadt. Eine Stadt, so hässlich wie die versifften, vollen ICE-1-Züge, die auf der Strecke Berlin – Düsseldorf eingesetzt werden, und die allein Grund genug wären, die Stadt gnädigem Vergessen anheim fallen zu lassen.
Unter den Slammern machten Gerüchte die Runde, dass es auch schöne Ecken in Düsseldorf gebe (gäbe? Im Zweifel: geben tuen würde!), aber die habe ich mir nicht angeguckt, aus Angst um mein herrlich klares Urteil über die Stadt. Das wollte ich mir nicht vom Rhein verwässern lassen.
In der Umgebung des Bahnhofs wird man jedenfalls von Hässlichkeit erschlagen, und ich rede nicht nur von den Immobilien. Nun heißt es völlig zu recht „Never judge a city by its Bahnhofsviertel“, aber ich habe schließlich auch das Industriegebiet beim Zakk, einem der Austragungsorte gesehen.
Das Zakk selbst ist übrigens sehr schön und eigentlich wollte ich ja auch gar nicht meckern, sondern schreiben, dass es großartig war. In Düsseldorf. Trotz Düsseldorf.
Micha und ich sind im Teamwettbewerb als Titelfertiger angetreten und in der Vorrunde sang- und klanglos rausgeflogen. Dafür durften wir aber das Finale als Opfer(s)lämmer eröffnen. Mit einem Text, den wir extra für diese Gelegenheit geschrieben haben. (Vor zwei Jahren zwar schon, aber damals konnten wir seine wahre Bestimmung noch nicht ahnen). Für mich wurde es einer unserer schönsten Auftritte überhaupt. Zudem konnten wir dem eigentlichen Finale ganz entspannt lauschen, mit großväterlich vor dem Bauch verschränkten Händen, ohne um Punkte zittern oder uns beim Bier zurückhalten zu müssen.
Hier ist ein Video von unserem Auftritt – vielen Dank, Marvin! Ich bin der Typ, der sich meistens hinter seinen Zetteln versteckt.
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Herzlichen Glückwunsch an das Siegerteam PauL – Poesie aus Leidenschaft – das Team von Heiner Lange, Bumillo und Philipp Scharrenberg (Scharri)! Super habt ihr das gemacht und verdient gewonnen (und dass ich dasselbe auch, falls es anders gekommen wäre, bei einigen anderen Teams geschrieben hätte, ändert nichts daran, dass es stimmt und absolut ehrlich gemeint ist).
Das Einzelfinale habe ich leider verpasst. Scharri hat es gewonnen und damit als erster überhaupt beide Titel im selben Jahr abgeräumt.
Wie bei jedem National gab es auch diesmal wieder Zähneknirschen über schreckliche Entscheidungen der Publikumsjury. Vor allem die, die an den ersten drei Startpositionen ausgelost werden, haben schlechte Karten, da in den meisten Fällen die Punktwertungen im Laufe des Slams nach oben gehen. Dann ist – bei einem guten Slam – die Stimmung so gut, dass sich kein Juror dem entziehen kann, außerdem müssen sie die Erfahrung machen, dass sie für schlechte Punkte vom Publikum ausgebuht werden – anfangs vielleicht für 6er-Wertungen, gegen Ende kann es passieren, dass sie schon für eine Wertung im 8er-Bereich ein „Buh!“ aus hunderten Kehlen über sich ergehen lassen müssen.
Ich habe die perfekte Lösung für das Problem. Man braucht nur doppelt soviele, halb so große Räume, doppelt soviele Moderatoren und Juroren und ausdauernde Poeten. Am Anfang wird wie üblich die Reihenfolge ausgelost. In Raum 1 treten bei 10 Teilnehmern die ersten 5 gegeneinander an, in Raum 2 die letzten 5 in umgedrehter Reihenfolge, das heißt der letzte Startplatz eröffnet hier den Slam. Nach 5 Auftretenden tauschen die beiden 5er-Gruppen Raum, Jury, Moderatoren und Reihenfolge. Man müsste natürlich eine kleine Pause einbauen für den Raumwechsel, insbesondere der Leute auf den Startplätzen 5 und 6, die zweimal hintereinander dran sind.
Andererseits: Halb so große Räume bedeuten nur halb sol laute Begeisterungsrufe für die Slammer und Buh-Rufe für die Jury und überhaupt weiß jeder, der ne Weile Slam macht, dass man die Wertungen besser nicht so ernst nimmt. Slam ist keine exakte Wissenschaft und kein öder 400-Meter-Hindernislauf.

Das AO-Hostel, dass den über hundert Slammern Obdach bot, passte hervorragend ins ästhetische Gesamtkonzept von Düsseldorf. Dafür hatte aber die Bar 24 Stunden offen und das Personal war äußerst freundlich, hilfsbereit und stressresistent.
(VS)