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  • Jom Kippur

    (Tom, Sabine, Bence, Sr.Jordana und hinter der Kamera ich: Das verbliebene Nachrehtrüppchen, der Rest des Teams ist seit letztem Sonntag wieder zuhause.)

    Sonntag, 13.30 Uhr, Tel Aviv. In knapp 18 Stunden bin ich wieder in Berlin. Dort wartet schon die kurze Hose auf mich, die ich einzustecken vergessen und in den letzten Wochen schmerzlich vermisst habe. Gewisse Gerüchte, die uns aus Deutschland erreichen, lassen mich vermuten, dass ich sie wohl vorläufig nicht mehr brauchen werde.

    Gestern Abend begann Jom Kippur, der jüdische Versöhnungstag. Vom gestrigen Sonnenuntergang bis zum zum heutigen ruht das gesamte öffentliche Leben. Kein Auto fährt, alle Geschäfte sind geschlossen, die religiösen Juden fasten, alle anderenessen und trinken zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Wenn man mich fragt: Weihnachten und Silvester abschaffen und dfür Jom Kippur einführen. Die Ruhe in der Stadt ist herrlich (auch wenn wir dummerweise neben dem Haus mit der lautesten Klimaanlage Israels wohnen).

    Gestern Abend waren die Straßen voller flanierender Leute und Kinder, die mit ihren Fahrrädern und Rollern auf dem Asphalt herumtollten, heute wirkt die Stadt wie ausgestorben, man könnte  prima Filme wie „28 Days Later“ drehen …

     

     

    Die anderen sind am Strand, aber ich hatte keine Lust mitzugehen. In den achteinhalb Wohen, die ich diesen Sommer am Mittelmeer rumgefahren bin, habe ich es genau viermal geschafft, kurz in Wasser zu hüpfen – da brauche ich jetzt auch nicht mehr anfangen. Alle evtl. der Öffentlichkeit vorzuzeigenden Körperstellen sind ordentlich braun und sommersprossig, der Rest bleibt jetzt eben käsig. Und was ich in diesen Wochen alles erlebt und gesehen habe, das machen sowieso keine zwei Dutzend Bade-Urlaube wett. Und Strand ist sowieso am schönsten im Herbst oder Frühling an der Ostsee.

    Eigentlich bräuchte ich jetzt erstmal ein halbes Jahr, um all die Eindrücke zu verarbeiten, um Dinge nachzulesen, ganz viel nachzudenken und ein paar Sachen zu schreiben. Die Zeit habe ich natürlich nicht, es muss irgendwie auch so gehen. Wahrscheinlich kommt da noch lange tröpfchenweise was auf dem Schnipselfriedhof. Ich bin ohnehin noch einige Monate mit dem Projekt beschäftigt, die Reise ist für mich noch lange, lange nicht vorbei.

     

     

    Mehr zu lesen und zu gucken gibt es hier:

    Fotonachtrag von Lutze

     

    Schwester Jordana über ihre Fahrt an den See Genezareth

  • Bye Bye Beirut (und immer noch keine Postkarte für Ahne)

     

    Heute ist unser letzter Tag im Libanon. Leider. Morgen geht es erstmal nach Amman, der Hauptstadt Jodaniens. Und zum Schreiben komme ich schon wieder nicht, weil in einer halben Stunde Drehbeginn ist und ich lieber noch meinen Kaffee in Ruhe trinke …

     

     

     

     

     

     

  • Tyrus (Südlibanon)

    Die Meinungen im Team sind gespalten. Aber mir gefällts hier.

    Grüße (mittlerweile aus dem Shouf-Gebirge)!

    Volker

    PS: Hier gibts einen Artikel von Sr. Jordana aus unserem letzten Hotel.

  • Guten Morgen Libanon

     

    Grüße aus Tyrus!

    (Volker)

  • … das ist schon einen Asbach Uralt wert

     

    Was soll ich sagen: Uns geht es gut, sehr gut, trotz Hitze und wenig Schlaf. Ich bin jetzt durch den Libanon , durch die Türkei und ein geheimnisvolles, unaussprechliches Land, dessen Identität aus (guten) Gründen noch im Dunkeln bleiben muss, gefahren (worden), habe soviel gesehen und erlebt und vor allem: soviele Menschen kennengelernt und Geschichten gehört, dass ich mir vor Bergtouren ernsthaft Gedanken mache, dass mein Kopf in der dünneren Höhenluft einfach platzen könnte, so voll ist er. Was für ein Glück ich habe, so etwas erleben zu können.

    Unsere Tage sind so voll mit Eindrücken, Überraschungen, Anregungen, glücklichen Fügungen; wir sind überwältigt von der Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und Offenheit, der meisten Menschen, die wir treffen, von den Landschaften und der ganzen Atmosphäre.

    Gleichzeitig wird man immer wieder darauf gestoßen, wie schrecklich das Leben hier sein kann, wie Menschen es sich gegenseitig zur Hölle machen. Wenn ein Jugendlicher in Beirut ein kleines Gipsy-Mädchen zu sich heranwinkt, so tut, als wolle er ihr Geld geben und ihr dann ein benutztes Taschentuch in die Hand drückt und sich von seinen Kumpels für diesen grandiosen Scherz feiern lässt. Wenn Kinder nachts Karren durch die Straßen ziehen und den Müll nach Ppier und Plasteflaschen durchwühlen, wenn man erlebt, wie Menschen ihr Leben in totaler Abhängigkeit von der Willkür anderer führen müssen, wenn man Flüchtlinge kennenlernt und Menschen, die wegen der Liebe von ihrer Familie verstoßen wurden.

    Wir waren gerade in der Grenzregion zu Syrien und sind in zwei besonders traurige Geschichten hineingestolpert. Zwei Geschichten, die es nicht in die Nachrichten schaffen würden und von denen auch nur eine mit der Situation in Syrien zu tun hat.

    Jetzt ist keine Zeit mehr, darüber zu schreiben, wir müssen wieder auf die Straße und gut 500 Kilometer bis Kappadokien durchheizen.

    Aber wie gesagt: Uns geht es gut, wir sind glücklich und freuen uns auf den Beginn der richtigen Dreharbeiten am Sonnabend. Guckt ab und zu mal auf dieses Blog: http://monstamovies.tumblr.com/. Da posten Lutz und ich ab und zu von unserer Reise.

    Hier noch ein paar Bilder:

     

     

     

     

    (Die traurigste Schaufensterpuppe der Welt.)

    (Muss auch mal sein.)

    Viele Grüße aus der Türkei!

  • It’s Istanbul not Constantinopel

    Viel Zeit zum Bloggen habe ich nicht, aber ab und zu findet sich doch eine halbe Stunde. Gerade habe ich einen Eintrag mit vielen Bildern verfasst, aber nicht hier, sondern auf dem extra Projekt-Blog „Kreuz Dame“.

    Es grüßt aus Ankara:

    Volker

  • Heute: Auf zum Kantinenlesen-Spezial!

    Ich war in ausgedehntem Urlaub, habe die ganze Geschichte gar nicht mitbekommen. Falko Hennig hat jede Menge Ärger am Hals. Eine kurze Zusammenfassung der Gründe steht im Blog von Heiko Werning & Jakob Hein. Sicher die beste Gelegenheit, um heute zum Kantinenlesen zu gehen, denn das Eintrittsgeld wird Falko gespendet. Und was für ein Line-up: Christoph Hein, Moritz Rinke, David Wagner, Jakob Hein, Manfred Maurenbrecher, Daniela Böhle, Doc Schoko, Jan Böttcher, Jochen Schmidt, Ivo Lotion, Heiko Werning, Volker Strübing, Jochen Schmidt, Ahne, Moderation: Dan Richter. Um 20 Uhr in der Alten Kantine der Kulturbrauerei in Berlin Prenzlauer Berg.

    (Andreas Krenzke)

  • Was der Sirene der Gesang, ist dem toten Huhn der Duft

    Ich habe es geschafft. Wieder einmal. Ich habe die Hände in den Jackentaschen vergraben, die Zähne zusammengebissen und mich darauf konzentriert, mit jedem dritten Schritt mit der Mitte des Fußes auf die Spalte zwischen zwei Gehwegplatten zu treten und so bin ich an ihr vorbeigekommen: Der Imbissbude „Gaumenschmaus – Die Frischgrillhähnchen“. Seit Sommer letzten Jahres mache ich Kieser-Training und immer auf dem Heimweg muss ich an ihr vorbei. Die ersten Wochen habe ich sicher eher zugenommen als meinem Körper mit dem Training etwas Gutes zu tun, denn ich hatte noch keine Abwehrmechanismen. Und geschafft und hungrig (ich gehe immer am frühen Nachmittag und habe bis dahin nur gefrühstückt), hatte ich den verführerischen Düften nichts entgegenzusetzen.

    Ich liebe Broilergeruch; wenn es Wunderbäume mit Broilergeruch gäbe, würde ich doch noch die Fahrerlaubnis machen, denn dann hätte ich endlich einen Grund, mir ein Auto zu kaufen. Andererseits: Was wäre der Geruch, ohne dass man in die knusprige Haut beißt? Nur eine Qual, so wie für mich zweimal die Woche auf dem Weg nach Hause …

    Das Problem am Broiler ist die große Enttäuschung, die er mit sich bringt – und hauptsächlioch aus diesem Grund lasse ich mich nur noch sehr selten verführen. Der Moment des größten Glücks ist der Einkauf, wenn man an der Theke steht, umnebelt und des Atems beraubt vom Duft verkokelnder Hühnerhaut, den Blick auf den sich langsam drehenden Reihen geköpfter, entfederter, ausgeweideter und schließlich gepfählter Hähnchen, all diese unglücklichen Tiere, deren schönster Tag der der Schlachtung und damit der Erlösung von einem schrecklichen Leben war und die nun darauf warten, einen Menschen, mich! glücklich zu machen – welches wird der freundliche Mann mit der Gaumenschmaus-Schürze für mich aussuchen?

    Dann der restliche Weg nach Hause, der gut verpackte Broiler im Gepäckkorb des Fahrrades, die Vorfreude …

    … und schließlich die Enttäuschung, wenn Haut, Schenkel und Flügel abgeknabbert sind, man nur noch einen Haufen langweiliges, trockenes, weißes Fleisch übrig hat, durch den man sich widerwillig hindurchkaut. Und dann läuft auch noch just in diesem Moment ein schrecklicher Bericht über Masssentierhaltung im Fernsehen und man kann nicht umschalten wegen der fettigen Finger. Hinterher ist man voll aber nicht satt und wünscht sich, man hätte an der Bude einfach den Gurkensalat gekauft, den sie als Beilage anbieten. Wenn Broiler eine Fernsehserie wäre dann „24“ – man weiß, es ist nichts Gutes, aber man will sie trotzdem unbedingt sehen, die ersten Folgen jeder Staffel sind auch sehr spannend aber spätestestens ab Stunde 5 beginnt die Langeweile …

    Ich gestehe, ich schreibe das nur, um mir selbst den Salat schmackhaft zu machen, den ich heute gekauft habe.

  • Die Dosen-Omi

    Es ist ein sehr trauriger Anblick, ganz besonders einen Tag vor Weihnachten, wenn sich eine Omi in der Kaufhalle eine Dose „Omis Eintopf“ („Schmeckt wie bei Großmuttern!“) und dazu ein kleines Fläschchen Eierlikör kauft. Omis sollten keine Doseneintöpfe kaufen, sie sollten selber Suppe kochen und Frikasse und Rouladen und Pudding für die Enkel. Wahrscheinlich wird die alte Frau morgen alleine zuhause sitzen und sich immer wieder die Weihnachtskarte von der Volkssolidarität durchlesen …

    PS: Hat jemand meine Brille gesehen? Hab vorhin geduscht und finde sie nicht wieder. Ich bin plötzlich gefühlte zehn Zentimeter größer und mir ist ein bisschen schwindlig. Aber die Welt ist schön unscharf, das steht ihr gut.