Kategorie: Unterwegs

  • Fahrräder raus

    Sitze gerade im Hotel in Graz und schaue die heute-Nachrichten im ZDF. Jetzt hat der sogar der Oma-Sender Second Life entdeckt und einen großen, ziemlich dussligen Beitrag in seinen Hauptnachrichten gebracht, heilige Scheiße!

    Egal. Ich habe gerade drei tolle Tage hinter mir. Am Mitwoch bin ich endlich einmal mit dem EC Hamburg-Wien bis ans südliche Ende der Strecke mitgefahren, durchs Elbsandsteingebirge und durch Prag, in diesem wunderbaren tschechischen Zug und ich hatte die Hälte der 8,5 Stunden ein Sechserabteil ganz für mich. Eine der schönste Zugfahrten, die ich je hatte. Hab geguckt und gelesen und gedöst und irgendwann meine Gitarre und meine Kamera ausgepackt und ein Musikvideo gedreht, dass ich demnächst hier vorstelle … Am Abend war ich dann beim Poetry Slam in Wien, das war sehr schön, wenn auch extrem verraucht. Donnerstag habe ich das erste Mal in einem Wiener Kaffeehaus gesessen, davo habe ich schon so lange geträumt. Der Kaffee war übrigens durchschnittlich, aber ich kann mich nicht erinnern in einem deutschen Lokal jemals so ein gutes Frühstücks-Ei bekommen zu haben.

    Mittags ging es mit dem Zug weiter nach Graz, wo ich Abends zusammen mit Lars Ruppel von Smaat einen Auftritt hatte und heute morgen einen Poetry-Slam-Workshop für Schüler gegeben habe. Solche Workshops gibt es seit einigen Jahren immer häufiger. Ich finde ja eigentlich, dass das Wahnsinn ist! Wir alten Säcke (ja auch so junge alte Säcke wie Lars!) sollten doch eigentlich alles tun, um die Jugend zu entmutigen und sie vom Poetry Slam fern zu halten, statt ihnen auch noch gut zuzureden und Tips zu geben. Die fegen uns doch eines Tages von der Bühne, diese Schlingel!
    Allerdings hat es auch sehr viel Spaß gemacht, das muss ich schon sagen. Und wer weiß, ob ich sonst jemals nach Graz gekommen wäre …
    Heute habe ich mir die Stadt angeguckt. Sehr schön. Bis auf die hässlichen Stellen. Aber das sind nicht so viele. Die haben hier einen Berg, da steht oben eine Burg drauf und mitten durch den Berg führt ein Fahrstuhl nach oben. Und wer nicht gerne im Panoramafahrstuhl durch Felsen fährt, der geht in der Innenstadt in ein Altbauhaus, aus dem heraus eine Seilbahn zur Burg fährt.

    Von oben hätte ich schöne Fotos machen könen, aber stattdessen habe ich nur dieses Baustellenschild fotografiert:

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    Vorhin habe ich Obersteierisches Kotelett gegessen – mit Äpfeln und Käse überbacken – lecker! Morgen geht es noch für einen Tag nach Wien zum Stadtangucken.

    Manchmal denke ich, dass ich überhaupt nicht den schlechtesten Job der Welt hab 😉

    (Volker Strübing)

  • Heiße Backen in der Schweiz

    Gedenktafel in einem schweizerischen Zug für die Heidi-Autorin Johanna Spyri. Leider etwas unscharf, weil einhändig im fahrenden Zug fotografiert:

    … deren Bücher in mehr als 50 Sprachen mehr als 50 Millionen mal gekauft und wohl noch viel öfter von Generationen von Kindern mit heißen Backen verschlungen werden.

    Die „heißen Backen“ finde ich so schön, dass ich es mir verkneife, Bastian-Sick-mäßig auf den anderen Merkwürdigkeiten dieses Satzes herumzuhacken.

    (Volker Strübing)

  • Im Bett mit Sean Paul

    Habt Ihr schon mal in einem eisernen Doppelstockbett in einem schlecht isolierten Haus direkt über einer Reggae/Dancehall-Disko übernachtet? Nee? Na, macht nichts. Muss man nicht haben. Es ist zwar eine interessante Erfahrung, wenn das Bett synchron mit der Bass-Drum schwingt und alles im Zimmer vor sich hin klappert und summt, aber nicht unbedingt eine schöne.

    Dafür war der Slam umso besser.

    Unausgeschlafene Grüße aus einem Internetcafé in Regensburg sendet Ihnen Ihr (was schreib ich hier schon wieder für einen Müll?! Kaffee!!!)

    Volker Strübing

  • Den Fahrplan und die Polizei im Nacken

    Also, das war so. Am Sonntag wollte und sollte ich beim Poetry Slam in Leipzig mitmachen. Ich hatte mir einen späten Zug rausgesucht, weil ich am Nachmittag noch irgendwelche Dinge zu erledigen hatte, ich weiß gar nicht mehr, was, wahrscheinlich rumsitzen und so; die Steuererklärung habe ich jedenfalls nicht gemacht. Das hat mich so in Anspruch genommen, dass ich darüber die Zeit vergessen habe und viel zu spät losgehetzt bin. (mehr …)

  • Rhönwurzwunderwurst

    Von Marburg zurück nach Berlin gings zusammen mit Lars (ja, dem Ruppelschen, dem Geheimnisvollen von Smaat). Lars ist ein sehr angenehmer Mitreisender, zumindest bis zu dem Augenblick, wo er die Packung Rhönwurzwurst aus dem Rucksack holt und öffnet. Sie ist sehr … geruchsintensiv. (Da fällt mir wieder ein, was für ein großes Hallo es gab, als ich mal eine Packung Esrom-Käse im Zug öffnete 😉
    Die Packungsaufschrift hat mich schnell mit dem Geruch versöhnt. Einer Wurst, die Teilchen mit negativem Gewicht enthält (ich habe das Himalaya-Salz im Verdacht) und die nicht aus einem Physiklabor stammt, sondern aus kontolliert biologischem Anbau, dem verzeiht man solche Eskapaden.

    (Volker Strübing)

  • Käse-Lust in Kassel-Wilhelmshölle?

    (geschrieben: 21.2.2007, 18.00 Uhr im Zug nach Marburg)

    Umsteigen ist lästig. Besonders, wenn einen ein grausamer Fahrplan dazu verurteilt, dies in Kassel-Wilhelmshöhe (in Zukunft nur noch Wilhelmshölle) zu tun. Wie scheiße dieser Bahnhof ist, sieht man schon daran, dass sich weder McDonalds noch Burger King hier angesiedelt haben. Gibt es sonst noch einen großen ICE-Bahnhof ohne mindestens eins von beidem? Bevor mich jemand missversteht: Ich will nicht sagen, dass man schöne Orte durch die Anwesenheit von Fastfood-Restaurants identifizieren kann. Im Gegenteil: So ein Ding macht jeden Ort, an dem es sich ansiedelt, hässlich und billig. Aber Kassel Wilhelmshölle ist so hässlich, dass es sogar MD und BK zu weit geht.

    Stattdessen gibt es einen „Brezel-Point“, der mit einem Foto, auf dem augenscheinlich Erbrochenes abgebildet ist, sowie der Frage „Käse-Lust?“ für überbackene Irgendwasse wirbt.

    Ich habe mir stattdessen einen Hot-Dog geholt. Einen ekligen Hot-Dog leider – ach, was hätte ich für einen Royal TS gegeben …

    Aschenbecherfreunde kommen im Bahnhof allerdings voll auf ihre Kosten:

    (Volker Strübing)

     

  • Böse Menschen, böse, böse Menschen …

    Am Freitag war ich wieder in Hamburg. Pauline Füg und ich waren als Featured Poets zum Pony-Slam im Haus 73 eingeladen. Es war sehr schön. Nachdem ich letzte Woche mit Micha beim Slam in den Zeise-Hallen war und nun diesen völlig anderen, aber ebenso großen und guten Slam erlebt habe, kann ich die Hamburger nur zu ihrer Slam-Szene beglückwünschen.

    Während der Show stand ich – wenn ich nicht gerade auf der Bühne war – meist an der Seite und lehnte mich an die Wand. Ich sitze nicht gerne mittendrin. Irgendwann kam ein Grüppchen verspäteter Zuschauer. Sie schauten sich ein bisschen um, dann kamen sie in meine Richtung und stellten sich direkt vor mich. Sie sahen mich nicht einmal kurz an, ich existierte nicht, zumindest nicht als Mensch, wahrscheinlich musste ich schon froh sein, dass sie zumindest akzeptiert haben, dass dort irgendein längliches Ding an die Wand gelehnt war, und sie mich nicht einfach beiseite geschoben haben. Ein Mädchen stand keine 30 Zentimeter vor mir. (mehr …)

  • Verlierer willkommen

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    In der Hamburger Kneipe „Insbeth“ finden auch erfolglose Menschen ein angemessenes Getränk. Leider hatte ich Freitag Abend keine Gelegenheit, den Loser-Tee zu probieren, da ich kurz zuvor den Poetry-Slam „Kampf der Künste“ in den Zeisehallen gewonnen hatte. Ein Doppelsieg mit gleicher Punktzahl für das Team LSD und mich solo 🙂 (Ich will ja nicht angeben … ach doch, na klar, ich will angeben!)

    (Volker Strübing)

  • LSD am Rheinfall

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    Na, da hat olle Mörike (1804-1875) ganz schön auf den Putz gehauen. Mir entstürzte das meinige nicht. Vielleicht hab ich einfach keins. Immerhin hätte ich fast was von meinem Kaffee verschwappert, denn hübsch ist er schon, der Rheinfall. (mehr …)

  • Betroffenheits-Shopping?

    Ausstellungen in Shopping-Centern sind ja nichts Neues. Manchmal sind sie sogar recht interessant.
    In einem Center in Sachsen-Anhalt fand einmal eine Weltraumausstellung statt, die ich recht gelungen fand. Sie hatten sogar einen echten russischen Kosmonauten zum Begaffen eingeladen. Einer der Manager des Einkaufszentrum wohnte im selben Haus wie mein Vater, den ich gerade besuchte. Abends gab es jede Menge Getrappel im Hausflur. Wir erfuhren schließlich, dass der Manager den Kosmonauten noch zu sich nach Hause genommen und ein paar Freunde für eine private Kosmonautenbesichtigung eingeladen hatte … Irgendwie traurig. Dieser Mann war einmal ganz oben gewesen, hatte auf alles hinabschauen können, hatte die ganze irdische Schwere verloren … und war für die Untengebliebenen dadurch zu einer Art Freak geworden, den man herumzeigt.

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    Im Hauptbahnhof Leipzig – einer Shopping-Mall mit Fernbahn-Anbindung – werden gerade Fotos gezeigt, die für den World Press Photo Award 2006 nominiert waren. Viele der Fotos beschäftigen sich mit Not, Krieg und Katastrophen. So kann man sein „Einkaufserlebnis“ noch mit einem wohligen Grusel aufpeppen.

    Man hat sich Mühe gegeben, die Bilder passend aufzuhängen:

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    Kaffee hat ja auch irgendwie was mit Afrika zu tun.

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    Wo könnten Bilder von der Überführung und Bestattung im Irak gefallener Soldaten besser hängen, als vor dem „Forever 18“-Laden? Die Jungs werden schließlich nicht mehr älter.

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    Nanunana, mag diese Passantin denken …

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    … warum hat er die aufgedunsenen Leichen der Tsunami-Opfer denn nicht in Farbe fotografiert? Das hätte doch viel besser ins Ambiente gepasst!

    Tut mir leid, dass dieser Beitrag so zynisch ist, aber alles andere wäre doch unangemessen, oder?! Ich gehe davon aus, dass die Veranstaltungsmacher nur Gutes im Schilde geführt haben. Der Gedanke war sicher, dass man in einer Shopping Mall mehr Leute erreicht, als mit einer Austellung in irgendeiner Galerie. Aber erreicht man hier wirklich mehr Leute? Oder sehen es bloß mehr? Was bewirkt diese Ausstellung bei den Leuten, die sie sehen? Für die einen mag es die willkommene Gelegenheit sein, ihren Einkaufsbummel mit ein bisschen Gewissensarbeit ethisch aufzuwerten (man hat ja nicht nur Schnulli gekauft, sondern auch noch ein bisschen über die Schlimmheit der Welt den Kopf geschüttelt und geseufzt), für die anderen ist es einfach eine kleines Spektakel, dass man zwischendurch gerne mitnimmt, so wie im Monat davor die Modelleisenbahnausstellung und im nächsten Monat „Gartenzwerge – ein deutscher Mythos“ (oder was weiß ich).

    (Volker Strübing)