Kategorie: Unterwegs

  • Rezepte für ein besseres Leben II – Kräuterquark „Kyrill“

    [youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Lvr5nvsVNr0]

    Hier ist der zweite Beitrag meiner Serie „Alles schon mal da gewesen„. Gedreht am Donnerstag nach der Rückkehr von einem sehr schönen Soloauftritt im Atomino (dem Club in Chemnitz, nicht dem Computerspiel) und bevor ich in die Baiz gehetzt bin, um die Sololesung von Micha aufzunehmen. Nach der ersten Hälfte habe ich die Aufnahmeleitung übergeben, bin ins RAW gefahren und habe das Video bei der Chaussee welturaufgeführt.

    Wegen Sturmpanik war es ziemlich leer – ausnahmsweise musste man kaum vor den Toiletten anstehen. Das war ein angenehmer Nebeneffekt, aber voller ist es uns trotzdem lieber. Vor allem, wenn das Wetter als Ausrede für das Nichterscheinen herhalten muss … Im RAW hat man übrigens nichts vom Wind bemerkt. Obwohl es weiß Gott nicht so aussieht, ist es deutlich stabiler als der Hauptbahnhof gebaut …

    (Volker Strübing)

    (Rezepte für ein besseres Leben I – Bockwurstjoghurt)


  • Von traurigen Autoren und glücklichen Füchsen

    Wer was über die finsteren Momente des oft sehr schönen Autorenlebens wissen will und sich fragt, was es mit der Überschrift auf sich hat, dem möchte ich den heutigen Eintrag in Jochens Blog empfehlen.

    Gestern sagte ein Zuschauer nach der Lesung zu mir: „Der eine von euch ist doch viel besser angekommen als die anderen, da solltet ihr vielleicht nicht zusammen lesen.“ „Ich will aber gar nicht ankommen.“ „Und noch einen Tip: Axel Hacke.“ „Was ist mit dem?“ „Der macht das gut.“ „Ich will es aber schlecht machen.“

    Am fraglichen Abend war wohl ich der, der „besser angekommen“ ist … das kenn ich aber auch andersrum.

    (Volker Strübing)

  • Und das habe ich Neujahr gemacht:

    fahrrad.jpg

    Eigentlich wollte ich nur ein bisschen raus. Irgendwo einen Kaffee trinken und was essen. Dann bin ich immer weiter gefahren. Durch Prenzlauer Berg und Weißensee und Pankow, Wedding, Moabit, Charlottenburg, Friedrichshain, Mitte und zurück. 5 Stunden lang (inklusive einer Whopperpause, einer 0,5L-Birnensaftpause, einer Pfeffermiztee-und-ein-kleines-Bierpause und einem Rotwein aus Anlass der glücklichen Heimkehr).  Vollkommen sinnlos, aber schön. Und etwas, was ich vor einer Woche, als Raucher, auf keinen Fall gemacht hätte.

    Heute kann ich nicht stehen, weil meine Beine wie Quark sind (bin halt nüscht mehr gewohnt) und sitzen schon gleich gar nicht, weil der Hintern so weh tut …

  • Das Schlimmste ist überstanden

    Silvester habe ich die bisher schlimmste Prüfung meines noch so kurzen Nichtraucherlebens erfolgreich bestanden. Ich bin mit einer Busladung Berliner Künstler aller Sorten, Formen und Geschlechter nach Frankfurt/Oder gefahren, wo wir eine Silvestergala bestreiten sollten. 14.30 Uhr haben wir uns getroffen. Und von da ab hieß es warten, warten, warten … eine Stunde auf den Bus … anderthalb Stunden auf das Ende der Busfahrt …

    silvester01.jpg

    … in der Garderobe warten …

    silvester02a.jpg

    … auf den Soundcheck warten (’ne gute Stunde – für 10 Sekunden Mikrofonprobe) …

    silvester02.jpg

    … auf den (auch noch vermurxten) Auftritt warten …

    silvester03.jpg

    … feststellen, dass die anschließende Party nicht mein Fall ist und …

    silvester04.jpg

    … bis 2.15 Uhr auf den Bus warten, der uns zurückbringt . (Ich bin der kleine Pixelklumpen am rechten Bildrand.)
    Insgesamt mehr als 10 Stunden Rumsitzen. Ohne etwas Sinnvolles tun zu können (ich war viel zu hibbelig und aufgekratzt). Und ohne Zigaretten. Ab und zu war es echt haarig, ich war schon dabei, mir einzureden, dass ich doch ganz klassisch zu Neujahr aufhören und jetzt noch ein paar durchziehen könnte. Warten und Langeweile erschienen mir als das Schönste, dass es gibt auf der Welt – wenn man dabei rauchen kann.
    Zum Glück verging die Gier stets nach ein paar Sekunden. Warten ist immer doof, und als Raucher war es eigentlich noch dööfer, weil ich in solchen Situationen gequarzt habe wie ein Blöder, bis mir übel war und alles weh tat. Von wegen „das Schönste …“

    Ich hatte geahnt, dass es hart werden würde, und für den Notfall Nikotinkaugummis eingesteckt, aber zum Glück ging es auch so.

    Jetzt bin ich, was dieses Thema angeht, sehr guter Dinge.

  • Endlich: Hannover!

    Hannover kennen die meisten Menschen ja nur aus Nils Heinrichs gleichnamigem Lied. Bestenfalls wissen sie noch, dass die Scorpions und Gerhard Schröder dorther kommen und die Stadt wegen der Expo, die keinen Menschen interessiert hat, zeitweise unter akutem Größenwahn litt.

    Meine Hannover-Erfahrungen beschränkten sich bisher darauf, dass ich die Stadt bei einer grausligen Tramptour nach Amsterdam dreimal komplett umrundet habe, was mich über 12 Stunden kostete. Ich brauchte die Stadt gar nicht zu betreten, um sie zu hassen … immerhin ist ne schöne Geschichte dabei rausgesprungen, die ich mal online stellen müsste, wozu ich aber im Augenblick zu faul bin.

    Außerdem kenne ich den Hauptbahnhof vom Umsteigen. Für mich der zweitschlimmste unter den großen Bahnhöfen Deutschlands, gleich nach Kassel-Wilhelmshöhe.

    Jetzt, nach drei Tage in dieser Stadt, muss ich mein Urteil revidieren. Ist überhaupt nicht schlimm. Naja … gibt schon schlimme Ecken, die Bahnhofsgegend zum Beispiel, aber zeigt mir eine Stadt mit schönem Bahnhofsviertel! Der beste Weg, Frieden und Freundschaft mit Hannover zu schließen, ist es, dort liebe Leute zu kennen, die einem die netten Orte zeigen. Wenn man dann noch zwei schöne Auftritte vor nettem Publikum hat, ist die Sache geritzt!

    Am Donnerstag bin ich im Blub Blub Club aufgetreten, einer Mix-Show, die viel, viel besser ist, als der Name es vermuten lässt. Der BBC findet im Expo-Café der Hannoveraner Stadtwerke statt – ein ziemlich bizarrer Ort. Im Erdgeschoss befindet sich ein sehr schickes, teures Café und Restaurant, eine Etage darüber ein Großraumbüro der Stadtwerke. Von einer Galerie, die gleichzeitig als Wartesaal für das Großraumbüro dient (inklusive Wartenummeranzeigetafeln), kann man in das Café hinab schauen. So können die Hartz-IV-Leute, die vorsprechen, weil ihnen wegen unbezahlter Rechnungen der Strom abgestellt wurde, während des Wartens ein bisschen am gesellschaftlichen Leben der besseren Kreise teilhaben. Sehr merkwürdig.
    Am Abend wurde das Büro umgebaut, alle Schreibtische wurden an die Seite geräumt und durch einen Vorhang verborgen, eine Bühne, Scheinwerfer, Stühle, Sofas, Lavalampen usw. wurden aufgebaut und dieser Raum, den ich bei meiner Ankunft noch in all seiner neonbeleuchteten Großraumbürotristesse gesehen hatte, in einen gemütlichen Auftrittsraum verwandelt.

    Die Show am Abend bot viel Musik und Comedy und Travestie und Jonglage (noch’n Musiktip: http://www.sebastiankraemer.de/mp3/index.html – dann auf „Jongleure“ klicken. Sorry ;-), ein Interview mit dem Gitarrenbauer Thomas Stratmann und zwischendrin ein paar Geschichten von mir. Zusammengehalten wurde das Ganze von Nico Walser und Wolfgang Grieger, alias Fischbrötchen 1 Euro. Schön war’s.

    Und wer jetzt denkt, dass wir uns nach der Show beeilen mussten, um ins Bett zu kommen, bevor wir samt Bürgersteigen hochgeklappt werden (boh … was für ein ausgeleiertes Bild, wird Zeit da mal was neues zu erfinden …), der kennt Hannover schlecht!
    Zugegeben, die ersten drei Kneipen,die wir besuchen wollte, machten gerade zu, dafür war die vierte, das Alexander, umso besser, vor allem, weil die Küche bis halb 3 geöffnet und Köstlichkeiten zu bieten hatte, mit denen nicht einmal das teure Expo-Restaurant konkurrieren konnte:

    hacksteak.jpg

    Wer errät, welches ich gegessen habe, wird von mir zu einem Hacksteak nach Wahl eingeladen, falls wir uns zufällig mal in Hannover über den Weg laufen. Hannoveraner sind von der Teilnahme ausgeschlossen.

    Am Freitag fand die Lese- und Musikreihe „zetern statt zaudern“ des Verlages zeter und mordio statt. Klein, gemütlich und sehr schön. Musikalische Gäste waren Jon Bon Deppe und Dean Marco. Die beiden haben Popsongs sehr eigenwillig ins Deutsche übersetzt und gesungen. Aus „The Kids Are Allright“ wurde „Die Kinder sind alle rechts“, aus „Time After Time“ „Zeit Arschloch Zeit“, aus „Hit Me Baby One More Time“ „Schlag mich Kleinkind eins mehr Zeit“. Man hatte mir das schon vorher berichtet und ich war der festen Überzeugung, dass das spätestens beim dritten Lied langweilig würde. Wieder einmal geirrt. War sehr geil, weil die beiden verdammt gute Musiker und Sänger sind.

    Für einen schönen Ausklang sorgten ein ausgiebiges Frühstück am Sonnabend und die Glühweinparty mit Livemusik in Thomas Stratmanns Gitarrenbauwerkstatt, zu der er mich eingeladen hatte und nach der ich mich angenehm bedüselt in den letzten Zug nach Berlin gesetzt habe …

    Vielen Dank nochmal an Mirco, Maya, Nico und Wolfgang.

  • WDR Poetry Slam

    In dieser Woche werden in Köln 9 Folgen des WDR-Poetry-Slams aufgezeichnet. Zum ersten Mal wird es in Europa einen Poetry Slam im Fernsehen geben. Am Mittwoch war ich mit dabei. Ich fuhr gespannt, aber auch skeptisch nach Köln. Skeptisch vor allem, weil ich mich 1. wegen schlimmer Erfahrungen vor der Aufzeichnung fürchtete (ach, das ist ein schönes Thema für einen anderen Blog-Eintrag …), weil ich 2. nicht weiß, ob irgendwer im Fernsehen miterleben möchte, wie zum Beispiel ein bebrillter Mann – ich – von einem Zettel abliest, und 3. wegen des selten doofen Namens der Halle, in der die Sendung aufgezeichnet wurde (nee, den verrat ich nicht, der ist zu doof, nee, nee, na gut: Halle-Lu-Ja …. argh).

    Der letzte Punkt war zum Glück schnell vergessen. War ne ziemlich coole (leider auch kühle) ehemalige Lagerhalle, und als ich sie betrat, wurde ich von Musik der Mariachis empfangen, die gerade probten, und fühlte mich schon halb wie zuhause. Die Mariachis werden alle Sendungen als Showband begleiten und mit ihrer Musik verschönern.

    Es ist dem WDR gelungen, dort eine Veranstaltung hinzulegen, die sich wie ein echter Poetry Slam anfühlte – und tatsächlich auch einer war. Jörg Thadeusz hat sehr schön moderiert (und meinen Roman als den besten Science Fiction Roman der letzten 10 Jahre angekündigt … vielleicht rechtfertige ich das in mich gesetzte Vertrauen ja doch noch, wenn nach der Ausstrahlung die Massen in die Buchläden strömen ;-). Alle waren sehr nett, das Catering gut, das Hotel schön.

    Auch die Kameraleute haben sich sehr bemüht, nicht zu stören. Ein Moment war allerdings gräßlich: In jeder Sendung treten 5 Poeten/Slammer/was auch immer gegeneinander an. Nachdem jeder oder jede 3 Minuten am Mikro stand, wurden alle noch einmal kurz vorgestellt und dann entschied das Publikum per Applaus über den Sieger des Abends. Das ist mir schon bei normalen Slams unangenehm – egal, ob ich stürmischen Applaus oder nur Höflichkeitsklatscher kriege – aber diesmal stand, als für mich geklatscht werden sollte, ein Kameramann neben mir und zielte auf mein Gesicht. Und ich weiß doch so schon nicht, wie und wohin ich in so einer Situation gucken soll! Und dazu dann noch die Vorstellung, dass das dümmliche Grinsen, das sich dann letztlich einstellt, ganz groß im Fernsehen zu sehen sein wird … grauenvoll. Und dann fing mein Mund an zu zucken und ich dachte, oh Gott, mein Mund muss aufhören zu zucken, und mein Mund dachte: Was? Aufhören? Ich hab noch gar nicht richtig angefangen, pass mal auf du!

    Hinterher habe ich mich ein bisschen über mich selbst geärgert, weil ich (Achtung Spoiler 😉 meinen Text mit den Klonen vorgelesen habe, auf den ich eigentlich gar keine richtige Lust hatte, der aber immer ganz gut funktioniert. Aber es geht ja nicht nur ums funktionieren und außerdem kommt ein Text, den ich gerade sehr liebe, sowieso meist besser rüber, als eine vermeintlich sichere Nummer.

    Ich bin sehr gespannt, wie das im Fernsehen wirkt. Ab 25.2. werden die Sendungen ausgestrahlt, und ich werde mir alle angucken – bis auf die, in der ich mit dabei bin!

    Berichte vom Dreh aus Sicht von Ivo und den Mariachis gibts im LokBlog, dem Weblog der Lokalrunde. (Mensch Ivo, hättst ruhig mal Bescheid sagen können, dass Du auch unter die Blogger gegangen bist)

    (Volker Strübing)

  • SLAM 2006 (7)

    LSD am Dienstag war eine harte Bruchlandung nach dem Höhenflug der Tage davor. Es war ziemlich leer und zu keinem Zeitpunkt ist der Funke richtig übergesprungen. Daran konnte nicht einmal mehr unser großartiger Gast Bas Böttcher etwas ändern. Naja, sowas passiert.

    Ich möchte mich an dieser Stelle nochmal bei allen Organisatoren und den freiwilligen Helfern bedanken. Bei Ko und Rayl habe ich das schon persönlich gemacht – bei vielen anderen leider nicht. Es war phantastisch, wieviel Zeit und Energie in dieses Fest gesteckt wurde. (Guckt Euch mal Kos Haare in diesem Video an … für Nebensächlichkeiten wie Frisieren war eindeutig keine Zeit 😉 Immer war jemand da, der Fragen beantworten und Probleme klären konnte, oder der den Ärger aufgefangen hat, wenn etwas mal nicht ganz optimal lief.

    Außerdem danke ich natürlich der Glücksfee, die mich bei jedem Auftritt mit idealen Startnummern versorgt hat. In den Vorrunden, den Halbfinals und im Teamfinale war ich als zehnter oder zwölfter dran, im Finale als achter. Vielleicht hätte ich letzten Sonnabend gleich noch Lotto spielen sollen – das wäre ein sicherer Sechser geworden.

    Diese paar Tage haben viel Glück unter den Poeten und beim Publikum verbreitet und ich bin sehr froh, dass auch viele von denen, die mit tollen Texten aber einer Pechmarie statt einer Glücksfee an ihrer Seite viel zu früh ausgeschieden sind, einen Tag später wieder mit leuchtenden Gesichtern herumliefen.

    Das Zusammentreffen mit den anderen Poeten war für mich – bestimmt für die meisten – mindestens genauso wichtig wie der Wettbewerb. Darum: Liebe Slam-Gemeinde , danke, dass es Euch gibt und dass ich von Euch aufgenommen wurde.

    Apropos: Am Montag war ich in Zürich und habe mir mit Sebastian Krämer ein Zweier-Battle geliefert, das er knapp und verdient gewonnen hat. Bei dieser Gelegenheit habe ich mich endlich bei ihm dafür bedankt, dass er mich 2004 zum Slam geholt hat. Das Ganze ist mir sehr, sehr wichtig. Persönlich, was meine künstlerische Entwicklung angeht und natürlich für mein Bahncard-Bonuspunkte-Konto.

    Berichte, Mitschnitte und Fotos vom SLAM 2006 gibt es unter anderem hier:

    Claudio Poetry Blog – Das Weblog von Ko und Rayl

    Storzblog – Das Weblog des Münchner Slammers und Lesebühnenautoren Sascha Storz

    Felix Bonke – Saschas Westend ist Kiez-Kollege und Gegner im SLAM2006-Weblog-Battle.

    Und die umfangreichsten Berichte gibt es im Sparrenblog. Sehr schön zu lesen wegen ihrer Dialog- und Interviewform.

    NACHTRAG, 17.00 Uhr: Wie dumm von mir: Hab ich doch glatt, Ken Yamamotos Weblog vergessen, das persönlichste von allen und sehr lesenswert!

    NACHTRAG, 20.11., 14.00 Uhr: Und die schönsten Fotos sind von Mirco Buchwitz.
    (Volker Strübing)

  • SLAM 2006 (6) – And the winner is …

    Marc-Uwe Kling! Herzlichen Glückwunsch – weiß Gott ein verdienter Sieg! Andere hätten ihn genauso verdient gehabt, aber die Slam-Schicksalsgöttin hat sich für ihn entschieden. Gute Entscheidung. Es hätte auch andere gute Entscheidungen gegeben, aber … na, ich denke, es ist klar, was ich meine.

    Es war ein unglaubliches Finale. So eine Veranstaltung habe ich noch nicht erlebt. So tolle Texte, so unterschiedliche Texte, so ein begeistertes oder ergriffenes Publikum, so wenig Biere Backstage (sorry ;-), so ein gutes Gefühl, den Titel genau an diesem Abend, an diesem Ort abzugeben (ehrlich!) … (NACHTRAG, Montag früh: Ein noch besseres wäre es höchstens gewesen, ihn genau an diesem Ort, an diesem Abend erfolgreich zu verteidigen!)

    Ich bin soundsovielter geworden – keine Ahnung, ist auch völlig egal. Hab mich, denke ich, nicht blamiert und das erste Mal versucht, das Publikum zum Mitmachen zu bringen. Hat auch funktioniert, leider bin ich dann rausgekommen, als ich einen Sprechgesang auf den Livebackgroundchor machen wollte. Das war aber nicht schlimm und am Ergebnis hätte es auch nichts geändert.

    Im Stechen waren Lars Ruppel, Tobi Borke, Felix Römer und Mark-Uwe. Lars und Tobi waren großartig, aber nach ihnen kam Felix und was der da gemacht hat, war … ach, ich weiß, als Autor sollte das nicht so sein, aber mir fehlt ein passendes Wort. Ergreifend? Im Saal, der eben noch getobt hatte, war es totenstill, als Felix sprach und dann, nach seinem abschließenden „Danke München“ brach die Hölle los. Fast der gesamte Saal stand auf und klatschte und jubelte ihm zu, die anderen waren noch damit beschäftigt, sich die Augen trocken zu wischen. Was für ein Text! Und ich dachte: Armer Marc-Uwe, was bin ich froh, dass ich nich im Stechen bin. Du musst jetzt nochmal da raus, dabei ist die Sache entschieden, wer weiß, ob die Leute Dir jetzt überhaupt noch zuhören wollen. Ich habe überlegt, was ich an seiner Stelle getan hätte. Vielleicht hätte ich noch ein Experiment gewagt und das erste Mal einen Text improvisiert. Dieser wäre sehr kurz geworden und hätte ungefähr so ausgesehen: „Herzlichen Glückwunsch, Felix. Es ist mir eine Ehre, den Titel an Dich übergeben zu können. Danke an alle, die diese Meisterschaften möglich gemacht haben!“ Einen Moment war ich ganz gerührt von dieser Idee, und davon, was für ein nobler Mensch ich bin … (Dabei hätte ich mich bloß nicht getraut, nach Felix noch etwas vorzulesen.)

    Jedenfalls: Marc-Uwe also da rauf auf die Bühne (zwecks Hinrichtung, wie ich vertrauensloser Wicht dachte) und den Meistertitel für sich klargemacht. Irre.

  • SLAM 2006 (5)

    (Heute, 11.45 Uhr, Hostel)

    Micha und ich haben als Team LSD das Finale des Teamslams gewonnen! Krass!

    Ein paar Leute haben mich gefragt, ob wir damit gerechnet hätten. Das ist schwierig zu beantworten, denn wenn ich NEIN sage, klingt es nach Koketterie, wenn ich JA sage, lüge ich. Aus Spaß haben wir (oder zumindest ich) natürlich mal mit dem Gedanken gespielt, aber damit gerechnet … definitiv nicht!

    Gerade hat sich Micha neben mich gesetzt und der Rauch seiner Zigarette piekst mir im Auge. Er hat gesagt, ich soll hier reinschreiben, dass er sich sehr freut … Ihr solltet ihn jetzt gerade sehen: Sonnengelbes Hemd vor dem seine Goldmedaille von gestern baumelt und ein glückliches Lächeln im Gesicht 🙂

    An dieser Stelle noch einen herzlichen Gruss an das Team Lesedüne (Marc-Uwe Kling, Sebastian Lehmann (Quatsch! Sebastian hat doch gefehlt!), Maik Martschinkowski, Kolja Reichert), die unbedingt ins Finale gehört hätten, aber in der Vorrunde trotz großartiger Performance ausgeschieden sind.

  • SLAM 2006 (4) – Pokal mit Kratzern

    (18.00 Uhr, Hostel)

    Gerade habe ich den Mundart-Slam gewonnen. Jetzt habe ich einen niedliche, kleinen Pokal, kann mich aber nicht richtig daran freuen, weil es Beschwerden gab, die nicht ganz unberechtigt sind. Ich habe ein bisschen rumberlinert, das verwaschene berlinerisch, das ich halt kann und dann (wie mir hinterher gesagt wurde) auch das noch nach der Hälfte des Textes vergessen und beinahe auf hochdeutsch weitergemacht 🙁

    Es waren echte Mundart-Poeten da – teils mit verständlichen, teils vollkommen unverständlichen schweizerischen Dialekten – und mir wurde gesagt, ich hätte besser beim Storyteller-Slam antreten sollen, weil die echten „Mundartler“ schlechte Chancen gegen die besser verständlichen Texte einiger anderer Leute hatten. Außerdem habe ich ebenfalls hinterher erfahren, dass Leute mit richtigen Dialekt-Texten nicht mehr zugelassen worden sind, weil die Startliste bereits voll war. Das tut mir sehr leid.

    Allerdings bin ich zum Mundart-Slam eingeladen worden, als noch Plätze frei waren. Ich habe nicht mit den Fingern geschnipst und „Ich will! Ich will! Ich will!“ gerufen – ich war einfach bloß nicht zickig. Ich sollte noch eine andere Sprachnote reinbringen, und das habe ich versucht. So halten sich sowohl Freude, als auch schlechtes Gewissen in Grenzen. Naja, auf alle Fälle hätte ich es ernster nehmen sollen.