Kategorie: Unterwegs

  • SLAM 2006 (3)

    (Donnerstag, 15.00 Uhr Schrannenhalle)

    Ich hab in meiner Einzelvorrunde gewonnen und bin morgen im Halbfinale. Aber leider ist Micha in seiner Vorrunde ausgeschieden. Er hat bei Nationals aber auch immer ein Pech, vor allem was den Auftrittszeitpunkt angeht. Die Reihenfolge der Poeten auf der Bühne wird per Los bestimmt und im ersten Drittel der Veranstaltung sehr, sehr schlechte Karte. Insbesondere wenn eine Publikumsjury direkt nach dem Vortrag Punkte vergeben muss. Gegen Ende der Veranstaltunggeht die Punktzahl tendenziell immer nach oben.

    In meiner Vorrunde war ich als letzter dran 🙂

    Der Reihe nach: Gestern 14.00 Uhr angekommen und fast direkt vom Zug (na gut, vom WLAN-Café, aus dem ich den gestrigen Beitrag abgeschickt habe) auf die Bühne gestolpert und im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung den ersten Text des ganzen Festivals vorgelesen – mein Status als Titelverteidiger hat auch seine Schattenseiten. Die Show fand in der Schrannenhalle statt, so eine Art Markthalle. War nich so dolle … realtiv wenig Zuschauer, dafür viele Leute, die nur so drin waren und von Fressstand zu Fressstand zogen. Egal. In der Schrannenhalle ist auch der Treff- und Anmeldepunkt für alle Slammer, und es war toll, wie nach und nach die ganzen Leute eintrudelten, die ich bei Slams kennengelernt und immer wieder mal in irgendeiner Ecke Deutschlands, Österreichs oder der Schweiz wiedergetroffen habe. Das Ganze hier ist so eine Art riesiges Klassentreffen. Geil!

    Am Nachmittag habe ich tatsächlich noch eine halbe Stunde Schlaf gefunden. Was bin ich froh, dass ich mir ein Einzelzimmer im Hostel genommen habe … teuer aber lebensrettend. An den nächtlichen Schnarch-Slams in den 6-Mann-Zimmern möchte ich nicht teilnehmen, und es ist gut zu wissen, dass ich, wann immer es sein muss und ich Zeit finde, eine halbe Stunde Ruhe haben kann.

    Dann ab in „The Garden“, wo später meine Vorrunde stattfinden sollte. Habe auch von der davor noch etwas mitgekriegt (Siegerin: die unglaubliche Lara Stoll).

    Leider war es recht leer, und in meiner Vorrunde wurde es noch leerer. 8 Vorrundenslams + 3 Themenslams an einem Tag, an einem Mittwoch, das ist vielleicht doch etwas viel, sogar für München.

    Danach weiter ins Substanz – schönerer Laden, viel größer und gerammelt voll; das Substanz ist einfach DIE Slamadresse in München. Dort lief eine Vorrunde des Teamwettbewerbs, die SMAAT mit großem Abstand und völlig zu recht gewonnen hat. Die waren großartig!

    Dann Sex-Slam und After-Show-Party in so ’nem Club. Volker Suhrmann musste gegen halb eins als erster auftreten und hatte keine Chance gegen das plappernde Partyvolk. Fiese Sache. Ich schätze, dieser Abend dürfte es spielend in seine Top Ten der schlimmsten Auftritte geschafft haben. Erst später ließen sich die Leute mehr oder weniger auf’s Zuhören ein. Dann wurde getanzt, aber ich hatte keine Lust mehr auf laute Musik und 3-Euro/kleine, grüne-Flaschen-Biere und dachte außerdem, ich würde jeden Moment im Stehen einschlafen, wenn ich nicht ins Bett käme, also ab ins Hostel – und dort war das Foyer voller Poetinnen und Poeten und es gab Bier und es wurde sehr, sehr spät …

    Gerade sitze ich wieder in der Schrannenhalle und Micha moderiert den Themenslam „Storyteller“. Hinterher trete ich beim Mundart-Slam an 😉 Die Stimmung ist viel besser als bei der Eröffnungsveranstaltung, denn es gibt mehr Publikum (mindestens zur Hälfte aus anderen Slammern bestehend). Da macht es auch fast gar nichts mehr, dass ein paar Meter weiter auf einer Großbildleinwand eine Fernsehdiskussion über den Holocaust läuft …

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  • SLAM 2006 (2) – Morgengrauen

    Wenn man gelegntlich im Dienste der Kunst und des Alkoholkonsums unterwegs ist, ordnet man das Wort „Zimmerservice“ bald in eine Reihe mit „Wurzelbehandlung“ o.Ä. ein. Aber so etwas wie in dem Hostel, in dem wir Slammer alle untergebracht sind, habe ich noch nicht erlebt. Um 10 stürmten 2 Menschen die Etage, traten die Türen ein (so klang es zumindest) und keulten die Zimmer (saubermachen klingt anders), wobei sie sich permanent über den Flur hinweg anschrien. Nach 20 Minuten ohrenbetäubendem Lärm war ich fällig und ich bin sehr stolz, dass ich die Kraft besaß, die Frau trotz ihrer lautstarken „Nur das Bad! Nur das Bad!“-Beteuerungen rauszuwerfen. „Dann morgen“, rief sie drohend, dann knallte sie die Tür hinter sich zu.

    Ansonsten ist das Hostel toll, man kann im Foyer die ganze Nacht feiern und trinken (und das wird wohl auch in den folgenden Nächten passieren – ich sehe 4 sehr ungesunde Tage voraus …) und es gibt WLAN.

    NACHTRAG, Montag früh: An den anderen Tagen gab es keinen Lärm am Morgen und wer in München nach einem netten Hostel sucht, sollt ins Easy Palace gehen. Sehr nett.

  • SLAM 2006 (1) – Von fliegenden Kloschüsseln, Wiener Schnitzel und dem 3. Weltkrieg

    (Mittwoch, 12.45 Uhr, im Zug nach München)

    6.42 Uhr. Das klingt nach einer guten Zeit, um nach einer tollen Party ins Bett zu gehen oder um den Dritten Weltkrieg vom Zaun zu brechen („Seit 6.42 Uhr wird zurückgeschossen. Rache für die Adler Dania!„).

    Es war aber die leider die Abfahrtszeit meines Zuges nach München, wo heute die Meisterschaft der deutschsprachigen Poetry Slams beginnt. Ich musste so früh los, da ich 14.00 Uhr an der Eröffnungsveranstaltung teilnehmen soll/kann/darf/muss/will. Nun fand aber gestern wie jeden Dienstag Abend unsere Lesebühne LSD im Zosch statt, und wir haben hinterher noch lange geredet und einen Vergessens-Schnaps auf unsere Party getrunken, und ich war erst um 2 oder so zuhause und hatte solche Angst vor dem Aufstehen, dass ich gar nicht ins Bett gegangen bin. Hab mir die Nacht größtenteils damit um die Ohren geschlagen, dass ich anderen Leuten Kloschüsseln und Aktenschränke an den Kopf geworfen habe, wenn sie mich nicht vorher mit einer Mülltonne oder einem Waschbecken erwischt haben. Das Ganze fand zwar nur im Computer und im Internet statt, aber ich bin mir der Tatsache bewusst, dass dies nicht als sinnvolle Freizeitbeschäftigung durchgeht. Besonders letzte Nacht, wo ich doch eigentlich hätte nüchtern und früh zu Bett gehen sollen, um mich heute Abend um 10 in der Vorrunde zum Einzelwettbewerb in Topform in den Ring werfen zu können.

    Naja. Das wird nun nichts mehr. Immerhin konnte ich im Zug ein bisschen schlafen, zumindest ab Leipzig, wo endlich die Brigade schnatternder Sekretärinnen ausstieg.

    Vorhin sind wir durch Augsburg gefahren. In Augsburg habe ich vor einigen Wochen das beste Wiener Schnitzel meines Lebens gegessen. Wenn ihr mal in Augsburg seid, geht unbedingt in diese Kneipe, deren Namen ich vergessen habe! Probiert einfach alle Wiener Schnitzel, die ihr im Umkreis von 10 Fußminuten um den Hauptbahnhof bekommen könnt, und wenn ein ganz außergewöhnlich wunderbares dabei ist, eines, dass euch die Strapazen der Suche vergessen lässt und euch mit tiefer Glückseligkeit erfüllt, eines, dass ein Gedicht verdient hätte, eine Ode, statt dieses popligen Weblog-Eintrages, dann wisst ihr, dass ihr die Kneipe gefunden habt, die ich meine …

    (13.30 Uhr, München, WLAN-Café: So, ich schick das jetzt ab, auch auf die Gefahr hin, dass es mir nach in paar Stunden Schlaf peinlich ist.)

    (Volker Strübing)

  • Lieber ein dicker Gogo-Dancer als Kassel-Wilhelmshöhe

    (Geschrieben am Freitag, dem 27.10.06)

     

    Neulich habe ich das erste Mal für Geld in einer Bar getanzt. Man darf ja keine zumutbare Arbeit ablehnen. Die Bezahlung war beschissen – knapp 0,03 € pro Stunde, aber dafür war es auch kein Problem, beim Tanzen Pizza zu essen, Emails zu schreiben und ein Paket abzuholen, weil mein Second-Life-Avatar das Rumgehüpfe für mich übernommen hat.

    Second Life (SL) ist, kurzgesagt, eine Mischung aus Chatroom und 3D-Simulation; der Avatar ist die Spielfigur, die man darin steuert, und deren Aussehen man selbst bestimmen kann. Eine schöne Einführung gibt es hier, eine Selbstbejubelung des Entwicklers Linden Labs hier.

    In dieser virtuellen Welt gibt es auch eine virtuelle Währung. Einerseits ist es irgendwie schade, dass das „zweite Leben“ nach den selben ökonomischen Regeln wie das erste funktionieren soll, andererseits ist eine virtuelle Welt mit virtuellem Geld natürlich sinnvoller, als eine reale Welt mit virtuellem Geld. (Gegen die Wahnvorstellung, das Geld im echten Leben sei real, hilft zum Beispiel „Das Wesen des Geldes“ von Egon W. Kreutzer)

    Das Geld in Second Life heißt Lindendollars. Die bekommt man, in dem man Geld von seinem Konto im ersten Leben an sein Second-Life-Konto überweist, indem man Dinge innerhalb von Second Life an andere Spieler verkauft (z.Bsp. virtuelle T-Shirts für die Spielfiguren) oder indem man dort … arbeitet. Letzteres ist der denkbar schechteste Weg, um es zu einem zweiten Leben in Reichtum zu bringen, zumindest, wenn man wie ich keine besonderen Qualifikationen vorweisen kann (noch so eine Analogie zur echten Welt, auch wenn der Edeka-Chef das anderes sieht). Aber wie gesagt, die Arbeit war nicht besonders anstrengend, da ich sie an meinen Avatar deligieren konnte, der auch viel besser tanzen kann als ich. (Dafür sehe ich im echten Leben besser als im zweiten aus. Bei all den Idealkörpern, die in SL rumlaufen, dürfte das nicht auf alle Mitspieler zutreffen.)

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    In irgendwelchen Clubs stehen Tanzplattformen, da klickt man drauf, und schon fängt der Avatar an zu tanzen. Nach 10 Minuten bekommt er dafür 2 Lindendollars gutgeschrieben. Die Besitzer dieser Clubs haben diese Plattformen wahrscheinlich installiert, um Leute in ihren Club zu locken, die dann auch Lindendollars dort ausgeben für … was weiß ich.

    Interessant ist, dass man das Second-Life-Geld zu ständig schwankenden Kursen in First-Life-Geld umwandeln kann – spätestens jetzt wird klar, dass wir es auch im Alltag nur mit Spielgeld zu tun haben. Leider ist der Wechselkurs bisher so ungünstig, dass man das Problem der Armut in der realen Welt noch nicht durch die Tanzplattformen in SL lösen kann.

    Einer der wichtigsten Aspekte bei SL ist der Chat mit den anderen Mitspielern. Aber damit habe ich noch so meine Probleme: Meinen ersten Second-Life-Chat (den zweiten Chat meines Lebens überhaupt) hatte ich kurz nach dem Einstieg in die Spielewelt mit zwei Avataren, deren menschliche Besitzer/Steuerleute/Entpsrechungen (ich nenn sie der Einfachheit halber mal Real-Life-Avatare 😉 auch aus Deutschland kamen. Nach wenigen Minuten fand ich mich in ein Gespräch über den Braunschweiger Hauptbahnhof verwickelt. Also, wenn das mein zweites Leben sein soll … Ich musste an ein Lied von (ich glaube) Goethes Erben DEine Lakaien (danke an Tube, für den Hinweis) denken: „Reincarnation / the torture never ends / Reincarnation / our bloody faith“. Naja. Wenigstens ging es nicht um den Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe, den allerallerhässlichsten Bahnhof Deutschlands.

    Im echten Leben bin ich vorhin durch den Braunschweiger Hauptbahnhof gefahren und später (leider) in Kassel-Wilhelmshöhe umgestiegen. Bin gerade unterwegs nach Marburg zum Dead or Alive Poetry Slam. (Nachtrag, Dienstag, 31.10.: Bin längst zurück. War toll! Hab gewonnen!) Jetzt sitze ich in einem Regionalexpress und der Akku ist gleich alle, darum: Genug für heute. Warum ich mich überhaupt mit Second Life beschäftigt habe, schreibe ich ein andermal. Oder auch nicht.

    (Volker Strübing)

  • Wissenwertes (3) – Der Amerikaner, schnell erklärt

    A: May I have the lighter?

    B: Yes.

    A: (geht an seinen Tisch zurück) 

    B: (grantig) Die Amis! Zum Moand fliegn könnens, oaber Feuerzeug hams koans!

  • Edding auf fremden Hosen besser als eigene Enkel auf dem Mars

    In einer Regionalbahn ganz, ganz tief im Süden hing ein Schild: „Ohne gültigen Fahrschein doppelter Fahrpreis!“ Jemand hatte „preis“ durchgestrichen und durch „spaß“ ersetzt. Da musste ich ein bisschen schmunzeln. Die Bahn ist selbst Schuld, wenn sie so schöne Vorlagen liefert. Allerdings entspricht die Sache mit dem Spaß nicht unbedingt den Tatsachen. Ich weiß das, ich war nämlich selbst gerade ohne gültigen Fahrschein unterwegs. (mehr …)

  • Ich mache mir Sorgen um: Die Schweizer (2)

    Das war ein Wochenende! 5 Auftritte an 4 Tagen in 4 Städten, knapp 22 Stunden in diversen Zügen, 2 EU-Außengrenzen-Übertritte ohne Ausweis, 3 Wiener Schnitzel, zweieinhalb Weißwürste, viel Bier, eine Flasche Siegerwhisky (nicht ausgetrunken), ein Etap-Hotel-Frühstück, ein Mikrowellenrührei im Bordbistro, das leider nicht ganz durch war (hattet ihr schon mal den Mund voll mit kühlschrankwarmem Tiefkühl-Papp-Ei? Mir war den Rest des Tages übel), ein paar Liter Kaffee und … ach, die Aufzählung wird schon wieder zu lang, und ich habe keine Zeit, muss noch ganz viel schreiben (hierfür) und wäschewaschen und volkerduschen und pipapo und darum nur kurz das Wichtigste:

    In Zürich … in Zürich … (Kopfkratz! Stirnrunzel! Besorgtguck!) … also: In Zürich da … da haben sie in den Straßenbahnen Lenkräder!

    Ich wusste ja, dass die Schweizer ein ganz eigenes Völkchen sind, aber das … nee, das hätte ich nicht mal denen zugetraut. Ich kann es mir nur als therapeutische Maßnahme für die Fahrerinnen und Fahrer erklären. Vielleicht haben sie die Lenkräder gerade erst zum gestrigen Tag der seelischen Gesundheit eingebaut … (danke an Spider für den Hinweis!)
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    Zufällig waren gestern im Zosch, in das ich direkt vom Zug aus Zürich hineingestolpert bin, ein paar Schweizer, die mich mit seltsamen Erklärungen zu beruhigen und von der seelischen Gesundheit der Eidgenossen zu überzeugen versuchten. Angeblich sei das Lenkrad dazu da, die Geschwindigkeit einzustellen – als ob diese Vorstellung nicht noch unheimlicher wäre! Was soll man von Leuten halten, die mit dem Lenkrad Gas geben und bremsen? Die lenken doch auch ihre Autos mit den Pedalen! Die putzen sich doch auch mit Klopapier die Zähne, und mit der Zahnbürste … ICH WILLS MIR GAR NICHT AUSMALEN!!!

    (Volker Strübing)

  • Stuttgart in Schnipseln

    1) Gut zu wissen
    Als ich am Sonnabend einem Bekannten erzählte, dass ich Sonntag nach Stuttgart fahren wolle, sagte er, dass er dort nicht tot über Zaun hängen möchte. Wenn ich ihn das nächstemal begegne, werde ich ihn beruhigen: Er würde dort auf keinen Fall lange hängen. Tot-übern-Zaun-hängen wird dort nicht geduldet. Ich habe in Stuttgart nicht einen Menschen tot übern Zaun hängen sehen. In Stuttgart achtet man noch auf gepflegte Zäune.

    2) Auch Stuttgart hat kleine Fehler

    In Stuttgart gibt es eine Mercedes-Konzern-Zentrale, Weinberge, kleine Biere für 3 Euro, einen wunderbaren Slam in der Rosenau, demnächst einen asynchronen Brauseboy, aber es gibt auf dem ganzen Hauptbahnhof kein Geschäft, in dem ein herumreisender Slammer einen Ersatz für seine in Berlin vergessene Zahnbürste erwerben kann. Das ist nicht schön.

    3) Goethe geschändet! Mercedes in Gefahr!

    Die oben erwähnte Mercedes-Konzern-Zentrale hätte ich heute morgen beinahe abgerissen, nur so, aus Jux und Dollerei – ich fühlte mich ausgeschlafen und nach einem Besuch bei dm („Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein“), auch wieder wie ein Mensch, was aber nicht an deren zutiefst verabscheuungswürdigen Werbeslogan, sondern schlicht an der dort gekauftenZahnbürste lag – kurz: Ich fühlte mich zum Konzernzentralenabreißen! Und weil ich auf der Fahrkarte Reisedatum (11.09) und Abfahrtszeit (11.32) verwechselt hatte, blieb auch noch genug Zeit. Aber dann ist mir eingefallen, dass ich erst am Sonnabend noch einem zweiten Mann von meiner bevorstehenden Stuttgartfahrt erzählt habe, und ihm versprechen musste, die Mercedes-Konzern-Zentrale stehen zu lassen, weil dessen Arbeitsplatz da dran hinge. Da hab ich eben Kaffee im Wiener Wald am Hauptbahnhof getrunken.

    4) Kofferbombenkoffer ächten!

    Statt dem ganzen Rail-Marshall– und Hartz-IV-Patrouillen-Blödsinn hätte man als Reaktion auf die fehlgeschlagenen Kofferbombenattentate die Mitnahme von Kofferbombenkoffern verbieten können. Damit wäre allen gedient, außer natürlich den Kofferbombenkofferbesitzern, aber die sind so sowieso doof (sorry Nils :-)). Wie ich das Geräusch der kleinen Plasteräder hasse, mit denen sie mühelos den Zugverkehr und alle Bahnhofsansagen übertönen, wie ich ihre aufgerissenen Augen und aufgepusteten Backen hasse, wenn sie diese Dinger in den Zug wuchten, ohne auf Kollateralschäden zu achten, wie es mich ankotzt, wenn sie vor und nach jedem Zughalt minutenlang den Gang blockieren, übereinander und über die Koffer der schon oder noch sitzenden Trolley-Trottel fallen oder wie sie mir beinahe die Knie zertrümmern, wenn sie ihre mobile Wackersteinsammlung unter den Tisch zu schieben versuchen, weil sie nicht auf die Gepäckablage passt … Also ich würde die alle auf dem Bahnhofsvorplatz prophylaktisch sprengen.

    5) Apropos Mobil

    An die Ansage „In Frankfurt ist unsere mobile Eisverkäuferin zugestiegen“ hat man sich ja gewöhnt, aber heute gab es einen hübschen Zusatz: „Ferner ist eine Minibar zugestiegen.“

    (geschrieben heute Nachmittag im Zug nach Berlin)

  • Braunlage (VII) – Natur-Nintendo im Harzer Schilderwald

     

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    Eine Wanderung durch den Harz ist ein bisschen wie ein live Jump’n-Run-Spiel mit nur einem Leben. Einen Moment nicht auf der Hut und es ist aus. Ich bin durchgekommen. Es gab keine Highscore-Liste zum Eintragen, aber dafür habe ich ein schönes neues Wort kennengelernt: „Totholzanteil“.

    Unterhalten sich zwei Waldräuber nach gelungenem Waldraub:

    Waldräuber 1: „Ich mach mich aus dem Staub. Gib mir meinen Totholzanteil!“

    Waldräuber 2: „Da hast du!“ (Haut Waldräuber 1 einen morschen Ast über die Rübe)

     

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    Was kümmern mich Schilder, die offensichtlich nicht für mich aufgestellt wurden?

     

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    Links oder rechts? Die Entscheidung fiel leicht.

     

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    Irgendwie … befremdlich. Kann man auch die ganze Oma abgeben? Und sie (ohne den Umweg über das Bargeld) direkt gegen den Sonderangebots-Schnickschnack tauschen?

    Ich musste jedenfalls an Monthy Pythons „Ritter der Kokosnuss“ denken:

    „Bringt mir Eure Toten!“

    „Aber ich bin doch noch gar nicht tot! Ich möchte Spazierengehen!“

    „Jaja, je oller, je doller“

  • Vertane Chance

    Kennt Ihr das? Auf der Rückreise aus dem Urlaub ist man gespannt, was wohl inzwischen in der Heimat passiert ist, was es zu berichten gibt, wie sich die Stadt verändert hat. Jedesmal geht es einem so, obwohl man jedesmal auf’s Neue enttäuscht wird. Egal, ob man 3 Tage wegfährt oder 6 Wochen.
    Gut, wer heute vor 45 Jahren oder am 11.11.89 aus einem fünftägigen  Urlaub zurückgekommen wäre, der hätte sich gewundert, wo die Mauer plötzlich herkommt, bzw. wo sie plötzlich hin ist.

    So etwas Großes erwarte ich ja gar nicht.  Aber die Hiergebliebenen hätten die Woche doch wenigstens nutzen können, um die M1-Trasse fertig zu bauen und den rosanen Aussatz von der Kugel des Fernsehturms zu kratzen.