Kategorie: Zumutungen

  • Wie war das nochmal mit dem Ur-Instinkt?

    Die letzten Wochen waren sehr stressig wegen der Reisevorbereitungen. Jetzt sind es nur noch 3 Tage bis es losgeht und ich kann keinen vernünftigen Gedanken fassen. Dafür fällt mir jede Menge Mist ein bzw. auf, zum Beispiel, dass die Wortgruppe „Die Reise gen Italien“ einen ganz anderen und irgendwie anrüchigen Sinn bekommt, wenn man 2 Leerzeichen vergisst. Bloß gut, dass wir gen Arktis fahren.

    Entschuldigung für diesen wenig erhellenden Blogeintrag. Hoffentlich arbeitet mein Gehirn nicht die nächsten Wochen auf diesem Level weiter …

    (Volker Strübing)

    Ach so: Cat- and Dogwalk in Berlin Mitte:

    [youtube=http://de.youtube.com/watch?v=pjG_-IquRxE]

    Die Musik stammt wie in allen Clips von den phantastischen Robert And The Roboters!

  • Ein richtig schlechter Sonntagmorgen

    Vor einer Stunde wollte ich endlich mit Teil 14 von Kloss und Spinne anfangen. Und musste feststellen, dass alle, alle, alle Animationsdateien nicht mehr funktionieren. Das Animationsprogramm findet die mühsam eingebetteten Einzelbilder nicht mehr, obwohl ich keine Verzeichnisse umbenannt oder verschoben habe. Oh nein. Wenn sich das nicht noch als doofer Traum erweist oder sich mithilfe der Sicherungsfestplatte, die ich bei Spider deponiert habe, beheben lässt, dann bedeutet das mindestens einen, eher zwei Tage zusätliche Arbeit. Und zwar richtig langweilige, blöde, frickelige Arbeit. Und diese Zeit habe ich gerade nicht.

    Grr….

    (Volker Strübing)

  • Schnipsel vom 31.5.08

    • Warum finde ich eigentlich Touristen in Berlin viel nerviger als mich in China? Naja, zumindest bin ich dort nicht als grölende, Beck’s-„Bier“ schwenkende Horde durch die Gegend marodiert.
    • Apropos Touristen in China: Als ich am Ende der Reise zurück nach Shanghai kam, fielen mir in der dortigen Innenstadt sofort die Billabong-Trottel auf. Sie waren schäbiger bzw. „legerer“ gekleidet als die berühmten chineschen Wanderarbeiter, nur viel, viel teuerer. Wenn ich irgendwo ein T-Shirt dieser Marke sehe, muss ich sofort an Leute denken, die sich für Weltbürger und irgendwie bessere Touristen halten, weil sie den Lonely Planet lesen und in 50 verschiendenen Sprachen „Und wie war ich?“ fragen können, nachdem ihnen eine Einheimische für 5 Dollar … aber nein, das geht zu weit und das sind bestimmt auch bloß Vorurteile. (Und gegen den Lonely Planet will ich damit auch nüscht gesagt haben – nachdem ich in China mal was anderes ausproboiert habe, war ich sehr froh, mir von Dan den LP borgen zu können.)
    • Wer die Fernsehserie Lost mag, sollte es unter allen Umständen vermeiden, die 4.Staffel zu gucken. Vielleicht war es ja auch das menschenfreundliche Kalkül der Produzenten, mit einer schlechten letzten Staffel allen Lost-Süchtigen das Aufhören zu erleichtern.

    (Volker Strübing)

  • Seltsame Verkaufsgespraeche – Heute: Im Fahrradladen

    Auf der Kastanienallee war’s. Der vordere Bremsbaudenzug meines Fahrrades war gerissen (dieses gerissene kleine Miststueck, dieses!) (Entschuldigung!). Und ich dachte, ich lass den wieder zusammenknueppern oder ersetzen oder was auch immer zu noetig waere, um mit dem Fahrrad wieder fahren und anhalten zu koennen. Ich hatte ja auch Geld mit und war der irrwitzigen Meinung, jemand wuerde gerne fuer Geld fremder Leute Fahrraeder reparieren. Ein Laden mit einem Schild auf dem „Fahrradreparaturen“ stand bestaerkte mich in meinem Wahn.
    Versehentlich war ich aber in ein Fachgeschaeft fuer schlechte Laune und Kundenbeschimpfungen geraten.
    Ich: „Mir ist hier der Bremsdingens gerissen und wuerde das gerne reparieren lassen.“
    Er: „Aha. Und neue Bremsbacken wollen Sie nicht?“
    Ich: „Hm. Weiss nicht, wenn Sie meinen, da waeren neue noetig …“
    Er (verdreht die Augen, fuchtelt mit den Armen, redet theatralisch): „Nein, ach was, neue Bremsbacken, so ein Quatsch, die sind ja nur total runter, das ist ja noch lange kein Grund die auszutauschen, ach wo, nein, nein, auf gar kein Fall.“
    Ich: „Okay, okay, ich hab’s kapiert, die Bremsbacken sind runter …“
    Er (schnauzt mich an): „Na was denken Sie denn, warum der Baudenzug gerissen ist. Die haben doch keine Bremswirkung mehr! Darum ham Sie doch an den Bremsen gezogen wie ein Idiot! Natuerlich reisst das dann! Aber bitte schoen, wenn Sie wollen, tausche ich Ihnen auch bloss die Baudenzuege aus! Meine Schnauze isses ja nich auf die Sie sich dann packen!“
    Ich: „Aehm ja, ist ja gut. Schoen, wenn man so freundlich beraten wird. Also, wenn Sie meinen, die Bremsbacken muessten ausgetauscht werden, dann …“
    Er (bruellt mich an): „Natuerlich muessen die ausgetauscht werden! Das sieht doch ein blinder mitm Krueckstock, dass die ausgetauscht werden muessen!“
    Nun bin ich leider kein Blinder mitm Krueckstock und hatte es daher nicht gesehen, war aber bis zu diesem Zeitpunkt durchaus bereit gewesen, seinem professionellen Rat zu vertrauen. Jetzt wollte ich nur noch weg. Es gibt so eine ganz eigene Handwerkerarroganz, die weit verbreitet ist unter allen, die einen Schraubenzieher am richtigen Ende anzufassen wissen, aber selten habe ich sie so ausgepraegt erlebt.
    Ich: „Ja, also ich geh dann mal. Ich hab jetzt gar nicht so’ne Lust, mich beschimpfen zu lassen.“
    Er: „Und ich hab keine Lust auf Kunden, die hierherkommen und dann nicht zuhoeren wollen!“
    Ich: „Tschuess!“
    Er: „Schoenen Sommer noch!“
    Ich: „Ihnen nicht!“

    (Volker Struebing)

  • Seltsame Verkaufsgespräche – Heute: Bei Kaiser’s

    Neulich wollte ich ein Brot kaufen. Aus Faulheit bei Kaiser’s, obwohl der weltbeste Bäcker der Welt gleich bei mir um die Ecke ist. Doch ich brauchte auch noch was für zum aufs Brot raufmachen tun und wollte nicht zweimal vom Fahrrad absteigen.
    Richtiges Brot gab es nicht mehr, nur irgendwelche Dinger mit Phantasienamen, die mir alle nicht brotig genug aussahen. Die genauen Gegenstücke zum Ruppelschen Traumbrot. Mit sowas braucht man den Kaiser’s Backstandstanten gar nicht kommen.
    Ich entschied mich für ein halbes Biomehrkornbrot. Als die Frau es mir einpacken wollte, zeigte ich auf den Bio-Aufkleber, der an der Rinde klebte. Ich erinnerte mich daran, dass ich mich über so ein Ding schonmal sehr geärgert hatte.

    Ich: „Äh, der Aufkleber da, geht der ab?“

    Sie: „Klar.“

    Ich: „Ich hab hier nämlich schonmal so ein Brot gekauft und da ging der nicht ab. Ich musste ihn dann rausschneiden.“

    Sie: (Polkt eine halbe Minute immer unwirscher werdend mit ihren Fingernägeln an meinem Brot rum, sagt dann:) „Na, den müssen Sie rausschneiden.“

    Ich: „Hm, das ist doch doof. Wieso pappen sie denn Aufkleber auf die Brote, die man dann aus der Rinde raussschneiden muss?“

    Sie: „Na, damit Sie als Kunde sehen, dass das ein Biobrot ist“

    Ich: „Häh??? Ähm, Sie haben das doch aus dem Fach mit der Aufschrift Biobrot gezogen.“

    Sie: „Naja, Aber da kann ja sonstewas stehen. Sie müssen doch sehen, dass das ein Biobrot ist!“

    Völlig verdattert nahm ich das Gebilde aus der Familie der Brotartigen, aus dem sie inzwischen ein großes Stück Rinde samt Aufkleber herausgeschnitten hatte, entgegen und fuhr nach Hause. Der Kopf schwirrte mir von all den unbeantworteten und ungestellten Fragen:

    • Wenn auf den Regalen sonstewas draufstehen kann, kann dann nicht auch auf den Broten sonstewas draufkleben?
    • Wenn ein teures Biobrot nur mithilfe eines Aufklebers von einem herkömmlichen Chemobrot unterscheidbar ist, was war dann gleich nochmal das Verkaufsargument für Biobrote?
    • Warum benutzen sie ausgerechnet den stärksten Kleber, den die chemische Industrie bereitstellt, um ihre Biobrote mit Aufklebern zu verschandeln?
    • Warum sind sie nicht so clever, statt der Biobrote die Chemobrote mit einem „Kein Biobrot“-Aufkleber zu versehen? Dann müssten die, die das billige Brot kaufen, die Rinde kaputtschneiden und würden beim nächstenmal vielleicht mehr Geld für ein aufkleberfreies Brot ausgeben und so den Kaiser’s-Umsatz steigern.
    • Wird dieser Trend eines Tages auch die Klamottenläden erfassen und werden wir dann aus neuen Hosen und Hemden ersteinmal die „100% Baumwolle“-Aufkleber rausschneiden müssen? Dann kauf ich nur noch Synthetik!

    Die Welt wid immer ulkiger. Aber das war ja eigentlich auch schon immer so.

    (Volker Strübing)

  • Publikumsbeschimpfung

    Gestern war ich bei einem sehr schönen Konzert der Willard Grant Conspiracy im Babylon (Dank und Gruß an den netten Hern vom Landbuchhandel 😉 Ein Sitzkonzert. Ist eh keine Tanzmusik, sondern was zum Hören und Versinken. Sehr melodisch und melancholisch und die Texte handeln entweder vom Tod oder von gebrochenen Herzen, im Normalfall jedoch von beidem.

    Unangenehm fielen mir leider die Zuschauer auf. Ich hatte sie schon beim Vorprogramm im Verdacht, doof zu sein, weil sie über die Witze des Saengers so lachten, als fänden sie sie nicht lustig, sondern als wollten sie zeigen, dass sie sie als Witze identifiert hatten und ihr Englisch gut genug war, um sie zu verstehen. (Aus dieser Beleidigung spricht zugegebnermaßen der Hass eines Mannes, dessen Englisch nicht gut genug war sie zu verstehen und sie nur anhand des Schmunzelns des Sängers und des wichtigtuerischen und anbiedernden Lachens einiger Publikümmer als Witze identifizieren konnte.)
    Schlimmer noch fand ich das Gejohle nach jedem Lied. Kann man nach einer tieftraurigen Ballade nicht wenigstens warten, bis der Schlussakkord verklungen ist, bevor man den Mund aufreisst und „Wuhuhuhuuuu“ macht? Überhaupt ist das Gebrüll zwar eine überaus angemessene Form seiner Begeisterung beispielsweise bei einem Popkonzert Ausdruck zu verleihen, aber bei den meisten anderen Darbietungen sollte man sich vielleicht mit einem Klatschen begnügen. Das Johlen hat sich ja auch bei Lesungen längst durchgesetzt und dummerweise wird man als Auftretender von dieser Entwicklung bzw. Eskalation angesteckt und denkt sich: Oh Gott, nur Applaus, niemand macht „Wuhuhuhuuuuu“, was habe ich falsch gemacht?

    Wird man auch bei klassischen Konzerten bald solchen Jubel statt einförmigen Applausrauschens hören?

    Klingt das jetzt sehr nach: „Untergang des Abendlandes“ und „Also zu meiner Zeit hätts das nicht gegeben“?

    (Volker Strübing)

  • Loch in der Firewall

    Nachdem ich in China vom Erdbeben kaum etwas mitbekommen habe, hat es mich dann auf dem Heimflug erwischt. Ich hatte mir eine englischsprachige chinesische Zeitung gekauft, in der 12 Seiten mit Berichten und Reportagen und Schicksalsgeschichten drinstanden. Schrecklich. Die Vorstellung, dass hunderte Kinder unter einer Schule begraben werden, dass ihre Angehoerigen vor den Truemmern stehen und Schreie hoeren und miterleben muessen, wie diese Schreie verstummen und der Gestank immer schlimmer wird und die Rettungskraefte schließlich Desinfektionsmittel auf die Truemmer gießen … das ist eigentlich fast nicht zu ertragen. Zum Glueck hat man sich ja im Laufe des Lebens so eine Art emotionale Firewall angeschafft, die einen auch die schlimmsten Nachrichten in Fernsehen oder Presse relativ unbewegt zur Kenntnis nehmen laesst. Kurz den Kopf schuetteln, seufzen, „schlimm, schlimm, schlimm“ murmeln und dann geht das normale Leben auch schon weiter.

    Meine Firewall braucht wohl gerade ein Update. Irgendwie ging mir das ganz schoen an die Nieren. Auch als ich am Montag einen Bericht ueber Streubomben sah und ein kleines libanesisches Maedchen mit relativ ruhiger Stimme erzaehlte, wie es beim Spielen die Finger einer Hand durch ein Blindgaenger verloren hat … und dann zu weinen begann, als es hinzufuegte, dass die anderen Kinder sie jetzt deswegen auslachen wuerden. Und sie schien sich verzweifelt zu fragen, was sie getan hat, wofuer man sie bestraft hat und wann alles wieder gut wird.

    Wie kann es irgendeine Rechtfertigung fuer so etwas geben? Der Einsatz von Munition mit einer bekanntermaßen derart hohen „Kollateralschadensquote“ ist eigentlich auch beim besten Willen nicht mehr durch irgendein Selbstverteidigungrecht zu entschuldigen. (Zugegebenermaßen ist ein solcher Standpunkt recht bequem, solange man nicht in einem Land lebt, das wie Israel unter dauernden Angriffen und Attentaten zu leiden hat – obwohl ich hoffe, das auch die meisten Israelis der Meinung sind, dass Streubomben nicht das richtige Mittel sind, um ihr Land zu schuetzen.)

    (Volker Struebing)

  • I’m so worried about …

    So. Wir sind noch nicht mal losgeflogen, da gibt es schon Probleme mit dem Rückflug. Wir waren so unfassbar dumm, unsere Flüge nach China und zurück in die Heimat bei British Airways zu buchen. Zu unserer Verteidigung muss ich aber sagen, dass wir vor dem großen Heathrow-Desaster im Reisebüro waren.

    Vorgestern erhielt ich einen Anruf, dass irgendwas mit meinem Rückflug sei, dass ich von Shanghai kommend in London Heathrow mein Flugzeug nach Berlin nicht mehr schaffen würde und erst am nächsten Tag fliegen könne. Na toll, dachte ich, sagte aber: „Dann kriege ich aber ein Hotel, oder?“ – „Naja schon, das müssten sie aber selbst bezahlen, das übernimmt Britih Airways nicht.“ – „Was?!“ – „Was sie anbieten könnten, wäre, dass Sie stattdessen nach Hamburg fliegen und Britih Airways wahrscheinlich die Kosten für die Zugfahrt Berlin – Hamburg übernimmt.“ – „Wahrscheinlich?!“ – „Ja, also mit 90%iger Sicherheit.“ Ich bat die Frau vom Reisebüro nachzuschauen, wie es denn mit einem Anschlusszug von Hamburg nach Berlin aussähe und schnell stellte sich heraus, dass ich an diesem Abend keinen mehr kriegen würde … ich habe dann darum gebeten, dass die nochmal mit BA verhandeln und irgendeine Lösung finden sollten und dann habe ich aufgelegt, weil ich mir doch noch ein bisschen Freude und gute Laune für den Auftritt am Abend bewahren wollte.

    Heute habe ich dann wieder angerufen und tatsächlich war Bewegung in die verfahrene Situation gekommen: British Airways hatte nunmehr auch das Angebot, die Zugfahrt Hamburg-Berlin zu erstatten, zurückgezogen. Stattdessen räumte man mir die Möglichkeit ein, den ganzen Flug zu stornieren ohne Stornierungsgebühren bezahlen zu müssen – hey! Das ist natürlich genau das Angebot, dass man keine 48 Stunden vor Abflug, mitten im Kofferpacken und Reisefiebern hören möchte.

    Als mündiger Bürger und aufgeklärter Konsument wäre es meine Pflicht gewesen, jetzt ein richtiges Fass aufzumachen – vorzugsweise nicht bei der Frau aus dem Reisebüro, sondern bei British Airways direkt. Sowas wie „Schonmal von König Kunde gehört?“ hätte ich brüllen müssen und: „Kenne meine Rechte!“ und: „40 Jahre ham se uns beschissen!“ und „Dafür 89 nich auf die Straße …“ und so. Aber, ach, das war’s mir dann doch nicht wert. Ich hab jetzt eh noch soviel zu tun, bin übermüdet und trage nur noch ein ganz dünnes, durchscheinendes Nervennachthemdchen …

    Vielen Dank an Jan-Oliver, der mich für eine Nacht bei sich in Hamburg aufnehmen will und wenn ich Glück habe, auch noch Zeit für ein Bier hat, und an die nette Frau von STA-Travel, die sich für mich mit den anscheinend auch noch sehr unfreundlichen BA-Leuten rumgestritten hat.

    Hübsch ist übrigens der Grund dafür, dass ich meinen Anschlussflug in Heathrow auf einmal nicht mehr schaffe: Aufgrund des Gepäckchaos‘ wurde die minimale Umsteigezeit auf 2 Stunden festgelegt. Das Flugzeug aus Shanghai landet 16:05 – das Flugzeug nach Berlin geht 18.00 Uhr – nach 1 Stunde und 55 Minuten. Kein Witz. (Oder doch. Natürlich ist das ein Witz. Der berühmte britische Humor wahrscheinlich.) Es kann also durchaus sein, dass ich in aller Ruhe beim Boarding meines eigentlich gebuchten Fluges zusehen und ihm von der Terasse aus hinterherwinken kann.

    Nie wieder British Airways. Es ist ja nicht so schlimm, dass sie irgendwas vergurken. Schlimm ist nur, dass sie nicht bereit sind, dafür geradezustehen und es wenigstens zum Teil oder symbolisch wieder gutzumachen. Hör mir uff.

    (Volker Strübing)

  • Aus Fehlern lernen – Lektion 836 & 837

    836: Ich will nie wieder ein geöffnetes Taschenmesser mit der Schneide nach oben auf dem Fußboden liegen lassen.

    837: Sollte ich Lektion 836 je vergessen, will ich mich nicht!!! auf das liegengelassene Taschenmesser raufknieen.

    Später am Abend wäre dann beinahe noch mehr Blut geflossen. Ich fuhr mit dem Fahrrad die Kastanienallee hinunter. Dachte mir wohl: Mal gucken, ob ich heute was noch Dümmeres tun kann, als mich auf ein Messer zu knieen – au ja, ich könnte die Kastanienallee langfahren! Man hat auf dieser Straße ungefähr einen Meter Platz zwischen den parkenden Autos und den Straßenbahnschienen. Dieser eine Meter wird auch noch vom heiklen Übergan zwischen Asphalt und Kopfsteinpflaster halbiert, wo er nicht sowieso von einer Baustelle auf 30 Zentimeter beschränkt wird. Wenn es dann noch geregnet hat und alles glitschig ist, und wenn dann noch kurz vor mir jemand die Fahrertür eines parkenden, unbeleuchteten Autos aufreißt, dann, ja dann kann es passieren, dass mir ein lautes „Oh Mann, ey!“ herausrutscht!

    Ausweichen war wegen der Straßenbahnschienen unmöglich. Mein Leben spielte sich noch einmal vor meinen Augen ab. Ich drückte die Bremse und hoffte, dass erstens der Bremsweg trotz Nässe reichen würde und ich zweitens auf dem glatten Untergrund nicht wegrutschen würde. Zum Glück hatte ich Glück, ich überlebte und konnte daher eben jenes oben angeführte „Oh Mann, ey!“ brüllen. Die Fahrerin des Wagens reagierte … seltsam. Statt zu zurückzubrüllen – ein „Keene Oogen im Kopf, oder was?“ wäre eigentlich das Mindeste gewesen – rief sie „Oh Gott, Entschuldigung. Das tut mir leid, sorry, oh jeh!“

    Fand ich irgendwie gut.

    (Volker Strübing)

  • Schnipsel vom 14.4.2008 / Nichts zu verbergen: BILD deckt die Karten auf

    Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten

    Nu gucke mal:

    Was eigentlich zur Bekämpfung des Terrorismus geplant war, greift immer weiter in die Rechte der Bürger ein. Die Möglichkeit der automatisierten Kontoabfrage erreicht nach der Erweiterung auf Steuerhinterziehung und Sozialleistungsmissbrauch nun auch Temposünder.
    Auf Anfrage des FDP-Abgeordneten Otto Fricke teilte das Bundesjustizministerium nun mit, grundsätzlich ist es auch möglich eine Kontoabfrage zu initiieren, um die Höhe von Geldstrafen bei Strafbefehlen zu bestimmen.
    Mehrere Staatsanwälte haben diese Möglichkeit schon genutzt, um Temposünder härter zu bestrafen. Verkehrsrechtsexperten halten diese Maßnahmen für unverhältnismäßig.

    Quelle: Shortnews.de

    Aber die Vorratsdatenspeicherung, die setzen sie betümpt wirklich bloß gegen Terror und Kinderpornografie ein, jaja; ganz, ganz bestümpt und wer nüscht zu verbergen hat, muss sich auch …


    BILD im Himmel

    Werbung finde ich doof. Die BILD-Zeitung finde ich auch doof. Man kann sich denken, wie ich Werbung für die BILD-Zeitung finde …

    Die aktuelle Kampagne steht unter dem Motto „BILD informiert. Leider erst seit 1952.“ Dazu sieht man zum Beispiel ein Bild der Titanic, die auf einen Eisberg zu fährt und die Schlagzeile „Vorsicht, Eisberg!“. Oder die Trojaner ziehen unter der Überschrift „Vorsicht Falle!“ ein Holzpferd in ihre Stadt. Ein Saurier sieht den heranrasenden Kometen nicht, weil es vor ein paar Millionen Jahren noch keine BILD-Zeitung gab, die „Achtung Meteor!“ titeln konnte. (Dieses Motiv ist übrigens ein feiner selbstironischer Hinweis darauf, welches Entwicklungsniveau das Gehirn eines BILD-Lesers haben sollte.)

    Das ganze soll wahrscheinlich lustig sein, ist aber sowohl größenwahnsinnig als auch eine schlichte Lüge: Die BILD hätte natürlich erst am Tag danach über das trojanische Pferd und die Titanic-Katastrophe berichtet – schließlich hat sie ja auch nicht am Morgen des 11.9.2001 mit einem Foto der Twin-Towers und der Headline „Einsturzgefahr“ aufgemacht. Egal. Leider wurde auch die Chance vertan, mit der rückwärtsgewandten Kampagne eine aktuelle Aussage zu verbinden. Man hätte zum Beispiel ein Hitlerbild mit der Schlagzeile „Achtung Verbrecher!“ verbinden können, aber das hielt man wohl für nicht so lustig wie die Sauriergrütze. Vielleicht hatte man auch Angst, mit so etwas Leser zu verschrecken …

    Mein Lieblingsmotiv ist das, auf dem Eva Adam im Paradies einen Apfel hinhält – unter der Schlagzeile „Nicht essen!“ Dass die BILD-Zeitung gern verhindert hätte, dass der Mensch vom Baume der Erkenntnis isst, finde ich eine mutige und für dieses Blatt bemerkenswert ehrliche Selbstauskunft.

    (Volker Strübing)