Kategorie: Zumutungen

  • Goldene Worte eines Rauchers anlässlich seines 60. Geburtstages

    (Mit einer Stimme, ähnlich der, mit der Norbert die Welt erklärt:)

    „45 Jahre ha-ick jeroocht und kann immer noch alle Kerzen auf der Geburtstagtorte mit eim Mal aushusten!“

    Möchte noch jemand ein Stück?

    (Volker Strübing)

  • Hier fährt der Chef noch selbst

    An der Glastür steht „ziehen“. Ich ziehe. Die Tür ist verschlossen. An der Tür nebenan steht „ziehen“. Ich ziehe. Die Tür ist verschlossen. Ich wundere mich. Zuerst darüber, dass man mich offenbar nicht an diesem Ausgang aus dem Hauptbahnhof herauslassen will, dann darüber, dass das Wort „ziehen“ so komisch geschrieben ist. Dann fällt mir auf, dass es offenbar von außen an die Tür geschrieben wurde. Ich drücke und die Tür geht ohne Murren auf.
    Ich falle immer wieder auf solche Glastüraufschriften herein. Es gibt drei Möglichkeiten: 1: Ich bin dumm. 2: Die Glastürbeschriftungsverantwortlichen (GTBV)  sind dumm oder haben sich nie die Mühe gemacht, ihre Machwerke einmal auszuprobieren. 3: Die GTBV sind verbitterte Menschen, die sich wenigstens ein bisschen an der Welt rächen wollen und dafür in Kauf nehmen, die Welt zu verschlechtern und noch mehr verbitterte Menschen herzustellen, die ihrerseits wiederum versuchen sich an der Welt zu rächen, in dem sie zum Beispiel den Fußboden der DB-Lounge im Hauptbahnhof so mit Streifen bemalen, dass einem ganz schwindelig wird, wenn man darüber läuft.

    Heute morgen bin ich zusammen mit Hartmut Mehdorn von Hamburg nach Berlin gefahren, in einem ganz gewöhnlichen, uralten, schimmeligen IC. Ich saß allerdings in der zweiten Klasse bzw. in der Bordkneipe und er in der ersten. Das finde ich aber okay, würde ich uff jeden genauso machen, wenn ich der Chef vons Janze wäre.  Ich würde mir wahrscheinlich sogar einen extra Salonwaggon anhängen. Auch ein schönes Wort: Salonwaggon. Ich glaub, ich geh jetzt duschen und singe es dabei ein bisschen vor mich hin (Hallo lambada, du siehst: Es geht nicht nur dir so!)

    Wir hatten keine Verspätung 🙂

    (Volker Strübing)

    (Volker Strübing)

  • Auwacka

    Auf einen alten Eintrag kam heute ein Kommentar, von dem ich sehr hoffe kann, dass er ein Spaß ist. Unter der Überschrift „Hitler? Was hat der gleich nochmal angestellt?“ habe ich mich darüber aufgeregt, dass Spiegel Online einen Artikel, der davon handelte, dass die G8-Metropole Heiligendamm wegen Schlamperei bis vor kurzem noch Andolf Hitler als Ehrenbürger führte, mit einer Fotostrecke über das dritte Reich und den zweiten Weltkrieg bebilderte – inklusive Stauffenberg-Attentat und Atombombenabwurf auf Hiroshima. Ich fragte mich, ob die mir nicht zutrauen, zu wissen, warum das ein eher zweifelhafter Ehrenbürger ist und was die Atombombe mit Heiligendamm zu tun hat. (Die richtige Antwort kam vom Stralau-Blog: Es geht bei den Bilderstrecken oft nicht um Information oder so, sondern einfach nur um das Generieren von Klicks, damit man die Werbung teuer verkaufen kann …)

    Und nun schrieb keineahnunglady:

    was hat der hitler jezta in kurzen und eigenen wörtern erklärt gmacht???
    etwas peiinlich zu fragen aba egal ihr kennts mich eh nicht persönlich !!
    meine geschichteleherin boah bei der checkt man voll niix!!!

    Nee, nee, das muss ein Witz sein …

    (Volker Strübing)

  • Eine Abkackprämie wäre auch mal ne tolle Idee

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    000-leer Hm. Ist damit das Gegenteil von Intelligent Design gemeint, mithin das, was man Gott vorwerfen müsste, wenn es ihn gäbe? Oder ist das einfach nur „bad Denglish“?

    Worüber ich mich übrigens auch aufregen könnte, das ist die Abwrackprämie. Das ist doch Scheiße. Ganz davon abgesehen, dass ein eventuell positiver Konjunktureffekt schnell verpuffen dürfte, find ichs Kacke, dass nur Autofahrer was davon haben, das ist doch gemein, Alter! Ich will ne Abwrackprämie für meinen ollen Computer, meinen ollen Laptop, meinen ollen Fotoapparat (bis auf den Laptop alles schon über ein Jahr alt!), für meine doofe Wohnung (Abfackelprämie wäre auch okay), für alle ollen Klamotten, den Kühlschrank, die Waschmaschine, den Herd (der Backofen ist kaputt) und rückwirkend für den Palast der Republik. Nur für mein Fahrrad nicht, das habe ich schon 10 Jahre, das wird nicht abgewrackt, da steckt mittlerweile schon mindestens das dreifache des Anschaffungspreises an Reparaturkosten drin.
    Abwrackprämie, hör mir uff. Erinnert mich an die Lumen aus „Unheimliche Erscheinungsformen aus Omega XI“. Weltrettung durch beschleunigten Konsum, klingt super, ich könnt mich aufregen, könnt ich mich.
    Aber ich bin ja zum Glück im Urlaub und gaaanz ruhig … ach, ist das schön hier …
    000-leer
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    000-leer

    (Volker Strübing)

  • Wo Knorkator Recht hat, hat Knorkator Recht

    Alles ist Scheiße!

    zig
    Naja, aber beim nächstenmal klappts …


    (Volker Strübing)

  • Schöne hässliche Wörter

    „Raucher Lounge“ – wunderbar, dieser dezente Hinweis auf die Raucherlunge.

    „Lampen Outlet“ (gesehen in der Invalidenstraße) – haha, was soll denn das heißen? Lampen auslassen?! Wer Deutsch und Englisch so zusammenschmeißt, darf sich nicht wundern, wenn man ihn auslacht. Ich erinnere mich immer gerne an einen „Bad Shop“ in Dresden, in dem Duschen, Badewann und Klos verkauft wurden, schlechte, wie ich annehme.
    Na, hier wird wenigstens zum Energiesparen aufgerufen.

    (Volker Strübing)

  • Schornsteinfeger bringen Pech

    Ich bin ja selber Schuld. Ich hätte nie, nie, nie mit Rauchen auffhören dürfen! Man soll das Schicksal nicht herausfordern. Hatten mich nicht alle gewarnt? Habe ich nicht genug schlimme Geschichten über Ex-Raucher gehört? Da gab es die von dem Mann, der seine letzte Zigarette ausdrückte und prompt sieben Jahre später von einem Auto überfahren wurde. Andere glaubten schon, dem Schicksal ein Schnippchen geschlagen zu haben und starben urplötzlich mit 85 Jahren an Altersschwäche. Wieder andere gewannen nie mehr einen Lottojackpot oder das Marmeladenbrot fiel ihnen auf die belegte Seite!

    Nachdem mein erster Nichtrauchernachmittag sich zur Hölle auf Erden auswuchs nicht ganz so schön wurde, wie ich es geplant hatte, wollte ich es heute ganz anders machen: Ich holte mein Fahrrad von einer Reparatur und gründlichen Überholung (190,-Euro), mein gutes altes Fahrrad, an dem inzwischen bloß noch der linke Schalthebel, der Lenker und der Rahmen original sind (vielleicht ist auch bloß der linke Schalthebel noch wirklich original, vielleicht waren Lenker und Rahmen schon Ersatzteile, als ich es 1999 für 800 Mark gebraucht kaufte). Das zweitälteste Ausstattungsstück ist ein kleiner Blutfleck an der Unterseite des Lenkers, von einem bösen Sturz im weinbergspark vor fünf oder sechs Jahren. Nee, geputzt habe ich es nie. Aber inzwischen wahrscheinlich das fünffache des Ausgangspreises in Reparaturen und diese ständig kaputtgehenden oder verschwindenden Fahrradcompüterchen gesteckt, ohne die das Fahrradfahren einfach keinen Spaß macht und einem vollkommen sinnlos erscheint, weil man zwar von A nach B kommt, aber keinen greifbaren Beweis  und keine Belohnung in Form einer Tagesgesamtstreckenanzeige hat, und meistens fährt man ja von B dann auch wieder zurück nach A, und was bleibt einem dann ohne Fahrradcomputer?

    Egal.

    Das erste mal bin ich erst nach ungefähr 6 Kilometern hingefallen. In einem Park irgendwo in oder hinter Pankow. Die Weg waren spiegelglatt, da ging gar nichts mehr, aber zum Glück war ich sehr langsam und der Sturz nicht schlimm.

    So sah der Park aus:

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    Dann fuhr ich weiter, irgendeine Straße entlang, keine Ahnung wo ich war. Vielleicht sollte ich den Fahrradcomputer gegen ein Navi austauschen? Dann wäre Fahrradfahren noch schöner; wahrscheinlich sogar das Allerschönste auf der ganzen Welt. (Gleich nach Rauchen, aber das mache ich ja nicht mehr.) Jedenfalls: ich so mit dem Fahrrad voll ordnungsgemäßmäßig aufm Fahrrradweg gefahren. Überholt mich so n Auto. Fährt das Auto auch auf den Fahrradweg und parkt vor mir, denn merke: Ein weißes Fahrrad im blauen Kreis bedeutet in Wirklichkeit nicht „Fahrradweg“, sondern „Sonderparkzone für Autos“, das lernt man gleich am ersten Tag in der Fahrschule (nehme ich zumindest an, denn schließlich scheint das die einzige Regel zu sein, an die sich alle Führerscheininhaber erinnern). Fahr ich also von der Sonderparkzone runter. Aber nicht etwa auf den richtigen Fahrradweg (der ist meist nicht extra ausgeschildert, wird aber manchmal durch Leute gekennzeichnet, die lustigerweise „Das ist KEIN Fahrradweg“ sagen), sondern auf die Straße, weil ich sonst durch einen Baum hätte fahren müssen. Fröhlich fliegt die Fahrertür des Autos auf – aber nicht bös gemeint, sondern so, dass ich noch ausweichen kann, sogar ohne von einem erbarmungslosen Strom nachfolgender Autos plattgewalzt zu werden – und dem Wagen entsteigt: ein Schornsteinfeger!

    Ich denke, aha, ein Schorrnsteinfeger (oder so, irgendwas werde ich schon gedacht haben, man denkt ja ständig irgendwas und oft ist es eben sowas banales wie: „aha, ein Schornsteinfeger“) und will wieder von der Straße runter, ah! da ist ja eine Auffahrt, ach nee, doch nicht, da haben sie eine kleine, nur ein paar halbe Zentimeter hohe, fast unsichtbare Kante übriggelassen, aber bei dem spitzen Winkel, mit dem ich sie nehme, fährt mein Vorderrad einfach weiter auf der Straße, während das Hinterrad von der Straße herunter will und es gibt ein lustiges Schabegeräusch und dann ein lustiges Hinfallgeräusch und dann ein lustiges Huch-Geräusch von mir und ein Schornsteinfeger läuft an mir vorbei und fragt: „Geht’s?“ und ich sage: „Ja“.

    Und dann stehe ich auf und stelle fest, dass es nicht geht, zumindet wenn „es“ den linken Schalthebel meint, das einzige, was von meinem Originalfahrrad noch übrig ist. Und dann fällt mir ein, dass ja eigentlich der Schornsteinfeger Schuld ist, dass mein Fahrrad kaputt ist und mir Hand und Knie weh tun und ich frage mich, ob ich ihn dafür ankacken kann und soll und will, aber ich frage mich das erst, als er schon auf dem Friedhof verschwunden ist, denn – das habe ich noch gar nicht erwähnt – all das spielt sich vor einem evangelischen Friedhof ab, und ich habe keine Lust, den Friedhof nach ihm abzusuchen, vielleicht ist er ja auch zum Sterben hingegangen und dann will ich ihn da auf keinen Fall bei stören, aber wahrscheinlich guckt er bloß nach, ob beim Einäschern die Emisionsgrenzwerte nicht überschritten werden oder so.

    Wäre der zu Schadenersatz oder so verpflichtet gewesen?

    Jeddenfalls hatte ich danach dann nicht mehr so große Fahrradfahrlust, zumal ich vorne nur noch auf dem kleinen Zahnkranz herumschleichen konnte und mich nocheinmal hinpackte, als der herumschlackernde Baudenzug (der glaub ich anders geschrieben wird) sich in der Pedale verhedderte.

    Aber dafür hat der Rosenkohleintopf aufgewärmt viel besser geschmeckt als heute. Und morgen kann ich mein Fahrrad auch schon wieder aus der Reparatur holen und mich in neue Abenteuer stürzen. Weiß jemand wo’s billige Navis gibt?

    (Volker Strübing)

    PS: Mannmannmann, in der Zeit, in der ich den ganzen Kram hier geschrieben habe, hätte ich auch 10 Zigaretten rauchen können. Aber nee! Ich Trottel muss ja ausgerechnet mit Rauchen aufhören!

  • Auf ein Neues …

    Gestern habe ich endlich das fertige, überarbeitete Manuskript an den Verlag geschickt. Seit Ende Mai war ich nun fast ununterbrochen irgendwie mit Nicht der Süden beschäftigt. Jetzt steht nur noch Kleinkram an. Da dachte ich mir: Mensch Volker, machste Dir mal nen freien Nachmittag und Abend, kochst einen Rosenkohleintopf, guckst einen schönen Zombiefilm und hörst zur Feier des Tages mal wieder mit Rauchen auf. Pustekuchen: Den Nachmittag sprengten nikotinmangelstrapaziertenervenzerreißende Telefongespräche und Emails, der Rosenkohleintopf ist misslungen und der Zombiefilm war zum Einschlafen langweilig. Ich versuche, es wie Spinne zu sehen: Ist doch prima, da hat die Nichtraucherei gleich die erste Bewährungsprobe bestanden!

    Mal gucken, wie lange ich diesmal durchhalte. Das letzte Mal waren es zweieinhalb Tage, das Mal davor immerhin vier Wochen.

    (Volker Strübing)

  • Anno 2009

    Ich bin so blöd, echt! Am 31.12 18.00 Uhr habe ich endlich mein Rohmanuskript an den Verlag geschickt und dachte, dass ich mir mal drei, vier Tage Nichtstun erlauben kann – Pustekuchen! Irgendein Idiot (ich selbst um genau zu sein) hat mir zu Weihnachten das Aufbaustrategiespiel „Anno 1701“ geschenkt. Dabei hätte ich doch von „Die Siedler 3“ wissen müssen wo das hinführt. 2008 war das erste Jahr seit anno sonstewann, in dem ich nicht drei Wochen oder länger komplett weg vom Fenster war, weil ich von dem Scheißspiel nicht losgekommen bin und da dachte ich, ich könnte es mal wieder probieren und vielleicht habe ich ja Glück und „Anno 1701“ ist total doof und ich schmeiße es nach 3 Stunden wieder von der Festplatte. Nix da. Eigentlich wollte ich gestern wieder ins Leben zurückkehren, aber ich sitze immernoch an dem Mist. Aber morgen ist Schluss! Oder übermorgen!

    Wenn es wenigstens entspannend wäre! Stattdessen muss man sich konzentrieren wie ein Fluglotse, sonst brennen einem die Bürger die Stadt nieder, weil der Alkohol alle ist oder der Tabak oder auch die Nahrungsmittel. Und nachts legt man sich ins Bett und kann nicht einschlafen, weil man über die Optimierung der Handelsrouten nachdenkt und dazu im Hinterkopf den Soundtrack zum Spiel hört. Um überhaupt schlafen zu können, muss man sich entweder völlig betrinken oder stundenlang lesen. Ich lese gerade „América“ von T.C. Boyle. Sehr spannend, vielleicht ein bisschen zu konstruiert, vor allem aber extrem deprimierend. Auf dem Rücken des Buches steht ein Zitat von einem Reed Stillwater aus der Taz: „Bittere Situationskomik, die noch im Moment der Katastrophe zum Lachen reizt“ – das muss ein Druckfehler und eigentlich für ein anderes Buch gedacht gewesen sein. Oder ich habe über dem Compuzterspielen meinen Sinn für Humor komplett verloren. „América“ kann man nur lesen, wenn man parallel irgendeinen fröhlichen Schmöker schmökert, um sich ein bisschen aufzumuntern. Kafka oder Houllebecq oder so. Ich lese parallel: „I hate myself and I want to die“ – ein Buch über „die 52 deprimierendsten Songs aller Zeiten“. Ich habe aber den Eindruck, der Autor meinte eigentlich die 52 schlechtesten Songs aller Zeiten, er schimpft über schnulzige Texte, eintönige oder schräge Musik, jaulenden Gesang und so und das sehr lustig. Die Lieder über die ich bis jetzt etwas gelesen habe, kannte ich meistens nicht und wenn, dann fand ich sie auch doof. Laut Inhaltsverzeichnis nimmt er sich auch noch „Love will tear us apart“ von Joy Division vor. Mal gucken, was er darüber schreibt, danach entscheide ich, ob mir das Buch gefällt.

    So, und jetzt werde ich rasch meine Armee aufbauen und endlich Gräfin Agatha von Thielen überfallen.

    Euch ein frohes neues Jahr und viel Spaß im sogenannten wahren Leben!

    (Volker Strübing)

  • Theodizee

    Volker hat neulich in was schlimmes reinge“zappt“ (Unwortpremiere!) und daran die Theodizeefrage neu gestellt. Aber das hier, das ist so obszön, das könnte nicht nur nicht ein Gott, das könnte nicht mal der Teufel je gewollt haben.

    (Andreas Krenzke)