Kategorie: Zumutungen

  • Ja, ich bin wieder zuhause

    Morgens um 9 bei Schlecker:

    – Oh, nee! Hamset neh kleena?

    – Nein. Sorry.

    – Och Mensch, immer morgens kommse alle mit ihren großen Scheinen!

    – Naja, das ist ein Zwanziger.

    – Mannmannmann … könnse nich mal gucken, obse 1,39 klein haben?!

    – Hab ich nicht. (Guckt trotzdem nach, findet 1,35 und hält sie der Verkäuferin hin.)

    (Zögert eine Sekunde, überlegt, ob sie die 4 Cent erlassen soll, entscheidet sich dann dagegen: Erstens aus Prinzip und zweitens schon gleich gar nicht so einem Arsch, der es wagt, um 9 mit einem 20 Euro Schein zu bezahlen.) Mannmannmann, immer am frühen Morgen kommse mit den großen Scheinen! Wo soll ich denn morgens so viel Kleingeld hernehmen.

    (Bekommt ein schlechtes Gewissen, weil er vor dem Einkauf nicht  Geldwechseln war, um ihr das Geldwechseln vor der Ladenöffnung zu ersparen. Ahnt, dass er ein schlechter Mensch ist.) Tut mir leid. Aber ich kauf hier ja nicht ein, um sie zu ärgern.

    – Jaja. Jetzt hab ich kein Kleingeld mehr. Immer am frühen Morgen, Mannmannmann!

    – Naja, aber dafür hab ich jetzt welches für den nächsten Laden.

    – Davon kann ich mir och nüscht koofen. Schönen Tach noch!

    Davon abgesehen (vielleicht aber auch ein klitzekleines bisschen deswegen) ist es schön, wieder in Berlin zu sein.

    (VS)

  • Auch das noch!

    Hab mir aus Deutschland ein kleines Fläschchen Shampoo namens „Fresh Kick“ mitgebracht und heute morgen entdeckt, dass es Guarana-Extrakt enthält. Nachdem sie Jahre lang Vitamine da reingemischt haben, sollen wir uns jetzt auch noch Koffein ins Haar schmieren! Was kommt als nächstes? Acetyl-Salicyl-Säure für die Morgenkopfwäsche nach einer langen Partynacht? Oder gleich Butter? Vielleicht kann man ja Fett auch durch die Haarspitzen zu sich nehmen?! Ach nee … dann wären manche Leute Selbstversorger …

    (VS)

  • Genfrei und gedankenlos

    genfrei

    Ich weiß schon, dass die das nicht so meinen oder zumindest hoffe ich das. Aber warum schreiben die dann solchen Blödsinn? „Genfrei“! Herrje! Weg mit den Genen, oder wie? Werde ich als Gen-Besitzer verkloppt oder ausgebuht, wenn sie genfrei an mir vorbeimaschieren? Und warum nicht gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen und unter dem Motto „Genfrei gehen und atomlos loofen“ die Welt retten?! Atome sind doch auch so ein neumodisches Teufelszeug.

    (V.S.)

  • Gedanke beim Kaffeetrinken

    Vielleicht sollte man einfach nicht zuviel erwarten von der Menschheit. Ich meine, Atombomben bauen und zum Mond fliegen und das Internet erfinden und so Krimskrams, das klappt ja ganz gut, aber solange das Problem der spritzenden Kaffeesahnedöschen nicht gelöst ist, sollten wir uns an die großen Brocken (Hunger, Gewalt, Umweltzerstörung, Telefonhotlines, um nur die schlimmsten zu nennen) vielleicht gar nicht erst heranwagen.

    kaffeesahne

    Probleme zu schaffen ist halt einfacher als sie aus der Welt zu schaffen. Die Klimakatastrophe ist ein Beispiel dafür, die Kaffeesahnedöschen sind ein anderes. Auf die Gefahr hin, als Ostalgiker abgestempelt zu werden: 20 Jahre Mauerfall, das heißt für mich – sicher nicht in erster Linie, aber eben auch – :  20 Jahre spritzende Kaffeesahnedöschen, 20 Jahre, in denen sich nichts daran geändert hat. In Anlehnung an die (und in tiefer Abscheu vor der) „Aber immerhin hat er die Autobahnen gebaut“-Fraktion, möchte ich dem pathetischen Wendegejubel ein grantiges „Aber immerhin hatten wir Blechkaffeesahnekännchen!“ entgegenschleudern.

    (V.S.)

    (V.S.)

  • Statt statt Inhalt

    Gerade habe ich ein Wahlplakat der Tierschutzpartei mit dem sprachlich etwas wackeligen Slogan „Alternativmethoden statt Schwächere zu missbrauchen“ gelesen. Diese Form der Werbung ist ja recht beliebt. In der Uckermark hingen Plakate der CDU, auf denen „Taten statt Bürokraten“ gefordert wurde. Eine sehr mutige Aussage, wenn man bedenkt, dass sie damit alle potentiellen Wähler, die lieber Bürokraten als Taten hätten, vergrätzen. Da sieht man doch gleich, dass sie es ehrlich meinen.
    Ich hatte nun die Idee, ins Wahlwerbegeschäft einzusteigen und den etablierten Werbeagenturen mit Dumpingpreisen die Kunden abzuknöpfen, indem ich individualisierbare Standard-Wahlwerbesets zum günstigen Preis anbiete. Einfach Plakate mit Slogans wie „Gute Politik statt schlechte Politik“ oder „Was sie sich wünschen statt was sie doof finden“ oder „Sonnenschein statt Zahnschmerzen“. Rechts unten in der Ecke könnten die Parteien einen Aufkleber mit ihrem Namen aufkleben. Kleine Parteien, die nicht genug Geld haben, könnten auch nachts heimlich den Aufkleber auf den Plakaten  der anderen durch ihren eigenen ersetzen, das würde dem Pluralismus guttun.
    In diesem Sinne:
    Buchstaben statt Kinderpornos. www.schnipselfriedhof.de

    (V.S.)

    PS: Eigentlich müsste ich mich ja freuen, dass sich die SPD mit ihrer Kampagne „(irgendetwas negatives) würde (gegnerische Partei) wählen“ etwas urst originelles hat einfallen lassen. Haha, ein Finanzhai, der FDP wählen würde, für die ganz dummen noch als grinsender Haifisch im Anzug visualisiert, man reiche mir den Holzhammer, ich muss den Wähler überzeugen … aber ich kann halt nur meckern, meckern, meckern und stelle mir dabei immer sofort ein leeres Plakat mit dem Slogan „Niemand würde SPD wählen“ vor.

  • Entschuldigung

    Eigentlich hätte ich gestern in Karlsruhe Geschichten vorlesen sollen, aber wir haben den Auftritt kurzfristig am Abend zuvor abgesagt. Nee, nich wegen Krankheit, sondern weil es sowenige Vorbestellungen gab. Für das Theater hätte sich das Öffnen wohl kaum gelohnt und ich wäre zwei Tage unterwegs gewesen und hätte am Ende tüchtig draufgezahlt, da es nur einen Anteil am Eintrittsgeld gab; keine Garantiesumme, keine Fahrtkostenrückerstattung.

    Wahrscheinlich hätte ich das sofort hier posten sollen, in der Hoffnung, dass die, die kommen wollten, vorher nochmal hier reingucken. Es tut mir sehr leid, wenn Leute umsonst dorthin gegangen oder gefahren sind. Bitte entschuldigt.

    Gestern Abend ist mir dann gleich nochwas unangenehmes passiert. Ich war spazieren, traf Freunde und wir landeten auf ein Bier im Mauersegler. Und dort fand prompt eine Lesebühne statt, der Brandmelder, von dem ich noch nichts wusste. Es waren wenig Leute da und als es anfing, standen wir auch noch auf und gingen. Da ich diese Situation sehr gut von Bühnenseite aus kenne, war mir das ziemlich peinlich … aber wir waren nunmal einfach zum Biertrinken und reden gekommen, da konnten mich auch Neugier und schlechtes Gewissen mich nicht bei der Veranstaltung halten.

    (V.S.)

  • Punk’s not nett?

    Gestern, S-Bahnhof Schönhauser Allee: Zwei Punks und ein Pulk von Hunden sitzen rum und zwar mitten im Weg, den die ordentlichen Bürger zur Arbeit oder zum Einkaufen entlanggehen. Ich selbst ging gerade müßig, aber genervt haben sie mich auch, wenn auch nicht so sehr wie den freundlich ausschauenden älteren Herren im grauen Blazer, der etwas, was er selbst wohl als Zivilcourage bezeichnet hätte, bewies, als er die beiden ankeifte:  „Habt ihr ein Glück, dass Demokratie ist, sonst hättense euch schon längst weggeschafft!“

    Wahrscheinlich hat jeder schonmal Ähnliches erlebt. Der Mann war bestimmt kein Nazi, aber ein Demokrat aus tiefstem Herzen war er sicher auch nicht. Wenn ich darüber nachdenke, wird mir ganz übel. Ich frage mich, wie viele Leute jederzeit „umkippen“ könnten, egal wie grundgesetzestreu sie bisher sind. Vielleicht liegt das an der Erfahrung von ’89/’90, als ich gesehen habe, wei Menschen, die eben noch gegen konterrevolutionäre Elemente gewettert hatten, auf einmal versuchten, beim Verhökern und Abwickeln der „Kampfplätze für den Frieden“ den besten Schnitt zu machen und geschmeidig in ein Leben als Klassenfeind hineinzurutschen. Es ist ein großes Glück, dass damals auch die, die Eide, Gelöbnisse und Schwüre auf die Verteidigung des Sozialismus geleistet hatten, all dies von einem Tag auf den anderen über Bord warfen. Allerdings hat es auch ein gewisses Misstrauen gegenüber der Beständigkeit von Überzeugungen mit sich gebracht. Wie viele von denen, die sich heute als Demokraten bezeichnen oder einen Eid auf das Grundgesetz abgelegt haben, könnten genauso von einem Tag auf den anderen zu einem Rädchen in einer Vernichtungsmachinerie werden?

    (V.S.)

  • KLoß und Spinne in Gefahr!

    „loaded: /windows/system32/drivers/crcdisk“ – das war das letzte was mein Rechner heute Morgen beim Starten im abgesicherten Modus von sich gab. Immer wieder habe ich ihn neu gestartet, habe geschümpft und gedroht und ihm auch einen kleinen Klaps gegeben, aber das blieb sein letztes Wort. Die in Arbeit befindliche Kloß-und-Spinne-Folge ist natürlich noch nicht gesichert 🙁 Dabei war sie fast fertig, inklusive einer aufsehenerregenden Szene im Wohnzimmer von Kloßens Mutter (naja, so aufsehenerregend nun auch wieder nicht). Morgen kann ich den Computer beim Computerheilemachdienst um die Ecke abgeben. Vielleicht, vielleicht, vielleicht, kann ich ihn abends wieder abholen – dann bleibts bei der Premiere am Donnerstag bei der Chaussee – vielleicht ohne solchen Schnickschnack wie Vor- und Abspann, aber immerhin.
    Aber versprechen kann ich nichts …

    (V.S.)

    UPDATE, 16.30 Uhr: Alles ist gut. Naja, nicht alles, aber zumindest, was meinen Computer angeht. Ich habe ihn dazu gezwungen, sich selbst zu reparieren. Der Trick ging so: Ich habe ihn nochmal gestartet, und dann, als er wieder bei „loaded: /windows/system32/drivers/crcdisk“ hängenblieb, habe ich ihn urst fies angeguckt und leise und drohend „Linux“ gesagt und „Denk drüber nach!“ Und dann habe ich eine Viertelstunde geduscht und siehe da, als ich zurückkam, lief er, hatte zwar ein schmollendes „abgesicherter Modus“ in allen vier Ecken des Bildschirms stehen, aber immerhin. Dann habe ich erstmal ein paar Daten gesichert, ihn dann neugestartet, woraufhin er ewig irgendwelche Dateisystemüberprüfungen vornahm und irgendwelchen Krempel löschte oder reparierte und jetze geht wieder alles.
    So einen Linux-Bootstick werde ich mir trotzdem mal machen – und wenn er nur als Drohung in der Schreibtischschublade steckt. Danke nochmal für die Tips!

  • So ein Mixa!

    „Der katholische Bischof Walter Mixa hat über einen zunehmend aggressiven Atheismus in Deutschland geklagt.“

    Eine schöne Erwiderung gibt es hier.

    Eigentlich fast komisch, wie Mixa alles schlechte in der Welt der Gottlosigkeit zuschreibt, darunter auch den Hunger und die Tatsache, dass vielen Menschen ein gerechter Lohn vorenthalten wird. Müssen himmlische Zeiten gewesen sein, damals, als die Kirche die Gottlosigkeit noch bekämpfen durfte, als Krieg und Prostitution unbekannt waren und alle gerecht entlohnt mit vollen Bäuchen zu Bett gingen und ein Dankgebet sprachen.

    (V.S.)

  • Der ewige Kreislauf der Jahreszeiten …

    Der Winter ist gegangen, der Herbst fängt an …

    (V.S.)