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  • Genfrei und gedankenlos

    genfrei

    Ich weiß schon, dass die das nicht so meinen oder zumindest hoffe ich das. Aber warum schreiben die dann solchen Blödsinn? „Genfrei“! Herrje! Weg mit den Genen, oder wie? Werde ich als Gen-Besitzer verkloppt oder ausgebuht, wenn sie genfrei an mir vorbeimaschieren? Und warum nicht gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen und unter dem Motto „Genfrei gehen und atomlos loofen“ die Welt retten?! Atome sind doch auch so ein neumodisches Teufelszeug.

    (V.S.)

  • Gedanke beim Kaffeetrinken

    Vielleicht sollte man einfach nicht zuviel erwarten von der Menschheit. Ich meine, Atombomben bauen und zum Mond fliegen und das Internet erfinden und so Krimskrams, das klappt ja ganz gut, aber solange das Problem der spritzenden Kaffeesahnedöschen nicht gelöst ist, sollten wir uns an die großen Brocken (Hunger, Gewalt, Umweltzerstörung, Telefonhotlines, um nur die schlimmsten zu nennen) vielleicht gar nicht erst heranwagen.

    kaffeesahne

    Probleme zu schaffen ist halt einfacher als sie aus der Welt zu schaffen. Die Klimakatastrophe ist ein Beispiel dafür, die Kaffeesahnedöschen sind ein anderes. Auf die Gefahr hin, als Ostalgiker abgestempelt zu werden: 20 Jahre Mauerfall, das heißt für mich – sicher nicht in erster Linie, aber eben auch – :  20 Jahre spritzende Kaffeesahnedöschen, 20 Jahre, in denen sich nichts daran geändert hat. In Anlehnung an die (und in tiefer Abscheu vor der) „Aber immerhin hat er die Autobahnen gebaut“-Fraktion, möchte ich dem pathetischen Wendegejubel ein grantiges „Aber immerhin hatten wir Blechkaffeesahnekännchen!“ entgegenschleudern.

    (V.S.)

    (V.S.)

  • Statt statt Inhalt

    Gerade habe ich ein Wahlplakat der Tierschutzpartei mit dem sprachlich etwas wackeligen Slogan „Alternativmethoden statt Schwächere zu missbrauchen“ gelesen. Diese Form der Werbung ist ja recht beliebt. In der Uckermark hingen Plakate der CDU, auf denen „Taten statt Bürokraten“ gefordert wurde. Eine sehr mutige Aussage, wenn man bedenkt, dass sie damit alle potentiellen Wähler, die lieber Bürokraten als Taten hätten, vergrätzen. Da sieht man doch gleich, dass sie es ehrlich meinen.
    Ich hatte nun die Idee, ins Wahlwerbegeschäft einzusteigen und den etablierten Werbeagenturen mit Dumpingpreisen die Kunden abzuknöpfen, indem ich individualisierbare Standard-Wahlwerbesets zum günstigen Preis anbiete. Einfach Plakate mit Slogans wie „Gute Politik statt schlechte Politik“ oder „Was sie sich wünschen statt was sie doof finden“ oder „Sonnenschein statt Zahnschmerzen“. Rechts unten in der Ecke könnten die Parteien einen Aufkleber mit ihrem Namen aufkleben. Kleine Parteien, die nicht genug Geld haben, könnten auch nachts heimlich den Aufkleber auf den Plakaten  der anderen durch ihren eigenen ersetzen, das würde dem Pluralismus guttun.
    In diesem Sinne:
    Buchstaben statt Kinderpornos. www.schnipselfriedhof.de

    (V.S.)

    PS: Eigentlich müsste ich mich ja freuen, dass sich die SPD mit ihrer Kampagne „(irgendetwas negatives) würde (gegnerische Partei) wählen“ etwas urst originelles hat einfallen lassen. Haha, ein Finanzhai, der FDP wählen würde, für die ganz dummen noch als grinsender Haifisch im Anzug visualisiert, man reiche mir den Holzhammer, ich muss den Wähler überzeugen … aber ich kann halt nur meckern, meckern, meckern und stelle mir dabei immer sofort ein leeres Plakat mit dem Slogan „Niemand würde SPD wählen“ vor.

  • Wenig hilft wenig – hoffe ich!

    Vor einer Weile hatte ich eine Sehnenscheidenentzündung. Ein lieber Kollege empfahl mir eine Salbe, die er in solchen Fällen zu verwenden pflegte, und auf deren Wirkung er schwor. „Abends richtig dick einschmieren und dann einen Verband drum“, empfahl er mir. „Richtig dick! Du weißt doch: Viel hilft viel!“

    Vielleicht versteht man, wie verwundert ich nach dem Kauf der Salbe war, als ich feststellte, dass es ein homöopathisches Medikament war …

    Ich glaub ja nicht an Homöopathie. Erstens halte ich es für Hokus Pokus und zweitens könnte ich keinen Schluck Wasser mehr trinken, ohne mich zu ekeln. Mir ist nämlich neulich etwas aufgefallen: Grob gesagt geht es doch bei der Homöopathie darum, Substanzen soweit zu verdünnen, dass sie, im Falle der Hochpotenzen, gar nicht mehr nachweisbar sind. Auf irgendeinem magischen Wege soll die Trägersubstanz – Wasser oder Alkohol meist – aber irgendwelche ominösen Informationen behalten und ihr gutes Werk verrichten. Wenn da etwas dran ist, dann heißt das doch aber auch, dass das Wasser, dass wir trinken, letzlich homöopathische Scheiße ist, außerdem homöopathischer Urin, homöopathische Fischleichen, homöpathische Spucke  – ich hab zum Beispiel vor ein paar Jahren mal in einen See gespuckt.

    Entweder ist Homöopathie gequirlte oder Trinkwasser homöopathische Scheiße und mir wäre ersteres lieber.

    (Wahrscheinlich werden die Homöopathieanhänger einwenden, dass das Quatsch sei, weil ich beim Spucken nicht „Abrakadrabra“ gesagt oder die Spucke nicht in der richtigen Richtung in den See eingerührt habe, und weil die Fischleichen nicht ordnungsgemäß im Wasser verrieben wurden und weil außerdem und überhaupt und sowieso nur die guten Informationen erhalten bleiben.)

    (V.S.)

    PS: Die Salbe hat übrigens prima geholfen, danke nochmal für den Tip. Ich nehme an, es lag daran, dass sie neben der homöpathischen Substanz noch ganz „normale“ Bestandteile enthielt. Als Wirksamkeitsbeleg werte ich das daher nicht. Das ist so, als würde man einer Aspirin noch ein homöopathisches Schmerzmittel beimischen und dann sagen: Na bitte, es funktioniert.

    PPS: Ich hoffe, alle netten Homöopathieanhänger, insbesondere die aus meinem Bekanntenkreis, sind nicht zu sauer wegen der „gequirlten Scheiße“.

  • Neuigkeiten I

    Das Verlagsprogramm ist raus, nun ist es auch offizell: Im Herbst wird bei Voland & Quist eine DVD mit den gesammelten „Kloß und Spinne“-Folgen erscheinen.
    Eins gleich vorweg: Nein man wird NICHT von nun an bezahlen müssen, wenn man Kloß und Spinne sehen will. Die DVD wird die bisher 16 auf YouTube veröffentlichten Folgen enthalten. Neue Folgen – wenn ich denn endlich mal wieder dazu komme – werden auch weiterhin ins Netz gestellt. Damit stellt sich natürlich die Frage, was die DVD dann eigentlich soll …
    Zum einen habe ich alle Folgen nocheinmal angelegt, sie werden noch einaml neu exportiert, in guter Auflösung, ohne grüne Ränder um die Köpfe und so. Sieht sehr schick aus. (Für Traditionalisten gibt es die sehr groben ersten drei Folgen auch nochmal in der Originalfassung 😉 Ein paar klitzekleine Kleinigkeiten sind dazu gekommen; nüscht inhaltliches nur die eine oder andere neue Geste. Außerdem gibt es ein bisschen Bonusmaterial: Sonstige Videos, die ich gedreht habe (veröffentlichte und vielleicht das eine oder andere unveröffentlichte) und eventuell ein Making-Of, aber das kann ich noch nicht versprechen, weil ich gerade ziemlich viel zu tun habe – dazu mehr in ein paar Tagen unter der Überschrift „Neuigkeiten II“.
    Zu guter Letzt würden sich der Verlag und ich sehr freuen, wenn die DVD gekauft wird. Und bestümpt würden sich auch die freuen, die sie zum Beispiel zu Weihnachten geschenkt kriegen …

    Viele Grüße aus Bonn

    (V.S.)

  • Schön ist’s in der Uckermark …

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    … wieso war ich dort eigentlich noch nie? Nur ne dreiviertel Stunde fährt man von Gesundbrunnen nach Dingsbums, wo man sich noch in Petras Bistro mit Nudeln mit Gulasch stärken und bei Bedarf geistigen Beistand in der Radwander-Kirche holen kann bevor man  auf wunderbaren aphaltierten Radwegen durch herzallerliebtste Natur fährt. (Die Kombination Wald und Asphalt reimt sich und ist auch ansonsten eine reine Freude.)

    Großartiges Neuigkeiten gilt es zudem zu verkünden: Ich habe einen neuen Lieblingskeks. Es ist eine typisch uckermärkische Keksspezialität Ich habe ihn bei Plus gekauft. Manche mögen einwenden, dass ich ein Trottel bin, der sich davon hat übertölpeln lassen, dass auf der Verpackung unter dem Firmenlogo „… dein Lieblingskeks“ steht, insbesondere wenn sie erfahren, dass ich diesen Keks noch gar nicht gekostet habe. Aber warum soll es nicht auch eine platonische, jungfräuliche Liebe zu einem Lebensmittel geben? Verliebt habe ich mich in denKeks wegen des Namens: Edel-Mürbchen. Was so heißt muss gar nicht mehr schmecken.

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    Hornissen haben gegenüber Wespen den Vorteil, dass sie so groß sind, das man sie nicht versehentlich runterschlucken kann. Man müsste vorher ein paar mal kauen und sie am besten sowieso in mehreren Happen mit Messer und Gabel essen.

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    Dieses Tierchen dürfte heute einen mächtigen Kater haben.

    (V.S.)

    PS: Was ganz anderes: In der Zeit gab es ein Dossier zu der Frage, ob es eine Möglichkeit gibt, dem Zwang zum Wirtschaftswachstum zu entkommen. Sehr lesenswert, am besten auf einer Zugfahrt in die Uckermark, an einem schönen Sommermorgen in der Uckermark, zur Not auch im Internet (inzwischen wahrscheinlich auch in der Uckermark verfügbar).

  • Verlängertes Wochenende

    Lidlkids

    Ich bin zwar nicht mit den Kids auf dem Spielplatz bei Lidl, komme aber trotzdem kaum zum Bloggen. Wird die nächsten Tage ziemlich wenig los sein hier. Ich habs ja nicht mal geschafft, mich vernünftig um die angestoßenen Diskussionen zu kümmern, trotz ausgefallener Karlsruhe-Reise.

    Aber schon in den nächsten Tagen kann ich dieses Foto veröffentlichen ( das heißt, ich könnte es, wenn ich es nicht jetzt schon verbraten hätte):

    babyback

    (V.S.)

  • Entschuldigung

    Eigentlich hätte ich gestern in Karlsruhe Geschichten vorlesen sollen, aber wir haben den Auftritt kurzfristig am Abend zuvor abgesagt. Nee, nich wegen Krankheit, sondern weil es sowenige Vorbestellungen gab. Für das Theater hätte sich das Öffnen wohl kaum gelohnt und ich wäre zwei Tage unterwegs gewesen und hätte am Ende tüchtig draufgezahlt, da es nur einen Anteil am Eintrittsgeld gab; keine Garantiesumme, keine Fahrtkostenrückerstattung.

    Wahrscheinlich hätte ich das sofort hier posten sollen, in der Hoffnung, dass die, die kommen wollten, vorher nochmal hier reingucken. Es tut mir sehr leid, wenn Leute umsonst dorthin gegangen oder gefahren sind. Bitte entschuldigt.

    Gestern Abend ist mir dann gleich nochwas unangenehmes passiert. Ich war spazieren, traf Freunde und wir landeten auf ein Bier im Mauersegler. Und dort fand prompt eine Lesebühne statt, der Brandmelder, von dem ich noch nichts wusste. Es waren wenig Leute da und als es anfing, standen wir auch noch auf und gingen. Da ich diese Situation sehr gut von Bühnenseite aus kenne, war mir das ziemlich peinlich … aber wir waren nunmal einfach zum Biertrinken und reden gekommen, da konnten mich auch Neugier und schlechtes Gewissen mich nicht bei der Veranstaltung halten.

    (V.S.)

  • Punk’s not nett?

    Gestern, S-Bahnhof Schönhauser Allee: Zwei Punks und ein Pulk von Hunden sitzen rum und zwar mitten im Weg, den die ordentlichen Bürger zur Arbeit oder zum Einkaufen entlanggehen. Ich selbst ging gerade müßig, aber genervt haben sie mich auch, wenn auch nicht so sehr wie den freundlich ausschauenden älteren Herren im grauen Blazer, der etwas, was er selbst wohl als Zivilcourage bezeichnet hätte, bewies, als er die beiden ankeifte:  „Habt ihr ein Glück, dass Demokratie ist, sonst hättense euch schon längst weggeschafft!“

    Wahrscheinlich hat jeder schonmal Ähnliches erlebt. Der Mann war bestimmt kein Nazi, aber ein Demokrat aus tiefstem Herzen war er sicher auch nicht. Wenn ich darüber nachdenke, wird mir ganz übel. Ich frage mich, wie viele Leute jederzeit „umkippen“ könnten, egal wie grundgesetzestreu sie bisher sind. Vielleicht liegt das an der Erfahrung von ’89/’90, als ich gesehen habe, wei Menschen, die eben noch gegen konterrevolutionäre Elemente gewettert hatten, auf einmal versuchten, beim Verhökern und Abwickeln der „Kampfplätze für den Frieden“ den besten Schnitt zu machen und geschmeidig in ein Leben als Klassenfeind hineinzurutschen. Es ist ein großes Glück, dass damals auch die, die Eide, Gelöbnisse und Schwüre auf die Verteidigung des Sozialismus geleistet hatten, all dies von einem Tag auf den anderen über Bord warfen. Allerdings hat es auch ein gewisses Misstrauen gegenüber der Beständigkeit von Überzeugungen mit sich gebracht. Wie viele von denen, die sich heute als Demokraten bezeichnen oder einen Eid auf das Grundgesetz abgelegt haben, könnten genauso von einem Tag auf den anderen zu einem Rädchen in einer Vernichtungsmachinerie werden?

    (V.S.)

  • Eine Träne für die Surfpoeten

    Ich fasse es immer noch nicht wirklich. Es waren immerhin 9 Jahre. Hey – 9 Jahre! Was haben wir in der Zeit nicht alles… ? Literatur und Konzeptdisco. Wir waren so ziemlich überall in Deutschland. Und in der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden. Wir waren die erste Lesebühne mit einem eigenen Buch und die erste rauchfreie. Und die einzige spirituelle. Bei uns wurde auf der Bühne gezaubert, gekocht und geprügelt. Einen von uns haben wir sogar beerdigt: Michael Stein. Und wir haben den 2. Mai, den internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen begründet. In Königswusterhausen haben Zuschauerinnen uns ihre Geschlechtsteile gezeigt und im Ballhaus Ost wir dem Publikum unsere. Das war schon geil, mit den Surfpoeten! Ach ja. Sie fehlen mir schon jetzt.

    Aber ebenso fehlt mir schon seit geraumer Zeit die Energie. Ich habe jeden Mittwoch darum gekämpft, pünktlich zu sein – und es dann doch nie geschafft. Und der letzte, so wie früher, der bei Sonnenaufgang mit dem DJ nach hause geht, der war ich schon seit Jahren nicht mehr. Also bin ich ausgestiegen. Leider sehr abrupt, aber es ging nicht anders.

    Ich hoffe, die Jungs – und wer weiß, in Zukunft vielleicht auch Mädels? – laden mich recht häufig als Vertretung ein. Und wer will, kann sich als mein Nachfolger bewerben.

    (Andreas Krenzke)