Kategorie: Uncategorized

  • Control

    Filme, die sehr lobend besprochen oder gar von vielen Freunden empfohlen wurden, haben mich oft enttäuscht. Wahrscheinlich liegt es an den riesigen Erwartungen, die dadurch aufgebaut werden. Wenn man denkt, man wird gleich den tollsten Film der Welt sehen, kann er bestenfalls noch diesen Anspruch erfüllen, aber eigentlich ja nicht mehr positiv überraschen. Es wäre nicht das Dümmste, nur noch in Sneak-Previews zu gehen – der Anteil an schlechten Filmen und daher vergurkten Abenden ist auch nicht höher, als wenn man sich vorher genau überlegt und informiert, wofür man seine Zeit und das Eintrittsgeld opfert. Ich habe das leider nur selten gemacht und seit vielen Jahren nicht mehr, trotz guter Erfahrungen. Habe dadurch den einen oder anderen großartigen Film gesehen, in den ich nie, nie, nie gezielt reingegangen wäre … die „Siebtlbauern“ fällt mir gerade ein.

    Alternativ könnte ich auch einfach aufhören, Kritiken und Vorabberichte zu lesen und, wenn mir jemand einen Film empfehlen will, die Finger in die Ohren stecken und laut die Titelmelodie von Dallas singen.

    Ich habe trotzdem alles verschlungen, was es in den letzten Monaten über „Control“, den Film über Ian Curtis, zu lesen gab. Und ich bin sehr, sehr gespannt. Wenn ich sagen würde, dass Joy Division meine Lieblingsband war und noch immer ist, könnte ich gleich anfügen, Luft sei mein Lieblingsgasgemisch.

    Ich habe vor vielen Jahren das Buch „Touching from a distance“ gelesen, auf dem der Film beruht. Es hat mir damals nicht besonders gefallen. Das lag – so bin ich mir inzwischen sicher – daran, dass Curtis darin als ganz normaler Mensch dargestellt wird, und ich lieber etwas über eine Art Superhelden der Melancholie gelesen hätte. Inzwischen – das Alter, das Alter! – interessiert es mich gerade, wie aus der ganz normalen Scheiße des Alltags solche Kunst entstehen konnte.

    Vielleicht schaffe ich es morgen, wenn nicht dann nächste Woche Mittwoch. Eines beruhigt mich: Zumindest in musikalischer Hinsicht wird er mich zwar nicht überraschen, aber auch ganz gewiss nicht enttäuschen.

    (Volker Strübing)

  • Kalenderblatt Januar 2008

    kalender-deckblatt-th.gif kalender-01-th.gif

    Klickt auf die Bildchen!
    (Volker Strübing)

  • Kassandra und der Weihnachtsmann

    Ein Märchen für die ganze Familie. (Und für die kaputte.)

    000.jpg

    000-leer.jpg

    Es war einmal eine komische Frau namens Kassandra. Kassandra war oft traurig, weil ihr niemand zuhören wollte. Sie erzählte aber auch immer einen Quatsch! „Wir werden alle sterben!“ oder „Noch ehe euer viertes Kind geboren, werden die Blumen, die dir dein Liebster zum ersten Rendeszvous mitbrachte, verwelkt sein!“ – solches Zeug, niemand wollte das hören!  

    000-leer.jpg

    002.jpg Sie fand eine Arbeit im Comedy-Quatsch-Club, denn nur dort hörten die Leute gerne komischen Frauen zu, die Quatsch erzählten. Aber irgendwie war das auch nicht das richtige.

    000-leer.jpg

    Einmal traf sie auf dem Heimweg von der Arbeit den Weihnachtsmann.
    „Was wünschst du dir?“, fragte er Kassandra.
    „Dass mich wenigstens einmal im Leben jemand ernst nimmt!“, antwortete die Frau.
    003.jpg

    000-leer.jpg

    004.jpg „Ho, ho, ho!“, lachte da der Weihnachtsmann und ging schmunzelnd weiter.

    (Volker Strübing)

  • Auf verlorenem Posten

    Vor einer Stunde in den Schönhauser Allee Arcaden: Menschen drängeln aneinander vorbei, gucken genervt, zicken sich an, stehen Schlange wie im Osten, wenn einmal jährlich Butter verkauft wurde, und schleppen riesige Tüten voll urstem Scheiß aus den Geschäften – den ganzen Mist, der das Jahr über wie Blei im Regal lag, weil kein fühlendes Wesen je auf die Idee käme, so einen Krempel für sich selbst zu kaufen …

    Und im Untergeschoss, zwischen Weltbild, Kaisers, Tschibo und Apollo-Optik: Der Weddinger Kammerchor. Weihnachts- und Winterlieder werden gesungen, eine Frau trägt in arg gekünstleter Berliner Mundart ein humoristisches Gedicht über den Geschenkestress vor und der Chorleiter hält eine kleine Ansprache an die „lieben Kunden der Schönhauser Allee Arcaden“. Dass man doch daran denken solle, dass es bei Weihnachten nicht nur um’s Kaufen und Schenken geht und dass er sie einladen wolle, zusammen mit dem Chor ein wenig zur Besinnung zu kommen, denn Weihnachten sei ja auch ein besinnliches Fest etc.

    Das ganze wirkte wie zarte Liebeslyrik auf der Mainzer Fassenacht.

    Aber eben auch irgendwie rührend. Dem Management scheint die ganze Sache aber nicht ganz geheuer gewesen zu sein – was, wenn es am Ende funktioniert hätte? Darum wurde der Auftritt vorsichtshalber von aggressionsfördernder „weihnachtlicher“ Panflöten-„Musik“ eingerahmt.

    (Volker Strübing)

  • Schnipsel vom 18.12.2007

    • Während man auf der Post Schlange steht, hat man viel Zeit, über das Schild über dem Kopf der Schlange nachzudenken:
    • Service Wartepunkt

      Der nächste freie Mitarbeiter ist gleich für sie da.

      Ein Punkt ist ja nun eigentlich eindimensional, während eine Schlange aus mindestens zwei Dimensionen besteht. Wenn die Schlange eine exakte Linie bildet, die im rechten Winkel zum Posttresen ausgerichtet ist, kann es freilich sein, dass sie vom Standpunkt der Mitarbeiter nur wie eine Person wirkt, insbesondere, wenn vorne gerade ein großer, dicker Mann steht. Für den würde dann natürlich ein Wartepunkt oder besser: -fleck reichen. Aber in der Filiale ist leider nicht genug Platz, damit sich die vielen Wartenden exakt rechtwinklig ausrichten können. Eigentlich müssten die Postmenschen (oh, oh, das klingt fast nach Posthumanen … aber das ist ein Thema für einen anderen Weblogeintrag) also erkennen, dass ein Wartefleck nicht ausreicht.

      Halt! Ich erkenne meinen Denkfehler! Die Aussage gilt nur für den, der genau unter dem Schild steht! Klar, so muss es sein! Für alle anderen ist ja auch nicht gleich der nächste freie Mitarbeiter da, sondern erst später, nachdem sie selbst unter dem Schild angekommen sind …

      Nebenbei: Ich würde ja statt einem freien auch einen festangestellten Mitarbeiter nehmen …

    • Man muss dazu sagen, dass die Post nichts für die Wartezeiten kann. Schuld sind natürlich, die ganzen Menschen, die die Dienste der Post in Anspruch zu nehmen wünschen. Und man muss zugeben, dass sich die Mitarbeiter wirklich sehr bemühen und trotz Stress in der Regel sehr freundlich sind. Das ist jetzt nicht ironisch gemeint, sondern ganz ehrlich. (Gibt’s eigentlich auch einen „Keine Ironie“-Smiley?)
      Ich mag es sogar, wenn sie mir, nachdem ich Briefmarken gekauft habe, ein Postbankkonto anzudrehen versuchen, weil es in seiner Absurdität rührend ist: Bevor man in den Schönhauser Allee Arcaden die Schlange am Postschalter erreicht hat, muss man sich an der Schlange vor dem Postbankautomaten vorbeikämpfen und diese reicht schon bei mäßigem Betrieb bis draußen an die Rolltreppe. Wenn sie wirklich Dumme für ihre komischen Postbankkonten suchen, sollten sie den Automaten in den Keller verbannen, damit die zukünftigen Kunden nicht sehen, was sie erwartet. Oder dorthin, wo der Pfeffer wächst – man bekommt zur Zeit glaub ich ein Navigationssystem zur Kontoeröffnung billig dazu, da findet man den Weg schon.
    • Eine Sache, die das Deutsche so einzigartig macht, ist die Möglichkeit, Substantive zu Wörtern zusammenzusetzen, die so lang wie eine Postbankautomatenwarteschlange sind. Man kann auf diese Weise zum Beispiel das Wort „Postbankautomatenwarteschlange“ erzeugen. Mein derzeitiger Favorit ist etwas kürzer und stammt vom Schaufenster einer Kneipe in Leipzig: „Fassbierdauertiefpreise“

    (Volker Strübing)

  • Der goldene Kompost

    Eigentlich wollte ich den gestrigen Abend mit einem guten Freund und gutem rotem Wein in Mecklenburg-Vorpommern vor einem anheilmend knackenden Kamin verbringen, aber aus Zeitgründen wurde nichts daraus. Die Idee, den Abend stattdessen mit einer Flasche LIDL-Bier, einem Kaminfeuervideo und einem Football, auf den ich mit Blut ein Gesicht gemalt habe, zuhause zu verbringen (den Trick mit dem Football habe ich aus Lost, also dem Film jetze, nicht der Serie Cast Away), diese Idee habe ich schnell wieder verworfen. Ins Kino bin ich gegangen. (mehr …)

  • Zwei Hälften sind ein Ganzes – sind sie doch, oder?

    Ich bin jetzt 36 Jahre alt. Gestern musste ich daran denken, dass ich jetzt mein halbes Leben lang Kind bzw. Jugendlicher war und das andere halbe Leben lang erwachsen (naja, sagen wir: volljährig). Oder auch: Je ein halbes Leben lang DDR- und Bundesbürger.

    Und dann fiel mir ein, dass ja zwei halbe Leben insgesamt ein ganzes sind. Das hat mich natürlich ein bisschen verunsichert, weil ich mich fragte, was da denn noch kommen soll, wenn man schon sein ganzes Leben gelebt hat. Die Antwort, die ich schließlich gefunden habe, fand ich sehr tröstlich: Jetzt kommt die Zugabe! Das ist doch toll! Erstens brauch ich mir keine Sorgen mehr machen, irgendwas zu verpassen oder falsch zu machen, weil ja die Show mein Leben schon gelaufen ist. Zweitens ist die Zugabe ja oft das beste. Jetzt muss sie nur noch ganz ganz lange dauern.

    (Volker Strübing) 

    PS:  Oder ist ein Menschenleben wie eine Lesebühnenlesung und besteht aus 3 Hälften?

  • Schnipsel vom 21.11.07

    • Gestern lief ich mit Spider durch die Gegend und uns kam ein Mann mit albern verzerrtem Mund entgegen – er kaute sich nämlich auf dem Lippenpiercing herum.
      Ich so: „Ich glaube, das hässliche an Lippenpiercings ist gar nicht der Ring, sondern dass die Träger da ständig drauf rumkauen oder mit ihrer Zunge dran rumlecken.“
      Spider: „Was bin ich froh, dass sich die Träger von Brust- und Genitalpiercings da besser im Griff haben.“
    • Früher war alles besser. Zum Beispiel haben Akkus nicht solange gehalten. Da war das mit dem Aufladen des Handys zum Beispiel viel einfacher, das war eben in Fleisch und Blut übergegangen. Eine angenehme Routine: Handy aufladen, bis 10 zählen, das Handy wieder aufladen, bis 10 zählen, das Handy … und so weiter. Heute muss ich mein Handy nur noch einmal pro Woche aufladen – und das vergesse ich dann natürlich. Und gerade, wenn man es wirklich ganz dringend braucht, ist es dann doch leer.
      Ich würde diesen Weblogeintrag gern mit einer Anekdote würzen, in der ich Kenntnis von einem unmittelbar bevorstehenden Bombenattentat erhalte, mein Handy zücke, um die Polizei zu informieren der BILD-Zeitung Exklusivmaterial zu verkaufen, und in diesem Moment verabschiedet sich mein Teleffon mit einem letzten Tideldüt. Leider ist mir sowas noch nicht passiert, aber das kommt schon noch. Und dann habe ich endlich wirklich Grund mich über langhaltende Akkus zu beschweren!
    • Gestern habe ich mir „Funktionsunterwäsche“ gekauft. Tolle Sache. Früher gab’s ja nur weitgehend funktionslose Unterwäsche. Es wird eben alles besser, auch wenn ich eben noch das Gegenteil behauptet habe. Leider war keine Bedienungsanleitung beigelegt. Erst wollte ich mich deshalb beschweren, aber ich lese sowieso nur selten Handbücher. Ich bin sicher, dass ich die Funktionen meiner neuen Unterhose nach und nach durch Ausprobieren herausfinden werde. Und wenn nicht: Es gibt bestümpt irgendwo im Internet ein Support-Forum.

    (Volker Strübing)

  • Im Vergleich zu Freunden werden 1-Euro-Jobber doch eigentlich ganz gut bezahlt …

    Sonnabend und Sonntag habe ich Freunden beim Malern geholfen. Schönes Wochenende! Und das meine ich nicht ironisch. Eigentlich war das Wochenende dadurch sogar wochenendiger, als wenn ich nicht gemalert hätte. Dann hätte ich nämlich beide Tage am Computer gehockt und Krempel erledigt oder sogar was geschrieben. So verging es sehr entspannt und schön bei leichter körperlicher Betätigung, angenehmen Gesprächen und Spaghetti Carbonara.
    Erst beim zweiten Zimmer mussten die beiden sich von mir die Frage gefallen lassen, ob sie eigentlich wüssten, wieviele Tausend Arbeitsplätze in Deutschland dadurch vernichtet werden, dass Leute selbst malern und unbezahlte Freunde dabei einsetzen. Und als beim dritten Zimmer, dem Kinderzimmer, einiges an Feinarbeit geleistet werden sollte, erzählte ich von meinem Kinderzimmer, damals im Osten … die unverputzten Wände, verschönt nur von einigen aus dem Bummi-Heft ausgeschnittenen Bildern, die über die schlimmsten Schimmelflecken geklebt waren … und dabei gehörte ich noch zu den Privilegierten, zumindest nachdem mein Opa in den Westen gegangen war und ab und zu Pakete schickte. Mit Kaugummis, die ich nach dem Gebrauch in die Ritzen kleben konnte, durch die der kalte Ostwind jener Jahre pfiff … und hat’s mir geschadet? Was weiß ich!

    Die Geschichte wurde wohlwollend zur Kenntnis genommen, Konsequenzen wurden jedoch nicht daraus gezogen. Ich schlug dann vor, das Kind entscheiden zu lassen; ich war mir sicher, die Antwort zu kennen, wenn ich fragen würde: „Was ist Dir lieber: eine Kinderüberraschung oder dass ich mir mit der Stelle da hinter dem Heizungsrohr Mühe gebe?“

    Dafür wurde der Herr des Hauses von mir zu einer kleinen Fotosession in den leeren Räumen zwangsverpflichtet. Ich hatte extra die Gitarre und ein Plakat als Requisiten mitgebracht und mir die 40cm langen Nasenhaare abgeschnitten:

    malern.jpg

    In den letzten Stunden am Sonntag konnten wir dann bei der Arbeit die Show Royale hören, mit Ahnes Zwiegesprächen mit Gott, Konrads „Im Visier“, Spiders „Robinson“ und mit Kloß und Spinne (gestern kam die Folge mit der Arbeit, ab nächste Woche müssten daher die bisher unverfilmten Episoden laufen). Gar nicht dabei waren gestern Funny van Dannen (wobei ich ihn singend ohnehin viel besser finde, als wenn er im Radio aus seinem Buch vorliest) und das Supertopcheckerbunny, das ich sehr vermisst habe (obwohl ich es anfangs wegen der gepitchten Stimmen nicht leiden konnte).

  • Merry christmas, you arse, I pray god it’s our last

    Ist das eigentlich Regression, wenn man mit 36 wieder anfängt, die alten Pogues-Platten zu hören? Ach, und wenn schon!

    (Volker Strübing)