Kategorie: Weltverbesserung

  • Du, Internet, ich hab da mal ne Frage … (1)

    Das folgende soll Auftakt einer kleinen Reihe sein. Mal sehen, wie lange ich sie durchhalte. Ich denke gerne über die Zukunft nach, in letzter Zeit wieder besonders viel und vor allem über die Zukunft des „des Netzes“ und die Auswirkungen auf uns kleine Fische, die sich darin verfangen haben. Das liegt zum Teil an der Urheberrechtsdiskussion, zum anderen, weil ich an einem Weltentwurf für einen möglichen SF-Roman bastle. (Bitte keine Nachfragen – falls ich den tatsächlich schreiben sollte, dann nicht in nächster Zeit!) Das Problem ist, dass beim Nachdenken mehr Fragen als Antworten rauskommen. Und ein paar davon wollte ich jetzt mal in dieses Internetdingens reinschreiben.

    Weisheit der Massen oder Dummheit des Mobs?

    Es gibt dieses Experiment: Wenn man 100 Leute das Gewicht eines Ochsen schätzen lässt und den Durchschnittswert bildet, erhält man ein Ergebnis, das ziemlich nahe am tatsächlichen Gewicht des Ochsen liegt. Die Wahrscheinlichkeit für ein annähernd korrektes Ergebnis ist auf jeden Fall viel höher, als wenn man irgendeine einzelne Person befragt. Mit diesem Experiment wird gerne die „Weisheit der Vielen“ oder die „Schwarmintelligenz“ illustriert.

    Ich habe allerdings keine Ahnung, was das mit Weisheit zu tun haben soll. Und vielleicht ist ja unter den 100 Leuten einer, der sich sehr gut mit Ochsen auskennt und eine viel zuverlässigere Schätzung abgeben kann – seine Erfahrung wird im Gesamtergebnis kaum ins Gewicht fallen. Vielleicht ist sogar ein „Weiser“ unter den 100, der auf den Abstimmungszettel schreibt: „Hey, lasst uns doch eine Waage holen, dann wissen wir’s genau“, aber diese Antwort wird natürlich als ungültig gewertet.

    Welche Schlussfolgerungen für die Zukunft der Politik bringt die Theorie von der Weisheit der Vielen mit sich? Ihre Umsetzung in der Wirtschaft ist ein radikal freier Markt; wäre das politische Gegenstück die direkte Demokratie?

    Darf man der Masse politische Entscheidungen überlassen? Hat sie nicht ein Recht, die Entscheidungen, die ihr Leben und ihre Zukunft betreffen, selbst zu fällen, wenn dies möglich ist? Und mit welcher Rechtfertigung kann man noch die alte, langsame, korruptions- und erstarrungsanfällige Vertreterdemokratie verteidigen, wenn das Netz in Zukunft eine direkte Demokratie technisch möglich macht?

    Aber können „die Vielen“ Entscheidungen treffen, die nicht einfach nur den momentanen Interessen des durchschnittlichen Individuums innerhalb dieser Masse entsprechen? Ich glaube, man braucht Brems- und Korrekturmöglichkeiten und einen Rahmen, der die Entscheidungsfreiheit des Kollektivs eingrenzt, Mechanismen, die uns vor unserer eigenen Dummheit schützen und verhindern, dass aus der Demokratie ihr böser Bruder, die Ochlokratie, die „Tyrannei des Pöbels“ wird – oder die Herrschaft von Peter und Erika Mustermann.

    100 Leute stehen um einen Ochsen herum und beglückwünschen sich dazu, wie toll sie sein Gewicht geschätzt haben. Dem Ochsen wird das irgendwann zu dumm, er schnaubt und scharrt mit den Hufen. Der Ochsenexperte will erklären, dass kein Grund zur Beunruhigung bestehe, man müsse sich nur langsam und leise zurückziehen, aber leider ist er einer der ersten, die in der ausbrechenden Panik zu Tode getrampelt werden.

    Ist übrigens Wikipedia ein Beispiel für die Weisheit der Massen? Nö. Nur für ihren Fleiß. Hier wird Wissen zusammengetragen und auf bequeme Art zugänglich gemacht – aber es wird kein Wissen geschaffen. Und funktionieren kann es nur, weil die Mitwirkenden weitgehend auf alles verzichten, was sie zu Individuen macht: eigene Meinung, eigenen Geschmack, eigene Moral.

    Wie steht es eigentlich um Schwarmempathie, die Moral der Vielen oder die Kreativität der Massen? Auch dazu habe ich keine Antwort, sondern nur eine Meinung und viele weitere Fragen – was mich nicht davon abhalten wird, demnächst darüber zu schreiben.

     (Volker Strübing)

  • Weltuntergang 2012 – Was Sie jetzt beachten müssen

    Vielleicht glauben Sie ja gar nicht , dass im Dezember die Welt untergeht. Vielleicht halten Sie das alles für kompletten Blödsinn und sich selbst für besonders schlau, wenn Sie mit wichtigtuerischem Gehabe erzählen, dass einfach nur ein neuer Zyklus im Maya-Kalender anfange und überhaupt: Erst neulich sei ein noch viel älterer Maya-Kalender gefunden worden, der weit über das Jahr 2012 hinausginge.

    Glauben Sie, was Sie wollen, aber denken Sie mal darüber nach, dass Sie diese Informationen wahrscheinlich aus dem internet haben – genau wie ich mein Wissen um das bevorstehende Ende der Welt.

    Und ist es nicht besser, sich vorzubereiten, als dann eines Morgens womöglich doch dazustehen, „Ups“ zu sagen und angesichts der auf einmal doch eintretenden Apokalypse nicht ein, noch aus zu wissen?

    Hier kommen sie, die 10 ultimativen Weltuntergangstips und unser exklusives Angebot für die Rundum-Sorglos-Weltuntergangsversicherung. Für Skeptiker und Überzeugte. Und keine Sorge: Ich betreibe ganz gewiss keine Panikmache, denn der wichtigste Tip lautet:  (mehr …)

  • Heraus zum 2. Mai!!!

    So, ick habs mal wieder nicht geschafft, mich um irgendwas zu kümmern, aber nachher, wenn die Olle von Schicht kommt und uff die Gören uffpasst, geh ick in den Keller und suche das Fronttransparent. Wir haben leider keinen Fanfarenzug und das mit den Kremsern, die jemand klarmachen wollte, hat auch nicht geklappt. Aber angemeldet isse schon längst. Die Große Demonstration anlässlich des Internationalen Kampf- und Feiertages der Arbeitslosen. Am 2. Mai. Um 13 Uhr am Senefelder Platz in Berlin. Seit 2005 Demonstrieren wir gegen den Zwang zur Lohnarbeit. Für gut bezahlte Arbeit – und gut bezahlte Arbeitslosigkeit. Gegen die Spaltung der Menschheit in Arbeitende und Arbeitslose. Gegen die Spaltung der Arbeitslosen in Arbeitssuchende und Arbeitsscheue. Gegen die Diskriminierung Arbeitsloser. Gegen eine veraltete Arbeitsethik. Für mehr Roboterisierung, Automatisierung und Rationalisierung. Gegen überflüssige Arbeit und sinnlose Produkte. Für ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Denn das Leben ist kein Lohn!

    (Andreas Krenzke)

  • Extra langweilige Überschrift eines Artikels, der fast ohne Piraten-Bashing auskommt

    Vor ein paar Tagen schrieb ich, dass mir die Idee einer Kulturflatrate sehr sympathisch sei. Dann habe ich angefangen, darüber nachzudenken 😉

    Das Nachdenken hätte ich mir sparen könne: Steht ja alles schon im Internet. Und natürlich sind all die Probleme, die mir aufgefallen sind, auch schon anderen in den Sinn gekommen. Auch der Lösungsansatz, der mir einfiel, ist selbstverständlich schon anderen eingefallen und gründlich durchdacht worden. Aber wenn ich, bevor ich anfange nachzudenken oder zu schreiben, jedesmal nachgucken würde, ob ich mir das sparen kann, weil da schon andere drüber nachgedacht und geschrieben haben, dann kann ich die Schreiberei gleich ganz aufgeben.

    Hier also meine Gedanken zur Kulturflatrate, vielleicht ist sogar der eine oder andere dabei, der zumindest nicht genauso schon woanders steht, wenn nicht, ist es einfach eine Dokumentation des Standes meiner eigenen Überlegungen:

    Die Grundidee ist einfach und prima: Es wird von allen Internetnutzern eine pauschale Abgabe erhoben, dafür ist der Download von Musik, Filmen, Büchern frei und legal. Das eingenommene Geld wird unter allen Urhebern aufgeteilt, je nachdem, wie oft ihre Werke heruntergeladen wurden. Die Gebühr könnte ganz einfach von den Internetprovidern eingezogen werden.

    Klingt erstmal super, aber:  (mehr …)

  • Was gesagt werden muss

    In all den Debatten um das Urheberrecht und den Iran-Israel-Konflikt geht leider völlig unter, dass die BVG zu blöd ist, ein halbwegs perspektivisch korrektes Brandenburger Tor auf die U-Bahn-Scheiben zu malen:

    Man sehe sich nur mal den zweiten Pfeiler von links an, jede Scheibe ist mit diesem krepeligen Ding bedruckt, sowas macht mich ganz wuschig und wann immer es geht, versuche ich die U-Bahn zu meiden (schade, dass der Schienenersatzverkehr auf der U2 aufgehoben wurde). Dann doch lieber die eingekratzten „mandy ist foll schwuhl“- und „GrlmprxxZ“-Schriftzüge, die man damit wahrscheinlich verhindern will.

    Ich war übrigens doch sehr überrascht, welche Wellen mein Piraten-Artikel geschlagen hat. Ich hatte zwar mit (für Schnipselfriedhofsverhältnisse) vielen Lesern und Kommentaren gerechnet, aber nicht damit (12.000 Abrufe am Dienstag). Ich möchte mich auf alle Fälle bei allen bedanken, die den Beitrag geteilt haben, und auch bei den (meisten) Kommentatoren.  Sehr froh bin ich darüber, dass sich die Beschimpfungen in engen Grenzen gehalten haben und inhaltliche Auseinandersetzung überwog. Danke übrigens auch für viele sehr gute Links in den Kommentaren.

    (Volker Strübing)

  • Liebe Piraten: Fickt euch. Aber nicht mich.

    Achtung: Noch hast Du die Möglichkeit, diesen Beitrag nicht zu lesen. Wenn Du es doch tust, möchte ich hinterher keine Beschwerden darüber hören, dass der Inhalt dem fetzigen Titel nicht gerecht werde, sondern insgesamt zu versöhnlich sei. Die Überschrift wurde ausschließlich in der Hoffnung gewählt, möglichst viele Leute neugierig zu machen – ganz im Sinne einiger Piraten, die die Hauptaufgabe und -qualifikation eines Künstlers darin zu sehen zu scheinen, auf sich selbst aufmerksam zu machen.

    Ich habe mir einige Aussagen der „101 Piraten für ein neues Urheberrecht“ vorgenommen und kommentiert. Vorher aber noch kurz etwas zu mir und der Situation, aus der heraus ich die Diskussion betrachte: Ich bin Urheber (obwohl mir das ein bisschen zu sehr nach Möbelträger klingt), Autor, um genau zu sein. Seit 11 Jahren bin ich freischaffend. Viele Jahre habe ich meinen Lebensunterhalt mit 150 bis 180 Auftritten pro Jahr bestritten, in den letzten Jahren wirkte ich an drei Produktionen für das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit und lebte zu einem wichtigen Teil davon. Letztes Jahr war ich für ein halbes Jahr als Aufstocker beim Jobcenter, das nur zur Info, weil Leute dazu tendieren zu glauben, man habe ausgesorgt, wenn man mal was fürs Fernsehen gemacht hat. Momentan stehe ich wieder vor allem auf Bühnen. Nächstes Jahr gibt’s ein neues Buch,

    Meine Versuche, im Internet mit den von mir frei zur Verfügung gestellten Inhalten Geld zu verdienen, waren bisher nicht besonders erfolgreich (trotzdem Dank an alle, die mir über Flattr etwas haben zukommen lassen). Das liegt vielleicht nur daran, dass ich mich dabei nicht besonders geschickt angestellt habe – mit Kloß und Spinne hätte sich vielleicht etwas machen lassen – aber ehrlich: Ich stecke meine Kraft und Zeit und mein Talent nunmal lieber in die kreative Arbeit, als in die Selbstvermarktung.

    Beim Lesen der Statements der 101 Piraten hatte ich generell den Eindruck, man würde unter Urhebern vor allem Musiker und Softwareentwickler verstehen und – wie es scheint der einzige wirkliche parteiinterner Konsenz –  als sei die GEMA der Leibhaftige. Ich kann und will mich dazu nicht äußern, aber da die Diskussion alle Arten von Urheberschaft betrifft, kann noch ein bisschen Autorensenf nichts schaden.

    So, aber jetzt mal Butter bei die Fische. (mehr …)

  • Zum Abendbrot gab’s Clown

    Ja, das ist albern und eines Erwachsenen nicht würdig und wahrscheinlich darf ich jetzt nie mehr in der Schauburg in Dresden auftreten, aber ich konnte es mir einfach nicht verkneifen und wer in einem Backstageraum Akten aufbewahrt ist ja auch ein bisschen selber Schuld. Ich hatte jedenfalls viel Freude daran (deutlich mehr als die Kollegen, denen ich es mit großem Trara und stolzgeschwellter Brust gezeigt habe und die es so hihi-naja fanden).

    (VS)

  • Maßnahmen zur Weltrettung – Heute: Ressource Wal

    Hinsichtlich des kürzlich vor Belgien gestrandeten Pottwals Teofiel, der jetzt zu Biodiesel verarbeitet werden soll, stellt sich natürlich sofort die Frage, inwieweit Wale zukünftig einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten können. Allein der aus diesem Tier gewonnene Brennstoff liefert immerhin genug Strom, um 14 Haushalte ein Jahr damit zu versorgen. Beim Wal handelt es sich also um einen nachwachsenden Rohstoff von großem ökonomischen und ökologischen Potential.

    Insbesondere sei hierbei darauf hingewiesen, dass die Gewinnung von Bio-Diesel aus Walfett gegenüber dem Anbau herkömmlicher Energiepflanzen wie Raps, Soja oder Ölpalmen den Vorteil hat, das weder Regenwälder gerodet, noch eigentlich für den Nahrungsmittelanbau nötige Ackerflächen umgewidmet werden müssen. Die beiden großen Probleme der Biobrennstofferzeugung wären elegant umgangen, kein Baum müsste für Waldiesel sterben, kein Teller bliebe leer – außer vielleicht in Japan, Island und Norwegen, aber der Verzehr von Walfleisch in diesen Ländern stellt ohnehin eine untolerierbare Barbarei dar. Die gutmütigen und intelligenten Riesen sind viel zu schade zum Essen.

    Schoneinmal zeigten sie, welches Potential in ihnen steckt. Im 19.Jahrhundert gab es in mehreren europäischen Großstädten eine öffentliche Straßenbeleuchtung mit Waltranlaternen. Aufgrund der Ruß- und Geruchsproblematik, der geringen Lichtausbeute und gewisser logistischer Schwierigkeiten, die allabendliche Betankung und Entzündung betreffend, sind diese natürlich keine ernstzunehmende Alternative zur elektrischen Straßenbeleuchtung mehr.

    Die Umwandlung von Walen, diesen ebenso liebenswerten wie energiereichen Meeressäugern in Biodiesel hingegen stellt eine zeitgemäße Art dar, unseren flossenbewährten Freunden einen angemessenen Platz im nachhaltigen, umweltschonenden und ethisch korrekten Energiemix der Zukunft zuzuweisen. Denkbar ist zum Beispiel die Verwendung des Waldiesels zum Betrieb riesiger Ventilatoren, die direkt vor Windkraftanlagen aufgestellt werden, um drohende Spannungsabfälle an windarmen Tagen zu vermeiden, und so die Windenergie berechenbarer und handhabbarer zu machen.

    Für die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung würde eine Imagekampagne der Windparkbetreiber sorgen. Ich seh sie schon vor mir: Ein lächelnder Comicwal, der in eine Spielzeugwindmühle pustet und dazu der Spruch: Wale machen Wind – für saubere Energie.

    Natürlich ist es dafür entscheidend, eine dauerhaft ausreichende Versorgung mit den gemütlichen, hübsche Lieder singenden Moppelchen der Meere sicherzustellen. Zu Zeiten der Waltranbeleuchtung ging man leider etwas achtlos mit der Ressource Wal um, weshalb die Waljagd heute nicht mehr ausreichen kann, die benötigten Walmengen bereitzustellen. Und auf gelegentliche verirrte Strandwale zu warten, kann auch nicht die Lösung des Problems sein. Die gute Nachricht ist, dass für ein Land wie Deutschland schon die vergleichsweise kleine Zahl von 1,2 Millionen Pott- oder sogar nur 0,7 Millionen Blauwalen ausreicht, um sage und schreibe 12,3 Prozent des Gesamtenergiebearfs zu decken.

    Alternativ ließe sich dieselbe Menge auch durch Verdieselung des dicksten Viertels der US-amerikanischen Bevölkerung erzielen, allerdings gilt diese Bevölkerungsgruppe in Amerika als strategische Energiereserve für den Fall eines arabischen Ölembargos. Die Ausfuhr stark übergewichtiger Amerikaner, auch ins befreundete Ausland unterliegt daher strengen Beschränkungen.

    Die Walversorgung muss daher mittels Walfarmen sichergestellt werden. Zum Glück sind Wale, diese tot auf dem Strand liegend so rührend hilflos wirkenden, im Wasser aber sehr agilen und eleganten Giganten, sehr gesellige Tiere, wie geschaffen für die massenhafte Haltung in relativ kleinen Unterwasserkäfigen in Nord- und Ostsee.

    Darüberhinaus könnte die Walzucht auch dem Tourismus in der Region neue Impulse geben. Insbesondere Massenschlachtungen in kleinen Buchten wären ein Besuchermagnet, der viel geld in chronisch unterentwickelte Regionen bringen würde. Gegen eine entsprechende Gebühr etwa könnte der Tourist sich einen der lustigen Gesellen reservieren lassen und ihn mithilfe einer Art Speer vom Ruderboot aus höchstpersönlich seiner höheren Bestimmung im Rahmen der Energiewende zuführen. Denkbar sind ferner unvergesslich romantische Hochzeitsfeiern. Denken Sie nur an das Hochzeitsfoto: Der Ehemann im Smoking, bis an die Knie im Wasser stehend, dem tausend ausblutende Moby Dickerchens die Farbe der Liebe verliehen haben, auf den Händen die Braut im weißen Hochzeitskleid, Sonnenuntergang, das ganze Programm halt, wenn ich nochmal heirate, dann nur so.

    Selbstverständlich sind vorher noch einige Vorbehalte seitens von falsch verstandener Tierliebe geleiteter sogenannter „Walschützer“ auszuräumen. Hierbei ist vor allem darauf hinzuweisen, dass Wale, wenn sie denn wirklich so intelligent sind, wie allenthalben behautet, die ersten wären, die meinem Vorschlag zustimmen würden.

    Es ist doch so: Der Wal steht vor einer historischen Entscheidung. Will er wie bisher fröhlich und gedankenlos in den Tag hineinleben, seine ulkigen Lieder pfeifen und auf das Aussterben warten? Oder ist er endlich bereit, Verantwortung für sich und den ganzen Planeten zu übernehmen und sich Seite an Seite mit seinem besten Freund, dem Menschen, dem Klimawandel und der Abhängigkeit von arabischem Öl und russischem Gas entgegenzustellen? Der Wal kann hierbei nur gewinnen. Der Mensch versorgt ihn mit Nahrung und gewährleistet seine massenhafte Vermehrung. Und wie schon andere Tierarten vor ihm – genannt seien das Schwein, die Kuh oder der Hund – käme der Wal in den Genuss einer durch planvolle Züchtung beschleunigten Evolution und stetigen Verbesserung. Sicher sind damit gewisse Einbußen an Lebensqualität und Freiheit verbunden, und auch die Aussicht, bei Erreichen der Volljährigkeit zu Diesel verarbeitet zu werden, mag nicht allzu erfreulich erscheinen, doch die Einsicht in die Notwendigkeit, der Stolz auf die eigene Rolle bei der Rettung des Planeten und das Wissen um die zahlreichen Vorteile für die eigene Spezies, wird den klugen und emfindsamen Trantönnchen die Unannehmlichkeiten versüßen.

    Ich sage: Eine bessere Welt ist möglich. Wir haben die Wal. Denn wir haben den Wal!

    (VS)

  • Ist Zivilisationskritik eigentlich eine Zivilisationskrankheit?

    (Spoilerwarnung: Teile dieser Geschichte werden wohl in den nächsten Kloß-und-Spinne-Film Eingang finden!)

    Nach einer Lesung in Olten tranken Micha, einige liebe Menschen und ich noch ein Bier in der Bar des Veranstaltungsortes. Ich staunte über ein altes Telefon, das an einem Pfeiler der Bar hing. Mit Wählscheibe, Münzeinwurfschlitz, grauem Hörer und allem drum und dran. Dazu wurde uns folgende Geschichte erzählt:

    Einige Tage zuvor hatte ein sehr junger Mann die Barfrau gefragt, ob er mal telefonieren könne, sein Handyakku sei alle. Die Barfrau wies stumm auf das altertümliche Gerät, der Mann nickte und stand dann unschlüssig vor dem Telefon, bis die Barfrau sich erbarmte und ihm erklärte, dass er seinen Zeigefinger in das Loch mit der zu wählenden Ziffer zu stecken und dann die Scheibe im Uhrzeigersinn bis zum Anschlag zu drehen habe. Begreifen und wohl auch eine vage Erinnnerung zeichneten sich auf dem Gesicht des Mannes ab; er machte sich umgehend ans Werk, wählte sichtlich aufgeregt Ziffer um Ziffer – und hob anschließend den Hörer ab.

    So siehts aus. Schon tauchen die ersten Leute auf, die nichteinmal mehr mit einem Slider-Handy mit Tasten klarkommen, sondern verzweifelt über das Display wischen, wenn man es ihnen in die Hände drückt.

    Das iphone wird uns alle zu Idioten machen. Ich weiß: Das ist auch schon vom Fernsehen und tausend anderen Dingen behauptet worden, aber diesmal stimmt es!

    Zu glücklichen Idioten immerhin, die niedliche Spiele mit witziger Cartoongrafik spielen, in sozialen Netzwerken vor sich hinschnattern und sich in Kneipen gegenseitig ihre tollsten Apps zeigen. Als H. G. Wells „Die Zeitmaschine“ schrieb, da schrieb er über uns, die selig über ihre Displays wischenden Eloi und die Morlocks von Apple und Co.

    Liebe im Jahr 2015, wie muss man sich das vorstellen? „Hallo Mädchen, bitte streiche mir mit den Fingern über den Hosenstall, um meine Penis-App zu starten.“ – „Ja, Junge. Und dann ziehe ich den BH aus, damit du meine beiden Gefällt-mir-Buttons drücken kannst.“ – „Sehr gerne. Anschließend werde ich ein paar Megabyte genetischer Daten in deinen Uterus hochladen.“

    Hör mir auf! Niemand braucht ein iphone und trotzdem brauchen alle ein iphone. Als sei menschliches Leben vor dem iphone praktisch gar nicht möglich gewesen. Die Urmenschen, die sind noch ohne sowas ausgekommen. Die hatten eine Höhle, ein Fell und genau zwei Apps: Einen faustkeil und einen angespitzten Stock, der über die beiden Funktionen „Feuermachen“ und „Mammut erlegen“ verfügte. Wer wollte, hat sich noch eine Keule gesucht und „Angry Cavemen“ gespielt.

    Mark Twain schrieb: „Zivilisation ist die unablässige Vermehrung unnötiger Notwendigkeiten“ und wenn das nicht hellsichtig war, weiß ich ja auch nicht. Wer so doof ist, sich ein iphone zu kaufen, wird schnell feststellen, dass es ein Zivilisationsbooster ist, denn mit seiner Anschaffung potenziert sich die Anzahl der unnötigen Notwendigkeiten auf der Stelle. Selber schuld, wer sich so einen Scheiß ins Haus holt, kann ich da nur sagen, und ich weiß wovon ich rede!

    Hab mir vor ein paar Tagen nämlich endlich selbst ein iphone gekauft. Von Samsung. Wenn Zewa Softies auch Tempotaschentücher sind, ist mein Samsung auch ein iphone. Nur viel besser. Weil es Android als Betriebssystem hat und man dafür zum Beispiel auch animierte Erotik-Bildschirmschoner runterladen kann, die es nie in Apples puritanischen Appstore schaffen würden. Nicht dass ich mir einen animierten Erotik-Bildschirmhintergrund installieren möchte, aber ich will die Möglichkeit dazu haben!

    Innerhalb der ersten Stunde nach dem Einrichten lud ich vier Spiele, einen Taskmanager, einen Businesskalender, einen Traffic-Monitor und einen C64-Emulator herunter, außerdem mehrere Musik- und Videoplayer, Apps für GMX, Facebook, Wikipedia, Flickr, WordPress und Twitter, dazu diverse Wetter-, Kalender-, Batteriestatus-, Taschenlampen- und To-Do-Listen-Widgets, i-beer für Android, einen Furztongenerator, diverse Musikvideos und eine isländische Kochsendung ohne Untertitel, einen animierten Erotik-Bildschirmhintergrund (einfach nur um ein Zeichen gegen die Zensurpolitik von Big Brother Steve Jobs zu setzen), einen Schlipsknotenassistent, einen interaktiven Makramee-Kurs, ein Kirgisisch-Wörterbuch, ein finnisches Reimlexikon und natürlich die allernötigste unnötige Notwendigkeit: So ein Programm, mit dem man Fotos machen kann, die dann wie alte Polaroids oder so aussehen.

    Und mit dem fotografierte ich in der folgenden Stunde eine Blume und eine Wolke und eine Wand, deren Putz bröckelte und ein „Fickt das System“-Grafitto, einen weggeworfenen Regenschirm, eine nackte Schaufensterpuppe,eine Oma, einen Mann, der ins Gebüsch pinkelte, diverse vorbeilaufende Frauenbeine, noch eine Wand mit bröckelndem Putz, meine Füße, einen Fahrkartenautomaten, einen Hund, einen Hundehaufen, ein umgekipptes Fahrrad, einen vollen Aschenbecker, eine Bratwurstbude, einen Zaun, eine überfahrene Taube, die ich mit der Bildunterschrift „Warum?“ versah und noch einiges mehr, und alles sah automatisch aus wie ganz große Kunst, und dann habe ich den ganzen Quatsch bei Facebook, Flickr, WordPress und jeder anderen Datenmüllkippe, die ich finden konnte hochgeladen, aber da war schon alles voll mit solchem Mist, und es hat niemanden interessiert. Und daraufhin habe ich mir hinter einer Hecke die Hose runtergezogen und meinen Hintern fotografiert mit so einem Tilt-Effekt, wo alles aussieht wie eine Modellbahnanlage, und dafür gab es dann immerhin zwei oder drei „Gefällt mir“-Klicks.

    Dann habe ich noch ein halbes Stündchen mit dem Furztongenerator gespielt, der wirklich sehr, sehr gut ist und über diverse Einstellmöglichkeiten verfügt. Anschließend habe ich verzweifelt versucht, die Onlinebezahlfunktion einzurichten, weil ich mir die Vollversion des  animierten Erotik-Bildschirmhintergrundes kaufen wollte, da die Gratisversion nur drei Damen enthält, scheiterte aber. Frustriert steckte ich das iphone weg, holte mein Schreibheft und meinen Füllfederhalter aus der Tasche, schrieb diese Geschichte und kam genau bis zu dieser Stelle …

    Aber mir wollte und wollte kein Ende einfallen. Wie gut, dass ich ein iphone hatte! Ich startete Facebook und schrieb: „Hat mal rasch jemand ein gutes Geschichten-Ende für mich?“

    Und schon trudelten die Vorschläge ein. „.“ von Tim, „Ich danke meiner Mutter“ von Frau Schnickschnack, „… woraufhin er explodierte“ (Marvin), „Rumsdibums. Und Ende.“ (Andreas), Sids „Er ließ den Motor laufen und stieg aus“ oder „Keine Hände, keine Kekse“ von Dan und das hochdramatische „Bleich wie ein ausgetrockneter Knochen starrte er auf sein Spiegelbild und erschrak – so konnte es doch nicht enden!“ von Daniela.

    Aber irgendwie schienen sie mir alle nicht so recht zu passen. Nachdenklich schaltete ich mein iphone aus, der Bildschirm wurde schwarz. Bleich wie ein ausgetrockneter Knochen starrte ich auf mein Spiegelbild im Display und erschrak – so konnte es doch nicht enden!

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    (VS)

  • Was haben eine Wasserrutsche und ein Rind gemeinsam?



    Wohl jeden hat diese uralte Menschheitsfrage schon so manche Nacht um den Schlaf gebracht. Henri und ich haben auf einem Ausflug mit dem RE 5 in den Fläming die Antwort gefunden: Beide machen glücklich. Und – das sei mit aller Deutlichkeit gesagt – Letzeres eben nicht nur, wenn es in Scheiben geschnitten und medium gebraten ist.
    Wir haben uns auf eine Recherchefahrradtour (lange Geschichte …) von Jüterbog nach Luckenwalde begeben, sind irgendwo zwischen Jüterbog und Zinna auf diese Weide gestoßen und – als Großstädter von Tieren übermäßig beeindruckt – abgestiegen, um uns die Rinder anzugucken. Die Faszination war beidseitig. Kaum standen wir am Zaun, setzten sie sich allesamt in Bewegung, reihten sich vor uns auf und guckten zurück.





    Ganz ruhig und geduldig standen sie da, manche sabberten und pinkelten ein bisschen vor sich hin; schön war das und beglückend (also wie sie uns angeguckt haben; das Sabbern und Pinkeln fand ich eher so lala). Da dachte ich mir mal wieder, dass diese Viecher doch eigentlich was Besseres verdient haben, als von uns aufgegessen zu werden, und dass ich keins von ihnen irgendwann auf dem Teller wiedersehen will.
    Man könnte natürlich darauf verweisen, dass sie selbst Schuld sind am Aufgegessenwerden – was schmecken sie auch so gut? – oder wie dereinst Spinne argumentieren, dass es diese Rinder dort auf der Weide nicht gebe, wenn wir sie nicht aufessen wollen würden – unser Appetit ist ihre Lebensgrundlage, denn nur zum Angucken und Fahrradfahrerglücklichmachen werden die wenigsten Rinder gezüchtet. Leider.

    (So muss ne Espressomachine aussehen! – Kräuterschnapsmuseum im Kloster Zinna – Home of the Zinnaer Klosterbruder)

    Am Kloster Zinna kann man neben dem Schnapsmuseum (samt Verkostung) auch ein Halseisen an der Klostermauer besichtigen. Als zwei ältere Damen und ein älterer Herr daran vorbeigingen, entspann sich folgendes hübsche Gespräch:
    Herr: Halseisen! Da müsste man die ganzen Graffitischmierer ranketten!
    Dame: Aber die kriegen se ja nie …
    Herr: Und wennse se kriegen, lässt der Richter se frei, weil er sagt, dass das „Kunst“ ist!
    Dame: (schnaubt)

    (Alle ans Halseisen! – Beschmiertes Trafohäuschen in Zinna.)


    (Die Bibel – Hochspannung garantiert!)


    (Vorrausschauendes Handeln ist entscheidend für geschäftlichen Erfolg. Auf diesem Schild in Luckenwalde wurde ausreichend Platz für zukünftige Erweiterungen des Angebotes gelassen Obwohl schon jetzt eigentlich kaum Wünsche offen bleiben.)

     
    Letzte Station war die Therme in Luckenwalde. Erst waren wir etwas enttäuscht vom „Erlebnisbereich“, der aus zwei Whirlpools und zwei Planschbecken zu bestehen schien. Die Whirlpools hatten immerhin einen gewissen Unterhaltungswert. Sie lagen etwa 5 Meter über einem der Planschbecken und man konnte, auf dem Bauch im blubbernden warmen Wasser liegend, die Ellbogen auf den Beckenrand gelegt auf eine Gruppe Rentner hinabblicken, die Wassergymnastik machten. Sie hatte alle solche langen, dünnen, bunten Schwimmwürste zwischen den Beinen, deren Enden vor und hinter ihrem Kopf aus dem Wasser standen – die alten Leutchen erinnerten verblüffend an Quietscheentchen, wie sie da im Kreis durchs Wasser latschten. Am Beckenrand ging eine unglaublich dünne Frau auf und ab, ruderte dabei mit den Armen und zählte immer von 10 bis 1, bevor sie die nächste Übung erklärte, die ein etwas anderes Armkreisen erforderte. Ihre Stimme erinnerte mich ein bisschen an die Sirenenprobe, die wir um 15.00 Uhr in Zinna erlebt hatten. Sie sprach die Zahlen in ein Headset, das aber offensichtlich mit nichts verbunden war. Nach ein paar Minuten trieb uns schließlich die Schlagermusik, mit der die Quietscheentchenbeschallt wurden aus dem Whirlpool. Wenn ich in dem Alter für Wassergymnastik bin, werden uns die Vorturnerinnen wahrscheinlich schlechte 80er-Jahre-Musik vorspielen …

    Und dann entdeckten wir die Wasserrutsche. So ein langes, hübsch gewundenes Plasterohr, durch das man mit einem Gummireifen durchsausen kann. Wahrscheinlich winken die meisten jetzt ab, weil sie sowas schon lange kennen, aber ich bin doch aus dem Osten, wir hatten doch nüscht! Für mich war es jedenfalls das erste Mal – und es war fast so schön wie die  guckenden Kühe. Oder genauso schön, nur auf andere Art. Hatten mir die Kühe das Herz gewärmt, sorgte die Rutsche für minutenlange Kicherflashs.

    So genug geschnipselt für heute. Eigentlich sollte hier ein ellenlanger Artikel über  Lybien stehen, den ich vorgestern Abend geschrieben habe. Zum Glück hatte ich ihn ersteinmal per Hand geschrieben und war dann zu faul, ihn abzutippen und zu posten und habe daher noch eine Nacht drüber geschlafen und gestern gemerkt, dass er ziemlich dusslig war …

    (VS)


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