Heiliger-Vater-Content (Vater sein dagegen … 3)

Hurra, heute darf ich wieder über das Vatersein berichten. Ich habe mir vorgenommen, höchstens in jedem zweiten Beitrag darüber zu schreiben und zwischendurch fleißig andere schöne Themen wie Schokolade, Fotografie oder Atombomben zu behandeln. Aber jetzt wieder: Kinder- oder genauer gesagt: Vater-Content. Quasi Heiliger-Vater-Content, weil es um ein himmlische Thema geht, genauer gesagt um die Frage, wie es sich im Himmel eigentlich lebt und wie das Paradies organisiert ist.

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Nikita verkauft doch nichts bei Ebay

„Liebe hilfsbereite Freunde, es ist sehr schön, wie viele Sachspenden uns angeboten werden. Aber leider hat Ebay neue Nutzungsbedingungen…“
Mehr darüber auf Nikitareloaded.com.
„Wir haben uns entschlossen, diese Auktionsaktion abzubrechen. Wenn wir eine Alternative zu Ebay finden (über Hinweise freuen wir uns) versuchen wir es wieder…
Nun aber danken wir allen Sachspendern ganz ganz dolle…  Einen ganz fetten Dank auch an alle, die Geld auf das Vereinskonto gespendet haben…“ Wie das geht, steht auch auf Nikitareloaded.com.

„…Danke euch allen
Spider, Sabine, Atari & Nikita“

Nikita der kleine Autist.

„Liebe Freunde,wie Ihr sicher wisst ist unser Sohn Nikita Autist. Nikita ist fast 5 Jahre alt. Er konnte bis vor kurzen überhaupt nicht …“
Bastelmonat Advent. Habe gerade ein Blog angefertigt. Für meinen Sohn Nikita und sein AuJA!-Programm. Guckt mal rein.
„… uns auf jeden Fall freuen, wenn ihr uns unterstützt und auch eurer Familie, euren Bekannten und Kollegen von uns und unserem Anliegen berichtet. …
Vielen Dank
Spider, Sabine, Atari und Nikita“

(Andreas Krenzke)

Endlich erwachsen!

Seit dreieinhalb Wochen bin ich nun 40 Jahre alt, somit ins zweite Lebensdrittel eingetreten und fühle mich gut damit. 39 sein ist doof, 40 sein ist gut. Zumal ich es geschafft habe, meinen großen Vorsatz für das 41. Lebensjahr zu erfüllen: Ich hatte beschlossen, endlich erwachsen zu werden. Also jetzt nicht gleich esstisch-erwachsen, aber doch immerhin brieftaschen-erwachsen.

Ja, ich habe mir eine Brieftasche gekauft, ein Portjuchhe, wie wir es früher genannt haben. Meine letzte hatte ich soweit ich mich erinnere in der Schule, mit 12 oder 13 vielleicht, und darin habe ich Kaugummibilder gesammelt. Das mache ich nicht mehr, sondern ich verwende die Brieftasche, um darin Münzen, Scheine, Kassenbons und Karten (und – als kleine Reminiszenz ans Kaugummibildersammeln – ein Passbild von Renato Kaiser) aufzubewahren. Falls ihr noch nie eine Brieftasche benutzt habt, kann ich das nur empfehlen: Man kommt sich unfassbar seriös vor, wenn man sie hervorzieht und dann weltmännisch im Münzfach kramt.

Außerdem habe ich festgestellt, dass es eine verdammt praktische Angelegenheit ist. Das hätte mir ruhig schon früher mal jemand sagen können. Ich hielt mich immer für clever, weil ich dachte: Bevor ich in die Hosentasche greife, das Portemonnaie herausziehe, dann das Portemonnaie öffne, dort in diversen Fächern das Geld zusammensuche, dann das Wechselgeld nach Scheinen und Münzen sortiert in den entsprechenden Fächern verstaue, die Brieftasche zuklappe und sie in die Hose zurückbugsiere, bin ich doch viel schneller, wenn ich das Geld direkt aus der Gesäßtasche fördere. Allerdings hatte diese Technik den kleinen Nachteil, dass ich oftmals Kleingeld, alte Kassenzettel und vergessene Pfandbons großzügig auf dem Boden des Kassenbereichs verteilte (fragt mich nicht, wie oft ich den Spruch „Na, Sie müssen’s ja ham, wenn ses einfach so wegschmeißen könn!“ gehört habe). Ganz zu Schweigen von dem allabendlichen Münzregen in meiner Wohnung, wenn ich meine Hose ausgezogen habe.

Meistens habe ich an der Kasse dann nur nach einem Schein gefischt, weil ich keine Lust darauf hatte, den Schaufelhandbagger einzusetzen und zu riskieren, das wieder die Hälfte des Hosentascheninhalts dem Ruf der Schwerkraft folgt. Das hatte natürlich zur Folge, dass der Anteil an kleinen Münzen im Laufe des Tages ständig wuchs und damit von Abend zu Abend auch die Schicht aus Kupfermünzen, durch die ich in meiner Wohnung waten muss.

In den letzten Wochen kam es gelegentlich vor, dass ich jemandem mit strahlenden Augen und stolzgeschwellter Brust meine Brieftasche zeigte und sie mich ungläubig anguckten: Wie ich denn die ganzen Jahren ohne Brieftasche ausgekommen sei? Ich erklärte dann mein (doch nicht ganz so) geniales Hosenbrieftaschenkonzept. Und die Karten? Was ich denn mit den Karten gemacht hätte? Die fanden selbstverständlich im perfekten Notizbuch Platz.

(Symbolbild: Brieftasche / Münzregen / Schweiz)

Das Leben mit einer Brieftasche bringt auch ganz neue Abentuer und Erfahrungen mit sich: Vor Kurzem war ich zu einem Poetry Slam im Schiffbau in Zürich und leider war deutlich mehr Alkohol im Spiel, als für mich (und einige andere) gut gewesen wäre – in der Schweiz passiert das irgendwie immer, das muss an der absinth- und whiskygesättigten Schweizer Luft, vor allem der im Großraum Zürich liegen. Nach dem Slam standen F. (vollständiger Name ist der Redaktion bekannt), ein paar andere Leute, der Siegerschnaps, den F. gewonnen hatte, und ich an der Bar herum. Schließlich beschloss F. noch einen Abstecher nach Winterthur zu machen, wo ebenfalls ein Slam stattgefunden hatte und einige gute Freunde und Kollegen den Abend in einer Karaoke-Bar ausklingen lassen wollten. Ich wollte ins Bett und machte mich ein paar Minuten, nachdem er aufgebrochen war, auf den Weg zum Hotel.

Am nächsten Morgen zog ich mich an und stellte fest, dass meine Hose ziemliche Steuerbordschlagseite und meine Brieftasche offensichtlich über Nacht deutlich an Umfang gewonnen hatte. Schnell stellte sich heruas, das sie schlank wie eh und je war – allerdings war eine zweite Brieftasche hinzugekommen. Beide sahen identisch aus, aus der einen grinsten mich wie gewohnt ich selbst und Renato an, aus der anderen der Kollege F. …

Genau lässt sich nicht mehr rekonstruieren, was geschehen war: Entweder hatte er seine Brieftasche auf die Bar gelegt und ich hatte sie während er daneben stand in der Annahme eingesteckt, es sei meine. Oder er hatte sie selbst vergessen und ich hatte sie erst nach seinem Aufbruch eingesackt, ohne zu merken, dass da schon was in meiner Hosentasche steckte.

Ich rief ihn natürlich sofort an – und erwischte ihn direkt auf der Polizeiwache, wo er gerade eine Anzeige wegen Taschendiebstahls machte. Er war glücklich, von mir zu hören, flüsterte aber, er könne jetzt nicht reden, er müsse das jetzt durchziehen, er könne doch jetzt nich sagen, April, April, ein Kumpel hat sie besoffen eingesteckt …

Später trafen wir uns zur Übergabe und er erzählte mir, dass er den Verlust bemerkt habe, als er in die Bahn nach Winterthur einstieg und am Automaten eine Fahrkarte ziehen wollte. Und weil der Schreck über die vermeintlich geklaute Brieftasche nicht reichte, kam prompt auch noch eine Fahrkartenkontrolle. Ich bin sicher, F. hatte schon entspanntere Partynächte.

Ich wüsste zu gern, ob ich ihm die Brieftasche quasi gemopst oder sie im Gegenteil unbewusst gerettet habe, nachdem er schon aufgebrochen war. Aber das wird sich wohl nie klären lassen. Ersteres ist mir durchaus zuzutrauen, Letzteres halte ich aber auch nicht für ausgeschlossen, wenn ich daran denke, dass F., nachdem er die Anzeige erstattet hatte, seine Notizbücher auf der Polizeiwache liegen ließ …

(VS)


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Kloß und Spinne: Aus der Traum …

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Für jemanden, der so großes Gewese darum macht, sich gar nicht für Fußball zu interessieren, beschäftige ich mich doch erstaunlich viel mit der WM.

Hier ist der erste Teil einer neuen Kloß-und-Spinne-Serie, die ich „Quickies“ nenne – sie sollen viel kürzer sein als die normalen, dafür aber häufiger kommen. An diesen anderthalb Minuten habe ich dann doch von 8.30 morgens bis 2.00 Uhr nachts (mit 3 Pausen zwischendrin) gesessen, woran aber auch Günther Netzer eine gewisse Mitschuld trägt. Trotzdem ist das ein überschaubarer Arbeitsaufwand: Text, Ton, Bild, Animation, Zusammengebastel – alles in einer Schicht geschafft.

Norbert kann sich jetzt um 180 Grad drehen und Schnaps eingießen, Kloß erklärt, warum man die Nationalmannschaft gerade jetzt lieben muss und mit Horst ist irgendwas Unheimliches passiert. Außerdem wird endlich die Frage geklärt, wie Chopins Trauermarsch eigentlich auf einer Vuvuzela klingt …

Und jetzt, jetzt ist es 2.52 Uhr. Während das Video hochgeladen wurde, habe ich 2 Wein in der gar nicht genug lobbaren Eselsbrücke getrunken. Ich bin todmüde und weiß genau, dass ich nach diesen vielen Stunden am Computer und bei dem Wetter nicht schlafen können werde. Ich denke, ich setz mir Kopfhörer auf, höre Mozart, fahre einmal mit dem Fahrrad um den Weißen See oder durch den Schlosspark Pankow oder beides, vielleicht hilft das ja. Und dann lese ich noch elf Kurzgeschichten von Murakami (offensichtlich ist mir gerade etwas bildungsbürgerlich zumute) und morgen Mittag, wenn ich aufwache, werde ich hoffentlich immer noch gut finden, was ich heute verzapft habe, trotz all der Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten, die mir beim Probegucken auffallen werden.

Gute Nacht/Guten Morgen

(VS)

Eine Träne für die Surfpoeten

Ich fasse es immer noch nicht wirklich. Es waren immerhin 9 Jahre. Hey – 9 Jahre! Was haben wir in der Zeit nicht alles… ? Literatur und Konzeptdisco. Wir waren so ziemlich überall in Deutschland. Und in der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden. Wir waren die erste Lesebühne mit einem eigenen Buch und die erste rauchfreie. Und die einzige spirituelle. Bei uns wurde auf der Bühne gezaubert, gekocht und geprügelt. Einen von uns haben wir sogar beerdigt: Michael Stein. Und wir haben den 2. Mai, den internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen begründet. In Königswusterhausen haben Zuschauerinnen uns ihre Geschlechtsteile gezeigt und im Ballhaus Ost wir dem Publikum unsere. Das war schon geil, mit den Surfpoeten! Ach ja. Sie fehlen mir schon jetzt.

Aber ebenso fehlt mir schon seit geraumer Zeit die Energie. Ich habe jeden Mittwoch darum gekämpft, pünktlich zu sein – und es dann doch nie geschafft. Und der letzte, so wie früher, der bei Sonnenaufgang mit dem DJ nach hause geht, der war ich schon seit Jahren nicht mehr. Also bin ich ausgestiegen. Leider sehr abrupt, aber es ging nicht anders.

Ich hoffe, die Jungs – und wer weiß, in Zukunft vielleicht auch Mädels? – laden mich recht häufig als Vertretung ein. Und wer will, kann sich als mein Nachfolger bewerben.

(Andreas Krenzke)

Das große Zittern

Ich bin ganz schön aufgeregt. Heute in drei Wochen läuft die erste Folge unseres Films. Im Fernsehen, verrückt, oder? Ich habe keine Ahnung, was da auf uns wirklich zukommt. Selbst wenn die Einschaltquoten minimal werden sollten, werden das doch viel mehr Leute sehen, als alles, an dem ich vorher beteiligt war. Wahrscheinlich werden auch ein paar Berichte in Zeitungen stehen, und sicher wird auch der eine oder andere Verriss darunter sein. Das wird hart, aber da muss man durch. Selbst Schuld, wenn man sich an die Öffentlichkeit wagt; ich habe es ja nicht anders gewollt. Für mich ist das alles eine Riesensache, immerhin war ich auch mit dem Film und dem Buch 9 Monate beschäftigt (andere schaffen in der Zeit ein Kind) und ich habe noch nie bei etwas so Großem und Aufregenden mitgemacht. Meine Kurzgeschichte und YouTube-Filme hatten ein durchschnittliches Produktionsbudget von vielleicht zwei Euro, bei „Nicht der Süden“ lag es deutlich darüber, was auch dazu führt, dass die Verantwortung, seinen Teil gutgemacht zu haben, viel größer ist, und dass man sich umso stärker fragt, ob man ihr gerecht geworden ist. Das müssen natürlich die Zuschauer entscheiden. Sehr beruhigend ist der Gedanken, dass es so eine „Riesensache“ nur für uns Beteiligte ist. Von einem anderen Standpunkt aus ist es nur ein klitzekleiner Beitrag unter Millionen anderen im großen weißen Rauschen der Medienwelt …

Genauso aufgeregt bin ich, was das Buch angeht. Kirsten und ich haben getrennt daran geschrieben, es gibt also zwei Teile, die durch 32 Seiten mit wunderschönen Fotos getrennt sind. Kirsten hat einen kurzen Roman geschrieben, über den ich nur verraten will, dass er sehr gut ist und eine sehr überraschende Grundthematik und Herangehensweise an das Projekt hat. Mein Teil erzählt eins zu eins von der Reise und den Dreharbeiten und vor allem von mir und das ist komisch, weil es so privat geworden ist. Das hatte ich gar nicht unbedingt geplant, und ob es eine gute Idee war, weiß ich nicht, aber es ging nicht anders.

Morgen früh kann man sich übrigens Kirsten und mich angucken, wie wir unausgeschlafen Fragen beantworten. gegen 8.50 Uhr im ZDF Morgenmagazin. Bin mal gespannt. Ich muss es ja zum Glück nicht sehen, das ist ein Vorteil von Live-Ausstrahlungen.

(Volker Strübing)

Prost Neujahr!

Soso, also wieder mal vorbei so ein Jahr, war ja leicht zu erkennen, an den Girlanden und den vielen Pfannkuchen und so. War eigentlich ein ganz gutes Jahr, ich denke: ich nehme noch eins. Einiges war 2008 besonders schön: LSD – Liebe Statt Drogen hat mit dem Lokal ein neues Lokal und mit Elis ein neues Mitglied bekommen. Ich habe in der Bar jeder Vernunft fünf Shows gestaltet, die letzte davon, am Montag war sogar richtig voll. Der 2. Mai 2008 hat ein größeres Medienecho ausgelöst, als alle 2. Mais zuvor (Straßenfeger, Das Magazin… naja). Ich bin an einigen für meine Verhältnisse recht exotischen Orten aufgetreten: der größten Kirchenbaustelle Deutschlands, einem Mausoleum, und in einem Gefängnis. Außerdem ist mir aufgefallen, was für ein schnuckelig kleines, geradezu bescheidenes Event Weihnachten darstellt. Okay, sie holen lange Anlauf, aber wenn es nach drei Tagen vorbei ist, dann ist es auch vorbei und wird nicht ständig rückblickend beschworen. Viel sympathischer als diese WM-, EM-, Olympia-Geschichten, oder der Rummel, der gemacht wird, wenn der Papst stirbt oder ein neuer Präsident der Welt USA gewählt wird oder wenn ein Literaturkritiker das Fernsehen kritisiert. Ich bin außergewöhnlich häufig zum lesen gekommen. Die Lieben Kleinen haben sich nicht von den Viren unterkriegen lassen und die Liebe Große nicht von mir. Ich habe mir in der Shoppingmetropole meines Herzens Saarbrücken ein paar Hausschuhe gekauft. Mein zweites Buch ist erschienen. Weiter so!

Für´s Neue wünsche ich mir, mehr zum Musik hören zu kommen. Und zum Schreiben, auch hier im fabelhaften Schnipselfriedhof, den der liebe Volker ja leider fast im Alleingang befüllen muss. Außerdem wünsche ich Berlin, dass dieser Pro-Reli-Quatsch scheitert. Sympathisch am neuen Jahr ist auch, dass es, wenn ich recht informiert bin, weitgehend ohne Fußballgroßveranstaltungen auskommt.

Allen geneigten Leserinnen und Lesern des Schnipselfriedhof wünsche ich ein frohes 2009!

(Andreas Krenzke)