Heiliger-Vater-Content (Vater sein dagegen … 3)

Hurra, heute darf ich wieder über das Vatersein berichten. Ich habe mir vorgenommen, höchstens in jedem zweiten Beitrag darüber zu schreiben und zwischendurch fleißig andere schöne Themen wie Schokolade, Fotografie oder Atombomben zu behandeln. Aber jetzt wieder: Kinder- oder genauer gesagt: Vater-Content. Quasi Heiliger-Vater-Content, weil es um ein himmlische Thema geht, genauer gesagt um die Frage, wie es sich im Himmel eigentlich lebt und wie das Paradies organisiert ist.

P1180201

In den Details weicht das Paradies ein bisschen von der Vorstellung, die ich mir davon gemacht habe ab, aber im Prinzip funktioniert es genauso, wie ich es mir immer gedacht habe. Es war klar, dass ich nicht den ganzen Tag Harfe spielen würde, während mir gebratene Tauben in den Mund fliegen und 72 Jungfrauen sich um den Haushalt und die Buchhaltung kümmern. Weil das zutiefst langweilig und nach spätestens 1000 Jahren die reinste Hölle wäre.

(Ich hasse es, auf mein eigenes Oeuvre hinzuweisen, aber bei aller gebotenen falschen Bescheidenheit muss ich an dieser Stelle doch auf meinen sehr schönen Roman „Das Paradies am Rande der Stadt“ hinweisen, der sich sehr eingehend mit dieser Thematik beschäftigt, allerdings zu anderen Ergebnissen kommt, als dieser Blogartikel.)

Eine Lösung für das Dilemma fiel mir vor vielen vielen Jahren in einer Phase meines Lebens ein, in der intensives Nachtleben auf regelmäßige Erwerbstätigkeit traf. Zu den glücklichsten Erinnerungen an jene Zeit zählen die Samstagmorgende, an denen mich der Wecker morgens um sieben aus dem Schlaf riss und mir (nach einer Sekunden blanken Horrors) einfiel, dass ich ja weiterschlafen konnte! Das Paradies, so begriff ich, ist ein Ort, an dem dauernd der Wecker klingelt und man dann weiterschlafen kann.

20170622_190150

(Keine Fotos!)

Und ob nun ein Wecker klingelt oder ein Baby schreit – das ist vollkommen Wurst. Es gab zwischendurch mal eine Phase, da hat die Tochter durchgeschlafen, ich schlief abends neben ihr ein und wachte am nächsten Morgen nach phantastischen 5 oder sogar 6 Stunden Schlaf am Stück  neben ihr auf,meine Augenringe begannen sich zurückzubilden, ich taperte nicht mehr komplett wie ein Zombie durch die Weltgeschichte und ließ nicht innerhalb von drei Tagen Rucksack, Gitarre und Portemonnaie liegen (lange Geschichte, erzähle ich demnächst).
Das ist zum Glück vorbei. Sie ist jetzt 7 Monate und die Zähnchen drücken oder sie träumt schlecht, weil sie doch mehr von The Walking Dead mitbekommen hat, als ich dachte oder was weiß ich.

Ich weise vorsorglich darauf hin, dass das ein Scherz war. Wir haben nicht zusammen Walking Dead geguckt (nur walking dad, haha). Das einzige, was sie bis jetzt auf dem Bildschirm gucken durfte, war das Livestreaming eines Auftritts ihrer Mutter, und ich hoffe nicht, dass sie davon Albträume bekommen hat.

20170627_204303

(Na gut, und ein klein bisschen House of Cards.)

Jedenfalls wacht sie wieder mehrmal pro Nacht auf, aber es ist mehr wie am Anfang, als man eine halbe Stunde mit Wickeln und Stillen beschäftigt war, sondern meistens reicht es, ihre Hand zu nehmen und kurz Schschscht… zu sagen, und sie kuschelt sich an meinen oder den mütterlichen Arm und schläft wieder ein. Schon dieser Anblick sorgt für gehörige Serotonin- oder Wasauchimmer-Ausschüttung und dann … darf ich wieder einschlafen! Und Einschlafen, das ist doch eigentlich das Schönste, nicht, wie ich hier noch fälschlich schrieb, der Schlaf selber. Und je öfter einem das pro Nacht passiert, desto besser. Unterm Strich bleiben meist ja immer noch gute 5 Stunden Nettoschlaf. Wenn das nicht das Paradies ist, weiß ich ja auch nicht. Die 72 Jungfrauen wären trotzdem ganz nett, es dürften auch gerne Altfrauen oder Jungmännern sein, Hauptsache, sie kümmern sich um den Haushalt. Ich glaube, ich habe in den letzten 6 Monaten ungefähr soviel Hausarbeit erledigt wie in all meinen Singlejahren zusammengenommen.

(Wobei die neugewonnene Freude am Abwaschen, wenn man dabei Podcast hören kann, einen eigenen Beitrag wert wäre – bleibt mir weg mit Spülmaschinen!)

P1170344

Mein innerer Therapeut behauptet, ich würde mir hier etwas schön reden, aber was weiß der schon. Unangenehm nur, wenn das mit dem Einschlafen mal nicht klappt und ich ewig wach liege und mir Gedanken mache. Um die Gott, die Welt und die Frage, was für ein Vater ich eigentlich sein will. Aber dazu schreibe ich im übernächsten Blogartikel etwas und freue mich einstweilen, dass ich diesmal (knapp) unter 4000 Zeichen geblieben bin. *)

*)Dies galt, bis ich gerade eben den Text noch einmal durchlas und noch einen Absatz einfügte.

2 Gedanken zu „Heiliger-Vater-Content (Vater sein dagegen … 3)

  1. …ach, Volker, wenn ich das lese, dann werden Erinnerungen wach. Gute sowohl auch sehr unausgeschlafene. Und das Nachdenken im abendlichen Bettritual genieße ich sogar noch heute -nach knapp sieben Jahren. Schön. Schön. Ich freu mich für Euch.

Kommentare sind geschlossen.